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Veröffentlicht am 03.05.2020

Ein leicht freakiger und am Ende tiefgründiger Jugendroman

Frankly in Love
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Der Einstieg in diesen Jugendroman ist mir nicht ganz so leicht gefallen. Durch den betont lockeren und gewollt jugendlichen Schreibstil entsteht schnell eine überdrehte Atmosphäre und an die Art von Humor ...

Der Einstieg in diesen Jugendroman ist mir nicht ganz so leicht gefallen. Durch den betont lockeren und gewollt jugendlichen Schreibstil entsteht schnell eine überdrehte Atmosphäre und an die Art von Humor musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Doch nach einigen Kapiteln weicht die Überdrehtheit ein wenig zur Seite und die wirklich ernsthafte Thematik kommt an die Oberfläche. Eine Thematik, über die man nie müde werden darf, nachzudenken. Alltagsrassismus. In »FRANKLY IN LOVE« geht es nicht um die körperliche und gewalttätige Art von Rassismus, sondern vielmehr um die Denkweise unterschiedlicher Gruppen und die festgefahrene Erwartungshaltung von nicht integrierten Einwanderern an ihre vorbildlich integrierten Kinder.

Wie resigniert der jugendliche Protagonist Frank, ein koreanischstämmiger Amerikaner, mit der rassistischen Einstellung seiner Eltern umgeht, ist interessant zu beobachten und gleichzeitig erschreckend mit anzusehen.
Da der Autor David Yoon (übrigens der Ehemann der erfolgreichen Autorin Nicola Yoon) selbst koreanischstämmiger Amerikaner ist, konnte er sich gut in die Lage seiner Charaktere hineinversetzen und es fühlt sich so an, als habe er auch viel Persönliches mit in die Handlung einfließen lassen.

Trotz der beeindruckend authentischen Darstellung der anhaltenden rassistischen Probleme im Alltag von Frank und seinem afroamerikanischen Freund entstehen in der Handlung einige Längen und die betont jugendlich-freakige Sprache abseits der Dialoge ist wirklich anstrengend zu lesen. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass die deutsche Übersetzung ihren Teil zur anstrengenden Sprache beigetragen hat. Denn man stolpert häufig über die absurdesten Ausdrücke wie z. B. “Affenspiegel” für Smartphone. What?!

Insgesamt hat mich der Debütroman »FRANKLY IN LOVE« von David Yoon trotzdem gut unterhalten. Über die merkwürdigen deutschen Begriffe konnte ich nach einer Weile hinwegsehen und die freakigen Charaktere habe ich am Ende sogar liebgewonnen. Die Botschaft, dass man jeden lieben darf, den man lieben möchte, ist unglaublich wichtig und wie David Yoon sie übermittelt, ist absolut authentisch.
Mich hat diese herzerwärmende und leicht nerdige Geschichte zum Nachdenken angeregt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2020

Grandios illustriertes Vorlesebuch mit einer sehr kurzen Story

Hasen rasen mit dem Bus
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Das Vorlesebuch von Philip Ardagh »HASEN RASEN MIT DEM BUS« erzählt die verrückte Geschichte einer Hasentruppe, die mit dem Bus quer durch Mümmelburg rast. Da müssen die Bewohner besonders gut aufpassen, ...

Das Vorlesebuch von Philip Ardagh »HASEN RASEN MIT DEM BUS« erzählt die verrückte Geschichte einer Hasentruppe, die mit dem Bus quer durch Mümmelburg rast. Da müssen die Bewohner besonders gut aufpassen, denn so ein schneller Bus voller Hasen, kann sehr gefährlich sein.

Zuallererst fällt den Lesern, egal ob jung oder alt, natürlich das zuckersüße Cover ins Auge. Dass sich diese wundervollen Illustrationen durchs gesamte Buch ziehen, ist das Schönste an diesem Werk. Hier kann man die Arbeit des Künstlers Ben Mantle einfach nur über alle Maße loben.

Die kurze Geschichte ist zum größten Teil in sich reimende Verse aufgebaut, was ich persönlich beim Vorlesen immer sehr mag. Allerdings wiederholen sich manche Sätze unregelmäßig, was für mein Gefühl kaum Sinn ergibt und ehr verwirrt.

Zudem finde ich schade, dass es eigentlich nur die Illustrationen sind, die die kleinen Leser an die Seiten fesseln. Von der ereignislosen Story selbst, bleibt nicht wirklich viel im Gedächtnis hängen.

Dass es neben den rasenden Hasen noch eine weitere kleine Bildergeschichte zu entdecken gibt, haben wir erst später bemerkt.
Wenn man sich die Illustrationen ganz genau anschaut, gibt es direkt zu Anfang Hinweise auf einen Gefängnisausbruch. Zwei Eichhörchnchen-Banditen befinden sich auf der Flucht und werden über alle Buchseiten von der ziemlich ratlosen Polizei gejagt. Das ist wirklich spaßig und das gemeinsame Suchen gefällt den Kindern beim Vorlesen sehr.

