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Veröffentlicht am 31.07.2021

Eine interessante, großartig erzählte Geschichte, nicht nur für Bücherfreunde

Was uns kostbar ist
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„Es wird eine Bibliothek sein, eine Buchhandlung, ein Verlag, aber in erster Linie ein Ort für die Freunde, die die Literatur und das Mittelmeer lieben.“ (Zitat Seite 40)

Inhalt
Seit den 1990er Jahren ...

„Es wird eine Bibliothek sein, eine Buchhandlung, ein Verlag, aber in erster Linie ein Ort für die Freunde, die die Literatur und das Mittelmeer lieben.“ (Zitat Seite 40)

Inhalt
Seit den 1990er Jahren ist es keine Buchhandlung mehr, sondern eine Außenstelle der Nationalbibliothek Algier, dennoch war sie zwanzig Jahre lang der Lebensmittelpunkt von Abdallah, ein alter Mann unbestimmten Alters. Nun ist die Buchhandlung endgültig geschlossen und verkauft. Abdallah beobachtet täglich den jungen Mann, er heißt Ryad und ist ein Student, der einen Praktikumsnachweis benötigt. Vierzehn Tage hat Ryad Zeit, die Buchhandlung vollständig zu räumen, die Bücher zu entsorgen und die Wände zu streichen, denn in Zukunft werden hier Beignets verkauft. Als Student der Fachrichtung Ingenieurswesen hat Ryad keine Ahnung, was für ein besonderer Ort der Literatur dies hier ist, auf dessen Stufen einst auch Albert Camus gesessen ist und er weiß nicht, wer Edmond Charlot war, der Mann auf dem großen Portrait, der ihm zusieht.

Thema und Genre
Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die Literatur und die legendäre Buchhandlung Les Vraies Richesses in Algier, ihre Geschichte von der Gründung 1936 bis heute. Eng damit verbunden ist das Leben des Verlegers Edmond Charlots. Gleichzeitig ist dieser Roman auch ein Streifzug durch die wechselvolle Geschichte Algeriens, mit Unterdrückung und Bürgerkrieg auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

Charaktere
Edmond Charlot war ein Verleger und Literaturförderer, der sowohl in Algier, als auch in Paris im Verlagswesen tätig war. Er förderte bekannte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts vom Beginn ihrer Laufbahn an, lebte für die Literatur und das friedliche kulturelle Miteinander und ließ sich auch durch politischen Druck nicht beeinflussen.

Handlung und Schreibstil
Die Geschichte wird, was interessant und in modernen Romanen eher ungewöhnlich ist, teilweise auktorial erzählt. Einerseits erfahren wir die aktuelle Geschichte mit Ryad und Abdallah, andererseits die Geschichte der Buchhandlung und des Verlages. Geschildert wird das ereignisreiche Leben von Edmond Charlot mit seinen Geschäftspartnern, Freunden und aufstrebenden Schriftstellern vor dem realen geschichtlichen Hintergrund, Algerien im Spannungsfeld der politischen Umbrüche im Mittelmeerraum zwischen 1930 und 1961. Parallel dazu lesen wir das fiktive Tagebuch, die persönlichen Aufzeichnungen von Edmond Charlot, beginnend 1935 und endend 1961.

Fazit
Eine einfühlsam und packend erzählte Geschichte eines legendären Verlegers und seiner besonderen Buchhandlung, wo Schriftsteller und Leser aus allen Mittelmeerländern willkommen waren, egal, welche Sprache sie sprachen und welcher Religion sie angehörten. „Das heisst eine Buchhandlung, die Neues und Altes verkauft, die Werke ausleiht und die nicht einfach ein Laden wäre, sondern ein Ort der Begegnung und Lektüre.“ (Zitat Seite 31)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Die Nordseeinsel – ein kreativer Rückzugsort

Mein Helgoland
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„Ich werde wiederkommen müssen. Immer wieder. Und schreiben werde ich auch wieder.“ (Zitat Pos. 1239)

Thema
Dieses Buch von Isabel Bogdan ist eine interessante, sehr persönliche Mischung aus unterhaltsamen ...

„Ich werde wiederkommen müssen. Immer wieder. Und schreiben werde ich auch wieder.“ (Zitat Pos. 1239)

Thema
Dieses Buch von Isabel Bogdan ist eine interessante, sehr persönliche Mischung aus unterhaltsamen Schilderungen ihrer Tage auf Helgoland, der besonderen Eigenheiten dieser Insel und des Schreibprozesses, der Arbeit an ihrem Roman. Zitate aus dem Gesprächen zwischen Boy und seinem Urgroßvater, dem besten Geschichtenerzähler der Welt, aus dem zeitlosen Buch „Mein Urgroßvater und ich“ von James Krüss, ergänzen den Text.

Inhalt
Wenn die Schriftstellerin und Übersetzerin Isabel Bogdan an ihrem eigenen Buch schreibt, zieht sie sich auf die Nordseeinsel Helgoland zurück, denn nirgendwo sonst kann sie so kreativ über das Schreiben und die Unterschiede zwischen dem Übersetzen eines bereits bestehenden Romans und dem Schreiben eines eigenen Buches nachdenken. In ihren Gedanken diskutiert sie ihre Überlegungen, wie man eine Geschichte am besten erzählt, mit dem berühmten Helgoländer Schriftsteller James Krüss. Gleichzeitig wandert sie auf ihr seit Jahren vertrauten Wegen über die Insel und entdeckt trotzdem immer wieder Neues, lernt neue Menschen kennen. Wir erfahren viel über die Probleme des Insellebens, die vielfältige Vogelwelt und Natur dieser Insel, was es mit der einzigen Ampel Helgolands auf sich hatte und wissen nun auch, was „Sturmwichteln“ ist. Bei dieser Schilderung hatte ich sofort Bilder vor Augen und musste laut lachen, denn die Autorin erzählt lebendig und humorvoll.
Natürlich besucht sie bei jedem Aufenthalt auch die der Hauptinsel vorgelagerte kleine Insel Düne mit den Seehunden und Kegelrobben. Doch es gibt noch viel mehr zu erkunden, für den nächsten, den übernächsten Besuch, für irgendwann. „Man ist nämlich doch nicht so schnell fertig mit dieser Insel, wie man meint, wenn man zum ersten Mal sieht, wie klein sie ist.“ (Zitat Pos. 1226)

Fazit
Eine wunderbare, unterhaltsame Mischung aus Inselfeeling auf der manchmal rauen Nordseeinsel Helgoland und persönlichen Einblicken in den kreativen Schreibprozess der Schriftstellerin. Ein Buch für Lesebegeisterte, Reiselustige, Naturbegeisterte, Inselfans, Neugierige und Träumer.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 30.07.2021

Veränderungen als Chance für einen Neubeginn

Wir für uns
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„Das Dorf begegnet mir wie gewohnt. Nicht unfreundlich, aber auch nicht so, als würde ich dazugehören. Ich fühle mich geduldet, nicht zu Hause.“ (Zitat Pos. 108)

Inhalt
Seit neun Jahren führt Josie eine ...

„Das Dorf begegnet mir wie gewohnt. Nicht unfreundlich, aber auch nicht so, als würde ich dazugehören. Ich fühle mich geduldet, nicht zu Hause.“ (Zitat Pos. 108)

Inhalt
Seit neun Jahren führt Josie eine Dienstags-Beziehung mit dem acht Jahre älteren, verheirateten Bengt. Nun ist Josie schwanger, einundvierzig Jahre alt, doch obwohl Bengt nicht will, dass sie dieses Kind bekommt, zögert sie. Als sie auf der Straße einen Ring findet, lernt sie Kathi kennen, deren Mann Werner nach beinahe fünfzig gemeinsamen Ehejahren gerade verstorben ist. Vorsichtig beginnen die beiden so unterschiedlichen Frauen, miteinander zu reden und Josie trifft mehrere Entscheidungen, für ihr eigenes Leben, doch sie bringt auch Kathi auf neue Ideen, wobei diese erst lernen muss, sich von manchen alten, lebenslangen Vorstellungen zu lösen.

Thema und Genre
Dieser Familien- und Generationenroman handelt von unterschiedlichen Beziehungen und Familienstrukturen. Ein wichtiges Thema sind Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, das beharrliche Schweigen statt zu reden. Doch es geht auch um neue Möglichkeiten und Entscheidungen, um den Mut zum Neubeginn.

Charaktere
Josie ist Sozialpädagogin, doch ausgerechnet für ihr eigenes Leben fehlen ihr die Ideen. „Würde, wäre, hätte. Mein Leben mit dem Konjunktiv“ (Zitat Pos. 632) stellt sie in Bezug auf sich selbst fest. Zudem belastet ein Ereignis in der Vergangenheit, über das nicht gesprochen werden darf, das Verhältnis zu ihrer Mutter.
Kathis Ehe war mit den Jahren längst schweigsam geworden, sie lebte für ihr Lebensmittelgeschäft und hatte damals wenig Zeit für ihren Sohn Max. Den aktuellen Veränderungen im Leben von Max steht Kathi sprach- und fassungslos gegenüber.

Handlung und Schreibstil
Die Geschichte wird abwechselnd von Josie als Ich-Erzählerin und Kathi geschildert, wobei die Autorin hier in die personale Erzählperspektive wechselt. Dies belebt die Handlung. Der Schwerpunkt des Geschehens liegt bei den unterschiedlichen Frauenfiguren, ihrem Leben, den Möglichkeiten und ihren Entscheidungen, die meistens darin bestehen, sich nicht zu entscheiden, lieber zu verharren und zu schweigen. Die Handlung spielt in der unmittelbaren Gegenwart, wird jedoch durch Erinnerungen in Form von Gedanken und Gesprächen ergänzt, sodass sich ein nachvollziehbares Gesamtbild auch der Vergangenheit ergibt. Die Sprache entspricht dem Genre, sie beobachtet und beschreibt das Verhalten der einzelnen Figuren und ist flüssig zu lesen.

Fazit
Ein Roman, in dessen Mittelpunkt Frauenleben unserer Zeit, problematische Beziehungen und Familienkonflikte stehen.

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  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 28.07.2021

Interessant, ungewöhnlich und unterhaltsam - Lesevergnügen

Engel im Schatten des Flakturms
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„Der Abschied von Wien und der Plan, das in Wien begonnene Werk nun in Dr. Stidmanns Berliner Wohnung fortzusetzen und, wenn möglich, zu finalisieren, beides gehört untrennbar zusammen.“ (Zitat Seite 29)

Inhalt
Der ...

„Der Abschied von Wien und der Plan, das in Wien begonnene Werk nun in Dr. Stidmanns Berliner Wohnung fortzusetzen und, wenn möglich, zu finalisieren, beides gehört untrennbar zusammen.“ (Zitat Seite 29)

Inhalt
Der Ich-Erzähler ist Schriftsteller. Er sitzt an seinem Stammplatz, einem Zweiertisch in einer Nische am Fenster, im Café Prückel in Wien. Das Prückel hat er auch immer mit seinem verstorbenen Freund, dem Berliner Literaturwissenschaftler Franz Stidmann, besucht, wenn dieser in Wien war. Elf Jahre lang waren sie befreundet, nun ist sein Freund tot und der Ich-Erzähler hat dessen Wohnung mit dem großen Schreibtisch und einer umfassenden Bibliothek in Berlin geerbt. In einigen Stunden wird er im Nachtzug nach Berlin sitzen, um dort weiter an seinem Roman zu schreiben. In Stidmanns Aufzeichnungen findet er Einladungen von Kultureinrichtungen in der Schweiz und in Brasilien und er beschließt beide Orte im Andenken an seinen verstorbenen Freund zu besuchen.

Thema und Genre
In dieser Geschichte geht es um das Schreiben und die Entstehung eines Romans. Damit verbunden sind Literatur, Schriftsteller, ihre Werke und ihre Romanfiguren.

Charakter
Wir kennen den Namen des Ich-Erzählers nicht, aber wir wissen, wie er aussieht, dass er Schriftsteller ist, in Wien lebt und sich immer noch gerne an sein Studiensemester in Cambridge erinnert. Produktivität ist für ihn ein wichtiges Thema, der Schreibprozess, aber damit verbunden auch seine Selbstzweifel. Über seinen Freund Stidmann erzählt er, dass dieser im Aussehen und Verhalten dem Schriftsteller Uwe Johnson gleicht.

Handlung und Schreibstil
Der Ich-Erzähler berichtet über die aktuellen Ereignisse, er beginnt mit seinem Abschied von Wien im Café Prückel und seiner Reise nach Berlin. Die Handlung wird unterbrochen durch Erinnerungen an Cambridge, an seinen Freund Stidmann, Rückblenden, Stidmanns Aufzeichnungen und Berichte über die eigenen Fortschritte beim Schreiben. Bis zur letzten Seite warten Überraschungen, interessante Begegnungen und wirklich unvorhersehbare Wendungen auf uns Lesende.
Der Autor ist ein packender, phantasievoller und auch sprachlich immer wieder überraschender Erzähler. Seine Art, die Reise von Berlin nach Bern zu schildern, ist genial und malt sofort Bilder und das reale Gefühl langer Autofahrten in unsere Gedanken. Meine Wiener Seele hatte er schon vorher überzeugt, so wie er kann nur jemand diese vielschichtige Stadt schildern, der sie wirklich kennt und liebt, nicht nur die Hochglanzseiten, sondern das echte Leben. Auf den Seiten 41 und 42 beschreibt er in einem einzigen Satz das Nachtleben in der Wiener Innenstadt, dreizehn Zeilen, die genügen, um alle Szenen, Begegnungen und Eindrücke zu erfassen. Ähnlich lebendig, anschaulich und treffend sind auch seine Schilderungen des Lebens in Berlin.

Fazit
Dieser außergewöhnliche, mit Vergnügen zu lesende Roman ist die Geschichte des Entstehens einer Geschichte. Abenteuerliche Reisen mit der Bahn nach Berlin, mit dem Auto in die Schweiz, mit der Fähre über die Ostsee und mit dem Flugzeug über den Atlantik ans andere Ende der Welt, Gedankenwelten, Traumwelten, magisch-phantastische Welten, literarische Erlebnisse, Schriftsteller, ihre Werke, ihre Figuren: dies alles vereint sich im Notizbuch des Schriftstellers zum Roman.

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Veröffentlicht am 28.07.2021

Unbeschwerte Kindheitssommer

Nur hier sind wir einzigartig
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„Die Welt ist hier und nur hier, bebt lebendig und warm unter unseren Händen, unseren Füßen. Wir werden sie niemals verlassen.“ (Zitat Pos. 23)

Inhalt
Neun Monate des Jahres sind sie Denis, seine Schwester ...

„Die Welt ist hier und nur hier, bebt lebendig und warm unter unseren Händen, unseren Füßen. Wir werden sie niemals verlassen.“ (Zitat Pos. 23)

Inhalt
Neun Monate des Jahres sind sie Denis, seine Schwester Isabelle und Giacomo und leben in Belgien und Italien, doch in den drei Sommermonaten werden sie zu Niso, Evi und Zac. Jedes Jahr treffen sie einander mit anderen Kindern auf einer griechischen Insel. Auch Stella und Mikalis aus dem nahegelegenen Dorf gehören dazu. Während die Eltern als Archäologen auf dem Ausgrabungsgelände arbeiten und forschen, sind es für die Kinder Sommer in völliger Freiheit in der Natur, sonnige Tage am Meer, Entdeckungen und Abenteuer. Nie, denken sie, würde sich an ihrer Zusammengehörigkeit etwas ändern. Doch aus Kindern werden Jugendliche und Erwachsene. Was bleibt, sind Erinnerungen.

Thema und Genre
In diesem Roman geht es um unbeschwerte Ferientage am Rande einer Ausgrabungsstelle auf einer griechischen Insel. Es ist eine Coming-of-Age Geschichte, welche die unbeschwerten Feriensommer der Kinder und Jugendlichen mit ihren Zukunftsträumen der Realität des nunmehrigen Erwachsenenlebens gegenüberstellt.

Charaktere
Besonders für Niso, Evi und Zac fühlen sich diese Sommer wie ein völlig anderes Leben an, wie das einzig richtige Leben, die Monate dazwischen mit Schule und Alltag sind in dem Augenblick vergessen, in dem sie auf der Insel ankommen. Auch die Eltern sind ungezwungener, obwohl der Ehrgeiz ihre Arbeit als Archäologen antreibt und die Suche nach dem besonderen Fundstück.

Handlung und Schreibstil
Die Geschichte beginnt in der frühen Kindheit der Hauptfiguren. Erzählt werden die Ereignisse, die täglichen Erlebnisse und Entdeckungen in Form von Erinnerungen. Es sind eher Einzelepisoden, nicht immer chronologisch, aber zu jeweils einem besonderen Ereignis oder Tagesablauf, unterbrochen durch Schilderungen des aktuellen Lebens, denn aus den damaligen Kindern sind längst Erwachsene geworden. Die Ich-Erzählerstimme berichtet gleichzeitig von sich als dritter Person, im Laufe der Handlung ergeben sich Hinweise, wer die täglichen Erlebnisse damals aufgeschrieben hat. Auch wenn immer nur von einer griechischen Insel die Rede ist, ist auf Grund des Namens des nahegelegenen Dorfes und der Beschreibung der Form der Insel rasch klar, dass es sich um Kreta handelt. Was auch auf Grund der Ausgrabungen stimmig ist. Die Sprache ist poetisch und fängt den Zauber sonniger Kindheitstage am Meer ein, die Geschichte selbst verliert durch die Art des Erzählens von aneinandergereihten Episoden etwas von ihrer fließenden Leichtigkeit.

Fazit
Eine Geschichte über glückliche, völlig unbeschwerte Kindheitstage auf einer griechischen Insel, nachdenkliche Erinnerungen an Freundschaft, Sommer und Meer.

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