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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.08.2018

Welche Sühne verdient eine schuldlose Schuld?

Schuld währt ewig
0

Seit Ludwigs Tod ist Sannes Tod ein einziger Strudel aus Schuldgefühlen und Selbstkastei. Ein paar wenige verhängnisvolle Sekunden, die alles verändert haben, und ausgerechnet an die erinnert sie sich ...

Seit Ludwigs Tod ist Sannes Tod ein einziger Strudel aus Schuldgefühlen und Selbstkastei. Ein paar wenige verhängnisvolle Sekunden, die alles verändert haben, und ausgerechnet an die erinnert sie sich nicht. Das Verfahren gegen sie wurde eingestellt, doch sie selbst ist nicht von ihrer Unschuld überzeugt. Und sie kann sich nicht vergeben.
In seinem vierten Fall jagt Dühnfort einen Mörder, der es scheinbar auf Menschen wie Sanne abgesehen hat: Menschen, die durch die Fügung unglücklicher Ereignisse - man könnte auch sagen durch Schicksal - für den Tod eines Menschen verantwortlich sind. Menschen, die dafür nie eine Strafe erhielten...

Als Quereinsteigerin in die Dühnfort-Reihe fand ich beim Lesen sehr angenehm, dass man die Handlung problemlos versteht, auch ohne die anderen Teile gelesen zu haben (was aber wohl demnächst nachgeholt wird).
Obwohl die Ermittlungen zunächst schleppend anlaufen, wird es nie langweilig, denn verschiedene Blickwinkel eröffnen dem Leser rasante Geschehnisse, Tragödien und menschliche Abgründe - stets so eindrücklich und klar beschrieben, dass man von den Zeilen praktisch aufgesogen wird.
Und auch für ihre Charaktere hat Inge Löhnig ein Händchen: Das Hick-Hack zwischen Dühnfort und Alois ist hier nicht störend, sondern bringt sogar noch einen Hauch Pfeffer in das Geschehen.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Wenn Vergangenes doch auch vergessen wäre...

Totenbauer
1

Ein Park, eine Joggerin und ein Unbekannter, der die seltsamen Worte "toter Bauer" vor sich hinmurmelt, bevor er zusammenbricht und seiner schweren Kopfwunde erliegt. Die, wie sich später herausstellt, ...

Ein Park, eine Joggerin und ein Unbekannter, der die seltsamen Worte "toter Bauer" vor sich hinmurmelt, bevor er zusammenbricht und seiner schweren Kopfwunde erliegt. Die, wie sich später herausstellt, nicht bei einem Unfall verursacht, sondern dem Toten mit voller Absicht beigebracht worden ist. Doch wer profitiert von diesem Mord?
Was zunächst aussieht wie ein Eifersuchtsdrama, entpuppt sich als das Ende einer Kette von Ereignissen, die schon vor langer Zeit losgetreten worden sind. Doch nicht die Vergangenheit des Opfers ist es, die ihm zum Verhängnis geworden zu sein scheint...
Und auch den beiden Ermittlern bereiten Altlasten in ihrer Vergangenheit Probleme: Während Tenbrinks Erinnerungslücken ihn und das, was war, mehr und mehr zu verschlucken scheinen, wird Bertram von seiner Vergangenheit unerwartet eingeholt...

In "Totenbauer" spielt Tom Finnek gekonnt mit mehreren Zeitebenen, die sich immer enger umeinander winden und zum Schluss wie Zahnräder ineinander greifen - und während man liest und liest, ist Tenbrink nicht der einzige, der plötzlich aufblickt und erstaunt darüber ist, wie viel Zeit vergangen ist.
Markige Charaktere und ein angenehm stringent erzählter Handlungsverlauf machen das Buch zu einem Lesevergnügen, das durch die Zickenkriege mit den Vorgesetzten zum Glück nur wenig getrübt wird.

  • Cover
  • Figuren
  • Spannung
  • Handlung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 25.07.2018

Bilderbuch-Ehe oder düsteres Versteckspiel?

A Stranger in the House
0

Eigentlich führen Karen und Tom eine Bilderbuch-Ehe. Doch eines Abends kommt Tom nach Hause und Karen ist verschwunden: Nach einem ominösen Anruf brach sie scheinbar völlig überstürzt auf, fuhr wie eine ...

Eigentlich führen Karen und Tom eine Bilderbuch-Ehe. Doch eines Abends kommt Tom nach Hause und Karen ist verschwunden: Nach einem ominösen Anruf brach sie scheinbar völlig überstürzt auf, fuhr wie eine Verrückte und verursachte einen Autounfall.
Nun kann sie sich an nichts mehr erinnern, weder an den Anruf noch daran, wie sie verunglückt ist. Und erst recht nicht an die Leiche, die kurz darauf in der Nähe des Unfallorts gefunden wird...

In rasantem Tempo erzählt Shari Lapena die Geschichte eines glücklichen Paares, das ins Unglück stürzt, und bei dem scheinbar niemand ist, wer er vorgibt zu sein.
Immer wieder nimmt die Handlung größere und kleinere Wendungen, die beim Lesen definitiv für Kurzweil sorgen, auch wenn sie bisweilen etwas vorhersehbar sind und die plastische Ausgestaltung der Charaktere hin und wieder unter dem hohen Tempo leidet, die die Geschehnisse nehmen.
Insgesamt aber dennoch ein Thriller, den es sich zu verschlingen lohnt, besonders als schnelle oder "leichte" Lektüre zwischendurch.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Spannung
  • Psychologie
Veröffentlicht am 24.06.2018

Die Obsession bleibt leider aus...

Voyeur
0

Normalerweise interessiert sich der Galerist Donald Ramsey für Frauen und die (körperliche) Liebe nur in seinen Kunstwerken.
Doch eines Tages flammt durch eine zufällige Beobachtung ein bisher unbekanntes ...

Normalerweise interessiert sich der Galerist Donald Ramsey für Frauen und die (körperliche) Liebe nur in seinen Kunstwerken.
Doch eines Tages flammt durch eine zufällige Beobachtung ein bisher unbekanntes Begehren für seine Assistentin Anna in ihm auf. Doch es gibt ein Problem: Anna hat einen festen Freund, und so beschließt Donald, jemanden anzuheuern, der Anna verführt und so die Beziehung torpediert.
Die Intrige nimmt ihren Lauf, doch der Erfolg will sich nicht so recht einstellen. Und dann läuft plötzlich alles schief...

Die Obession, die Donald entwickelt, bleibt beim Leser hier leider aus. Sowohl Ramsey als auch sein Mitverschwörer sind von Beginn an extrem unsympathisch - das mag beabsichtigt sein, aber es macht es dem Leser schwer, einen Zugang zu finden. Dass man eigentlich schnell genervt ist von Donalds ständigen Attacken auf Annas Beziehung und von dem ständigen Hick-Hack zwischen ihm und dem "Verführer" Zeppo , hilft da auch nicht unbedingt.
Ungewohnterweise schafft es Becket diesmal leider nicht so recht, Spannung aufzubauen oder zu halten, stattdessen erweckt das Buch eher einen gewissen Eindruck der Beiläufigkeit und hinterlässt einen faden Geschmack der Unzufriedenheit.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Solider, kurzweiliger Krimi mit wenig Überraschungen

Blumen des Todes
1

Besonders viel Zeit hatte Archibald Wilson nicht, um seinen großen Lottogewinn zu genießen: Schon bald nach seinem großen Glück wird er an einen Grabstein gelehnt in der Glasgower Nekropole gefunden, seine ...

Besonders viel Zeit hatte Archibald Wilson nicht, um seinen großen Lottogewinn zu genießen: Schon bald nach seinem großen Glück wird er an einen Grabstein gelehnt in der Glasgower Nekropole gefunden, seine Leiche wie in einem seltsamen Ritual in Szene gesetzt. Doch handelt es sich wirklich um einen Ritualmord? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter, etwas aus Wilsons Vergangenheit, das ihn nicht zu einem zufälligen, sondern sorgfältig ausgewählten Opfer machte?
Während von allen Seiten Druck gemacht wird, dass die Ermittlungen schnell abgeschlossen werden, hat Pereira auch noch mit ihrem komplizierten Privatleben zu kämpfen, und an keiner der beiden Fronten scheint sie voranzukommen...

Dieser zweite Fall für Pereira und Bain ist die perfekte leichte Lektüre für nebenbei. Die Handlung entwickelt sich relativ klar und linear ohne große Überraschungen oder erstaunliche Wendungen, bleibt dabei aber durch den bildhaften, teils gewitzt-ironischen, teils einfühlsam-emotionalen und kreativen Schreibstil recht kurzweilig.
Das Cover hingegen wirkt leider etwas lieblos gestaltet und etwas "zusammengewürfelt", und bisweilen ist der tiefgreifende Einblick in Pereiras Privatleben auch etwas anstrengend - dieses Thema ist in Krimis in letzter Zeit leider etwas zu sehr in Mode gekommen und wirkt mittlerweile doch etwas ausgelutscht.
Alles in allem bietet "Die Blumen des Todes" (bedauerlicherweise) nicht genug Spannung für schlaflose Nächte, für eine leichte Urlaubslektüre ist es aber perfekt geeignet.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Spannung
  • Stil