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Veröffentlicht am 22.01.2021

Eine Liebeserklärung an Berlin und seine Einwohner

Kinder ihrer Zeit
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Januar 1945: es ist eiskalt, es liegt hoch der Schnee und dennoch wagen sie, die unter Todesstrafe verbotene Flucht aus Ostpreußen. Rosa und ihre11jährigen Zwillingstöchter Alice und Emma machen sich auf ...

Januar 1945: es ist eiskalt, es liegt hoch der Schnee und dennoch wagen sie, die unter Todesstrafe verbotene Flucht aus Ostpreußen. Rosa und ihre11jährigen Zwillingstöchter Alice und Emma machen sich auf den Weg nach Westen, weg von ihrer Heimat aber vor allem weg von der russischen Armee, deren Ruf ihr unheilvoll vorauseilt. Eingepackt in viele Schichten Kleidung und mit den restlichen wenigen Lebensmitteln. Aber schon bald müssen sie ihre kräftezehrende Reise unterbrechen, da Alice hohes Fieber bekommt und nicht mehr weiter kann. Sie finden Unterschlupf bei einer alten Frau am Rande eines Dorfes. Am nächsten Morgen erkennt Rosa, dass sie unbedingt Nahrung benötigen, um Alice am Leben zu erhalten. So macht sie sich gemeinsam mit Emma auf die Suche in den umliegenden verlassenen Häusern, um dort die letzten Reserven mitzunehmen. Als sie ins Dorf zurückkommen, müssen sie entsetzt feststellen, dass das Dorf von den Russen überrannt und besetzt wurde. Die Bewohner werden zusammen getrieben und viele Häuser in Brand gesteckt. Aus sicherer Entfernung müssen Rosa und Emma ausharren, bis sich die Lage wieder beruhigt, nur um Alice zu suchen. Vergeblich, denn die alte Frau liegt erschossen zwischen den verkohlten Mauern ihres Hauses. In der Gewissheit, dass Alice diesen Überfall nicht überlebt haben kann, ziehen die zwei weiter und finden sich schließlich in West-Berlin wieder, wo sie sich langsam eine einfache Existenz aufbauen. Rosa hat diese Flucht nicht nur eine ihrer Töchter gekostet sondern auch ihre Gesundheit. Dennoch arbeitet sie hart, um Emma Normalität und Stabilität zu geben. Emma zeigt sich schon früh sprachbegabt und erhält nach einigem Zögern ihrer Mutter die Möglichkeit sich zur Dolmetscherin ausbilden zu lassen. 12 Jahre später steht Alice plötzlich vor ihrer Schwester und erzählt ihr, wie sie überlebt hat.
Bis hier könnte es sich um eine "einfache" Familiengeschichte handeln, aber die Autorin lässt auch dieses Mal historische Tatsachen mit fiktiven Figuren verschmelzen. Es ist eine Geschichte die in und rund um Berlin spielt. Für mich war es eine kleine Liebeserklärung an eine Stadt, die so viel zu erzählen hat, die so viel erlebt hat und sich immer wieder wie ein Phönix aus der Asche erhebt. Eine Stadt, die wie (fast) keine andere Stadt der Welt ein Spielball der Politik, verschiedener Regierungssysteme und Geheimdienste wurde und sich dennoch gegen alle Widrigkeiten eine Weltoffenheit erhalten hat.
Genau in diesen prägenden Zeiten lernen sich Emma und Alice wieder kennen, denn Zeit und Erziehung haben sie einander fremd werden lassen. Zwei junge Frauen, die in ihrer jeweils neuen Heimat Fuß gefasst haben und nun neue Einblicke bekommen, neue Freunde kennenlernen und sich in den gefährlichen Zeiten zurecht finden müssen.
Ein Buch, das mich noch lange beschäftigt hat, denn Berlins Geschichte endet nicht mit Mai 1945. Die Bewohner Berlins (egal ob Ost oder West) sind Helden des Alltags gewesen. Ihnen gehört diese Geschichte, die so eindringlich zeigt, dass Mut, Courage, Liebe und Freundschaft immer zu finden sind.

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Veröffentlicht am 20.01.2021

Gute Grundidee ...

H.O.M.E. - Das Erwachen
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Dürre, verwüstete Städte, Flüchtlingsströme in der Norden, wo es noch Wasser gibt. Der Kampf ums nasse Gold ist voll entflammt.

Zoe erwacht in einem Krankenhaus mit Erinnerungen an ein gänzlich anderes ...

Dürre, verwüstete Städte, Flüchtlingsströme in der Norden, wo es noch Wasser gibt. Der Kampf ums nasse Gold ist voll entflammt.

Zoe erwacht in einem Krankenhaus mit Erinnerungen an ein gänzlich anderes Leben. Geordnet, voller Aufgaben und Routinen, mit reichlichen Mahlzeiten, genügend Wasser, frischem Obst und Gemüse. Doch ein Blick in den Spiegel beweist, sie ist nicht mehr das Mädchen mit den langen Haaren, dem muskulösen trainierten Körper: Glatzköpfig, spindeldürr und von austrainiert keine Spur.

Doch was ist echt? Was Realität und was Fiktion? Wer sind diese Menschen, die behaupten ihre Familie zu sein?

Die Grundidee sowie die endzeitliche Welt fand ich toll. Allerdings befürchte ich, dass ich für dystopische Jugendbücher zu alt werde. Ich hinterfrage zu viel und erwarte mir auch Antworten. Ich kann leider auch manche Dinge nicht einfach so akzeptieren.

Aber ich will echt wissen, wie es weitergeht. Damit hat die Autorin doch viel richtig gemacht.

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Veröffentlicht am 20.01.2021

Netter Auftakt zu einer Trilogie um BFF

Passion on Park Avenue
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Warum werden Frauen zu BFF? Weil sie sich lange kennen, sie miteinander aufgewachsen sind, oder weil eine mit einem Mann Brayden verheiratet war, der eine Langzeitgeliebte hatte und eine neue Geliebte. ...

Warum werden Frauen zu BFF? Weil sie sich lange kennen, sie miteinander aufgewachsen sind, oder weil eine mit einem Mann Brayden verheiratet war, der eine Langzeitgeliebte hatte und eine neue Geliebte. So treffen sich Claire (Ehefrau), Audrey (1. Geliebte) und Naomi (2. Geliebte) abseits von Braydens Beerdigung aufeinander. Anstatt sich die Augen auszukratzen, beschließen sie einander kennenzulernen.
Die Ausgangssituation fand ich ausgesprochen erfrischend und anders: Peinlich, stressig und seltsam. Aber was könnte Frauen mehr zusammenschweißen als ein betrügerischer Mann? Sie beschließen, einander bei künftigen Bekanntschaften Ratschläge zu geben und auch potentielle Schwindler zu entlarven und zu vertreiben. Mir fehlte ein wenig die BFF Zeit dafür war Naomis Entwicklung toll zu verfolgen. Denn ihren neuen Nachbar Oliver kannte sie in ihrer Kindheit und möchte ihm so richtig ihren Erfolg unter die Nase reiben. Denn damals war er eingebildet, beleidigend und verlogen. Heute jedoch ist er verstörend sympathisch und nett.
Teil 1 einer Trilogie

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Veröffentlicht am 20.01.2021

Witzig, warmherzig und romantisch bis zum Schluss

Park Avenue Player
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Das Autorenduo ist bekannt für humorvolle und witzige Geschichten. Hier beginnt es schon sehr lustig, weil Elodie auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch einen kleinen Unfall hat. (über die Schuld wird ...

Das Autorenduo ist bekannt für humorvolle und witzige Geschichten. Hier beginnt es schon sehr lustig, weil Elodie auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch einen kleinen Unfall hat. (über die Schuld wird bis heute diskutiert) und es stellt sich heraus, dass der andere Unfallbeteiligte ihr zukünftiger Boss wäre. Dass sie den Job tatsächlich bekommt, hat sie dem Zufall und ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken. Ihr neuer Chef Hollis LaCroix ist ein höllisch attraktiver Workoholic, der sich überraschend um seine 11jährige Nichte Hailey kümmern muss. Hier kommt Elodie ins Spiel und sie zieht ihrem Boss den letzten Nerv.
Neben den rasanten Wortduellen zwischen Elodie und Hollis, bleibt auch genügend Raum für die Ängste und Vergangenheit der beiden.
Vergangenheit, die sie näher verbindet, als auch nur annähernd vermutet.

Wie immer gelungen, kurzweilig und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 28.07.2020

Drei Freunde mitten in furchtbaren Zeiten

Schatten der Welt
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Als bei Lovelybooks zu einer Leserunde mit Gewinnspiel zu Andreas Izquierdos neuem Roman aufgerufen wurde, musste ich mich sofort anmelden. Es waren sehr viele Bewerbungen und als ich die Nachricht über ...

Als bei Lovelybooks zu einer Leserunde mit Gewinnspiel zu Andreas Izquierdos neuem Roman aufgerufen wurde, musste ich mich sofort anmelden. Es waren sehr viele Bewerbungen und als ich die Nachricht über meinem Gewinn bekam, habe ich mich sehr darüber gefreut.

Eigentlich hätte ich das Buch (fast) in einem Rutsch durchlesen mögen, aber der Umbau kam mir in die Quere, weil sämtliche Handwerker sehr viel früher Zeit hatten, als geplant. Da konnte ich doch nicht nein sagen.
So blieb das Buch sehr viel länger an meiner Seite und ich bin froh über jede Minute. Die Zeiten, die ich mir stehlen konnte verbrachte ich mit Isi, Carl und Artur.

Mit seinen Worten lässt der Autor die Welt von 1910 in Preußen wieder auferstehen. Thorn, ein Ort stellvertretend für viele andere, in der die Reichen herrschen, schalten und walten, in der Armut, Unterdrückung und Demütigungen an der Tagesordnung stehen.

In diesem rauen Umfeld wachsen die drei Hauptfiguren auf. Isi, eigentlich Louise hat noch zwei Schwestern, ihre Mutter und ihren sehr strengen Vater, der unbedingt gesellschaftlich vom Lehrer zu einer wichtigen Person des öffentlichen Lebens aufsteigen will. Doch Isis rebellischer Geist funkt ihm ständig dazwischen.

Artur, schon mit 14 groß gewachsen und ein geborener Anführer. Sein Ideenreichtum wird nur durch seine Kühnheit übertroffen. Selbst sein Vater, ein Trinker und Schläger hält sich bei ihm aus Angst zurück.

Carl, Sohn eines jüdischen Schneiders, ist sehr zurückhaltend, schüchtern. Neben der Schule arbeitet er mit seinem Vater, der in Erinnerungen an seine verstorbene Frau schwelgt und seinen Sohn über alles liebt.

Anfangs erscheint die Geschichte in jugendlichem Charme und Enthusiasmus. Artur plant diverse Unternehmungen bzw. Streiche, die vor allem Carl häufig aus seiner Wohlfühlzone holen. Isi ist dagegen immer mit Feuereifer dabei. Bei näherer Betrachtung werden auch die groben Mängel in der preußischen Gesellschaft beleuchtet. Da ein Blick hinter die Kulissen der Politik, dort ein vertuschtes Verbrechen an einer jungen Frau. Adelige, die sich die Welt so drehen und wenden, wie es ihnen gefällt.

Doch trotz Armut lassen sich die drei Freunde niemals unterkriegen. Sie stehen immer zueinander, helfen, wo es nur geht und versuchen ihre Träume zu verwirklichen. Als dann der Erste Weltkrieg ausbricht, müssen sie getrennte Wegen gehen. Ohne zu wissen, ob sie sich je wiedersehen werden und welche Opfer sie in diesem unmenschlichen Gemetzel erbringen werden müssen.

In "Schatten der Welt" geht es hauptsächliche um wahre, tiefe Freundschaft. Die gedeiht in mitten einer kalten und scheinbar herzlosen Welt. Geprägt von alten Strukturen und Machtverhältnissen, die von den Regierenden um jeden Preis gehalten werden möchten.

Eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich zurück gelassen hat. Aber auch dankbar über die Zeit, in der wir nun Leben, auch wenn ich weiß, dass vieles sich noch verändern muss.

Ich weiß, dass der Autor weiter über Isi, Artur und Carl schreibt. Ich werde geduldig auf das Buch warten, denn die drei gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.

Für Fans von historischen Roman auf jeden Fall eine kräftige Empfehlung.

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