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Veröffentlicht am 11.10.2018

Spannung Fehlanzeige

Pfad der Lügen
2

Sally lebt mit Matthew, ihrem Mann und ihren Kindern Chloe und Theo zusammen. Eine Familie wie im Bilderbuch, denkst du? - Da täuschst du dich. Da Theo sehr wenig schläft und gefühlt ewig zum Einschlafen ...

Sally lebt mit Matthew, ihrem Mann und ihren Kindern Chloe und Theo zusammen. Eine Familie wie im Bilderbuch, denkst du? - Da täuschst du dich. Da Theo sehr wenig schläft und gefühlt ewig zum Einschlafen benötigt, wird Sally immer angespannter. 4 Stunden Schlaf? – Für sie ein Traum. Da ist Matthew ihr auch keine Hilfe, ganz im Gegenteil: Nett gemeinte Gesten führen zu noch mehr Stress für Sally. Sie hat das Gefühl, bald unter der Last zusammenzubrechen. Und dann wacht sie eines Nachts in Cornwall am Rand von Klippen auf und alles deutet drauf hin, dass sie Selbstmord begehen hat wollen. Für sie selbst ist jedoch klar: Sie würde das ihren Kindern niemals antun. Wer also hat alles so eingerichtet, dass es wie ein Selbstmord aussah? Und die viel wichtigere Frage: Warum?


So spannend sich das alles vielleicht anhören mag, ich möchte gleich vorwegnehmen: Spannung hatte ich in diesem Buch wenig und auch die Handlung hat mir nicht gefallen.

Klar, irgendwie war sie ja schon außergewöhnlich und verworren und tragisch und…ja. Aber irgendwie konnte mich all das nicht mitreißen.

Vielleicht liegt das daran, dass ich mich mit keiner der Personen identifizieren konnte. Keine lieb gewinnen konnte. Im Gegenteil, eine Person unsympathischer als die andere. Immer dieses oberflächliche Gelaber von wegen „Wir kriegen das schon alle zusammen hin“, oder „Ich helfe dir“. Und die Gedanken von Sally sind auch nicht gerade besonders…interessant.

Auf den ersten 150 Seiten drehen sich diese permanent um Theo und wie sie es bloß mit ihm aushalten soll. Nun könnte man argumentieren, dass es wichtig war, darzustellen, wie schlecht es ihr ging – aber ehrlich, ich hätte das nicht in dem Ausmaß gebraucht. Für mich war da einfach zu wenig Bewegung in der Hautperson. Die meiste Zeit war sie einfach daheim und hat immerzu dasselbe gedacht, mit Personen um sich herum, die sich meistens übertrieben höflich verhielten (was mir als Leser mit der Zeit ziemlich auf die Nerven ging.)

Das Ende war das einzige, was mich noch ansatzweise irgendwie berührt hat. Aber dann habe ich das Buch zur Seite gelegt und mir gedacht: War ja irgendwie klar, so was in der Art.

Enttäuschung. Meine Vermutung: Das liegt einfach daran, dass die Autorin ihre Charaktere dem Leser so gestaltet hat, dass man gar kein Interesse daran hat, wie es mit ihnen weitergeht, denn sie sind einem weder sonderlich sympathisch noch übertrieben unsympathisch.

Auch wenn es da natürlich Kelly gibt. Aber selbst da wollte sich keine große Unsympathie bei mir breitmachen – vermutlich, weil da nicht genug Sympathie für Sally war.

Deshalb schließe ich mit dem Fazit:
An sich vielleicht keine schlechte Idee, aber gewiss ausbaufähig. Besonders, was Spannung angeht.

Veröffentlicht am 03.09.2018

So abwechslungsreich wie die Geschichtsschreibung, ist auch dieses Buch

Land im Sturm
1

Auf über 900 Seiten durchlaufen wir die Geschichte von 955 im Welschen in den Alpen bis 1848 in Deutschland. 5 Teile, die aufeinander aufbauen und zentrale Wendepunkte der Geschichte markieren.
„Land im ...

Auf über 900 Seiten durchlaufen wir die Geschichte von 955 im Welschen in den Alpen bis 1848 in Deutschland. 5 Teile, die aufeinander aufbauen und zentrale Wendepunkte der Geschichte markieren.
„Land im Sturm" von Ulf Schiewe war für mich ein Glücksgriff.

Ich gebe zu, 925 Seiten Buchlänge mögen zunächst erschreckend wirken. Bei diesem Buch braucht man jedoch wirklich nicht in Sorge sein:
Der flüssige Schreibstil und die handlungsreiche Geschichte lassen einen schnell jegliche anfängliche Sorge vergessen.
Deshalb meine Bitte: Wendet euch nicht wegen der Seitenzahl gleich von diesem Buch ab, bevor ihr Näheres wisst oder die ersten 3 Kapitel gelesen habt:
Gebt diesem Buch eine Chance.

Inhaltsübersicht:

Teil 1:
955. Kleines Dorf, von Welschen, Nachkommen romanisierter Kelten, bewohnt. Genauer: In einer Familie eines Hufschmieds, dessen Erbe Arnulf antreten wird. Sein älterer Bruder Volkmar möchte Bauer werden. Wie es das Schicksal will, wirft die Vogtstochter ein Auge auf Arnulf. Und dann ist da noch die Angst vor den Ungarn, die jeden Moment einziehen und alle Dörfer plündern könnten. Die Probleme nehmen ihren Lauf...

Teil2:
Lüneburg/Lümborg, 1146. Wieder in einer Schmiedsfamilie, bestehend aus Arnulf und Gero, vermutlich Nachkommen des Arnulfs aus Teil1. Außerdem im Wendenland bei deren Schwester Irmhild, die mit Erik zusammen ist. Dieser, einst ein sächsischer Fischerssohn, versucht nun sein Glück als Seefahrer und Kaufmann.
Kein Leben in Frieden: Die Angst und Unsicherheit plagen sie. Denn die Sachsen werfen begehrliche Blicke auf das heidnische Wendenland, Herzog Heinrich der Löwe bereitet schon einen Kreuzzug gegen dieses vor.
Zu allem Unglück geraten Gero und Arnulf auch noch in eine Schlägerei, deren Konsequenzen Gero bis in den Tod hinein verfolgen...

Teil3:
1647. Ein Krieg jagt schon seit beinahe 30 Jahren übers Land und „hinterlässt eine breite Schneise des Schreckens und des Elends". Das Volk leidet unter den Machtkämpfen der Fürsten. Wir begleiten eine Schwadron unter der Leitung von Ewalt Freiherr von Billung, deren Vorfahren uns in in den Teilen zuvor als Nebenpersonen begegnet sind.
Doch in der Schwadron rumort es. Noch mehr in Ewalts Herz: Er hat genug vom Krieg und nicht übel Lust, zu desertieren. Wenn nötig, mit der ganzen Truppe...

Teil4:
„Januar 1813. Napoleon hat eine empfindliche Niederlage erlitten. (...) Niemand denkt daran, die Monarchie abzuschaffen, und doch muss sie erneuert werden." Die preußische Armee ist geschlagen und wird neu organisiert.
Der König zögert: Er hat Angst, durch seine Entscheidung sein ganzes Land zu verlieren.
Wir sind in einer Familie, Nachfahren der Schmiedsfamilie. Noch stehen sie finanziell gut. Wir begleiten Hedwig, die die meiste Zeit auf ihrer Arbeit bei den Buschardts als Magd verbringt.
Alles gut so weit, wäre nicht eines Tages der Freiherr Ewalt von Billung bei den Buschardts zu Gast gewesen und hätte er kein Auge auf Hedwig geworfen...

Teil5:
Februar 1848.
Hedwigs Sohn Ewalt ist "ein fähiger Ingeneur" geworden. "Fabriken wachsen aus dem Boden und verdrängen die kleinen Handwerksbetriebe".
Deshalb steigt die Arbeitslosigkeit.
Hedwigs Familie gehört jedoch zu „den Gewinnern der industriellen Entwicklung". Aus der kleinen Hammerschmiede ist die Schmitt-Werke geworden, die sich nun auf den Bau von Dampfmaschinen und Gleisen konzentriert.
Ob das jedoch so bleibt, ist fraglich, denn die Konkurrenz ist hart...

Familiennamen tauchen immer wieder auf, so besonders die Namen Hedwig, Arnulf, Gero, Ewalt und von Billung. Im Prinzip begleitet man das komplette Buch über die gleichen Familien, sodass sich ein besonderer Effekt herausbildet: Man wird Zeuge einer Familiengeschichte. Verwechslungsgefahr besteht meiner Meinung nach jedoch nicht.

Auch hat man keine Schwierigkeiten, sich in die jeweilige Zeit mit ihren wirtschaftlichen und politischen Problemen einzufinden, da der Autor vor jedem Teil zwischen 1 und 3 Seiten die aktuelle Lage kurz und anschaulich geschildert hat.

Das Buch ist gespickt mit zahlreichen Dialogen, aber auch die Beschreibungen der Umgebungen und Arbeitstechniken sowie die Gesellschaft zu dieser Zeit bewegende Themen kommen nicht zu kurz.
Aber auch hier braucht man nicht in Sorge zu sein: Der Autor versteht es wunderbar, wahre Begebenheiten mit Fiktion zu vermischen, ohne, dass sich der Leser dabei langweilt. Im Gegenteil, in mir ist zumindest mein geschichtliches Interesse wieder vollends aufgeblüht!

Ich denke, die Inhaltsübersicht zeigt zur Genüge auf, wie abwechslungsreich die Handlungen des Buches sind. Es wird einem nie langweilig, da der Autor immer gekonnt alles, was das Leserherz begeht, miteinander vermischt. Nichts kommt zu kurz, nichts ist zu lang.

Politik, Wirtschaft, Handwerk, Militär, Kampf, Waffen – Langeweile? Sicherlich nicht.
Wer wirklich an nichts von alledem Interesse hat – den interessiert vielleicht die Art zu leben der Menschen an sich, die Ängste, die sie plagten oder die Art, wie mit Krankheiten umgegangen wird.
Selbst (tragische) Liebschaften und Tode kommen hier nicht zu kurz. Das nur, um zu zeigen, was für Themen in diesem Buch unterschwellig mit aufgegriffen werden.

Zu den Figuren lässt sich sagen: Sie sind mir sehr stark ans Herz gewachsen, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass man eine Familiengeschichte miterleben durfte. Dabei sind die Charaktere ebenso abwechslungsreich wie die Handlung. Und findet man mal eine Ähnlichkeit zwischen den Verwandten – so freut man sich, diese wieder miterleben zu dürfen.

Mein Fazit:
Ein Buch, das ich niemals vergessen werde. Der Autor hat es geschafft, mich nicht nur für seine Werke, sondern auch für die wahren Begebenheiten, die dahinterstecken, zu öffnen.
Meine Empfehlung: Lesen, mitfiebern und faszinieren lassen!

Veröffentlicht am 02.07.2018

Zurückversetzt in die Zeit um 1682 – ein absolutes Highlight

Das Mätressenspiel
1



Ein unglaublich gelungener historischer Roman von Anfang bis Ende – „Das Mätressenspiel“ von Martha Sophie Marcus.
1682, Hannover. Helenas Familie ereilt die schockierende Nachricht, dass ihr Zwillingsbruder ...



Ein unglaublich gelungener historischer Roman von Anfang bis Ende – „Das Mätressenspiel“ von Martha Sophie Marcus.
1682, Hannover. Helenas Familie ereilt die schockierende Nachricht, dass ihr Zwillingsbruder Lorentz umgekommen ist. Als ob das nicht schon schlimm genug ist, beansprucht ihr Onkel Roderik nun das gesamte Familienerbe für sich, da er der einzige verbliebene männliche Nachfahre der Familie Brünneck-Minnigerode ist.
Hinzu kommt die noch immer währende Verschuldung der Familie. Alle setzen nun auf Helena: Diese soll Adrian von Schwanewede heiraten und würde so das Gut Minnigerode sichern. Doch es kommt anders.
So muss sich Helena auf den Weg zu Hofe begeben. Ihre einzige Hoffnung – einen Ehemann zu finden, der ihrer Familie aus der Patsche helfen könnte.
Dass sie dabei jedoch in ein gefährliches Intrigenspiel der herzoglichen Mätresse gerät, damit hätte sie sicherlich nicht gerechnet.

Zu Anfang möchte ich gleich erwähnen: Das war mein erster historischer Roman und er konnte mich von Anfang an durchweg begeistern.
Die Autorin hat es durch den etwas altmodischen Redestil der Figuren geschafft, mich sofort in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückzuversetzen.

„Dein Urteilsvermögen in diesen Dingen ist über jeden Zweifel erhaben(S. 32).“

Wie eine Herzogin auf einem Schloss durfte ich mich dank zahlreicher nebensächlichen Komponenten fühlen: Die der Zeit angepassten Wortwahl, die (Schloss-)Gärten, die ungeschriebenen Regeln zu Hofe und die Art der Kleidung.
Was ich garantieren kann: Eine Spannung, die sich durch das gesamte Werk zieht, in einem stetigen Anstieg. Nur auf den letzten Seiten findet sich ein leichter Abfall, aber selbst da will man wissen: Und, wie geht es nun weiter?
All das nicht nur der interessanten Handlung wegen, viel mehr wegen der einfallsreichen Charaktere, die diese Autorin geschaffen hat. Diesen hat die Schriftstellerin nämlich eine solch realistische Form verliehen, auch im Hinblick auf den historischen Hintergrund, ihren jeweiligen Stand und ihre derzeitige Situation, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufiebern.
Martha Marcus hat es geschafft, Emotionen so zu vermitteln, dass sie bis in mein Herz gedrungen sind.
„Die Spätsommersonne kämpfte mit den Wolken, so wie Helena mit den Wolken in ihrer Seele kämpfte(S. 435).“

Man kann gar nicht anders, als durch diese Wortwahl Helenas Leid am eigenen Leibe zu verspüren.
Fragen wie „Wird Helena das Gut retten könnnen?“ oder, ob sie es schafft, sich geschickt aus dem Intrigenspiel zu ziehen, erhalten die Spannung bis zum Ende.

Mich hat sehr beeindruckt, wie Helena trotz allem Haltung bewahrt. Das macht sie einem als Leser besonders sympathisch, fast schon zu einem Vorbild, zu einer Heldin.

„Ihr fühlt euch so sicher in Eurem Spinnennetz, dass ihr vergesst, wozu jemand in der Lage sein könnte, der nichts mehr zu verlieren hat(S. 423).“ Das trifft Helenas Situation gegen Ende recht gut.

Zudem habe ich mit diesem Buch einen informativen Einblick in die damalige Zeit bekommen, insbesondere, wie es zu Hofe zuging, was für eine Macht eine Mätresse innehaben konnte und vor allem, wie die Mentalität damals war. Die Umgangsformen.
Das einzige, was ich zu bemängeln hätte, wären möglicherweise einige Ereignisse in den letzten Kapiteln. Auch wenn es dazu beitrug, das Ende der Geschichte maßgeblich zu begründen, leider zum Leidwesen der Glaubhaftigkeit. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten, da ich sonst spoilern müsste.

Fazit:

Durch und durch gut umgesetzt. Ein gelungener Kompromiss zwischen stetig ansteigender Spannung; Gedanken, die einem mitgegeben wurden, und einem ersten Einblick in das Leben zu Hofe um 1682/84.
Martha Marcus hat mich mit diesem Buch so überzeugt, dass ich es kaum erwarten kann, auch ihre anderen Werke zu lesen.

[Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar von Bastei Lübbe. Auch vielen Dank für die Leserunde, in der ich die Autorin näher kennenlernen durfte – eine rundum sympathische Frau!]

Veröffentlicht am 16.04.2019

Für mich war es eine Enttäuschung

Stricken. Der Grundkurs
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„Stricken – Der Grundkurs“ von Eva Maria Heller richtet sich an „angehende Strickfans“. Für mich war es eine Enttäuschung. Ich hatte mir erhofft, dadurch einen breiten Einblick in die Welt des Strickens ...

„Stricken – Der Grundkurs“ von Eva Maria Heller richtet sich an „angehende Strickfans“. Für mich war es eine Enttäuschung. Ich hatte mir erhofft, dadurch einen breiten Einblick in die Welt des Strickens zu bekommen, was zu geringen Teilen nur der Fall war.

Außer die verschiedenen Maschenbilder am Anfang konnte ich nur mit wenig etwas anfangen, da ich z.B. Rundstricknadeln verwende, die Autorin jedoch nicht auf das Stricken mit Rundstricknadeln eingeht.

Da ich jedoch gerade das Stricken mit diesen leichter finde als mit mehreren Nadeln, so frage ich mich, wieso sich dieses Buch dann angeblich an „angehende Strickfans“ richtet. Auch die Abbildungen und die Erklärungen generell sind nicht einfach zu verstehen – ich jedenfalls bin daran gescheitert.

Was das Basiswissen zum Stricken angeht, ist dieses Buch also nicht meine erste Wahl und ich empfehle es auch keinen Anfängern weiter. Für Fortgeschrittene, die keine Probleme haben, Beschreibungen oder Abbildungen zu verstehen und sich auch mit den Abkürzungen auskennen, für die könnte dieses Buch vielleicht etwas sein.

[Danke an Randomhouse Bloggerportal und den Bassermann-Verlag für dieses Rezensionsexemplar.]

Veröffentlicht am 16.04.2019

Gelungene Verschmelzung des Buddhismus mit der westlichen Psychologie

Buddhistische Psychologie
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Wie verschleiern Emotionen unsere Sicht oder belasten uns? Wie erkennen wir unseren Sinn im Leben? Welchen emotionalen Grundmustern unterliegen wir? Wie kultivieren wir Gewahrsein? Wie entwickeln wir Mitgefühl? ...

Wie verschleiern Emotionen unsere Sicht oder belasten uns? Wie erkennen wir unseren Sinn im Leben? Welchen emotionalen Grundmustern unterliegen wir? Wie kultivieren wir Gewahrsein? Wie entwickeln wir Mitgefühl? Was ist das Ich, was das Nicht-Ich? Wie lassen sich psychische Probleme bewältigen? Wie wendet man die Methode Focusing und Disidentifizieren am besten an? Und: Wie arbeitet man mit der innerpsychischen dynamischen Persönlichkeit?

Tilman Borghardt, Dharma-Lehrer und ehemaliger Arzt und Homöopath verbindet in „Buddhistische Psychologie“ zusammen mit Wolfgang Erhardt, Diplom-Psychologe und Gründer des „Instituts für Essentielle Psychologie“, den Buddhismus mit der Psychologie.



Das Buch ist an Privatpersonen ebenso wie an Psychotherapeuten gerichtet, da es einerseits viele psychische Muster aufdeckt und Methoden des Buddhismus zur Verfügung stellt, die jedem Leser helfen können, andererseits auch beschreibt, inwiefern das Wissen die Arbeit eines Psychotherapeuts beeinflusst und, wie dieser jenes in seinen Therapiesitzungen anwenden kann.



Allgemein ist das Buch in einfacher Sprache gehalten und so sehr verständlich für mich gewesen. Der Buddhismus wird auf sehr modere Weise aufbereitet und findet im psychologischen Kontext Verwendung. Die Autoren decken auf, wie viele Methoden im Buddhismus auf psychischer Ebene helfen können und welche psychologischen Theorien, die teilweise heutzutage als aktuell gelten, schon in buddhistischen Weisheiten oder Traditionen zu finden sind.



Ich habe das Buch oft laut gelesen. Das laute Lesen und die Wortwahl haben mich in eine meditative Haltung versetzt. Manchmal habe ich inne gehalten und über die Worte nachgedacht. Ich weiß nicht, warum, aber allein schon die Wortwahl regt einen zum Nachdenken an. An einigen Stellen dachte ich mir: Wow, das habe ich mir immer ganz genau so gedacht oder gefühlt, aber ich wusste nie, wie ich das ausdrücken, anderen Menschen mitteilen soll. Dieses Werk hat mit seiner Wortwahl genau den Inhalt getroffen.



Die Autoren sind oft auf Wortbedeutungen eingegangen, haben Worte definiert, zueinander in Beziehung gesetzt, sodass in mir nun ein neues Bewusstsein für Gefühle entstanden ist und ich mich einiges besser mitteilen kann als zuvor. Außerdem kann ich nun das, was in mir vorgeht, besser einordnen und reflektieren.



Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, weil ich finde, dass dieses Buch von jedem gelesen werden sollte, weil es, obwohl der Inhalt an manchen Stellen recht simpel (aber immer viel ausführlicher und besser beschrieben ist, als man selbst es je gekonnt hätte!), einem hilft, besser im Leben zurecht zu kommen. Es gibt einem mehr Möglichkeiten, mehr Perspektiven auf die Welt und auf sich selbst. Es gibt einem mehr Methoden an die Hand, mit deren Hilfe man lernt, mit sich selbst umzugehen und gegenüber anderen ruhig zu bleiben, mehr Verständnis aufzubringen, überhaupt zu verstehen.



Da ich allerdings weiß, dass es vielen Menschen nicht wichtig ist, sich in diese Richtung weiterzuentwickeln, folgendes: Dieses Buch ist ein Schatz für jeden, der sich in irgendeiner Weise für Psychologie interessiert. Für jeden, der sich selbst und andere besser kennenlernen will. Für jeden, der sich im Buddhismus auskennt und die psychologische Perspektive kennenlernen will. Für jeden, der bereit ist, ein neues Lebensgefühl zu bekommen.



Lasst euch von den 600 Seiten nicht abschrecken. Ich habe über ein Jahr lang immer wieder in diesem Buch gelesen. Das ist kein Buch, das man ein Mal durchliest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das man mit auf seinen Prozess im Leben nimmt.

[Danke an Bloggerportal Randomhouse und den arkana-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!]