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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein schmales Büchlein, das es mächtig in sich hat

Schneeflockensommer
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Worum geht's?
Für die 14-jährige Marie gibt es kein Zurück. Zu groß ist die Schuld, die auf ihren Schultern lastet. In einem kleinen Städtchen am Ende der Welt trifft Marie auf „Eisen-Berta“, eine grimmige ...

Worum geht's?
Für die 14-jährige Marie gibt es kein Zurück. Zu groß ist die Schuld, die auf ihren Schultern lastet. In einem kleinen Städtchen am Ende der Welt trifft Marie auf „Eisen-Berta“, eine grimmige alte Frau, die keine Fragen stellt. Sie bietet Marie Kost und Logis für ihre Hilfe. Marie geht auf das Angebot ein. Doch ihre Schuld ist auch am Ende der Welt allgegenwärtig – bis Marie einen Entschluss fasst …

Meine Meinung:
Marie muss weg – und es gibt kein Zurück. Ohne Erklärungen wirft Barbara Schinko ihre Leser in „Schneeflockensommer“ mitten in ein Geschehen, das geradezu verstört. Man beobachtet Protagonistin Marie, die verwahrlost und voller Verzweiflung sogar das Katzenfutter von einer Veranda stiehlt, um ihren Hunger zu stillen. Was ist dem Mädchen zugestoßen? Warum ist sie fortgelaufen?

So unscheinbar „Schneeflockensommer“ auf den ersten Blick auch wirken mag: Dieses Büchlein hat es mächtig in sich. Es ist eine Geschichte über dramatische Schicksalsschläge, über grausame Traumata und unverzeihliche Fehler. Mit knapp 150 Seiten ist „Schneeflockensommer“ wirklich kein dicker Schmöker, aber Barbara Schinko erzählt ihre Geschichte nicht ausschließlich über ihre gedruckten Worte zwischen den Buchdeckeln. Es steckt unheimlich viel zwischen den Zeilen, sodass man schon sehr konzentriert und aufmerksam lesen muss, um alle Ebenen der Geschichte zu begreifen. Leichte Lektüre holt man sich mit diesem Buch nicht ins Regal!

Von Anfang an ist es die seltsame, aber äußerst einnehmende Stimmung des Romans, die die Geschichte trägt. Barbara Schinko verfügt über einen intensiven, bildstarken Schreibstil, dem man sich nicht entziehen kann und der einem sogar jene Bilder vor das innere Auge zaubert, die man gar nicht sehen will. „Schneeflockensommer“ ist kein heiterer Jugendroman, will es mit seiner Geschichte aber auch gar nicht sein. Die teils sehr harte Thematik wird in Kombination mit Schinkos Erzählweise sicherlich nicht jedem Leser zusagen, aber es lohnt sich definitiv, mal einen Versuch zu wagen und einen Blick in das Buch zu werfen.

Barbara Schinko verpackt ihre düstere Erzählung in einer Art modernem Märchen. Vor allem die Leseatmosphäre erinnert mit ihrem kühlen, distanzierten und trotzdem faszinierenden Wesen an die altbekannten Volksmärchen. Aber auch innerhalb der Geschichte gibt es unzählige Anspielungen und Querverweise, die jeden Märchenfan aufhorchen lassen werden. Ganz „Schneeflockensommer“ hat etwas Surreales an sich und nicht selten stellt man sich als Leser die Frage, ob das eben Gelesene wirklich geschehen ist oder ob Barbara Schinko bloß die Konnotationen ihrer Leser geschickt ausnutzt, um die Geschichte in eine gewisse Richtung zu lenken und Hinweise zu liefern. Ich kann nur immer wieder betonen: „Schneeflockensommer“ spielt mit vielen stilistischen Mitteln, erzählt viel zwischen den Zeilen und ist damit alles andere als seichter Lesestoff, den man schnell von der Hand liest.

Bücher, die ihre Geschichten auf mehreren Ebenen erzählen, haben ihren ganz eigenen Reiz, besonders in Kombination mit der Märchen-Atmosphäre, die in „Schneeflockensommer“ stets präsent ist. Was bei der Handlung wunderbar funktioniert, entpuppt sich bei den Figuren jedoch als kleine Herausforderung. Sie wirken alle sehr kalt und reserviert und es benötigt einiges an Lesezeit, ehe man eine gewisse Beziehung zu ihnen aufbauen kann und man das Gefühl bekommt, sie zu verstehen. Das Durchhaltevermögen wird aber belohnt: Vor allem Protagonistin Marie ist ein starker, tiefgründiger Charakter, der beeindruckt.

Im Grunde fordert „Schneeflockensommer“ seine Leser zu einem Geben und Nehmen auf: Wer nicht dazu bereit ist, dem Büchlein seine volle Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe zu schenken, wird auch nur mit einer oberflächlichen Handlung belohnt werden. Ganz wie im Märchen: Während die fleißigen Protagonisten belohnt werden, stehen die faulen Charaktere am Ende ahnungslos und unzufrieden dar. Barbara Schinko hat wirklich jedes märchenhafte Klischee genutzt.

Fazit:
„Schneeflockensommer“ von Barbara Schinko ist ein schmales Büchlein, das es mächtig in sich hat! Die Geschichte der 14-jährigen Marie, die vor der Last ihrer Schuld flüchtet, ist eine intensive und bewegende Leseerfahrung, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, aber definitiv einen genaueren Blick verdient hat. Tragisch, berührend und knallhart, aber zeitgleich auch zart und feinfühlig beschreibt Barbara Schinko hier eine Geschichte, zwischen deren Zeilen mindestens so viel steckt wie in ihren gedruckten Worten. Aufmerksamkeit und Konzentration sind hier ein Muss! Viele Märchenandeutungen und Querverweise machen „Schneeflockensommer“ ebenso magisch wie tiefgründig. Für „Schneeflockensommer“ vergebe ich gute 4 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Realitätsnah und hochemotional

Ein Sommer ohne uns
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Worum geht's?
Die Geschichte von Verena und Tom klingt nach einem wahr gewordenen Märchen: Sie kennen sich seit klein auf, wohnen nebeneinander, sind ein Paar, seit sie sich mit 13 Jahren zum ersten Mal ...

Worum geht's?
Die Geschichte von Verena und Tom klingt nach einem wahr gewordenen Märchen: Sie kennen sich seit klein auf, wohnen nebeneinander, sind ein Paar, seit sie sich mit 13 Jahren zum ersten Mal geküsst haben. Sie sind wie Pech und Schwefel, sind füreinander geschaffen, gehören zusammen. Für immer. Aber dann kommen Verena Zweifel, zwischen Abistress und Studium, zwischen jugendlichem Leichtsinn und erwachsener Vernunft: Wenn sie noch nie einen anderen Jungen küsst hat, woher soll sie wissen, dass Tom der Richtige für sie ist? Dass es nicht anders, besser sein kann? Gemeinsam beschließen sie, sich auszuprobieren. Eine offene Beziehung für 3 Monate. Doch keiner von beiden hat die Konsequenzen bedacht …

Meine Meinung:
Sabine Both ist keine Unbekannte. Unter ihrem Pseudonym Franziska Moll hat sie „Was ich dich träumen lasse“ und „Egal wohin“ geschrieben, die auf diversen Blogs mit Lobeshymnen überhäuft wurden. Mit ihrem neuen Roman „Ein Sommer ohne uns“ erzählt Sabine Both eine intensive Contemporary-Geschichte, die sich an ein Thema wagt, auf das ich im Jugendbuch noch nicht gestoßen bin: offene Beziehungen. Es ist die Geschichte eines jungen Pärchens, das sich seit Kindertagen kennt, seit der Pubertät liebt und nun an der Schwelle zum Erwachsenwerden ins Zweifeln gerät. Nicht darüber, ob ihre Gefühle füreinander echt sind – das steht für Verena und Tom völlig außer Frage. Aber die Neugierde, wie es mit anderen sein könnte, die Frage, ob sie es später nicht bereuen könnten, nie jemand anderen geküsst und berührt zu haben, spukt beiden im Kopf herum. Ob das gut gehen kann?

Mit dem Einstieg in die Geschichte hatte ich meine Probleme. Es ist mein erstes Buch der Autorin und ihr Schreibstil hat mich sehr überrascht. In kurzen, fast schon abgehackten Sätzen schreibt Sabine Both über Verena und Tom, ihre Liebe, ihre Beziehung. Ihre Worte wirkten zunächst viel zu harsch und hart auf mich, sorgten schon zu Beginn für eine angespannte Atmosphäre, die mich alles andere als unbekümmert durch die Seiten trieb. „Gut“ fühlte ich mich nicht, dabei war zu Beginn der Geschichte doch noch alles in Ordnung.

Mit jeder umgeschlagenen Seite wusste ich den knappen Stil der Autorin jedoch besser zu schätzen. Was auf mich einen so hektischen Eindruck machte, ist Sabine Boths geballte Wortkraft. Sie schafft es mit wenigen Worten das zu beschreiben, wofür andere ganze Seiten brauchen, und so viele Emotionen zu vermitteln, wie es manch einer in ganzen Romanen nicht vermag. Nach einer kleinen Eingewöhnung, der Bereitschaft, sich auf Boths Stil einzulassen, gab es für mich aus diesem atmosphärisch dichten Gefühlsfeuerwerk kein Entrinnen mehr. „Ein Sommer ohne uns“ hat mich mit Haut und Haar zwischen seine Seiten gezogen und schlussendlich sowohl sprach- als auch atemlos zurückgelassen.

Sabine Both ist eine grandiose Autorin, die ihr Handwerk versteht und es mit Herzblut auslebt. Sie hat einen Blick fürs Detail und ein feinfühliges Gespür dafür, welche Themen man mit knallharten Worten zur Sprache bringt und welche man durch kleine, aber bedeutungsschwere Gesten zwischen den Zeilen versteckt. Mit jedem gedruckten Wort hat sie die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren auf den Punkt und die eines jeden jungen Erwachsenen im Kern getroffen. „Ein Sommer ohne uns“ hat mich emotional völlig mitgerissen, teilweise sogar aus der Bahn geworfen, vor allem aber berührt und bewegt.

Dass „Ein Sommer ohne uns“ so eine intensive Sogwirkung auf mich gehabt hat, liegt zum Großteil aber auch an den unfassbar authentischen Figuren der Geschichte. Als Protagonisten, die auch abwechselnd die Erzählerrollen einnehmen, stehen Verena und Tom natürlich im Fokus. Obwohl ich sie in ihren Entscheidungen nicht immer unterstützt habe, konnte ich ihre Gedanken und Beweggründe immer nachvollziehen. Sabine Both hat mit ihnen Charaktere geschaffen, die ehrlicher, natürlicher und lebendiger nicht sein könnten. Sie alle wirken so echt, dass es mich nicht wundern würde, einem von ihnen morgen auf der Straße zu begegnen.

Fazit:
„Ein Sommer ohne uns“ von Sabine Both ist ein außergewöhnlicher Jugendroman – und das nicht nur dank des speziellen Themas. Mit ihrem intensiven, punktgenauen Schreibstil hat mich die Autorin mit Haut und Haar in ihre Geschichte gezogen. Sprach- und atemlos, dafür voller unbändiger Gefühle, übte die Geschichte um Verena und Tom einen Sog auf mich aus, dem ich mich weder entziehen konnte noch wollte. Ein aufwühlender, sehr ehrlicher Roman mit authentischen Charakteren, die man so schnell nicht mehr vergisst. Hochemotional! Für „Ein Sommer ohne uns“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine mitreißende, emotionale und erschreckend ehrliche Suche nach der Wahrheit

Mit Rosen bedacht
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Worum geht's?
Es war alles perfekt: In wenigen Tagen wollte Wanda ihren Verlobten Karim heiraten. Mit ihm zusammen die neue gemeinsame Wohnung beziehen. Den Rest ihres Lebens glücklich an seiner Seite ...

