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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.07.2018

Abbruchrezension - enthält Spoiler!

Ein Moment für die Ewigkeit
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Da ging er dahin: mein Vorsatz, keine Abbi Glines Romane mehr lesen zu wollen. Aber ihr lest es ja selbst, der Klappentext klingt nicht gerade nach einem typischen Glines‘. Es sollte die wirklich aller ...

Da ging er dahin: mein Vorsatz, keine Abbi Glines Romane mehr lesen zu wollen. Aber ihr lest es ja selbst, der Klappentext klingt nicht gerade nach einem typischen Glines‘. Es sollte die wirklich aller letzte Chance sein, bevor ich es endgültig mit ihren Büchern aufgeben wollte. Eigentlich gehört der Beitrag nicht an diese Stelle, den abgebrochen habe ich Ein Moment für die Ewigkeit nicht. Vollständig gelesen allerdings auch nicht. Immer wieder habe ich Seiten übersprungen, ohne wirklich etwas verpasst zu haben. Da dies für mich allerdings nicht für eine Rezension ausreicht, findet meine Meinung zu Ein Moment für die Ewigkeit in dieser Beitragsreihe ihren Platz.

Es bleibt alles beim Alten: Eindimensionale und einfältige Figuren von der Protagonistin, über den Love Interest bis hin zu den Nebenfiguren ebnen den Weg und werden begleitet von kurzen, schlichten Sätzen, die die Einfachheit der Charaktere gut widerspiegelt. Was könnte von einer Grundstory wie dieser erwartet werden? Eine junge Frau, die zwischen ihrer Liebe zu ihrem Verlobten, von dem sie nicht sicher sein kann, ob er jemals wieder aufwachen wird, und den aufkommenden Gefühlen für einen anderen hin- und hergerissen wird, waren in etwa meine. Allerdings geht dies in völlig irrelevantem Geplänkel unter, das die Seiten füllen soll.
Die naive Protagonistin lebt ihren American Dream, bis ihr Verlobter nach einem Unfall ins Koma fällt. Auf der Station trifft sie dann den genretypischen Bad Boy und es kommt mal wieder zu Situationen, in der sie ihn nach zwei gewechselten Sätzen komplett kennt, einschätzen und für ihn typische Lagen hervorsehen kann. Bereits nach 16 Seiten war eindeutig, auf was die Geschichte hinauslaufen würde. Dachte ich. Es sollte sich allerdings als noch viel grausamer herausstellen.

„Vor drei Tagen hatten wir in der Wäschekammer miteinander gevögelt, nachdem sie zuvor immer ihre Titten herausgestreckt und sich über die Lippen geleckt hatte.“ – Slate ist einfach ein echtes Schätzen

Bis zum Ende des ersten Abschnitts versprach Ein Moment für die Ewigkeit lediglich eine bekannte und nichtssagende Lektüre zu werden. Ich war davon ausgegangen, dass der „ach so geliebte“ Verlobte das Zeitliche segnen würde, damit dem neuen Pärchen nichts mehr im Wege steht. Was sich Frau Glines dann allerdings wirklich für den zweiten Part ausgedacht hat, ist eine wirkliche Frechheit. Würde dieser Teil ohne den ersten stehen, ergäbe sich ein unzusammenhängendes Gewusel aus „wenn man noch ein wenig hiervon nimmt, und das hier weglässt, ja dann könnten sie zusammen kommen“. Vielleicht habe ich es schon einmal zu oft geschrieben und gesagt, aber die Glines‘ Geldmaschinerie sollte dringend eine Schreibpause einlegen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass selbst ein Cover, dass nicht nach „Nackenbeißer“ schreit und eine Inhaltsangabe, die nach „normalen“ Liebesroman klingt, im Endeffekt immer noch eines ergeben: einen schlechten, schnell heruntergeschriebenen Groschenroman.

Spoiler


Direkt zu Beginn des zweiten Teils wacht Vale im Krankenhaus auf. Nicht ihr Verlobter, sondern sie selbst lag über einen Monat im Koma. All das Gerede ihrer Familie aus dem ersten Part darüber, dass sie nach einem Monat ihr Leben weiter leben sollte, gingen nicht an Sie, sondern Crawford. Dass Kennenlernen und Zusammenkommen von Vale und Slate hat es nie gegeben. Es hat alles einfach überhaupt nicht stattgefunden. Vielleicht wäre noch ein Argument, dass sie alles nur geträumt hat, allerdings sind dazu keine Erinnerungen vorhanden. Slate fühlt sich zu ihr hingezogen, weil er ein Freund ihres Bruders ist und sie im Krankenhaus rumliegen sieht. Vale macht sofort mit Crawford Schluss, weil sie während des Komas „innerlich gewachsen“ ist und sich „weiterentwickelt“ hat und weil sie fühlt, dass sie eigentlich zu jemand anderen gehört. Dies alles, ich wiederhole mich, ohne dass der erste Teil wirklich jemals passiert ist. Das, meine Lieben, ist einer der schlechtesten Plottwists, der mir seit langem untergekommen ist.

Veröffentlicht am 13.07.2018

Abbruchrezension

Der kleine Brautladen am Strand
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Dieser Sommerroman fiel mir bei einem Besuch im Buchladen in die Hände, bei dem ich ausschließlich für ein Geschenk dort einkaufen war. Ich notierte es mir jedoch auf meiner geistigen Wunschliste und zwei ...

Dieser Sommerroman fiel mir bei einem Besuch im Buchladen in die Hände, bei dem ich ausschließlich für ein Geschenk dort einkaufen war. Ich notierte es mir jedoch auf meiner geistigen Wunschliste und zwei Wochen später dachte ich mir dann, ach was soll es, bestell es dir. Allerdings kamen bei diesem Vorgang die ganzen negativen Rezensionen zum Vorschein. Hätte ich auf diese hören sollen? Ja, wahrscheinlich. Wollte ich mir trotzdem selbst ein Bild machen? Klar, Selbsthass ist meine Königsdisziplin.

Hieraus hätte wirklich viel werden können. Besonders im Hinblick darauf, dass es eine ganze Reihe zu Brides by the Sea gibt (bitte was soll da noch alles kommen?). Auch wenn die Wortwahl der Charaktere nicht ganz so einfältig ist, (wie bei dem gerade von mir rezensierten Abbi Glines Roman), so haben die Figuren hier doch alle eines gemeinsam: Sie sind oberflächlich, haben keinerlei Tiefe und sind nicht mehr als Statisten.

Protagonistin Poppy hängt mit dem Kopf in den Wolken und denkt dabei die meiste Zeit an ihren Exfreund Brett. Ja, Brett. Im weiteren Verlauf hatte das untreue Kerlchen von mir den Spitznamen Schneide Brett erhalten, was die Lektüre zumindest ein wenig unterhaltsamer gestaltet hat.

Dass der Fokus nicht allein auf einer möglichen Liebesgeschichte liegt, sagt mir immer zu. Was, ein Roman in dem die Protagonistin ein Privat- und Arbeitsleben hat? Wahnsinn, muss ich lesen! Klingt vielleicht verbittert, wer aber viel New Adult liest, weiß wovon ich schreibe. Die Erlebnisse der Mohnblume sind grundsätzlich interessant, ingesamt fehlt es dann doch an einem roten Faden. An Rollenklischees wurde auch nicht gespart, was das Lesen umso mehr erschwert hat. Der Brautladen ist auch nicht viel mehr, als ein Aufhänger und wird hoffentlich mehr Erwähnung in den Folgeteilen finden. Tüll und Torten am Strand suchen die Leserinnen von Der kleine Brautladen am Strand vergebens. Dafür gibt es jede Menge Kuhstall, Eventplanungen und Gummistiefel.

Der größte Störfaktor in Der kleine Brautladen am Stand ist allerdings der übermäßige Konsum von Alkohol. Poppy und ihre Freunde sind zu jeder Zeit mit Alkohol anzufinden. Gibt etwas zu feiern? Alkohol. Männer sind blöd? Alkohol. Brautkleid? Alkohol. Poppy backt einen Kuchen? Alkohol.

Ich hielt es für Zeitverschwendung, diesen Roman beenden zu wollen.

Veröffentlicht am 29.06.2018

Liebe in Reihe 27

Liebe in Reihe 27
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Meinung
Die Grundidee erscheint neu und anders, aber verspricht sie auch ein neues Leseerlebnis? Ja und nein. Auf der einen Seite hat der Roman mich gut unterhalten, war zum Glück nicht kitschig und zeigte ...

Meinung


Die Grundidee erscheint neu und anders, aber verspricht sie auch ein neues Leseerlebnis? Ja und nein. Auf der einen Seite hat der Roman mich gut unterhalten, war zum Glück nicht kitschig und zeigte dann doch einmal eine andere Art, wie sich Liebesromane schreiben lassen. Auf der anderen Seite waren doch immer wieder ein paar Stolpersteine eingebaut, die das Lesen erschwert haben.

Coras Versuche, Fremde miteinander zu verkuppeln, sollen vor ihrer eigenen Angst vor Bindungen ablenken. Nach einem unglücklichen Beziehungsaus steckt sie all ihre Energie und all ihre Zeit – auch die in der sie arbeiten sollte – in das Zusammenbringen ihrer Fluggäste. So wechseln sich die Kapitel, in denen entweder das Leben von Cora und ihren Kollegen geschildert wird, mit denen der Passagiere, die eine neue Liebe finden sollen, ab. Diese Abwechslung macht den Storyverlauf interessanter, da Coras eigenes Leben auf den ersten Blick doch wenig Material liefert, einen Roman füllen zu können. Als Protagonistin bringt sie nicht viel Potenzial mit, der Mensch hinter ihrer Fassade lässt sich erst im letzten Drittel so richtig erkennen. Was wirklich sehr schade ist, denn ihre Hintergrundgeschichte ist wirklich interessant, wenn sie denn erst mal den Raum erhält, sich auszubreiten. Besonders ihre Familie hat es mir angetan und gerade hier ist es bedauerlich, dass nicht mehr als an der Oberfläche gekratzt wurde. Es scheint, als ob besonders viele Themen untergebracht werden sollten. Diese sind durchaus interessant, es fehlt jedoch an Seiten, um die angefangenen Geschichten auszuerzählen.

Nicht immer ist klar erkennbar, ob Klischees wahllos eingearbeitet sind, oder ob bewusst mit ihnen gespielt wird. Dadurch fliegen die Stereotypen leider sehr tief und es erscheint unklar, was die Autorin genau damit bezwecken möchte. Tatsächlich stellt sich einer der Nebenfiguren – Flugbegleiter George (ich hoffe, dass dies sein Name ist, ich habe ihn beim nachträglichen Durchblättern nicht mehr gefunden) – eine ähnliche Frage wie mir, was die Diversität von Coras „Opfern“ anbelangt.

Ich muss zugeben, den Klappentext nicht gelesen zu haben. Eifert man mir nach, wird sich der Ausgang des Romans erst nach und nach zu erkennen geben. Wird der Inhalt allerdings vorher gelesen, ist der Spoiler vorprogrammiert. Ich kenne mich nicht mit der Zielgruppe aus. Ist es explizit erwünscht, die Pairings schon vor dem Lesen zu kennen? Gibt es wirklich keine LeserInnen in diesem Genre, die sich – wie ich – gerne überraschen lassen?

Nichtsdestotrotz hat mir das langsame Entwickeln von Coras eigenem Glück zugesagt, bin ich doch die ganzen Instantliebesgeschichten der letzten Monate leid. Besonderes überrascht hat mich dahingehend auch, dass nicht alle von Coras Verkuppelungsaktionen mit Erfolg gekrönt sind. Genau dies lässt sich schließlich von einem Roman mit einem solchen Cover erwarten, oder? Alleine aus diesem Grund konnte Liebe in Reihe 27 schon massig Punkte gut machen.

Immer wieder Frage ich mich, ob man eine Protagonistin zwingend mögen muss. Eine genaue Antwort darauf habe ich bislang nicht gefunden, denn es ist von Buch zu Buch und von Protagonistin zu Protagonistin verschieden. In dem Fall von Liebe in Reihe 27 komme ich zum Schluss, dass sie selbst, ob der anderen Charaktere, untergeht, dies aber nicht weiter tragisch ist. Bis auf überzeichnete Figuren wie George (?) überraschend die Nebenfiguren mit Tiefe und umso trauriger ist es, dass Menschen wie Coras, an Demenz erkrankter, Mutter nicht mehr Raum gegeben wurde.

Fazit


Liebe in Reihe 27 ist eine überraschende Sommerlektüre, die mehr Tiefgang als erwartet aufweist. Die Sympathieträger des Romans – die liebenswerten Nebenfiguren rund um Cora – tragen erheblich dazu bei, dass sich dieser Liebesroman von den anderen seiner Art abhebt. In Bezug auf einzelne Nebenstränge hätte ich mir eine genauere Ausarbeitung gewünscht, insgesamt ist Liebe in Reihe 27 allerdings eine Leseempfehlung für Fans von Sarah Harvey und Mary Kay Andrews.

Veröffentlicht am 15.06.2018

Der Zauber zwischen den Seiten

Der Zauber zwischen den Seiten
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Meinung
Der Zauber zwischen den Zeilen erzählt die Geschichte zweier Frauen, deren Leben über Zeiten hinweg miteinander verwoben zu sein scheinen. Wie bei vielen anderen Büchern dieser Art, in denen Aufzeichnungen ...

Meinung
Der Zauber zwischen den Zeilen erzählt die Geschichte zweier Frauen, deren Leben über Zeiten hinweg miteinander verwoben zu sein scheinen. Wie bei vielen anderen Büchern dieser Art, in denen Aufzeichnungen gefunden und Rückblenden den weiteren Verlauf erzählen, ist es auch hier wieder die Geschichte in der Geschichte, die den besonderen Reiz ausübt.

Die Sprache des Romans ist sehr bildhaft und lässt dabei Welten vor dem inneren Auge entstehen. Der Part des 19. Jahrhunderts sowie der blumige Schreibstil Cabonis haben letzendlich dazu geführt, dass ich den Ausgang des Buchs unbedingt in Erfahrung bringen wollte. Alleine aufgrund von Sofia wäre dies so wohl nicht der Fall gewesen. Sofia ist eine anstrengende und naive Protagonistin die in meinen Augen kaum dazu lernt. Nicht einmal ihre Liebe zur Literatur konnte ihr allgemeines Wesen bei mir wieder gutmachen. Im Gegensatz dazu steht Clarice, deren Story mir eindeutig mehr zugesagt hat und mit der es sich einfacher verhält, ihre Handlungen nachvollziehen zu können. Dieser Umstand wirkt ein wenig absurd wenn sich vor Augen geführt wird, wie viel die beiden Figuren eigentlich gemein haben.

Der Zauber zwischen den Seiten lebt unter anderem durch die häufig verwendeten Zitate (u.a. zu Beginn der Kapitel). Im Gegensatz zu anderen Romanen, die ich zum Thema Liebe zum Buch gelesen haben, wirken sie nicht Fehl am Platz. Sie verstärken den Eindruck, dass hier die Leidenschaft zum geschriebenen Wort gefeiert und gelebt wird.

Fazit
LiebhaberInnen von Romanen mit zwei Zeitachsen, bei denen irgendwelche Briefe oder sonstige Aufzeichnungen gefunden werden und dadurch gelebte Leben erneut oder zum ersten Mal aufgedeckt werden, werden dieses Roman sicher lieben. Da ich kein all zu großer Fan dieses Genres bin müssen die Punkte „Charaktere, Story und Auflösung“ gut ineinander greifen. Bei diesem Buch hapert es allerdings an der Protagonistin und somit war es für mich kein Sommer Must Read. Der Zauber zwischen den Seiten zeigt allerdings das Potenzial der Autorin und ich werde sicher wieder zu einem ihrer Bücher greifen.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Abbruchrezension - enthält Spoiler!

Frühling im Kirschblütencafé
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Das Schlimmste an diesem Roman ist, dass er genau mein Guilty Pleasure Muster bedient (Café, Neuanfang, Selbstständigkeit in einem kreativen Beruf) und noch nicht einmal wirklich schlecht ist. Gut, die ...

Das Schlimmste an diesem Roman ist, dass er genau mein Guilty Pleasure Muster bedient (Café, Neuanfang, Selbstständigkeit in einem kreativen Beruf) und noch nicht einmal wirklich schlecht ist. Gut, die Protagonistin ist wahnsinnig naiv. Ihre Freunde erinnern an NPC aus Videospielen aber insgesamt ist Frühling im Kirschblütencafé ein toller Sommerroman. Leicht, ohne tiefer zu gehen und wahrscheinlich ein Titel, der sich nebenher gut weglesen lässt. Ich selbst hatte jedoch immer wieder Schwierigkeiten, mich bei (Lese-)laune zu halten. Dieser Umstand ist sicher meinen Erwartungen zu schulden. Ich kenne diese Art von Romanen in- und auswendig. Die Anfänge sind fast und die Enden sind immer identisch. Mir kommt es auf den Weg dahin an. Werden die Figuren die Geschichte tragen? Ist die Reise und die Wandlung der Protagonistin nachvollziehbar? Lassen sich diese Fragen mit ja beantworten, sind unterhaltsame Lesestunden vorprogrammiert.

Bis sich ein stetiger Lesefluss eingestellt hat, wurde Frühling im Kirschblütencafé dann doch auf einmal das, was es sein wollte (sollte?): Ein „Wohlfühlroman“. Mir ist bis heute nicht klar, warum Frauenfiguren in Romanen immer erst von ihrem Freund/Verlobten verlassen oder von ihrem Ehemann betrogen werden müssen, damit sie sich wagen, ihren Träumen nachzujagen. Da dies aber viele solcher Romane betrifft, müssen sich die LeserInnen auch hier wieder einmal mit den Tränen und Hoffnungen der Protagonistin berieseln lassen. Und wenn dann endlich die Tränen getrocknet und die Ärmel hochgekrempelt werden, kommt nicht nur in das brachliegende Café wieder Leben. Lizzies Versuche, das Lokal ihrer Freunde ans Laufen zu bekommen und dabei ihr eigenes kleines Imperium von Nähkursen zu starten war der interessanteste Part der Story. An dieser Stelle hätte es gerne mehr in die Tiefe gehen dürfen. Als der Roman also auch endlich mit erreicht hat, kam der Schlag mit der Abrissbirne. Achtung, ab dem nächsten Absatz werden die angekündigten Spoiler folgen.

Lizzie, die ihren untreuen Exfreund immer noch nicht hinter sich lassen konnte, nähert sich (wer hätte es nicht geahnt) ihrem Jugendschwarm Ben an. Natürlich muss bei einer Rückkehr in das Dorf der Kindheit immer die ehemalige Große Liebe, oder – wie in diesem Fall – der damalige Schwarm anwesend und verfügbar sein. Kurzzeitig sind sich die beiden erst einmal feindselig gegenüber eingestellt, doch auch das legt sich rasch und die beiden merken, dass sie sich in ihrer Jugend relativ anziehend fanden. Dabei schleppt Ben DAS große Geheimnis schlechthin mit sich herum. Bis zum Erbrechen wird die Auflösung immer wieder nach hinten verschoben. Anlässe, es zu erwähnen, gibt es jedoch im Übermaß und so werden die LeserInnen künstlich auf die Folter gespannt. Bens Grund, in die alte Heimat zurück zu kehren und bei Freunden unter zu kommen ist recht banal. Er hat sich von seiner Freundin getrennt. Der Grund ist dann auch die eine Sache, über die Ben vorher nicht sprechen wollte. Seine Exfreundin wurde schwanger. Gesagt hat sie ihm nichts. Aber zum Glück wühlt Ben gerne im Müll herum und findet einen positiven Schwangerschaftstest. Als sie von einer angeblichen Geschäftsreise nach Hause kommt, konfrontiert er sie mit dem Test und sie eröffnet ihm, dass sie in einer Klinik gewesen ist, um die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Dies alles erzählt er Lizzie und die beiden stimmen den Chor der Empörten an.

Vielleicht mag es albern sein, aufgrund dieser einen Stelle den Roman wegzulegen. Allerdings wurde ich bis zu diesem Punkt nur recht dürftig unterhalten. Würde es sich um eine tiefgründigere Geschichte handeln, in dem auf diesen Teil des Plots weiter eingegangen wird, hätte ich mit Sicherheit weiter gelesen. Da dieser Punkt allerdings ausschließlich als Aufhänger dient, Lizzie und Ben zusammen zu bekommen (beide wurden durch die ExpartnerInnen verletzt), ist einfach nur ein Schlag ins Gesicht für alle, die für die Abschaffung von § 219a kämpfen.

„O Gott“, rief ich entsetzt, „wie konnte sie nur? Wie konnte sie das tun?“
– Seite 216

Tja Lizzie, du hättest sie einfach selbst fragen können. Aber absurde Beschuldigungen einer Person die du überhaupt nicht kennst, nur um deinem Love Interest zu gefallen sind sicherlich viel einfacher. Es passt allerdings zu ihrem Charakter, der nicht mehr als ein Fähnchen im Wind ist.

Ob meine Reaktion übertrieben ist, mag dahingestellt sein. Vielleicht wird sogar im weiteren Verlauf noch einmal näher darauf eingegangen. Da der Roman (wie bereits erwähnt) jedoch nicht das Gefühl auslöst, ihn unbedingt beenden zu wollen, war das für mich der Anlass, ihn an dieser Stelle zu beenden. War ich zuvor noch leicht enttäuscht, eine schlechte Auswahl getroffen zu haben, wandelte sich diese Enttäuschung an dieser Stelle in Wut um. An Romanen, die auch dem Genre ChicLit eingeordnet werden können, hat mich schon immer gestört, dass (meist amerikanische) zweifelhafte Wertevorstellungen unbedingt eingearbeitet und vermittelt werden müssen. Dabei reicht die Bandbreite von Bodyshaming über Lookismus bis hin zu Sexismus. Diese Art von Bashing war allerdings tatsächlich mal etwas Neues und es ist mir auch völlig egal, ob es die persönliche Meinung der Autorin darstellt oder nicht. Was soll das denn darstellen? Ein kunterbunter Sommeroman, der „dunkle“ Themen nur anstreift, um eine Begründung für eine Beziehung zu finden? Das ist bei New Adult Romanen schon nervig bis untragbar.

Damit keine Missverständnisse aufkommen. Solche „Hindernisse“ gehören durchaus in Romane. Ich persönlich lese lieber Bücher in denen nicht alles glatt läuft und in denen den Protagonistinnen/Protagonisten einiges zugemutet wird. Miese Charaktereigenschaften zählen ebenso dazu wie Figuren, die dafür geschaffen sind, dass sie gehasst werden sollen. Allerdings zielt hier alles darauf ab, die Protagonistin und ihren Freund-to-be in einem besseren Licht strahlen zu lassen. Es wird direkt klar, die beiden sind die Guten. Die Exfreundin ist das Böse in Person, ohne dass nur ansatzweise hinterfragt wird, was sie zu dieser schwerwiegenden Entscheidung gebracht hat. Oder wie sie sich selbst damit fühlt.

Aus diesem Grund/diesen Gründen gibt es von mir keine Empfehlung für Frühling im Kirschblütencafé. Wenn ihr daran interessiert seid, kann ich euch beizeiten einen Beitrag mit Romanempfehlungen zusammenstellen, in denen die Themen Café, Neuanfänge usw. besser rübergebracht worden sind.