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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2024

Spannend

The April Story – Ein wirklich erstaunliches Ding
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"The April Story" von Hank Green ist ein fesselnder Jugendroman, der die heutige Welt der sozialen Medien und des Ruhms in all ihren Facetten einfängt. Die Geschichte dreht sich um April, eine gewöhnliche ...

"The April Story" von Hank Green ist ein fesselnder Jugendroman, der die heutige Welt der sozialen Medien und des Ruhms in all ihren Facetten einfängt. Die Geschichte dreht sich um April, eine gewöhnliche Jugendliche, die über Nacht zur weltweiten Berühmtheit wird, als sie ein Video von einer mysteriösen Skulptur auf YouTube hochlädt. Dies führt dazu, dass sie nicht nur das Geheimnis hinter den fremden - außerirdischen? - Statuen zu lüften versucht, sondern auch mit den unerwarteten Konsequenzen ihres plötzlichen Ruhms konfrontiert wird. Die Geschichte wirft damit wichtige Fragen auf über die Auswirkungen von Viralität, sozialen Medien und Popularität auf das individuelle Selbst und die Gesellschaft als Ganzes. April ist dabei eine sympathische Protagonistin, mit der sich sicher viele junge Leserinnen und Leser identifizieren können.

Der Erzählstil von Hank Green, dem Bruder des berühmten Autors John Green, ist packend und dynamisch, wodurch die Leserinnen und Leser von Anfang an in die Geschichte hineingezogen werden. Die Verwendung von Social-Media-Plattformen und modernen Kommunikationsmitteln verleiht dem Roman eine zeitgemäße Note, auch wenn einige Elemente, wie Facebook Live, mittlerweile etwas veraltet wirken. Dazu muss man wissen, dass der Roman bereits vor fünf Jahren erstmals erschienen ist.

Insgesamt ist "The April Story" ein Jugendroman, der auch Erwachsene nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken über die heutige Gesellschaft und ihre Obsession mit Berühmtheit und Gefolgschaft auf Social Media anregt. Obwohl ich normalerweise kein Fantasy lese, ist der Roman insgesamt so realistisch angelegt, dass ich die vorkommenden Science Fiction-Elemente interessant und spannend fand. Zusätzlich ist wichtig zu wissen, dass die Geschichte mit diesem Band noch nicht abgeschlossen ist, der zweite Band allerdings noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

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Veröffentlicht am 25.03.2024

Intelligente Romcom

Alles gut
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Der Eichborn-Verlag scheint für mich in letzter Zeit ein Garant für unglaublich gut geschriebene, intelligente und dabei noch ausgezeichnet unterhaltende Literatur zu sein. Dies hier ist ein weiterer Roman, ...

Der Eichborn-Verlag scheint für mich in letzter Zeit ein Garant für unglaublich gut geschriebene, intelligente und dabei noch ausgezeichnet unterhaltende Literatur zu sein. Dies hier ist ein weiterer Roman, der zwar als Romcom und Coming-of-age-Roman daher kommt, aber dabei authentisch und durchdacht gesellschaftskritische Themen behandelt. Dies zeigen schon die Zitate vorweg aus "Clueless" und von Toni Morrison - kann ein Roman eigentlich besser beginnen?

In dem Roman geht es um Jess, die einen Job als Analystin bei Goldman Sachs in New York ergattert. Doch ihr Traumjob wird schnell von der unangenehmen Wiederbegegnung mit Josh getrübt, der sie schon während ihres Studiums mit seinen konservativen Ansichten irritiert hat. Doch überraschenderweise entwickelt sich Josh bald zu ihrem engsten Verbündeten im Büro – und Jess kann als einzige Frau und einzige Schwarze dort jeden Verbündeten gut gebrauchen. Daraus entwickelt sich bald noch mehr, auch wenn Joshs und Jess‘ unterschiedliche Erfahrungswelten immer wieder zwischen ihnen stehen. So fragt sich Jess immer wieder, ob sie jemanden lieben kann, der nicht anerkennt, dass Rassismus Chancengleichheit entgegensteht - und der möglicherweise sogar zum Trump-Wähler werden wird?

