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Veröffentlicht am 18.04.2021

Abtauchen in verrückte Fakten

Wenn Haie leuchten
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"𝑊𝑖𝑒 𝑠𝑜𝑙𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑤𝑖𝑠𝑠𝑒𝑛, 𝑤𝑖𝑒 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑤𝑒𝑖ß, 𝑤𝑒𝑛𝑛 𝑚𝑎𝑛 𝑔𝑎𝑟 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑤𝑒𝑖ß, 𝑤𝑖𝑒 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑤𝑒𝑖ß?"

Wusstet ihr, dass die Oberfläche des Mars um ein Vielfaches besser kartiert ist als der Meeresboden? Oder dass ...

"𝑊𝑖𝑒 𝑠𝑜𝑙𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑤𝑖𝑠𝑠𝑒𝑛, 𝑤𝑖𝑒 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑤𝑒𝑖ß, 𝑤𝑒𝑛𝑛 𝑚𝑎𝑛 𝑔𝑎𝑟 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑤𝑒𝑖ß, 𝑤𝑖𝑒 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑚𝑎𝑛 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑤𝑒𝑖ß?"

Wusstet ihr, dass die Oberfläche des Mars um ein Vielfaches besser kartiert ist als der Meeresboden? Oder dass es solarbetriebene Meeresschnecken gibt?

Falls nicht, dann werft doch mal einen Blick in dieses interessante Sachbuch und begebt euch auf eine Reise durch die noch relativ spärlich erforschte Meereswelt unseres Planeten. Julia Schnetzer nimmt uns mit in die Flora und Fauna unter der Wasseroberfläche und zeigt uns, dass Biologie nicht immer stinklangweilig sein muss. Spannend und leicht verständlich macht sie uns mit den Mysterien der Ozeane und seiner Bewohner bekannt, reißt zwar einige Themen oft nur oberflächlich an, aber dadurch wird das Buch nie langweilig. Zahlreiche Illustrationen lockern das Buch zusätzlich auf und vermitteln erstaunliche Erkenntnisse der aktuellen Meeresforschung auf anschauliche Art. Das Buch wirft einen Einblick in verschiedenste Thematiken, denen bisher nur wenig Aufmerksamkeit zuteil kommt, wie etwa die Sprachforschung bei Delfinen oder die Unsterblichkeit von Quallen. Natürlich beleuchtet Schnetzer auch die Plastikverschmutzung durch den Menschen, und zeigt unsere negativen Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem Meer, das viel näher mit unser aller Leben verwoben ist, als man zunächst denkt.

Wenn ihr also wissen wollt, warum Fische im allgemeinen recht gut zählen können oder noch nicht wusstet, dass einige Guppys besser in Mathe sind als andere Guppys, dann liest dieses Buch!

Leseempfehlung für alle, die einen kurzen aber interessanten Blick in die Meeresforschung werfen wollen oder beim nächsten Kneipenbesuch mit verrückten Fakten glänzen wollen.

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Veröffentlicht am 24.10.2021

Schwammig

Power
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Power ist verschwunden, der Hund der alten Hitschke. Niemanden scheint es wirklich zu kümmern im Dorf, außer dem äußerst ungewöhnlichem Mädchen mit dem sich selbst gegebenen Namen Kerze. Kerze ist überzeugt, ...

Power ist verschwunden, der Hund der alten Hitschke. Niemanden scheint es wirklich zu kümmern im Dorf, außer dem äußerst ungewöhnlichem Mädchen mit dem sich selbst gegebenen Namen Kerze. Kerze ist überzeugt, Power zu seiner Besitzerin zurückzubringen, koste es was es wolle. Sie verspricht es, und Kerzes hält ihre Versprechen. Immer.
Also überlegt sie sich einen Plan, beginnt akribrisch, Schritt für Schritt ihr neues Projekt in ihrem Schulblock festzuhalten. Und dann übt sie zu bellen, sich wie ein Hund fortzubewegen, lernt wie ein Hund zu denken - und beginnt schließlich, sich ihr eigenes Rudel aufzubauen. Schnell wird Kerze zum Alphatier eines Rudels aus Menschenkindern, eine radikale Anführerin, welche die Kinder des Dorfes in den Wald führt, denn dort wird Powers Verbleiben vermutet. Kerze ist zwar nicht gerade das, was man sympathisch nennen würde, doch in rasantem Tempo werden alle Dorfkinder durch ihr charismatisches Wesen angezogen und das Rudel wächst, wächst, wächst - bis bald alle minderjährigen Dorfbewohner im Wald verschwunden sind. Während die Eltern verzweifeln und sich doch niemand von ihnen in den Wald hinein traut, merkt die Hitschke, dass es vielleicht längst nicht mehr nur darum geht, den Hund zu finden. Und das zuerst scheinbar harmlose Rollenspiel unter Kindern artet langsam, aber besorgniserregend, aus den Fugen.

Die Geschichte um die Suche nach Power ist ein Radikalisierungsprozess unter Kindern, der einerseits einen starken Sog auf mich hatte, stellenweise aber wirklich beinahe krank war. Kerze bricht die Kinder, die unter ihrer Aufsicht regelrecht verwildern und verwahrlosen, sich gegenseitig am Anus schnüffeln (wie die Hunde), und denen bei falschem Verhalten rigorose Strafen durch Kerze drohen (beliebt ist insbesondere das Essen von Tannenzapfen). Irgendwie hats mich total interessiert, sowas absurdes zu lesen - der Klappentext hat mich echt angesprochen und ich finde die Grundidee nach wie vor sehr spannend, aber ich kann leider nichts daraus mitnehmen. Ist es vielleicht eine Gesellschaftskritik, die mir nur etwas zu schwammig dahergeschrieben ist? Ich weiß es nicht, irgendwie bin ich mit dem Buch nicht richtig warm geworden, obwohl mich die Geschichte um Kerze und ihr Rudel phasenweise auch fasziniert hat. Ich bin etwas zwiegespalten, doch warum das Buch 2020 zum Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, kann ich leider nicht wirklich nachvollziehen.

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Veröffentlicht am 11.10.2021

Gut, aber zu bemüht

Identitti
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Nivedita, Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters, schreibt auf ihrem Blog namens "Identitti" über - nunja - Identität. Seit einem Besuch bei ihrer Cousine Priti in der indischen Community ...

Nivedita, Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters, schreibt auf ihrem Blog namens "Identitti" über - nunja - Identität. Seit einem Besuch bei ihrer Cousine Priti in der indischen Community Birminghams macht Nivedita sich zunehmend Gedanken über ihre eigene Identität und Zugehörigkeit - wurde sie dort schließlich von den anderen Kindern als 'Coconut' (außen braun, innen weiß) verspottet. Mittlerweile ist sie in ihren Mittzwanzigern, studiert in Düsseldorf Postcolonial Studies und hat in ihrer angesehenen Professorin Saraswati endlich ein selbstbewusstes Vorbild gefunden, welches ihr den Weg zur Selbstbekenntnis ebnet. Doch dann wird Saraswatis wahre Identität durch alte Fotos enttarnt - denn Niveditas Lieblingsprofessorin ist eigentlich weiß und heißt in Wirklichkeit Sarah Vera! Ein gefundenes Fressen für die Presse, Schlagzeilen wie "weiße Frau gibt sich als PoC aus" fluten nicht nur die deutsche Boulevardpresse, sondern erregen auch International die Gemüter. In rasantem Tempo bricht die Credebility der Starprofessorin zusammen und für Nivedita als Lieblingsstudentin von Saraswati gilt wohl - mitgehangen, mitgefangen. Nun steht ihr Weltbild auf dem Kopf, und wütend begibt sie sich zu Saraswatis Wohnung, fordert Antworten und Erklärungen ein und tritt eine hitzige Diskussion los, die sich um Identität und Race als soziales und wandelbares Konstrukt dreht.

Ja, und nicht nur das. "Identitti" umfasst ein weitgefächertes und brandaktuelles Debattenspektrum der heutigen Gesellschaft, verhandelt Themen wie Rassismus, White Privilege, Cultural Appropriation und Gender, lässt dazu auf erster Ebene Niveditas akademisches Umfeld zu Wort kommen, gibt aber auch dem allzu realistischen und erwartbaren Shitstorm der Onlinemedien sowie dem nie allzufernen Twittermob eine Stimme. Der wirklich vielstimmige Roman regt zweifelsfrei zum nachdenken an, ob Identität tatsächlich ein soziales Konstrukt, sprich modellierbar ist - und ich kann verstehen, dass Identitti auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Mir war es jedoch insgesamt etwas zu überladen. Der Schreibstil war erfrischend, aber meiner Meinung nach sehr bemüht darum 'hip' zu sein; die Protagonisten fand ich leider allesamt recht blass und unsympathisch - wenngleich sie auch Wiedererkennungswert besitzen. Klipp und klar ein ganz unterhaltsames Schreibexperiment, dem man das Herzblut Sanyals anmerkt (es ist gut - keine Frage), aber für mich nicht so ganz überragend wie erwartet.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Leider eher schwach

Ein erhabenes Königreich
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Beendet, zugeklappt und ... nichts gefühlt.

Die Familie um Protagonistin Gifty ist aus Ghana in die USA ausgewandert, um sich ein neues Leben aufzubauen. Doch recht schnell kommt Sehnsucht nach der Heimat ...

Beendet, zugeklappt und ... nichts gefühlt.

Die Familie um Protagonistin Gifty ist aus Ghana in die USA ausgewandert, um sich ein neues Leben aufzubauen. Doch recht schnell kommt Sehnsucht nach der Heimat auf, und der Vater verlässt die Familie sowie Amerika. Bereits hier beginnt das fragile Familiengefüge um Gifty, ihren älteren Bruder Nana und ihre Mutter zu wanken. Mutter und Tochter suchen im Glauben an Gott und innerhalb ihrer Gemeinde nach Trost, Nana findet seinen Zufluchtsort in den Drogen und stirbt schon bald an den Folgen seines Heroinkonsums.
Durch den befremdlichen Umgang der Gemeindemitglieder und des Pastors mit dem Tod ihres suchtkranken Bruders, versucht Gifty ihrer Religion den Rücken zu kehren und wendet sich Jahre später in beruflicher Sicht den Wissenschaften zu. Während ihre Mutter immer mehr einer lähmenden Depression verfällt, erforscht Gifty anhand von Mäusen Suchtverhalten, sucht nach Gründen und Auswegen aus der Abhängigkeit und versucht gleichzeitig, ihrer Mutter eine Stütze zu sein.

Ein Buch über eine Familie, die in der Fremde vom rechten Weg abgekommen ist. Die zentralen Themen liegen auf Verlust und Trauer, psychischer Gesundheit, sowie dem Urzwist zwischen Religion und Wissenschaft. Zu viele Themen, die dann leider nicht so komplex ausgearbeitet sind wie erwartet. Gifty, recht konservativ aufgewachsen und im christlichen Glauben sozialisiert, wendet sich beruflich der Wissenschaft zu, sucht Antworten in der Wissenschaft, die ihr die Religion schuldig bleibt. Ich verstehe zwar Giftys Gefühlschaos und ihr Handeln, aber sie bleibt charakterlich recht flach. Somit hat das Buch bei mir auf emotionaler Ebene leider kaum etwas ausgelöst. Zwischendurch mit vielen Längen versehen, wirkte das Buch auf mich relativ zäh und es fiel mir manchmal schwer, dranzubleiben. Mein Fall war es leider nicht ganz, auch wenn ich ein paar durchschnittlich gute Lesestunden damit hatte.

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Veröffentlicht am 10.08.2021

Komplexe Sprache

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Little Dog wächst als Sohn einer vietnamesischen Einwandererfamilie zusammen mit Mutter und Großmutter in den USA auf. Die Mutter ist Analphabetin, und doch ist das gesamte Buch als Brief an sie konzipiert. ...

Little Dog wächst als Sohn einer vietnamesischen Einwandererfamilie zusammen mit Mutter und Großmutter in den USA auf. Die Mutter ist Analphabetin, und doch ist das gesamte Buch als Brief an sie konzipiert. Als Protagonist beschreibt Little Dog in ich-Form fragmentarisch auserwählte Erlebnisse seines Lebens, und zwar mit scharfer Beobachtungsgabe und in sanften Worten. Vuong ist selbst mit zwei Jahren nach Amerika immigriert, schreibt in seinem Debütroman daher autofiktional über die Lasten des Lebens in der Fremde, thematisiert Heimatlosigkeit, Identität, Familie und Liebe, spannt einen Zeitbogen von Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter.

Ich tu mich ein wenig schwer mit einer Bewertung, da mich der Roman gespalten zurücklässt. Es war mir sprachlich oft "zu viel", zu ausgetüftelt, die Schachtelsätze "zu gewollt", sodass ich mich nicht ganz auf die Geschichte einlassen konnte - und leider habe ich dann gedanklich oft einfach abgeschaltet. Ich verstehe die Lobeshymnen durchaus, Vuongs Sprache ist beeindruckend und besitzt hohen Wiedererkennungswert, aber für mich besitzt ein guter Roman eben auch "mehr" als eine schöne Sprache. Mir wird das Buch also insgesamt als ein eher mühsames Leseerlebnis in Erinnerung bleiben, das zwischendurch leider manchmal langweilig und mir einfach zu wirr geflochten war. Wer jedoch ein sprachlich komplexes Erlebnis sucht, die Sprache über den Inhalt stellen kann und diese wirklich hohe Sprachkunst zu schätzen weiß, wird hier einen kleinen Schatz finden.

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