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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2018

Solider, kurzweiliger Krimi mit wenig Überraschungen

Blumen des Todes
1

Besonders viel Zeit hatte Archibald Wilson nicht, um seinen großen Lottogewinn zu genießen: Schon bald nach seinem großen Glück wird er an einen Grabstein gelehnt in der Glasgower Nekropole gefunden, seine ...

Besonders viel Zeit hatte Archibald Wilson nicht, um seinen großen Lottogewinn zu genießen: Schon bald nach seinem großen Glück wird er an einen Grabstein gelehnt in der Glasgower Nekropole gefunden, seine Leiche wie in einem seltsamen Ritual in Szene gesetzt. Doch handelt es sich wirklich um einen Ritualmord? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter, etwas aus Wilsons Vergangenheit, das ihn nicht zu einem zufälligen, sondern sorgfältig ausgewählten Opfer machte?
Während von allen Seiten Druck gemacht wird, dass die Ermittlungen schnell abgeschlossen werden, hat Pereira auch noch mit ihrem komplizierten Privatleben zu kämpfen, und an keiner der beiden Fronten scheint sie voranzukommen...

Dieser zweite Fall für Pereira und Bain ist die perfekte leichte Lektüre für nebenbei. Die Handlung entwickelt sich relativ klar und linear ohne große Überraschungen oder erstaunliche Wendungen, bleibt dabei aber durch den bildhaften, teils gewitzt-ironischen, teils einfühlsam-emotionalen und kreativen Schreibstil recht kurzweilig.
Das Cover hingegen wirkt leider etwas lieblos gestaltet und etwas "zusammengewürfelt", und bisweilen ist der tiefgreifende Einblick in Pereiras Privatleben auch etwas anstrengend - dieses Thema ist in Krimis in letzter Zeit leider etwas zu sehr in Mode gekommen und wirkt mittlerweile doch etwas ausgelutscht.
Alles in allem bietet "Die Blumen des Todes" (bedauerlicherweise) nicht genug Spannung für schlaflose Nächte, für eine leichte Urlaubslektüre ist es aber perfekt geeignet.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Spannung
  • Stil
Veröffentlicht am 06.04.2018

Ein Killer, der selbst der Natur einen Schritt voraus zu sein scheint...

Leichenblässe
0

Nachdem er um Haaresbreite eine Messerattacke überlebt hat, reist David Hunter nach Tennessee, um dort für einen Monat auf der sogenannten "Body Farm" zu arbeiten und sich fern von den Geschehnissen in ...

Nachdem er um Haaresbreite eine Messerattacke überlebt hat, reist David Hunter nach Tennessee, um dort für einen Monat auf der sogenannten "Body Farm" zu arbeiten und sich fern von den Geschehnissen in London darüber klar zu werden, wie sein Leben in Zukunft aussehen soll.
Doch es kommt alles anders, als sein alter Freund Tom ihn bittet, ihn zu einem Tatort mit einer ungewöhnlich stark verwesten Leiche zu begleiten, und David unversehens immer stärker in die Ermittlungen involviert wird - ohne zu ahnen, dass er leicht selbst zur Zielscheibe des Mörders werden könnte...

Der Titel ist passend zum Rest der Reihe mit einem schlichten, aber optisch eindrucksvollen Cover mit Kreuz und Schwar-Weiß-Kontrast gehalten, der diesmal auch perfekt Davids inneren Konflikt spiegelt: Dieser ist eigentlich mit der Aufarbeitung des eigenen Traumas und seiner Selbstzweifel beschäftigt, und lässt sich nur sehr widerwillig auf die Zusammenarbeit ein, möchte mit den Ermittlungen eigentlich gar nichts zu tun haben. Stattdessen hadert er mit sich selbst und scheint das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten verloren zu haben. Vielmehr noch: Er hat Zweifel daran, ob er diesen Beruf tatsächlich weiter ausüben will.
Doch dann wird er - genau wie der Leser - von den Geschehnissen in einen rasanten Strudel gerissen, aus dem es bis zum Schluss kein Entrinnen gibt. Einmal angefangen, konnte ich das Buch kaum mehr weglegen: Starke Charaktere, die Hoffnung auf etwas Erholung für Dr. Hunter, die schnell und brutal zerschlagen wird, die Jagd nach einem gerissenen Mörder, schließlich scheinbar die Lösung - und dann kommt doch wieder alles anders.
Beckett hält seine Leserschaft mal wieder bis zum Schluss in Atem mit einem herrlichen Katz-und-Maus-Spiel voll unerwarteter Wendungen, starken Gefühlen und jede Menge Gänsehaut!

Veröffentlicht am 26.02.2018

Die Toten in der Marsch

Totenweg
1

Achtzehn Jahre ist es her, seit Frida die Leiche im alten Viehstall am Totenweg gefunden hat. Achtzehn Jahre sind seit Haverkorns Scheitern vergangen, der es in seinen Ermittlungen nicht schaffte, den ...

Achtzehn Jahre ist es her, seit Frida die Leiche im alten Viehstall am Totenweg gefunden hat. Achtzehn Jahre sind seit Haverkorns Scheitern vergangen, der es in seinen Ermittlungen nicht schaffte, den Mörder dingfest zu machen. Den Mörder, den Frida zu kennen glaubt...
Und nun, nach so langer Zeit, gibt es erneut Tote, und auf einmal scheint es, als müsste die Vergangenheit in einem neuen Licht betrachtet werden...

Romy Fölcks Reihenauftakt packt von Anfang an und lässt einen bis zur letzten Seite und darüber hinaus nicht mehr los.
Schon bald gewinnen die Hauptcharaktere ihr Publikum für sich, aus anderen wird man nicht so recht schlau, und dann gibt es noch die, die schon früh ein gewisses Misstrauen erwecken und vor denen man Frida und Bjarne am liebsten warnen würde, auch wenn man manchmal gar nicht mal so genau weiß, warum...
Fölcks flüssliger und wortgewandter, bildreicher Schreibstil, mit dem sie den wilden Charme der Marsch, die allgegenwärtige Düsternis und den schaurigen Duft von Geheimnissen gekonnt einfängt, schlägt die Leser immer weiter in seinen Bann, bis es schwerfällt, das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen.

"Totenweg" ist nicht nur für sich genommen ein spannendes und mitreißendes Buch, sondern auch ein äußerst gelungener Reihenauftakt, der definitiv Lust auf mehr macht!

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 07.02.2018

Tausend kalte Tode

Eisige Flut
0

Nachdem sie wochenlang verschwunden war, kehrt Anja endlich zu ihren Eltern nach Hause zurück - zu Eis erstarrt steht sie vor deren Haustür und wartet auf Einlass.
Bei diesem Auftakt zu Nina Ohlandts ...

Nachdem sie wochenlang verschwunden war, kehrt Anja endlich zu ihren Eltern nach Hause zurück - zu Eis erstarrt steht sie vor deren Haustür und wartet auf Einlass.
Bei diesem Auftakt zu Nina Ohlandts "Eisige Flut" läuft es einem kalt den Rücken herunter - und es bleibt obskur und spannend. Immer weitere Leichen tauchen auf, öffentlich inszeniert und mit Eis überzogen. Und während der Mörder sein Tempo langsam steigert, tappt die Polizei im Dunkeln...

Wer skurrile Morde, dynamische Ermittlerteams, etwas kauzige Charaktere und eine große Portion Lokalkolorit liebt, ist bei Nina Ohlandt bestens aufgehoben.
Sie versteht es, das Tempo langsam zu steigern und ihre LeserInnen von Anfang bis Ende nicht mehr freizugeben - und immer wieder trügt der Schein und man steht vor einem neuen Rätsel.
Was also hat es mit den Eisleichen auf sich? Will der Mörder Aufmerksamkeit, sich inszenieren wie ein Künstler? Oder hat er vielleicht doch einen viel persönlicheren Bezug zu den Opfern? Liegt der Grund für die Morde viel tiefer in der Vergangenheit, als zunächst angenommen?
"Eisige Flut" ist ein Muss für alle Fans von Krimis aus dem hohen Norden voller Irrungen und Wirrungen und einer düsteren Vergangenheit.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.10.2017

Wenn man seinem eigenen Verstand zu misstrauen beginnt

Die stille Kammer
1

Es ist noch nicht lange her, dass Susan frühzeitig aus der psychiatrischen Abteilung von Oakdale entlassen wurde. In der sie saß, weil sie vor 4 Jahren ihren eigenen Sohn ermordet hatte. Oder etwa doch ...

Es ist noch nicht lange her, dass Susan frühzeitig aus der psychiatrischen Abteilung von Oakdale entlassen wurde. In der sie saß, weil sie vor 4 Jahren ihren eigenen Sohn ermordet hatte. Oder etwa doch nicht? Als eines Tages ein Brief auf ihrer Fußmatte liegt, in dem ein Foto eines kleinen Jungen ist, kommen daran erhebliche Zweifel auf. Denn auf der Rückseite steht der Name ihres Sohnes: Dylan. Und so begibt sich Susan auf die Suche nach der Wahrheit, und sie deckt tiefere Abgründe auf, als sie zu fürchten wagte.

Der Thriller steigt rasant ein und hält diese Spannung und dieses Tempo bis zum Schluss. Dabei springt er zwischen zwei Handlungssträngen: Dem von Susan, ihrer Vergangenheit und Gegenwart, und dem von Jack, der in den 80er Jahren beginnt und in der Gegenwart endet. Bis zum Schluss weiß man nicht, um wen es sich bei Jack handelt, und rätselt eifrig mit, welche Rolle er wohl in Susans Geschichte spielen mag. Und auch sonst gibt es so einige Irrungen und Wirrungen, die den Leser köstlich an der Nase herumführen, bis schließlich in einem spektakulären Höhepunkt alles ans Licht kommt - und das beinahe auch noch zu spät...

"Die stille Kammer" hat alles, was ein Psychothriller braucht - ein großes, ungelöstes Geheimnis in der Vergangenheit und noch mehr Geheimnisse in der Gegenwart, jede Menge Spannung, die einen an den Nägeln kauen und bis tief in die Nacht hinein lesen lässt, Verzweiflung, Angst - aber auch Freundschaft, große Gefühle und ein Happy End. Was will man mehr?

Da fällt es einem dann auch leicht, darüber hinwegzusehen, dass Susan vielleicht etwas zu naiv geraten und der deutsche Titel nicht wirklich passend gewählt ist.

Auf jeden Fall ein Buch, das sich zu lesen lohnt!

  • Cover
  • Spannung
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Figuren