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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2019

Eine Geschichte beispiellosen Mutes

Im Lautlosen
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An der Hamburger Universität lernen sich Paula, Tochter eines Psychiaters, und Richard, Sohn eines Tischlers, kennen. Beide studieren Medizin und verlieben sich ineinander. Auch wenn Paulas Vater nicht ...

An der Hamburger Universität lernen sich Paula, Tochter eines Psychiaters, und Richard, Sohn eines Tischlers, kennen. Beide studieren Medizin und verlieben sich ineinander. Auch wenn Paulas Vater nicht sofort begeistert von dieser Beziehung ist, so kann Paula und Richard doch nichts aufhalten sich ihr gemeinsames Leben aufzubauen. Gekrönt wird das Ganze mit der Geburt der Zwillinge Emilia und Georg. Da Georg im Gegensatz zu Emilia gehörlos auf die Welt kommt, rückt die Familie enger zusammen und arbeitet hart daran, Georg ein "normales" Leben zu ermöglichen.

Mit der Machtergreifung der Nazis und der Einführung der Euthanasiegesetze fällt beiden auf, dass sowohl das Leben von Richards Patienten - er arbeitet mittlerweile als Psychiater - als auch das Leben ihres Sohnes gefährdet ist.

Paula und Richard gehen mit beispiellosem Mut voran die Patienten als auch ihre Familie zu schützen und stellen dafür mehr als einmal das eigene Wohlergehen zurück.

Der Schreibstil der Autorin ist nicht fesselnd, aber auch nicht zu sachlich. Das Leben in Zeiten des NS-Regime ist realistisch, gut recherchiert und nicht verschönend dargestellt. Die Charaktere handeln menschlich, man fühlt mit und ich für mich wäre damals wahrscheinlich gar nicht so mutig gewesen wie Paula und Richard.

Den Titel finde ich passend gewählt, denn lautlos schleicht sich das Nazi-Regime in das Leben der damaligen Menschen.

Ein fiktiver Roman mit dem Hintergrund wahrer Begebenheit, der einen zum Nachdenken anregt und trotz medizinischer und nationalsozialistischer Hintergründe ein wahres Lesevergnügen bietet.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Ein Blick in die Abgründe der Menschheit

Der Knochenbrecher
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„Der Knochenbrecher“ ist der dritte Thriller der Hunter und
Garcia Serie, jedoch erst mein zweiter Carter. Auf Empfehlung einer Freundin
habe ich bisher „Death-Call“ gelesen, halte bisher also nicht die ...

„Der Knochenbrecher“ ist der dritte Thriller der Hunter und
Garcia Serie, jedoch erst mein zweiter Carter. Auf Empfehlung einer Freundin
habe ich bisher „Death-Call“ gelesen, halte bisher also nicht die Reihenfolge
ein, aber dies tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Auch für Quereinsteiger
wie mich sind die Geschichten flüssig und klar erzählt. Die wichtigen Szenen
und Erfahrungen aus der Vergangenheit des Ermittlerduos werden kurz und
informativ angerissen.

Inhaltlich geht es um einen Serienmörder, der Frauen
entführt, deren Mund und Geschlechtsteile zunäht, während die Opfer noch leben
und sie dann sich selbst überlässt, aber nicht ohne eine kleine Überraschung. „Es
ist in dir drin!“ Die Frauen haben keine Chance zu überleben und Hunter und
Garcia tappen lange im Dunkeln, was die Beweggründe des Täters betrifft. Carter
versteht es auch den Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu locken.

Als Leser bekommt man mit diesem Thriller eine spannende,
präzise aber nicht zu langgezogene Geschichte mit den bekannten Cliff-Hängern
von Chris Carter. Die nicht zu langen Kapitel sorgen dafür, dass man die
Geschichte nicht nur aus Sicht des Ermittler-Duos erzählt bekommt, was ich
gleichzeitig sehr spannend fand. Der Schreibstil ist für mich
gewöhnungsbedürftig, sehr detailgetreu in den blutigen und bestialischen Szenen
und nichts für schwache Nerven, aber eben typisch Chris Carter.

Die Charaktere sind menschlich und vor allem Hunter ist mir
mit seinem nicht typischen Verhalten einfach sehr sympathisch. Ich leide mit,
bin ebenfalls deprimiert und aufgeregt, wenn er es ist. Carter versteht es die
Gefühlswelt seiner Charaktere so zu schildern, dass es weder übertrieben noch
abgestumpft ist. Für mich ist es einfach realistisch.

Einzig und allein der Titel „Der Knochenbrecher“ war für
mich, wie auch einige anderen hier, nicht nachvollziehbar.

Veröffentlicht am 02.10.2019

If I Fall

Ein Song bleibt für immer
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Zunächst macht das liebevoll gestaltete Cover auf sich aufmerksam: Eine blaue Schalplatte mit heller Mitte auf der sich eine Zeichnung eines Mädchens befindet, die mich selbst stark an Alice im Wunderland ...

Zunächst macht das liebevoll gestaltete Cover auf sich aufmerksam: Eine blaue Schalplatte mit heller Mitte auf der sich eine Zeichnung eines Mädchens befindet, die mich selbst stark an Alice im Wunderland erinnert. Ein Song bleibt für immer. Das Cover spiegelt diesen Titel sehr gut wieder. Es geht also um Musik. Und um so viel mehr.

Das Buch mit einem Tagebucheintrag von Mary aus dem August 1972 in dem sie von der „dramatischen“ Geburt ihrer Tochter und der Mitteilung der Diagnose Mukoviszidose.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr emotional, von Anfang an, was mir sofort gefallen hat. Die Emotionen werden so gut dargestellt, dass ich automatisch mitgefühlt habe.
Die Geschichte wird Kapitelweise aus mehreren Sichten erzählt: Zum einen Marys Tagebucheinträge, aus denen hervorgeht, was es auch als Mutter bedeutet ein Kind mit solch einer schweren, nahezu immer tödlich endenden Krankheit aufwachsen und leben zu sehen. Weitere Kapitel werden aus Toms Sicht erzählt. Der sich in Alice auf den ersten Blick verliebt, sich mit ihrer Krankheit auseinandersetzt und ihr sodann nicht mehr von der Seite weicht. Trotz Höhen und Tiefen. Und zu guter Letzt natürlich auch aus Alice Sicht. Alice die Kämpferin, die im Hier und Jetzt lebt. Alice, die einfach nur ein normales Leben haben und ihren Traum verwirklichen möchte: Sängerin werden! Sie setzt alles daran und wir dürfen sie auf diesem Weg begleiten.

"Wir lachen uns [...] unseren Weg durch dieses verrückte, wundervolle Leben, weil es die einzige Möglichkeit ist, nicht in Schockstarre zu verfallen."

Die Geschichte ist schlüssig, die Krankheit wahrheitsgemäß geschildert. Man merkt, dass die Autorin sich wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Im Nachwort erfährt man auch, dass es Alice wirklich gab. Die Autorin durch Medienberichte auf Alice aufmerksam wurde und den Kontakt zu ihr aufgenommen hat. Die Geschichte hat sie selbst nie losgelassen, sodass das Buch zwar eine fiktive Geschichte ist, diese jedoch auf der wahren Alice Martineau basiert.

Diese Geschichte wird mich noch lange begleiten. Sie behandelt unter anderem auch wichtige Themen, mit denen man sich zumindest einmal auseinandergesetzt haben sollte: Organspende zum Beispiel. Außerdem wird mich Alice in Gedanken eine Weile begleiten. Alice nicht nur als Mukoviszidose-Patientin, sondern vor allem als zielstrebiges, willensstarkes und vor allem tapferes Mädchen.

Fazit: Das Buch strotzt nur so vor Lebenswillen, