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Veröffentlicht am 06.12.2021

Illusionen...

Die Täuschung
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Das Cover ist schon mal die Wucht. Aber es geht ja nicht nur um das Cover, es geht auch und vor allem um den Inhalt. Um das, was sich dahinter verbirgt – und es verbirgt sich so einiges. „Die Täuschung“ ...

Das Cover ist schon mal die Wucht. Aber es geht ja nicht nur um das Cover, es geht auch und vor allem um den Inhalt. Um das, was sich dahinter verbirgt – und es verbirgt sich so einiges. „Die Täuschung“ ist ein sehr gelungener Psychothriller aus der Feder von Astrid Korten - ein phantastischer Blick hin zur Magie und mehr…

Victor Adams - der große Illusionist Horus - ist nach einer Zahnwurzelbehandlung verwirrt. Wo ist er? Warum ist er hier? Was ist geschehen?

Schon immer begeistert sich Victor für alles, was mit Zauberei zu tun hat - für Illusionen, denn das ist die bessere, die einzig richtige Beschreibung für ihn und seine Leidenschaft. Mit dreizehn Jahren nimmt er an einer Talentshow teil, sein Onkel Noah bringt ihm alles bei, hat ihn von klein auf in die Welt der Magie eingeführt und Victor war ehrgeizig und sehr zielstrebig.

Nun ist Horus der schnellste Illusionist der Welt, assistiert von Julia. Ein eingespieltes Team sind die beiden, jetten um den Globus, sind erfolgsverwöhnt. Bis Julia verschwindet. Einfach so. Der große Horus und seine Illusionen – Inspektor Banks ermittelt, verdächtigt Victor, seine Assistentin getötet zu haben. Wie soll er das angestellt haben, sie inmitten einer Show einfach auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen? Ist Julias Tod auch nur eine Illusion oder doch Wirklichkeit?

Astrid Korten ist das perfekte Verwirrspiel geglückt. Sie wechselt geschickt vom Gestern ins Heute, erzählt ihren Lesern ganz viel und doch nie genug, um hinter die Kulissen zu blicken. Man kennt Victor und die Seinen, sein Leben, seine Fähigkeiten. Sein ganzes Streben ist die Illusion. Beim Lesen vergewissere ich mich des Titels, weiß genau, dass diese Täuschung mich ganz bewusst in die Irre führt. Und komme doch immer wieder im Nichts an, muss den Fokus in eine andere Richtung lenken.

Und zwischendurch die Zahnschmerzen. Wie geht das zusammen, was steckt hinter dieser mysteriösen Geschichte?

Ja, so mag ich das. Schon von Anfang an nimmt die Autorin mich mit, dieser Psychothriller verhext und verzaubert, beeindruckt und begeistert mich gleichermaßen.

„Die Täuschung“ ist exzellent in Szene gesetzt von Astrid Korten, eine Meisterin ihres Fachs.

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Veröffentlicht am 05.12.2021

Extrem fesselnd

So eiskalt der Tod
4

Kate Marshall ist zurück und das mit voller Wucht. Mit Jake, ihrem mittlerweile 16jährigen Sohn, ist sie beim Tauchen an einem Stausee. Ein paar unbeschwerte Tage wollten sie verbringen, diese sind aber ...

Kate Marshall ist zurück und das mit voller Wucht. Mit Jake, ihrem mittlerweile 16jährigen Sohn, ist sie beim Tauchen an einem Stausee. Ein paar unbeschwerte Tage wollten sie verbringen, diese sind aber vorbei, als sie bei einem Tauchgang auf die extrem zugerichtete Leiche eines jungen Mannes stoßen. In Gesicht und Oberkörper sind Schnitte und tiefe Fleischwunden erkennbar. Der Fall wird von polizeilicher Seite schnell zu den Akten gelegt, jedoch bittet die Mutter des toten Jungen Kate, ihr zu helfen. Bald schon ist Kate, unterstützt von ihrem Assistenten Tristan, davon überzeugt, dass der Tote Opfer eines Serienkillers wurde. Ist Detective Chief Inspector Henry Ko einfach nur unfähig, dies zu sehen?

Nachdem mich „So blutig die Nacht“ sowohl schockiert als auch begeistert zurückgelassen hat, ich der Ex-Polizistin Kate Marshall mit ihrem Sohn endlich Ruhe gegönnt hätte, war ich in ihrem zweiten Fall wieder mit allen Sinnen dabei. Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und diese nicht nur zu halten, sondern immer wieder ein Stück zu steigern.

Robert Bryndza erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln, lässt seine Leser tief in die Gedanken, in das Tun seiner Charaktere blicken. Beschreibt aus Opfersicht, wie es sich anfühlt, all das Grauenvolle zu durchleben, ohnmächtig abzuwarten. Rückt so einige finstere Gestalten ans Licht. Jeder hätte genug kriminelle Energie für diese Schreckenstaten.

Kate und Tristan sind mir noch sehr vertraut. Ihre Art, den Dingen auf den Grund zu gehen, lässt mich so manches Mal herzklopfend weiterlesen. Im ersten Band war viel Privates dabei, es gehörte einfach zur Story und auch hier, im zweiten Fall als Privatermittlerin, werden ihre Vergangenheit und ihr jetziges Leben mit einbezogen. Das Private lockert den „eiskalten Tod“ auf, macht die Story wohldosiert richtig rund.

In „So eiskalt der Tod“ erzählt Robert Bryndza wiederum extrem spannend und sehr fesselnd von all den menschlichen Abgründen - der gelungene zweite Fall für Kate Marshall und Tristan, ihrem Assistenten, den ich sehr gerne weiterempfehle. Ein Leckerbissen für Thriller-Fans.

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Teuflisch, spannend, unterhaltend

Teufelsnetz
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Lisa und Jason, die momentan populärsten Social-Media-Promis und Lifestyle Blogger Finnlands, sind spurlos verschwunden, nachdem sie auf der Party des Rappers Kek Mace´s dessen neuestes Album gefeiert ...

Lisa und Jason, die momentan populärsten Social-Media-Promis und Lifestyle Blogger Finnlands, sind spurlos verschwunden, nachdem sie auf der Party des Rappers Kek Mace´s dessen neuestes Album gefeiert hatten. Fast zeitgleich wird eine als Manga-Mädchen verkleidete junge Frau tot an den Strand gespült – Zufall? Oder haben diese beiden Fälle miteinander zu tun?

Meine erste Begegnung mit Max Seeck. „Hexenjäger“, den ersten Band der Reihe um Jessica Niemi habe ich (noch) nicht gelesen. Auch wenn einiges auf diesen Vorgängerband hindeutet, war ich doch gleich mittendrin. Wohl dosiert bindet der Autor alles Nötige in sein „Teufelsnetz“ ein, sodass ich mir einen guten Überblick in das Leben und Wirken seiner Protagonisten verschaffen konnte.

Eine so ganz andere Welt, in die ich mitgenommen werde. Es gibt sie zuhauf, die Blogger und Influencer. Jeder möchte berühmt sein, viel Geld mit dem Werben für alles Mögliche verdienen, nur wenige schaffen den Aufstieg in diese Scheinwelt. Social Media ist das Thema unserer Zeit, die jungen Leute kennen es gar nicht mehr anders. Abgründe tun sich auf, es geht ins Verborgene, das Dark Net verspricht Schutz. Und Manga in seiner ursprünglichen Form ist der japanische Begriff für Comics, die Verkleidung weckt Begehrlichkeiten. Phantasien können ausgelebt, die Spuren nicht zurückverfolgt werden. Die skrupellosen Machenschaften derer, bei denen ein Menschenleben nicht zählt – der Autor versteht es hervorragend, all diese verwerflichen Grausamkeiten in unterhaltsamer Form aufzubereiten.

Vor diesem Hintergrund ermittelt Jessica Niemi, die brillante Polizistin. Max Seeck hat mit ihr eine nahbare Figur erschaffen, die man einfach mögen muss, auch wenn sie ihre Geheimnisse hat. So ganz anders lebt, als es den Anschein hat. Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, sind auf ihre Art einzigartig. Die Handlung schreitet voran, so manches Mal kommen sie nicht weiter, stehen vor verschlossenen Türen. Der Mix aus Privatem und der Ermittlungsarbeit um das Verschwinden der beiden Blogger und den Tod des Manga Mädchens ist gut austariert. Jessica lässt nicht locker, Hindernisse sind da, um aus dem Weg geräumt zu werden, aber auch sie stößt an ihre Grenzen. Und - nicht jeder meint es gut mit ihr.

Ich lese einen raffiniert gemachten Thriller, der all das hat, was eine gut durchdachte Story braucht. Der Autor lässt seine Leser tief blicken, führt sie dann aber doch in eine Richtung, in der es scheinbar nicht weitergeht. Spannend, irritierend und zutiefst verstörend geht es zu. Ein Buch, das man nicht weglegen kann, es kommt immer wieder anders - bis zum bitteren Ende.

Jessica Niemis Spuren werde ich weiterverfolgen. „Teufelsnetz“ - ein teuflisch guter Thriller, den Max Seeck hier vorgelegt hat.

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Historie - gekonnt verpackt

Gold und Ehre
7

In Amsterdam des Jahres 1650 begegnen wir Benjamin Aard, der einen Beinaheabsturz riskiert, als er zu nachtschlafender Zeit in luftiger Höhe am Stadtwall seine Studien betreibt. Stets neugierig will der ...

In Amsterdam des Jahres 1650 begegnen wir Benjamin Aard, der einen Beinaheabsturz riskiert, als er zu nachtschlafender Zeit in luftiger Höhe am Stadtwall seine Studien betreibt. Stets neugierig will der talentierte junge Architekt den Dingen auf den Grund gehen und mit dabei ist sein Freund und Cousin Theo, dessen ganze Leidenschaft der ärztlichen Kunst gilt. Sie erlauschen, dass die Stadt in Gefahr ist - Prinz Wilhelm von Oranien lässt 12000 Mann gen Amsterdam ziehen. Dieses Wissen können sie natürlich nicht für sich behalten, bei ihrem überstürzten Aufbruch vergisst Benjamin die Öl-Uhr und gerät kurz darauf in Verdacht, für den Brand der Mühle am Stadtwall verantwortlich zu sein. Michiel, sein Vater, schickt ihn daraufhin nach Hamburg. Dort begegnet ihm Lucia, die für das karge Auskommen ihrer Familie sorgen muss.

„Gold und Ehre“ von Sabine Weiß ist der Nachfolgeband von „Krone der Welt“ und gewährt neben dem geschichtlichen Hintergrund tiefe Einblicke in das damalige gutbürgerliche Leben. Nach den Befreiungskriegen spaltete sich das Land in die katholisch geprägten Spanischen Niederlande im Süden und die reformierte Republik der sieben Provinzen im Norden auf. Das Schicksal der fiktiven Personen verknüpft die Autorin mit dem Leben und Wirken der historischen Persönlichkeiten wie das des Politikers Johan de Witt, des Architekten Jacob van Campen oder Christina, der Königin von Schweden, um nur einige zu nennen.

Geschichtsunterricht, gut verpackt im Leben der so unterschiedlichen Charaktere, weckt ganz viel Neugier auf mehr. Mit Theo, dessen Lebenstraum auf Druck seines Vaters ihn über die Meere führt, begegnen wir der grausamen Wirklichkeit des Sklavenhandels und landen in der neuen Welt, in Nieuw Amsterdam, heute als New York wohlbekannt.

Während Benjamin versucht, in Hamburg Fuß zu fassen, wird der Michel gebaut - in nur 25 Jahren ist der erste Bau dieses Wahrzeichens der Stadt fertiggestellt. In seinen Hamburger Jahren reift er zum Mann, begegnet in Lucia einer Frau, die ihn mit allen Sinnen fesselt. Hier nimmt Sabine Weiß ihre Leser mit in die aus heutiger Sicht unzumutbaren gesellschaftlichen Normen und Regeln, der sich eine Frau, noch dazu alleinstehend, zu unterwerfen hatte. Auch das enge Familienkorsett, in dem Benjamins Vater Michiel ein strenges, unerbittliches Regiment führt, er von seinen Söhnen auch in späteren Jahren Gehorsam einfordert, zeichnet ein Bild der Gesellschaft des 17. Jahrhunderts.

Samuel ist eher derjenige, dessen Existenz sich speist aus dem unbedingten Willen, in der Welt der Adeligen aufgenommen zu werden, er sich mit seinem Geld die Gunst des englischen König Charles erkaufen will. Um Benjamin, Theo und Samuel rankt sich der fiktive Teil, der mit den gut recherchierten historischen Daten ein harmonisches Ganzes bildet.

Gut gefällt mir auch neben dem stilvollen Cover der Stadtplan von Hamburg um 1650 sowie das Verzeichnis der wichtigsten Personen, was für mich anfangs immer enorm nützlich ist. Später dann kenne ich sie alle, kann sie und ihre Charaktereigenschaften gut einschätzen. Und im Glossar werden viele Begriffe nochmal dargestellt, einiges erklärt sich von selbst, aber bei weitem nicht alles.

Amsterdam erleben wir hier in seiner Blütezeit, während Hamburg eher provinziell war - ein spannendes Stück Zeitgeschichte, anhand der fiktiven Personen anschaulich dargestellt und geschickt verwoben mit dem historischen Hintergrund.

Schon „Krone der Welt“ hat mich ganz tief hineingezogen in die damalige Zeit. In „Gold und Ehre“ begegnete ich der Architektenfamilie Aard wieder, Sabine Weiß hat eine Generation übersprungen, die historischen Fakten mit ihren erdachten Figuren mit dem Alltagsleben anno dazumal vermengt und einen unterhaltsamen Roman aufgelegt, der in allen Belangen überzeugt.

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Veröffentlicht am 30.11.2021

Ein Schneedrama der tödlichen Art

Das Chalet
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Erin und Danny, die Gastgeber im Chalet, warten auf ihre illustren Gäste. Neun Personen sind gemeldet, die Firmengründer eines IT-Unternehmens und ihre Mitarbeiter wollen einige Tage hier oben in diesem ...

Erin und Danny, die Gastgeber im Chalet, warten auf ihre illustren Gäste. Neun Personen sind gemeldet, die Firmengründer eines IT-Unternehmens und ihre Mitarbeiter wollen einige Tage hier oben in diesem luxuriösen Chalet verbringen. Arbeiten und Skifahren, sich verwöhnen lassen inmitten der herrlichen Landschaft, das ist ihr Plan. Gleich mal ist die Verwirrung groß, es ist eine Person mehr zugegen, sie haben Liz vergessen! Natürlich wird dieses Problem gelöst, der Spaß kann beginnen.

Anfangs zieht sich alles in die Länge. Jeder wird charakterisiert, zunächst auf die hippe, junge Art. Genau so wie Snoop, das stylische Start-up sich darstellt. Ich beschließe, dieses Vorgeplänkel zugunsten der Story, die sich dann langsam entwickelt, zu ignorieren. Wenn man erst mal ein Gespür für sie alle entwickelt hat, sie einigermaßen einschätzen kann, nimmt diese Geschichte Fahrt auf.

Aus der Sicht von Erin und Liz erfährt der Leser so einiges. Zwei Normalos inmitten der verwöhnten Meute, so hat es den Anschein. Sie sind alle abgehoben, wähnen sich in anderen Sphären. Geben sich arrogant, sind snobistisch, anmaßend und blasiert, sind die Überflieger schlechthin. Doch so nach und nach wird so manches Geheimnis gelüftet, eine unheilvolle Atmosphäre macht sich breit, nachdem eine Lawine sie alle von der Außenwelt abgeschnitten hat. Es werden die Dämonen sichtbar, erst wird eine Person vermisst, dann gibt es Tote.

"Das Chalet" beginnt zäh, steigert sich aber dann gewaltig. Ist man erst angekommen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Ruth Ware greift sich ihre Leser regelrecht, man entkommt ihr nicht. Nur schade um den so langatmigen Anfang. Einige Passagen waren dann doch schnell durchschaubar, anderes dagegen so gar nicht greifbar. Ein Thriller inmitten eines Schneedramas, der spannend und mysteriös daherkommt. Keinem ist zu trauen, jeder wird kritisch beäugt, das Misstrauen ist mit Händen greifbar.

Fesselnd und furchteinflößend bis zum Schluss, genial inszeniert. Hat man sich erst eingelesen, die Akteure kennengelernt, gibt es kein Halten mehr. „Das Chalet“ will gelesen werden. Unbedingt.

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