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Veröffentlicht am 18.01.2021

Fesselnder historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges

Die Kannenbäckerin
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Westerwald, im 17. Jahrhundert: Die junge Johanna verliert in den Wirren des dreißigjährigen Krieges alles, ihre Familie und ihr Zuhause. In einer Nacht und Nebel-Aktion schickt ihre Nachbarin sie als ...

Westerwald, im 17. Jahrhundert: Die junge Johanna verliert in den Wirren des dreißigjährigen Krieges alles, ihre Familie und ihr Zuhause. In einer Nacht und Nebel-Aktion schickt ihre Nachbarin sie als Junge verkleidet zu einem unbekannten Onkel, der in Hilgert, im Kannenbäckerland, leben soll. Entgegen aller Widrigkeiten schlägt sich Johanna, nunmehr als Johann, durch und Onkel und Tante nehmen sie auf. Sie darf sogar das Töpfereihandwerk erlernen und zur Schule gehen und erweist sich als gelehrige und fleißige Schülerin. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis ihre Täuschung auffliegt…

Farbenprächtiger und spannender historischer Roman mit einer starken Hauptfigur und authentischen Charakteren. Der Roman hat alles, was man als Liebhaber des Genres braucht und überzeugt mit seinen Beschreibungen der Lebensumstände der Menschen im historischen Kontext, ihr Kämpfen ums Überleben, aber auch ihren Zusammenhalt. Dabei geht es weniger um detaillierte politische Hintergründe oder historische Persönlichkeiten und Ereignisse als vielmehr um das Leben und Lieben des „einfachen Volkes“, um dessen Gottesfurcht, um das Aufblühen des Töpferhandwerks und dessen gut recherchierte Prozesse sowie natürlich das Erwachsenwerden der Hauptfigur Johanna. Mit ihr ist der Autorin ein wahrhaft meisterlicher Charakter gelungen, die, wie die Autorin selbst, ihrer Heimat, dem Westerwald, der Natur und dem Glauben sehr verbunden ist, das merkt man beinahe auf jeder Seite. Mir persönlich war es manchmal zu viel der Gottesfurcht, andererseits passt es zu der Zeit und zu Johanna, die hier eine deutliche Entwicklung durchmacht und erst noch (oder wieder) zu ihrem Glauben finden muss. Alle Figuren sind durchweg sehr gut herausgearbeitete Charaktere, die fest in ihrer Zeit verhaftet sind, sie nehmen die Ordnung und die Schicksalsschläge als Gott gegeben hin, schmieden aber gleichzeitig stetig an ihrem Glück. Die Autorin beschreibt in sehr bildhafter Sprache und mit großer Sympathie für ihre Charaktere das wahre Leben, sie verschont sie nicht vor dem Schrecken des Krieges, vor dem Hunger und den Seuchen, den Plünderungen und Vergewaltigungen der feindlichen Soldaten. Auch Hexenprozesse finden ihren Platz.

Der Fokus der Handlung liegt klar bei Johanna und deren Leben ab ihrem 14. Lebensjahr, auf sie konzentriert sich die chronologisch erzählte Geschichte, aus ihrer Sicht wird erzählt. Andere Perspektiven gibt es nicht. Johanna ist eine eigenwillige Persönlichkeit, eine zähe und hartnäckige Person, die ihre Stärke jedoch erst mit den sie ereilenden Schicksalsschlägen entdeckt und die sich, bestärkt von ihrem Onkel, zu einer herausragenden Kannenbäckerin entwickelt. Die Geschichte greift hier zusätzlich und in großem Maße den Aspekt der Geschlechterrollen auf. Johanna kann sich als Junge besser durchschlagen, sie kann nur als Junge ein Handwerk erlernen und einer Zunft beitreten. Sie braucht den Leumund eines Mannes beim Prozess und ist nur als Ehefrau respektabel und finanziell abgesichert. Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist nahezu unmöglich, und dass Johanna das schafft, respektiert wird und einen Mann findet, der sie und ihre Unabhängigkeit fördert, grenzt an ein Wunder und freut mich als Leser, der mit Johanna von der ersten Zeile an mitgelebt hat.

Fazit: Sehr schöner und fesselnder Roman vor dem Hintergrund des dreißigjährigen Krieges, der das Erwachsenwerden und die Selbstfindung der Waise Johanna und ihre Liebe zum Töpferhandwerk beschreibt. Wer etwas über politische Hintergründe lernen will, sollte ein anderes Buch lesen; wer jedoch dem Kreislauf und dem Leben der einfachen Menschen folgen will, starke Frauen und dramatische Entwicklungen mag, der wird dieses Buch lieben! Eine gewisse Affinität zu Religion und Handwerk ist von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Eine hervorragende Lektüre zum Abtauchen in fremde Welten und alles in allem sehr gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 11.12.2020

Bleib bei mir, Chloe Brown!

Kissing Chloe Brown
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Chloe Brown ist Anfang dreißig, leidet unter Fibromyalgie und manchmal auch unter ihrer überfürsorglichen und mitunter sehr klammernden Familie. Als sie fast von einem Auto überfahren wird, beschließt ...

Chloe Brown ist Anfang dreißig, leidet unter Fibromyalgie und manchmal auch unter ihrer überfürsorglichen und mitunter sehr klammernden Familie. Als sie fast von einem Auto überfahren wird, beschließt sie ihr Leben zu ändern und unabhängiger zu werden. Dafür erstellt sie eine ihrer geliebten Listen. Erster Punkt: von zu Hause ausziehen, abgehakt. Die anderen Punkte abzuarbeiten gestaltet sich ungleich schwieriger. Vielleicht könnte ihr hierbei der Hausmeister Redford Morgan helfen, der Chloe zwar nicht leiden kann, aber ein Ausbund an Lebensfreude, Vitalität und Selbstbewusstsein ist…

Haaaaaaach ein wundervolles Buch zum Dahinschmelzen, mit supersympathischen, sehr liebenswerten und doch auch vielschichtigen Charakteren und einem sehr humorvollen und eingängigen Schreibstil. Es passiert nicht die große Action, es ist ein Liebesroman, bei dem es auch durchaus deftig und mit eindeutigen Worten zur Sache geht, bei dem es aber auch im zwei Menschen geht, die viel Schmerz und Enttäuschungen überwinden müssen, um zueinander zu finden. Wie sich Chloe und Red erst umkreisen und dann langsam aneinander annähern, ist einfach sehr süß und wunderbar beschrieben. Der Leser gewinnt dabei tiefe Einblicke in die Gedankenwelt und das Seelenleben der beiden Hauptfiguren, auf die sich natürlich das Geschehen stark konzentriert. Interessant und romantisch fand ich hierbei besonders die unterschiedliche Wahrnehmung der beiden von sich und auch vom anderen, was es für sie sehr viel schwieriger macht, sich aufeinander einzulassen. Beide sind zutiefst verletzliche und verletzte Menschen, denen es aufgrund ihrer Erlebnisse in der Vergangenheit schwerfällt, sich anderen zu öffnen und das Risiko einer neuen Beziehung einzugehen und damit wieder verletzt und verlassen zu werden. Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam das behutsame Abtasten der beiden, sie findet aber durchaus auch eindeutige Worte für die sexuelle Anziehung und das intime Zusammensein. In dem Zusammenhang wäre für mich allerdings weniger mehr gewesen und auf so ein bis zwei deftige Szenen hätte ich verzichten können. Nicht aus Prüderie, sondern weil mein romantisches, Stolz-und-Vorurteil-belastetes Herz einfach dahinschmilzt, wenn sich zwei aus der Ferne anbeten und nach Irrungen und Wirrungen dann endlich zueinander finden.
Das tat dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch, das Buch ist ein echter Pageturner, liest sich sehr gut und man lebt sehr intensiv mit sowohl Chloe als auch Red mit. Diese beiden sind als Hauptfiguren äußerst gut herausgearbeitet, dennoch werden auch die Nebenfiguren so feinsinnig beschrieben, dass man große Lust bekommt, mehr über sie zu erfahren, z.B. Großmutter Gigi, die ein Unikum ist und die viel Lebensweisheit an die oftmals sehr ängstliche Chloe weitergibt.

Fazit: Ein wundervoller Liebesroman, der Lust macht, die Menschen näher kennen zu lernen und mehr von ihnen zu erfahren. Für Liebhaber romantischer Komödien, aber auch für solche erotischer Szenen bestens geeignet. Mit hat das Buch sehr gut gefallen, und da es als Trilogie angelegt ist, freue ich mich schon, wenn Chloes Schwestern ebenfalls ihr Liebesglück suchen werden.

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Veröffentlicht am 20.10.2020

Dramatische Familiengeschichte in Zeiten der Resistance

Das letzte Licht des Tages
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Nach ihrer Scheidung wird Liv von ihrer fast hundertjährigen französischen Großmutter Edith nach Paris verschleppt, zunächst angeblich um Liv von ihrem Trübsalblasen abzulenken. Kaum angekommen geht es ...

Nach ihrer Scheidung wird Liv von ihrer fast hundertjährigen französischen Großmutter Edith nach Paris verschleppt, zunächst angeblich um Liv von ihrem Trübsalblasen abzulenken. Kaum angekommen geht es weiter nach Reims, wo Edith geheimnisvollen Geschäften nachgeht und den Ort eindeutig besser kennt als sie vorgibt. Da Edith verschlossen wie eine Auster ist und sich zudem heftig zu quälen scheint, versucht Liv mit Hilfe der Anwaltskanzlei Cohn - in Person des jungen Julien Cohn - hinter das Geheimnis zu kommen. Was verbirgt Edith, und was hat es mit dem Weingut Chauveau auf sich, zu dem Edith eine enge Verbindung zu haben scheint?

Schlichtweg großartiger, ungemein fesselnder Roman, der auf zwei Zeitebenen die dramatische und erschütternde Familiengeschichte des Weinguts Chauveaus in der Champagne zu Zeiten des zweiten Weltkrieges erzählt. Die zwei Zeitebenen spielen sich zunächst vermeintlich unabhängig voneinander ab, auf der einen Livs Reise mit ihrer wundervollen Großmutter, auf der anderen die Geschehnisse auf dem Gut Chauveau. Die Verwicklungen der vier Menschen auf dem Weingut – Michel und seine Frau Inés sowie Michels Kellermeister Théo und dessen Frau Céline – werden wiederum aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass der Leser tiefe Einblicke in deren Gefühlswelt erhält. Je mehr die Geschichte voranschreitet, desto mehr verknüpfen sich beide Ebenen und umso mehr werden die Motive aller Protagonisten offenbar. Die Autorin entwirft das Leben auf dem Weingut, die Situation der Menschen unter der Nazi-Herrschaft und ihr Kampf ums Überleben bildhaft und überzeugend und verliert dabei niemals die wahren Gefühle und Motive aus den Augen. Es ist die Geschichte einer Familientragödie, eines unbeabsichtigten Verrats mit tödlichen Folgen, aber auch eine von Wiedergutmachung, von Hoffnung und nicht zuletzt von unerschütterlicher Liebe. Diese Kombination, eine spannende, vor ihrem historischen Hintergrund interessante Geschichte, die hervorragend beschriebenen Charaktere und der ungemein flüssige Schreibstil machen das Buch zu einem echten Pageturner.

Die Autorin versteht es meisterhaft, große Gefühle und Leidenschaften zu vermitteln, ohne kitschig zu werden, ihre Charaktere sind durchweg vielschichtig und durch ihre Handlungen und Emotionen zutiefst menschlich. Auch gibt es keine klare Unterscheidung von gut und böse, richtig oder falsch, die Menschen machen Fehler, handeln oft impulsiv, aus Egoismus, verletzter Eitelkeit, aber auch aus Liebe. Das beste Beispiel hierfür ist Inés, für mich sowohl tragende als auch tragische Figur. Sie bringt durch ihre Entscheidungen Dinge ins Rollen, sie polarisiert, sie hat für mich den zwiespältigsten Charakter und macht die deutlichste Entwicklung durch. Manchmal will man sie schütteln, dann wieder beschützend in den Arm nehmen, und mitunter rührt sie einen zu Tränen, wie überhaupt beim Lesen verschiedenste Emotionen freigesetzt werden. Neben ihr haben die anderen teilweise Mühe nicht zu verblassen, auch wenn sie durchaus ebenfalls intensive Persönlichkeiten haben. Inés' Wesen lässt viel Raum für Interpretationen und was-wäre-wenn-Fragen zu, ich für meinen Teil fand ihre Handlungen und Motive zwar oft sehr impulsiv, aber immer nachvollziehbar und ihr Versuch der Wiedergutmachung aller Ehren wert. Im Übrigen finde ich den Klapptentext ein wenig irreführend, denn nicht Liv recherchiert, sie wird vielmehr von ihrer Großmutter mitgerissen und erfährt eher auf Umwegen die ganze Wahrheit. Sie ist also eher passiv, während Inés aktiv agiert.

Fazit: Ein großartiges, ein emotionales Buch, dessen Geschichte einen nicht los lässt und nachhallt. Ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das mich animiert hat, mir sofort weitere Bücher der für mich unbekannten Autorin zu besorgen. Auch wenn man die Zusammenhänge schon ein wenig ahnt, ist es einfach pures Lesevergnügen, und sehr gut fand ich auch die weitreichenden Bezüge zur Gegenwart. Für alle Fans des Familien-, Liebes- und geschichtlichen Romans, zum Abtauchen und Mitleben!

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Veröffentlicht am 01.10.2020

Dritter Fall für die Fallanalytiker Grall und Wyler

Rache, auf ewig
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Nach ihrer Suspendierung vom LKA haben Jan Grall und Rabea Wyler sich mit einer Agentur für Fallanalyse selbständig gemacht. Da weder die Agentur noch ihrer beider Leben so richtig rund laufen, nimmt Rabea ...

Nach ihrer Suspendierung vom LKA haben Jan Grall und Rabea Wyler sich mit einer Agentur für Fallanalyse selbständig gemacht. Da weder die Agentur noch ihrer beider Leben so richtig rund laufen, nimmt Rabea irgendwann einen DHL-Shop mit auf, damit Geld hereinkommt. Gerade als Jan wieder mit seiner Geliebten Anita, einer BKA-Beamtin, anbandelt, muss diese nach Sylt, wo die grausam zu Tode gekommene Leiche eines Großindustriellen gefunden wurde. Als Anita entführt und Jan vom BKA hinzugezogen wird, stecken Rabea und er plötzlich mitten in einem neuen Fall, der noch viele weitere Schrecken für die beiden bereithält und bei dem der Täter ihnen immer einen Schritt voraus ist...
Sehr spannender und auch sehr blutiger Thriller um die beiden Fallanalytiker Grall und Wyler, der kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Der Prolog beginnt schon mit einem Paukenschlag und zeigt, wes Geistes Kind der Täter ist, auch wenn das Geschehen um Grall und Wyler anfangs eher gemächlich in Gang kommt und die beiden erst später in den Fall eingebunden werden. Natürlich erhält das Ganze eine sehr persönliche Note durch das emotionale Verhältnis Gralls zur Ermittlerin, aber auch und vor allem durch die hervorragenden Beschreibungen aus der Perspektive des Täters und seiner Motive. Der Autor versteht es sehr gut, tiefe Einblicke in die verschiedenen, teilweise sehr gestörten Psychen seiner Protagonisten zu geben und spart auch nicht an zahlreichen Details zu Folter-und Tötungsmethoden. Er erweckt einen Serienkiller zum Leben, der einem Angst einjagt. Seine Figuren sind dabei aber bei Weitem nicht einseitig oder simpel gestrickt, sondern vielschichtig konstruiert, und ihre Handlungen und Motive sehr gut nachvollziehbar.
Für mich war von allen Figuren Jan Grall der interessanteste Charakter. Durch seine Hypersensibilität kann er Vieles erspüren, was anderen verborgen bleibt, und er kann sich einfach unglaublich gut in andere Menschen und vor allem in Täter hineinversetzen. Mit seinen Vermutungen und Analysen liegt er immer richtig und er lässt nicht eher locker, bis er jedes Detail hervorgekramt und geprüft hat. Sein berufliches Fach finde ich per se schon spannend, seine Vorgehensweise jedoch ist, wenn auch oft unorthodox, geradezu unheimlich effektiv. Rabea fällt zunächst einmal durch unkontrollierte Aggressionen auf, sie ist schwer traumatisiert aus den vorgerigen Fällen hervorgegangen und in meinen Augen nicht mehr fähig, diesen Beruf auszuüben. Durch ihre Unbedachtheit kommen außerdem beide in Lebensgefahr, was freilich auch der Intelligenz des Täters geschuldet ist. Dennoch trägt auch sie mit Hartnäcktigkeit und Mut zur Lösung des Falles bei und ist durchaus eine Sympathieträgerin. Außerdem ist der Charakter des Täter sehr gut dargestellt, seine Motivation und seine akribische und methodische Vorbereitung zeugen von großer Intelligenz, was man fast schon bewundern muss. Die ganze Zeit über ist er den Ermittlern mehr als einen Schritt voraus, und es ist allein Jan Gralls analytischen Fähigkeiten geschuldet, dass es schließlich zum großen Showdown kommt, bei dem Täter, Opfer und Ermittler aufeinandertreffen.
Fazit: Sehr blutiger und spannender Thriller und dritter Fall für Grall und Wales, der nichts für Zartbesaitete ist. Die Geschichte verweist oft auf die vorherigen Fälle der beiden, diese spielen vor allem bei der traumatisierten Wyler eine große Rolle und erklären ihre Handlungen. Doch auch wenn man die Vorgängerbände nicht kennt, lässt sich diese Geschichte sehr gut herunterlesen, was vor allem an dem packenden Erzähstil und den Ermittlungsmethoden der Fallanalytiker liegt. Ein Pageteurner und für Thriller-Fans ein absolutes Muss!

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Veröffentlicht am 16.09.2020

Opulenter historischer Roman – die Geschichte des ehemaligen Sklavenmädchens Freya

Das Erbe der Päpstin
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Die vierzehnjährige Freya lebt als Sklavin zusammen mit Mutter und Schwester bei den Wikingern, als das Unglück über sie hereinbricht: In Notwehr und weil er ihre Mutter getötet hat, ersticht sie den Stammesfürsten ...

Die vierzehnjährige Freya lebt als Sklavin zusammen mit Mutter und Schwester bei den Wikingern, als das Unglück über sie hereinbricht: In Notwehr und weil er ihre Mutter getötet hat, ersticht sie den Stammesfürsten Björn. Da dies das sichere Todesurteil bedeutet, flieht sie zusammen mit ihrer Schwester Asta, als Junge verkleidet. Sie beschließt, ihren Großvater Gerold zu finden, von dem sie hofft, dass er in der Heimatstadt ihrer Mutter, dem friesischen Dorstadt, noch immer lebt. Auf verschlungenen Wegen, immer in Angst vor Verfolgern, gelangen sie tatsächlich nach Dorstadt, wo sie bei der gutmütigen Jutta unterkommen. Diese verrät Freya, als sie nach einem Überfall der Dänen im Sterben liegt, dass Gerold seinerzeit nach Rom aufgebrochen ist. Und so macht sich Freya mit ihrem Freund Kasimir auf nach Rom. Sie findet Gerold tatsächlich – er ist der Chef der päpstlichen Garde und der engste Vertraute des Papstes, der in Wirklichkeit eine Frau ist…

Ein schlichtweg großartiger, überwältigender Roman über eine junge Frau, die auf ihrem gefahrvollen Weg durch das frühmittelalterliche Europa guten wie schlechten Menschen begegnet, tiefe Freundschaft und alles verzehrenden Hass erfährt, die tötet und heilt, die klug und mutig allen Gefahren und ihrem Schicksal trotzt und dabei die Liebe findet. Dabei trifft Freya auch die Päpstin Johanna, wie sie selbst als Mann verkleidet, um dadurch Wissen zu erwerben und Wege zu gehen, die ihr als Frau verwehrt bleiben. Johanna inspiriert und fördert ihre Leidenschaft für Bücher und vor allem für medizinisches Wissen, das Freya klug und effizient zu nutzen weiß. Trotz aller Gemeinsamkeiten und Parallelen zu Johannas Lebensweg ist Freya doch eine sehr eigenständige Protagonistin, und die Autorin versteht es meisterhaft, aus ihr einen starken, vielfältigen Charakter zu formen, der alles für die Ihren tut, oft mit sich hadert und auch das eine oder andere Mal die falsche Entscheidung trifft. Darüber hinaus zeichnet sie mit bildhafter Sprache ein farbenprächtiges, sehr anschauliches und authentisch anmutendes Bild des frühen Mittelalters – einer Welt, in der Frauen per se dem Manne untertan sein und ihm gehorchen sollen – bestens verkörpert von Freya Schwester Asta. Freya als weibliche Sklavin steht da zunächst am untersten Ende der Skala. Wie sie sich herauskämpft, wie sie widrigen Umständen immer wieder entflieht und Ungerechtigkeiten einfach nicht hinnimmt, ist einfach wahnsinnig spannend und fesselnd.

Formal eingerahmt in einen Prolog und einen Epilog, die jeweils einen größeren Zeitsprung überbrücken, spielt sich die Geschichte ansonsten hauptsächlich während den Jahren 854 bis 867 ab. Aus verschiedenen Perspektiven, wobei Freya jedoch den größten Anteil hat, erzählt die Autorin von den Geschehnissen und beleuchtet nebenbei das politische Geschehen und die Machtverhältnisse jener Zeit. Für eine junge Frau kommt Freya bemerkenswert weit herum und trifft interessante Zeitgenossen. Sie gerät auch häufig in Lebensgefahr, und oft ist es Zufall und ihr Instinkt, der ihr und anderen das Leben retten. Dabei legt die Autorin nicht nur viel Wert auf realistische Beschreibungen der Lebensumstände der Menschen, was zum Beispiel medizinische Behandlungen, Geburten oder auch der Alltag in Dörfern und Städten und die Wikingerüberfälle angeht, sondern auch auf die Gestaltung der anderen Figuren, deren Persönlichkeiten hervorragend herausgearbeitet sind. Ich habe besonders mit Kasimir und auch einigen anderen mitgelebt und musste mich leidvoll von einigen verabschieden. Am meisten jedoch fiebert man mit den Hauptfiguren Freya und später dann auch Aristid mit, und der Fokus der Geschichte liegt dabei ganz klar auf ihr. In diesem Buch passiert einfach immer irgendetwas, lange Zeit der Besinnung ist Freya nicht beschieden, und mehrere überraschende Wendungen führen zu sehr unvorhergesehenen Ereignissen. Wie gut, dass alles doch ein versöhnliches Ende nimmt!

Fazit: ein hervorragend recherchierter, von der Päpstin Johanna inspirierter und inspirierender Roman über eine junge Frau in einer von Gewalt, aber auch von Wissensurst und Aufbruchstimmung geprägten Welt. Das Buch kommt im Übrigen sehr gut gebunden und mit einem sehr schönen Umschlag daher, kleiner Wermutstropfen waren einige Schwächen beim Lektorat – ohne diese wäre es perfekt gewesen. Das tut aber natürlich dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch, die Geschichte um Freya ist ein echter Pageturner und für alle Fans des opulenten historischen Romans schlichtweg ein Muss!

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