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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2021

Interessanter Beginn einer Serie

Hexenjäger
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„Gerade Koponens Buch ist der Schlüssel zu allem. Nichts, was damit zusammenhängt, ist ein Zufall. Das ist ausgeschlossen.“ (Zitat Seite 140)

Inhalt
Roger Koponen ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, ...

„Gerade Koponens Buch ist der Schlüssel zu allem. Nichts, was damit zusammenhängt, ist ein Zufall. Das ist ausgeschlossen.“ (Zitat Seite 140)

Inhalt
Roger Koponen ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, denn seine Hexenjagd-Trilogie wurde sofort zum Bestseller. Während er im über 300 km entfernten Savonlinna eine Lesung hält, geschieht in seinem Haus in Helsinki ein Mord. Detailgetreu wurde eine brutale Szene aus seiner Thriller-Trilogie nachgestellt. Auch die zweite Leiche, von der im entsprechenden Text die Rede ist, ist genau so gestorben, wie im Buch beschrieben. Rasch folgen weitere Morde, alle analog zu dieser Bestseller-Trilogie, doch nach weiteren Zusammenhängen sucht die Polizei zwar intensiv, aber vergeblich. Eines haben die Opfer gemeinsam, dunkelhaarige, schöne Frauen, die der Ermittlerin Jessica Niemi frappierend ähnlich sehen.

Thema und Genre
Dieser psychologische Thriller spielt in Helsinki. Es geht um Morde nach Romanvorlagen, Geheimbünde und den berüchtigten „Hexenhammer“ aus dem Jahr 1487.

Charaktere
Kriminalhauptmeisterin Jessica Niemi, Polizei Helsinki, ist die Hauptermittlerin in diesem Fall. Psychisch durch Flashbacks und Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit belastet, ermittelt sie verbissen, weil sie bewusst durch den Mörder in den Focus des Geschehens gestellt wird. Alle Figuren sind sehr präzise entwickelt, blieben für mich beim Lesen zwar in ihrem Verhalten logisch nachvollziehbar, aber auf Distanz.

Handlung und Schreibstil
Die straffe Haupthandlung wird rasant in kurzen Kapiteln und aus wechselnden Perspektiven erzählt, wobei unterschiedliche Mitglieder des insgesamt sechs Personen umfassenden Ermittlerteams im Mittelpunkt stehen. Parallel dazu verläuft eine zweite Geschichte, ein Venedigaufenthalt der jungen Jessica. Viele Facetten und überraschende Wendungen führen zu ebenso vielen Fragen, die sich beim Lesen stellen, nicht nur die Ermittler, auch als Leser sucht man lange nach möglichen Zusammenhängen und Erklärungen. Dies sorgt für packende Spannung, allerdings nicht unbedingt für nachvollziehbare Logik, denn je näher man dem Ende des Buches kommt, desto unglaubwürdiger wird diese Geschichte.

Fazit
Ein sehr spannend geschriebener Thriller, dessen facettenreiche lose Fäden leider in ein enttäuschend unlogisches, nicht wirklich neues Setting als Showdown führen. Der Beginn einer Serie, die sicher ihre Fans findet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2021

Autobiografische Erinnerungen, eindrücklich erzählt

Kindheit
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„Irgendwann möchte ich all die Wörter aufschreiben, die mich durchströmen. Irgendwann werden andere Menschen sie in einem Buch lesen und sich darüber wundern, dass ein Mädchen doch Dichter werden konnte.“ ...

„Irgendwann möchte ich all die Wörter aufschreiben, die mich durchströmen. Irgendwann werden andere Menschen sie in einem Buch lesen und sich darüber wundern, dass ein Mädchen doch Dichter werden konnte.“ (Zitat Pos. 287)

Inhalt
In diesem ersten Teil der Kopenhagen-Trilogie schildert die Autorin Tove Ditlevsen ihre Kindheit in Vesterbro, einem Vorstadtviertel von Kopenhagen. Tove wächst in einer kleinen Wohnung in einem Hinterhaus in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater wird arbeitslos und verfällt in Schweigen, doch er vermittelt Tove schon früh die Liebe zu Büchern. Die Mutter zieht den älteren Bruder Edvin vor und hat kein Verständnis für Tove, die unbedingt Schriftstellerin werden will.

Thema und Genre
In ihren autobiografischen Erinnerungen schildert die dänischen Autorin ihre Kindheit, das Aufwachsen in einer Arbeiterfamilie im Kopenhagen der 1920er Jahre, ihr Anders-sein, ihre Ängste, aber auch die unterschiedlichsten Bewohner in dem Umfeld der Istedgade.

Charaktere
Die nachdenkliche Tove ist eine Außenseiterin. Schon vor der Einschulung kann sie lesen, schreibt bald erste Gedichte und auch alltägliche Eindrücke formen sich in ihren Gedanken sofort zu einer Fülle von Wörtern. Ihre Freundin Ruth dagegen ist aufgeweckt, frech und zeigt Tove die Stadt der Erwachsenen.

Handlung und Schreibstil
Ehrlich und offen schreibt die Autorin über das problematische Verhältnis zu ihrer Mutter, die den Bruder Edvin der verträumten, unsicheren Tove vorzieht, die ärmlichen Verhältnisse im Arbeitermilieu der 1920er Jahre. Tove ist eine genaue Beobachterin und versucht, die Welt der Erwachsenen zu verstehen. Daraus ergibt sich eine berührende Mischung zwischen den Ängsten und Konflikten des Heranwachsens und humorvollen Erlebnissen und Eindrücken. Ihre Liebe zu Büchern teilt sie mit ihrem Vater, doch ihre Träume, Schriftstellerin zu werden, behält sie für sich, nachdem auch ihr Vater ihr erklärt hat, dass ein Mädchen kein Dichter werden kann.

Fazit
In ihrer präzisen, klaren Sprache führt uns die Autorin in die Stadt Kopenhagen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und schildert beeindruckend das Leben von Frauen und Kindern der Arbeiterklasse.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2021

Eindrücklich erzählte Erinnerungen

Fast hell
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„Nach dem Mauerfall bin ich wie eine Feuerwerksrakete in die Welt geschossen. Die ganze Enge entlud sich in einer Art Urknall. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, viel nachholen zu müssen.“ (Zitat Pos. 643)

Inhalt
Anfang ...

„Nach dem Mauerfall bin ich wie eine Feuerwerksrakete in die Welt geschossen. Die ganze Enge entlud sich in einer Art Urknall. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, viel nachholen zu müssen.“ (Zitat Pos. 643)

Inhalt
Anfang der 2000er Jahre trifft Alexander Osang den in New York lebenden Kosmopoliten Uwe zum ersten Mal. Wie der Autor stammt auch Uwe ursprünglich aus Ostberlin und in der Folge treffen sie einander immer wieder. Als Alexander Osang 2019 für den SPIEGEL ein Porträt über Ostdeutsche schreiben soll, denkt er sofort an Uwe und dieser ist bereit, seine Geschichte zu veröffentlichen. Zusammen mit Uwes Mutter unternehmen sie eine Schiffsreise von Helsinki nach St. Petersburg. In den langen gemeinsamen Gesprächen verbinden sich Uwes lebhafte Geschichten mit Alexander Osangs eigenen Erinnerungen.

Thema und Genre
Dieses Buch handelt vom Aufwachsen in der DDR und der Situation der Ostdeutschen nach der Wende, Vergangenheit, Umbrüche, Aufbruch, Reisen und Leben zwischen Berlin, New York, Tel Aviv. Vor allem geht es um die Frage, wie sehr sich Dinge, die wir erlebt haben, in unseren Erinnerungen verändern und welche Geschichte wir dann tatsächlich als unsere Lebensgeschichte erzählen.

Charaktere
Uwe ist ein schillernder Weltenbürger und eine schwer zu fassende Figur. Seine Erlebnisse und die Menschen darin sind bunt, vielfältig und manchmal skurril, doch sind sie auch wahr? Der Journalist Alexander Osang, der als Ich-Erzähler von seinen Begegnungen und Gesprächen mit Uwe berichtet, begibt sich auf eine intensive Reise in die eigene Vergangenheit.

Handlung und Schreibstil
Der Hauptteil der Geschichte spielt zwischen Juli und September 2019. Er beginnt der Schiffsreise im Juli, mit der Fähre von Helsinki nach St. Petersburg, drei Tage in St. Petersburg. Darin eingeschlossen die Erinnerungen, zurück in die Familiengeschichte, die Zeit in der DDR, durch die dreißig Jahre zwischen dem Mauerfall und diesem Sommer 2019. Die Sprache erzählt poetisch, lebhaft, mit feinem Humor und viel Einfühlungsvermögen, beschreibt auch sehr gut die eigenen Zweifel, die Suche nach sich selbst.

Fazit
Einfühlsam umgesetzte, interessant zu lesende Einblicke in die Zeit nach dem Mauerfall und die gedankliche Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland, die auch nach dreißig Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Eine Reise in die Vergangenheit, das Leben, eingeschlossen in Erinnerungen. Großartig erzählt, bewegt sich die Geschichte zwischen poetischer Leichtigkeit und eindrücklicher Nachdenklichkeit. „Eine Erzählung dann eben, dachte ich, eine absurde, aber wahre Novelle.“ (Zitat im Epilog, Pos. 2482)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2021

Ein interessanter Familienroman

Die verstummte Liebe
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„Aber welchen Platz gab es für ein Mädchen aus reichem Haus in der Welt, das weder seine Familie noch seine Freiheit verlieren wollte? Sie hoffte so sehr, dass ihr die Reise durch Europa Antworten liefern ...

„Aber welchen Platz gab es für ein Mädchen aus reichem Haus in der Welt, das weder seine Familie noch seine Freiheit verlieren wollte? Sie hoffte so sehr, dass ihr die Reise durch Europa Antworten liefern und sie endlich befreien würde.“ (Zitat Pos. 437)

Inhalt
Am 2. Januar 1879 kommt Helen Mandeville in London als Tochter einer wohlhabenden Bankiersfamilie zur Welt. Das eigenwillige, wissbegierige Mädchen erhält eine umfassende Ausbildung, wie sie damals nur Söhnen vorbehalten war. Dennoch muss sie ihrem Vater gehorchen und im Mai 1899 findet die Verlobung mit dem sehr vermögenden, aufstrebenden Anwalt James Mitchell statt. Vor der Heirat wünscht sie sich eine Bildungsreise durch Europa. In Hamburg trifft sie ihre große Liebe, den Arzt Dr. Ludwig Ellerweg und heiratet ihn, sobald sie volljährig ist. Als ihre Mutter 1914 im Sterben liegt, reist Helen trotz aller Warnungen für einige Wochen zurück nach England. Ihr Mann bleibt mit dem gemeinsamen Sohn Fritz zu Hause in Hamburg. Als England Deutschland den Krieg erklärt, ist sie noch in London und der gefährliche Versuch, nach Hamburg zurückzukehren, scheitert. James Mitchell erweist sich als Freund und Retter und Helen trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Thema und Genre
In diesem Familienroman mit geschichtlichem Hintergrund, dem dritten Teil der Serie „Leise Helden“, geht es um die traditionelle Stellung der Frauen, um Familie, Ehe, Gefühle und Entscheidungen, die das Leben für immer verändern.

Charaktere
Helen Mandeville, die Mutter des Arztes Fritz Ellerweg aus „Im Lautlosen“ und „Die Stimmlosen“, steht im Mittelpunkt dieses Romans, denn es ist ihre Geschichte, die erzählt wird. Entscheidungen, die sie 1914 trifft, machen aus der selbstbewussten, glücklichen Frau eine verbitterte, harte Person, die sich selbst längst verloren hat. Voll Selbstmitleid sucht sie die Schuld bei den anderen, nur in einigen ehrlichen Momenten bei sich selbst. Dies macht sie wenig sympathisch.

Handlung und Schreibstil
Die Rahmenhandlung beginnt im November 1945 und umschließt die Geschichte von Helen, beginnend mit ihrer Kindheit, bis zu diesem Tag im November 1945, an dem Helen selbst ihrer Tochter Ellinor die Wahrheit über die Vergangenheit erzählt. Die Autorin wählt jedoch nicht die Ich-form, sondern die personale Erzählform, dadurch wird aus diesem zweiten Erzählstrang eine eigenständige Geschichte, der Hauptteil dieses Romans. Obwohl man die Ereignisse durch den Einstieg in der aktuellen Zeit 1945 schon kennt, ist es spannend, die Entwicklung bis zu diesem Punkt zu verfolgen. Die gesamte Handlung ergibt sich als Konsequenz einiger unwiderruflicher Entscheidungen der Hauptfigur Helen. Das damalige Verhalten von Helen ist für mich nicht stimmig und schwer nachvollziehbar, daher ist für mich die Geschichte nicht immer plausibel.

Fazit
Ein interessanter, angenehm und leicht zu lesender Roman, etwas sehr konstruiert und daher weniger glaubhaft und überzeugend, als die beiden ersten Bücher der Serie „Leise Helden“.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 04.01.2021

Regenbogenreise in das Tal der Kalle

Elfenborn
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„Das sah aus, als folgten die Gestalten da unten dem Regenbogen und seinem Weg bis in die Gegend von Elfenborn. Wie passend. Susannas Neugier war geweckt.“ (Zitat Seite 66)

Inhalt
An die weiße Frau, die ...

„Das sah aus, als folgten die Gestalten da unten dem Regenbogen und seinem Weg bis in die Gegend von Elfenborn. Wie passend. Susannas Neugier war geweckt.“ (Zitat Seite 66)

Inhalt
An die weiße Frau, die sie manchmal sieht und in ihren Gedanken hört, ist Susanne Kallen, eine moderne junge Frau Ende zwanzig, seit ihrer Kindheit gewöhnt. Doch erst als ihre Vorfahrin Anna, Freiin von Callendorf, dringend ihre Hilfe benötigt, erkennen beide die Zusammenhänge.

Thema und Genre
Ein Roman mit Regionalbezug und zugleich eine magische Zeitreise in das 17. Jahrhundert. Die Geschichte spielt in der grünen Hügellandschaft der alten Grafschaft Lippe, heute Gemeinde Kalletal. Themen, damals wie heute, sind Neid und Geldgier, Ausgrenzung und als Gegenteil Toleranz und Verständnis, aber auch Freundschaft und mutige, tatkräftige Frauen.

Charaktere
Susanna ist naturverbunden, offen, interessiert, und wenn ihre Hilfe benötigt wird, fragt sie daher nicht lange, sondern handelt.
Anna, Freiin von Callendorf, trägt die Verantwortung für das Gut und die Ländereien der Familie, obwohl sie erst zwanzig Jahre alt ist. Sie bemüht sie sich um Bildung für alle Kinder, aus allen Gesellschaftsschichten, um fortschrittliche Hygiene- und Gesundheitsbedingungen, was 1669 bei den meisten Menschen noch auf Unverständnis stößt. Doch sie ist mutig und lässt sich nicht beirren.

Handlung und Schreibstil
Dieser erste Band der RegenbogenReigen-Serie umfasst zwei Handlungsstränge. Die aktuelle Handlung spielt im Spätsommer 2019, der historische Teil findet 1669 statt. Auch wenn die Zeitreise in das Reich der Magie und Phantasie gehört, spürt man die genaue Recherche des Lebens in dieser Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und die spannende Geschichte liest sich glaubhaft, bunt und sehr lebendig. Der Autorin gelingt es, auch die Sprache der jeweiligen Zeit und den Figuren anzupassen, sie tut dies jedoch charmant und unverkrampft, sodass die Geschichte sehr angenehm zu lesen ist. Typische lippische Ausdrücke werden in einem Glossar am Ende des Buches erklärt, gefolgt von den Quellenangaben.

Fazit
Eine spannende, magische Zeitreise in das Tal der Kalle im Lipper Bergland, als die moderne Gemeinde Kalletal des 21. Jahrhunderts im 17. Jahrhundert noch die Grafschaft Lippe war. Was jedoch zeitlos ist, ist die Schönheit der Natur, die beim Lesen in unseren Gedanken entsteht und das unterhaltsame Lesevergnügen abrundet.

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