Platzhalter für Profilbild

Keksgeschichten

Lesejury Profi
offline

Keksgeschichten ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Keksgeschichten über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2020

Fantasievoll und liebenswert

Luftpiraten
0

Luftpiraten

Streiten, donnern, blitzen. Das sind die Lieblingstätigkeiten der grauhäutigen Luftpiraten. Bis eines Tages das Findelkind Zwolle auftaucht. Der weiße, friedfertige Luftpiratenjunge stellt ...

Luftpiraten

Streiten, donnern, blitzen. Das sind die Lieblingstätigkeiten der grauhäutigen Luftpiraten. Bis eines Tages das Findelkind Zwolle auftaucht. Der weiße, friedfertige Luftpiratenjunge stellt die Welt der Luftpiraten ganz schön auf den Kopf. Das passt der Regierung so gar nicht in den Kram und diese trachtet ihm nach dem Leben. Doch Zwolle hat zum Glück nicht nur großartige Freunde, in ihm schlummern zudem ungeahnte Kräfte…

Markus, Orths: Luftpiraten.
Mit Illustrationen von Lena Winkel.
Ueberreuter Verlag GmbH, 2020.
256 Seiten, 14,95 €.
ISBN 978-3-7641-5155-3.
Empfohlen ab 9 Jahren.

Inhalt
Die grauhäutigen und griesgrämigen Luftpiraten streiten für ihr Leben gern. Das es dafür meist keinerlei Grund gibt, ist ihnen dabei völlig egal. In der Schule lernen die Luftpiratenkinder von einem der streitlustigsten Luftpiraten überhaupt: Adibaba. Dass ausgerechnet dieser ein Findelkind vor die Tür gesetzt bekommt und dieses sich dann auch noch als weißer Luftpirat entpuppt, ist geradezu ein Skandal. Denn weiße Luftpiraten sind, laut Gesetzt, missratene Luftpiraten. Sie streiten nicht, sind friedfertig und sogar fröhlich! Daher müssen sie gleich nach der Geburt ertränkt werden. Dieses Findelkind jedoch erobert Adibabas Herz. Und so zieht der Luftpiratenlehrer Zwolle groß. Bald fliegen die Beiden jedoch auf. Adibaba wird zu lebenslanger Haft verurteilt und Zwolle droht der Tod. Nur mithilfe von ihren Freunden, der wilden Franka und Kaspar dem Luftwesen, schafft Zwolle seinem Schicksal zu entkommen. Gemeinsam macht sich die Truppe auf den Weg, um auch Adibaba zu retten. Dabei begegnen sie nicht nur einem verrückten, aber liebenswerten Professor, einer geisterhaften Stimme und gruseligen Gestalten, sondern treffen auch auf unerwartete Herausforderungen. Zusammen gelingt es ihnen diese zu bewältigen und am Ende sogar Adibaba zu befreien. Vereint kehren sie nach Hause zurück. Auf dem Heimweg geraten sie jedoch in eine letzte Falle. Nun liegt das Schicksal aller ganz allein in Zwolles Hand. Denn in ihm schlummern ungeahnte Kräfte. Und wirklich: Mit viel Mut und Vertrauen, schafft es Zwolle nicht nur seine Freunde zu befreien, sondern auch die hinterhältige Regierung zu stürzen. Eine neue Ära der Luftpiraten kann beginnen. Einzig Frankas Mutter bleibt nach wie vor verschwunden.

