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Veröffentlicht am 19.09.2021

Kindheitserinnerungen

Die Überlebenden
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„Er hatte alles erzählt, was er noch von der Kindheit wusste, hatte berichtet, was er und seine Brüder durchgemacht, worüber er aber nie mit irgendjemandem gesprochen hatte, nicht mal mit ihnen. Er hatte ...

„Er hatte alles erzählt, was er noch von der Kindheit wusste, hatte berichtet, was er und seine Brüder durchgemacht, worüber er aber nie mit irgendjemandem gesprochen hatte, nicht mal mit ihnen. Er hatte von Birkenreisern und Butterblumen erzählt, und auch von den schwersten Erinnerungen, den Dingen, die ihn verändert hatten.“ (DIE ÜBERLEBENDEN, S. 280)

So oder so ähnlich könnte sich „Die Überlebenden“ kurz und knapp zusammenfassen lassen. All die kleinen, echten und schmerzhaften Anekdoten Schulman's lassen beim Lesen eine Art Melancholie spüren, von welcher ich nicht wusste, dass ich sie spüren könnte. War meine Kindheit doch so anders, als die des Protagonisten Benjamins. Weder bin ich in Schweden aufgewachsen, noch habe ich die Sommer meiner Kindheit in einem kleinen abgeschiedenen Haus am See verbracht.
Trotzdem hat Alex Schulman es geschafft, seine Erlebnisse universell (be-)greifbar zu machen und mich durch seine fragmentarischen Erzählungen zutiefst berührt.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Was passiert, wenn es einen Menschen plötzlich zwei Mal gibt?

Die Anomalie
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Ein Passagierflugzeug, eine Boeing 787, fliegt am 21. März 2021 von Paris nach New York.
Auf der Strecke gerät es in eine heftige Gewitterfront, wobei es zu starken Turbulenzen kommt.
Der Pilot versucht ...

Ein Passagierflugzeug, eine Boeing 787, fliegt am 21. März 2021 von Paris nach New York.
Auf der Strecke gerät es in eine heftige Gewitterfront, wobei es zu starken Turbulenzen kommt.
Der Pilot versucht die Maschine wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Und so abrupt wie die Wolkenfront aufgetaucht ist, so plötzlich scheint sie auch schon wieder verschwunden.
Das Flugzeug landet, mit einigen Kratzern, doch Crew und Passagieren geht es gut.

Am 24. Juni 2021 landet ebenfalls eine Boing 787, ein Flug von Paris nach New York.
Dieses wird jedoch zwangsgelandet, auf einem Militärflughafen in New Jersey.
Auch dieses Flugzeug hat soeben heftige Turbulenzen erlebt.
Es handelt sich hierbei um exakt das selbe Flugzeug, welches bereits am 21. März 2021 landete.
Die selbe Crew, die selben Passagiere. Sie existieren nun zwei Mal.

Wie konnte das passieren?

Hervé le Tellier beschreibt in DIE ANOMALIE, wie Militär und Politik nun auf diese noch nie dagewesene Situation reagieren.
Dabei steht zunächst im Vordergrund, wie die Außenwelt nun mit diesen "Kopien" umgeht. Die individuellen Schicksale,
werden zunächst nur für die Lesenden von Bedeutung sein.
Der Autor beschreibt eine doch sehr realitätsnahe Umgangsweise mit diesem wirklich absurden Szenario.
Mich hat dieses Buch fasziniert und erschreckt, gleichermaßen.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Lesekreis Buch des Monats August

Der Tod des Vivek Oji
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Vivek ist tot. An diesem Tag zerbricht Kavitas Welt.
Ihr Sohn liegt leblos, nur mit einem Tuch bedeckt, in ihren Armen.
Wieso musste Vivek, dieser sensible und introvertierte junge Mann, sterben?
Und wer ...

Vivek ist tot. An diesem Tag zerbricht Kavitas Welt.
Ihr Sohn liegt leblos, nur mit einem Tuch bedeckt, in ihren Armen.
Wieso musste Vivek, dieser sensible und introvertierte junge Mann, sterben?
Und wer hat ihn, vor die Haustür seiner Eltern abgelegt?

Osita, Viveks Cousin, erzählt im Folgenden von der gemeinsam verbrachten Kindheit in Ngwa,
die Liebe und die Streitigkeiten, welche sie teilten.
Schnell wird beim Lesen klar, das Vivek etwas beschäftigt.
Seit frühester Kindheit erlebt er immer wieder Zeiten, in den er geistesabwesend erscheint und nicht ansprechbar ist.

Mittels Erzählungen von Freund*innen, der Familie und teilweise Fremden setzt sich nach und nach ein Bild von Vivek zusammen, welches sich als sehr komplex herausstellt.
Die Tage vor seinem Tod werden aus verschiedenen Blickwinkeln konstruiert und geben erschreckende Erkenntnisse frei.

Dieses Buch hat mich stark in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.08.2021

Klare Leseempfehlung

Zwischen Du und Ich
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Nike reist nach Tel Aviv um an ihrer Karriere zu arbeiten und Alija zu machen. Sie lernt dort Noam kennen, der dort schon immer zu Hause war. Schnell lassen sie sich auf eine Beziehung ein, welche sich ...

Nike reist nach Tel Aviv um an ihrer Karriere zu arbeiten und Alija zu machen. Sie lernt dort Noam kennen, der dort schon immer zu Hause war. Schnell lassen sie sich auf eine Beziehung ein, welche sich nicht mit einfachen Worten beschreiben lässt...
Der Roman über Nike und Noam hat mich ein ums andere Mal wirklich heftig in die Magengrube geboxt. Die Biografien der Beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Beide tragen jedoch, auch Generationen später, das Trauma ihrer Vorfahren mit sich.

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Veröffentlicht am 12.07.2021

Potrait eine Ausnahmekünstlers

Hauskonzert
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Seit längerer Zeit folge ich dem Werdegang des Pianisten Igor Levit. Natürlich musste ich somit das Buch, welches er zusammen mit Florian Zinnecker verfasste, lesen.

Das Cover ist sehr ansprechend und ...

Seit längerer Zeit folge ich dem Werdegang des Pianisten Igor Levit. Natürlich musste ich somit das Buch, welches er zusammen mit Florian Zinnecker verfasste, lesen.

Das Cover ist sehr ansprechend und zurückhaltend gestaltet. Durch die Fotografie Levits ist jeder/jedem Betrachter*in in der Buchhandlung klar, worum es in dem Buch geht.

Als Bewunderin von Levit erfährt man in diesem Buch nicht unbedingt etwas Neues, aber durch die Gespräche mit Florian Zinnecker erhält man nochmal eine ganz neue Sichtweise auf den Künstler.

Igor Levit hat nie etwas anderes gemacht, als Klavier zu spielen. Es ist alles was er kennt und alles was er kann. Und das seit seiner frühesten Kindheit. Seine Mutter, beruflich Musiklehrerin, hat ihn dabei immer unterstützt.

In dem Buch erfährt der/die Lesende, dass er zwar schon immer ein gewisses Maß an Talent besaß, dieses aber nicht gleich von den großen Lehrenden etwaiger Musikschulen gesehen wurde.
Igor Levit musste so einige Rückschlage in seinem jungen Musikerleben einstecken, hat sich jedoch nie davon stoppen lassen.
Zum Glück!

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, weil ich den Wechsel zwischen rückblickender Erzählung, bespielsweise aus Igor Levits Kindheit, und den gegenwärtigen Gesprächen Levits und Zinneckers sehr erfrischend empfand. Der Charakter einer klassischen Biografie wurde dadurch aufgebrochen und der Bezug zum aktuellen Weltgeschehen (Pandemie, Rassismus) lieferte viel Material und Anregungen zum Reflektieren.

Das Buch würde ich definitiv weiterempfehlen, nicht nur für Bewunderer klassischer Pianomusik!

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