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Veröffentlicht am 08.07.2020

Liebesgeschichte in schwedischer Natur

Nur noch ein bisschen Glück
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Bei der Stockholmerin Stella läuft es gerade so gar nicht rund: Ihr Freund hat sie betrogen, sie verlässt ihn und verliert dadurch sowohl Wohnung als auch Job. Ihr einziges Ziel ist nun, ihr Erbe, ein ...

Bei der Stockholmerin Stella läuft es gerade so gar nicht rund: Ihr Freund hat sie betrogen, sie verlässt ihn und verliert dadurch sowohl Wohnung als auch Job. Ihr einziges Ziel ist nun, ihr Erbe, ein Grundstück auf dem platten Land in Südschweden, zu verkaufen, um mit dem Geld ihren großen Traum zu verwirklichen: ein Modestudium in New York. Das Grundstück erweist sich als Alptraum, ein völlig verwilderter Acker mit einer Bruchbude ohne Strom und fließend Wasser. Eigentlich will Stella so schnell wie möglich verschwinden, wäre da nicht der nette Nachbar Thor, Biobauer auf dem Nachbarhof, der sich mehr und mehr um sie bemüht und eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt…

Dies ist eine gefällige und gut zu lesende Liebesgeschichte mit super sympathischen Figuren und einem Hang zu deftigen Liebesszenen. Stella und ihre Geschichte gehen einem sofort zu Herzen, man lebt mit ihr mit und wünscht ihr alles Glück der Welt. Aber auch Thor ist ein super Sympathieträger, auch wenn er phasenweise doch sehr das kerniger-Naturbursche-Klischee verkörpert. Da aus ihrer beider Sicht erzählt wird, erhält der Leser in beider Gefühlswelt intime Einblicke. Das ist aus dem Grund interessant, weil beide sich selbst und einander immer wieder versichern, dass ihr Zusammensein nichts Festes sein kann. Beide reflektieren viel über ihr Leben, über vergangene Beziehungen und über sich, beide haben einiges an Vergangenheitsbewältigung zu betreiben und kommen außerdem aus gänzlich verschiedenen Welten. Aber für seine Gefühle kann man ja bekanntlich nichts…

Stella ist ein recht spannender Charakter und gefiel mir wirklich gut. Als Halbinderin entspricht sie schon optisch keiner sogenannten schwedischen Norm und erfuhr dadurch Rassismus, als Stockholmerin ist sie außerdem städtisch durch und durch und sie musste schon früh auf eigenen Beinen stehen, ist also alles andere als das „kleine Weibchen“, für das sie viele halten. Sie weiß sich durchzusetzen und ist clever und ehrgeizig, aber auch emotional, sehr loyal und treu zu ihren Freunden und hilfsbereit und empathisch - eine Menschenfreundin, die das Beste bei Menschen hervorheben will. Besonders diese Gegensätze und ihr Kulturschock im ländlichen Südschweden wurden sehr humorvoll und bildhaft erzählt. Auch die anderen Charaktere – hier besonders Thor und seine Familie - sind durchaus schön herausgearbeitet, und die Autorin versteht es, sie und die schwedische Landschaft vor dem geistigen Auge auferstehen zu lassen. Der locker-flockige Schreibstil tut sein Übriges, um das Buch in einem Rutsch herunterlesen zu können. Mir persönlich war er allerdings manchmal zu locker und wenig romantisch und glitt besonders bei den doch sehr häufigen Liebesszenen ins Vulgäre ab. Diese traten in einer für meine Begriffe sehr konstruierten Häufigkeit auf, wohingegen manch andere Ereignisse und Wendungen abrupt geschahen und nicht nachvollziehbar waren. Ich hätte mir mitunter weniger zahl- und detailreiche Beschreibungen von Liebespraktiken und Orgasmen gewünscht und stattdessen mehr Hintergründe z.B. über Familienthemen und -geheimnisse oder über die Dorfbevölkerung erfahren.

Fazit: Durchaus gelungener Liebesroman mit sympathischen Charakteren und viel schwedischem Lokalkolorit. Die detailreichen Liebesszenen muss man in der Häufigkeit mögen und dafür Abstriche in der Logik der Handlung machen, dann erhält man ein vergnügliches Buch mit einem dann doch sehr romantischen Schluss und mit einer reizenden Hauptfigur, die authentisch ist und sich selbst treu bleibt.

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Veröffentlicht am 17.06.2020

Eine Kindheit auf Sylt

Ozelot und Friesennerz
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Susanne Matthiessen, gebürtige Sylterin, mit Job und Wohnsitz auf dem Festland, blickt zurück auf ihre Kindheit, die inmitten der „Goldenen Sylter Jahre“ in den 70ern stattfand. Dies tut sie mit einem ...

Susanne Matthiessen, gebürtige Sylterin, mit Job und Wohnsitz auf dem Festland, blickt zurück auf ihre Kindheit, die inmitten der „Goldenen Sylter Jahre“ in den 70ern stattfand. Dies tut sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, zuweilen sehr launig und humorvoll, aber immer wehmütig und mit liebevollem Blick auf die Menschen. Auslöser im Buch ist das im Prolog beschriebene traditionelle Biikebrennen auf der Insel, eines der letzten wirklich typisch friesischen Ereignisse, das die Einheimischen nicht unbedingt immer mit den Feriengästen teilen wollen. In teilweise recht skurrilen Situationen erinnert sich die Autorin an das Sylt vergangener Jahre, in denen die geschäftstüchtigen Sylter den Tourismus entdeckt und voll ausgeschöpft haben und in denen jede Menge Prominenz die Insel heimsuchte und eine Menge Geld dort ließ. Die Kinder waren weitgehend sich selber überlassen, stromerten, wenn sie nicht gerade in den jeweiligen Geschäften ihrer Eltern aushalfen oder Schule hatten, frei auf der Insel herum. Es gab noch dörfliche Gemeinschaft, und bei allem Geschäftssinn gab es doch einen großen Zusammenhalt unter den Einheimischen, auch wenn der Gast immer König war und in machen Ferienhäusern zur Familie gehörte. Die Autorin gibt tiefe Einblicke in ihr Familienleben, das sich, gemäß der Profession ihrer Eltern, weitgehend in deren Pelzgeschäft abspielte, welches sich in der Haupteinkaufsstraße in Westerland befand und in welchem sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand gaben. Dies zeigt sich im Titel, und konsequenterweise sind auch die einzelnen Kapitel mit Pelzarten überschrieben. Diese haben dazu dann auch einen deutlichen Bezug, sprich ein Erlebnis, zur Kapitelüberschrift, geben aber darüber hinaus Einblicke in andere Familien oder das Inselleben allgemein.

Auch wenn die Situationen vielleicht nicht eins zu eins so stattgefunden haben und genau dem Protagonisten zugeordnet werden können, so haben sich doch so ähnlich abgespielt und zeigen sehr anschaulich das Leben in dieser Zeit auf einer Insel, deren Mikrokosmos wie eine Flutwelle von Außenstehenden überspült, deren Gemeinschaftsleben von Gästen infiltriert und deren Insel von Zweitwohnungsbesitzern und Baulöwen okkupiert wurde. Demgemäß ist es auch ein sehr persönliches Buch der Autorin, die genau weiß, dass das Leben weitergehen muss und dass diese Zeiten nicht wiederkommen werden, die aber auch aufrütteln und den Blick auf die Dinge lenken will, die nicht optimal laufen, und die Menschen, Einheimische ebenso wie Zugereiste, Gäste und nicht zuletzt die Politik bitten will zu hinterfragen und nicht einfach nur um des Profits Willen den Ausverkauf der Insel vorantreiben lassen will. Mit diesem Buch will sie dem „alten“ Sylt und seinen Menschen ein Denkmal setzen, und für sie ist es außerdem eine Art, Vergessenes in Erinnerung zu rufen und Vergangenes zu bewahren.

Fazit: Schöne und teilweise humorvolle Darstellung mit Einblicken in das Inselleben, das so allerdings längst der Vergangenheit angehört. Dass die Autorin ihrer Heimat sehr verbunden ist, merkt man mit jeder Zeile. Es las sich sehr gut und war unterhaltsam, allerdings war mir phasenweise zu detailliert von Pelzhandel die Rede und gegen Ende überwiegt dann auch sehr der erhobene ökologische Zeigefinger. Ich mochte sehr die lustigen Situationen, die liebevolle Beschreibung der Menschen, ihre schlitzohrige Geschäftstüchtigkeit, ihren Fleiß und ihren Zusammenhalt. Insofern eine absolut lohnenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 27.05.2020

Hochspannender sechster Fall für Rechtsmediziner Leon Ritter in der Provence

Dunkles Lavandou
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Im frühsommerlichen Le Lavandou wird die Polizei zu einem Unfall gerufen. Eine junge Frau ist von einer Brücke gestürzt, direkt vor einen Lkw und von diesem überrollt worden. Was zunächst nach einem Selbstmord ...

Im frühsommerlichen Le Lavandou wird die Polizei zu einem Unfall gerufen. Eine junge Frau ist von einer Brücke gestürzt, direkt vor einen Lkw und von diesem überrollt worden. Was zunächst nach einem Selbstmord aussieht, entpuppt sich schnell als ein weitaus schwerwiegenderer Fall, denn die Frau wurde zu Tode gefoltert. Kurz darauf wird wieder eine junge Frau gefunden, diesmal grausam zugerichet von einer Schiffsschraube. Doch auch diese Frau wurde sadistisch gequält. Der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter entdeckt außerdem merkwürdige Zeichen an beiden Opfern und weitere Übereinstimmungen bei den Foltermethoden. Treibt etwa ein Serientäter sein Unwesen? Leons analytischer Verstand arbeitet auf Hochtouren, und auch wenn er seiner Lebensgefährtin, der Polizeikommissarin Isabelle, nicht ins Handwerk pfuschen will, beginnt er neben seiner Arbeit für die Polizei auf eigene Faust zu recherchieren...
Der sechste Fall für den im südfranzösischen Le Lavandou gestrandeten deutschen Rechtsmediziner Leon Ritter, zutiefst verstörend, brutal und hochspannend. Der Autor bleibt - zum Glück für den Leser - seinem Stil treu und schickt Leon erneut hinaus aus seinem Obduktionssaal durch die Provence in vermeintlich idyllische Gegenden, wo mitunter schräge, aber dennoch liebenswerte Menschen ihrem Tagwerk nachgehen. Mit viel Lokalkolorit und mit unverwechselbarem Stil beschreibt Remy Eyssen die Menschen und ihre Umgebung, gibt ihnen Authentizität und Persönlichkeit. Leon und der Leser treffen dabei auf bereits bekannte und lieb gewonnene Figuren wie die Bewohner des Städtchens Le Lavandou, lernen aber auch neue Menschen kennen. Selten ist etwas wie es scheint, und auch Leon schafft es nicht immer sofort, hinter die Fassade zu schauen. Interessant ist jedoch, dass er, gerade weil er nicht als Polizist ermittelt, oftmals viel tiefere Einblicke gewährt bekommt als seine Lebensgefährtin Isabelle und ihre Mitarbeiter, denen immerhin die geballte Polizeiautorität zur Verfügung steht , denen aber zudem Sonderermittler aus Paris im Nacken sitzen und die Presse auf die Pelle rückt. Leon kann in der Regel in aller Ruhe seine Beobachtungen machen, und eine Flasche eisgekühlter Rosè hat noch so manche Zunge gelockert.
Inzwischen ist Leon durchaus etabliert, hat einen guten Ruf, ist in die Gemeinschaft integriert und führt mit Isabelle eine feste Beziehung. Doch auch wenn es immer mal private Turbulenzen und Schicksalsschläge gibt, so nimmt doch der Fall immer den Hauptteil in der Geschichte ein. Der Autor hat einen unglaublich lässigen und eingängigen Stil, ohne jemals platt zu sein, und auch die teilweise recht brutalen Szenen, die fast schon Thriller-Niveau erreichen, sind doch niemals reißerisch oder krampfhaft blutrünstig. Die aus Opfersicht geschriebenen Passagen geben tiefe Einblicke in Psyche von Opfer und Täter, gehen unter die Haut und treiben die Spannung noch einmal weiter an. Der Fall selbst ist überhaupt sehr spannend, und mich fasziniert einmal mehr, wie Leon manchmal unverhofft, manchmal mit scharfer Kombinationsgabe und Verstand Puzzelteil um Puzzeteil zueinander fügt. Geradezu köstlich, wie er durch seine Boule-Freunde Hinweise erhält, und herrlich, wie er Sonderermittler und Polizeichef in die Schranken weist. Er bleibt immer zuerst Mediziner, der helfen und aufklären will, da hat selbst der Innenminister wenig zu melden. Die bildhaften Beschreibungen von Land und Leuten und südfranzösischer Lebensart gehören zu diesem Lokalkrimi einfach dazu und geben ihm genau die richtige Prise Glaubwürdigkeit.
Fazit: Sehr gelungener sechster Band um Gerichtsmediziner Leon Ritter, der durch seine Beobachtungsgabe, mit Charme und Hartnäckigkeit und nicht zuletzt mit seinem immensen Wissen den Fall vorantreibt und der Polizei Lösung und Mörder fast schon auf dem Silbertablett serviert. Meiner Meinung nach kann man die Fälle auch unabhängig voneinander lesen, ich empfehle jedoch durchaus die Lektüre aller Bände, man bekommt die Entwicklung Leons und Isabelles besser mit. Außerdem sind die Bände einfach toll geschrieben und spannend und lassen den Leser in eine wundervolle Landschaft abtauchen. Gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 21.04.2020

Was geschah in Silvertjärn?

Das Dorf der toten Seelen
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Schweden, Gegenwart: Fünf junge Leute wollen eine Low-Budget-Dokumentation über das verlassene kleine Dorf Silvertjärn drehen. Projektleiterin Alice hat einen besonderen Bezug dazu: Ihre Großmutter Margarete ...

Schweden, Gegenwart: Fünf junge Leute wollen eine Low-Budget-Dokumentation über das verlassene kleine Dorf Silvertjärn drehen. Projektleiterin Alice hat einen besonderen Bezug dazu: Ihre Großmutter Margarete stammt aus dem Dorf und hat ihre Familie seit dem mysteriösen Verschwinden der gesamten Bevölkerung im August des Jahres 1959 nie wiedergesehen. Am liebsten würde sie herausfinden, was damals wirklich geschah. Die Crew richtet sich notbehelfsmäßig ein und beginnt das Geisterdorf zu erkunden, doch bald geschehen merkwürdige Dinge. Sind sie wirklich allein? Und dann verschwindet Gruppenmitglied Tone, auch sie mit autobiografischem Bezug zum Dorf…

Sehr guter, packender Thriller mit – zumindest in der ersten Hälfte - subtiler Spannung. Die Autorin hat einen sehr flüssigen, gut zu lesenden Schreibstil und versteht es hervorragend, mit dezenter Sprache eine unterschwellige, aber immer vorhandene Spannung zu erzeugen, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr steigert, um in einem dann doch actionreichen Finale zu enden. Sie kommt dabei zum größten Teil ohne reißerisch-blutige Action aus. Als Leser ist man sofort in der Geschichte drin, was unbedingt auch an der Präsensform liegt, in der erzählt wird. Kaum glaubt man an die vermeintliche Ruhe, passiert wieder etwas, was alles auf den Kopf stellt. Das Ende kam für mich dann auch recht abrupt, war aber trotzdem gelungen und logisch. Manche Szenen haben schon etwas Gruseliges und jagen einem nicht selten eine Gänsehaut über den Rücken. Ein Teil der Spannung wird durch die persönliche Involviertheit von Hauptfigur und Ich-Erzählerin Alice erzeugt, die ein starkes persönliches Interesse an Silvertjärn hat. Zu gerne würde sie eine sensationelle Entdeckung machen, die die Geschehnisse aufklären und sie in den Olymp der erfolgreichen Filmemacher katapultieren würde. Sie ist psychisch labil und hoch emotional und in ihren Vorbereitungen nicht unbedingt professionell. Außerdem hat sie ständig Reibungspunkte mit ihrer ehemals besten Freundin Emmy und ihrer ebenso labilen Freundin Tone, die ebenfalls ein starkes persönliches Motiv hat, mehr über die Ereignisse erfahren zu wollen. Insgesamt sind die Charaktere vielschichtig angelegt und gut herausgearbeitet, wobei mir die weiblichen besser gefielen, da sie gegenüber den männlichen hervorstechen. Sie sind alle vielleicht nicht uneingeschränkt sympathisch, wirken aber ungeheuer authentisch. Ich hatte bei den fünfen an sich keinen besonderen Favoriten, lebte aber besonders mit Alice stark mit. Mitunter gab es auch Szenen, da traute ich keinem mehr über den Weg.

Die Handlung der Gegenwart erstreckt sich lediglich über fünf Tage (die aufgrund des engen Budgets anberaumt waren) und ist durchaus kompakt. Geschickt verlegt die Autorin die Geschichte auf zwei Zeitebenen, die Vergangenheit wird mit Briefen von Margaretes Schwester Aina und Sequenzen aus der Vergangenheit, aus der Sicht von Elsa, erzählt. Elsa war meine Lieblingsfigur, sie hat in meinen Augen die stärkste Persönlichkeit, eine pragmatische, hilfsbereite, fleißige, kluge und willensstarke Frau, die erkennt, wo das alles hinführt, die aber dennoch machtlos ist. Nach und nach fügen sich die Ereignisse zusammen und man erkennt die Entwicklung, die das Dorf und seine Menschen durchmachen. Diese schleichende Entwicklung vom Harmlosen zum Bösen fand ich extrem spannend und sehr gut dargestellt.

Fazit: Fulminantes Debüt der jungen schwedischen Autorin, die damit erfolgreich in die großen Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist und sich nicht zu verstecken braucht. Damit reiht sie sich nahtlos in die Reihe des mit großartigen Autoren nicht gerade gering besetzten Genres ein. Für alle Fans des subtilen skandinavischen Thrillers ein Muss!

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Veröffentlicht am 01.04.2020

Herrlicher Gute-Laune-Roman über eine starke Frau

Sylt oder Sahne
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Nele Rickmers, Anfang fünfzig und Single, hat sich in ihrem Leben sehr bequem eingerichtet und lebt neben ihrer Arbeit als Grafikerin nur für ihre Hobbies kochen, essen und fernsehschauen. Über die Jahre ...

Nele Rickmers, Anfang fünfzig und Single, hat sich in ihrem Leben sehr bequem eingerichtet und lebt neben ihrer Arbeit als Grafikerin nur für ihre Hobbies kochen, essen und fernsehschauen. Über die Jahre hat sie sich ein gehöriges Fettpolster angefuttert. Bewegung, Treffen mit Freunden oder gar ein Liebesleben findet schon länger nicht mehr statt, weil sich Nele nicht aus ihrer Komfortzone heraustraut. Als ihr als vermeintlich Hochschwangere ein Platz im Zug angeboten wird, ist der Bock fett und Nele beschließt etwas für sich zu tun. Bestärkt von ihrem Chef bucht sie eine Fastenkur auf Sylt. Trotz einiger widriger Umstände hält sie tapfer durch und knüpft sogar wieder Kontakt zu ihren Mitmenschen. Als in der Hafenklause, einer kleinen Kneipe im Ort, Not am Mann ist, hilft sie der 80jähigen Eigentümern in der Küche und hat sichtlich Spaß daran. Doch ist das genug, um ihr ganzes Leben umzukrempeln?

Ein herrlicher, sommerlich-frischer, Gute-Laune-machender Frauenroman über eine super sympathische, warmherzige Frau in den besten Jahren. Eingängig, anschaulich und mit viel Humor beschreibt die Autorin Landschaft und Menschen und gibt dem Leser das Gefühl, mittendrin zu sein und alles und jeden persönlich zu kennen. Ihre Figuren sind gut beschrieben und haben jede ihre eigene Persönlichkeit, und besonders ihre Hauptperson Nele ist detailverliebt und authentisch herausgearbeitet. Nele ist natürlich, liebenswert und intelligent, außerdem hilfsbereit und liebevoll. Sie ist ein Genussmensch, dabei auch voller Zweifel, hat gute und weniger gute Tage, eben eine von uns, eine mit der man gerne befreundet wäre. Dadurch lebt man doch sehr mit ihr mit, möchte sie manchmal schütteln, meistens jedoch umarmen und wünscht ihr alles Glück dieser Welt. Aber auch die anderen Figuren sind wirklich köstlich, die Autorin beschreibt sie durchaus skurril und mit einigen Macken, aber sie karikiert sie nicht, sondern sie sind einfach liebenswert trotz vielleicht etwas strengen Körpergeruchs (den man förmlich ebenfalls riecht), Zickigkeit oder geschmacklosem Outfit. Alle haben ihre sensible Seite und sind Menschen wie du und ich.
Natürlich ist das Ganze in erster Linie eine fröhliche Geschichte, bei der auch die Liebe nicht zu kurz kommt, die einen zum Lachen bringt, mitfühlen lässt und einige Stunden wirklich außerordentlich gut unterhält. Doch es ist viel mehr als das, der Glücksroman vermittelt eben auch eine Botschaft. Einige Figuren, allen voran Nele, befinden sich auf einem Selbstfindungstrip, hinterfragen sich und ihre Lebenssituation, gehen aus sich heraus und machen letztlich eine Entwicklung durch. Besonders Nele, auf die sich die Geschichte extrem fokussiert, gibt viel von sich preis, aus ihrer Perspektive wird erzählt, ihre Sichtweise bestimmt die Beurteilung von Dingen und Menschen. Sie entwickelt sich von der trägen, beruflich völlig unehrgeizigen und recht frustrierten Fünfzigerin in eine vitale, selbstbewusste, in sich selbst ruhende starke Persönlichkeit, die ihre Berufung findet, die mit allen Macken und Schwächen zutiefst menschlich ist und die erkennt, dass genau das sie so liebenswert macht.

Fazit: Ein wirklich schöner Roman mit wundervollen Figuren vor dem traumhaften Hintergrund der Insel Sylt zum Hineintauchen und Wegträumen. Lässt sich sehr flüssig in einem Rutsch durchlesen, macht gute Laune und bietet romantischen Seelen auf jeden Fall viele Stunden sehr gute Unterhaltung!

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