Kritik
In seinem Buch Luftpiraten, schafft Markus Orths nicht nur eine fantasievolle Luftwelt, er greift zudem ein sehr wichtiges Thema auf. Grundlose Streitereien und Wut sind der zentrale Aspekt der Geschichte, denn die Luftpiraten suchen ständig Ärger. Für ihre Auseinandersetzungen gibt es meist keinerlei Gründe. Hier finden sich viele Parallelen in die reale Welt. Der Autor sensibilisiert die Leser und Leserinnen dabei für dieses Thema und schafft es, dass diese nun bei Streit und Auseinandersetzungen hinterfragen, ob es wirklich einen driftigen Grund für diese gibt. Steckt doch etwa Neid dahinter? Oder lässt jemand seinen Frust von etwas ganz anderem an mir aus? Auch das Streitereien meist zu nichts führen, einsam, unglücklich und wütend machen, lässt der Autor gekonnt in die Handlung miteinfließen. Bildlich gesprochen machen diese die Welt „grau“, so ist auch die Haut der Luftpiraten grau. Wieso streitet man sich also überhaupt? In dem er dies hinterfragt, stellt er die ganze Welt der Luftpiraten, deren Leben bisher nur aus Groll bestand, auf den Kopf. Mit dem weißen Luftpiraten, Zwolle, erschafft er einen herben Kontrast. Mit seiner friedfertigen Art, Genügsamkeit und positiven Ausstrahlung erweicht der Luftpiratenjunge sogar das Herz des besonders griesgrämigen Adibabas. Eigentlich müsste er Zwolle ertränken, da weiße Luftpiraten als Missgeburten gelten. Diese Formulierung und Tatsache ist ein wenig brutal und sollte eher erst bei Büchern für ältere Leser und Leserinnen in dieser direkten Art angesprochen werden. Denn es wird nicht sofort darauf eingegangen, dass andersein nicht unbedingt schlecht ist. So könnte hier ein Missverständnis entstehen. Ein wenig wird dies jedoch abgemildert, da Adibaba sich gegen diese willkürlich bestimmte Handlung entscheidet und sie sogar hinterfragt. Er nimmt Zwolle als seinen Sohn auf. So zieht mit dem Findelkind auch endlich Glück und Liebe in das Leben des Luftpiratenlehrers ein. Hier geht Markus Orths geschickt darauf ein, was für eine mächtige Wirkung positive Ausstrahlung auf andere haben kann. Auch dass das Leben so viel schöner sein könnte, wenn man einfach mal seine Perspektive wechseln würde, wird indirekt vermittelt. Trotz allem sind manche Auseinandersetzungen unausweichlich, eventuell sogar notwendig. Auch ist es zudem mutig und strak, wenn man für die richtige Sache kämpft. Dies wird in dem Buch durch die Rettungsaktionen der Charaktere und den Sturz der Regierung wiedergespiegelt. Ungerechtigkeit muss man nicht auf sich sitzen lassen – weder in einer Geschichte in einem Buch noch im wirklichen Leben. Zudem spielt Freundschaft und Zusammenhalt eine wichtige Rolle. Denn nur gemeinsam gelingt es Zwolle und seinen Freunden all die gefährlichen Abenteuer zu bestehen. Das Freunde durchaus unterschiedlich sein können wird dabei gleich mehrfach thematisiert. Indirekt durch den friedfertigen Zwolle, der mit der streitlustigen und aufbrausenden Franke Freundschaft schließt. Direkt durch die magischen, sich bekämpfenden Wörter und Sätze: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Durch die unterschiedlichen und vielschichtigen Charaktere und Wesen erschafft der Autor eine fantasievolle Welt, in die man sich als Leser oder Leserin wunderbar hineinversetzen kann. Die vielfältig vorhandenen Parallelen und Anspielungen zu der realen Welt machen das Lesen zudem zu einem wahren Lesevergnügen. Da gibt es Wolkenkratzer, die die Milchwolken Melken, den „kriechischen“ Philosoph und Forscher Aeristoteles, oder Luftwesen, wie Wetterhühner und Luftschlangen. Der Schreibstil des Autors ist leicht und flüssig zu lesen. Durch die vielen Bezüge zur Wirklichkeit und das Aufgreifen wichtiger Themen, bleibt die Geschichte bei all der fantasievollen, kreativen Welt, realitätsnah und authentisch.
Die Handlung an sich bleibt durch Wendungen und vielschichtige Charaktere spannend, ohne sich in zu vielen Nebenhandlungen zu verlieren. Zwolle und seine Freunde sind trotz großer Unterschiede allesamt liebenswert und man schließt sie direkt ins Herz. Die gesamte Luftpiratenwelt wurde von dem Autor mit so viel Kreativität und detailliert beschrieben, dass man ohne große Probleme direkt in diese hineintaucht. Das Ende des Buches hat der Autor geschickt eingefädelt. Zwar gibt es in gewisser Weise ein Happy End, da Zwolle und seine Freunde gerettet und die Regierung gestürzt ist, doch Frankas Mutter bleibt nach wie vor verschwunden. Man darf also auf einen weiteren Band gespannt bleiben.
Die Fantasie der Leser und Leserinnen wird dabei durch Illustrationen der Künstlerin Lena Winkel unterstützt, die nicht nur das Cover, Vor- und Nachsatzpapier zieren, sondern auch auf der einen oder anderen Seite im Buch zu finden sind. Diese sind ausschließlich in blau und grau Tönen gehalten. Dies greift nicht nur gekonnt das „luftige“ Thema des Buches auf, sondern gibt dem Buch zudem ein einzigartiges, wunderschönes Merkmal. Zu erwähnen ist hierbei noch die kreative Gestaltung durch die kleinen Illustrationen, die die Seitenzahlen einrahmen und ein kleiner Abschnitt am Ende des Buches, bei dem Seiten- und Schriftfarbe wechseln. Hier sind die Seiten schwarz, bzw. dunkelgrau und die Schrift weiß. Dieses Layout wurde thematisch passend gewählt, da sich Zwolle gerade in einer stockdunklen Röhre befindet. Solch kleine Spielerein, hinterlassen bleibenden Eindruck. Die gesamte Produktion wirkt durch dickeres Papier und silberne Titelprägung sehr hochwertig und macht das Buch zu einem Schmuckstück im eigenen Bücherregal.
Eine Anmerkung bleibt noch ein kleiner Fehler auf Seite 245: „Es steigert sich in seine Tobsucht hinein,…“, heißt es dort. Richtig wäre gewesen: „Er steigert sich in seine Tobsucht hinein,…“. Ein kleiner Fehler, der geschulten und aufmerksamen Lesern und Leserinnen jedoch sofort ins Auge springt.


Fazit:
Luftpiraten von Markus Orths nimmt die Leser und Leserinnen nicht nur mit auf eine fantasievolle Abenteuerreise mit liebevollen Charakteren, sondern macht diese auch auf wichtige Themen aufmerksam. Streit und Wut machen unsere Welt „grau“ und unglücklich, ohne dass es dafür oftmals einen driftigen Grund gibt. Freundschaft, Zusammenhalt und positives Denken hingegen lassen sie gleich ein wenig glücklicher erscheinen. Auch dass nicht alle Personen gleich sein müssen, dass Gegensätze völlig in Ordnung sind, wird schön vermittelt. Eine spannende Handlung, viel Kreativität und die wunderbare Aufmachung mit den schönen Illustrationen machen dieses Buch zu einer wirklichen Leseempfehlung. Nicht nur Leser und Leserinnen ab neun Jahren werden ihre Freude an diesem Werk haben, sondern auch Ältere und Erwachsene.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2020

Ein Buch mit Potenzial zum Klassiker

Edda aus dem Moospfad 1
0

Edda aus dem Mospfad

Inhalt
Am Anfang der Geschichte ist die Protagonistin Edda erst fünf Jahre alt und geht noch in den Kindergarten. Zusammen mit ihr erlebt der Leser ein Jahr voller normaler Alltagsmomente, ...

Edda aus dem Mospfad

Inhalt
Am Anfang der Geschichte ist die Protagonistin Edda erst fünf Jahre alt und geht noch in den Kindergarten. Zusammen mit ihr erlebt der Leser ein Jahr voller normaler Alltagsmomente, so wie sie wahrscheinlich mehr oder weniger jeder in diesem Alter erleben würde. Edda spielt und streitet mit ihren Brüdern, fährt in den Urlaub, versucht sich als Flohmarktverkäuferin, mag die neuen Nachbarn nicht, kommt in die Schule und findet neue Freunde.

Schaudinn, Jasmin: Edda aus dem Mospfad.
Illustrationen von Iris Hardt.
Verlag Friedrich Oetinger, 20.01.2020.
144 Seiten, 12,00 €.
ISBN 9783789110429.
Empfohlen ab 6 Jahren.

Kritik
Was laut der Inhaltsangabe erst einmal wenig spektakulär, fast ein wenig langweilig klingen mag, täuscht gewaltig. Denn der Autorin Jasmin Schaudinn ist in ihrem Erstlingswerk ein so fantastisches Buch gelungen, dass wirklich das Potenzial zu einem Klassiker hat. Mit sehr viel Liebe hat sie mit Edda eine wunderbare Protagonistin geschaffen, die einem sofort ans Herz wächst. Ausschlaggebend hierbei ist, dass Edda eben ein ganz normales Mädchen ist, keine magischen Kräfte hat, ausgefallene Hobbies oder eine verrückte Familie. Auch die anderen Charaktere sind allesamt sympathisch und mit ihren Ecken und Kanten einfach zum Gernhaben. Sie erlebt einfach einen normalen Alltag, mit kleinen Höhen und Tiefen, wie sie einem Jeden in der Kindheit begegnet werden sein. Edda ist nicht perfekt, sie ist mal zickig, mal ganz lieb, bockig oder auch mal neidisch auf die beste Freundin. Jasmin Schaudinn schildert die Erlebnisse so authentisch und lebensnah, dass man sich beim Lesen des Buches wirklich in seine eigene Kindheit zurückversetzt wird. Selten habe ich Momente aus dieser Zeit so echt vor Augen gehabt und mir sind wieder viele Ereignisse ins Gedächtnis gekommen, an die ich gar nicht mehr gedacht hatte. Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine wunderschöne, alltägliche Reise einmal quer durch das Jahr. Dabei thematisiert sie, wie nebenbei, wichtige Aspekte, wie die gleichgeschlechtliche Ehe oder den Tod. Auch häufige Kindersorgen, wie der letzte Kindergartentag kommen in der Geschichte vor. Durch den leichten Schreibstil der Autorin und die geschickte Einbindung in die Handlung, wirken die Themen jedoch nicht zu schwer und es bleibt bei einer kurzen Auseinandersetzung mit diesen. Neben diesen Abschnitten zum Nachdenken, finden ich ebenso Witz und Szenen zum Schmunzeln wieder. Da verkaufen Eddas Brüder zum Beispiel selbstgemachte Schleimkugeln oder lachen sich über einen gelungenen Streich mit einem Furzkissen schlapp.
Die große Schrift, kurze Sätze, und die Schilderungen aus Sicht einer fünf bzw. sechsjährigen, machen das Lesen sehr einfach. Wunderbar ergänzt wird diese liebevolle Geschichte durch die farbenfrohen und leicht comicartigen Zeichnungen der Illustratorin Iris Hardt, die auf vielen Seiten zu finden sind. Dies zusammen mit der bereits erwähnten kindgerechten Schreibweise, lässt einen das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Seiten fliegen nur so vorbei und schon ist ein ganzes (Bücher-) Jahr um und die Geschichte zu Ende.

Fazit
Mit ihrem Buch ist Jasmin Schaudinn eine durch und durch zauberhafte Geschichte gelungen, die vor allem durch ihren Alltagsbezug und die authentischen, sowie liebevollen Charaktere besticht. Ihr gelingt es, das normale Leben auf eine so wunderbare Art und Weise zu schildern, dass sowohl die großen als auch die kleinen Leser und Leserinnen, dieses wieder zu lieben lernen. Sie öffnet die Augen, für die kleinen schönen Alltagsmomente, die all zu oft in Vergessenheit geraten, die jedoch so wichtig sind. Kindern wird gezeigt, dass es nicht immer Magie, Zauberei oder Abenteuer braucht, um glücklich zu sein. Die Empfehlung ab sechs Jahren ist stimmig, zum Vorlesen eignet sich das Buch aber durchaus schon etwas früher.
Zusammen mit den schönen Illustrationen von Iris Hardt, ist dies ein Buch, das wirklich in jedes Kinderzimmer gehört. Und meiner Meinung auch in die, der Erwachsenen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2020

Einfühlsam und realistisch

Rikka
0

Rikka – wirklich für immer

Eigentlich wäre alles gut so wie es ist, findet Rikka. Doch dann geht plötzlich alles drunter und drüber und mit einem Mal steht ihre Welt Kopf. Nicht nur, dass ihre aller beste ...

Rikka – wirklich für immer

Eigentlich wäre alles gut so wie es ist, findet Rikka. Doch dann geht plötzlich alles drunter und drüber und mit einem Mal steht ihre Welt Kopf. Nicht nur, dass ihre aller beste Freundin sich plötzlich verliebt und nur noch Tom im Kopf hat. Auch bei Rikka Zuhause läuft nicht alles glatt. Als Kind einer Patchwork-Familie fühlt sie sich nirgends wirklich dazugehörig. Und dann taucht da auch noch der neue Nachbarsjunge auf…

Nylund, Maiken: Rikka- wirklich für immer.
Übersetzt von Maike Dörris.
Egmont SchneiderBuch, Februar 2020.
128 Seiten, 10,00 €.
ISBN 9783505143397.
Empfohlen ab 9 Jahren.

Inhalt
Im Leben der 10-jährigen Rikka läuft gerade vieles nicht so leicht, wie sie es sich wünscht. Ihre beste Freundin hat auf einmal nur noch Augen für Tom, Rikkas Nachbarn. Deshalb soll Rikka sie und Tom verkuppeln. Doch irgendwie geht der Verkupplungsversuch schief und Rikka steht plötzlich ganz ohne beste Freundin da. Ihre Familie ist ihr dabei auch keine große Unterstützung. Zwar bemühen sich ihre geschiedenen Eltern und deren neue Partner sehr um Rikka, doch als Kind einer Patchworkfamilie fühlt sich Rikka einfach nirgendwo richtig dazugehörig. Immerhin haben sowohl ihre Mutter mit ihrem neuen Freund als auch ihr Vater mit seiner neuen Partnerin wieder Kinder bekommen. Die sind also wieder eine richtige Familie. Nur Rikka muss immer zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter hin und her pendeln. Als wären das nicht schon genug Baustellen, zieht im Haus gegenüber auch noch eine neue Familie ein. Und der neue Nachbarsjunge will ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Rikka ist mit der gesamten Situation überfordert. Doch als ihr alles zu viel wird und sie sich bei ihrer Oma die Probleme von der Seele reden kann, merkt sie, dass es für alles eine Lösung gibt. Manchmal muss man nur den Mut haben, die Dinge auszusprechen, um Hilfe zu fragen und auch sich auch eigene Fehler eingestehen können. Sie spricht sich mit ihrer Familie aus, entschuldigt sich bei ihrer Freundin und findet in dem neuen Nachbarsjungen eventuell mehr wie einen Freund. So geht am Ende doch noch alles gut aus.

Kritik
In ihrem Buch behandelt die norwegische Autorin Maiken Nylund nicht nur die Themen Freundschaft und erste Liebe. Durch die Patchwork-Konstellation von Rikkas Familie wird auch diese Thematik mit in die Geschichte einbezogen. Dabei schafft es die Autorin die Situation gekonnt aus dem Blickwinkel eines 10-jährigen Mädchens wiederzugeben. Durch viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, dass auch die Leser und Leserinnen nachvollziehen können, wie sich Rikka fühlt und weshalb sie wie reagiert. Es ist gut verständlich, dass Rikka einen kleinen Wutausbruch bekommt, als ihr alles zu viel wird. Dass sie die neue Freundin ihres Vaters doof findet, die sie immer „Bonus-Tochter“ nennt, oder dass sie Angst hat, ihre Freundin könnte nur noch Zeit mit dem Jungen verbringen, in den sie sich verliebt hat. Neben der realistischen Schilderung der Handlung aus Rikkas Sicht, bleibt zudem hervorzuheben, dass auch der Blickwinkel der Erwachsenen leicht angeschnitten wird. Am Ende des Buches erfahren die Leser und Leserinnen daher, dass die Lebensgefährtin des Vaters nur alles richtig machen wollte. Sie hatte in einer Zeitschrift gelesen, dass man die Stieftochter unter anderem „Bonus-Tochter“ nennen solle, da dies einen positiveren Klang habe. An dieser Stelle wird somit vermittelt, dass auch Erwachsene trotz guter Absichten Fehler machen können. Neben diesen Hauptthemen spielen auch andere Alltagsprobleme eine gewisse Rolle. So begegnen Rikka auch Gruppenzwang und Hänseleien in der Schule. Obwohl diese Themen den meisten Kindern in ihrem Alltag begegnen und somit das realistische Bild der Geschichte abrunden, sind es an dieser Stelle doch zu gewichtige Thematiken, um nur nebenbei miteingeflochten zu werden. Eine Konzentration auf Freundschaft, Liebe und Patchwork-Familie wäre ausreichend gewesen. Ansonsten hätten die anderen Aspekte ebenfalls tiefer behandelt werden müssen, um ihrer Gewichtigkeit zu entsprechen.
Das am Schluss alles gut ausgeht, hinterlässt beim Lesen ein angenehmes Gefühl zurück. Auch der Bogen, der die Geschichte zu diesem Happy End führt, bleibt nachvollziehbar und realitätsnah. Kritischer ist hierbei einzig die Tatsache zu betrachten, dass Rikkas Papa und seine neue Familie wieder in die nähe von Rikkas Zuhause ziehen will. Dass geschiedene Paare sich weiterhin freundschaftlich begegnen, wird zwar keine Seltenheit sein. Dennoch, gleich in dieselbe Gegend zu ziehen ist doch ein wenig überspitzt.
Der Schreibstil der Autorin, geprägt durch meist kurze Sätze und angenehme Schrittgröße, ist dem Lesealter ab 9 Jahren angemessen. Auch die Gestaltung des Buches macht das Lesen für die Kinder leichter. Neben dickerer Papierstärke und der ansprechenden Hardcover-Gestaltung, besticht das Buch mit Illustrationen von Cathrine Sandmael. Die schwarz-weißen Zeichnungen leiten jedes Kapitel thematisch passend ein und verschönern zudem das Vor- und Nachsatzpapier.

Fazit:
Mit dem Buch „Rikka -wirklich für immer“, ist der norwegischen Autorin Maiken Nylund ein Kinderbuch gelungen, dass realistisch kleine und größere Alltagssorgen thematisierter. Die zentralen Aspekte Freundschaft, erste Liebe und (Patchwork-) Familie werden ausführlich und authentisch beschrieben. Dabei wird auch auf mögliche Lösungen eingegangen, wobei vor allem Mut, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, sich eigene Fehler einzugestehen, eine wichtige Rolle spielen. Das etwas zu gute Ende und die weniger behandelten, jedoch sehr gewichtigen Themen des Gruppenzwangs und Hänseleien, bleiben dagegen kritisch zu betrachten.
Trotzdem bleibt es eine einfühlsame, abwechslungsreiche Geschichte mit schöner Gestaltung für Leser und Leserinnen ab 9 Jahren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2020

Einfühlsam und realistisch

Rikka
0

Rikka – wirklich für immer



Eigentlich wäre alles gut so wie es ist, findet Rikka. Doch dann geht plötzlich alles drunter und drüber und mit einem Mal steht ihre Welt Kopf. Nicht nur, dass ihre aller ...

Rikka – wirklich für immer



Eigentlich wäre alles gut so wie es ist, findet Rikka. Doch dann geht plötzlich alles drunter und drüber und mit einem Mal steht ihre Welt Kopf. Nicht nur, dass ihre aller beste Freundin sich plötzlich verliebt und nur noch Tom im Kopf hat. Auch bei Rikka Zuhause läuft nicht alles glatt. Als Kind einer Patchwork-Familie fühlt sie sich nirgends wirklich dazugehörig. Und dann taucht da auch noch der neue Nachbarsjunge auf…



Nylund, Maiken: Rikka- wirklich für immer.
Übersetzt von Maike Dörris.
Egmont SchneiderBuch, Februar 2020.
128 Seiten, 10,00 €.
ISBN 9783505143397.
Empfohlen ab 9 Jahren.



Inhalt

Im Leben der 10-jährigen Rikka läuft gerade vieles nicht so leicht, wie sie es sich wünscht. Ihre beste Freundin hat auf einmal nur noch Augen für Tom, Rikkas Nachbarn. Deshalb soll Rikka sie und Tom verkuppeln. Doch irgendwie geht der Verkupplungsversuch schief und Rikka steht plötzlich ganz ohne beste Freundin da. Ihre Familie ist ihr dabei auch keine große Unterstützung. Zwar bemühen sich ihre geschiedenen Eltern und deren neue Partner sehr um Rikka, doch als Kind einer Patchworkfamilie fühlt sich Rikka einfach nirgendwo richtig dazugehörig. Immerhin haben sowohl ihre Mutter mit ihrem neuen Freund als auch ihr Vater mit seiner neuen Partnerin wieder Kinder bekommen. Die sind also wieder eine richtige Familie. Nur Rikka muss immer zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter hin und her pendeln. Als wären das nicht schon genug Baustellen, zieht im Haus gegenüber auch noch eine neue Familie ein. Und der neue Nachbarsjunge will ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Rikka ist mit der gesamten Situation überfordert. Doch als ihr alles zu viel wird und sie sich bei ihrer Oma die Probleme von der Seele reden kann, merkt sie, dass es für alles eine Lösung gibt. Manchmal muss man nur den Mut haben, die Dinge auszusprechen, um Hilfe zu fragen und auch sich auch eigene Fehler eingestehen können. Sie spricht sich mit ihrer Familie aus, entschuldigt sich bei ihrer Freundin und findet in dem neuen Nachbarsjungen eventuell mehr wie einen Freund. So geht am Ende doch noch alles gut aus.



