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Veröffentlicht am 15.09.2016

Mochte ich es – oder mochte ich es nicht?

Der Ozean am Ende der Straße
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Worum geht's?
Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, ...

Worum geht's?
Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen … (Quelle: Eichborn)

Meine Meinung:
In „Der Ozean am Ende der Straße“ entführt Neil Gaiman seine Leser in ein modernes Märchen für Erwachsene: Man begleitet einen Mann, der zu einer Beerdigung in seine Heimatstadt zurückkehrt, auf eine phantastische Reise in die Vergangenheit. Um für einen Moment für sich allein zu sein, geht er zu dem Ententeich am Ende der Straße, den er als siebenjähriger Junge als Ozean bezeichnet hat – nein, den Lettie Hempstock so genannt hat! Lettie, das starke Mädchen, mit dem er Dinge erlebt hat, die einem nicht in der uns bekannten Welt zustoßen würden.

Nach der betrübten Einleitung, die einen in keiner Weise auf den Handlungsverlauf vorbereitet, springt Neil Gaiman zurück in die Kindheit seines Protagonisten. Gemeinsam mit dem Jungen, dessen Namen man nicht erfährt, entdeckt man die Magie in unserer realen Welt. Es ist keine schöne Magie, auf die man trifft, aber auch keine, die man einfach in Gut und Böse unterteilen kann. Es ist eine skurrile Magie, wie man sie von Neil Gaiman kennt.

Stellenweise hatte ich jedoch das Gefühl, dass der Roman tiefer gehen wollte als es die Geschichte hergab. „Der Ozean am Ende der Straße“ greift Themen auf, schneidet Mythen und Legenden an, die den Eindruck erwecken, groß und bedeutsam zu sein, ohne diesem Anspruch – zumindest zwischen den Buchdeckeln – gerecht zu werden.

Die Frage, die sich mir dabei aufdrängte, war natürlich, ob Neil Gaiman dies auch überhaupt will. Will er über die phantastische Traumszenerie hinaus? Will er den entstehenden Erwartungen gerecht werden? Ich unterstelle ihm, dass er als Autor mehr will als seine Leser zu unterhalten – und das, Erwartungshaltung hin oder her, ist ihm bei mir nur mäßig gelungen.

Für mich war „Der Ozean am Ende der Straße“ schlichtweg nicht rund genug. Während ich mich einerseits absolut von Gaimans besonderem Schreibstil verzaubern, mich in seine fantastische Welt entführen lassen konnte, wurde ich von Kapitel zu Kapitel unfreiwillig von mehr Fragen und Gedanken begleitet, die die magische Leseatmosphäre erheblich gestört haben. Ein „Mal so, mal so“, dass mich nach der letzten Seite in einer Zweckmühle sitzen ließ: Mochte ich es nun, oder mochte ich es nicht?

Dass Neil Gaiman ein besonderer und talentierter Autor ist, steht wohl völlig außer Zweifel. Er schreibt mit einer einzigartigen Magie, einer Intensität, die er in jedes seiner Worte legt. Die Poesie seiner Schreibe strahlt eine besondere und träumerische Atmosphäre aus, die perfekt zu der traumhaften Handlung passt. Fans von phantastischer Literatur, die eine ganz eigene Welt in der unseren erschafft, die etwas Skurriles und Neues in das Unbekannte einfließen lässt, ja, die unserem Leben das Unnatürliche und Magische hinzufügt, kommen bei Neil Gaiman stets auf ihre Kosten.

Fazit:
Mochte ich es – oder mochte ich es nicht? Diese Frage zu beantworten fällt mir im Fall von „Der Ozean am Ende der Straße“ von Neil Gaiman tatsächlich nicht leicht. Einerseits hat mich Gaiman mit seiner außergewöhnlichen Schreibe und seiner skurrilen Magie absolut in seinen Bann gezogen, andererseits war der Roman für mich in einigen Punkten nicht rund genug. Es waren vor allem die mich unfreiwillig begleitenden Fragen und Gedanken, die sich von Kapitel zu Kapitel dominanter in meinem Kopf auftürmten, die mir die einzigartige Leseatmosphäre und somit auch den Lesespaß vermiesten. Nichtsdestotrotz hat „Der Ozean am Ende der Straße“ definitiv einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt, den ich nicht verleugnen kann. Für „Der Ozean am Ende der Straße“ vergebe ich daher unentschlossene drei Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Genial - ein Highlight unter den Zeitreise-Romanen

Zeitsplitter - Die Jägerin
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Worum geht's?
Em wird gefangen gehalten, gequält und gefoltert. Sie hat Informationen, die sie um jeden Preis geheim halten muss. Marina ist jung, beliebt und wohlhabend. Endlich hat sie den Entschluss ...

Worum geht's?
Em wird gefangen gehalten, gequält und gefoltert. Sie hat Informationen, die sie um jeden Preis geheim halten muss. Marina ist jung, beliebt und wohlhabend. Endlich hat sie den Entschluss gefasst, ihrer großen Liebe James ihre Gefühle zu gestehen. Wäre da nicht der Idiot Finn Abbott, der ihr immer wieder in die Quere kommt. Zwei Mädchen, die unterschiedlicher kaum sein könnten - und doch sind sie ein und dieselbe Person. Vier Jahre liegen zwischen Marinas Leben und Ems Untergang. Aber Em und Finn, dem Jungen, der all dies mit ihr durchgestanden hat, gelingt die Flucht aus ihren Zellen. Mithilfe von Cassandra, einer Maschine, die die Zeit splittert, reisen sie zurück in die Vergangenheit vor vier Jahren. Sie müssen die Zukunft verhindern, die die Welt in einen Ort des Schreckens verwandeln wird - und ein Opfer bringen, für das sie nicht bereit sind...

Meine Meinung:
"Zeitsplitter - Die Jägerin" von Cristin Terrill, der Auftakt einer neuen Zeitreise-Reihe, beginnt abrupt und unvermutet. Ohne jegliche Erklärungen oder Vorwarnungen wirft die Autorin ihre Leser mitten in eine aufregende Handlung, die die Leseatmosphäre vor Spannung zum Knistern bringt. Obwohl man noch nicht so recht weiß, was gerade vor sich geht, ist man augenblicklich von "Zeitsplitter - Die Jägerin" gebannt. Nach solch einem Start, der das Spannungsniveau sofort auf ein extrem hohes Level bringt, sind die Erwartungen an den Rest des Romans hoch!

Auch nach dem rasanten Einstieg rückt die Autorin nicht so schnell mit Informationen heraus. Nur spärlich und sporadisch liefert sie im Verlauf der Geschichte Antworten. Diese Geheimniskrämerei und die Tatsache, dass man mit jedem Kapitel neue Facetten, Aspekte und Dimensionen der Geschichte kennenlernen darf, macht das Buch jedoch erst so spannend! Man fühlt sich zu keinem Zeitpunkt von der Autorin mit seinen Fragen allein gelassen, denn sie schafft es, ihre Leser so tief in ihren Roman eintauchen zu lassen, dass man ausschweifende Erklärungen gar nicht nötig hat. Man entdeckt "Zeitsplitter" und seine Geheimnisse selbst, erlebt es durch Marinas Augen quasi am eigenen Leib! Um jeden Preis und zu jedem Zeitpunkt will man wissen, wie es weitergeht, und so wird "Zeitsplitter - Die Jägerin" zu einem Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.

Die Autorin steigert sich bis zur letzten Seite und liefert einen Abschluss, der aufregender und intensiver kaum sein könnte. Man klebt förmlich am Buch fest und traut sich nicht einmal zu blinzeln, aus Angst, man könnte etwas verpassen! In ihrem grandiosen Finale fügt Terrill all die wichtigen Aspekte und Fäden ihrer Geschichte zusammen, sodass "Zeitsplitter - Die Jägerin" einen gelungenen und runden Abschluss findet - eigentlich perfekt für einen Einzelband. Momentan schreibt Cristin Terrill jedoch an einer Fortsetzung des Romans und wir dürfen gespannt sein, was ihr nach diesem Ende für ihre Charaktere noch im Kopf herumspukt...

Cristin Terrill hat mit ihrem Zeitreiseroman wahrlich ein großartiges Abenteuer quer durch die Zeiten erschaffen, das vor Komplexität und genial verworrenen Handlungssträngen nur so strotzt. "Zeitsplitter - Die Jägerin" beeindruckt mit all seinen geschichtlichen Facetten und den vielen realistischen Bezügen, die die Autorin in die Handlung hat mit einfließen lassen, ohne dabei störende Logiklücken entstehen zu lassen! Terrill hat nicht nur Herzblut, sondern auch viel Köpfchen in ihr Debüt gesteckt. Mit einem Ergebnis, das sich definitiv in die Highlights unter den Zeitreiseromanen einreihen darf.

"Zeitsplitter - Die Jägerin" bietet nicht nur eine geniale Geschichte, sondern auch geniale Charaktere, die das Buch gemeinsam zu einem umwerfenden Must-Read machen. Die beiden Protagonistinnen Em und Marina sind eigentlich ein und dieselbe Figur, allerdings trennen sie vier Jahre voneinander - vier Jahre, in denen aus Marina Em geworden ist, eine völlig andere Person. Marina ist jung und naiv. Ihre Gedanken schwirren nur um James und ihre Liebe zu ihm. Em dagegen ist knallhart, tough und mutig. In nur vier Jahren hat sie ihre kindliche Seite vollkommen abgelegt, auch wenn sie bezüglich ihrer Gefühle noch immer ein wenig naiv geblieben ist. Ich mochte Em und Marina, die "Zeitsplitter - Die Jägerin" abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen, beide auf ihre eigene Art und Weise. Ihre Charakterentwicklung mitzuerleben war spannend und faszinierend zugleich und konnte mich auf so vielen Ebenen fesseln.

Auch die Nebencharaktere haben im ersten "Zeitsplitter"-Band viel zu bieten. Wie auch bei Em und Marina lernt man viele Figuren auf zwei Weisen kennen. Immer wieder ertappt man sich beim Grübeln und Stauen, wie sehr sich Menschen doch verändern können und welche Gründe zu solch extremen Veränderungen führen können. Trotzdem kommt bei keinem einzelnen Charakter jemals das Gefühl auf, das seine beiden "Ichs" nicht zueinander passen würden. Man erkennt ihre Grundzüge in beiden Persönlichkeiten wieder - und doch sind sie so unterschiedlich und einzigartig. Cristin Terrill glänzt auch hier mit vielschichtigem Facettenreichtum und genial durchdachten Entwicklungen.

Trotz all der Spannung kommt die Liebe in "Zeitsplitter - Die Jägerin" nicht zu kurz. Wie auch beim Rest der Geschichte hat sich Cristin Terrill für die romantische Seite ihres Romans viele interessante Entwicklungen und packende Wendungen ausgedacht. Zwischen Em, Marina, James und Finn gibt es ein kompliziertes und schwieriges Beziehungsgeflecht, das eine entscheidende, aber keine vorherrschende Rolle innerhalb der Geschichte einnimmt. Terrill hat ihrer Liebesgeschichte ganz ohne Klischee und Kitsch geschrieben, sodass sie perfekt zum Rest des "Zeitsplitters" passt. "Mainstream" geht anders!

Cover:
Ich konnte gar nicht anders: Trotz des Mädchengesichts auf dem Cover habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Ich liebe die Aufmachung mit den Splittern, die perfekt zur Geschichte passt, die Farben, die die Unterschiede zwischen Em und Marina verdeutlichen. Ein absoluter Eye-Catcher!

Fazit:
Wow! "Zeitsplitter - Die Jägerin" von Cristin Terrill ist ein sensationelles Debüt, das mich in jeglicher Hinsicht begeistert hat. Die Autorin hat ein genial durchdachtes Zeitreise-Abenteuer geschrieben, das vor Spannung, Action und Nervenkitzel nur so strotzt und sich dabei trotzdem nicht in wirren Logiklücken verfängt. Zugleich bekommt man komplexe und individuelle Charaktere geboten, die man sogar auf zwei unterschiedliche Arten kennenlernen darf. "Zeitsplitter - Die Jägerin" hat mich atemlos an seine Seiten gebannt und sprachlos zurückgelassen. Ein Highlight unter den Zeitreise-Romanen und definitiv ein Must-Read! Für "Zeitsplitter - Die Jägerin" vergebe ich 5 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

"Zu viele Themen verderben das Buch"

Die fünf Leben der Daisy West
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Worum geht's?
Daisy ist immer für sich allein gewesen. Sie hat sich von ihren Mitschülern distanziert und sie nicht an sich herangelassen. Freundschaften würden sich für die Fünfzehnjährige ohnehin nicht ...

Worum geht's?
Daisy ist immer für sich allein gewesen. Sie hat sich von ihren Mitschülern distanziert und sie nicht an sich herangelassen. Freundschaften würden sich für die Fünfzehnjährige ohnehin nicht lohnen, denn sie bleibt niemals länger an einem Ort. Sie ist Teil eines Forschungsprojektes, in welchem ein mysteriöses Medikament getestet wird. "Revive" heißt das Mittel, das die Toten zurück ins Leben holen kann - und Daisy scheint den Tod beinahe anzuziehen. Da das Projekt streng geheim ist, muss Daisy nach jedem Tod eine neue Identität annehmen und in eine andere Stadt ziehen. Nun, in ihrem fünften Leben, heißt sie Daisy West und lebt in Omaha, der Stadt, in der sich alles ändern soll. Daisy findet zum ersten Mal Freunde, die sie um keinen Preis verlieren will, und lernt sogar ihre erste große Liebe kennen. Dieses Mal darf sie nicht sterben! Sie beginnt, das Projekt zu hinterfragen, und bemerkt erst viel zu spät, dass sie damit einem Geheimnis auf die Spur kommt, das ihren endgültigen Tod bedeuten könnte...

Kaufgrund:
"Die fünf Leben der Daisy West" habe ich in der Buchhandlung liegen sehen und ich konnte es einfach nicht dort lassen. Das Cover, die Farben - hach! Ja, es war ein Coverkauf, aber ich habe mir nach einem Blick auf den Klappentext auch einiges von der Geschichte erhofft!

Meine Meinung:
"Die fünf Leben der Daisy West" beginnt aufregend, rasant und spektakulär. Direkt auf der ersten Seite wird man Zeuge davon, wie Daisy das vierte Mal stirbt. Sofort türmen sich unzählige Fragen im eigenen Kopf, die man am liebsten sofort beantwortet haben möchte. Die Neugierde ist geweckt, man möchte wissen wie es weitergeht und man hat definitiv Lust auf Mehr!

Leider verfällt die Geschichte ebenso rasant, wie sie begonnen hat, in einen langatmigen Trott. Fortan liest sich die Geschichte nur noch ganz nett und es baut sich keine mitreißende Spannung mehr auf. Statt weiter auf Daisys interessantes Leben einzugehen und die komplexe Geschichte dahinter zu erläutern, hat sich Cat Patrick dazu entschieden, die erste Hälfte des Romans wie eine normale Highschool-Geschichte weiterlaufen zu lassen.

Erst ab der zweiten Hälfte geht es wieder bergauf, doch die Spitze des Berges ist noch weit entfernt. Dies liegt vor allem an dem tragischen und dramatischen Teil der Geschichte: Audreys Schicksal. Wer ohnehin emotional veranlagt ist, der wird hier sicherlich auf ganzer Linie mitleiden. Eines muss man Cat Patrick lassen: Ihr Buch vermittelt eine gute Moral. Sie versucht ihren Lesern zu zeigen, dass man trotz schlimmer Rückschläge im Leben niemals aufgeben darf. Man muss sich stets darum bemühen, aus einer Situation das beste herauszuholen.

Die Autorin hat mit ihrem Roman eindeutig zu viel gewollt. Ist es nun eine Liebesgeschichte? Wollte sie eine Art Dystopie schaffen, einen Science-Fiction-Roman? Ein Buch über den Wert des Lebens? Oder ist es doch ein Agentendrama? "Die fünf Leben der Daisy West" ist ein Geschichtschaos mit viel zu vielen Handlungssträngen, die alle zwar angeschnitten werden, von denen allerdings kein einziger wirklich aufrichtig behandelt wird - ganz nach dem Motto "Zu viele Themen verderben das Buch"!

Zum Ende hin wird "Die fünf Leben der Daisy West" noch einmal richtig spannend. Es entwickelt sich sogar ein mitreißender Lesefluss, der einen an die Seiten fesselt. Voller Hoffnung auf ein Ende, das dem guten Start das Wasser reichen kann, verschlingt man die letzten Kapitel - und ist maßlos enttäuscht. Ist das große Geheimnis erst einmal gelüftet, macht sich eine Enttäuschung breit, die kaum noch greifbar ist. Das Ende ist zu schnell abgehandelt, lässt viel zu viele Fragen offen und ist zudem völlig unlogisch. Was Cat Patrick sich dabei hat, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Mit diesem Abschluss erhält man bedauerlicherweise einen sehr negativen Blickwinkel auf die Geschichte. So viele Logikfehler machen "Die fünf Leben der Daisy West" nahezu kaputt!