Alles in allem ist »HASEN RASEN MIT DEM BUS« ein großartig illustriertes und detailverliebtes Vorlesebuch, das seine jungen Leser zum Lächeln bringt. Dass die Geschichte handlungstechnisch nicht viel hergibt, ist ziemlich schade. Dennoch macht es Spaß, sich gemeinsam mit den Kindern dieses Buch anzuschauen und die unterschiedlichen Szenen am Rande der Hauptgeschichte zu interpretieren.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2020

Eine Liebesgeschichte, die mit den Seiten immer tiefgründiger wird

Nächstes Jahr am selben Tag
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In dem Jugendroman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« geht es um die Studentin Harper, die sich, gemeinsam mit ihrer überarbeiteten Mutter, um ihren kleinen, autistischen Bruder kümmert. Sie lernt am College ...

In dem Jugendroman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« geht es um die Studentin Harper, die sich, gemeinsam mit ihrer überarbeiteten Mutter, um ihren kleinen, autistischen Bruder kümmert. Sie lernt am College den vermeintlichen Aufreißer Ashton kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch auch er hat mit familiären Problemen zu kämpfen…

Die wunderschöne und erfrischend andersartige Buchgestaltung hat mich auf eine tiefgründige Liebesgeschichte hoffen lassen, doch leider erzählt dieses Buch eine vorhersehbare und leicht kitschige College-Romanze, bei der ich oft die Augen verdrehen musste.

Dabei konnte mich der leichtgängige Schreibstil sofort überzeugen und in die Geschichte ziehen, doch mit den Protagonisten konnte ich mich keinen Moment anfreunden. Die Distanz, die ich von Beginn an spürte, wurde mit den Seiten leider nur größer.

Den magischen Moment, als sich die Protagonisten ineinander verliebt haben sollen, habe ich überhaupt nicht wahrgenommen… Die Entwicklung der Liebesgeschichte war mir auch danach einfach zu nüchtern und trotz leidenschaftlicher Momente merkwürdig leidenschaftslos.

Dass sich Harper, nachdem ihr der wunderbare Ashton von seiner traumatischen Vergangenheit erzählt hat, allerdings nicht traut, ihm von ihrem autistischen Bruders zu erzählen, konnte ich nicht nachvollziehen. Dass sich die gesamte Geschichte primär um das Wahren dieses Geheimnisses dreht, hat mich leider ziemlich genervt. Ich mag es nicht, wenn künstlich erzeugte Dramen unnötig in die Länge gezogen werden.

Gefallen haben mir hingegen die familiären Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren. In die jeweilige Situation kann man sich gut hinein fühlen. Loben möchte ich aber ganz besonders die einfühlsame und realistische Darstellung der autistischen Verhaltensweisen des kleinen Bruders der Protagonistin. Diese Passagen haben mich berührt und beeindruckt.

Alles in allem konnte der Roman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Da ich eine vollkommen andere Liebesgeschichte erwartet habe, kam ich mit der überraschend naiven und teils kitschigen Handlung nicht gut zurecht.

Wer auf der Suche nach einer leichten College-Romanze ohne Tiefgang ist, ist mit »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« gut beraten.
Mir persönlich fehlte hier einfach zu viel…

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2020

Eine naiv-kitschige Liebesgeschichte, von der ich mehr erwartet habe

Das Licht von tausend Sternen
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In dem Jugendroman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« geht es um die Studentin Harper, die sich, gemeinsam mit ihrer überarbeiteten Mutter, um ihren kleinen, autistischen Bruder kümmert. Sie lernt am College ...

In dem Jugendroman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« geht es um die Studentin Harper, die sich, gemeinsam mit ihrer überarbeiteten Mutter, um ihren kleinen, autistischen Bruder kümmert. Sie lernt am College den vermeintlichen Aufreißer Ashton kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch auch er hat mit familiären Problemen zu kämpfen…

Die wunderschöne und erfrischend andersartige Buchgestaltung hat mich auf eine tiefgründige Liebesgeschichte hoffen lassen, doch leider erzählt dieses Buch eine vorhersehbare und leicht kitschige College-Romanze, bei der ich oft die Augen verdrehen musste.

Dabei konnte mich der leichtgängige Schreibstil sofort überzeugen und in die Geschichte ziehen, doch mit den Protagonisten konnte ich mich keinen Moment anfreunden. Die Distanz, die ich von Beginn an spürte, wurde mit den Seiten leider nur größer.

Den magischen Moment, als sich die Protagonisten ineinander verliebt haben sollen, habe ich überhaupt nicht wahrgenommen… Die Entwicklung der Liebesgeschichte war mir auch danach einfach zu nüchtern und trotz leidenschaftlicher Momente merkwürdig leidenschaftslos.

