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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Robert Seethaler schlägt ungewohnte Töne an

Die Straße
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Der Titel benennt es, Robert Seethaler beleuchtet in seinem neuesten Buch das Leben in einer Straße, fernab vom Zentrum, aber auch nicht am Stadtrand. Es ist typisch für ihn, tief in die menschlichen Seelen ...

Der Titel benennt es, Robert Seethaler beleuchtet in seinem neuesten Buch das Leben in einer Straße, fernab vom Zentrum, aber auch nicht am Stadtrand. Es ist typisch für ihn, tief in die menschlichen Seelen einzutauchen und seine bisherigen Bücher haben mich deshalb sehr bewegt und sind mir auch noch in bester Erinnerung geblieben.
Sein neues Werk allerdings ist gefühlt ganz anders, es geht um eine Vielfalt an unterschiedlichen Menschen und deren Emotionen, Sorgen, Nöte, Vorurteile, Klassen- und Altersunterschiede, Tratsch, eben alles, was sich in einer Strasse so abspielt. Ja, es ist realistisch und wird in dem von Robert Seethaler so geschätzten Stil erzählt, aber mir hat ein Mittelpunkt gefehlt. Zu viele Meinungen wechseln sich ab, ich hatte anfangs sogar etwas Mühe, dem übergangslosen Vortrag zu folgen. Allerdings liest Matthias Brandt das Hörbuch sensationell gut ein, so dass ich mich relativ schnell orientieren konnte.
„Die Strasse“ ist anders, als die wunderbaren Geschichten, die ich bis dato vom Autor kenne und liebe, ich kann es gar nicht richtig beschreiben, bin aber irgendwie enttäuscht. Zwar steckt wieder sehr viel Empathie und Herz in den Protagonisten (mit dem verzweifelt kämpfenden Antiquariatsbesitzer konnte ich wahrlich mitfühlen), aber insgesamt ist die Geschichte quirlig, ungewohnt und für mich anders als erwartet. Trotzdem meiner persönlichen Empfindung gebe ich vier Sterne und empfehle das Hörbuch, denn es wird wirklich fesselnd gelesen!

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Ein grantiger Commissario und eine höchst motivierte Kollegin rocken Neapel

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Ein stimmiges Cover mit Blick auf den Vesuv lädt zu einem atmosphärischen Krimi ein. Denn Fabio Nola versteht es bestens, italienisches Flair wie auch angenehmes Lokalkolorit in einen rasanten Fall zu ...

Ein stimmiges Cover mit Blick auf den Vesuv lädt zu einem atmosphärischen Krimi ein. Denn Fabio Nola versteht es bestens, italienisches Flair wie auch angenehmes Lokalkolorit in einen rasanten Fall zu verpacken. Dabei steht sein bärbeißiger Commissario Gaetano im Mittelpunkt, ein Familienmensch, aber durchaus temperamentvoller und hartnäckiger Ermittler, der sich auch mal über seinen Capo hinwegsetzt. Sieht es bei dem ersten Toten zunächst noch nach einem Unfall oder Suizid aus, kommt bei einer weiteren Leiche nur noch Mord in Frage, und alle Hinweise deuten auf Blutgeld und Camorra.
Der Autor schickt sein Team sehr raffiniert durch sämtliche Höhen und Tiefen, verstellt ihnen den Weg mit reichlich unerwarteten Hindernissen, und auch als der Täter beinahe zum Greifen nah ist, wendet sich plötzlich das Blatt, und alles muss neu durchdacht werden. Fabio Nola schreibt sehr lebendig und wie aus dem Leben gegriffen, seine Dialoge sind markig und bieten auch jede Menge Schmunzelmomente. Für mich war es ein gelungener und durchweg spannender Krimi, der mir Italien wieder einmal angenehm nahegebracht hat.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Nacht- und Nebelaktionen im Watt, Mord und Totschlag, und dazu ein Cold Case

Einsames Watt
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Als Kommissar John Benthien zu einem Fall auf Amrum gerufen wird, fühlt er sich an seine ersten Jahre bei der Kriminalpolizei erinnert. Noch ist gar nicht sicher, ob Paula Lemmer, die Mitglied einer Forschergruppe ...

Als Kommissar John Benthien zu einem Fall auf Amrum gerufen wird, fühlt er sich an seine ersten Jahre bei der Kriminalpolizei erinnert. Noch ist gar nicht sicher, ob Paula Lemmer, die Mitglied einer Forschergruppe war, wirklich gewaltsam zu Tode kam, doch ein Mord ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Und so macht sich John mit seinem Team, unterstützt von seiner Exfrau Lilly Velasco, auf eine Spurensuche, die parallel auch immer weiter in die Vergangenheit führt.

Das Cover passt ausgesprochen gut zum Inhalt des spannenden Krimis, der sehr schnell dicht und undurchschaubar wird. Sehr detailreich und ausführlich wird beschrieben, wie aus einem Verdacht ein Fall wird, der immer neue Fragen aufwirft und zu weiteren Indizien führt, die weit in die Vergangenheit weisen. Während einige Teammitglieder mit persönlichen Befindlichkeiten zu kämpfen haben, enthüllt sich ein Netz aus mysteriösen Machenschaften und seltsamen Zusammenhängen, die aber durch akribische Spurensuche und Hartnäckigkeit letztendlich zur zufriedenstellenden Auflösung führen.
Der Krimi ist atmosphärisch und gut geschrieben, spannend und unterhaltsam, aber durch die Vielfalt der undurchsichtigen Fälle ist er für mich leider auch etwas langatmig und überladen.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein spannender, solider Krimi mit reichlich Humor und nordfriesischem Flair

Mordlicht
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Stürmisches, bedrohliches Wetter auf dem Cover lädt zu einer spannenden Lektüre ein. Denn in diesem Krimi ist nichts so, wie es zunächst scheint. Das Husumer Kripo-Team, zunächst eigentlich gar nicht zuständig, ...

Stürmisches, bedrohliches Wetter auf dem Cover lädt zu einer spannenden Lektüre ein. Denn in diesem Krimi ist nichts so, wie es zunächst scheint. Das Husumer Kripo-Team, zunächst eigentlich gar nicht zuständig, wird immer tiefer in seltsame Verwicklungen gezogen. Der unbekannte Mörder wird selbst zum Opfer und die Spurensuche erweist sich als äußerst schwierig.
Hannes Nygaard versteht es mit einem sehr lebendigen Schreibstil, seine Leserschaft zu fesseln. Sein ungewöhnliches Team besteht aus lauter illustren Gesellen, jeder ein Typ für sich, auch ein bisschen skurril, aber gemeinsam unschlagbar. Der Fall ist undurchsichtig, für mich undurchschaubar bis zum Ende, aber sehr real dargestellt und schlüssig in der Auflösung. Ich habe mich gegruselt, aber auch sehr amüsiert und fand auch das nordfriesische Flair sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Lebensweisheit und viel Natur, Maries Glück findet sich in Redu

Mathilde und Marie
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Marie ist erst sechsundzwanzig, hat früh ihre Mutter und bald darauf ihre Tante verloren und hadert mit ihrem stressigen und unerfüllten Leben in Paris. Als ihr eines Tages alles über den Kopf wächst, ...

Marie ist erst sechsundzwanzig, hat früh ihre Mutter und bald darauf ihre Tante verloren und hadert mit ihrem stressigen und unerfüllten Leben in Paris. Als ihr eines Tages alles über den Kopf wächst, setzt sie sich kurzentschlossen in einen Zug und sucht nach Abstand. Dort begegnet sie Jonina, die Maries Gefühle und Gedanken wie in einem offenen Buch lesen kann.
Torsten Woywod hat seinen warmherzigen Roman wohl in einem der schönsten Dörfer in der Wallonie angesiedelt. Von dichter, unversehrter Natur umgeben, kann man dort zur Ruhe kommen, Internet ist nur stundenweise verfügbar, die Menschen besinnen sich auf ihr Können und das Werk ihrer Hände. Und für Marie beginnt dort ein neues, völlig ungewohntes Leben.
Der Stil des Autors ist romantisch, liebenswert, gefühlvoll und ruhig, manchmal auch etwas pathetisch. Man lauscht sehr gerne der angenehmen Stimme von Sabine Arnhold, die es wunderbar versteht, zu fesseln und auch längere Passagen, wie Naturbeschreibungen, einnehmend vorzutragen. Ich mag diese wirklich bewegende Geschichte sehr gerne, habe mich aber doch gefragt, ob eine Pariserin tatsächlich nicht einmal eine Amsel kennt? Zu naiv, zu arglos und blauäugig kam mir Marie leider sehr oft vor, was den Charm der Geschichte aber nur zeitweise trübte, denn im Fortgang fühlt man die Liebe und Verbundenheit der Menschen und man wird mit einem wunderbaren Happyend belohnt.

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