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Veröffentlicht am 28.03.2018

Eher für Jungs als für Mädchen ...

Rufus und sein Schnabeltier
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Ich lese gerne Kinderbücher und mir ist es egal, ob ich der Zielgruppe entspreche oder nicht. Mag sein, dass ich das schon mehrmals erwähnt habe, aber ich lese Bücher, wenn es den Anschein hat, dass sie ...

Ich lese gerne Kinderbücher und mir ist es egal, ob ich der Zielgruppe entspreche oder nicht. Mag sein, dass ich das schon mehrmals erwähnt habe, aber ich lese Bücher, wenn es den Anschein hat, dass sie interessant sein könnten, und warum sollte ein Buch, das von einem Schnabeltier nicht interessant sein.
Auch wenn ich bei Schnabeltieren immer an Agent P aus der Zeichentrickserie Phineas und Ferb denken muss: Agent P, oder Perry, das Schnabeltier. Denn wie man aus der Serie lernen kann: Schnabeltiere tun nichts, die liegen nur rum.
Nun ja, das Schnabeltier in Rufus und sein Schnabeltier ist da etwas anders: Es ist gebildet und kann sogar sprechen. Und es ist sehr gut im Totstellen. Allerdings bin ich mir manchmal nicht sicher, ob Rufus ein reales Tier oder eines aus Stoff ist. Geklärt wird diese Frage aber auch nie…da bleibt mir nur die Spekulation.
Nun ja, dem gebildeten, altklugen Schnabeltier steht Rufus gegenüber. Ein normaler Junge, der den Tücken des Alltags (wie etwa seiner älteren Schwester) kindlich-naiv entgegen trifft und ohne Argwohn den Behauptungen des Schnabeltiers glaubt.
Eine warmherzige Geschichte zum Vorlesen und Selberlesen (ab sechs) mit kurzen Kapiteln und netten Illustrationen des Geschehens (von Dirk Henning).
Es gehört zwar nicht zu den Highlights meiner zuletzt gelesenen Kinderbüchern (da sind Hamstersaurus rex und König Guu nach wie vor ganz weit vorne), aber wer es weniger skurril mag (sieht man von der Anwesenheit eines sprechenden Schnabeltiers ab, bekommt man doch die bekannte Handlung eines Jungen, der von Zuhause abhaut geboten), kommt auf seine Kosten.
Rufus und sein Schnabeltier wird nie langweilig, die Erzählweise ist geradlinig, manchmal vorhersehbar (aber deswegen nicht weniger unterhaltsam) und witzig (angeblich für Jungen und Mädchen ab 6, aber ich denke, dass sich eher Jungs für Rufus und sein Schnabeltier interessieren).

Veröffentlicht am 16.03.2018

Wer liest sowas?

Unsere unbekannte Familie
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In Unsere unbekannte Familie erzählt Jürgen Teipel Geschichten von Tieren und Menschen, bzw. lässt Menschen von ihren Begegnungen mit Tieren erzählen. Er hat die Gespräche, die er mit ihnen führte nur ...

In Unsere unbekannte Familie erzählt Jürgen Teipel Geschichten von Tieren und Menschen, bzw. lässt Menschen von ihren Begegnungen mit Tieren erzählen. Er hat die Gespräche, die er mit ihnen führte nur in schriftliche, lesbare Form gebracht. Und so kommen bekannte und unbekannte Personen zu Worte und solche, die mit Tieren zu tun haben oder auch nicht. Es sind unterschiedliche Begegnungen mit Haus- und Wildtieren und es sind Geschichten über Beziehungen und ungewöhnlichen Begegnungen. Manchmal philosophisch oder esoterisch angehaucht, manchmal kurz und manchmal länger.
So kommen u. a. Hilal Sezgin (Schriftstellerin, Publizistin und Journalistin, Gnadenhof-Betreberin und Zoo-Gegnerin), Randolf Menzel (ehemaliger Leiter des neurobiologischen Instituts der Freien Universität Berlin), Jens Westphalen (Biologe, Tierfilmer, Kameramann, Regisseur und Filmproduzent) und viele andere zu Wort.
Wenn man Gefallen an Tiergeschichten hat, ist man mit diesem Buch gut bedient. Ich gebe zu, dass mich einige der Geschichten durchaus berührt haben (z. B. Roland Gockels Begegnung mit einem Glattwalbaby), aber die meisten sind mir nicht nahe gegangen, selbst wenn einige dabei sind, die sich auf rührige Art mit den Tod (eines Tieres) zusammenhängen. Manche haben mir auch das ein oder andere Augenrollen abgerungen.

Vielleicht ist es auch nicht die Art von Buch an dem ich Gefallen finden könnte. Auch in meinem Umfeld werden Geschichten von Tieren erzählt (meist von Hunden, Katzen und Pferden), das finde ich interessanter und auch nahegehender, da man die entsprechenden Personen (und manchmal auch die Tiere) kennt. Diese Nähe habe ich zu Unsere unbekannte Familie nicht, weshalb mir die Geschichten nicht nahegehen, wenn sie es vielleicht sollten. Hin und wieder bringen mich die Geschichten auch zum Schmunzeln, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich gut unterhalten habe.
Auch kam mir öfter die Frage in den Sinn: Wer liest so etwas?
Ich habe keine Antwort gefunden.
Ich kann nicht sagen, dass es ein schlechtes Buch ist, es hat mich nur nicht erreicht. Vielleicht wurde auch nur zuviel erzählt und weniger wäre mehr gewesen. Ich weiß es nicht.
Sehr viele Vielleichts. Kein Buch, das ich weiterempfehlen würde, aber auch nur deshalb, weil ich mit diesem Buch nichts anfangen konnte.

Veröffentlicht am 16.03.2018

Leidenschaftlich, aber fern des Titels

Die verborgene Seele der Kühe
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Bereits 2003 erschienen Die verborgene Seele der Kühe als „The Pig who sang to the Moon. The emotional world of farm animals„, übersetzt 2006 und unter dem Titel „Wovon Schafe träumen. Das Seelenleben ...

Bereits 2003 erschienen Die verborgene Seele der Kühe als „The Pig who sang to the Moon. The emotional world of farm animals„, übersetzt 2006 und unter dem Titel „Wovon Schafe träumen. Das Seelenleben der Tiere„. Jetzt mit neuem Vorwort des Autors unter neuem Titel, nach Schweinen und Schafen nun Kühe, untertitelt mit „Das geheime Leben von Rinder, Hühnern, Schweinen und anderen Hoftieren.“
Ich bin mit anderen Erwartungen an das Buch heran gegangen und auch wenn sich der Autor bemüht hat sein Anliegen begreiflich zu machen hat er bei mir leider das Gegenteil bewirkt. Nicht ganz unschuldig mag daran auch die mehrfache Erwähnung (und Verlinkung) verschiedener Tierrechtsorganisationen, die ich als etwas fragwürdig (und teilweise verbrecherisch) erachte und die es mir schwer machen, das Geschrieben sachlich zu sehen. Zumal die geheime Seele (egal welcher Nutztierart) eher eine untergeordnete Rolle spielt und den Zuständen in Massentierbetrieben (gefühlt) mehr Raum geboten wird.
Anhand des Klappentextes und des Titels hatte mir Geschichten über Tiere erwartet, eine kleine Reise in das Gedankenleben (ohne die Tiere zu sehr zu vermenschlichen). Es gibt ein paar Geschichten (u. a. jene vom Schwein, das den Mond ansingt), aber unterschwellig wird man den Gedanken nicht los, dass es viel eher darum geht, den Leser davon zu überzeugen vegan zu leben.
Ich habe nichts gegen Veganer (jedenfalls gegen die meisten), aber dieses Buch geht mir leidenschaftlich in eine dem Titel nicht gerechten Weg.
Ein weiterer Schwachpunkt des Buchs ist das Alter. Einer Neuauflage ein neues Vorwort zu verleihen ist zu wenig, denn wenn sich etwas rasant schnell verändert dann sind es wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Fußnoten (und Literaturtipps) sind gut gemeint, beziehen aber neue wissenschaftliche Ergebnisse nicht ein.

Von daher kann man eigentlich nur sagen, dass die Aussage des Buchs gut gemeint sein mag (und unter anderem Titel auch berechtigt), aber die Schwachpunkte überwiegen:
Titel und Untertitel sind falsch gewählt, sie lassen etwas anderes erwarten.
Ich erfahre nichts über die verborgene See der Kühe.
Es geht nicht um das geheime Leben von Tieren auf dem Bauernhof (Hoftiere) es geht eher darum wie gut es Nutztiere haben, die nicht wegen ihrer Produkte (Eier/Milch/Fleisch…) gehalten werden.
Es wird auf keine neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse hingewiesen. Immerhin hat das Buch schon 15 Jahre auf dem Buckel.
Literatur- und Linktipps zu Tierrechtsorganisationen und veganer Lebensweise erwarte ich in einem Buch mit diesem Titel nicht.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Kein Highlight

Die Bärenführerin
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Nun ja, ich gebe zu, dass es mir schwer viel mich in die entsprechende Zeit hineinzuversetzen. Manchmal kamen mir vor allem die Denk- und Handlungsweisen der Frauen etwas zu modern vor (und die entsprechenden ...

Nun ja, ich gebe zu, dass es mir schwer viel mich in die entsprechende Zeit hineinzuversetzen. Manchmal kamen mir vor allem die Denk- und Handlungsweisen der Frauen etwas zu modern vor (und die entsprechenden Reaktionen der Männer auch).
Die Liebesgeschichte zwischen Agnes und Killian hat mich aber bei der Stange gehalten, ebenso die Beziehungen die Agnes zu den unterschiedlichen Tieren (nicht nur den Bären, wie es der Buchtitel vermuten lässt).
Der Roman ist nicht schlecht, verliert aber gegen andere historische Romane. Mit knapp 350 Seiten erscheint das Buch auch dünner als so manch anderer Historienschinken, aber das erscheint tatsächlich als Nachteil, da die Geschichte um Agnes und Killian noch um einiges ausgebaut werden könnte. So wird etwas Potential verschenkt, was zu einer geradlinigen Erzählweise und einem schnellen Ende führt.

Die Bärenführerin ist kein schlechtes Buch, aber eines der weniger guten im Genre der historischen Romane. Fast bin ich geneigt den Roman in Fantasynähe einzuordnen, denn die Beziehungen, die Agnes zu den Tieren hat, ist schon etwas besonderes (und hätte durchaus ausgebaut werden können) und eher ungewöhnlich.

Aber ...
Die Bärenführerin ist kein Highlight, das Flair, das historische Romane ausmacht fehlt, die Ausdrucksweise ist zu modern, die Tierbeziehungen zu fantastisch. Es ist ein Buch, das man lesen kann, aber ein MUSS ist es bei weitem nicht.
Schade eigentlich, denn (unter dem Gesichtspunkt der FANTASY) es hätte eine interessante Geschichte werden können, so wie es der Klappentext verspricht. So wird Die Bärenführerin wohl in der Mittelmäßigkeit versinken.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Das letzte Einhorn war gestern...

In Kalabrien
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Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien ...

Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien (italienisch Calabria; kalabresisch Calàbbria) ist die südlichste Region des italienischen Festlandes, sozusagen die Stiefelspitze. Berge, Wein und italienisches Temperament. Keine Zwerge, Elfen oder Trolle und die einzige Magie geht von der Landschaft selbst aus.
Und Kalabrien ist Schauplatz der neuesten Erzählung von Peter S. Beagle, der Mann, der 1968 „Das letzte Einhorn“ schrieb und das nicht zuletzt durch die Verfilmung zum Weltbestseller und Klassiker wurde.
Es ist ein poetisches Buch, eine Liebesgeschichte an das Einhorn, sanft erzählt und von einer faszinierenden Feinheit. Erzählt wird aus der Sicht (Claudio) Bianchis, der fast nur seine Tiere um sich hat bis das Einhorn sein Leben verändert. Das Leben des Bauern wird interessant und spannend, auch die Liebe findet den Weg zu ihm.
Die einzige Magie in Beagles Kalabrien ist die Existenz und das Wesen der Einhörner und diese zieht den Leser in den Bann.
„In Kalabrien“ ist ein romantisches Buch, verzichtet aber auf eine kitschige Darstellung der Einhörner. Durch Bianchis Sicht der Dinge wird das Einhorn vielleicht etwas verklärt (immerhin schreibt der Bauer auch Gedichte und das Einhorn bietet sehr viel Inspiration), aber niemals darf man erwarten, dass sich die stolzen Tiere über den Regenbogen hinwegheben oder dem Reiz einer Jungfrau erliegen.
Trotzdem lege ich das Buch jedem ans Herz, der Einhörner mag und einen Ausgleich zu epischen Fantasyschlachten sucht.
Das gelungene Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches: Durch die Farben und die Motive wird die Romantik der Erzählung eingefangen, ohne zu sehr ins kitschige zu geraten.
Ich war kein Freund vom letzten Einhorn, aber La Signora hat mich in ihren Bann gezogen.