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Veröffentlicht am 27.12.2018

Eine psychologische Studie eines Mörders

Das Geheimnis der Grays
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England, Weihnachtsnacht 1931: Im Haus der vornehmen Familie Gray wird das Familienoberhaupt ermordet. Eines seiner Kinder hat ihn im Affekt erschlagen und versucht nun, falsche Spuren zu legen um dem ...



England, Weihnachtsnacht 1931: Im Haus der vornehmen Familie Gray wird das Familienoberhaupt ermordet. Eines seiner Kinder hat ihn im Affekt erschlagen und versucht nun, falsche Spuren zu legen um dem (damals üblichen) Galgen zu entkommen. Es ist paradox, als Leser überlegt man unwillkürlich mit, ob der Mörder irgendwas übersehen hat. Die sich daraus ergebende fehlende Spannung - der Leser weiß im Gegensatz zu den Figuren wer der Täter ist – wird relativ schnell dann doch aufgebaut als ein Unschuldiger verhaftet wird. Nun will, nein muss man wissen, dass die Gerechtigkeit am Ende siegt und das Unrecht aufgeklärt wird.

Das Cover ist sehr schön, aber schlicht und lässt einen klassischen, englischen „old school“-Krimi erwarten, was dieses Buch aber nicht ist. Die Geschichte wird aus der dritten Person heraus erzählt und wechselt die Perspektive mehrfach, dennoch werden größtenteils die Gedanken des Mörders wiedergegeben. Der Roman ist in 7 kleine Teile unterteilt und umfasst Vorgeschichte, Vertuschung, Gerichtsverhandlung etc. Diese Geschichte von 1933 wurde hier erstmals auf Deutsch übersetzt, allerdings ist die Übersetzung (oder der Originaltext?) fehlerhaft, eines der Enkelkinder wechselt mitten in der Geschichte das Geschlecht und auch die Namen sind einige Male vertauscht. Dennoch besticht der Text durch einen Stil, der an Agatha Christie erinnert und sobald einen die Handlung einmal gepackt hat, will man nicht mehr aufhören zu lesen.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Tragödien und Untergang im Berlin der 1920er Jahre

Das Palais Reichenbach
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Kulisse dieses Romans ist das Haus Reichenbach – mit all seinen Bewohnern, sowohl Familie als auch Personal. Die Berliner Adelsfamilie Reichenbach steht kurz vorm Bankrott, versucht aber um jeden Preis, ...

Kulisse dieses Romans ist das Haus Reichenbach – mit all seinen Bewohnern, sowohl Familie als auch Personal. Die Berliner Adelsfamilie Reichenbach steht kurz vorm Bankrott, versucht aber um jeden Preis, den Anschein einer heilen Fassade aufrecht zu erhalten. In einer Welt, die sich in einem rasanten Wandel befindet, müssen sich alle Familienmitglieder erst zurecht finden: Tochter Ina wird Teil der Künstlerszene und verliebt sich in den mittellosen Schriftsteller – eine Liebe, die an den ungleichen Rahmenbedingungen scheitert. Der älteste Sohn Fridolin ist auf der Suche nach der wahren Liebe und trifft eine falsche, aber folgenschwere Entscheidung. Sohn Georg ist homosexuell und kann nur im Geheimen er selbst sein. Und die Eltern verschließen die Augen vor der Realität und hoffen darauf, dass alles irgendwie wieder gut wird.

Parallel und verknüpft dazu werden die Schicksale der Bediensteten erzählt, auch auf dieser Etage steht der Kurs auf Veränderung.

Insgesamt ist dieser Roman eine Geschichte von Liebe, Selbstverwirklichung und Umbruch auf Basis guter historischer Recherchen. Am Ende allerdings bleiben manche Fragen offen, werden manche Erzählstränge nicht aufgelöst. Dies ist schade, ist aber möglicherweise beabsichtigt, um Spannung für eine Fortsetzung zu erhalten. Und obwohl mir das Buch gefallen hat, hat mir der (erwartete) Glanz der 20er Jahre gefehlt, ich weiß nicht warum, aber Bilder von verruchten Bars und tanzenden Damen mit dem bekannten Kopfband etc. blieben aus. Das Buch hat mich daher nicht restlos überzeugt, bekommt aber vier Sterne.

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  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 20.11.2018

Manchmal muss man nur vertrauen

Winterblüte
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Anfang Dezember im Ostseebad Heiligendamm zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Christian Baabe findet am Strand eine junge schiffbrüchige Frau. Ohne Papiere, nur mit einem Barbarazweig in der Hand. Seine Familie ...

Anfang Dezember im Ostseebad Heiligendamm zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Christian Baabe findet am Strand eine junge schiffbrüchige Frau. Ohne Papiere, nur mit einem Barbarazweig in der Hand. Seine Familie nimmt die Fremde, die sich an nichts mehr erinnern kann wohl oder übel im familieneigenen Gästehaus auf. Und während sich Christian und seine Schwester Johanna sich schnell mit der Fremden anfreunden, ihr helfen wollen und ihre eigenen Probleme mit ihr besprechen, bringt "Barbaras" Anwesenheit für die Mutter der Geschwister schlimme Erinnerungen zurück. Und damit setzt sich ein Prozess in Gang, der bewirkt, dass eine ganze Reihe von Menschen erkennen, dass man mit der Vergangenheit abschließen muss, um glücklich werden zu können.

Der Roman beginnt schleppend - Johanna soll sich am Weihnachtsball zwischen zwei Heiratskanditen entscheiden, liebt aber einen jungen Mann, dessen Familie nicht akzeptiert wird. Die Grundidee allerdings, dass beide Mädchen auf den Barbarazweig als Symbol der Hoffnung und der Liebe setzen, finde ich reizend. Ab der Hälfte nimmt die Geschichte an Fahrt auf, das obligatorische Happy End für alle Beteiligten passt bei diesem Roman gut.

Ein weiterer Pluspunkt ist das wirklich wunderschöne Cover. Insgesamt ist es zwar kein überragender, aber ein netter Roman, der dazu anregt, über die eigenen Vorurteile nachzudenken.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Schön, aber traurig

Lavendelträume
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Julia reist nach dem Unfalltod ihrer Mutter in die Provence um den Absender eines alten Liebesbriefes zu finden. Dabei verliebt sie sich in Nicolas, doch diese Liebe steht unter keinen guten Stern...

Fazit: ...

Julia reist nach dem Unfalltod ihrer Mutter in die Provence um den Absender eines alten Liebesbriefes zu finden. Dabei verliebt sie sich in Nicolas, doch diese Liebe steht unter keinen guten Stern...

Fazit: Die Geschichte ist romantisch und oftmals berührend, aber auch oft genug sehr traurig. Wenn ich ehrlich bin, war ich versucht, das Buch nach den ersten 100 Seiten beiseite zu legen, da es mich deprimiert hat.
Die Beschreibungen der Entstehung eines Parfums waren sehr interessant, auch die Nebenhandlung mit Julias bester Freundin Maren hat mir gefallen.
Die Beschreibungen der Provence haben mir weniger gefallen, irgendwie waren sie übertrieben und wurden dem Zauber der Provence, so wie ich sie erlebt habe, nicht gerecht.
Insgesamt hat mir dieses Buch gefallen, aber es ist trotzdem kein leichter Sommerroman, wie ich erwartet hatte.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Neuanfang mal 2

Zwei unter einem Schirm
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Lotta schwärmt für den Trafikanten und spielt deswegen regelmäßig Lotto – bis sie gewinnt. Gülcan träumt von einem Job als Fremdenführerin und heiratet einen Mann, den sie nicht kennt. Lotta kauft eine ...

Lotta schwärmt für den Trafikanten und spielt deswegen regelmäßig Lotto – bis sie gewinnt. Gülcan träumt von einem Job als Fremdenführerin und heiratet einen Mann, den sie nicht kennt. Lotta kauft eine heruntergekommene Stadtvilla und lässt sich – ganz klassisch - von falschen, neuen Freunden ausnehmen. Gülcan wird von ihrem Mann geschlagen und verlässt ihn. Schließlich treffen die beiden zufällig aufeinander…

Lotta und Gülcan scheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein, aber im Grunde verhalten sich beide Frauen sehr ähnlich. Beide lassen sich vom Umfeld manipulieren, handeln unüberlegt und oft genug einfach nur dumm. Weder mit Lottas versnobter Art und ihrem Wunsch zur Wiener Schickeria „aufzusteigen“ und noch weniger mit Gülcans religiös-traditionellen und dabei unterwürfigen Einstellungen kann ich etwas anfangen. Sympathisch sind mir beide nicht – genauso wenig irgendeine andere Figur des Romans. Zu unverlässlich, zu oberflächlich, zu egoistisch etc.

Fazit: Ich vergebe trotzdem 4 Sterne, weil ich finde, dass sich dieser Roman durch seinen Schreibstil, seinen Witz und seiner Originalität von der Masse abhebt. Die Geschichte ist leider weder, wie aufgrund des Klappentextes von mir vermutet, witzig noch geht es um die angekündigte wunderbare Freundschaft, aber sie bringt einen zum Nachdenken. Darüber, was wirklich wichtig ist im Leben. Der Text ist phasenweise langatmig. gelegentlich schräg und über weite Strecken traurig, aber – und das möchte ich positiv hervorheben – eines der am wenigsten vorhersehbaren Bücher das ich seit langem gelesen habe.

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