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Veröffentlicht am 29.12.2017

Erschreckend realistisch und richtig gut!

Die Optimierer
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Im Jahre 2052 lebt die Menschheit in einer sogenannten Optimalwohlokonomie. Das hört sich zunächst gar nicht schlecht an, denn jeder Mensch hat seinen eigenen, für ihn bestimmten Platz in der Gesellschaft, ...

Im Jahre 2052 lebt die Menschheit in einer sogenannten Optimalwohlokonomie. Das hört sich zunächst gar nicht schlecht an, denn jeder Mensch hat seinen eigenen, für ihn bestimmten Platz in der Gesellschaft, es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen und für alle ist gesorgt.
In dieser Gesellschaft lebt auch Lebensberater Samson Freitag, der Menschen verbindlich berät was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Er ist gut in seinem Job und überzeugt vom System. Zumindest bis eines Tages etwas schief läuft und er einen Fehler begeht…

Dieses Buch hat mich sofort angesprochen. Das Szenario klang total verrückt und so musste ich Die Optimierer unbedingt lesen.
Zu Beginn habe ich irgendwie überhaupt nicht so richtig wahrgenommen, dass es sich um eine dystopische Geschichte handelt. Für mich war besonders der Anfang mit der ersten Szene von Samsons Lebensberatung eher amüsant. Erst nach und nach verstand ich, dass hier ja tatsächlich um viel mehr geht. Und wirklich erschreckend war dann die Erkenntnis, dass dieses gesamte Szenario unheimlich nah an der Realität ist.

Samson war ein Protagonist, den ich sofort mochte, obwohl er eigentlich ein richtiger Korinthenkacker ist. Er ist völlig naiv und hat sich total dem System verschrieben. Einem System, das seine Bürger komplett überwacht, alles mitbekommt und jedem auch vorschreibt, was er zu tun oder zu lassen hat. Geht man mit der Masse und hält sich an Konventionen, dann hat man keine Schwierigkeiten. Ist man jedoch anders, dann wird man abgestraft durch Punkteabzug. Genau diese Sozialpunkte sind für Samson unheimlich wichtig und er tut alles für diese Punkte. Natürlich sind das alles gute Taten, aber die Motivation dahinter stimmt einfach nicht. Samson sieht die Menschen nicht mehr als Individuum, sondern nur als Teil eines Systems. Für ihn ist es also ein großer Schreck als er erfährt, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich diesem System entziehen. Als er selbst schließlich an den Rand eben dieses Systems gedrängt wird, ist er gezwungen endlich in der Realität anzukommen.

Samsons Entwicklung fand ich sehr nachvollziehbar und total interessant. Zunächst wird dieses System ja auch als wirklich sympathisch angepriesen. Beinahe schon wie eine wirklich optimale Gesellschaft. Erst nach und nach zeigt sich, dass dieses System alles andere als optimal ist. Und genau dies findet auch unser Protagonist erst nach und nach heraus.

Dieses Debüt von Theresa Hannig hat irre viel Spaß gemacht. Sie hat es wirklich geschafft eine Gesellschaft zu konstruieren, bei der man sich vorstellen könnte, dass sich unsere heutige Gesellschaft genau dahin entwickeln wird. Schon heute wird immer mehr durch Technik möglich, immer mehr Maschinen ersetzen Menschen und immer mehr Überwachung findet statt.

Fazit

Theresa Hannig hat mit Die Optimierer eine erschreckend realistische dystopische Geschichte geschrieben, die mir persönlich viel Lesespaß beschert hat. Die Idee ist wahnsinnig gut umgesetzt und vor allem die männliche Hauptfigur brilliert. Ein wirklich starkes Debüt, welches den Nerv der heutigen Zeit trifft!

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Idee/Originalität
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.11.2017

Mal wieder super spannend!

Origin
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Robert Langdon folgt einer Einladung seines guten Freundes Edmond Kirsch und begibt sich nach Spanien, ins Guggenheim-Museum in Bilbao, wo Kirsch für den Abend eine Präsentation besonderer Art angesetzt ...

Robert Langdon folgt einer Einladung seines guten Freundes Edmond Kirsch und begibt sich nach Spanien, ins Guggenheim-Museum in Bilbao, wo Kirsch für den Abend eine Präsentation besonderer Art angesetzt hat. Zahlreiche einflussreiche Persönlichkeiten sind geladen und laut Kirsch soll es sich bei dieser Präsentation um eine Entdeckung biblischen Ausmaßes handeln. Doch noch bevor Kirschs Entdeckung publik wird, wird der langjährige Freund Langdons erschossen. Wer waren die Täter und was verdammt war die großartige Entdeckung? Kann Langdon diese Rätsel noch lösen?

Da ist er also endlich! Der fünfte Roman rund um unseren altbekannten Symbologen Robert Langdon. Und ich bin hin und her gerissen zwischen “Super! Besser als der letzte Band” und “Tja, aber nicht so gut wie die ersten Bände”.
"Inferno" fand ich ja schon viel besser als den Vorgänger "Das verlorene Symbol", aber Origin legt hier doch nochmal eins drauf, auch wenn es auch hier noch einige Kritikpunkte gibt.

"Origin" umfasst knapp 670 Seiten und man kann sich vorstellen, dass die Kapitel bei einer Anzahl von über 100 recht kurz sind. Mir persönlich gefällt das gut, so fliegt man geradezu durch das Buch und will immer „nur noch ein weiteres“ Kapitel lesen, bis man schließlich doch schon beim Epilog angekommen ist.
Optisch gefällt es mir ebenfalls sehr gut und fügt sich nahtlos in die Reihe der neu gestalteten Cover der bisherigen Romane ein. Und der Schriftzug weißt dieses Buch auch eindeutig wieder als einen Dan Brown Roman aus.

Dan Brown hat es hier wieder geschafft eine wirklich tolle und spannende Thriller-Handlung in viele wissenschaftliche Hintergründe zu betten. So erfahren wir in diesem Buch viel über den Spanischen Künstler Gaudi. Auch hier gibt es wieder etliche Anreize zu googlen, vor allem nach den erwähnten Gebäuden, die eine Rolle spielen in diesem Buch.
Ich finde es wirklich klasse, wie Dan Brown es schafft, solche historischen und kunsthistorischen Hintergründe wirklich spannend zu verkaufen, so dass man auch nach Beendigung des Buches noch Lust auf die Thematik hat. Auch gefallen mir Browns wirklich authentische Beschreibungen aller Schauplätze. Ich hatte auch dieses Mal wieder das Gefühl, als ginge ich mit auf eine abenteuerliche Reise durch Spanien.

Auch die Ausführungen zum spanischen Königshaus haben mir gut gefallen, obwohl diese natürlich fiktiv waren. Dennoch hat es mich dazu gebracht mich auch ein wenig näher damit zu beschäftigen.

Obwohl auch Robert Langdons nunmehr fünftes Abenteuer wieder ähnlich aufgebaut ist wie auch die anderen Bände, fand ich diesen Band dennoch erfrischend und voller – teils überraschender – Wendungen. Natürlich ist das gesamte Abenteuer und speziell die Handlung nicht immer sehr realistisch, aber das muss es ja auch nicht, schließlich handelt es sich um eine fiktive Geschichte, die unterhalten soll, und das tut sie. Sehr gut sogar. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass Dan Brown hier ein Thema behandelt, dass gar nicht so weit ab von unserer nahen realen Zukunft ist.

Das Hauptthema, das bereits vom Titel verraten wird, beschäftigt sich mit den Wurzeln und dem Sinn der Menschheit, den Leitfragen "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?". Natürlich kann man nicht erwarten, dass Dan Brown hier wirklich wissenschaftliche Erkenntnisse liefert, sonst wäre es kein Roman, sondern ein bahnbrechendes wissenschaftliches Werk. Deswegen war meine Erwartungshaltung bezüglich der Auflösung auch entsprechend. Dennoch wurde ich nicht enttäuscht, denn ich fand das Ende wirklich klasse und gut gelöst! Und es war dieses mal auch tatsächlich nicht so, dass man direkt von Beginn an dahinter kommen konnte. Klasse!

Langdon ist mir als Leser zwar mittlerweile ans Herz gewachsen, aber ehrlich gesagt bleibt er als Person, als Mensch recht austauschbar, was ich mittlerweile ein wenig schade finde. Ein bisschen mehr Persönlichkeit sollte der Held im fünften Band dann doch schon entwickelt haben, meiner Meinung nach.
In diesem Band gibt es neben einer weiteren weiblichen Protagonistin – wie immer eben – auch Winston, eine künstliche Intelligenz, die ich wirklich klasse fand! Dieser Side-Kick hatte für mich in diesem Roman wirklich das gewisse Etwas mitgebracht, was das ganze wirklich erfrischt hat. Sehr klasse!

Fazit
"Origin" von Dan Brown fand ich wieder besser als den letzten Band um Robert Langdon und bin sehr froh darüber. Dan Brown hat hier wieder einen tollen Thriller mit viel Hintergrund geschaffen, der einfach Spaß macht, zum Nachdenken und zum weiter Informieren anregt und die Mehrheit der Menschen wohl mit der Thematik ansprechen wird. Von mir gibt es für dieses Buch die volle Sternzahl!

  • Cover
  • Spannung
  • Tempo
  • Atmosphäre
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 22.09.2017

Toll erzählt, aber mit der nötigen emotionalen Distanz

54 Minuten
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Es scheint ein ganz normaler Schultag zu sein. Während Autumn und Sylv mit den meisten ihrer Mitschüler in der Aula der neuen Ansprache der Direktorin lauschen und Tomás zur selben Zeit ins Büro der Schule ...

Es scheint ein ganz normaler Schultag zu sein. Während Autumn und Sylv mit den meisten ihrer Mitschüler in der Aula der neuen Ansprache der Direktorin lauschen und Tomás zur selben Zeit ins Büro der Schule einbricht um an Informationen zu gelangen, läuft Claire mit ihrer Laufgruppe den Ascheplatz entlang als plötzlich Schüsse zu hören sind. Tyler ist wieder in der Schule. Und er hat eine Waffe, die er auch gebraucht. Innerhalb von 54 Minuten wird das Leben an der Opportunity High School für alle ganz anders …

In den letzten Jahren nahmen Amokläufe in Schulen immer mehr zu und schon viele Autoren versuchten darüber – mehr oder weniger erfolgreich – zu schreiben. Auf dieses Buch von der niederländischen Autorin Marieke Nijkamp, die zwar in den Niederlanden wohnt, aber auf Englisch schreibt, war ich ziemlich gespannt.
In den USA war dieser Roman bereits auf den Bestsellerlisten und es spielt auch in den USA, in Alabama.

Nijkamp beschreibt einen Zeitraum von insgesamt 54 Minuten an einem Vormittag, wenn man vom Epilog mal absieht, und erzählt die Geschichte aus der Sicht von vier Jugendlichen.
Sylv und Tomás sind Geschwister und haben ein sehr enges Verhältnis. Sie würden alles füreinander tun. Autumn ist die Freundin von Sylv, was aber bislang die wenigsten wissen. Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater gewalttätig und ihr Bruder ist Tyler, der Attentäter, der seine Schwester für seine Misere mit verantwortlich macht. Claire ist in der Laufgruppe der Schule und die Ex-Freundin von Tyler. Sie alle kennen sich mehr oder minder gut, aber sie alle haben irgendeine Verbindung zu Tyler.
Wir lernen im Laufe der Geschichte noch weitere Figuren kennen, aber aus der Sicht dieser vier Jugendlichen wird die Geschichte erzählt.

Obwohl es ein wirklich heikles Thema ist, wahrt die Autorin hier bis zum Schluss die Distanz. Ich habe mich nie komplett in die Geschichte involviert gefühlt, ich habe mit den Figuren zwar mitgefiebert und bin selbst wie in Trance durch die Geschehnisse gehetzt, aber ohne da wirklich emotional tief drin zu stecken. Das finde ich bei solchen Geschichten tatsächlich eher gut als schlecht. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Menschen in solchen Extremsituationen auch tatsächlich ähnlich geht, trotz der Angst, einfach aus einem Schutzmechanismus heraus. Man funktioniert. So habe ich es als Leser auch während des Lesens empfunden und das war auch gut so.
Erst zum Ende, beim Epilog, als quasi schon alles vorbei war, musste ich selbst ziemlich schlucken und mir die Tränen verkneifen, denn erst da ist mir selbst begreiflich gewesen, was auf den vorhergegangenen Seiten alles passiert war. Das fand ich schon eine mega-Leistung der Autorin. Wirklich sehr, sehr gut geschrieben.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen und trotz vieler Ereignisse, die für alle Figuren des Buches nicht leicht zu bewältigen waren, hat auch jeder sein eigenes Päckchen getragen und auch hin und wieder bei seinem Nachbarn mit angefasst. Nur Tyler, der Täter in diesem Buch, hat diese Bürde nicht mehr tragen können. Die Gründe dafür waren vielfältig und kamen hier teils ein wenig zu kurz. Andererseits gibt es aber auch eigentlich keinen Grund, der eine solche Tat rechtfertigen könnte. Diese Botschaft ist auch ganz klar angekommen.

Fazit

54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe von Marieke Nijkamp hat mich sehr an die Seiten gefesselt und obwohl ich als Leser immer die emotionale Distanz wahren konnte, habe ich selbst erst auf den letzten Seiten wirklich begriffen was in der kurzen Zeit alles geschehen war. Eine tolle schriftstellerische Leistung von Marieke Nijkamp!

Veröffentlicht am 22.09.2017

Nicht so außergewöhnlich wie erhofft

Ivory and Bone
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Als Kol, der älteste Sohn des Anführers des Manu-Clans, die 17jährige Mya aus dem Olen-Clan zum ersten mal sieht, verliebt er sich Hals über Kopf in sie und wünscht sich nichts sehnlicher als ihre Zuneigung. ...

Als Kol, der älteste Sohn des Anführers des Manu-Clans, die 17jährige Mya aus dem Olen-Clan zum ersten mal sieht, verliebt er sich Hals über Kopf in sie und wünscht sich nichts sehnlicher als ihre Zuneigung. Sie aber scheint ihn zu hassen, denn durch ihn fühlt sie sich an ein Ereignis erinnert, dass vor fünf Jahren beinahe einen Krieg zwischen den ansonsten befreundeten Clans ausgelöst hätte. Während Kols Bemühungen um Mya kommt der Clan der Bosha zu Besuch und auch dort gibt es Mädchen, die Kol imponieren. Und die Clans müssen sich miteinander verbinden um ihr Überleben zu sichern …

Ivory & Bone – Die Geschichte von Mya und Kol hörte sich wirklich sehr außergewöhnlich an, denn die Geschichte spielt in einer längst vergangenen Zeit, als Mammuts noch gelebt haben. Ich war also sehr gespannt auf diese Geschichte und neugierig, was mich erwarten würde.
Hier angekommen lag das Buch also auch nicht lange bevor ich es mir schnappte und es mir damit an einem Nachmittag gemütlich machte.

Das Cover ist wirklich schön, verrät aber mit seiner recht schlichten Gestaltung nicht allzu viel vom Inhalt.
Das Buch lässt sich gut lesen. Obwohl es in einer längst vergangenen Zeit spielt, ist die Ausdrucksweise keine besondere. Man muss sich also vor außergewöhnlichen Formulierungen oder einer ungewohnten Sprache nicht fürchten.
Die Geschichte wird in der ersten Person aus Kols Sicht erzählt. Tatsächlich erzählt er seine und Myas Geschichte Mya selbst wie es der Prolog verrät. Wie es dazu kommt, das erfahren wir im Laufe der Geschichte.

Mit Kol haben wir einen sehr überlegten und ruhigen Protagonisten, der so gänzlich anders war, als ich mir einen jungen Mann dieser Zeit vorgestellt hätte. Hier ging es nicht um die sprichwörtliche Keule, die dem Objekt der Begierde, also dem Mädchen, auf dem Kopf gedonnert wurde um sie dann an den Haaren hinter sich her in die Höhle zu ziehen. Hier ging es um ein respektvolles Miteinander, darum sich die Aufmerksamkeit und Zuneigung durch große und mutige Taten zu verdienen.

Das Überleben der Clans kam mir aber doch zum großen Teil viel zu einfach beschrieben vor. Natürlich kann ich nicht beurteilen wie die Menschen damals gelebt haben, aber ich hätte es mir viel schwieriger vorgestellt. Dies hier erinnerte eher einen Zeltausflug in der Wildnis. An dieser Stelle hätte ich mir die Besonderheiten dieser Zeit noch viel stärker ausgeprägt gewünscht.

Fazit

Mir hat Ivory & Bone – Die Geschichte von Mya und Kol ganz gut gefallen. Sie war zwar nicht so außergewöhnlich wie erhofft, denn die typischen Elemente dieser Zeit wogen jetzt nicht so schwer wie sie es gekonnt hätten, bzw. wie ich es erwartet hätte. Es war ein schöner Jugendroman in der es natürlich ums Überleben ging, aber vor allem auch um die Liebe.

Veröffentlicht am 22.09.2017

Ein absolutes Highlight!

Scythe – Die Hüter des Todes
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Die Welt in einer fernen Zukunft. Der Tod ist überwunden und es gibt keine Geheimnisse mehr. Regierungen gibt es nicht mehr, alles wird in gerechter Weise vom allmächtigen Thunderhead, einer künstlichen ...

Die Welt in einer fernen Zukunft. Der Tod ist überwunden und es gibt keine Geheimnisse mehr. Regierungen gibt es nicht mehr, alles wird in gerechter Weise vom allmächtigen Thunderhead, einer künstlichen Intelligenz verwaltet. Da niemand mehr auf natürliche Art stirbt, wurden die Scythe damit beauftragt eigenmächtige Nachlese auszuüben, was nichts anderes bedeutet als dass sie Menschen töten dürfen, damit die Weltbevölkerung nicht explodiert.
Eines Tages werden die junge Citra und der junge Rowan vom ehrenwerten Scythe Faraday auserwählt seine Lehrlinge zu werden. Aber nur einer von beiden kann die Stelle bekommen und seine erste Handlung wird es sein müssen, den anderen nachzulesen …

Als bekannt wurde, dass es eine neue Buchreihe von Neal Shusterman geben würde, stand für mich schon fest, dass ich auch diese unbedingt lesen musste. Nach seiner „Vollendet„-Reihe, von der ich damals schon wahnsinnig begeistert war, habe ich auf etwas ähnliches gewartet. Als dann auch noch bekannt wurde, worum es sich bei seiner neuen Reihe drehen würde, war ich total angefixt und stürzte mich auf dieses Buch sobald ich es in den Händen hatte.

Das Thema ist wieder irre spannend. Eine Welt in der Zukunft, die eigentlich märchenhaft sein könnte. Zumindest auf dem ersten Blick, denn alle Krankheiten und Ungerechtigkeiten sind überwunden, eigentlich gibt es nichts mehr was es nicht gibt. Außer vielleicht Motivation, denn wofür sollte man noch Arbeiten und Forschen etc.? Diesen Aspekt fand ich schon sehr interessant, aber im Fokus steht eher das Problem, dass in dieser Zukunft auch niemand mehr stirbt, aber dennoch weitere Kinder geboren werden. Das Problem liegt also auf der Hand: Der Platz würde irgendwann nicht mehr reichen, wenn niemand mehr stirbt.
Erschreckend ist, dass man der logischen Konsequenz gedanklich einfach nur zustimmen muss: Es müssen Menschen sterben.

In dieser Zukunft wurde also die Zunft der Scythe gegründet. Scythe bedeutet übersetzt Sense und genau das sind diese Menschen auch tatsächlich: Mordinstrumente.
Das klingt wirklich brutal und grausam und das ist es irgendwie auch. Aber dennoch habe auch ich beim Lesen absolutes Verständnis dafür gehabt, wenn die ehrenwerten Scythe willkürlich Menschen ausgewählt haben, die ihr Leben lassen mussten. In der Zukunft nennt man dies nicht mehr Mord, sondern Nachlese.
Eigentlich erschreckend, dass das selbst in Gedanken vollkommen okay war, das dort geschah. Zumindest solange, wie es mit Respekt und Mitgefühl geschah. Es wäre wohl eine langweilige Geschichte, wenn alle Scythe so gehandelt hätten, aber natürlich gibt es auch eine Gruppe von Scythe, die sich einen Spaß aus der Nachlese gemacht haben. Ihre Nachlese las sich eher wie die heutigen Amokläufe und das hat natürlich abgestoßen, obwohl das Ergebnis eigentlich das selbe war.
Ganz schön kniffelige Gedanken, die mich während des Lesens begleiteten.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht aber die Ausbildung von Citra und Rowan, die vom ehrenwerten Scythe Faraday dazu ausgewählt wurden seine Lehrlinge zu sein. Faraday ist ein besonnener Scythe, der keinen besonderen Spaß an seiner Aufgabe hat und der den beiden viel Respekt sowohl vor dem Leben als auch vor dem Tod und entsprechendes Mitgefühl lehrt. Da er mit seiner Mentalität aber nicht allen Scythe zusagt, erwirken seine Feinde das Urteil, dass derjenige seiner Lehrlinge, der den Job später nicht bekommen wird, vom anderen nachgelesen werden muss und nicht wieder in sein altes Leben zurück kehren kann. Als Strafe sozusagen, dass er sich zwei Lehrlinge genommen hat, was zwar nicht verboten, aber auch nicht üblich ist.
Diese neue Regelung ändert für Citra und Rowan alles und nicht erst ab diesem Zeitpunkt wird es noch einmal richtig spannend.

Neal Shusterman erzählt hier so unglaubliche Szenarien in so unglaublich selbstverständlicher Weise, dass man ihm alles abnehmen würde. Die Geschichte lässt sich so flüssig lesen, dass man durch die über 500 Seiten nur so fliegt. Sein Stil ist einfach sehr angenehm und auf den Punkt gebracht. Ausführlich, aber niemals ausschweifend.
Ein wenig abwechslungsreich wirken die zahlreichen Tagebucheinträge aus diversen Scythe-Tagebüchern, die oftmals zwischen die Kapitel eingeschoben wurden und mehr Einblick in die Gedanken der Scythe geben.

Ich bin immer noch fassunglos über diese unglaublich tolle Story, immer noch total geflasht von diesem Buch! Wenn ich könnte, dann würde ich die doppelte Sternzahl geben. Oder zumindest die volle mit Sternchen!
Der einzige Kritikpunkt für mich ist, dass ich nun ein Jahr bis zum nächsten Teil warten muss. Das ist wirklich … zerstörend!

Fazit

Ich liebe Neal Shusterman und Scythe – Die Hüter des Todes! Absolut! Ich habe während des Lesens etliche Emotionen durchlebt: Ich war fassungslos, erschrocken. Ich war belustigt, wütend und traurig. Ängstlich und überrascht. Und am Ende musste ich einfach heulen. Einfach nur, weil es vorbei war und ich nicht wollte, dass es schon vorbei ist. Mein absolutes bisheriges Jahreshighlight!