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Veröffentlicht am 23.11.2019

Stricken, ein Wollgeschäft und die Highlands, eine richtige Wohlfühlmischung

Der kleine Strickladen in den Highlands
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Maighreads Leben ist ziemlich aus den Fugen geraten, denn sie hat gerade ihren Job und auch ihren Freund verloren. Als sie während eines Besuchs bei ihrer Mutter alte Fotos findet und sie nach den abgebildeten ...

Maighreads Leben ist ziemlich aus den Fugen geraten, denn sie hat gerade ihren Job und auch ihren Freund verloren. Als sie während eines Besuchs bei ihrer Mutter alte Fotos findet und sie nach den abgebildeten Menschen fragt, lenkt Lindsay ab und lässt sich nichts entlocken. Erst durch hartnäckiges Nachfragen erfährt Maighread, dass es sich um ihre Großeltern handelt, die sie lange tot geglaubt hatte. Gegen den Widerstand ihrer Mutter macht sich Maighread auf die Reise zu dem kleinen Ort am Loch Lomond, um auf eigene Faust Kontakt zu ihren Großeltern aufzunehmen. Immer wieder wird sie von Bedenken geplagt, ob es richtig ist, was sie tut, und letztendlich lässt der erste Kontakt mit ihrer Großmutter die Zweifel nicht verschwinden, sondern noch größer werden. Aber dann entdeckt Maighread, dass sie und ihre Großmama einiges gemeinsam haben…
In einer anderen Sequenz begegnen wir Joshua McLaughlin. Er lebt auf Callwell Castle und ist beruflich in der Umweltforschung tätig, daneben kümmert er sich auch mit Leib und Seele um seine geliebte Schafherde.
Nicht nur die Protagonisten des Romans sind beide sehr sympathisch sondern es gibt noch einige weitere liebenswerte Charaktere im Roman. Da ist zum Beispiel die resolute aber gutherzige Eilidh, die Haushälterin auf Callwell Castle. Auch Chloe, eine gute Freundin von Joshua seit der Schulzeit, die sich auch schnell mit Maighread gut versteht und ihr nach der Ankunft am Loch Lomond hilft, habe ich gleich ins Herz geschlossen.

Bei diesem neuen Roman von Susanne Oswald hat mich gleich das Cover in seinen Bann gezogen, denn ich bin nicht nur eine Leseratte, sondern ich stricke auch sehr gerne und kann mich für schöne, kuschelige Wolle begeistern, und so ist das Bild vorne auf dem Buch genau mein Ding!
Auf die Wiedergabe des Klappentextes verzichte ich wohlweislich in diesem Beitrag, denn ich bin der Meinung, er nimmt zu viel vorweg.
Was den Stellenwert des Strickens und der Wolle im Buch angeht, so wurde ich nicht enttäuscht. Die Atmosphäre ist wundervoll beschrieben, und wenn Maighread und Chloe gemütlich zusammensitzen, wäre man nur allzu gerne dabei, denn diese beiden Frauen „fühlen“ sich nach kurzer Zeit an wie gute Freundinnen.
Dass es jedoch nicht nur ums Stricken geht, sondern auch der Weg der Wolle vom Schaf bis zum Schal thematisiert wird, gefällt mir ausgesprochen gut. In Maighread werden sich leidenschaftliche Strickerinnen wiederfinden, und als zusätzliches Schmankerl gibt es am Ende des Buches auch noch ein paar Anleitungen für schöne Werke aus Wolle. Wie sich Maighread nach und nach am Loch Lomond so wohlfühlt, dass sie am liebsten dort bleiben würde, ihre Begegnungen mit den Menschen, ihre Erfahrungen, die sie macht und was sie letztendlich über sich selbst und ihre Familie erfährt, das wird alles kurzweilig erzählt, eingebettet in wunderschöne Beschreibungen der schottischen Landschaft. Ich habe mich in der Atmosphäre dieses Romans sehr wohl gefühlt. Es werden interessante Themen angesprochen, es gibt keine langatmigen Passagen im Buch, spannend bleibt es fast bis zur letzten Seite, und auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Nur hatte ich im letzten Teil das Gefühl, dass sich die Ereignisse überschlagen, und es geschehen einige unvorhergesehene Dinge, die vieles verändern. Das ging mir alles ehrlich gesagt ein bisschen zu schnell, und auf die tragische Wendung kurz vor Ende der Geschichte hätte ich gerne verzichten können.
Insgesamt ist es aber ein wundervoller Roman mit Wohlfühlcharakter.

Veröffentlicht am 19.11.2019

Wie Ole der Bär sein erstes Weihnachtsfest erlebt

Das geheimnisvolle Weihnachtsgeschenk
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Es ist kurz vor Weihnachten. Draußen ist es bitter kalt, und es schneit. Der Bär Ole unterbricht seinen Winterschlaf und verlässt seine gemütliche Höhle, um mit seinen Freunden auf einer Waldlichtung Weihnachten ...

Es ist kurz vor Weihnachten. Draußen ist es bitter kalt, und es schneit. Der Bär Ole unterbricht seinen Winterschlaf und verlässt seine gemütliche Höhle, um mit seinen Freunden auf einer Waldlichtung Weihnachten zu feiern, denn Weihnachten soll das allerschönste Fest sein, das er auf keinen Fall verpassen möchte. Unterwegs findet er ein Geschenk und überlegt, dass es sicher für ihn ist. Aber er begegnet auch dem kleinen Wichtel, der Gans, dem Waschbären und der Maus, und alle sind sie der Meinung, das Geschenk sei nur für sie bestimmt. Darüber kommt es zum Streit, und Ole ist traurig, denn so hat er sich Weihnachten nicht vorgestellt. Aber dann klärt sich alles ganz anders.
Was es mit dem geheimnisvollen Geschenk auf sich hat und ob sich die Freunde wieder vertragen, das erfahren Kinder ab 5 Jahren in diesem schönen Bilderbuch. Die kurzen Texte sind kindgerecht, die klaren Bilder, in warmen, kräftigen Farben sorgsam gezeichnet, laden zum ausgiebigen Betrachten ein, denn gerade die Bärenhöhle ist so gemütlich ausgestattet, und auch im Winterwald gibt es viel zu entdecken. Hier wurde viel Wert auf kleine Details gelegt. Auch wenn der Hintergrund der Bilder meist dunkel ist, da die Geschichte ja nachts im Wald spielt, so hat die Autorin und Illustratorin auch immer Licht mit eingebracht. Diese Licht- und Schatteneffekte verstärken einerseits das Geheimnisvolle der Geschichte, aber das warme Licht führt auch direkt zu Weihnachten hin. Die Weihnachtsfeier der Tiere und der geschmückte Wald sind ganz bezaubernd illustriert. Beim Vorlesen wird sicher so mancher nachdenkliche Moment aufkommen, und einige Szenen im Buch geben interessanten Gesprächsstoff für die Kinder, denn da geht es um den Zusammenhalt und wie leicht sich manchmal Streit aus der Welt schaffen lässt, wenn jeder Einzelne nicht nur auf sich selbst schaut, sondern alle zusammenhalten.
Ein wunderschönes Bilderbuch für die Advents- und Weihnachtszeit. Es eignet sich gut als kleines Mitbringsel für Kinder oder natürlich auch für den Nikolaussack oder die Bescherung an Heiligabend.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Ein grandioser, vielschichtiger historischer Roman

Im Schatten des Turms
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Die Protagonisten sind zwei junge Menschen im Wien des 18. Jahrhunderts, die sich gefunden und verliebt haben, deren Liebe aber hoffnungslos ist, da sie aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen. ...

Die Protagonisten sind zwei junge Menschen im Wien des 18. Jahrhunderts, die sich gefunden und verliebt haben, deren Liebe aber hoffnungslos ist, da sie aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen. Helene ist aus adligem Haus und Halbwaise. Ihr Vater ermöglicht ihr ein behütetes Leben und eine, für die Frauen der damaligen Zeit, außergewöhnlich hohe Bildung.
Alfred ist Medizinstudent. Er stammt aus kleinen Verhältnissen, hat aber das Zeug dazu, ein guter Arzt zu werden. Sein Studium muss er sich mühevoll verdienen.
Wichtigster Schauplatz des Romans ist der Narrenturm in Wien, in dem die erste psychiatrische Heilanstalt der Welt untergebracht war. Bei einem Besuch der Medizinstudenten in der Anstalt fällt Alfred eine junge Frau auf, die Verletzungen an den Armen hat und die ihm anscheinend etwas mitteilen möchte. Aber sie ist stumm. Ihr Anblick lässt Alfred nicht los, und über die herrschenden Zustände im Narrenturm ist er entsetzt, und er nimmt sich vor, etwas dagegen zu tun. Dadurch behindert er jedoch unbewusst andere Interessen.
Der Ort ist schicksalhaft für Helene und Alfred. Die Liebenden treffen sich am Narrenturm, und dort verlieren sie sich auch wieder. In parallel erzählten Handlungssträngen erfährt man abwechselnd, welches Schicksal sie erwartet.
Beide machen eine starke Entwicklung durch, und beide müssen ihren eigenen Kampf ausfechten, jeder auf eine andere Art und Weise.
Der Roman hat mich von der ersten Seite an mitgerissen und fasziniert, denn René Anour beschreibt alle Szenen so eindringlich, dass man sich dem Gefühl, mitten in der Geschichte zu sein, gar nicht entziehen kann (und natürlich auch gar nicht entziehen will!). Sinnbildlich für die Liebenden wird das Märchen von Jorinde und Joringel erzählt, und die Schicksalswege von Helene und Alfred ähneln auch in gewisser Weise denen der Märchengestalten. Was mich besonders fasziniert hat, sind die gleichnishaften Verknüpfungen verschiedener Charaktere des Romans mit Vögeln. Da gibt es den Pirol und die Elster, den Wendehals und den Adler, und im Lauf der vielschichtigen Handlung kommen auch die Krähen ins Spiel, nicht zu vergessen die Nachtigall, die eine ganz besondere Rolle einnimmt. Das mag auf den ersten Eindruck verwirrend klingen, aber je weiter man liest, umso mehr erschließt sich die Symbolik.
Man muss diesen Roman einfach gelesen haben! Er kann mit einer dichten Atmosphäre und einer Vielzahl äußerst interessanter Charaktere aufwarten und zeugt im Aufbau und in seiner Entwicklung von gründlicher Recherchearbeit. Viele historische Fakten fließen mit in die Geschichte ein, und man begegnet auch diversen realen Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Auch gewinnt man Einblicke in die Wissenschaft der Psychiatrie im 18. Jahrhundert und erfährt einiges über die damals oft schaurigen Behandlungsmethoden. Der gemütliche Wiener Dialekt einiger Personen bildet einen gekonnten und sehr interessanten Kontrast zu der zeitweilig düsteren Handlung und kann nicht über das Grauen hinwegtäuschen, dem man da begegnet.
Der Schreibstil des Romans ist großartig und reich an Metaphern, und die Handlung entwickelt sich dramatisch und immer auch ein wenig geheimnisvoll. Es war für mich faszinierend, die Entwicklung der verschiedenen Charaktere mit zu erleben.
Es gibt so viele mysteriöse Szenen und Details, die man beim ersten Lesen gar nicht alle erfassen kann. Daher habe ich fest vor, dieses Buch nach einiger Zeit noch einmal lesen und dann vermutlich vieles neu zu entdecken, was mir beim ersten Durchgang verborgen blieb. Ich kann definitiv schon sagen, dass dieser grandiose Roman zu meinem Jahreshighlights 2019 gehört.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Bezaubernder weihnachtlicher Liebesroman

Stille Nacht, flauschige Nacht
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Die Hauptpersonen in Petra Schiers diesjährigem Weihnachtsroman sind Patrick Sternbach und Angelique Sahrmüller. Beide kennt man bereits aus dem Weihnachtsroman vom letzten Jahr, als es um Patricks Bruder ...