Während Jess und Josh sich zwischen Liebe und Grabenkämpfen hin- und hergerissen fühlen, fühlte ich mich bestens unterhalten, insbesondere weil der Roman zwischendurch immer wieder richtig spannend wird, um dann wieder nachdenklich zu machen. Die Figuren in "Alles gut" sind authentisch ausgearbeitet und realistisch dargestellt. Jess‘ und Joshs Beziehung ist komplex und facettenreich, voller Höhen und Tiefen. Dabei behandelt der Roman Themen wie Rassismus, Sexismus und Vorurteile auf eine ehrliche Weise und legt immer wieder den Finger in die Wunde, die eigenen Ansichten gründlich zu prüfen. Trotzdem schafft es die Autorin, diese ernsten Themen mit einer Leichtigkeit zu präsentieren, die gut unterhält und mich zum Lachen und zum Weinen gebracht hat.

Insgesamt ist "Alles gut" eine intelligente Romcom, die für offene Gespräche auch bei völlig gegensätzlichen Ansichten wirbt. Ich kann diesen Roman jedem empfehlen, der auf der Suche nach einer unterhaltsamen und gleichzeitig anspruchsvollen Lektüre ist.

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Veröffentlicht am 24.03.2024

Empathische Einblicke

Nachbarn
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Diane Olivers Kurzgeschichtenband "Nachbarn" ist eine Sammlung von Geschichten, die nicht nur die sozialen Umstände ihrer Zeit einfangen, sondern auch zeitlose Fragen über Identität und Vorurteile aufwerfen. ...

Diane Olivers Kurzgeschichtenband "Nachbarn" ist eine Sammlung von Geschichten, die nicht nur die sozialen Umstände ihrer Zeit einfangen, sondern auch zeitlose Fragen über Identität und Vorurteile aufwerfen. Mit einem einfühlsamen und empathischen Schreibstil zeigt Oliver die Welt verschiedener Charaktere, vor allem Frauen, die mit den Herausforderungen und Konflikten der amerikanischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre konfrontiert sind. Die Autorin zeigt eine bemerkenswerte Vielfalt an Perspektiven und schafft es dabei, die komplexen Dynamiken zwischen Rasse, Klasse und Geschlecht zu erkunden.

Jede Geschichte in "Nachbarn" zeichnet sich durch genaue und einfühlsame Beobachtungen aus, die Empathie für unterschiedlichste Situationen ermöglichen. Von der Entscheidung einer Familie, ihren Sohn auf eine weiße Schule zu schicken, bis hin zu einem Paar, das durch rassistische Übergriffe zur Flucht in den Wald getrieben wird, werden die Leserinnen und Leser mit einer Bandbreite von menschlichen Erfahrungen konfrontiert.

Besonders bemerkenswert ist, dass diese Sammlung von Geschichten von einer Autorin stammt, die erst Anfang 20 war. Diane Oliver zeigt eine reife Herangehensweise an ihre Themen, die weit über ihr Alter hinausgeht. "Nachbarn" ist nicht nur eine eindringliche Darstellung der amerikanischen Geschichte, sondern gewährt Einblicke in die menschliche Natur und unsere Beziehungen zueinander.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Zwischen Hallstatt und Boluo

Selbe Stadt, anderer Planet
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"Selbe Stadt, anderer Planet" spielt im dörflichen österreichischen Hallstatt und dem pulsierenden China, insbesondere der Region Boluo, in dem ein chinesisches Hallstatt nachgebaut wurde. Mit einem poetisch-melancholischen ...

"Selbe Stadt, anderer Planet" spielt im dörflichen österreichischen Hallstatt und dem pulsierenden China, insbesondere der Region Boluo, in dem ein chinesisches Hallstatt nachgebaut wurde. Mit einem poetisch-melancholischen Schreibstil, der niemals in Kitsch abdriftet, entfaltet sich vor dieser Kulisse die Geschichte von vier Protagonisten, die mit Witz, Ironie und netten kleinen Details erzählt wird.

Die Handlung dreht sich um die Ärztin Johanna, die nach dem Tod ihres Vaters die väterliche Praxis in Hallstatt übernimmt. Ihre Zwillingsschwester Doris, die nie aus Hallstatt weggegangen ist, lebt das traditionelle Dorfleben, ebenfalls ohne große Träume zu haben. Ein weiterer Charakter ist Andrej, ein Experte für Degrowth, der bewusst aufs Land gezogen ist, nur um sich nun dort zu langweilen. Im Kontrast dazu steht der chinesische Tourismusexperte Ren, der in Österreich aufgewachsen ist. Im Auftrag der chinesischen Regierung soll er sich mit dem Phänomen des übermäßigen chinesischen Tourismus‘ in Hallstatt auseinandersetzen. Diese Aufgabe führt ihn dazu, Hallstatt in China nachzubauen, und von weiteren ambitionierten touristischen Großbauprojekten zu träumen. Während sich die Dorfbewohner allesamt mit ihrer Situation abgefunden zu haben scheinen, ist er getrieben von immer neuen Ideen.

"Selbe Stadt, anderer Planet" ist nicht nur eine Geschichte über Heimat und Zugehörigkeit, sondern auch eine Reflexion über Globalisierung und kulturelle Vielfalt. Ren verkörpert das bunte und queere Leben, das im starken Kontrast zum eher traditionellen Lebensstil von Johanna, Doris und Andrej steht. Durch die vier Charaktere erhält man einen Einblick in die Komplexität der globalen Dynamiken und die Auswirkungen des Massentourismus auf lokale Gemeinschaften. Insgesamt haben mir die gelungene Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge, die Charaktere und der Schreibstil gut gefallen. Eine Empfehlung auch für alle, die sich für Reiseliteratur interessieren!

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Fantasievoll

Cato und die Dinge, die niemand sieht
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"Cato und die Dinge, die niemand sieht" ist ein bemerkenswerter Jugendroman, der durch die Mischung aus Melancholie und Fantasie sehr besonders ist. Die Geschichte dreht sich um Cato, ein Mädchen, das ...

"Cato und die Dinge, die niemand sieht" ist ein bemerkenswerter Jugendroman, der durch die Mischung aus Melancholie und Fantasie sehr besonders ist. Die Geschichte dreht sich um Cato, ein Mädchen, das in einem Haushalt voller Traurigkeit und Verlust aufwächst. Mit ihrem depressiven Vater als einziger Begleitung ist sie auf der Suche nach Antworten, insbesondere bezüglich ihrer Mutter, die sie nie kennengelernt hat.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Cato eine geheimnisvolle Visitenkarte findet, die sie zu Frau Kano und ihrem unkonventionellen Kino führt. Dort entdeckt sie die Möglichkeit, durch besondere Filme eine Verbindung zu ihrer Mutter herzustellen. Die Idee von "Filmen, die nirgends laufen, die du aber schon immer sehen wolltest" fesselt nicht nur Cato, sondern auch die Leser:innen, und eröffnet eine Welt voller Magie und Hoffnung. Die Beschreibungen sind einfühlsam und poetisch, es gibt jedoch auch immer wieder sehr spannende Passagen.

Obwohl der Roman insgesamt einfallsreich ist, kommt das Ende sehr plötzlich und wirkt etwas zu leicht gelöst im Vergleich zu der emotionalen Tiefe, die zuvor aufgebaut wurde. Dennoch: Wer sich auf eine melancholische, aber gleichzeitig faszinierende Geschichte einlassen möchte, wird von diesem Roman sicherlich nicht enttäuscht sein.

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