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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2020

Schöne Grundidee, Umsetzung leider nicht überzeugend

Für immer und dich
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"Für immer und dich" von Anna Rosina Fischer ist ein coming-of-age-Roman, der neben der zarten Liebesgeschichte auch familiäre Schwierigkeiten und den Umgang mit Behinderungen thematisiert.

Das Cover ...

"Für immer und dich" von Anna Rosina Fischer ist ein coming-of-age-Roman, der neben der zarten Liebesgeschichte auch familiäre Schwierigkeiten und den Umgang mit Behinderungen thematisiert.

Das Cover ist einfach nur wunderschön. Ich liebe die Farben und den Glitzer. Gut gefällt mir auch, dass das Layout mit den Rauten sich im Buch noch fortsetzt. Wirklich hübsch.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert und beginnt mit einer ungewöhnlichen Bahnfahrt. Bei dieser verliebt sich Jonas auf den ersten Blick in das Mädchen ihm gegenüber und startet eine unbeholfene Kontaktaufnahme. Ich finde es gut, dass im ersten Teil die Perspektiven wechseln und dabei auch die Schriftart geändert wird. So war immer klar, ob es gerade die Empfindungen von Jonas oder von "ihr" sind. Insgesamt finde ich die Idee des Kennenlernens wirklich süß. Mir gefallen nur die platten Dialoge nicht. Mir ist das Ganze zu flach und zu umgangssprachlich bis vulgär. So reden definitiv nicht alle Jugendliche. Und leider setzt sich diese unangenehme und unrealistische Sprache durch den folgenden Teil fort.

Im zweiten Teil wird deutlich, wie ausdauernd Jonas bei der Suche nach dem Mädchen aus der Ringbahn ist. Sie hat ihn wirklich sehr beeindruckt, ist aber nicht zu dem verabredeten zweiten Treffen erschienen. Neben seinem Gefühlschaos und der Sehnsucht nach einem Wiedersehen, muss er sich auch mit familiären Schwierigkeiten auseinandersetzen und kümmert sich sehr lieb um Rosa, seine kleine Schwester, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Bei einer Veranstaltung zu der er Rosa begleitet, passiert es dann endlich - Jonas sieht "sein" Mädchen aus der Ringbahn wieder. Schnell wird klar, dass sie sich nicht so nach Jonas gesehnt hat, wie er sich nach ihr, aber er gibt nicht auf: "Wir standen also wieder am Anfang. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass ich für sie immer und immer wieder bei null beginnen würde."

Die Grundidee des Romans und auch einige Passagen finde ich schön. Leider gefällt mir die Umsetzung überhaupt nicht. Neben der vulgären Sprache, gibt es viele Aspekte, die ich als sehr unangenehm empfunden habe. Um nur ein Beispiel zu nennen, gibt es eine Szene, in der der beste Freund von Jonas ungeschützten Sex mit einem betrunkenen Mädchen hat und das ganze dann lapidar als nächtliches Abenteuer mit Nachtapotheke und Pille danach abgetan wird. Das hat mir überhaupt nicht zugesagt und gehört so völlig ungefiltert auch nicht in einen solchen Roman. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass ich zu alt und zu anspruchsvoll für dieses Buch bin. Und das, obwohl ich viele Jahre jünger bin, als die Autorin selbst.

"Geschafft!" Das war mein erster Gedanke, nachdem ich endlich die letzte Seite gelesen hatte. Das Buch war leider nicht meins. Mir war das Ganze zu stereotyp und zu vulgär. Zum Glück sind bei weitem nicht alle Jungs und Mädchen in dem Alter so!

"Für immer und dich" von Anna Rosina Fischer kann ich nicht weiterempfehlen. Ich habe aber größten Respekt vor der Mühe und dem Herzblut, den die Autorin für ihren Roman aufgebracht hat und finde die Grundidee schön, so dass es dafür je einen Stern gibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2020

Entstehungsgeschichte hinter "Das hungrige Krokodil"

Pavel und ich
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"Pavel und Ich" von Sandra Brökel ist ein bewegendes und interessantes Buch, welches die Entstehungsgeschichte des ebenfalls von der Autorin verfassten Familienromans "Das hungrige Krokodil" abbildet. ...

"Pavel und Ich" von Sandra Brökel ist ein bewegendes und interessantes Buch, welches die Entstehungsgeschichte des ebenfalls von der Autorin verfassten Familienromans "Das hungrige Krokodil" abbildet. Ich würde deshalb empfehlen erst den Roman und dann dieses Buch zu lesen. Gerade in der Kombination sind sie überzeugend. Natürlich steht "Das hungrige Krokodil" auch für sich, es wird jedoch durch die Hintergründe in "Pavel und Ich" angenehm bereichert.

Ich hatte nicht erwartet, dass es in diesem Werk auch so detailliert um die Lebensgeschichte und das Ankommen der Autorin bei sich selbst gehen würde. Es handelt sich um ein sehr ehrliches Buch, was gerade dadurch gut aufzeigt, wie jemand, der sich nicht zur Schriftstellerin berufen fühlt, am Ende doch so ein großartiges Werk wie "Das hungrige Krokodil" verfassen kann und damit den Aufzeichnungen von Pavel Vodák Raum gibt und diese allen zugänglich macht.

Ein zweiter Aspekt, der wunderschön deutlich gemacht wird, ist die Freundschaft von Sandra Brökel mit der Tochter von Pavel Vodák Pavli oder Paula. "Ich begann, das ganze Leben des Pavel Vodák aus seiner Perspektive aufzuschreiben. Für mein Paulchen. Ich bin Schreibtherapeutin mit Herz und Seele, nutze die große Kraft des geschriebenen Wortes als Werkzeug in der Psychotherapie." Dem kann ich nur zustimmen, Wörter, ob gedruckt oder handschriftlich besitzen eine große Macht und können heilen. Ich finde es toll, wie das Schreiben des Romans Paula so sehr geholfen hat, sich mit ihrer Vergangenheit auszusöhnen. "Wir stecken mitten in der therapeutischen Aufarbeitung ihres Lebens: Sie bearbeitet ihre Erinnerungen, ich halte die Perspektive ihres Vaters dagegen."
Es war sicher ein großer Moment als der Roman dann im Manuskript fertig war. Mir hat es gut gefallen bei der Entstehung im Café Slavia dabei zu sein.

"Das große Krokodil" und "Pavel und Ich" direkt hintereinander zu lesen, war ein besonderes Leseerlebnis, das ich gern weiterempfehle und nicht so schnell vergessen werde.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Großartiger Familienroman

Das hungrige Krokodil
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"Das hungrige Krokodil" von Sandra Brökel ist ein großartiger Familienroman über den Arzt Dr. Pavel Vodák und basiert auf seinen Aufzeichnungen über sein Leben.

Der Roman ist ganz anders, als ich es ...

"Das hungrige Krokodil" von Sandra Brökel ist ein großartiger Familienroman über den Arzt Dr. Pavel Vodák und basiert auf seinen Aufzeichnungen über sein Leben.

Der Roman ist ganz anders, als ich es erwartet hätte und hat mich sehr positiv überrascht. Mich hat der Roman vollends überzeugt und gefesselt. "Das hungrige Krokodil" gehört zu den Bücher bei denen ich froh bin, darauf aufmerksam geworden zu sein und bei denen es sehr schade gewesen wäre, sie nie zu entdecken.

Der Schreibstil ist ausgesprochen gelungen und hat es mir ermöglicht von der ersten Seite aktiv an der Erzählung von Pavel teilzuhaben. Sofort fiel es mir schwer das Buch aus der Hand zu legen. Als Leser verschmolz man schnell mit Pavel, der ein herzensguter, gebildeter, integrer und mutiger Mann ist. Er lebt gerne in Prag und fühlt sich seiner tschechischen Heimat sehr verbunden. Ebenso sehr steht er aber auch für seine Ideale im Umgang miteinander ein - Freiheit, Mitmenschlichkeit, Demokratie. Nachdem die Entwicklung in seiner Heimat immer kritischer wird und sich nicht mehr mit seinen Idealen deckt, entschließt er sich, seiner Familie woanders ein freies Leben zu bieten. Auf dem Weg dorthin und auch darüber hinaus, begleitet man Pavel sehr intensiv. Es gab für mich viele neue Aspekte und historische Hintergründe, die sehr spannend aber auch beklemmend waren. Ich habe den Roman als interessant, bewegend und mitreißend empfunden. Da es ein solch intensives und dichtes Leseerlebnis war, erfordert es ein aufmerksames Lesen. Neben vielen beklemmenden Passage, die leider in der Realität so passiert sind, kann man aus dem Text auch hübsche kleine Juwelen ziehen: "Reich ist, wer versteht, die kleinen Wunder, die das Leben täglich bereithält, zu sehen und für immer in seiner Seele zu bewahren."