Worum geht's?
Es war alles perfekt: In wenigen Tagen wollte Wanda ihren Verlobten Karim heiraten. Mit ihm zusammen die neue gemeinsame Wohnung beziehen. Den Rest ihres Lebens glücklich an seiner Seite verbringen. Doch dann geschah der Unfall – und nun liegt Wandas Welt in Trümmern. Karim wurde schwer verletzt und liegt im Koma. Die Ärzte geben ihm kaum noch Chancen, jemals wieder aufzuwachen. Als Wanda sich darum bemüht, Karims Angelegenheiten zu klären, stößt sie auf unerwartet viele Fragen und Ungereimtheiten. Seine persönlichen Unterlagen fehlen und sowohl Karims Vermieterin als auch sein Chef konfrontieren Wanda mit Daten, die unmöglich stimmen können – oder? Hat ihr Verlobter ihr etwa die ganze Zeit etwas vorgemacht? Sein wahres Ich hinter einem dichten Netz aus Lügen verborgen? Aber warum? Wanda kommt Karims Geheimnis gefährlich nah – und bringt damit einen Stein ins Rollen, der sie selbst zu überwältigen droht.

Meine Meinung:
Die deutsche Autorin Jennifer Benkau hat sich durch ihre bisher erschienenen Romane bereits einen Namen gemacht. Sowohl ihre paranormalen Liebesgeschichten als auch ihre phantastischen Jugendromane wurden mit vielen Lobeshymnen überschüttet. Auch ich zähle mich seit „Dark Canopy“, „Himmelsfern“ und „Marmorkuss“ zu ihren Fans. Mit ihrem neuen Werk „Mit Rosen bedacht“ wagt sich Jennifer Benkau jedoch in neue Gefilde. Sie erzählt eine Geschichte ganz ohne übernatürliche Wesen oder erschreckende Zukunftsszenarien, aber auf ihre eigene Magie – die Magie ihrer Worte – verzichtet sie keinesfalls.

„Mit Rosen bedacht“ ist eine spannende und aufregende Liebesgeschichte mit aufwühlenden Thriller-Elementen. Es wird schaurig, mysteriös und mitreißend – und tiefsinnig, emotional und bewegend, wie man es von der Autorin kennt. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Wegen: Während jedes Kapitel mit einem Ereignis aus der Gegenwart beginnt, das Wanda näher an die Wahrheit heranrücken lässt, endet es mit einer Erinnerung Wandas an ein Erlebnis mit Karim aus den vergangenen vier Jahren, in welchen sie ihren Verlobten kennen und lieben gelernt hat. „Mit Rosen bedacht“ ist auf den ersten Seiten zunächst sehr ruhig und still, in Anbetracht der schrecklichen Geschehnisse schon melancholisch, entwickelt aber recht schnell eine unheimliche Atmosphäre, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Jennifer Benkau hat sich für ihre Geschichte einen komplexen und undurchschaubaren Plot ersponnen, der einen als Leser mit jeder Faser des eigenen Körpers an die Seiten bannt. Was hatte Karim zu verbergen? Kann es wirklich sein, dass der sympathische junge Mann, den man durch Wandas Erinnerungen kennenlernt, nicht derjenige war, der er vorgab zu sein? Es fällt einem von Kapitel zu Kapitel schwerer ein Urteil zu fällen. Mit jedem Puzzleteil, das Wanda entdeckt, wird das Gesamtbild nur noch verworrener und seltsamer, bis einem ganz plötzlich alles wie Schuppen von den Augen fällt. Oder man es zumindest glaubt. Jennifer Benkau beweist mal wieder mit Leichtigkeit, welch ein Schreibtalent sie ist und dass an ihren Geschichten nichts so einfach und leicht ist, wie es zunächst scheinen mag.

Der Fokus der Geschichte liegt ganz klar auf Wanda und Karim. Während man Wanda, die einen auch als Erzählerin durch die Seiten begleitet, vor allem durch ihre persönlichen Gedanken und Gefühle kennen und verstehen lernt, tritt Karim in erster Linie nur durch ihre Erinnerungen in Erscheinung. Zugegeben: Wandas Erinnerungen liest man mit einem besonders wachsamen Auge. Man sucht nach Hinweisen, Andeutungen, die Wanda durch die rosarote Brille vielleicht übersehen hat. Doch schnell wird einem klar, dass die Charaktere einiges mit der Handlung gemein haben. Sie sind ebenso komplex und tiefgründig, voller Emotionen und dabei trotzdem realistisch und authentisch. Sie sind Figuren wie aus dem echten Leben, mit Stärken und Schwächen, Talenten und Fehlern. Man will sie ergründen, sie verstehen, das Gesamtkonstrukt begreifen – und genau das macht den Reiz des Buches aus.

Es gibt nur eine Handvoll Nebencharaktere in „Mit Rosen bedacht“ und sie alle spielen eine mehr oder weniger große Rolle innerhalb der Handlung. Tatsächlich beleuchtet sie Jennifer Benkau allerdings nur dann genauer, wenn sie für das geheimnisvolle Wirrwarr um Wanda und Karim einen entscheidenden Hinweis liefern. Obwohl ich in den Nebencharakteren oft die heimlichen Helden der Geschichte entdecke und deshalb großen Wert darauf lege, dass Autoren mehr aus ihnen machen, war ich dieses Mal erstaunlicherweise nicht enttäuscht darüber, dass sich Jennifer Benkau sehr auf ihre Hauptfiguren konzentriert. Ihre Nebencharaktere stehen selten im Rampenlicht des Romans und dennoch strahlen sie eine Intensität aus, die sie niemals so wirken lassen, als wären sie nur kleine Sprechrollen.

Fazit:
Mit „Mit Rosen bedacht“ wagt sich die talentierte Autorin Jennifer Benkau in neue Gefilde: Hierbei handelt es sich keinesfalls um ein Jugendbuch, sondern um einen spannenden, ja, fast schon thrilligen belletristischen Roman! Und Frau Benkau beweist mit Leichtigkeit und schonungsloser Ehrlichkeit, dass ihr Schreibtalent sich nicht auf ein Genre festsetzen lässt. „Mit Rosen bedacht“ ist anders als ihre anderen Bücher, ganz klar, aber auf ihre einzigartige Magie hat die Autorin keinesfalls. Jennifer Benkau fesselt ihre Leser mit jedem Kapitel mehr an ihre Seiten und bietet ihnen eine mitreißende, emotionale und erschreckend ehrliche Suche nach der Wahrheit. Eine ganz klare Leseempfehlung! Für „Mit Rosen bedacht“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Meerestiefenschwarz.

Welche Farbe hat die Angst?
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Worum geht's?
Als die fünfzehnjährige Katta bei einem Malwettbewerb den ersten Platz erzielt und einen Kunstkurs bei dem renommierten Künstler Josef Wild gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sogar ...

Worum geht's?
Als die fünfzehnjährige Katta bei einem Malwettbewerb den ersten Platz erzielt und einen Kunstkurs bei dem renommierten Künstler Josef Wild gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sogar Alex, der Mädchenschwarm ihrer Schule, ist dadurch auf sie aufmerksam geworden! Doch der Malkurs verläuft ganz anders, als erwartet: Als Josef Wild in ihren Bildern den Stil seiner verstorbenen Schülerin Miriam wiedererkennt, beginnt Katta mit Nachforschungen. Sie glaubt nicht daran, dass jemand wie Miriam, der mit so viel Leidenschaft und Lebensfreude gemalt hat, tatsächlich Selbstmord begangen haben soll! Gemeinsam mit Alex, der sie auf ihrer Suche nach der Wahrheit unterstützt, entdeckt Katta immer mehr versteckte Nachrichten von Miriam, die ihre Theorie bestätigen. Dabei merkt sie nicht, dass die dem wahren Täter immer näher kommt – und plötzlich schwebt Katta selbst in großer Gefahr.

Meine Meinung:
„Welche Farbe hat die Angst?“ aus der Feder von Barbara Rose ist ein Buch, auf das ich ehrlicherweise erst aufmerksam geworden bin, als es überraschend in mein Regal eingezogen ist. Es kam genau zur rechten Zeit, denn ich hatte mal wieder Lust auf einen Jugendthriller und der Klappentext hat mich auf Anhieb neugierig gemacht. Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hatte mich Barbara Rose auch schon fest in ihrer Hand: Die Geschichte um die junge Künstlerin Katta, deren Stil der verstorbenen Kunstschülerin Miriam erstaunlich ähnlich ist, hat mich mit ihrer Farbgewalt sofort in ihren Bann gezogen.

Protagonistin der Geschichte ist die fünfzehnjährige Katharina, genannt Katta. Katta hat ein ganz besonderes Talent, eine große Leidenschaft, für die ihr Herz brennt: die Malerei! Wenn sie Pinsel und Stift in die Hände bekommt, dann malt sie nicht einfach nur; Katta füllt ihre Bilder mit Leben! Und mit dieser speziellen Leidenschaft schafft das junge Mädchen es in Windeseile, auch die Leser für die Malerei zu begeistern. Allerdings steckt in Katta noch viel mehr als eine begabte Künstlerin. Sie ist eine mutige und starke Protagonistin, die niemals den Kopf in den Sand steckt. Nichts und niemand kann sie aufhalten! Das beweist Katta mit der Entwicklung, die sie in „Welche Farbe hat die Angst?“ vollzieht, mehr als deutlich. Unscheinbar? Von wegen!

Für Jugendthriller-Fans wie mich, die eigentlich schon um ein paar Jahre aus der Altersempfehlung herausgewachsen sind, ist „Welche Farbe hat die Angst“ leider etwas zu vorhersehbar. Die Auflösung des Geheimnisses, die Wahrheit hinter Miriams Tod ist für aufmerksame Leser schnell ersichtlich. Für jüngere Leser, die das Genre vielleicht auch erst für sich ausprobieren möchten, ist der Roman dagegen ideal. Barbara Rose hat für sie genau die richtige Portion „Thriller“ in das Jugendbuch einfließen lassen, sodass sie voll und ganz auf ihre Kosten kommen werden.

Zwar habe ich den Täter schnell entlarven können, aber an Spaß und Spannung hat die Geschichte für mich trotzdem nichts verloren. „Welche Farbe hat die Angst?“ hat so viele andere tolle Facetten, dass ich darüber getrost hinwegsehen konnte. Neben der süßen Liebesgeschichte, die sich zwischen Katta und Alex entwickelt und durch Schmetterlinge im Bauch und junge Naivität definiert, an die sich nicht nur Leser in Kattas Alter erinnern können werden, bietet die Geschichte spannende Irrungen und Wirrungen unter den Charakteren.

Mein persönliches Highlight an der Geschichte war jedoch Barbara Roses Umsetzung des Künstlerthemas. Die Autorin hat hervorragende Recherchearbeit geleistet und die einzelnen Aspekte der Malerei, die Katta von Josef Wild erlernt, so realistisch in die Geschichte eingewoben, dass man sich beinahe selbst so fühlte, als würde man an einem Kunstkurs teilnehmen. Besonders gelungen ist Rose aber die Einbindung der Farben. Farben in all ihren Nuancen spielen eine große Rolle in „Welche Farbe hat die Angst?“ – nicht nur aus künstlerischer Sicht. Sie verleihen dem Roman eine malerische Atmosphäre. Sogar die einzelnen Kapitel sind nach Farbtönen benannt, die die Stimmung der jeweiligen Szene zusammenfassen.

Barbara Rose hat einen sehr angenehmen, leichten und flüssigen Schreibstil, der dafür sorgt, dass sich die Seiten ruckzuck lesen lassen. Dadurch gerät man schnell in einen Lesefluss, der einen stetig zum Weiterlesen animiert. Man möchte nach jedem Kapitel „nur noch schnell ein weiteres“ lesen, aber ehe man sich versieht, ist man schon auf der letzten Seite angekommen! Was an Roses Schreibstil besonders auffällt, sind die lebendigen Dialoge der Charaktere, die mit einer sehr jugendlichen Sprache miteinander kommunizieren. Jüngere Leser werden sich dadurch noch besser mit den Figuren identifizieren können.

Fazit:
„Welche Farbe hat die Angst?“ von Barbara Rose ist ein farbgewaltiger Jugendthriller – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch wenn das Geheimnis hinter der Identität des wahren Mörders für aufmerksame Leser schnell ersichtlich ist, kann der Roman seine Leser mit seiner besonderen Atmosphäre mitreißen. Farben spielen in der Geschichte um die junge Künstlerin Katta, die den Tod der Malerin Miriam aufklären möchte, eine wichtige Rolle und sorgen für eine ganz intensive Stimmung, die man einfach erleben muss. Für „Welche Farbe hat die Angst?“ vergebe ich 4 Lurche.
(P.S.: Meine Farbe der Angst? Meerestiefenschwarz!)

Veröffentlicht am 15.09.2016

Auf nach Hyra, dem Land der vier Königreiche!

Das Mädchen mit den Augen aus Gold
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Worum geht's?
Etwas Dunkles regt sich in Hyra, dem Land der Vier Königreiche. Durch ein Zufall entdeckt das Waldmädchen Felis genau das, wonach das Böse am meisten trachtet: Ein Buch, das den Weg zu einem ...

Worum geht's?
Etwas Dunkles regt sich in Hyra, dem Land der Vier Königreiche. Durch ein Zufall entdeckt das Waldmädchen Felis genau das, wonach das Böse am meisten trachtet: Ein Buch, das den Weg zu einem verborgenen Königreich im Himmel beschreibt. Mit Salem, einem Schwarzen Soldaten aus dem Rabenkloster, macht sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Reich über den Wolken. Doch etwas Böses ist den beiden dicht auf den Fersen und ein Wettlauf auf Leben und Tod beginnt. Wird es Felis schaffen einen Weg aus der Dunkelheit zu finden? Oder werden sich die Schatten des Südens ausbreiten und Hyra endgültig verschlingen? (Quelle:[...] )

Meine Meinung:
Das Waldvolk, das in den Wipfeln des Waldes von Abnoba haust, ist gesegnet mit Augen aus Gold. Niemand kann sich ihrer Schönheit entziehen – und so bin auch ich auf Tina Videkiss‘ Debütroman „Das Mädchen mit den Augen aus Gold“ aufmerksam geworden. Dieses Cover ging mir schlichtweg nicht mehr aus dem Kopf!

Zwischen den Buchdeckeln schlummert die Geschichte von Felis, der Bibliothekarin der Königin von Abnoba, die bloß eines Buches wegen in ein fernes Königreich reist. Dabei stößt die sanftmütige Felis auf ein Legendenbuch, das in den falschen Händen Hyras Untergang bedeuten könnte. Der Soldat Salem, dem Felis zufällig auf ihrer Reise begegnet ist, schließt sich dem Waldmädchen kurzentschlossen an und zieht mit ihr durch ganz Hyra. Auf sie wartet ein Abenteuer, das bei den Lesern für ein magisches Kopfkino sorgt.

„Das Mädchen mit den Augen aus Gold“ ist ein atmosphärischer Hight-Fantasy-Roman, der sich vornehmlich an eine jugendliche Leserschaft richtet. Das erdachte Setting der Autorin um Hyra, dem sagenumwobenen Land der vier Königreiche, ist leicht zugänglich und zieht auch Frischlinge des Genres sogleich in seinen Bann. Dank toller Ideen, einer magischen Atmosphäre und Videkiss‘ buntem Schreibstil ist es ein Leichtes, sich in den Roman fallen zu lassen und sich für einige kurzweilige Lesestunden von dem „Mädchen mit den Augen aus Gold“ in das lebhafte Hyra entführen zu lassen.

Ihren kreativen Kopf stellt Tina Videkiss nicht nur mit ihrem Setting unter Beweis: Die Handlung gleicht einem modernen Märchen, einer fantasievollen Legende, die jeden bibliophilen Fantasy-Fan aufhorchen lässt: ein Waldmädchen, begleitet von einem Katzenwesen, und ein Soldat, in dessen Nähe immer eine Krähe zu finden ist, stoßen auf ein uraltes Buch, das die Geschichte eines Königreiches im Himmel erzählt. Dass dahinter mehr als ein Ammenmärchen stecken muss, beweist ein mächtiger schwarzer Magier, der über Leichen geht, um das Buch in seine Fänge zu bekommen. Von Felis‘ und Salems Suche nach dem verborgenen Königreich lässt man sich schnell mitreißen, stets neugierig und fasziniert, was die beiden auf ihrem Abenteuer noch erleben werden.

So sehr Tina Videkiss‘ mich mit ihrem Weltenentwurf überzeugen kann, so ernüchternd sind leider die Entwicklungen ihrer Charaktere. Felis, Salem sowie all ihre Mitstreiter und Gegner erscheinen auf den ersten Blick wie vielsichtige Figuren, doch je besser man sie kennenlernt, desto vergeblicher sucht man nach Tiefe und Individualität. Alle Charaktere sind auf ihre Weise zweifelsohne interessant, allen voran Protagonistin Felis, das buchverliebte Waldmädchen, und ihr Sidekick Mephisto, der kluge Kater. Das gewisse Etwas, das Buchcharaktere über die Seiten hinaus lebendig werden lässt, hat mir jedoch gefehlt. Manche entwickeln sich zu stereotyp, anderen fehlt die Zeit, ihre Persönlichkeiten präsentieren zu können. Hier sind viele Aspekte ausbaufähig.

Ähnlich ist es auch mit dem Plot: Ist man anfangs von den guten Ideen und dem Potenzial begeistert, stürzt man sich schnell und gerne in den Lesefluss, der durch Tina Videkiss‘ Schreibstil entsteht. In den fortschreitenden Kapiteln verfliegt die Faszination für die Geschichte zwar nicht, der Lesespaß wird jedoch durch wenig überraschende Entwicklungen geschmälert. Besonders im letzten Drittel wirkt der Roman unausgeglichen: Das Tempo wird angezogen, obwohl gerade dort mehr Details dem Buch gut getan hätten. Tina Videkiss führt die Reise von Felis und Salem zu einem guten Abschluss, der mit der richtigen Portion Dramatik aufwartet. Sie hätte mit einem stringenteren Weg aber mehr herausholen können.

Fazit:
„Das Mädchen mit den Augen aus Gold“ von Tina Videkiss ist ein Fantasy-Debüt, dem man noch viel Ausbaupotenzial zusprechen kann. Protagonistin Felis erlebt ein fantasievolles Abenteuer in dem stimmungsvollen Hyra, dem Land der vier Königreiche. Furchteinflößende Monster, Sagen und Legenden lassen Fantasy-Fans neugierig an den Seiten kleben. Das innovative und gelungene Grundgerüst spricht für sich. An den Charakteren, ihren Entwicklungen und dem Plot erkennt man aber definitiv noch Luft nach oben. Tina Videkiss kann schreiben, ganz klar! In „Das Mädchen mit den Augen aus Gold“ fehlte es für ein unvergessliches Debüt jedoch an Tiefe und dem gewissen Etwas. Ich vergebe gute 3 Lurche.