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Veröffentlicht am 16.04.2021

Zahlreiche schöne Rezepte, auch wenn ich nicht alle 1:1 umsetzen kann

Vegan Backen
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Seit über einem Jahr versuche ich ja, weitgehend auf tierische Nahrungsmittel zu verzichten, was aber gerade beim Backen nicht immer ganz einfach ist. Gerade wenn man ein älteres Rezept hat, lässt sich ...

Seit über einem Jahr versuche ich ja, weitgehend auf tierische Nahrungsmittel zu verzichten, was aber gerade beim Backen nicht immer ganz einfach ist. Gerade wenn man ein älteres Rezept hat, lässt sich das nicht immer 1:1 mit veganen Zutaten umsetzen. Das schreibt auch die Autorin dieses kleinen Backbüchleins. Sie gibt außerdem ihre Erfahrungen weiter und hat viele gute Tipps parat, wie das vegane Backen gut funktionieren kann.
Den Auftakt im Buch macht ein super einfacher Blaubeerkuchen, der auf einem Rührteig basiert, unter den frische Heidelbeeren gemischt werden und dann alles zusammen in einer kleinen Springform gebacken wird. Das Ergebnis hat mich überzeugt, und so habe ich gerne weitere Rezepte ausprobiert. Von Muffins über Plätzchen, Waffeln und Kleingebäck bis hin zu etwas aufwendigeren Torten sind hier viele gute Rezepte enthalten, die sich weitgehend einfach umsetzen lassen. Auch Grundrezepte, beispielsweise für Mürbteig, findet man in diesem Backbuch. Mit den richtigen Zutaten geht es eigentlich ganz leicht, nur bei manchen Ergebnissen fand ich den Geschmack nicht wirklich gut, aber das ist eben auch sehr von den einzelnen Zutaten abhängig. Den Zitronen-Kastenkuchen habe ich ausprobiert und mich hier auch total an die Angaben im Rezept gehalten. Leider hat er mir überhaupt nicht geschmeckt, und auch alle anderen Familienmitglieder konnte ich damit so gar nicht begeistern. Es sind eben auch nur sehr vage Angaben gemacht, denn wenn im Rezept steht „Sojaghurt“, so gibt es viele verschiedene vegane Joghurt-Alternativen auf Sojabasis, die nicht unbedingt alle gut schmecken. Da sollte man sich vorab herantasten und ausprobieren, welche Joghurt-Alternative einem pur schmeckt. Dann müsste auch ein Kuchen damit gut werden. Bei meinem Versuch mit dem Zitronenkuchen lag es vermutlich am Rapsöl, denn auch hier gibt es Unterschiede. Fürs Backen ist es ratsam, ein geschmacksneutrales Öl zu wählen. Aus meiner Erfahrung habe ich gelernt und verwende nun kein Rapsöl mehr zum Backen, denn davon habe ich nur ein kalt gepresstes im Haus, das vom Geschmack her im Kuchen sehr dominant ist. Nicht immer habe ich alle Alternativen im Haus, denn gerade bei der Vielzahl an Pflanzenölen, verschiedenen Süßungsmitteln und Mehlen würde meine Speisekammer schnell aus allen Nähten platzen. Auch ist in unserer Kleinstadt nicht immer alles erhältlich. Darum nehme ich beim Zusammenstellen der Zutaten für einen Kuchen manchmal kleine Änderungen vor. Beispielsweise hatte ich beim Backen der Heidelbeermuffins keinen Vanille-Pflanzendrink im Haus, da ich normalerweise lieber ungesüßten Pflanzendrink mag. Also habe ich ungesüßten Mandeldrink verwendet und, um das nötige Vanille-Aroma zu bekommen, etwas Vanillepaste zugegeben. Das Rapsöl habe ich durch ein geschmacksneutrales Pflanzenöl ersetzt, das besonders gut zum Backen und Braten geeignet ist. Die angegebene Joghurt-Alternative Mandel war nirgends erhältlich, und ich habe sie durch eine Sorte auf Kokosmilch-Basis ersetzt. Mit diesen Änderungen habe ich ein leckeres Ergebnis bekommen, das auch dem Rest der Familie geschmeckt hat. Insgesamt kann man sagen, wird ein Kuchen ohne Ei etwas fester von der Konsistenz, aber er schmeckt lecker und ist saftig.
Für mich ist dieses kleine Backbuch hilfreich, weil es einiges an Basiswissen für die vegane Backstube enthält, aber ich kann nicht alles 1:1 umsetzen. Bei den Torten ist es beispielsweise leider so, dass mir die einzige vegane Schlagcreme, die bei uns erhältlich ist, unangenehm aufstößt. Also verzichte ich lieber auf Torten-Kunstwerke, bis sich vielleicht irgendwann ein geeignetes Ersatzprodukt findet. Für dieses Problem können jedoch die Autorin und das Buch nichts, sondern das liegt daran, dass man in der Kleinstadt bei veganen Ersatzprodukten nicht immer aus dem Vollen schöpfen kann. Alles in allem gibt es aber noch so einige Rezepte im Buch, die ich unbedingt ausprobieren möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 24.02.2021

Jede Wahl, die wir im Leben treffen, führt irgendwann einmal zu einem unwiderruflichen Ende

Cloris
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Das Buch enthält eigentlich zwei Geschichten, die parallel nebeneinander her laufen und letztendlich nur sehr wenige Berührungspunkte haben.

Da geht es natürlich in erster Linie um Cloris Waldrip. Zusammen ...

Das Buch enthält eigentlich zwei Geschichten, die parallel nebeneinander her laufen und letztendlich nur sehr wenige Berührungspunkte haben.

Da geht es natürlich in erster Linie um Cloris Waldrip. Zusammen mit ihrem Ehemann begibt sich die zweiundsiebzigjährige Texanerin auf einen Rundflug über den Bitterroot National Forest. Sie wollen ein paar schöne Tage dort in der Nähe in einer gemieteten Hütte verbringen. Doch es kommt alles ganz anders, denn die Cessna 340 stürzt mitten in der Wildnis ab, und Cloris ist die einzige Überlebende. Sie steht unter Schock und macht sich mit einem Stiefel, ihrer Bibel und ein paar Karamellbonbons in ihrer Handtasche auf die Suche nach Rettung. Wie durch ein Wunder gelingt es der alten Dame, in der wilden Natur zu überleben und die Tortur, die sie auf ihrem langen Weg ertragen muss, zu überstehen. Auf ihrem Weg zurück zur Zivilisation hat sie aber auch ein paar rettende Begegnungen, die sie langfristig prägen. Sehr detailliert und lebendig beschreibt sie, wie ihr (Über)Leben in der Wildnis der Bitterroots aussieht.
Ihre Sicht der Dinge und wie sie sich durch die Erfahrungen in der Wildnis verändert, wird hier sehr eindrucksvoll und bildhaft dargestellt. Cloris schildert ihre Erlebnisse aus eigener Sicht, allerdings rückblickend, erst ca. zwanzig Jahre später. Das ist wohl auch der Grund, wieso sie teilweise im lockeren Plauderton erzählt, als würde sie über etwas ganz Banales, Alltägliches berichten. Diese Erörterung wirkt in Anbetracht der Situation, wie sie von dem toten Piloten und ihrem Mann spricht, manchmal schon etwas makaber, auch wenn das, was da geschehen ist, doch sehr real ist und durchaus so passieren könnte. Es sind einige brutale, schonungslose Szenen dabei, die einem ziemlich an die Nieren gehen, aber die Situation, in der sich Cloris befindet, ist ja auch wirklich grausam. Allerdings hat sie in der Einsamkeit auch viel Zeit, über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken. Sie zieht über ihre Ehe und ihre Vergangenheit Bilanz, und ihre zum Teil schon philosophisch anmutenden Gedanken haben eine starke Aussagekraft.

Die zweite Geschichte dreht sich um die Rangerin Debra Lewis. Sie ist eine vom Leben und von ihrem Ehemann schwer enttäuschte Frau, die sich mit billigem Wein tröstet und stoisch ihren Dienst versieht. Als ein Notruf eingeht, bei dem man nur abgehackt eine menschliche Stimme hört, die immer zu „Cloris“ ruft und Lewis wenig später von dem vermissten Flugzeug erfährt, das vermutlich abgestürzt ist, stellt sie schnell eine Verbindung zwischen den Fakten her. Sie ist die Einzige, die an Cloris‘ Überleben glaubt und einen Suchtrupp zusammenstellt. Obwohl keiner außer ihr einen Sinn darin sieht, gelingt es ihr, eine groß angelegte Suche in die Wege zu leiten.
Dieser Erzählstrang ist in der dritten Person erzählt und dreht sich weitgehend um Rangerin Lewis, ihren Job und ihr direktes Umfeld. Ihre Geschichte habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Sie selbst hat eindeutig ein Alkoholproblem. Ständig, schon ab dem frühen Morgen, trinkt sie Merlot aus einer Thermosflasche und hat mit den körperlichen Folgen ihres Alkoholkonsums zu kämpfen. Häufig hat sie Rotweinflecken auf ihrer Uniform, und viel zu oft lutscht sie an ihren vom Wein verfärbten Zähnen. Auch ihr Suchtrupp setzt sich weitgehend aus schrägen Vögeln und Kaputten Typen zusammen. Da wäre zum Beispiel der Leiter der Luftrettung, der bei der Bergstation erscheint. Steven Bloor gibt seltsame Wörter von sich, klackert mit den Zähnen und reibt sich die Hände mit Kreide ein. Dabei hält er sich für unwiderstehlich und scheint Gefallen an Debra zu finden. Seine siebzehnjährige Tochter, die sich den „Friends of the Forest“ anschließt, wirkt dagegen recht normal und benimmt sich auch wie ein Teenager. An ihr fällt eigentlich hauptsächlich das rätselhafte Netz von Narben auf ihrem Gesicht auf. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist schier unglaublich. Debras Kollege Claude mit seinem kranken Hund Charly und sein Freund Pete vervollständigen das Team. Auch sie haben ihre Macken und verhalten sich manchmal ziemlich ungewöhnlich.
Der Autor schreibt kurzweilig und fesselnd. In beiden Erzählsträngen hat er viele unappetitliche, zum Teil grausame Szenen eingebaut und spielt mit äußerst bildhaften, teils abstrusen Vergleichen. In Cloris‘ Geschichte, die ums Überleben kämpft, wirken diese Szenen stimmig, während ich in Lewis‘ Geschichte häufig den Eindruck hatte, der Autor hätte einfach Effekthascherei betrieben. Während mir Cloris im Lauf der Zeit sehr nahe gekommen ist und ich mit ihr fühlen konnte, blieben alle Charaktere der Suchaktion, einschließlich Lewis, durchgehend auf Distanz. Lewis flucht zum Steinerweichen, und ich fand ihren ständig gleichen Fluch, mit dem sie viele ihrer Sätze ausschmückt, einfach nur noch ermüdend. Ich muss gestehen, dass sich mir nicht erschließen konnte, welche Absicht der Autor damit verfolgt hat. Eigentlich hätte er solche „Special Effects“ gar nicht nötig, denn ansonsten fand ich den Roman außergewöhnlich, gut und lesenswert. Er wird mir ganz sicher lange in Erinnerung bleiben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2021

Guter erster Teil einer Dilogie

Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele
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Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil einer Dilogie und zugleich um den Debütroman von Eva-Isabel Schmid. Die Autorin ist hauptberuflich als Hausärztin tätig, und wie könnte es anders sein, ...

Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil einer Dilogie und zugleich um den Debütroman von Eva-Isabel Schmid. Die Autorin ist hauptberuflich als Hausärztin tätig, und wie könnte es anders sein, so widmet sie sich auch beim Schreiben einem Thema, das sich mit der Medizin beschäftigt. Hauptfigur ihrer Dilogie ist kein geringerer als der uns heute als Naturarzt bekannte Paracelsus. Die Handlung spielt im späten Mittelalter in Basel, zur Zeit der Reformation, wo Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, zusammen mit seinem Freund Caspar, an der Universität zu Basel Leichen seziert, um die unsterbliche Seele des Menschen zu finden. Allerdings wird den beiden jungen Männern diese Forschungsarbeit verboten, als Philipp von Gundelsheim zum neuen Bischoff gewählt wird. Nach anfänglicher Ernüchterung macht sich Paracelsus allein auf die Suche nach Möglichkeiten, die Geheimnisse der menschlichen Seele zu ergründen. Dabei begibt er sich auf unsicheres Terrain und gerät nicht nur selbst in brenzlige Situationen, sondern bringt auch seine Freunde und Kommilitonen in Gefahr, denn er wird der Ketzerei beschuldigt und seine Freunde der Mitwisserschaft verdächtigt.
Im Vorfeld habe ich über den Roman Vergleiche mit dem Medicus und mit „Game of Thrones“ gelesen. Zum zweiten Vergleich kann ich nichts sagen, da ich „Game of Thrones“ bisher weder gelesen noch gesehen habe. Auch mit dem Vergleich zum Medicus bin ich nicht ganz glücklich, weil es sich hier um eine völlig andere Situation handelt. Zwar betätigt sich Paracelsus als Arzt und bietet seine Dienste auf Märkten an, um Geld zu verdienen, aber das Thema wird eher nebensächlich abgehandelt, denn sein wichtigstes Interesse gilt eher den dunklen Mächten, mit denen er sich verbündet, um der menschlichen Seele auf die Spur zu kommen. Der Roman ist fast durchweg düster, zum Teil möchte fast sagen, schaurig. Das Bild, das ich bisher von Paracelsus hatte, wurde durch die Geschichte ordentlich durcheinander gewirbelt. Zwar ist mir bekannt, dass Paracelsus auch ein Alchemist war, aber inwieweit die geschilderten Vorgänge der Realität entsprechen oder fiktiv sind, kann ich nicht sagen. Hier hätte ich mir ein Nachwort mit ein paar historischen Informationen gewünscht, ebenso ein Personenverzeichnis. Der Roman hat einen starken historischen Hintergrund, nur wird der leider nicht so ganz klar definiert. Es fehlen beispielsweise auch entsprechende Jahreszahlen.
Die zahlreichen Personen, die im Roman eine Rolle spielen, sind alle sehr ausgeprägt und lebendig charakterisiert. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Es gibt durchaus auch Passagen, die von unterschwelligem, manchmal schwarzem Humor geprägt sind.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger, was zu erwarten war, denn bereits heuer im Mai soll der zweite Teil erscheinen. Darauf, wie es mit Paracelsus weiter geht, bin ich schon extrem gespannt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2021

Der Leutnant, das Mädchen, der Krieg und die Liebe

Der Leutnant und das Mädchen
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Der Roman spielt zur Zeit des ersten Weltkriegs. Leutnant Colin Mabry leidet noch immer unter den Behinderungen, die sich durch eine Verletzung an der Front ergeben haben. Er kann sich nicht damit abfinden, ...

Der Roman spielt zur Zeit des ersten Weltkriegs. Leutnant Colin Mabry leidet noch immer unter den Behinderungen, die sich durch eine Verletzung an der Front ergeben haben. Er kann sich nicht damit abfinden, dass er eine Hand verloren hat und fühlt sich minderwertig. Als er die Nachricht aus Frankreich erhält, dass Jewel seine Hilfe braucht, macht er sich sofort auf den Weg, denn die Französin hat ihm das Leben gerettet, und er gab ihr ein Versprechen, sie zu holen, denn Jewel hat ihn gepflegt und die beiden waren ein Liebespaar. Am vereinbarten Treffpunkt in Paris ist aber nicht Jewel, sondern Johanna, die ihm berichtet, sie sei Jewels Halbschwester. Sie bittet ihn um Hilfe, ihre Schwester und den Vater zu suchen, denn sie befürchtet, dass beide in Schwierigkeiten stecken. Colin ist skeptisch und weiß nicht, ob er ihr trauen kann, aber dann entschließt er sich doch, ihr zu helfen, denn es geht ja um Jewel, die Frau, die er liebt und der er sich verpflichtet fühlt. Für die beiden beginnt eine lange, aufregende Suche mit vielen Hindernissen. Die Gefahren, in die sie geraten, haben sie sich aber zum Teil selbst zuzuschreiben, denn manche Handlungen, sowohl von Johanna als auch von Colin, fand ich doch etwas sehr gutgläubig.

Die Charaktere der Protagonisten sind gut ausgearbeitet, andere Personen blieben für mich eher undurchsichtig. Schon aufgrund der zum Teil kurzen Begegnungen und erster Erlebnisse mit Fremden konnte ich manche Entscheidung von Johanna und auch Colin nicht nachvollziehen und hätte sie beide am liebsten ob ihrer Gutgläubigkeit geschüttelt. Die ganze Geschichte war etwas dubios, und einige Personen waren nicht die, welche sie vorgaben zu sein. Obwohl ich anfangs skeptisch war, konnte ich aber letztendlich doch nachvollziehen, wie und warum sich alles entwickelt hat. Ich habe gerade das Gefühl, um den heißen Brei zu schreiben, aber ich möchte ja nicht zu viel verraten.

Der Roman liest sich kurzweilig, und es gibt auch einige amüsante Begebenheiten, die mich zum Schmunzeln brachten. Das Buch ist im SCM-Verlag erschienen und hat einen christlichen Hintergrund. Das Glaubensthema kommt immer mal wieder zur Sprache, bleibt dabei aber sehr dezent und wirkt nicht missionierend. Was Colin aus seinem Glauben schöpft, wie er dadurch über sich hinaus wächst und was er dazu Johanna vermitteln kann, ist in schöne Dialoge eingebunden. Besonders gut hat mir gefallen, dass ich sehr viel über Brieftauben und ihren Einsatz in Kriegszeiten erfahren habe. Das ist ein sehr faszinierendes Thema, über das ich bisher nichts wusste. Mit Johannas Lieblingstaube „Little Corporal“ hat die Geschichte auch einen geflügelten Helden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2021

Rückkehr in eine vergessene Gegenwart

Die Rückkehr
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„Die Rückkehr“ ist Rebecca Wests Debütroman aus dem Jahr 1918. Zugleich ist es der einzige Roman einer Frau, der die Schrecken des ersten Weltkriegs verarbeitet.

Das Coverbild, eine Fotografie in Sepia, ...

„Die Rückkehr“ ist Rebecca Wests Debütroman aus dem Jahr 1918. Zugleich ist es der einzige Roman einer Frau, der die Schrecken des ersten Weltkriegs verarbeitet.

Das Coverbild, eine Fotografie in Sepia, zeigt eine Frau, die ein holzgetäfeltes Treppenhaus hinab geht. Die abgebildete Person könnte Kitty, die Ehefrau aber auch Jenny, die Ich-Erzählerin sein, das bleibt offen.

Chris Baldry kommt von der Front nach Hause. Äußerlich unversehrt, hat er jedoch seelische und geistige Verletzungen davongetragen; er hat durch einen Granatenschock einen Teil seines Gedächtnisses verloren. An die letzten fünfzehn Jahre kann er sich nicht mehr erinnern, ebenso wenig wie an seine Ehefrau Kitty. Bei seiner Ankunft ist sie eine Fremde für ihn. Lediglich seine Cousine Jenny ist ihm vertraut, und er sehnt sich nach seiner Jugendliebe Margaret. Diese ist verheiratet und lebt in ärmlichen Verhältnissen. Da sie Chris noch immer zugetan ist, erklärt sie sich bereit, zu ihm zu kommen, mit dem Einverständnis von Kitty und Jenny. Wie sie es auch drehen und wenden, es muss eine Lösung gefunden werden, und egal wie diese aussieht, wird irgend jemand seelische Verluste ertragen müssen. Die drei Frauen, jede auf ihre Art, tun alles, um Chris glücklich zu machen und dem realen Leben wieder zuzuführen.

Die ganze verfahrene Situation wird aus der Sicht von Jenny erzählt. Sie beschreibt ihre Gedanken und Empfindungen und versucht zu schlichten. Die tragischste Gestalt in der Geschichte ist Kitty, die schöne Ehefrau, die für ihren Mann eigentlich gar nicht existiert und die ertragen muss, dass er sich Margaret zuwendet, dieser Frau, die in Kittys Augen eher gewöhnlich ist. Umso schwerer fällt es Kitty, diese Konkurrenz zu akzeptieren. Jenny ist die selbstlose Vermittlerin, die für alle in gewissem Maße Verständnis hat, ohne selbst verstanden oder beachtet zu werden. Chris scheint glücklich zu sein, in seiner kleinen Welt, in die sich sein Geist nach dem Kriegstrauma geflüchtet hat. Dass seine Jugendliebe gealtert ist, nimmt er kaum wahr, sondern er blickt ihr in die Seele und sieht den liebevollen Menschen in ihr.

Bei Jenny hatte ich den Eindruck, dass sie hin und her gerissen ist zwischen Besorgtheit, Verständnis aber auch Verachtung, denn vor allem anfangs kann sie Margaret nicht akzeptieren, und man liest so manchen abfälligen Gedanken.

Das Ende bietet eine Lösung, ist aber doch in gewissem Sinn offen, und man kann sich selbst zusammenreimen, was die Protagonisten daraus machen.

Der Schreibstil ist schön und erfüllt von blumigen Umschreibungen. Man kann ihn einerseits genießen, aber ich muss gestehen, dass ich mich manchmal in den langen, verschnörkelten Sätzen regelrecht verirrt habe. Obwohl es sich eher um ein dünnes Buch handelt, ist es keinesfalls geeignet, es zwischendurch zu lesen, denn man muss sich konzentriert darauf einlassen. Dann wird man auf jeden Fall davon profitieren.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere