Profilbild von Leipzig80

Leipzig80

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Leipzig80 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Leipzig80 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2018

Beginn einer Familiensaga

Die Brückenbauer
1

Der Roman beginnt ohne Schnörkel und erzählt wie die Lauritzen Brüder, die gerade ihren Vater verloren haben, mit viel Glück gefördert werden. Ein Unternehmer aus Bergen erkennt das Potenzial der Brüder ...

Der Roman beginnt ohne Schnörkel und erzählt wie die Lauritzen Brüder, die gerade ihren Vater verloren haben, mit viel Glück gefördert werden. Ein Unternehmer aus Bergen erkennt das Potenzial der Brüder und schickt sie in die Schule und später zum studieren nach Dresden, alle drei werden Ingenieure, mit Auszeichnung. Bedingung war, dass sobald alle das Studium abgeschlossen haben, zurück nach Norwegen kommen und sich an dem Bau einer Eisenbahnlinie beteiligen. Allerdings kommt alles anders...

Alle drei Brüder haben sich in Dresden verliebt und die Enttäuschungen die dadurch entstanden sind, trennt die Brüder. Oscar der sich sehr unglücklich in eine Prostituierte verliebt hatte und von ihr ausgenommen wurde, flieht regelrecht vor Scham. Sverre hat sich in einen Mann verliebt, was 1901 ein Skandal ist, auch er geht fort und Lauritz der älteste der drei möchte Aufgrund dieser Verfehlung nichts mehr mit Sverre zu tun haben, geschweige den an ihn denken.

Also, bleibt nur noch Lauritz, um zurück nach Norwegen zu gehen, um die Schuld der drei zu begleichen. Allerdings hatte auch er mit dem Gedanken gespielt nicht zurück zugehen, da auch er sich verliebt hat und zwar in Ingeborg. Ihr Vater, ein Baron, ist von dieser Liaison nicht gerade begeistert, da Lauritz nicht Standesgemäß für seine Tochter ist.
In Gedanken an Ingeborg, geht er also zurück nach Norwegen und baut unter den widrigsten Umständen eine Bahnverbindung. Die meiste Zeit des Jahres liegt Schnee und Eis, was das ganze nicht einfacher macht, aber der Kontakt zu Ingeborg unterstützt ihn in dieser Zeit. Es ergeben sich sogar Möglichkeiten sich zu treffen, da ihr Vater ihn zur Kieler Woche einlädt.
Als Lauritz mit eigenem Boot ankommt und allen davon fährt und jede Regatta gewinnt, obwohl dies bis dahin nur der kaiserlichen Familie vorbehalten war, bekommen die beiden die Erlaubnis zu heiraten.
Lauritz ist letztlich zu Geld gekommen und dies kommt aus der deutschen Kolonie in Afrika.

Dort lebt und arbeitet Oscar. Er arbeitet auch an einer Bahnlinie, aber unter ganz anderen Umständen. Dieses Unterfangen wird gestört von Menschenfressenden Löwen, einem Kanibalenstamm und der Regenzeit. Oscar kämpft sich durch alles mit Bravour und wird dadurch in der Kolonie sehr anerkannt. Er gründet eine Firma mit der er Mahagoniholz und Elfenbein verkauft, dadurch wird er auch zu einem der reichsten Männer in der Kolonie. Als Oscar sich, trotz zweier Kinder, entscheidet nach Norwegen zurück zukehren, beginnt der 1. Weltkrieg und er sitzt die nächsten 4 Jahre fest und tritt dort der Armee bei.

Dies ist der erste Band der Saga Der Brüder. Es wird tatsächlich nur aus den Perspektiven von Oscar und Lauritz erzählt, später kommt noch Ingeborg hinzu. Sverre ist also auch aus diesem Buch verbannt worden, was ich an sich Schade finde. Tatsächlich fand ich die Geschichte von Oscar spannender, als die von Lauritz, da die Zeit in den afrikanischen Kolonien recht spannend ist. Auch wenn regelmäßig von Menschenverachtenden Handlungen der Belgier und der Engländer erzählt wurde und man es sich nicht vorstellen kann, dass die Deutschen, die in Afrika wohl sehr human agiert haben, jemals dazu fähig wären.
Aber das sind die Gedanken vom Beginn des 20. Jahrhunderts...

Ich bin gespannt wie es weitergeht und ob Sverre wieder ein Rolle spielt und wenn ja, welche?

Veröffentlicht am 28.05.2018

Heile Welt?

Der rote Swimmingpool
1

So könnte man es Anfangs denken, wenn man "Der rote Swimmingpool" liest.

Adam und seine Eltern, die unverändert ineinander verliebt scheinen, führen eine gute Beziehung. Adam wird für seine gut aussehende ...

So könnte man es Anfangs denken, wenn man "Der rote Swimmingpool" liest.

Adam und seine Eltern, die unverändert ineinander verliebt scheinen, führen eine gute Beziehung. Adam wird für seine gut aussehende Mutter beneidet und Freunde sind gerne bei der Familie zu Gast nicht zu Letzt wegen des Swimmingpools.

Das Buch wird in zwei Zweitebenen unterteilt, in die Gegenwart und Vergangenheit, dadurch bemerkt man als Leser schnell, dass der Schein trügt. Das Drama fängt an, als die Schwester von der Mutter stirbt und Adams Vater Wiktor sich nicht bei seiner Frau und seinem Sohn meldet.

Wiktor trennt sich von seiner Frau und auch von seinem Sohn, die beiden müssen recht schnell aus dem bisherigen Haus ausziehen und ihren Weg finden.

Für Adam ist dies besonders schwer, da mit ihm keiner über die Situation spricht, der Vater will ihn einfach nicht mehr sehen und die Mutter geht zurück in ihr Heimatland Frankreich und Adam bleibt alleine zurück, auch mit seinem Unverständnis und seiner Wut im Bauch. Diese wird noch eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen.

Durch die geteilte Erzählweise, kommen die Auflösungen der Geheimnisse erst am Ende zu Tage. Klar ist, dass Adam etwas angestellt hat wodurch er zu Sozialstunden verdonnert wurde und alte Leute pflegen muss. Bei einer alten Dame, lernt er deren Urenkelin Tina kennen und verliebt sich auch in sie.

Diese Buch begleitet einen unbedarften Jungen zu einem erwachsenen jungen Mann. Adam lernt mit der Situation zu leben, sowie mit seinen Taten und Gefühlen. Hilfe bekommt er durch seinen sehr guten Freund Tom und Tina.

Der Schreibstil von Natalie Buchholz ist sehr flüssig, wodurch das Buch recht schnell zu verschlingen ist.
Eigentlich ist es eine sehr ernste Geschichte, aber durch verschiedene Gedanken und Kommentare der Protagonisten, wird dies aufgelockert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Geschichte
  • Dramaturgie
Veröffentlicht am 24.05.2018

Steam Punk und Queen Victoria

Osiris Ritual
1

Der zweite Teil mit Sir Maurice und seiner Assistentin Veronica, ist wieder sehr spannend und geheimnisvoll.

Es gibt einen Doktor der wichtige Personen, wie die Queen oder Agenten der Queen mechanisch ...

Der zweite Teil mit Sir Maurice und seiner Assistentin Veronica, ist wieder sehr spannend und geheimnisvoll.

Es gibt einen Doktor der wichtige Personen, wie die Queen oder Agenten der Queen mechanisch "aufbereitet". Körperteile die nicht zu retten sind werden ersetzt, sei es ein Arm, der Blutkreislauf etc.

Sir Maurice bekommt nun den Auftrag eine ehemaligen Agenten der Queen zu suchen, der ebenso modifiziert wurde, letztlich jagt er den Agenten durch halb London und wird am Ende von ihm überrascht, da er sehr unter seiner Veränderung leidet. Zeitgleich geschehen mehrere Morde und es verschwinden Frauen, die zuvor in einer Zaubervorstellung waren und weggezaubert wurden.

Veronica Hobbes geht das Schicksal der verschwunden Frauen sehr ans Herz und sie geht dem auf die Spur und wird sogar recht unvorsichtig.
Während Sir Maurice die Ritual Morde versucht aufzuklären, die mit einer Mumie und Artefakten aus Ägypten zu tun haben.

Am Ende entdeckt Sir Maurice noch eine Geheimnis, welches ihm seine Assistentin bisher verheimlicht hat. Ich hoffe, dass diese Entdeckung im dritten Teil wieder angesprochen wird, sowie dass die Schwester von Veronica, zwar in eine neue Heilanstalt verlegt wurde, aber es sich als Goldener Käfig herausstellt und die Ärzte dort etwas mit ihr vorzuhaben scheinen.


Auch diesen Teil habe ich nicht als E-Book gelesen, sondern in der broschierten Ausgabe von Piper.

Veröffentlicht am 28.04.2018

Schöne neue Welt?

Die Optimierer
1

Nach den ersten Seiten dieses Buches, habe ich mich das tatsächlich gefragt.

Wir betrachten eine zukünftige Welt mit Samson Freitag, im Jahr 2052. Samson ist Lebensberater, er legt den zu Beratenden Verträge ...

Nach den ersten Seiten dieses Buches, habe ich mich das tatsächlich gefragt.

Wir betrachten eine zukünftige Welt mit Samson Freitag, im Jahr 2052. Samson ist Lebensberater, er legt den zu Beratenden Verträge vor, wenn sie diese Unterschreiben, kann eigentlich nichts mehr an der eigenen Zukunft geändert werden. Wenn Samson denkt, man wäre nicht wichtig für die Gesellschaft, dann ist dass eben so und man kann sich, von einem bedingungslosen Grundeinkommen, ein "schönes" Leben machen. Wenn Samson denkt man sollte Politiker werden, dann wird man eben das.

Erschreckend fand ich schon die Begrüßungen im Buch, Hallo oder Guten Tag gibt es nicht, es heißt Jeder an seinem Platz. Im Grunde ist genau damit schon alles gesagt. Abweichler werden vom Sozialpunktekonto Punkte abgezogen, bis sie in ein Internat müssen und quasi umerzogen werden.
Jeder wird zu jeder Zeit beobachtet, sei es durch Kameras, Roboter oder durch Kommunikationslinsen. Mit denen kann zu jeder Zeit kommuniziert werden und nebenbei zeichnen sie auch auf was der Träger macht, selbst die intimsten Momente. "Wildes" Träumen ist unmöglich, da die meisten eine Schlafmaske tragen, die davor warnt das man gerade träumt, die Schlafmasken können aber auch für Erzieherische Maßnahmen genutzt werden.

Nun zu Samson Freitag, er führt eine anständiges Leben, er schreibt regelmäßig Korrekturvermerke, hat eine Beziehung, ein sehr gut gefülltes Sozialpunktekonto und hofft bald befördert zu werden. Wir steigen ein, als er eine Beratung durchführt, er entscheidet, dass seine Kundin nicht von der Gesellschaft gebraucht wird und lebt sein Leben weiter.
Er besucht seine Eltern, die sich dadurch straffällig machen, das sie echtes Fleisch essen wollen, sie werden dafür natürlich betraft, auch Samson bekommt dadurch Sozialpunkte aberkannt und muss sich vor seinem Chef rechtfertigen, dass er davon nichts wusste und auch nichts gegessen hat. Etwas später erreicht Samson die Nachricht, dass sich seine Kundin umgebracht hat und ihm wird das zur Last gelegt. Wieder werden ihm massiv Sozialpunkte abgezogen und er soll einen Psychiater aufsuchen. Das Punktekonto von Samson ist nun so niedrig, dass er als Piretist eingestuft ist. Letztlich wird er wie ein Aussätziger betrachtet, da jeder durch die Kontaktlinse, alle Daten über Samson abrufen kann, wird er dementsprechend angeschaut und behandelt.
Samson wird immer verzweifelter, da er letztlich für den Ausgangspunkt des Strudels in dem er sich nun befindet nichts kann, aber den Blockwart interessiert es nicht. Das System greift und droht Samson ins Internat zu stecken, dies wird vom Psychiater entschieden, der sich als Roboter entpuppt.


Die Optimierer kann sich locker einreihen von Büchern wie The Circle von Dave Eggers und Schöne neue Welt von Aldous Huxley.
Am Anfang hatte ich das Gefühl, ich lese eine weiterentwickelte Version von The Circle, darin beginnt die freiwillige total Überwachung und alle finden es toll und wehe es macht jemand nicht mit.
In diesem Buch wird unser heutiges System als sehr schlecht empfunden und alle sind froh, dass man sich weiterentwickelt hat.
Die Autorin geht kurz auf den neu gegründeten Staat ein und auf die Grenzsituation an dessen Mauern, ich denke das ist ein Wink auf die heutige Situation, die sich nur unwesentlich unterscheidet. Leider fehlen mir zu den äußeren Umständen noch mehr Infos, es gibt Begrifflichkeiten die sehr ungenau oder gar nicht erklärt werden, das fand ich schade.

Bücher wie dieses oder The Circle gruseln mich auf eine ganz spezielle Art, da wir im Grunde auf eine ganz ähnliche Situation zusteuern ohne es zu merken. Die digitalen Medien haben uns schon jetzt so fest in der Hand ohne dass wir uns dem so richtig im klaren sind.

Die Optimierer regt definitiv zum nachdenken an, ich denke das letztlich keiner von uns in solch einer Fremdbestimmten Welt leben möchte. In der Entscheidungen für einen getroffen werden und sich niemand dagegen wehren kann oder dazu überhaupt angehört wird. Am Ende ist dies eine Utopie, die so in dieser Form hoffentlich nie zu Stande kommt.

Veröffentlicht am 25.04.2018

Ein Blick auf das Indien des 19. Jahrhunderts

Das mohnrote Meer
1

Amitav Ghosh ist ein interessanter Geschichtenerzähler über das Indien des 19. Jahrhunderts.
Indien ist besetzt von den Briten, diese tun alles um ihre Macht den Indern gegenüber zu demonstrieren. Sei ...

Amitav Ghosh ist ein interessanter Geschichtenerzähler über das Indien des 19. Jahrhunderts.
Indien ist besetzt von den Briten, diese tun alles um ihre Macht den Indern gegenüber zu demonstrieren. Sei es, dass nur noch Opium angebaut wird und die Bauern davon kaum leben können oder das englische Rechtssystem übernommen wird, was für die Inder und ihr Kastensystem eine Farce bedeutet.

Im laufe des Buches gewährt uns Amitav Ghosh einen Blick auf die verschiedensten Menschen, die in Indien Leben, auch auf die Probleme die Kasten betreffend.
Alle diese Figuren wollen oder müssen aus den verschiedensten Gründen Indien nach Mauritius verlassen.

Am härtesten trifft es einen Inder aus einer der höchsten Kasten, der als Gefangener und ausgestoßener das Land verlassen muss, letztlich nur weil er nicht mit seinem englischen Geschäftspartner kooperiert hat.

Alle treffen auf dem Segelschiff Ibis zusammen. Die Beschreibung des unteren Decks, auf dem die indischen Auswanderer und Gefangenen reisen, nimmt einen mit. Stickige Luft, keine oder nur wenige Öffnungen durch die frische Luft dringt und die "Reisenden" dürfen nur einmal am Tag auf das obere Deck und sich die Beine vertreten.

Auf der Ibis entwickeln sich Freundschaften, eine Paar heiratet sogar unter Deck.
Die Schiffmannschaft die sich für höher gestellte Menschen hält, beobachtet die "Reisenden" natürlich mit Argusaugen und geht scharf gegen vermeintliche Verfehlungen vor. Dies führt soweit, dass die Gefahr einer Meuterei besteht und am Ende einige fliehen, in einem kleinen Beiboot, mitten auf dem indischen Ozean.

Dies ist der erste Band der Ibis Reihe, ohne dies zu wissen habe ich bereits den zweiten Band Der rauchblaue Fluss gelesen. In diesem Band geht es viel mehr um die Umstände in China und den dortigen Opiumhandel, die im ersten Band nur angedeutet werden.
Mein Fazit ist, Amitav Ghosh ist wieder ein sehr lesenswertes Buch gelungen über die Geschichte des Landes, in dem er geboren wurde.