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Veröffentlicht am 07.04.2020

Wider der Norm

Die Tanzenden
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Vorweg: Was bin ich froh, als Frau in diesem Jahrhundert gelandet zu sein...
Doch zurück zum Buch: Paris 1885... die Hauptpersonen sind Eugénie, eine bürgerliche junge Frau; Geneviève, die alteingesessene ...

Vorweg: Was bin ich froh, als Frau in diesem Jahrhundert gelandet zu sein...
Doch zurück zum Buch: Paris 1885... die Hauptpersonen sind Eugénie, eine bürgerliche junge Frau; Geneviève, die alteingesessene Oberschwester in der Salpêtrière sowie Louise, eine junge Insassin dieser Irrenanstalt, in der ausnahmslos Frauen aufgenommen werden: entsprechen sie nicht den Erwartungen ihrer Väter, Ehemänner oder der „Norm“, werden sie eingewiesen und haben kaum die Chance, jemals wieder entlassen zu werden. Die „Heilungsmethoden“ werden nämlich erst noch erforscht, und zwar an ihnen.....
eine bedrückende Vorstellung, ohne das Recht auf freie Entfaltung oder wenigstens Meinungsäußerung leben zu müssen - denn passte dem (männlichen) Umfeld etwas nicht, drohte die sofortige Abschiebung in die Anstalt!
Suggeriert das Cover also eine Leichtigkeit, zum positiven Titel passend, ist der Inhalt deutlich schwermütiger. Doch die drei Frauen sind starke Persönlichkeiten und haben, so unterschiedliche Hintergründe und Träume sie auch haben, ihr Ziel fest vor Augen...
ich fand das Buch absolut fesselnd und lesenswert! Auch wenn der Inhalt doch einigermaßen vom Klappentext abweicht und meiner Meinung nach kaum zum Cover passt - manchmal passen ja auch Gegensätze zusammen :)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

Auf dem Weg zu sich selbst

Die Geheimnisse meiner Mutter
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1979: Elise, eine bildhübsche junge Frau von 20 Jahren, ist noch auf der Suche nach ihrem Weg... „sie war auf der Jagd nach sich selbst, obwohl sie diejenige war, die als Vorlage gedient hatte.“ (S.20) ...

1979: Elise, eine bildhübsche junge Frau von 20 Jahren, ist noch auf der Suche nach ihrem Weg... „sie war auf der Jagd nach sich selbst, obwohl sie diejenige war, die als Vorlage gedient hatte.“ (S.20) - so sucht sie in den Portraits, für die sie Modell sitzt, nach sich selbst... die erfolgreiche Autorin Constance tritt in ihr Leben und verändert es nachhaltig...

2017: vor 34 Jahren, als Rose nicht mal ein Jahr alt war, verließ ihr Mutter Elise sie ... ihr Vater blieb ihr eine Erklärung ein Leben lang schuldig. Nun überreicht er ihr die beiden Bücher von Constance Holden, zu der Rose Kontakt aufnimmt... kann sie das Geheimnis um ihre Vergangenheit klären?

Der über 600 Seiten starke Roman ist, trotz weiblicher Protagonisten, kein typischer Frauenroman, sondern eine anspruchsvollere Lektüre über die Liebe - die Liebe der Eltern, die Liebe des Partners, die Liebe zu sich selbst... da die Charaktere alle recht schwierig sind und zwischen den beiden Zeitsträngen gesprungen wird, ist es nicht leicht, sich hineinzufinden. Manches bleibt für mich nicht nachvollziehbar, auch wenn die Seitenanzahl eigentlich für mehr Tiefe sicher ausgereicht hätte. Dennoch keine Leseenttäuschung, da der Schreibstil von Jessie Burton bzw. die Übersetzung von Peter Knecht sehr gelungen ist - ich bin neugierig, wie sich die Autorin weiterentwickelt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

Familie und die Liebe auf Sylt...

Ein Sommer auf Sylt
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Die Ich-Erzählerin Julia, Architektin in Hamburg und 35Jahre alt, fährt mit ihrer Mutter Beate sowie deren Schwestern Annegret und Christiane nach Sylt - ihr vor einem halben Jahr verstorbener Vater Ralf ...

Die Ich-Erzählerin Julia, Architektin in Hamburg und 35Jahre alt, fährt mit ihrer Mutter Beate sowie deren Schwestern Annegret und Christiane nach Sylt - ihr vor einem halben Jahr verstorbener Vater Ralf hat ihr ein Friesenhaus auf der ihr vollkommen fremden Insel vererbt. Der Plan von ihrem Lebensgefährten und Geschäftspartner Jo und ihr ist es, das Haus schnellstmöglich und zum bestmöglichen Preis zu veräußern, da sie weder mit ihrem Vater noch der Insel etwas positives verbindet. Die Fahrt nach Sylt mit den drei seit Jahrzehnten verstrittenen Schwestern zerrt dermaßen an Julias angespannten Nerven, dass sie den Druck an einer Zufallsbegegnung ablässt - Mats...
Wenig überraschend, aber angenehm geschrieben nimmt die Geschichte ihren Lauf... die Familiengeheimnisse und -fehden aus der jüngeren und älteren Vergangenheit werden aufgedeckt und Julia kriegt auf Sylt nicht sofort einen Koller 😉, sondern erdet sich neu. Und ganz nebenbei wird sehr viel über die Insel berichtet, die so viel mehr als nur die Schickeria zu bieten hat!
Auch wenn ich mich mit Julia manchmal nicht identifizieren konnte und manche Charaktere doch etwas klischeehaft waren, fand ich mich durch den Roman einige Stunden gut unterhalten. Ja, man erwartet schon allein durch den Titel ein Happy End... und bei dem wunderschönen Cover mit den erhabenen Wellen etwas besonderes - was es für mich literarisch nicht so sehr war; nicht zuletzt wegen des abrupten Endes. Aber abgesehen davon ist es eine stimmige Familien- und Liebesgeschichte sowie eine Liebeserklärung an die Insel Sylt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Auf den Punkt gebracht!

Hannah Arendt
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Mir sind die Bände aus der „Little People, Big Dreams“-Reihe schon mehrfach ins Auge gesprungen, aber dieser ist nun der erste, den ich lese - und ich bin wirklich absolut begeistert! Sowohl von den Illustrationen ...

Mir sind die Bände aus der „Little People, Big Dreams“-Reihe schon mehrfach ins Auge gesprungen, aber dieser ist nun der erste, den ich lese - und ich bin wirklich absolut begeistert! Sowohl von den Illustrationen von Sophia Martineck, die einen unverwechselbaren Stil prägt, als auch den Texten der spanischen Autorin Isabel Sánchez Vegara, die von Svenja Becker übersetzt wurden. Ich finde es sehr beeindruckend, wie das Leben von Hannah Arendt in so wenigen Sätzen (etwa 3 pro Doppelseite) so treffend zusammengefasst wurde; und das in einer Ausdrucksweise, der auch Kinder ab dem Vorschulalter sehr gut folgen können. Ja, es werden sicher Nachfragen folgen, die der Text nicht beantwortet - wie auch; über die Philosophin gibt es ja viele Werke und über den Nationalsozialismus, mit dem sie als Jüdin konfrontiert war, noch viel mehr. Aber gerade das macht die Stärke dieses Buchs aus: durch den Verzicht auf zu viele Details -sowohl in den klaren Zeichnungen als auch im knappen Text- ist das Buch bereits für jüngere Kinder gut verständlich; gibt den älteren ein Basiswissen, das je nach Interessenlage (Philosophie, Religion, etc) ausgebaut werden kann - und hat für Erwachsene mit dem hübschen Hardcover-Titel und dem hochwertigen Textileinband schon etwas von Kunst ... die in meinem Fall die Sammelleidenschaft anregt: auch die 17 weiteren, hinten im Buch gezeigten Persönlichkeiten möchte ich gerne in dieser Form bei uns einziehen lassen 😊 (ob die Bücher dann in mein Regal gehören oder in das der Kinder, entscheiden wir später 😉)
Mit dieser Serie wird es den Kindern ganz klar gezeigt: glaube an dich selbst und an deine Träume; dann kannst du großes erreichen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Danken... bevor es zu spät ist

Dankbarkeiten
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„Alt werden heißt verlieren lernen.“ (S. 123)

„Ich meine das Ende des Verstands, der ist dann futsch und alle Wörter verflogen“ (S. 60)

Ein kurzer, aber um so eindrucksvollerer Romans - die Geschichte ...

„Alt werden heißt verlieren lernen.“ (S. 123)

„Ich meine das Ende des Verstands, der ist dann futsch und alle Wörter verflogen“ (S. 60)

Ein kurzer, aber um so eindrucksvollerer Romans - die Geschichte nimmt gerade einmal gut 150 Seiten ein und ist durch deutliche Kapitelwechsel und Absätze auf diesen Seiten weiter reduziert und intensiviert. Dabei ist das Buch gleichzeitig so gut zu lesen, dass ich bewusst immer wieder innehalten musste, damit es nicht zu schnell vorbei ist...

Michèle Seld, genannt Michka; ihre Ziehtochter Marie und ihr Logopäde Jérome sind die Hauptpersonen dieses Buches; die alle drei ihren Frieden mit ihrer Vergangenheit noch nicht gemacht haben.... schwere Kost, mag man denken - doch durch sehr liebevolle Wortspielereien um den schwindenden Wortschatz von Michka ist es durchaus heiter und gibt oft Grund zum Grinsen! Manchmal ist es ein lachendes und ein weinendes Auge, da die Beschreibung des Heimalltags aus dem Erlebten und Erträumten schwer zu schlucken gibt... und man immer und immer wieder daran erinnert wird: danke zu sagen, bevor es zu spät ist!
Ich fange sofort damit an: Danke an die Autorin Delphine de Vigan und ihre Übersetzerin Doris Heinemann für dieses liebevolle, intensive und lange nachklingende Buch, das ich von Herzen weiterempfehle!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere