Profilbild von Marshall-Trueblood

Marshall-Trueblood

Lesejury Profi
offline

Marshall-Trueblood ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Marshall-Trueblood über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2019

Kurzweilige Nicht-Spannung

Je tiefer man gräbt
0

Die Gärtnerin Mags ist in ihre Heimat Cornwall zurückgekehrt. Hier macht sie sich selbständig und stolpert bei einem Rundgang durch einen Garten über die Knochen einer vor Jahren verschwundenen jungen ...

Die Gärtnerin Mags ist in ihre Heimat Cornwall zurückgekehrt. Hier macht sie sich selbständig und stolpert bei einem Rundgang durch einen Garten über die Knochen einer vor Jahren verschwundenen jungen Frau.

Was sich nicht spannend anhört, ist auch nicht sonderlich spannend. Der Krimi ist gut geschrieben, ich habe ihn wirklich gerne und recht schnell gelesen. Aber spannend war das nicht, auch nicht blutig (muss auch nicht) und Verwicklungen habe ich keine gefunden. Ein Cosy-Krimi, kein überragender, aber für mich doch grundsolide. Allerdings hätte ich mir mehr Details gewünscht, mehr Verdächtige, mehr Krimihandlung. Aufgewertet wird der Krimi durch die Hauptfigur Mags, der ich bestimmt nochmal begegnen werde, wenn ich an einem verregneten Sonntag vor Tee und Scones sitze, denn die gibt es hier reichlich. Mags ist durch und durch sympathisch, allein schon deshalb, weil sie nicht merkt, dass sie Turnschuhe zum Abendkleid trägt.

Kein besonderes Krimi-Highlight, aber solide Unterhaltung für zwischendurch.

Veröffentlicht am 29.06.2019

Hat mich nicht überzeugt

Die Obsession - Wenn eine Begegnung zum Verhängnis wird
0

Amelia ist eine junge, attraktive Frau. Sie lebt in Hamburg und sucht die große Liebe. Nach einigen Enttäuschungen soll mit Marlon alles anders werden. Doch sie wird zum Opfer von Ghosting. Verzweifelt ...

Amelia ist eine junge, attraktive Frau. Sie lebt in Hamburg und sucht die große Liebe. Nach einigen Enttäuschungen soll mit Marlon alles anders werden. Doch sie wird zum Opfer von Ghosting. Verzweifelt versucht sie, ihre große Liebe zurückzubekommen.

Meine Zusammenfassung lässt vielleicht schon erahnen, dass die Bezeichnung Psychothriller etwas unglücklich gewählt wurde. Psychos tauchen zwar reichlich auf, aber der Thrill geht gegen Null. Zu viele Wiederholungen lassen keine Spannung aufkommen. Man erfährt einiges über Online-Dating, das mir aber alles nicht neu war. Dazu muss ich sagen, dass Ghosting kein Phänomen des Online-Dating ist, sondern schon immer existiert hat. Ich denke, jeder hatte schon Verabredungen, von denen man in der Folge nichts mehr gehört hat.

Aber vielleicht finden andere die Verwicklungen um Amelia ja spannender und ich bin da anderes gewohnt. Mein Hauptproblem besteht aber in dem Fakt, dass keine der Hauptfiguren ein Sympathieträger ist. Zu unwahrscheinlich ihre jeweilige Handlungsweise. Einzig zu Amelias Freund Frank, der zu Beginn auftaucht, konnte ich eine Beziehung aufbauen, weil er zumindest ehrlich in seinen Ansichten ist. Leider gestattet die Autorin ihm nur ein kurzes Gastspiel. Die vier Hauptcharaktere Amelia, Marlon, Lukas und Sofia möchte ich einfach nur schütteln, um ihnen ihr dummes Verhalten auszutreiben. Die mysteriöse Verbindung zwischen Lukas und Marlon, die schon früh zu erahnen ist, hat mich auch nicht überzeugt, warum das Ganze?

Was mir gut gefallen hat, waren die Perspektivwechsel, die die Autorin einstreut, obwohl die auch die Spannung hemmen. Aber so habe ich zumindest auch mal die andere Sicht der Dinge erfahren. Vielleicht ist die Ich-Perspektive für den Roman auch schlecht gewählt, aber als Laie möchte ich das nicht beurteilen.

Das Finale bringt dann nichts Neues, sondern bringt den Roman so zu Ende, wie die 300 Seiten vorher waren: wirr, unlogisch und mit einem Ende, das eine Fortsetzung erahnen lässt. Auf die werde ich wohl verzichten.

Veröffentlicht am 25.06.2019

Ein Buch zum Wohlfühlen

Im Freibad
0

Diesen Roman habe ich im Rahmen einer Leserunde gelesen. Ich weiß nicht mehr, was ich bei der Bewerbung erwartet hatte, aber bestimmt nicht, dass sich Im Freibad als eines der schönsten Leseerlebnisse ...

Diesen Roman habe ich im Rahmen einer Leserunde gelesen. Ich weiß nicht mehr, was ich bei der Bewerbung erwartet hatte, aber bestimmt nicht, dass sich Im Freibad als eines der schönsten Leseerlebnisse dieses Jahr herausgestellt hat.

Kate lebt erst seit kurzem in Brixton, arbeitet bei der Lokalzeitung und hat ihr Leben nicht so wirklich im Griff. Rosemary lebt schon ihr ganzes Leben in Brixton und arrangiert sich mit den Veränderungen, die das Leben mit sich bringt. Als das Freibad in Brixton geschlossen werden soll, treffen die beiden ungleichen Frauen aufeinander. Die Geschichte hört sich nicht besonder spektakulär an, ist sie im Grunde auch nicht. Aber was die Autorin daraus macht, ist unglaublich. Kapitel für Kapitel lernt man die Einwohner von Brixton kennen, ihre großen und kleinen Sorgen, ihre Probleme und vor allem ihr Gefühl für Gemeinschaft. Alle haben sie im Freibad ein Stück Heimat gefunden. Allen voran Rosemary.

Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat; die mich zum Weinen gebracht hat. Vielleicht ist sie zwischendurch ein bisschen kitschig und überzogen, aber für mich hat das alles gepasst. Viele Kleinigkeiten machen dieses große Ganze aus. Mit der eigentlich banalen Aussage: Gemeinsam sind wir stark. In aller Rührseligkeit spart Libby Page aber auch nicht an Kritik. Vor allem über das Nicht-Sehen in der Gesellschaft. Dass man in schwierigen Situationen füreinander da sein muss, gegenseitig ein Stück Kraft geben und nehmen kann.

Der Roman hat mich rundum begeistert; immer wieder habe ich mich dabei ertappt, nicht zu schnell zu lesen, damit ich noch lange davon habe. Das war teilweise nicht so einfach, weil mich die Sprache einfach mitgerissen hat. Leider ist es der Roman jetzt vorbei, aber ich glaube, ich trage ihn noch ein Stück weiter in mir.

Veröffentlicht am 23.06.2019

Möchtegern Philosophisch

Amt für Mutmaßungen
0

Ein kurzes Buch. Ein kleines Buch. Kein feines Buch. Und zum ersten Mal frage ich mich: Frau Westermann, haben wir das gleiche Buch gelesen?

Ich habe im Grunde ein Tagebuch gelesen, viele Gedanken einer ...

Ein kurzes Buch. Ein kleines Buch. Kein feines Buch. Und zum ersten Mal frage ich mich: Frau Westermann, haben wir das gleiche Buch gelesen?

Ich habe im Grunde ein Tagebuch gelesen, viele Gedanken einer Frau, vom Verlieben, von Lebensplänen, vom Kinderkriegen, vom Betrogen werden. Alles sehr kurz gehalten. Die Idee gar nicht mal so schlecht und einige Sätze, die eine große Wahrheit bergen: Die einzige Liebe, die sich wie Liebe anfühlt, ist die zum Scheitern verurteilte. Großartiger Satz! Aber der kann ein Buch nicht retten. Ein Buch, das in jedes Kapitel, quasi jeder Satz etwas Philosophisches mitteilen will. Mich hat das jedenfalls nicht erreicht. Dafür wurde die Erzählerin, die sich in ihrem eigenen Leid wälzt, auch nicht sympathisch genug. Das Kind hat mir am meisten leid getan.

Frau Westermann sagt: "Ein kleines Fest, dieses Buch zu lesen". Stimmt, ein Fest, bei dem alle peinlichen Verwandten auftauchen, und man nur noch verschwinden, oder zumindest unsichtbar werden will.

Veröffentlicht am 20.06.2019

Carter kann Thriller

Der Kruzifix-Killer (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 1)
0

Detective und Profiler Robert Hunter ermittelt in seinem ersten Fall. Ein Serienmörder kommt ihm und seinem Partner Carlos Garcia gefährlich nahe.

Die Serie geht ins zehnte Jahr und bisher habe ich einen ...

Detective und Profiler Robert Hunter ermittelt in seinem ersten Fall. Ein Serienmörder kommt ihm und seinem Partner Carlos Garcia gefährlich nahe.

Die Serie geht ins zehnte Jahr und bisher habe ich einen Bogen um Chris Carter gemacht. Das wollte ich dieses Jahr ändern und habe natürlich zum ersten Band gegriffen. Warum ich bisher nicht zu den Stammlesern gehört habe, ist mir nicht mehr klar. Der Kruzifix Killer ist Thriller nicht auf allerhöchstem Niveau, aber doch auf ziemlich hohem Niveau. Für mich jedenfalls. Obwohl Carter das Rad nicht neu erfindet, macht er doch alles richtig: Gutes Personal, Spannung, Verwicklungen, falsche Spuren und das Ende, das ordentlich den Fall komplett auflöst, habe ich so auch nicht erwartet. Wenn die Serie so weitergeht, kann ich mich auf einige Stunden spannender Unterhaltung freuen. Noch ein Satz zu der Grausamkeit der Schilderungen, die oft in Rezensionen erwähnt wird: Die sind nicht schlimmer als bei Gerritsen, Löffler, Kepler oder wie sie alle heißen. Vielleicht bin ich dadurch auch einfach nur abgehärtet, wer weiß?

Klare Leseempfehlung und bei mir große Vorfreude auf den zweiten Fall von Hunter und Garcia.