Die Hauptpersonen in Petra Schiers diesjährigem Weihnachtsroman sind Patrick Sternbach und Angelique Sahrmüller. Beide kennt man bereits aus dem Weihnachtsroman vom letzten Jahr, als es um Patricks Bruder Justus und Angeliques beste Freundin Laura ging. Auch Patricks Situation wurde in „Vier Pfoten für ein Weihnachtswunder“ bereits angerissen. Er hat sich ein gut gehendes Bauunternehmen aufgebaut, und seit vor einem Jahr ihre Mutter gestorben ist, leben seine Kinder, die Zwillinge Jessica und Joel, bei ihm. Inzwischen gehört auch Hund Oskar zur Familie, auch wenn dieser die Sache etwas anders sieht, denn er ist der festen Meinung, ein Streuner zu sein und bald wieder auf Wanderschaft gehen zu wollen. Dieses Vorhaben schiebt Oskar jedoch immer wieder auf, da er sich bei den Sternbachs sehr wohl fühlt und ihm die Kinder ans Herz gewachsen sind. Oskars Meinung ist immer wieder zwischendurch kursiv gedruckt eingestreut, denn das ist das Besondere an Petra Schiers Romanen, dass sie auch ihren vierbeinigen Protagonisten eine Stimme gibt. Die Hunde in ihren Romanen sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern haben ihren eigenen Kopf und meist auch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, die sie von Santa Claus und seinen Weihnachtselfen mitgeteilt bekommen.
Auch die Abschnitte, wenn man Einblick in Santas Weihnachtswerkstatt bekommt, sind alljährlich ein Highlight in Petra Schiers Weihnachtsromanen. Bei Santa und seinen Elfen ist die Schaltzentrale, von wo aus Wünsche erfüllt werden. Diesmal geht es um Joel Sternbachs Wunschzettel, der ganz schön umfangreich ist. Neben einigen Dingen, die sich Jungen in seinem Alter so wünschen, schüttet er Santa sein Herz aus, denn das Ehepaar Meininger, Joels und Jessicas Großeltern mütterlicherseits, streben einen Sorgerechtsstreit gegen ihren unerwünschten Schwiegersohn an. Das belastet sowohl Patrick als auch seine Kinder sehr. Dazu kommt ein Personalengpass im Bauunternehmen, so dass Patrick kaum Zeit für seine Zwillinge hat.
Hier kommt nun Angelique ins Spiel. Sie kennt Patrick ebenfalls schon seit einem Jahr, und damals war die erste Begegnung katastrophal.
Laura hat nun die Idee, Angelique könne doch bei Patrick in der Firma als Assistentin aushelfen. Angelique nimmt die Herausforderung an, und schon prallen die Meinungen aufeinander. Patrick braucht dringend Hilfe in der Firma, was er nur ungern eingesteht, denn er möchte die Fäden nicht aus der Hand geben, während Angelique das reinste Organisationstalent ist und sehr bald einiges in der Firma umgestaltet, was Patrick gar nicht gefällt.
Auch vor Patricks Privatleben macht Angelique nicht Halt, denn sie spürt, dass auch da ihre Hilfe gebraucht wird, und die Kinder so wie auch Oskar haben sie schnell ins Herz geschlossen. Nur Patrick will sich selbst nicht eingestehen, dass er Angelique sehr braucht und sie ganz und gar nicht so übel findet wie anfangs gedacht.
Die Rahmenhandlung um die Protagonisten ist wieder ganz wunderbar weihnachtlich, und man trifft viele „alte Bekannte“ aus früheren Büchern wieder. Da ist einmal die sympathische und ein wenig chaotische Familie Sternbach, und auch heuer findet im Haus der Eltern wieder ein traditioneller Adventsbacktag statt, an dem sich alle beteiligen.
Auch mehrere Besuche auf dem Weihnachtsmarkt stehen wieder auf dem Programm, und dort dreht sich, wie in jedem Jahr, das nostalgische Karussell. Klaus, der Besitzer, bietet auch diesmal wieder etwas Besonderes an, nämlich abendliche Fahrten für Verliebte, und der Schausteller behauptet nicht von ungefähr, dass in den Gondeln schon einige Ehen geschlossen wurden und einige Herzen zueinander gefunden haben.
Die sympathischen Protagonisten und die vertraute, heimelige Atmosphäre, die in der Geschichte vorherrscht, machen den Roman für mich zu einem besonderen, romantischen Lesevergnügen, wie ich es mir für die Vorweihnachtszeit wünsche.
Wie gewohnt, besteht auch dieses Buch heuer wieder aus 25 Kapiteln, so dass man es auch als Adventskalender lesen könnte. Aber ich gebe zu, mir ist dies noch in keinem Jahr gelungen, denn ich schaffe es einfach nicht, das Buch nach einem Kapitel bis zum nächsten Tag zur Seite zu legen, dazu bin ich viel zu gespannt, wie die Sache ausgeht.
Es ist einfach schön, die vertrauten Personen wieder zu „besuchen“, und man kann gut an die Erinnerungen aus dem Vorjahr anknüpfen, wobei dies natürlich keine Voraussetzung ist, denn jedes Buch kann selbstverständlich auch für sich allein gelesen werden. Dies war nicht der erste Roman und hoffentlich auch nicht der letzte um diese sympathische Familie. Kleine Andeutungen in der Handlung weisen aber schon darauf hin, dass wir vermutlich auch im nächsten Jahr wieder von den zweibeinigen und auch von den vierbeinigen Sternbachs hören werden. Ich freue mich schon sehr darauf.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Fränkischer Regionalkrimi vom Feinsten

Schnüffelei und Schäufele
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In der Vergangenheit hat die Autorin einen historischen Roman und jede Menge regionaler Kochbücher verfasst. „Schnüffelei und Schäufele“ ist ihr erster Krimi, aber nicht irgendeiner, sondern ein ganz besonderer! ...

In der Vergangenheit hat die Autorin einen historischen Roman und jede Menge regionaler Kochbücher verfasst. „Schnüffelei und Schäufele“ ist ihr erster Krimi, aber nicht irgendeiner, sondern ein ganz besonderer! Birgit Ringlein ist gebürtige Oberfränkin, und ihr Genusskrimi ist im oberfränkischen Dialekt verfasst. Sowohl der Autorin als auch ihrer Lektorin kann ich nur gratulieren, denn (nicht nur) sprachlich ist der Krimi bestens gelungen. Durch die Mundart kommt Lokalkolorit auf, und doch ist das Geschriebene meines Erachtens auch für Leser außerhalb Frankens und Bayerns gut verständlich.
Die Heldin und heimliche Ermittlerin in der Geschichte ist die Köchin Dora Dotterweich, die auf Schloss Lauenfels in der Fränkischen Schweiz die gräfliche Familie bekocht. Wenn es nach dem Juniorchef geht, möchte dieser das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich machen und unter Doras Regie auch eine stimmungsvolle Schlosswirtschaft eröffnen. Der alte Graf ist absolut dagegen, aber eines Tages findet man seine Leiche im Schlosskeller.
Zu Ermittlungszwecken kommen einige Mitarbeiter der Kripo Bamberg aufs Schloss, unter anderem Hauptkommissar Janzen, der ursprünglich aus Norddeutschland stammt, was Dora an seinem Dialekt unschwer erkennt. Janzen wagt es doch tatsächlich, Doras legendäres Schäufele mit einem Labskaus zu vergleichen! Aber schnell kann die exzellente Köchin Janzen und seinen Kollegen Maunzer mit ihren fränkischen Gerichten überzeugen, denn die Kriminalbeamten stärken sich für ihre anstrengenden Ermittlungen nur allzu gerne in Doras Küche.
Dora wiederum möchte die Ermittlungen im Mordfall aber nicht allein der Kripo überlassen und begibt sich eigenhändig auf Spurensuche. Ihr Forscherdrang wird ihr dabei mehrmals fast zum Verhängnis.

Der Krimi ist aus Doras Sicht in der 1. Person geschrieben. Man begleitet die wagemutige Heldin bei all ihren Aktionen, die oft ganz schön riskant sind. Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen und in einem Rutsch gelesen, denn die Handlung entwickelt sich sehr spannend. Die Autorin hat hier die ideale Balace zwischen Humor und Ernsthaftigkeit gefunden und stellt ihren Lesern einige interessante Charaktere vor. Die regionale Atmosphäre kommt toll zum Ausdruck, nicht allein durch die fränkische Sprache, sondern auch durch die Beschreibungen von Land und Leuten. Birgit Ringlein hat viele oberfränkische Rezepte in die Handlung integriert, und man erfährt zwischen den Kapiteln, womit Dora die Bewohner von Schloss Lauenfels und ab und zu auch die beiden Kommissare verwöhnt. Am Ende des Buches findet man ein Rezeptregister, so dass der Krimi zugleich ein regionales Kochbuch darstellt.
Die fesselnde Handlung und die eingefügten Rezepte machen dieses Buch in mehrfacher Hinsicht zu einem Genuss. Auch wenn ich den Krimi nun zu Ende gelesen habe, werde ich das Buch doch weiterhin öfter zur Hand nehmen, denn ich habe einige Rezepte entdeckt, die ich unbedingt ausprobieren möchte.