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Veröffentlicht am 09.10.2021

Pageturner zum Nachdenken

Reality Show
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Stell dir vor, du sitzt an Heiligabend mit deinen Lieben vor dem Fernseher. Doch anstatt des eigentlich Weihnachtsfilms, läuft auf allen Kanälen des Landes die REALITY SHOW. Eine Show für alle, die an ...

Stell dir vor, du sitzt an Heiligabend mit deinen Lieben vor dem Fernseher. Doch anstatt des eigentlich Weihnachtsfilms, läuft auf allen Kanälen des Landes die REALITY SHOW. Eine Show für alle, die an einer „neuen Demokratie“ interessiert sind und diese selbst gestalten wollen. Zehn hochkarätige Kandidatinnen werden vorgestellt. Jeder mit einer Agenda, schlimmer als die vorige.
Darunter u. a. Lobbyistinnen, Managerinnen umsatzstarker Unternehmen, Menschen, die ihr Reichtum auf Ausbeutung von Mensch und Ressourcen aufgebaut haben.

Nun darfst du, das Publikum des Abends, entscheiden, ob und wie die Kandidat*innen zur Rechenschaft gezogen werden. Du darfst sogar über das Strafmaß entscheiden, welche unverzüglich ausgeführt wird. Deinem Vorschlag sind keine Grenzen gesetzt. Was zählt ist, was die Mehrheit wählt. Demokratie, also!

Anne Freytag hat mit REALITY SHOW einen wunderbar unterhaltsamen Roman geschrieben, welcher jedoch auch dem/der Lesenden den moralischen Spiegel vorhält. Hier werden so viele Themen kritisch angesprochen und hinterfragt. Beispielsweise der Umgang mit Social Media, Fast Fashion, Geschäfte mit personenbezogenen Daten, politische Strukturen, Rechtsprechung … um nur ein paar Themen zu nennen. Hierbei wird sehr viel Platz, für eigene Gedanken gelassen. Ich fühle mich als Lesende angesprochen mitzudenken. Das mag ich sehr gerne an diesem Roman von Anne Freytag. Nicht nur berieseln lassen, von der REALITY SHOW, auch aktiv sein (und wenn dies nur in Gedanken passiert).

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Kindheitserinnerungen

Die Überlebenden
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„Er hatte alles erzählt, was er noch von der Kindheit wusste, hatte berichtet, was er und seine Brüder durchgemacht, worüber er aber nie mit irgendjemandem gesprochen hatte, nicht mal mit ihnen. Er hatte ...

„Er hatte alles erzählt, was er noch von der Kindheit wusste, hatte berichtet, was er und seine Brüder durchgemacht, worüber er aber nie mit irgendjemandem gesprochen hatte, nicht mal mit ihnen. Er hatte von Birkenreisern und Butterblumen erzählt, und auch von den schwersten Erinnerungen, den Dingen, die ihn verändert hatten.“ (DIE ÜBERLEBENDEN, S. 280)

So oder so ähnlich könnte sich „Die Überlebenden“ kurz und knapp zusammenfassen lassen. All die kleinen, echten und schmerzhaften Anekdoten Schulman's lassen beim Lesen eine Art Melancholie spüren, von welcher ich nicht wusste, dass ich sie spüren könnte. War meine Kindheit doch so anders, als die des Protagonisten Benjamins. Weder bin ich in Schweden aufgewachsen, noch habe ich die Sommer meiner Kindheit in einem kleinen abgeschiedenen Haus am See verbracht.
Trotzdem hat Alex Schulman es geschafft, seine Erlebnisse universell (be-)greifbar zu machen und mich durch seine fragmentarischen Erzählungen zutiefst berührt.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Was passiert, wenn es einen Menschen plötzlich zwei Mal gibt?

Die Anomalie
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Ein Passagierflugzeug, eine Boeing 787, fliegt am 21. März 2021 von Paris nach New York.
Auf der Strecke gerät es in eine heftige Gewitterfront, wobei es zu starken Turbulenzen kommt.
Der Pilot versucht ...

Ein Passagierflugzeug, eine Boeing 787, fliegt am 21. März 2021 von Paris nach New York.
Auf der Strecke gerät es in eine heftige Gewitterfront, wobei es zu starken Turbulenzen kommt.
Der Pilot versucht die Maschine wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Und so abrupt wie die Wolkenfront aufgetaucht ist, so plötzlich scheint sie auch schon wieder verschwunden.
Das Flugzeug landet, mit einigen Kratzern, doch Crew und Passagieren geht es gut.

Am 24. Juni 2021 landet ebenfalls eine Boing 787, ein Flug von Paris nach New York.
Dieses wird jedoch zwangsgelandet, auf einem Militärflughafen in New Jersey.
Auch dieses Flugzeug hat soeben heftige Turbulenzen erlebt.
Es handelt sich hierbei um exakt das selbe Flugzeug, welches bereits am 21. März 2021 landete.
Die selbe Crew, die selben Passagiere. Sie existieren nun zwei Mal.

Wie konnte das passieren?

Hervé le Tellier beschreibt in DIE ANOMALIE, wie Militär und Politik nun auf diese noch nie dagewesene Situation reagieren.
Dabei steht zunächst im Vordergrund, wie die Außenwelt nun mit diesen "Kopien" umgeht. Die individuellen Schicksale,
werden zunächst nur für die Lesenden von Bedeutung sein.
Der Autor beschreibt eine doch sehr realitätsnahe Umgangsweise mit diesem wirklich absurden Szenario.
Mich hat dieses Buch fasziniert und erschreckt, gleichermaßen.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Lesekreis Buch des Monats August

Der Tod des Vivek Oji
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Vivek ist tot. An diesem Tag zerbricht Kavitas Welt.
Ihr Sohn liegt leblos, nur mit einem Tuch bedeckt, in ihren Armen.
Wieso musste Vivek, dieser sensible und introvertierte junge Mann, sterben?
Und wer ...

Vivek ist tot. An diesem Tag zerbricht Kavitas Welt.
Ihr Sohn liegt leblos, nur mit einem Tuch bedeckt, in ihren Armen.
Wieso musste Vivek, dieser sensible und introvertierte junge Mann, sterben?
Und wer hat ihn, vor die Haustür seiner Eltern abgelegt?

Osita, Viveks Cousin, erzählt im Folgenden von der gemeinsam verbrachten Kindheit in Ngwa,
die Liebe und die Streitigkeiten, welche sie teilten.
Schnell wird beim Lesen klar, das Vivek etwas beschäftigt.
Seit frühester Kindheit erlebt er immer wieder Zeiten, in den er geistesabwesend erscheint und nicht ansprechbar ist.

Mittels Erzählungen von Freund*innen, der Familie und teilweise Fremden setzt sich nach und nach ein Bild von Vivek zusammen, welches sich als sehr komplex herausstellt.
Die Tage vor seinem Tod werden aus verschiedenen Blickwinkeln konstruiert und geben erschreckende Erkenntnisse frei.

Dieses Buch hat mich stark in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.08.2021

Klare Leseempfehlung

Zwischen Du und Ich
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Nike reist nach Tel Aviv um an ihrer Karriere zu arbeiten und Alija zu machen. Sie lernt dort Noam kennen, der dort schon immer zu Hause war. Schnell lassen sie sich auf eine Beziehung ein, welche sich ...

Nike reist nach Tel Aviv um an ihrer Karriere zu arbeiten und Alija zu machen. Sie lernt dort Noam kennen, der dort schon immer zu Hause war. Schnell lassen sie sich auf eine Beziehung ein, welche sich nicht mit einfachen Worten beschreiben lässt...
Der Roman über Nike und Noam hat mich ein ums andere Mal wirklich heftig in die Magengrube geboxt. Die Biografien der Beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Beide tragen jedoch, auch Generationen später, das Trauma ihrer Vorfahren mit sich.

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