Daisy ist eine sympathische Hauptfigur, mit der man sich augenblicklich gut versteht. Leider reicht ein liebenswürdiger Charakter nicht aus, um einen überzeugenden Protagonisten aus ihm zu formen. Daisy ist trotz ihrer komplizierten Vergangenheit und ihrem geheimnisvollen Leben ein viel zu gewöhnliches Mädchen, das nicht besonders ausfällt oder aus der Masse heraussticht. Im Verlauf der Geschichte beginnt sie zwar, sich zu entwickeln - sie taut auf, lässt Menschen an sich heran und lässt sogar Gefühle zu -, aber all ihre Fortschritte sind eher ruhiger Natur. Nachdem auf dem Klappentext eine aufregende Protagonistin versprochen wurde, die ein "waghalsiges" und "riskantes" Leben führt, habe ich eine energiegeladene Daisy erwartet, die die Handlung mit ihrem spontanen und risikofreudigen Leben immer wieder in Schwung bringt. Die falschen Erwartungen haben dafür gesorgt, dass ich von Daisy als Figur enttäuscht war - und das hat die umgängliche Daisy eigentlich nicht verdient. Wäre ich ohne diese Vermutungen an Daisy herangegangen, hätte sie mir wohl besser gefallen können.

Insgesamt sind die Charaktere allesamt sehr nett gestaltet, können aber nicht mit Tiefgründigkeit punkten. Sie werden wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben, dafür sind sie zu oberflächlich, zu durchschnittlich. Bloß die lebenslustige Audrey, die mit einem schweren Schicksal zu kämpfen hat, sticht aus der Masse hervor und kann mit ihrem Charakter sowohl beeindrucken als auch berühren.

Cat Patricks Idee hinter dem Medikament "Revive" hat mir unglaublich gut gefallen und mich sehr neugierig auf dieses Buch werden lassen. Umso enttäuschter war ich, als ich das Buch dann tatsächlich las. Denn die Autorin lässt ihre eigene Idee viel zu kurz kommen. Während des gesamten Romans wird das Medikament eher nebensächlich behandelt, obwohl es so viele Fragen dazu gibt: Wie sind die Wissenschaftler darauf gestoßen? Wie genau funktioniert es (einen kleinen Hinweis gibt es ja)? Leider hat Cat Patrick hier sehr viel Potenzial verschenkt.

Den romantischen Part der Geschichte fand ich schlussendlich ganz nett, obwohl ich zu Beginn doch sehr skeptisch war. Das lag vor allem daran, dass Daisy Matt - Achtung, es wird innovativ - auf den ersten Blick am liebsten verschlingen würde. Sie bezeichnet ihn sogar als "megascharf". Ja, diese Liebesgeschichte macht es einem anfänglich sehr schwer, sie ernst zu nehmen und gut zu finden. Durch die tragischen Entwicklungen im Handlungsverlauf gewinnt die Beziehung jedoch immer mehr an Tiefe und Intimität. Sie blüht auf, sodass man letztendlich trotz des schweren Starts gerne wissen möchte, wie es mit den beiden weitergeht. Überzeugen kann die Liebesgeschichte allerdings bis zur letzten Seite nicht.

Cover:
Obwohl ich kein Fan von Mädchen auf Covern bin, hat mich dieses Cover doch sehr angesprochen. Das Farbenspiel ist bezaubernd! Außerdem hat sich der Verlag etwas ganz besonderes ausgedacht: Auf dem Cover haften Klebezettel, die etwas über die einzelnen Leben von Daisy aussagen und zeigen, wie sie gestorben ist. Ein tolles Extra!

Fazit:
"Die fünf Leben der Daisy West" ist ein nettes Buch für Zwischendurch, aber leider nicht mehr. Zu viele Logikfehler sorgen dafür, dass man Stück für Stück die Lust am Buch verliert und am Ende sogar ziemlich enttäuscht ist. Für eine tolle Idee, die leider nicht gut umgesetzt wurde, gibt es leider nur gute 2 Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wunderschön und ergreifend – ein Herzensbuch.

Für einen Sommer und immer
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Worum geht's?
Als Annikas Mutter ihr erzählt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird, will Annika nur noch eins: weg, und zwar schnell. Sie nimmt ihren lange überfälligen Urlaub und flüchtet sich ...

