Robert Seethaler schlägt ungewohnte Töne an
Die StraßeDer Titel benennt es, Robert Seethaler beleuchtet in seinem neuesten Buch das Leben in einer Straße, fernab vom Zentrum, aber auch nicht am Stadtrand. Es ist typisch für ihn, tief in die menschlichen Seelen ...
Der Titel benennt es, Robert Seethaler beleuchtet in seinem neuesten Buch das Leben in einer Straße, fernab vom Zentrum, aber auch nicht am Stadtrand. Es ist typisch für ihn, tief in die menschlichen Seelen einzutauchen und seine bisherigen Bücher haben mich deshalb sehr bewegt und sind mir auch noch in bester Erinnerung geblieben.
Sein neues Werk allerdings ist gefühlt ganz anders, es geht um eine Vielfalt an unterschiedlichen Menschen und deren Emotionen, Sorgen, Nöte, Vorurteile, Klassen- und Altersunterschiede, Tratsch, eben alles, was sich in einer Strasse so abspielt. Ja, es ist realistisch und wird in dem von Robert Seethaler so geschätzten Stil erzählt, aber mir hat ein Mittelpunkt gefehlt. Zu viele Meinungen wechseln sich ab, ich hatte anfangs sogar etwas Mühe, dem übergangslosen Vortrag zu folgen. Allerdings liest Matthias Brandt das Hörbuch sensationell gut ein, so dass ich mich relativ schnell orientieren konnte.
„Die Strasse“ ist anders, als die wunderbaren Geschichten, die ich bis dato vom Autor kenne und liebe, ich kann es gar nicht richtig beschreiben, bin aber irgendwie enttäuscht. Zwar steckt wieder sehr viel Empathie und Herz in den Protagonisten (mit dem verzweifelt kämpfenden Antiquariatsbesitzer konnte ich wahrlich mitfühlen), aber insgesamt ist die Geschichte quirlig, ungewohnt und für mich anders als erwartet. Trotzdem meiner persönlichen Empfindung gebe ich vier Sterne und empfehle das Hörbuch, denn es wird wirklich fesselnd gelesen!