Kritik

In ihrem Buch behandelt die norwegische Autorin Maiken Nylund nicht nur die Themen Freundschaft und erste Liebe. Durch die Patchwork-Konstellation von Rikkas Familie wird auch diese Thematik mit in die Geschichte einbezogen. Dabei schafft es die Autorin die Situation gekonnt aus dem Blickwinkel eines 10-jährigen Mädchens wiederzugeben. Durch viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, dass auch die Leser und Leserinnen nachvollziehen können, wie sich Rikka fühlt und weshalb sie wie reagiert. Es ist gut verständlich, dass Rikka einen kleinen Wutausbruch bekommt, als ihr alles zu viel wird. Dass sie die neue Freundin ihres Vaters doof findet, die sie immer „Bonus-Tochter“ nennt, oder dass sie Angst hat, ihre Freundin könnte nur noch Zeit mit dem Jungen verbringen, in den sie sich verliebt hat. Neben der realistischen Schilderung der Handlung aus Rikkas Sicht, bleibt zudem hervorzuheben, dass auch der Blickwinkel der Erwachsenen leicht angeschnitten wird. Am Ende des Buches erfahren die Leser und Leserinnen daher, dass die Lebensgefährtin des Vaters nur alles richtig machen wollte. Sie hatte in einer Zeitschrift gelesen, dass man die Stieftochter unter anderem „Bonus-Tochter“ nennen solle, da dies einen positiveren Klang habe. An dieser Stelle wird somit vermittelt, dass auch Erwachsene trotz guter Absichten Fehler machen können. Neben diesen Hauptthemen spielen auch andere Alltagsprobleme eine gewisse Rolle. So begegnen Rikka auch Gruppenzwang und Hänseleien in der Schule. Obwohl diese Themen den meisten Kindern in ihrem Alltag begegnen und somit das realistische Bild der Geschichte abrunden, sind es an dieser Stelle doch zu gewichtige Thematiken, um nur nebenbei miteingeflochten zu werden. Eine Konzentration auf Freundschaft, Liebe und Patchwork-Familie wäre ausreichend gewesen. Ansonsten hätten die anderen Aspekte ebenfalls tiefer behandelt werden müssen, um ihrer Gewichtigkeit zu entsprechen.
Das am Schluss alles gut ausgeht, hinterlässt beim Lesen ein angenehmes Gefühl zurück. Auch der Bogen, der die Geschichte zu diesem Happy End führt, bleibt nachvollziehbar und realitätsnah. Kritischer ist hierbei einzig die Tatsache zu betrachten, dass Rikkas Papa und seine neue Familie wieder in die nähe von Rikkas Zuhause ziehen will. Dass geschiedene Paare sich weiterhin freundschaftlich begegnen, wird zwar keine Seltenheit sein. Dennoch, gleich in dieselbe Gegend zu ziehen ist doch ein wenig überspitzt.
Der Schreibstil der Autorin, geprägt durch meist kurze Sätze und angenehme Schrittgröße, ist dem Lesealter ab 9 Jahren angemessen. Auch die Gestaltung des Buches macht das Lesen für die Kinder leichter. Neben dickerer Papierstärke und der ansprechenden Hardcover-Gestaltung, besticht das Buch mit Illustrationen von Cathrine Sandmael. Die schwarz-weißen Zeichnungen leiten jedes Kapitel thematisch passend ein und verschönern zudem das Vor- und Nachsatzpapier.



Fazit:

Mit dem Buch „Rikka -wirklich für immer“, ist der norwegischen Autorin Maiken Nylund ein Kinderbuch gelungen, dass realistisch kleine und größere Alltagssorgen thematisierter. Die zentralen Aspekte Freundschaft, erste Liebe und (Patchwork-) Familie werden ausführlich und authentisch beschrieben. Dabei wird auch auf mögliche Lösungen eingegangen, wobei vor allem Mut, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, sich eigene Fehler einzugestehen, eine wichtige Rolle spielen. Das etwas zu gute Ende und die weniger behandelten, jedoch sehr gewichtigen Themen des Gruppenzwangs und Hänseleien, bleiben dagegen kritisch zu betrachten.
Trotzdem bleibt es eine einfühlsame, abwechslungsreiche Geschichte mit schöner Gestaltung für Leser und Leserinnen ab 9 Jahren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2019

Spannender Krimi

A Good Girl’s Guide to Murder
0

In diesem Buch findet man sich schnell in einer spannenden Ermittlungsgeschichte eines jungen Mädchens wieder. Pippa beginnt in einem für die Polizei längst abgeschlossenen Fall, eines ermoderten Mitschülers ...

In diesem Buch findet man sich schnell in einer spannenden Ermittlungsgeschichte eines jungen Mädchens wieder. Pippa beginnt in einem für die Polizei längst abgeschlossenen Fall, eines ermoderten Mitschülers zu ermitteln. Dabei deckt sie viele Dinge auf, die schon lange im Verborgenen liegen. Sie ist eine tolle junge und tapfere Frau, die man für ihren Mut bewundern kann. Aber auch die anderen Charaktere sind facettenreich und runden die Geschichte sehr schön ab.
Die Handlung wird durch Protokolle und Ermittlungsunterlagen zu den aktuellen Geschehnissen ergänzt, was einen guten und interessanten Einblick gibt. Als Leser wird man so eng mit eingebunden und fühlt sich haut nah an den Ereignissen.
Bis zum Schluss bleibt es spannend und es endet mit einer überraschenden Wendung.

  • Einzelne Kategorien
  • Spannung
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere