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Veröffentlicht am 20.04.2018

Spannender Erfahrungsbericht

Jagd auf El Chapo
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" 'Argo', sagte ich, 'hast du den Film gesehen? [...]' 'Über den Hollywood-Undercover-Einsatz mit den Iranern?' [...] 'Meinst du, wir könnten das auch durchziehen?' (S. 153)

Bei der Jagd nach einem der ...

" 'Argo', sagte ich, 'hast du den Film gesehen? [...]' 'Über den Hollywood-Undercover-Einsatz mit den Iranern?' [...] 'Meinst du, wir könnten das auch durchziehen?' (S. 153)

Bei der Jagd nach einem der größten mexikanischen Drogenbarone muss man kreativ sein und Durchhaltevermögen beweisen. Das ist die Lehre, die man gleich zu Beginn von Andrew Hogans Erfahrungsbericht "Jagd auf El Chapo" ziehen kann.

Joaquin Guzman Loera war jahrelang einer der bedeutendsten Drogenbarone Mexikos und kontrollierte lange den nationalen und internationalen Handel mit Drogen in Süd-, Mittel- und Nordamerika. Als Kopf des Sinaloa-Kartells war sein Einfluss nahezu grenzenlos, lange Zeit war er der gesuchteste Verbrecher in Mexiko und den Vereinigten Staaten.
Dieses Phantom-Guzmann war lange unbezwingbar, bis ihm schließlich internationale Ermittler auf die Spur kamen und ihn zu Strecke brachten.

Der leitende Ermittler dieser internationalen Jagd, der amerikanische DEA-Agent Andrew Hogan, beschreibt sein Vorgehen und seine Motivation eingehend im vorliegenden Werk.

Meine Meinung:

Bei dem Werk handelt es sich um den Erfahrungsbericht Andrew Hogans zur Verfolgung El Chapos. Hogan beginnt zunächst kurz mit seiner Vorgeschichte, bevor er von den Begebenheiten der Ermittlungen berichtet.

Hogans Erzählstil ist sehr eingängig. Er berichtet vom Vorgehen, von seiner Gefühlssituation dabei und illustriert seine Tatsachenerzählungen immer wieder mal mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen, durch den Text spürt man förmlich die Person Hogan mit ihren Ansichten. Die Ermittlungsarbeit selbst wird sehr spannend, detailliert und plastisch geschildert. Hogans Schilderungen wirken fast schon akribisch genau, wenn er abgefangene Nachrichten inklusive Schreibfehler wiedergibt oder genaues technischen Vorgehen zu erklären versucht. Man merkt, wie viel ihm die Ermittlungen damals bedeutet haben. Manchmal waren es für mich allerdings fast schon zu viele technische Details, denen ich nicht immer folgen konnte.

Auch die Vielzahl fremder Orte und Abkürzungen waren für mich leider teilweise etwas verwirrend und unklar. Im Anhang findet sich jedoch eine Karte, die zumindest bei den Orten hilft. Zu den Abkürzungen findet sich ebenfalls im Anhang ein Glossar, der für meinen Geschmack jedoch deutlich umfangreicher hätte sein können.
Teilweise schwächelte leider auch der Übersetzer bei seiner Arbeit, was zwar nur in Kleinigkeiten auffiel (ich bin mir relativ sicher, dass Hogan als Jugendlicher American Football und nicht Fußball gespielt hat, um ein Beispiel zu nennen), das fällt wirklich nicht oft und schwerwiegend auf, sollte aber doch erwähnt werden.

Nichtsdestotrotz ist die Erzählung spannend und liest sich, vor allem als es dann über die Technik hinaus geht, fast schon wie ein Thriller, wie die Steilvorlage für einen Film über Hogans Arbeit.

Chapo ist einfach eine spannende Persönlichkeit, man muss sich beim Lesen immer wieder in Erinnerung rufen, dass dies reale Erlebnisse und Personen sind, sonst fühlt sich alles wie Fiktion an.

Fazit:
Alles in allem liest sich "Jagd auf El Chapo" spannend, unterhaltsam und hat mich sehr für die Geschichte Chapos interessiert. Dadurch, dass die Geschehnisse des Buches noch nicht so lange her sind und erst dieses Jahr Chapos Prozess in den Vereinigten Staaten starten soll, ist Hogans Bericht faszinierend und aktuell zugleich. Einziges Manko für mich war ein wenig, dass es mir am Anfang etwas zu technisch genau war und ich mir teilweise mehr Erklärungen zu einzelnen Behörden/Abkürzungen etc. gewünscht hätte.

Die "Jagd auf El Chapo" eignet sich als Buch für alle, die sich für die Bekämpfung der Mafia in den USA interessieren und auch die genaue Vorgehensweise bei solchen Ermittlungen kennen lernen wollen. Es eignet sich für alle Freunde von Erfahrungsberichten, die einen sehr persönlichen Schreibstil mit Anekdoten und Ansichten schätzen.

Kurz: Das Werk ist sehr informativ und zugleich spannend wie ein Thriller und erhält von mir daher 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2018

Thrillerdebüt, wohl in Richtung "Psychothriller"; etwas unausgewogen

Dein Leben gegen meins
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VORAB: FALLS IHR DEN KLAPPENTEXT NOCH NICHT GELESEN HABT: ÜBERLEGT EUCH GUT, OB IHR SCHON SO VIEL WISSEN WOLLT!!!

Liv Constantine ist das Pseudonym der Schwestern Lynne und Valerie Constantien, die mit ...

VORAB: FALLS IHR DEN KLAPPENTEXT NOCH NICHT GELESEN HABT: ÜBERLEGT EUCH GUT, OB IHR SCHON SO VIEL WISSEN WOLLT!!!

Liv Constantine ist das Pseudonym der Schwestern Lynne und Valerie Constantien, die mit "Dein Leben gegen meins" ein Erstlingswerk mit ein paar Schwächen hingelegt haben.

Inhalt:

Amber Patterson will nicht länger unter dem Pantoffel anderer Menschen stehen. Sie möchte Geld, Häuser und einen attraktiven Ehemann: Jackson Parrish. Dumm ist, dass dieser noch mit Daphne verheiratet ist. Amber freundet sich mit Daphne an, doch ihr handeln hat eigentlich nur ein Ziel: Daphnes Platz einzunehmen.
Doch ist Daphnes Leben tatsächlich so perfekt, wie es scheint?

Meine Meinung:

"Dein Leben gegen meins" ist in 3. Person aus der Perspektive zweier Charaktere geschrieben, durch die dem Leser der Charakter sehr deutlich wird. Man sieht und spürt alles, was die jeweilige Person erfährt. Der Stil ist sehr eingängig und erinnert mich ein wenig an "Gone Girl" von Gillian Flynn.

Die Grundkonstellation ist sehr spannend, leider wird die erste Hälfte des Werkes jedoch sehr gemächlich aufgebaut. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit man den Klappentext gelesen haben sollte. Einerseits geht hierdurch ein wenig die Spannung verloren, beziehungsweise man erwartet, dass endlich mal was passiert, andererseits erzeugt er durch sein SPOILER Wissen zusätzliche Spannung, weil man beginnt, Dinge in das Verhalten der Leute hineinzudeuten, die nicht unbedingt vorhanden sind.
Während die erste Hälfte des Werkes gefühlt eine Einleitung für die zweite Hälfte war und man sich die Spannung mehr oder weniger selbst erzeugen musste, war die zweite Hälfte dafür von Brutalität und Spannung bestimmt. Die Darstellungen waren sehr gut beschrieben und gingen einem geradezu unter die Haut. Man hat wirklich mit den Charakteren mitgelitten und ich konnte das Werk kaum aus der Hand legen. Dennoch wirkte das Werk im Gesamten hierdurch auf mich etwas unausgewogen.
Ein etwas knapperer oder spannungsgeladener erster Teil (nur minimal) wäre mir lieber gewesen.

Zudem haben manche Beschreibungen auf mich sehr stereotyp gewirkt, wie die reichen Leute, die gefühlt in jeder Szene Alkohol konsumieren. Es kann natürlich auch sein, dass dies bewusst erzählt wird, um die Perspektive der erzählenden Person anzunehmen, für mich wirkte es dennoch schlicht unrealistisch.

Fazit:

Alles in allem würde ich das Werk in Richtung Psychothriller einordnen. Es ist von der Grundidee und in der 2. Hälfte sehr spannend zu lesen, in der ersten Hälfte musste man seiner eigenen Anspannung schon etwas nachhelfen (z.B. durch Spekulation auf Grundlage des Klappentextes). Der Schreibstil ist jedoch toll, die Charaktere, auch wenn teilweise sehr stereotyp, lebhaft dargestellt und die Erzählung, vor allem im 2. Teil, richtig unter die Haut gehend.

Ein solider Thriller, dem ich insgesamt 3,5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 20.02.2018

Arg konstruiert, phasenweise unlogisch und terminologische Fehler

Das Joshua-Profil
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Der 1971 in Berlin geborene Sebastian Fitzek gilt als einer DER deutschen Krimi- und Thrillerautoren schlechthin. Seine Werke erreichten mehrfach die Spitzen der Bestsellerlisten und zählen vielfach zu ...

Der 1971 in Berlin geborene Sebastian Fitzek gilt als einer DER deutschen Krimi- und Thrillerautoren schlechthin. Seine Werke erreichten mehrfach die Spitzen der Bestsellerlisten und zählen vielfach zu den Klassikern deutscher Thriller.

Unter diesen Voraussetzungen wagte ich mich an „Das Joshua-Profil“ heran und wurde leider maßlos enttäuscht.


In meinen Worten der Inhalt (möglichst ohne Spoiler):


Thriller-Autor Max Rhode (ja, Fitzeks Alter Ego) führt nach dem Erfolg seines Debüts „Die Blutschule“ ein eher mittelmäßig erfolgreiches Leben. Gemeinsam mit seiner Frau Kim, die als Pilotin jedoch kaum zu Hause ist, und ihrer hyperintelligenten zehnjährigen Pflegetochter Jola lebt er in Berlin. Die Beschaulichkeit ändert sich von einem Tag auf den anderen, als ein Mann voller Brandwunden ihn vor einem gewissen Joshua warnt, seine Tochter mit K.O. Tropfen, die aus Max Büro stammen, betäubt wird und Jola schließlich, nach Konfrontation Maxs mit dem Jugendamt und einem Autounfall auf der gemeinsamen Flucht vor diesem, verschwindet und im Krankenhaus Max eröffnet wird, dass es angeblich keinen Autounfall gab und er im Fadenkreuz der Ermittlungen steht. Hinzu kommt Jolas Stimme in seinem Kopf, die beginnt, ihm Anweisungen zu geben…


Meine Meinung:


Leider konnte mich das Werk so überhaupt nicht überzeugen und die ersten 100 Seiten habe ich mich so darüber aufgeregt, dass ich es beinah abgebrochen hätte. Hier meine Analyse:


Positiv:

- Spannend: Auch wenn mir das Buch gar nicht zugesagt hat, kann ich ihm nicht absprechen, dass es in einem spannenden Schreibstil gehalten ist, der einen doch zum Weiterlesen überredet. Auch die Erzählung aus der Perspektive verschiedener Charaktere sowie kurze Seitenzahlen der Kapitel tragen zum Spannungsaufbau bei.


- Witz: Die Charaktere haben Sinn für Humor, der klar durchkommt. Trotz Ernsthaftigkeit der Geschichte kann man hin und wieder nicht nur über sie, sondern tatsächlich auch mit ihr lachen.


Negativ:

- Der Hauptcharaker: Mit Max Rhode hat Fitzek einen sehr impulsiven, nicht wirklich logisch denkenden Charakter erfunden. Das wäre eigentlich gar nicht so schlimm, gibt es doch viele Romanfiguren, auf die dieses Profil zutrifft. Was mich jedoch gestört hat ist, dass Fitzek diesen Charakter zugleich als Pseudonym verwendet. Vielleicht liegt es daran, dass ich „Die Blutschule“ bereits zuvor kannte, aber mir persönlich kommt es so vor, als sei das „Joshua Profil“ schlicht ein Marketing-Gag, um „Die Blutschule“ von Fitzeks Alter Ego Max Rhode zu vermarkten. Meine Recherchen zum Erscheinungsdatum beider Bücher widerlegen diese Theorie auch nicht unbedingt.


- Sehr Konstruiert: Die Geschichte wirkt arg konstruiert. Zum einen ist die Grundidee nicht wirklich neu, wenn man im Thrillergenre bewandert ist, zum anderen ist es einfach so übertrieben. Ob es jetzt die eingelegte Menschenhand ist, die im Büro des Thrillerautors im Regal steht, seltsame Vorahnungen der Hauptfigur, die angeblich jeder gehabt hätte (also ich nicht!) oder eine Zehnjährige, die ich mal für 14 einschätzen würde, mal für 8- Es wirkt irgendwie alles unecht.


- Logische Fehler: Viele Dinge erscheinen mir hier im Werk einfach nur unlogisch. Mal ist ein Charakter gefesselt und dann plötzlich nicht mehr, und man fragt sich, wo die Fesseln hin verschwunden sind, mal geht das hyperintelligente Mädchen mit einem Fremden in den Park, weil dieser ihm gesagt hat, ihr Vater sei in dem Krankenhaus, vor dem sie gewartet hat, gestürzt und er bringe sie zu ihm…. Ich könnte hier noch eine Weile weitermachen. Zum Beispiel wird selbiges Mädchen irgendwann auch mal von einem Wildschwein ins Gesicht gerammt und was macht es? Hat zwar Schmerzen, aber Eisenschädel kippt davon natürlich nicht um oder wird bewusstlos…

In dem Werk gab es einfach zu viele Punkte, an denen ich nur den Kopf schütteln konnte und die ich dem Autor leider so nicht abnehme.


- Falsche (Fach-)Terminologie: Was für mich eigentlich dann noch die Krönung war, ist, dass meiner Ansicht die Fachterminologie aus dem Recht und der Psychiatrie, die Fitzek verwendet, falsch verwendet wird.

Ich kann mich natürlich irren oder in Berlin herrscht eine andere Terminologie als im Süden Deutschlands, aber:


1. Vor Gericht werden für Gutachten in der Regel die Klassifikations-Kataloge DSM-5 und/oder ICD-10 verwendet. Laut dem Werk wurde Cosmo Rhode vor Gericht vom Gutachter „pädophile Psychopathie“ diagnostiziert. Stand meines Wissens gibt es die Diagnose „Psychopathie“ in keinem der Kataloge. „Psychopathie“ klingt zwar wunderbar reißerisch, gibt aber fachlich nichts her.


Was aber für mich schwerer gewogen hat, ist

2. Fitzek spricht von „psychiatrischer Sicherungsverwahrung“, in die Cosmo direkt vom Gericht eingewiesen wurde. Das kann nicht sein! Sicherungsverwahrung im strafrechtlichen Sinn wird nach §§ 61, 66 StGB neben einer Freiheitsstrafe angeordnet, er hätte also zunächst eine Haftstrafe absitzen müssen, bevor er in Sicherungsverwahrung gekommen wäre. Wovon Fitzek hier offenbar spricht, ist eine „Unterbringung“ nach §§ 61, 63 StGB. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass das Konzept der „Therapielockerungen“ (schrecklicher Ausdruck aus terminologischer Sicht) in Berlin anders konzipiert ist als anderswo, wo Straftäter nicht direkt alleine draußen rummarschieren dürfen (zumal mit Diagnose „unheilbar“…), sondern es ein streng formelles Stufenlockerungsverfahren gibt, das ab einem gewissen Punkt die Genehmigung des Gerichts/der Staatsanwaltschaft bedarf.


Wenn man sich Bestsellerautor schimpft, sollte man meinen, man könnte auch richtig recherchieren, zumal der Autor anscheinend selbst vor Jahren Jura studiert hat und daher wissen sollte, wie man ein Gesetz aufschlägt. Gerade auch weil der Autor im Nachwort anmerkt, die Begriffe wie Sicherungsverwahrung recherchiert zu haben, kann ich nicht nachvollziehen, wie es zu diesen Fehlern kam.


Fazit:


Alles in allem wurde ich leider sehr durch „Das Joshua-Profil“ enttäuscht. Durch die sehr konstruiert wirkende Handlung, die logischen Fehler und die (meiner Ansicht nach) falsch verwendete Fachterminologie war das Werk für mich leider ein richtiger Flop, weshalb ich nur 1,5 Punkte für den spannenden Schreibstil vergeben kann und so schnell nicht mehr zu einem Fitzek greifen werde.

Veröffentlicht am 10.02.2018

Klare Leseempfehlung für Krimiserienfans!

In eisiger Nacht
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Mit „In eisiger Nacht“ nimmt Tony Parsons den Leser ein weiteres Mal mit in den Alltag des englischen Polizeikommissars Max Wolfe. Trotz dass es sich bei „In eisiger Nacht“ um den 4. Fall von DCI Wolfe ...

Mit „In eisiger Nacht“ nimmt Tony Parsons den Leser ein weiteres Mal mit in den Alltag des englischen Polizeikommissars Max Wolfe. Trotz dass es sich bei „In eisiger Nacht“ um den 4. Fall von DCI Wolfe handelt, kann das Werk vollkommen ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Alle für den Fall relevanten Informationen findet man im Werk, lediglich einzelne nette Nebeninformationen über die Geschichte der Charaktere sind in den vorherigen Teilen zu finden. Auf diesen Teil haben sie jedoch eigentlich keinen unmittelbaren Einfluss, beziehungsweise werden erklärt.


Zum Inhalt:

DCI Max Wolfe ermittelt in einem Fall, in dem 12 Frauen erfroren in einem Kühllaster in Chinatown in London gefunden werden. Bei den Frauen handelt es sich wohl um illegale Migranten, wie sich aus Pässen ergibt, die die Kommissare im Führerhaus des LKWs gefunden haben. Vom LKW-Führer und einer dreizehnten Frau fehlt jedoch jede Spur. Was steckt hinter dem Tod dieser Frauen? Max und seine Kollegen tauchen tief in die Welt des organisierten Menschenhandels ein...


Zum Werk:

Tony Parsons greift mit dem Thema Menschenhandel und Flüchtende ein sehr aktuelles politisches und ernstes Thema auf. Parsons schafft es, das Thema durch Max Wolfes Augen menschlich darzustellen. Sicher wird eine gewisse Position bezogen, jedoch wird diese dem Leser nicht aufgedrängt. Ich hatte nach Lesen des Klappentext irgendwie eine andere Geschichte erwartet. Dennoch hat mich die Geschichte gefesselt und nicht mehr losgelassen.

Das Werk hat einen sehr eingängigen, darstellenden Schreibstil. Die Charaktere sind wie immer sehr detailliert charakterisiert und entwickeln sich im Laufe der Geschichte fort. Ich muss sagen, manche konnte ich leider überhaupt nicht ausstehen und habe mich sehr über sie aufgeregt, aber ich denke, gerade das zeigt, was für eine gute Arbeit Parsons bei deren Ausgestaltung gemacht hat.

Das Werk wäre meiner Ansicht nach die perfekte Vorlage für eine Episode einer Fernsehserie. Der Aufbau, die markanten Charaktere, die am Anfang erwähnte inhaltliche Unabhängigkeit von den anderen Teilen…


Zur Ausgabe:

Ich habe das Werk als kartonierte Buchausgabe gelesen. Die Seiten waren angenehm dick, die Schriftgröße angenehm zu lesen. Was mich jedoch ein klein wenig zu Kritik verleitet, ist die Haptik des Covers. Das Cover fühlt sich stellenweise wie eine raue Tapete an. Das ist sicher für die Optik und deren Effekt gewollt, mich stört so etwas jedoch und ich denke die ganze Zeit, dass Schmutz auf dem Buch klebt. Das ist sehr subjektiv, viele stört es sicher nicht. Ich wollte es nur für die erwähnen, die mit so Kleinigkeiten auch ihre Probleme haben und lieber glatte Buchrücken mögen. Diesen empfehle ich dann doch eher die digitale Ausgabe.


Fazit:

Alles in allem ist „In eisiger Nacht“ ein toller, von den anderen Teilen mit Max Wolfe unabhängig lesbarer Thriller mit fesselnder Handlung, unvorhergesehenen Verbindungen und detailliert gestalteten Charakteren. Tony Parsons hat einen sehr eingängigen Schreibstil, der zur Verarbeitung in eine Fernsehserie geradezu einlädt. Für jeden Fan amerikanischer Krimiserien, der auch ernsteren Themen nicht abgeneigt ist, eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.01.2018

Lebe nicht um zu arbeiten, arbeite um zu überleben!

Last Haven – Tödliche Geheimnisse
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"Last Haven-Tödliche Geheimnisse" von Lisbeth Jarosch ist ein dystopischer Jugendroman, dem ich im Vorhinein skeptisch gegenüber stand (schließlich gibt es heutzutage viele Dystopien), der mich jedoch ...

"Last Haven-Tödliche Geheimnisse" von Lisbeth Jarosch ist ein dystopischer Jugendroman, dem ich im Vorhinein skeptisch gegenüber stand (schließlich gibt es heutzutage viele Dystopien), der mich jedoch letzten Endes voll überzeugt hat.

Inhalt:
Aida lebt im Amerika der Zukunft: Das Land Last Haven, dem es als einzigem in der überbevölkerten Welt noch "gut" geht. Der Preis dafür ist eine strenge Limitierung der Bevölkerungszahlen und ein steter Beitrag aller Bürger zum Wohl der Gesellschaft durch Arbeit. Doch was passiert, wenn man einmal nicht mehr, etwa aufgrund eines Unfalls, in der Lage ist, seine zugedachten Tätigkeiten auszuüben?

Meine Meinung:
Heutzutage sind dystopische Romane sehr populär, es gibt viele Autoren, die auf dieses Steckenpferd setzen und nicht besonders viele, die nicht einfach Geschichten verwenden, die dem Leser aus anderen Büchern irgendwie bekannt kommen.

Daher war es für mich eine sehr positive Überraschung, mit "Last Haven" tatsächlich mal eine neue Idee zu lesen. Sicher finden sich in dem Werk einige Ideen, die bereits in anderen Romanen wie etwa "Brave New World" oder "Die Bestimmung" aufgegriffen wurden, jedoch schafft das Werk durch seine Gesamtkomposition eine komplett neue Welt, eine komplett neue Idee einer Geschichte, die trotz gewisser Ideenparallelen anders ist.

Ob ich die Welt von "Last Haven" mag? Das lassen wir mal dahinstehen. Jedoch ist sie als solche interessant und auch wenn es zu Beginn des Werkes schwer fällt, ein Leben in Last Haven nachzuvollziehen, erscheint es nach Ende des Buches doch nicht wirklich unrealistisch, dass die Gesellschaft sich möglicherweise in diese Richtung entwickelt. Last Haven lädt zur Auseinandersetzung über den Wert eines Menschen und andere ethische Streitigkeiten förmlich ein.

Durch seinen spannenden Schreibstil und die toll dargestellten Charaktere vermittelt das Werk die Gefühle Aidas in verschiedenen Situationen sehr plastisch und überträgt ihre (teilweise auch sehr depressive) Stimmung auf den Leser.

Fazit:

Auch wenn "Last Haven" teilweise mit "wie Tribute von Panem" beworben wird- die Geschichte ist trotz Parallelen zu "Brave New world" und "Panem" doch eine andere. Sie ist spannend geschrieben und vermittelt plastisch, wie eine Welt der Zukunft aussehen könnte.

Alles in allem, ein spannender Roman, der für Jugendliche ab 14 und junge Erwachsene sehr zu empfehlen ist.