Ich habe große Wertschätzung für dieses interessante, gut recherchierte Buch und spreche gern eine Leseempfehlung aus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Thema birgt großes Potenzial, leider wird dieses nicht voll genutzt

Der Empfänger
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"Der Empfänger" von Ulla Lenze ist ein interessanter Roman für zwischendurch, wird aber leider nicht lange in Erinnerung bleiben. Ähnlich wie das Cover, hat auch der Roman einige Leerstellen, die einfach ...

"Der Empfänger" von Ulla Lenze ist ein interessanter Roman für zwischendurch, wird aber leider nicht lange in Erinnerung bleiben. Ähnlich wie das Cover, hat auch der Roman einige Leerstellen, die einfach nur verschwommen bleiben.

Insgesamt gefällt mir die Art, Dinge auszudrücken. Es werden zwar die Emotionen nicht detailliert geschildert, aber die realen zeithistorischen Ereignisse und die Dynamiken der fiktiven Personen untereinander. Dabei werden auch im Wechsel verschiedene Jahre und Länder als Handlungsorte gewählt, so dass der Leser verschiedene Aspekte und Sichtweisen kennenlernen kann. Ich habe dadurch einige neue Informationen zu meinem bisherigen Wissen hinzugewonnen, was mir bei Romanen mit historischen Anteilen sehr wichtig ist.

Leider blieb allerdings der Hauptprotagonist, Josef Klein, um den sich alle Ereignisse aufbauen, sehr verschwommen. Es gelang nicht, sich von ihm ein klares Bild zu machen und ihn als Charakter sympathisch und menschlich zu empfinden. Nur anhand der Dynamiken untereinander und den Gedanken Josefs über seine Familie und Bekannten, konnte man sich einen ungefähren Eindruck verschaffen, was für eine Person er ist. Emotionen oder Charakterbeschreibungen fehlten nahezu völlig. Joe möchte nur für sich leben, ohne etwas darstellen zu müssen, Erwartungen gerecht zu werden. "Einfach sein. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass einfaches Sein das Schwierigste war. Alle wollten irgendwas aus einem machen." Durch diesen schlichten Wunsch entgeht ihm, dass er nicht einfach nur Amateur-Funker sein kann, sondern sich stattdessen in das politische Streben der amerikanischen Befürworter der Deutschen verwickeln lässt. Besonders störte es mich an Josef, dass er durchaus weiß, was richtig wäre und dafür dennoch nicht eintritt.

Bis zum letzten Drittel des Buches fühlte es sich so an, als wäre der Leser immer noch im Prolog. Viele Dinge wurden angerissen, im Voraus angedeutet, aber es kam nicht richtig Handlung und Substanz in die Geschichte. Der Schreibstil vermochte es die Atmosphäre der Zeit gut einzufangen und die Handlungsorte bildhaft zu vermitteln. Nur leider gelang dies weniger bei den Charakteren. Diese blieben bis zum Schluss leicht verhangen. Es war nicht möglich ein klares Bild von ihnen zu entwickeln und so fehlte dieser Geschichte das entscheidende Etwas, was sie zu etwas besonderem gemacht hätte. Mit detaillierteren, klareren Informationen zu der Tätigkeit des deutschen Geheimdienstes in Amerika und stärkeren Charakteren hätte dieser Roman das Zeug gehabt, ganz besonders zu werden. Der noch nicht so oft beschriebene Blick auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges aus Sicht der deutschen Abwehr und der gelungene Schreibstil der Autorin bergen Potential, leider wird dieses nicht voll genutzt.

"Der Empfänger" von Ulla Lenze kann ich allen empfehlen, die gern historische Romane lesen und die oben genannten Einschränkungen in Kauf zu nehmen bereit sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2020

Wohlfühlroman mit Niveau

Schäfchensommer
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"Schäfchensommer" von Beate Rygiert ist ein Wohlfühlroman mit Niveau. Es hat von der ersten bis zur letzten Seite gut getan diesen Roman zu lesen.

Der Schreibstil ist toll. Einerseits vermittelt er anschaulich ...

"Schäfchensommer" von Beate Rygiert ist ein Wohlfühlroman mit Niveau. Es hat von der ersten bis zur letzten Seite gut getan diesen Roman zu lesen.

Der Schreibstil ist toll. Einerseits vermittelt er anschaulich viele Fakten über das Leben als Schäferin, das Verhalten und die Pflege von Schafen, die Ausbildung von Herdenhunden, das Leben auf einem abgeschiedenen Hof, die Natur des Schwarzwaldes, die gesellschaftliche Akzeptanz von Schäfern und noch einiges mehr. Andererseits entstehen durch die wunderschönen, schwärmerischen Natur- und Landschaftsbeschreibungen großartige Bilder, die zum Träumen einladen. Zudem werden auf wunderbar realistische Weise die Charaktere beschrieben, so dass es große Freude macht, deren Entwicklung und Emotionen zu verfolgen und mit ihnen mitfiebern und mitzufühlen.

Gut gefällt es mir auch, dass die Geschichte im Wechsel aus Elkes und Zoes Perspektive erzählt wird. Die beiden stehen im Zentrum der Ereignisse, wobei auch den Nebencharakteren eine entscheidende Rolle zukommt und ihnen viel Platz eingeräumt wird.

Elke ist eine Schäferin mit Herz und Seele. Ihre Einstellung gegenüber ihren Tieren, der respektvolle Umgang mit ihnen und auch ihre große Liebe zur Natur, haben mich sofort für sie eingenommen. Eine Beschreibung über ältere Schafe in ihrer Herde fand ich ganz zauberhaft: "Dabei waren sie doch Königinnen im Ruhestand, [..] die viele Jahre lang gemeinsam mit ihren Töchtern treu mit ihr zusammengearbeitet hatten." Mit ihrer direkten Art schafft sie es allmählich einen Zugang zu Zoe zu finden, jedoch ist diese wie weggeblasen, wenn es um ihre große Liebe Chris geht und sie schafft es nicht offen über ihre Gefühle zu reden. Ihre Gefühle und Verhaltensweisen waren gut nachvollziehbar und sehr menschlich.

Zoe lernt man ebenso schnell schätzen. Sie hat ein Herz aus Gold, das sie mit ihrem widerspenstigem Verhalten zu schützen versucht. Ihr Papa macht es ihr leider auch nicht gerade leicht und findet keinen Zugang mehr zu Zoe. Die Entwicklung von ihr ist sehr schön beschrieben. Es ist kein plötzlicher Sinneswandel, sondern eine allmähliche Entwicklung mit kleinen Rückschlägen und kleinen Erfolgen.

Bärbel, die Mama von Elke und Julia, ihre Schwester sind nette, bodenständige Frauen. Besonders Bärbel strahlt eine so große Wärme und Herzensgüte aus, dass man sich auch als Leser sofort geborgen fühlt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Rat von Elkes Papa:" Habe niemals Angst vor Veränderungen. [...] Wenn etwas zu Ende geht, kommt etwas Neues. [..] Veränderungen sind immer eine Chance. Und es hängt von dir ab, ob es gut wird oder nicht." So eine tolle Aussage!

Ich finde das Ende sehr schön und stimmig. Es klärt sich einiges und alle bekommen die Chance ihr Glück zu finden. Dabei ist es jedoch nicht kitschig oder romantisch verklärt. Ein Wohlfühlroman mit Niveau!

"Schäfchensommer" von Beate Rygiert hat mir wunderbar gefallen und gut getan. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gern einen entspannten Roman für's Herz lesen wollen, der dennoch Tiefe hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere