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Veröffentlicht am 09.06.2019

Ein etwas anderer Krimi

Die Entführung
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Klappentext:
Sandra Whitfield versucht, ihrem Leben im goldenen Käfig unter der ständigen Überwachung ihres Vaters, des Pharmaunternehmers Ernest Whitfield, zu entfliehen. Gemeinsam mit ihrem heimlichen ...

Klappentext:
Sandra Whitfield versucht, ihrem Leben im goldenen Käfig unter der ständigen Überwachung ihres Vaters, des Pharmaunternehmers Ernest Whitfield, zu entfliehen. Gemeinsam mit ihrem heimlichen Geliebten Carlos Bardon täuscht sie ihre Entführung vor. Der Plan scheint zunächst zu funktionieren. Als jedoch in unmittelbarer Nähe von Sandras Versteck zwei Mitarbeiter von Whitfield erschossen werden und Sandra kurz darauf tatsächlich spurlos verschwindet, eskaliert die Lage. Mit einem Mal sieht sich Ernest Whitfield mit gleich zwei Lösegeldforderungen konfrontiert, die er nicht zu begleichen gewillt ist. Der Fall beschäftigt nicht nur die umtriebigen Privatdetektive Karneth & Hobes, sondern hält auch Chief Inspector
Henry Taylor und sein Team in Atem, denn bald ist allen klar: Ein Wettlauf mit der Zeit hat begonnen.
Fazit:
Zuerst einmal muss ich feststellen, wer einen blutrünstigen Krimi erwartet ist irgendwie fehl am Platz. Die Spannung baut sich nur sehr allmählich auf, da am Anfang erst einmal Sandra und Carlos und ihre Lebensgeschichte im Mittelpunkt stehen. Sandras Vater lebt in seiner Welt als großer Pharmaunternehmer und leidet an einer regelrechten Verfolgungsparanoia. Opfer sind seine Töchter und seine Frau, die keinen unbewachten Schritt machen können. Freizeit, Freunde und normales Leben = Fehlanzeige. Kein Wunder, dass Sandra ausbrechen will und in Carlos einen Helfer findet. So wird Sandras Entführung geplant und dann auch durchgeführt. Was als Ausbruchsversuch beginnt, nimmt schnell Dramatik und Spannung auf. Doch das müsst ihr leider selbst lesen, da ich nicht zu viel verraten will.
Sandra und Carlos bekomm es nun mit Tätern ganz anderen Kalibers zu tun, denn das Geld des Vaters lockt. Sandras Vater verlässt sich auf die Detektive Karneth und Hobes, weil er der Polizei misstraut. Können die Detektive den fall tatsächlich so durchleuchten, dass die Täter gefasst werden, oder müssen sie aufgeben? Das lest bitte selbst.
Die Protagonisten waren authentisch und glaubwürdig aufgebaut und ich konnte ihren Gedankengängen und Ängsten sehr gut folgen. Durch den lockeren, flüssigen Schreibstil habe ich das Buch sehr schnell gelesen. Der Ansatz des Krimis war für mich mal völlig anders und unverbraucht. Auch das Ende konnte mich überraschen, da ich zumindest in einem Fall mit einem völlig anderen Täter rechnete. Toll gemacht.
Am Ende gönnte ich dem Ekelpaket Whitfield den Verlust seines Geldes und weitere Verluste. Doch lest selbst.
Von mir wohlverdiente 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Liebhaber etwas anderer Krimis.

Veröffentlicht am 09.06.2019

Ein lehrreiches Buch für Kinder und Jugendliche

It’s A Nerd’s World
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Klappentext:
Smartphone? Coole Sache. Internet? Wie kann man ohne überleben!? Zeit, die Menschen zu feiern, die das möglich gemacht haben. Tobias Schrödel, IT-Experte und Deutschlands erster Comedy-Hacker, ...

Klappentext:
Smartphone? Coole Sache. Internet? Wie kann man ohne überleben!? Zeit, die Menschen zu feiern, die das möglich gemacht haben. Tobias Schrödel, IT-Experte und Deutschlands erster Comedy-Hacker, erzählt die Geschichten rund um die Brains, deren Hardware, Software und Internet-Anwendungen das Leben von uns allen für immer verändert haben - und die teilweise niemand kennt. Das muss sich ändern! Ehre, wem Ehre gebührt! Aber Vorsicht: Es wird absurd, lustig, tragisch und vielleicht sogar ein kleines bisschen lehrreich.
Fazit:
Für Kinder und Jugendliche, die sich einen Überblick über die Erfinder, Pioniere und Gründer der heutigen IT-Welt verschaffen wollen, ist dieses Werk geeignet. Durch den sinnvollen Aufbau und schönen Schreibstil macht es Lust, mehr zu erfahren und noch tiefer in die Materie abzutauchen. Für Erwachsene ist es ein Nachschlagewerk, um auch die unbekannten Menschen, die hinter unserer heutigen Technologie stecken zu entdecken und mehr über deren Leben und ihre Ziele zu erfahren.
Der Autor spannt den Bogen von den Erfindern wie Konrad Zuse oder Heinz Nixdorf über die Pioniere wie Bill Gates und Steve Jobs bis hin zu YouTuberin B. Heinicke und zeigt damit, wie sie unsere Welt seit der Erfindung des ersten Computers geändert hat. Ein eigenes Kapitel ist der Sicherheit gewidmet, die schon seit den Anfängen wichtig war und immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Glossar werden Fachbegriffe verständlich erklärt.
Für Kinder ab circa 10 Jahren ist dieses Buch zu empfehlen, da sie Hintergrundwissen erwerben können. Erwachsene erfreuen sich wahrscheinlich an den unbekannten Fakten, die immer wieder im Buch eingestreut sind. Das Buch lässt sich schön flüssig und in Häppchen lesen und da den jeweiligen Personen 2-4 Seiten gewidmet wurden, sind die Häppchen überschaubar. Mir hat gefallen, dass durch den lockeren, flüssigen Schreibstil und die lockere Art, Fakten einprägsam präsentiert wurden.
Trotz des sehr umfangreichen Themas lassen sich die 158 Seiten schnell lesen und verarbeiten, da immer wieder lustige Anekdoten eingestreut wurden.
Ein informatives Jugendbuch, bei dem auch Erwachsene noch das ein oder andere lernen können.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Unglaublich spannender und realitätsnaher Thriller

Das karibische Kalifat
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Klappentext:
Faisah ist die Tochter einer reichen Kairoer Familie palästinensischer Abstammung. Bei der Feier zu ihrem achtzehnten Geburtstag entgeht sie knapp der Vergewaltigung durch ihren Onkel, einem ...

Klappentext:
Faisah ist die Tochter einer reichen Kairoer Familie palästinensischer Abstammung. Bei der Feier zu ihrem achtzehnten Geburtstag entgeht sie knapp der Vergewaltigung durch ihren Onkel, einem hohen Offizier des ägyptischen Geheimdienstes. Die junge Frau flüchtet sich in Frömmigkeit und kommt in Kontakt zur oppositionellen Muslimbruderschaft. So gerät sie zwischen die Fronten von Religion und Politik. Um sie dem Einfluss der Glaubensbewegung zu entziehen, schicken die besorgten Eltern Faisah und ihren Bruder zum Studium auf die kleine Karibikinsel Grenada. Das erweist sich als folgenschwerer Fehler: Die Geschwister geraten dort in das mörderische Netzwerk eines Ablegers des Islamischen Staates …
›Das karibische Kalifat‹ verbindet die Spannung eines guten Thrillers mit fundierten Einblicken in den politischen Islam, den Nahen Osten und den religiösen Fundamentalismus.
Fazit:
Ich habe viel von diesem Buch erwartet und kann voller Überzeugung sagen, dass meine Erwartungen übertroffen wurden. Kaum mit dem Lesen begonnen wurde ich regelrecht in die Handlung eingesogen. Der Schreibstil ist locker und flüssig und die Spannung baut sich Stück für Stück auf, um dann auf extrem hohem Niveau zu bleiben. Die Hintergründe wurden meiner Meinung nach sehr gut recherchiert, um in diesen packenden Roman die Leser zu begeistern und nachdenklich zurück zu lassen.
Faisah flieht nach ihrer Vergewaltigung, der sie knapp entkommen konnte, in den Glauben. Aus der lebensfrohen jungen Frau wird eine überzeugte Muslimin, die sich streng an die Regeln hält. Da sie ihren bisherigen Freundeskreis verliert, sucht sie sich in einer Moschee neue Freundinnen und gerät in die Fänge der Muslimbruderschaft. Als ihre Familie davon erfährt, wird sie mit ihrem Bruder auf die Karibikinsel Grenada geschickt um dort im Schutze ihrer Tante und deren Mann studieren zu können und den Fängen der Bruderschaft zu entkommen. Dies soll sich jedoch sehr schnell als Denkfehler ihrer Eltern entpuppen, da Faisahs Glaubensschwestern den Kontakt zur karibischen Bruderschaft aufgebaut haben. Für Faisah und ihren Bruder beginnt ein Alptraum. Ob sie diesen Alptraum heil überstehen, dass müsst ihr selbst lesen, ich habe schon genug verraten.
Der Autor schreibt sehr deutlich, dass sein Buch ein Roman und daher ein Fantasieprodukt ist. Ich habe schon einige Bücher gelesen, die sich mit dem Islam und seinen Fanatikern beschäftigt und stelle fest: Was in diesem Roman beschrieben wird, kann uns jeden Tag irgendwo auf dieser Welt begegnen. Mir wurde sehr eindringlich vor Augen geführt, mit welchen Mittel Menschen von Fanatikern beeinflusst und gelenkt werden können und im Ernstfall für ihren Glauben sogar den Märtyrertod sterben wollen. Bisher konnte ich mir weniger vorstellen, wie junge, aufgeklärte Menschen auf solche Fanatiker hereinfallen. Mir wurde ein ganz anderer Ansatz zum Verständnis geboten. Hut ab.
Die Protagonisten sind sehr lebensnah, tiefgründig und authentisch beschrieben und fast alle sehr sympathisch. Da die Geschichte aus mehreren Perspektiven heraus erzählt wurde, konnte ich die Protagonisten sehr gut kennen lernen und auch ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Besonders faszinierend war für mich die Entwicklung von Faisah, die vom lebenslustigen Teenager nach und nach zur starken Frau heranreift. Natürlich gibt es auch Protagonisten, die von Anfang an für Unbehagen sorgen und immer unsympathischer werden. Bei dieser Thematik sollte dies von vornherein einkalkuliert werden.
Das Thema des Buches ist brandaktuell, es geht um Manipulation von Menschen, religiösen Fanatismus, Selbstmordattentate und auch um Terroranschläge. Eine Mischung, die es in sich hat und die auf der einen Seite abstößt und in ihrer gesamten Grausamkeit zum Nachdenken anregt. Es geht allerdings auch noch tiefer. Was passiert, wenn Muslime und Juden aufeinandertreffen? Was passiert mit Homosexuellen in einer fanatischen muslimischen Gemeinde? Ist es für Frauen wirklich gut, die Scharia einzuführen? An der Themen Vielfalt lässt sich schon ersehen, dass dieses Buch keine leichte Kost darstellt. Ich kann nur empfehlen, sich darauf einzulassen, es lohnt sich.
Bernhard Grdseloff hat es geschafft ein hochaktuelles Thema in eine sehr glaubhafte und realitätsnahe Geschichte zu packen und mich damit zu begeistern. Die Geschichte hat mich nachdenklich zurückgelassen und nach dem offenen Ende warte ich jetzt auf die Fortsetzung.
Ein sehr gelungenes Debüt, dass ich an alle Leser empfehle, die sich für den Islam interessieren.

Veröffentlicht am 07.06.2019

Frau = eierlegende Wollmilchsau!! Dies gilt auch heute noch

Ich bin dann mal Ex!
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Klappentext:
Heute muss eine Frau die unterschiedlichsten Rollen spielen: Mutter, Hausfrau, emanzipiert, aber bitte sexy, Karrierefrau, Geliebte und auch noch beste Freundin – ein Ding der Unmöglichkeit! ...

Klappentext:
Heute muss eine Frau die unterschiedlichsten Rollen spielen: Mutter, Hausfrau, emanzipiert, aber bitte sexy, Karrierefrau, Geliebte und auch noch beste Freundin – ein Ding der Unmöglichkeit! Doch plötzlich tauchen immer mehr Frauen auf dem Spielplatz auf, die total entspannt sind. Warum? „Ich habe mich getrennt“, lautet die Zauberformel. Mit viel Witz und Ehrlichkeit erzählt Bärbel Stolz von den höchst absurden Selbsterkenntnissen der Single 2.0-Phase und „womansplaint“ auf höchst unterhaltsame Weise, wie frau sich ihr Leben zurückerobert.
Fazit:
Männer nerven! Dies gilt in der Wirklichkeit genauso wie in diesem humorvollen Buch. Auf unterhaltsame Weise wird die Emanzipation beleuchtet und wir fragen uns mal wieder wohin das geführt hat und noch führen soll. Viele Dinge aus diesem Buch haben Frauen so, oder ähnlich schon erlebt. Der Autorin ist es gelungen, mit sehr viel Humor und guter Laune aus dem wahren Alltag der „ach so emanzipierten Frauen“ zu berichten, dass ich mich gut unterhalten fühlte und auch herzhaft lachen konnte.
Wie war es früher? Frauen hatten sich um Haushalt, Kinder und den liebenden Ehemann zu kümmern.
Wie ist es heute? Frauen haben sich um Haushalt, Kinder, den liebenden Ehemann und ihre Arbeit und ihre Freunde und die eigene Selbstverwirklichung zu kümmern.
Natürlich ohne Klagen und allzeit bereit. Wer kennt das nicht? Schatz du willst Vollzeit arbeiten? Toll, das Geld können wir brauchen, Hauptsache den Kindern und mir wird es an nichts mangeln. Dies ist auch heute in den meisten Familien trauriger Alltag und wir Frauen können nicht genügend Köpfe, Arme und Beine haben um all den Anforderungen gerecht zu werden. Genau von diesem Spagat erzählt uns dieses Buch. Mädels mal ganz ehrlich. Welcher Mann würde das schaffen, was wir täglich so ganz nebenbei wuppen? Auf witzige und humorvolle Weise wird uns Frauen der Spiegel vorgehalten und wir können uns selbst mal hinterfragen, wieviel Anteil wir an dieser Misere haben.
Mir gefallen solche Bücher immer wieder, da sie Geschichten erzählen, die es so wirklich gibt. In dem vorliegenden Buch wurden die Geschehnisse überspitzt und lustig erzählt und ich konnte häufig schmunzeln und lachen. Schon die Namen der Kinder waren für mich ein Hit, da es ähnliche Kreationen tatsächlich gibt. Auch das Leben mit Kindern wurde sehr treffend beschrieben, da es in vielen Familien immer noch so ist, dass Frauen sich um den Alltag zu kümmern haben und die Herren der Schöpfung für kleinste Taten als Held gefeiert werden wollen.
Als die Hauptprotagonistin Bärbel genug mit ihrem Schicksal gehadert hat, bleibt ihr nur noch eine Möglichkeit. Sie setzt ihrem Göttergatten die Pistole auf die Brust und stürzt sich voller Überzeugung in ein wichtiges Experiment. Geht es ihr nun besser, ist nun alles Gold was glänzt? Das verrate ich nicht, das müsst ihr bitte selbst lesen, es lohnt sich.
Mit Humor, Augenzwinkern und einer großen Portion Selbstironie zeigt uns die Autorin, wo wir als Frauen heute stehen und rüttelt natürlich auch wach. Wir leben immer noch in einer Welt die männlich dominiert wird und zerreißen uns zwischen den vielen Aufgaben, die uns als Frauen gestellt werden. In diesem Buch geht es also um ein sehr ernstes Thema, dass uns alle betrifft und die Autorin bringt es treffend auf den Punkt.
Mir hat die Lektüre großen Spaß bereitet, da dieses ernste Thema toll verpackt wurde und ich mich in vielen Situationen wiederfinden konnte.
Ich empfehle dieses Buch an alle Frauen, die sich selbst mal locker hinterfragen wollen und an alle Männer, die sich endlich mal auf den Weg machen wollen, ihre Frauen zu verstehen und wirklich zu unterstützen.

Veröffentlicht am 07.06.2019

Humorvoller Roman über das Leben im Altersheim, mit viel Tiefgang

heimelig
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Klappentext:

Nelly ist mit ihren 77 Jahren eine fröhliche, selbstbewusste, gesunde und recht muntere Witwe. Trotzdem zieht sie ins Altersheim, weil ihre Tochter Trudi den dringenden Wunsch hat, ihr gemütliches ...

Klappentext:

Nelly ist mit ihren 77 Jahren eine fröhliche, selbstbewusste, gesunde und recht muntere Witwe. Trotzdem zieht sie ins Altersheim, weil ihre Tochter Trudi den dringenden Wunsch hat, ihr gemütliches Elternhaus durch einen modernen Neubau zu ersetzen. Trudi verspricht ihrer Mutter zwar eine coole Einliegerwohnung, aber da macht Nelly – auch ein wenig trotzig – nicht mit. Dann lieber grad ab ins heimelig. Dort wird es ihr aber schon bald ganz unheimelig langweilig, und sie überlegt sich, dass sie – jetzt, wo sie so viel Zeit hat – eigentlich auf Reisen gehen könnte. Nicht weit, nur durch die Schweiz. Nicht lang. Nur immer für einen Tag. Die Idee dahinter: Sie will das Abc abreisen. Und so macht sie sich auf den Weg nach Ascona, nach Buochs, nach Chur und erlebt dabei einiges. Sie macht neue Bekanntschaften, lernt die Drogenfahndung kennen, muss einen Panflötenspieler abwimmeln und bringt sogar das Leben ihrer Enkelin Kim durcheinander. Natürlich nicht mit Absicht. Mit Absicht zieht sie aber ihre Aktion »Spiegeleier für alle« durch, und die, die wird ein voller Erfolg. Die Quintessenz aller gemachten Erfahrungen überrascht Nelly, denn sie begreift: Sie ist zwar alt, aber sooo alt dann doch wieder nicht. Und schließlich lässt sie die Erkenntnis zu: »Ich will eigentlich nur eins: raus! Und wieder leben, möglicherweise sogar wieder lieben.«

Fazit:

Mir ist zuerst dieses wunderschöne Cover aufgefallen, dann habe ich den Klappentext gelesen und wusste, dieses Buch ist etwas für mich. Nach dem Lesen steht fest, dass ich mehr bekam, als erwartet. Ich durfte liebenswerte Protagonisten kennenlernen und ein Stück ihres Weges mit ihnen gehen. Das Leben im Altersheim wurde hervorragend dargestellt, das ist wirklich so, das kenne ich vom Altersheim in dem meine Mutter ist. Die Autorin schafft es, humorvoll und mit einem Augenzwinkern die Themen des Alterns vom Pflegenotstand über den Tod, die Einsamkeit bis hin zu alterstauglichen Aktivitäten zu beschreiben. Es gab Momente in denen ich lachen konnte und Momente in denen ich traurig und nachdenklich war. Über allem schwebte die Frage: Soll das alles gewesen sein, oder gibt es noch Lebensfreude und Lebensqualität? Mit hat diese emotionale Geschichte mit Tiefgang und Humor sehr gut gefallen, da sie sehr realitätsnah ist, kleine Ausreiser sind erlaubt, da die künstlerische Freiheit auch zu berücksichtigen ist.

Nelly hat sich aus Trotz für das Leben im Altersheim entschieden, obwohl sie noch viel zu jung und zu fit dafür ist, auf dem Abstellgleis zu landen. Im Heim angekommen, merkt sie immer deutlicher, dass sie dort nicht hingehört und mehr von dem ihr verbleibenden Leben erwartet. Diese immer wieder stattfindenden Gespräche, dieses schlechte Unterhaltungsprogramm und das Warten auf das Ende. Dank ihrer Enkelin, packt Nelly ihren ganzen Mut zusammen, um auf Reisen zu gehen. Es sollen nur Tagesfahrten werden, damit Nelly ihrem Leben neuen Schwung gibt. Welche Überraschungen auf Nelly und ihre Enkelin warten, das müsst ihr selbst lesen, es lohnt sich.

Nach der ersten Reise hat Nelly ihrer Tischgemeinschaft viel zu erzählen und wird zum leuchtenden Vorbild für diese. Es werden ihr Vorschläge gemacht, wohin sie noch reisen soll, um ihre Erlebnisse mit den anderen Bewohnern des Altersheimes zu teilen. Nelly schafft es trotz kleiner und größeren Hindernissen, immer neue Abenteuer zu erleben. Sie macht einige Menschen glücklich und sorgt immer wieder dafür, dass Leser nachdenken und sich fragen, wie sie selbst ihr Alter verbringen möchten. Bitte lest dieses Buch selbst und lasst euch begeistern.

Mit sehr viel Gefühl wurde mir eine schöne Geschichte über das Leben im Alter erzählt, die Hoffnung gibt und dafür sorgt, dass ich mir jetzt schon überlege, was ich nach meinem Arbeitsleben für mich tun will. Die Situation in vielen Altersheimen ist bekannt, obwohl wir alle dazu neigen, gerne die Augen davor zu verschließen. Diese Geschichte ist auch wichtig, um mit Vorurteilen aufzuräumen, da auch ältere Menschen ein Recht auf Liebe und tolle Erlebnisse haben. Ich ziehe den Hut vor der mutigen und lebensfrohen Nelly und bin glücklich, dass ihre Gedanken, Gefühle und Probleme miterleben durfte.

Erwähnenswert ist noch, dass die Autorin von den Erlebnissen ihrer Mutter inspiriert wurde, die viel zu früh in ein Altersheim zog. Dort gab es tatsächlich solch ein tolles Unterhaltungsprogramm, wie Putzlappen falten. Mit Esprit, Humor und Warmherzigkeit wurden diese Begebenheiten zu einem wunderbaren Roman verarbeitet.

Von mir eine absolute Leseempfehlung für alle Leser, die in Pflegeberufen arbeiten und für Angehörige der älteren Generation.