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Veröffentlicht am 11.10.2022

Urban Fantasy at its best!

Spicy Noodles – Der Geschmack des Feuers
3

In „Spicy Noodles – Der Geschmack des Feuers“, dem zweiten Band des „Food-Universe“ von Marie Grasshoff begegnen wir Toma, der von seinen Eltern vor die Tür gesetzt wurde, während ein Serienkiller die ...

In „Spicy Noodles – Der Geschmack des Feuers“, dem zweiten Band des „Food-Universe“ von Marie Grasshoff begegnen wir Toma, der von seinen Eltern vor die Tür gesetzt wurde, während ein Serienkiller die Straßen New Yorks unsicher macht. Er findet Unterschlupf bei seinem Großvater, der sich bereits vor Jahren mit der Familie überworfen hat, weil er hartnäckig behauptet, dass sie die Nachfahren eines Gottes seien. Während Toma ihm in seinem kleinen Restaurant „Spicy Noodles“ aushilft und sich fragt, was er mit seinem Leben anfangen soll, tobt auf New Yorks Straßen kaum verborgen vor den Augen der Sterblichen ein Kampf der Göttererben um die Kontrolle, in den auch Toma und sein Großvater gezogen werden.

Obwohl es in „Spicy Noodles“ sehr viele Verknüpfungen zu „Hard Liquor“ gibt, hat es einen etwas anderen Vibe, was unter anderem an den unterschiedlichen Protagonisten liegt. Während Tycho eine harte Einzelgängerin ist, deren düstere Stimmung sich bei Lesen auch auf das Gemüt der Lesenden niederschlägt, ist Toma sehr souverän, selbst nach dem Rauswurf durch seine Eltern. Seine Stärke liegt darin, dass er sich nicht scheut, um Hilfe zu bitten, wenn er nicht weiterweiß. Entsprechend schart er im Laufe der Geschichte Freunde und Verbündete um sich, die den Kosmos des Food-Universe wunderbar erweitern.

Ich durfte „Spicy Noodles“ im Rahmen einer Leserunde lesen und hatte davor den Vorgängerband „Hard Liquor“ noch nicht gelesen, habe es dann aber schnell nachgeholt, da die vielen kleinen Verknüpfungen zum ersten Band verloren gegangen wären. Das hätte ich schade gefunden, auch wenn „Spicy Noodles“ theoretisch unabhängig lesbar ist, da auch Toma die Welt des Food-Universe erst noch entdecken muss.

Wenn es sich aber einrichten lässt, würde ich empfehlen, die Bände schon in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Marie Grasshoff erschafft eine fantastische Welt, die sich in unserer alltäglichen Welt versteckt, manchmal verborgen als kleines Nudelrestaurant, das die besten Ramen der Welt serviert. Urban Fantasy at ist best und ich freue mich schon auf weitere Einblicke in das „Food Universe“.

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  • Handlung
  • Erzählstil
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.07.2019

Wer bin ich, wenn jemand/etwas anderes meine Gefühle und meinen Verstand kontrollieren kann?

Die Unvollkommenen
1

Worum geht es?: „Die Unvollkommenen“ schließt sich sofort an „Die Optimierer“ an: Rebellin Lila, die im ersten Band Samson Freitag auf seinen Weg in den Abgrund begleitet hat, wacht nach 5 Jahren künstlichem ...

Worum geht es?: „Die Unvollkommenen“ schließt sich sofort an „Die Optimierer“ an: Rebellin Lila, die im ersten Band Samson Freitag auf seinen Weg in den Abgrund begleitet hat, wacht nach 5 Jahren künstlichem Koma, der „Verwahrung“, in einem Haft-Internat auf: Die Insassen werden mit allem Komfort versorgt, müssen sich aber den mächtiger gewordenen Robotern unterordnen oder ihnen droht eben jene Verwahrung, im schlimmsten Fall bis zum Tod. Sie findet einen Verbündeten in dem geheimnisvollen Eoin Kophler, einem Mitinsassen, der aufgrund eines Gehirnschadens nicht in Verwahrung geschickt werden kann. Während ihrer verlorenen fünf Jahre ist der in einem Roboterkörper wiederauferstandene Samson zum Mittelpunkt einer neuen Religion geworden, die alles kontrolliert. Lila und Eoin versuchen die Flucht aus einem System, dass sogar die Gefühle seiner Mitglieder kontrollieren kann.

Muss ich vorher „Die Optimierer“ gelesen haben?: Jein. „Die Unvollkommenen“ ist eine eigene Geschichte mit neuen Ideen und Themen, die in der Welt von „Die Optimierer“ angesiedelt ist und sich der bekannten Figuren bedient. Zum Verständnis der Geschichte werden die wichtigsten Ereignisse des ersten Teils fließend in der Geschichte nochmal zusammengefasst, so dass keine wichtigen Informationen zum Verständnis fehlen. Dadurch wird allerdings das überraschende Ende von „Die Optimierer“ verraten und man bringt sich so um einen köstlichen Twist. Außerdem hat man an den wiederkehrenden Figuren und ihrer Entwicklung mehr Spaß, wenn man sie wiedererkennt und über ihre Entwicklung staunt. Daher empfehle ich für maximalen Lesespass, falls möglich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Wie fand ich es?: „Die Unvollkommen“ nimmt den Faden von „Die Optimierer“ als Fortsetzung auf, geht aber spätestens in der zweiten Hälfte eigene Wege. Während im ersten Buch noch sehr weltliche Themen wie der Gläserne Bürger im totalen Überwachungsstaat und Kritik am Optimierungswahn behandelt werden, ist „Die Unvollkommenen“ mehr an den großen philosophischen Fragen („Was ist Gott?“ „Was ist Glaube?“ „Habe ich einen freien Willen?“) interessiert. Dadurch bin ich, obwohl es vom Schreibstil her wie der Vorgänger klar und flüssig zu lesen ist, nicht so durch die Seiten geflogen, sondern habe mich stärker mit den Fragen auseinandergesetzt. Das hat mir gut gefallen, da es mich nicht stumpf die Geschichte konsumieren ließ, sondern auch eigene Überlegungen einfordert. Deshalb sollte man sich für „Die Unvollkommenen“ etwas mehr Zeit nehmen.

Fazit: Es hat mir sehr gut gefallen, da es mich unterhalten, aber auch meine Sicht der Dinge herausgefordert und jede Menge großartiges zitierfähiges Material geliefert hat. Nicht nur zum Wissenschaftsjahr „Künstliche Intelligenz“ eine klare Leseempfehlung!

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  • Figuren
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Veröffentlicht am 12.04.2019

Inselkrimi in der Tradition Agatha Christies

Dünengeister
1

„Dünengeister“ von Nina Ohlandt ist der 6. Roman in der Reihe um Hauptkommissar John Benthien von der Kripo Flensburg.

Diesmal will Benthien eigentlich nur mit Lilly und seinem Vater ein paar ruhige ...

„Dünengeister“ von Nina Ohlandt ist der 6. Roman in der Reihe um Hauptkommissar John Benthien von der Kripo Flensburg.

Diesmal will Benthien eigentlich nur mit Lilly und seinem Vater ein paar ruhige Tage auf Sylt verbringen, als ihm der seltsame Junge Tristan vom einflussreichen Melander-Clan ein paar menschliche Knochen bringt, die er in der „Geisterdüne“ gefunden hat. Während Benthiens Team anrückt, den Knochenfund zu untersuchen, lernt er die Melander-Sippe näher kennen und erfährt, dass unnatürliche Tode in dieser Familie keine Seltenheit sind…

Die Einführung der Hauptfiguren mit ihren Vorgeschichten fand ich, die die Vorgängerromane nicht kennt, sehr angenehm: es wird genug erklärt, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass wichtige Infos aus den früheren fünf Romanen fehlen, aber es wird auch nichts verraten, so dass ich großes Interesse habe, die anderen Geschichten zu lesen (liegen tatsächlich mittlerweile im SuB-Stapel für den Urlaub).
Das Ermittlerteam mit Lilly und John finde ich sehr sympathisch. Nach zig Krimis mit gebrochenen, zynischen Ermittlern, die nur arbeiten, ihren Kummer wegtrinken und rauchend ihr Leben beweinen, habe ich die fröhliche Truppe sofort ins Herz geschlossen (ein bisschen erinnerte es mich an das quirlige Familienleben von Falco und Helena in Lindsey Davis-Rom-Krimis). Auch bei den anderen Figuren arbeitet Frau Ohlandt die Charakterzüge so fein heraus, dass man in Dialogen sofort weiß, wer spricht, auch wenn es gerade nicht dabeisteht. Eine meine Lieblingsfiguren ist dabei der junge Tristan Melander. Der heimliche Star des Buches ist natürlich die Insel Sylt mit ihrer Geschichte, die aufs Engste mit dem Melander-Clan verwoben ist.

Auch die Beobachtungen/Überlegungen zu den Schmerzen/Traumata, die ein Verbrechen bei den Hinterbliebenen anrichten, sind der feinfühlig ohne dabei dick aufgetragen oder melodramatisch zu sein. Die Todesfälle sind (bis auf einen) daher auch nicht besonders blutrünstig, sondern es steht ganz klassisch das „Wer war es?“ und „Wie wurde es gemacht“ bei den Ermittlungen im Mittelpunkt. Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass Agatha Christie-Fans „Dünengeister“ lieben werden. Frau Ohlandt wollte eine Hommage an die Krimi-Meisterin schreiben und das ist ihr sehr gut gelungen.

Fazit: „Dünengeister“ war ein wunderbarer Kurzurlaub in einer für mich sehr stressigen Zeit. In einer Flut von Krimis und Psychothrillern, die sich mit ekligen Details gegenseitig zu überbieten versuchen, steht „Dünengeister“ als klassischer Krimi in der Tradition einer Agatha Christie heraus mit markigen Charakteren und einem grandiosen Finale. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich an der Leserunde zu „Dünengeister“ teilnehmen und auch Nina Ohlandt kennenlernen durfte. Ich freue mich schon auf meinen Leseurlaub an der Küste und ein Wieder“sehen“ mit John und Lilly.

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Veröffentlicht am 14.10.2018

Die Grausamkeit der Daten

NSA - Nationales Sicherheits-Amt
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„Ja, mir scheint, die Grausamkeit und Schärfe der Daten übertrifft die des Stahls noch bei weitem.“ Diese Worte legt Andreas Eschbach in seinem neuen Roman „NSA- Nationales Sicherheitsamt“ Heinrich Himmler ...

„Ja, mir scheint, die Grausamkeit und Schärfe der Daten übertrifft die des Stahls noch bei weitem.“ Diese Worte legt Andreas Eschbach in seinem neuen Roman „NSA- Nationales Sicherheitsamt“ Heinrich Himmler in den Mund und beweist schockierend, welche Macht scheinbar unwichtigen Daten innewohnt:

In einer anderen Vergangenheit gibt es Computertechnologie durchgehend seit dem 18. Jahrhundert und hat sich in den 1930iger Jahren auf ein Niveau entwickelt, das unserem heutigen Technikgebrauch entspricht. In dieser Zeit hängen Menschen mit ihren Komputern (ja, diese Schreibweise wird im Roman konsequent beibehalten) am Weltnetz bezahlen bargeldlos über Volkstelephone („Votel“), schreiben elektronische Briefe und noch mehr (den Spass, die Parallelen zu Heute zu entschlüsseln, möchte ich anderen Lesern nicht nehmen). Dabei hinterlassen sie einen riesigen Berg Daten, den das Nationale Sicherheitsamt nutzt, um sich für die Nazi-Regierung unentbehrlich zu machen.

Die Schilderung wechselt zwischen Helene Bodenkamp, einer jungen Programmstrickerin (in dieser Welt ist Programmieren ausschließlich Frauensache) aus gutbürgerlichem Hause, die zwar selbst eher unpolitisch ist, aber versucht eine schützende Hand über ihre Lieben zu halten, und dem Analysten Eugen Lettke, dem Sohn eines Kriegshelden (wie seine Mutter ihm unermüdlich eintrichtert), der seine Stellung beim NSA ebenfalls für persönliche (allerdings deutlich düstere) Motive nützt. Mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten, da das Buch voller Überraschungen und Aha-Erlebnissen steckt.

Was ich aber noch erwähnen möchte, sind die kleine Beobachtungen, die das große Bild abrunden, die Herr Eschbach mit viel Liebe zum Detail einfügt: Der Lehrer, der den Schülern den Spass an einem Fach verdirbt, weil er zu ungeduldig ist und sich nicht mehr erinnern kann, wie es war, als man selbst noch Neuling war und nicht alles auf Anhieb verstanden hat. Oder der Wissenschaftler, der in schneller Folge Veröffentlichung raushauen muss, weil sonst die Forschungsgelder nicht fließen. Das waren meine persönlichen Lieblinge, aber es gibt noch viel mehr solcher Stellen.

Trotz kleiner Stolpersteine für das Auge, wie „Komputer“ und der alten Schreibweise von Telephon, liest es sich dank Herrn Eschbachs präzisem Schreibstil sehr flott und auch die Handlung treibt einen zum Weiterlesen an. Der Einstieg ist etwas verwirrend, weil der Leser mitten ins Geschehen mit vielen Personen geworfen wird, aber mit jedem folgenden Kapitel wird das Bild deutlicher. Wie oben gesagt, macht das Entschlüsseln der urig deutschen Begriffe für moderne Computer-Technologie sehr viel Spaß, man vergisst darüber aber nie, dass es sich um ein todernstes Thema handelt und Geheimnisse (vor allem vor dem Staat) in dieser Welt überlebensnotwendig sind. Darin liegt die Genialität von „NSA“: Zwar haben wir alle schon einmal gehört, dass wir mit den Spuren, die wir im Internet hinterlassen, vorsichtiger umgehen sollen und unsere Daten besser schützen sollen, aber wenn wir ehrlich sind, zucken wir meist mit den Schultern und gehen davon aus, nicht so interessant zu sein und eh nichts zu verbergen zu haben. Doch was wäre, wenn der Staat jeden auf Konformität überprüft? Wenn kalte Algorithmen emotionslos filtern, was interessant ist und scheinbar harmlose Einzelheiten zu einem Strick verknüpft, an dem ein feindseliger Staat jeden Abweichler und Kritiker hängen kann?

Fazit: Andreas Eschbachs „NSA- Nationales Sicherheitsamt“ ist ein großartig beunruhigender Roman, der zu keinem passenderen Zeitpunkt erscheinen konnte und das ersehnte Fach „Computerkompetenz“ (nicht zu verwechseln mit Informatik) in eine packende Geschichte einbettet. Ich empfehle ihn jedem, der auch nur einen E-Mail-Account hat (von Facebook, Twitter & Co. mal ganz zu schweigen).

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass ich das Buch im Rahmen der Lesejury kostenlos vorab zum Lesen zur Verfügung gestellt bekommen habe, dies aber keinen Einfluss auf meine Bewertung hatte.

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Veröffentlicht am 01.09.2018

Ein tiefer Sturz…

Die Hochhausspringerin
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…in einer erbarmungslosen Welt, die uns schrecklich vertraut vorkommt.
In der nicht näher angegebenen Zukunft soll die junge Wirtschaftspsychologin Hitomi Yoshida per Fern-Überwachung herausfinden, warum ...

…in einer erbarmungslosen Welt, die uns schrecklich vertraut vorkommt.
In der nicht näher angegebenen Zukunft soll die junge Wirtschaftspsychologin Hitomi Yoshida per Fern-Überwachung herausfinden, warum Riva Karnovsky, gefeierte Hochhausspringerin und Liebling der Massen, sich auf einmal ihrem perfekt durchgeplanten Leben verweigert. Da für die Sponsoren viel Geld auf dem Spiel steht, lastet ein immenser Druck auf Hitomi, die immer darum kämpft, den Vorgaben des Systems zu entsprechen.
Die Grundidee der Geschichte um eine perfekt organisierte Gesellschaft, die ihre Bürger vorgeblich zu deren Wohl maximal überwacht, ist schon mehrfach umgesetzt worden, was „Die Hochhausspringerin“ aber einzigartig macht, ist die Sprache, die uns die Kälte dieser auf Effizienz ausgelegten Welt spüren lässt. Die spröde Sprache kann beim Leseeinstieg etwas irritieren, gibt aber die Lieblosigkeit dieser schrecklichen, neuen Welt gut wieder. Es gibt einzelne Elemente, die satirisch lustig sein könnten, aber statt einer kleinen Posse, die man nach Lektüre wieder vergisst, zeigt Julia von Lucadou, wie schnell das Akzeptieren von Rankings, Benchmarks, Evaluationen zum lebensbedrohlichen Selbstzweck wird. Die Geschichte entwickelt sich langsam und entfaltet zum Ende hin ihre größte Kraft und wird - zumindest mich – noch lange nach dem Zuklappen des Buches beschäftigen.
Fazit: Es ist keine Feel-good-Geschichte, die man mit einem Seufzer weglegt, es ist nicht der Auftakt zu einer epischen Rebellion (wie bei vielen Teenie-Dystopien), ich empfand es als Einladung zum in sich Fühlen, Nachdenken und dabei auf jeden Fall nicht effizient oder produktiv zu sein…

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