Worum geht's?
Als Annikas Mutter ihr erzählt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird, will Annika nur noch eins: weg, und zwar schnell. Sie nimmt ihren lange überfälligen Urlaub und flüchtet sich in ein abgeschiedenes Dorf in den Südtiroler Dolomiten. Doch im Entspannen war die dreißigjährige Karrierefrau noch nie sonderlich gut, und schon nach einem Tag fällt ihr in ihrem schicken Hotel die Decke auf den Kopf. Um der erdrückenden Leere in ihrem Inneren zu entkommen, beschließt sie, sich beim Gipfelstürmen auszupowern, und nimmt sich kurzentschlossen einen Bergführer. Samuel ist vollkommen anders als alle Männer, die Annika je kennengelernt hat. Seine Liebe zu den Bergen ist mitreißend, ansteckend, und bald bemerkt Annika, dass sie mit jedem Meter, dem sie sich der Bergspitze nähert, auch ihrem eigenen Herzen näher kommt … (Quelle: egmont-ink.de)

Meine Meinung:
Eine 32-jährige Karrierefrau, die nach einer schlimmen Nachricht in die Dolomiten flüchtet, um dort bei gutem Essen und Wein zur Ruhe zu kommen und zurück zu sich selbst zu finden. Ich muss zugeben: In der Masse der tragischen Schicksalsbücher, die den Buchmarkt überschwemmen, wäre diese Geschichte mit ihrem Berg- und Delikatessen-Thema geradezu an mir vorbeigerutscht – stünde da nicht der Name dieser einen Autorin, die mein Leserherz mit jedem ihrer Worte zum Schmelzen bringt. Julie Leuze ist für mich ein Garant für emotionale Wohlfühl-Bücher und deshalb gehörte auch „Für einen Sommer und immer“ ganz klar zu meinen Must-Reads in diesem Jahr.

Nach wenigen Seiten war mir klar: Auch mit ihrem neuesten Werk wird mich Julie Leuze nicht enttäuschen. Schon der erste Satz hat genügt, um mich neugierig auf die Geschichte zu machen, und nur wenige Absätze später war ich Julie Leuzes Schreibstil mit Haut und Haar verfallen. Leuze schreibt mit viel Gefühl und gleichzeitig mit solch einer lockeren Leichtigkeit, sie findet stets das richtige Wort für den richtigen Moment und pflanzt Emotionen wie kleine Samenkörner in die Herzen ihrer Leser, die im Laufe der Geschichte mehr und mehr erblühen. Diese Autorin hat das gewisse Etwas – und das spürt man mit jeder verschlungenen Seite deutlicher.

In „Für einen Sommer und immer“ lernt man die 32-jährige Annika Winter kennen, die souveräne Pressereferentin von Pharmedizin, die unnahbare und unbezwingbare Karrierefrau, die stets bekommt, was sie will, und dafür notfalls auch über Leichen geht. Die stets perfekt gestylte Annika Winter ist eine Zimtzicke der Extraklasse! Das stellt sie auch gleich unter Beweis, denn in dem Berghotel in den Südtiroler Dolomiten, in das sie eingecheckt hat, lässt sie das Personal deutlich spüren, was sie von ihnen hält. Annika ist forsch, selbstbewusst und stark. Doch was auf Außenstehende sehr einschüchternd wirkt, durchschaut man als Leser, der Einblick in Annikas Gedanken und Gefühle hat, sehr schnell: Hinter der harten Facette versteckt Annika einen angeknacksten Kern.

Der Grund für Annikas spontanen und für die Karrierefrau völlig untypischen Urlaub ist alles andere als schön: Ihre Mutter ist sterbenskrank und hat nicht mehr lange zu leben. Bei dieser Nachricht brennen bei Annika die Sicherungen durch. In den Dolomiten sucht sie Ruhe und Frieden, aber Entspannung ist für sie leider ein Fremdwort. Mit viel Feingefühl und Lebendigkeit erzählt Julie Leuze Annikas Geschichte, deren Flucht in die Berge sie innerlich aufwühlen und für immer verändern wird. Das Bergthema drängt dabei gar nicht so stark in den Vordergrund, wie man es vermuten könnte. Im Gegenteil: Man taucht so tief in die Geschichte ein, dass man die Ruhe der Dolomiten, den frischen Wind und den Frieden der Natur am eigenen Leib spürt. „Für einen Sommer und immer“ beschäftigt sich authentisch und ehrlich mit schwierigen und belastenden Themen, übermittelt dabei aber nie ein Gefühl der Ausweglosigkeit. Es ist eine Geschichte über das Sicht-selbst-finden, über das Wachsen und Weitermachen, über das Hinter-sich-lassen und Neues-wagen. Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreibt – und wie nur Julie Leuze sie erzählen kann.

Hinter Annikas strenger Maske steckt viel mehr, als es zunächst den Anschein macht. Seite für Seite erfährt man mehr über ihre komplexe Persönlichkeit und ihre Hintergründe und mit jedem Puzzleteil, das man neu entdeckt, ist man erleichterter darüber, dass Annika all das nicht alleine bewältigen muss. Samuel, ihr persönlicher Bergführer, wird schnell, aber nicht zu überstürzt zu Annikas Vertrautem. Der sympathische Adrenalinjunkie, der die Ruhe der Berge ebenso zu schätzen weiß wie das Abenteuer der Gipfel, bringt eine ordentliche Portion Romantik in das Geschehen. Sein natürlicher Charakter und sein Charme bringen Annikas innere Mauern mehr und mehr zum Bröckeln. Die Chemie zwischen ihnen stimmt und macht sie zu einem wunderschönen Pärchen, das ausgeglichener kaum sein könnte. Auch Samuel hat seine Päckchen zu tragen, was ihm sehr markante Ecken und Kanten verleiht und dem Bergführer ebenfalls einen festen Platz im Leserherzen sichert.

Fazit:
Mit „Für einen Sommer und immer“ hat Julie Leuze wieder einmal eine Geschichte abgeliefert, die mein Herz zum Schmelzen gebracht hat. Keine Autorin schreibt so einfühlsam und ehrlich, so authentisch und herzergreifend wie sie! Die Geschichte um Annika und Samuel steckt voller tragischer und trauriger Elemente, übermittelt einem aber trotzdem niemals ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Hochemotional und unvergleichlich eindringlich erzählt Julie Leuze in diesem Buch über das Sich-selbst-finden, das Hinter-sich-lassen und Friedenfinden, das Neu-anfangen und glücklich sein. Wunderschön und ergreifend – ein Herzensbuch. Für „Für einen Sommer und immer“ vergebe ich 5 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ich sehe was, was offensichtlich ist.

Ich sehe was, was niemand sieht
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Worum geht's?
Charley hat Visionen. In kurzen, heftigen Blitzen sieht und hört sie Dinge, die sie nicht zuordnen kann: Das angsterfüllte Gesicht eines Mädchens. Schreie. Das Rattern eines Zuges. Charley ...

Worum geht's?
Charley hat Visionen. In kurzen, heftigen Blitzen sieht und hört sie Dinge, die sie nicht zuordnen kann: Das angsterfüllte Gesicht eines Mädchens. Schreie. Das Rattern eines Zuges. Charley ist sich sicher, dass ihre Blitze ihr eine schreckliche Wahrheit zeigen, doch niemand glaubt ihr. Niemand – bis auf ihre beste Freundin Natalie, die vor wenigen Tagen durch ein Zugunglück starb. Als kurze Zeit später erneut ein Mädchen auf den Gleisen umkommt, ermittelt der junge Police Officer Tom Henson an dem Fall. Zufällig treffen er und Charley aufeinander. Als Charley Tom von ihren Blitzen erzählt, kann er es zunächst nicht fassen. Doch er glaubt ihr. Zusammen machen sich Charley und Tom auf die Suche nach der Wahrheit. Eine Wahrheit, die grausamer kaum sein könnte…

Meine Meinung:
Mit „Ich sehe was, was niemand sieht“ feiert Tim O’Rourke sein deutschsprachiges Debüt. Es handelt sich um einen Mystery-Thriller für Jugendliche, der von der Idee her ein wenig an die „Bodyfinder“-Serie von Kimberly Derting erinnert: Ein Mädchen mit einer besonderen, übersinnlichen Gabe ist die einzige, die einen vermeintlichen Serienmörder zur Strecke bringen kann. Unterstützend steht ihr ein gutaussehender, wohlerzogener junger Mann zur Seite, der schon bald mehr für sie sein soll. Morde, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, und eine Liebesgeschichte, die einem zugleich das Herz erwärmt – eine Mischung, wie sie ein guter Jugendthriller für mich haben sollte.

Dass Tim O’Rourke gut schreiben kann, möchte ich ihm nicht absprechen. Sein Schreibstil ist sehr flüssig, gut lesbar und lässt einen rasch durch die Seiten fliegen, wodurch „Ich sehe was, was niemand sieht“ durchaus ein gewisses Pageturner-Feeling mit sich bringt. Leider war das für mich auch bitter nötig, denn ohne die lockere Sprache und das rasante Erzähltempo hätte ich das Buch wohl immer wieder zur Seite gelegt. Nach einem vielversprechenden Start in die Geschichte, der mich neugierig auf Charley, ihre Gabe und die Wahrheit hinter den schrecklichen Zugunglücken gemacht hat, flaute „Ich sehe was, was niemand sieht“ stetig weiter ab.

Schuld daran waren für mich vor allem die beiden Protagonisten. Charley, die siebzehnjährige Halbwaise mit einer besonderen Gabe, und Tom, der zwanzigjährige Neuling bei der Kripo, teilen sich die Rolle des Erzählers und schildern die Geschehnisse abwechselnd aus ihren eigenen Perspektiven. Auf diese Weise bekommt man Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, die auf mich viel zu naiv und zu willkürlich wirkten. Hätte Tim O’Rourke das Alter seiner beiden Protagonisten nicht explizit erwähnt, hätte ich die beiden viel jünger eingeschätzt. Sie handeln oftmals sehr leichtsinnig, Charley sogar extrem weinerlich und überstürzt, und ihre Beziehung zueinander konnte ich im Kontext des Buches leider überhaupt nicht ernst nehmen.

Der Plot konnte mich mit voranschreitender Handlung jedoch auch nicht überzeugen. Viel zu schnell hatte ich das Geheimnis hinter den Zugopfern durchschaut. Tim O’Rourke hat die vermeintlich falsche Spur viel zu offensichtlich beschrieben, sodass einem aufmerksamen Leser spätestens nach der Hälfte des Buches klar sein sollte, wer hinter den Grausamkeiten steckt. Die Auflösung am Ende des Romans empfand ich schließlich als unglücklich, nicht ganz passend und teils nicht vollkommen schlüssig. Für meinen Geschmack hat der Autor hier zu sehr auf eine jüngere Leserschaft gebaut, der alles vorgekaut werden muss und die nicht jedes kleine Detail in Frage stellen wird. Von einem Police Officer, der den Arbeitsalltag eines Polizisten sehr klischeehaft, aber wohl treffend beschrieben hat, hätte ich mir ein dichteres und realistischeres Handlungsnetz gewünscht.

Auf den letzten Seiten findet man eine exklusive Kurzgeschichte, die vor den Ereignissen des Romans spielt und sich mit einem Mordfall auf der Polizeischule beschäftigt. Tom spielt hier ebenfalls eine Rolle, wenn auch nur als Nebencharakter. Allerdings stellt man sich sehr schnell die Frage, woher Tom seinen guten Ruf als Polizist haben soll – besonders schlau stellt er sich in dieser Kurzgeschichte jedenfalls nicht an. Für Fans des Romans ist die knapp 20 Seiten lange Story sicherlich ein nettes Gimmick, zum Verständnis von „Ich sehe was, was niemand sieht“ steuert sie jedoch nichts bei.

Fazit:
„Ich sehe was, was niemand sieht“ von Tim O’Rourke konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl ich ein großer Fan von Mystery-Thrillern für Jugendliche bin und mir die Idee hinter der Geschichte sehr gut gefallen hat, musste ich schon nach wenigen Seiten einsehen, dass ich mit den Charakteren nicht warm werden würde. Für ihr Alter handeln die beiden Protagonisten Charley und Tom zu weinerlich, willkürlich und unglaubwürdig. Leider schlägt sich auch die Vorhersehbarkeit der Geschichte stark auf die Atmosphäre aus, sodass mich „Ich sehe was, was niemand sieht“ leider nicht mitreißen oder begeistern konnte. Ein Pageturner ist Tim O’Rourkes Roman aber dennoch, denn dank seines Schreibstils bin ich in Windeseile durch die Seiten gerauscht. Schreiben kann er, aber mit dem Rest konnte mich der Autor leider nicht überzeugen. Für „Ich sehe was, was niemand sieht“ vergebe ich leider nur 2 Lurche.