Dass sich Harper, nachdem ihr der wunderbare Ashton von seiner traumatischen Vergangenheit erzählt hat, allerdings nicht traut, ihm von ihrem autistischen Bruders zu erzählen, konnte ich nicht nachvollziehen. Dass sich die gesamte Geschichte primär um das Wahren dieses Geheimnisses dreht, hat mich leider ziemlich genervt. Ich mag es nicht, wenn künstlich erzeugte Dramen unnötig in die Länge gezogen werden.

Gefallen haben mir hingegen die familiären Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren. In die jeweilige Situation kann man sich gut hinein fühlen. Loben möchte ich aber ganz besonders die einfühlsame und realistische Darstellung der autistischen Verhaltensweisen des kleinen Bruders der Protagonistin. Diese Passagen haben mich berührt und beeindruckt.

Alles in allem konnte der Roman »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Da ich eine vollkommen andere Liebesgeschichte erwartet habe, kam ich mit der überraschend naiven und teils kitschigen Handlung nicht gut zurecht.

Wer auf der Suche nach einer leichten College-Romanze ohne Tiefgang ist, ist mit »DAS LICHT VON TAUSEND STERNEN« gut beraten.
Mir persönlich fehlte hier einfach zu viel…

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

Ein beklemmender Thriller mit langatmigen Passagen im Mittelteil

Liebes Kind
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Romy Hausmanns »LIEBES KIND« ist ein subtiler Thriller, der aus verschiedenen Blickwinkeln die Chronik einer Entführung erzählt. Das Motiv dieser Tat ist die kranke Idee eines Mannes, der das Idealbild ...

Romy Hausmanns »LIEBES KIND« ist ein subtiler Thriller, der aus verschiedenen Blickwinkeln die Chronik einer Entführung erzählt. Das Motiv dieser Tat ist die kranke Idee eines Mannes, der das Idealbild einer Familie erschaffen möchte.

Der Thriller beginnt mit dem Gedankengang einer jungen Frau, die sich plötzlich in einer düsteren Hütte wiederfindet, in der zwei Kinder leben. Sie wird gezwungen, die Mutter für sie zu spielen und soll auf den Namen Lena hören.
Vor über 14 Jahren ist die Studentin Lena Beck entführt worden und ihre Eltern haben die Hoffnung nie aufgeben, ihre vermisste Tochter lebend zu finden. Ist es möglich, dass die entführte Frau den Platz der vermissten Studentin einnehmen soll? Doch was ist mit Lena passiert?

Schon im Vorfeld haben mich unzählige begeisterte Leserstimmen sehr neugierig gemacht, und ja, die Handlung ist erschreckend, aufwühlend und absolut unvorhersehbar. Mir hat dieses Thriller-Debüt gefallen, trotzdem trüben kleine Kritikpunkte den sonst so positiven Gesamteindruck.

»LIEBES KIND» wird abwechselnd aus drei Perspektiven heraus erzählt. So durchlebt man die Ängste der entführten Frau, die Verzweiflung von Lena Becks Vater und die manipulierte Denkweise des Mädchens aus der Hütte mit, die durch eine autistische Verhaltensweise brutal rational und systematisch denkt. Die unterschiedlichen Lagen sind emotional aufwühlend und lassen einen noch tiefer in die Handlung und die Seelen der Charaktere blicken.

Zwischen atmosphärisch sehr dichten Passagen gibt es aber leider auch das ein oder andere langatmige Kapitel. Besondere die Episoden der psychisch manipulierten Tochter sind nicht immer leicht zu lesen. Zwanghaft wiederholt sie immerzu die gleichen Gedanken. Das macht die autistischen Zügen auf der einen Seite zwar realistisch, auf der anderen ist es auch sehr anstrengend.

Die Handlung beginnt an einem extrem spannenden Punkt und flaut im Mittelteil spürbar ab. Doch zum Schluss schnellt die Spannungskurve durch mysteriöse Hinweise, unerwartete Wendungen und erschreckenden Erkenntnissen wieder in die Höhe. Die Ereignisse überschlagen sich im Finale und endet in einem packenden Showdown, der einem kurz den Atem verschlägt.

»LIEBES KIND« ist ein komplex durchdachtes und psychologisch leicht verstörendes Werk, das definitiv einen Nerv bei Thriller-Fans trifft. Mich hat dieses Debüt gut unterhalten. Über kleine Schwächen im Mittelteil kann man rückblickend gut hinwegsehen, da die sich überschlagendenden Ereignisse zum Ende hin einfach zu einnehmend sind.

Wer interessante Thriller fernab von gängigen Klischees sucht und Romane im Stil von »RAUM« (Emma Donoghue) mag, der sollte Hausmanns »LIEBES KIND« unbedingt lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere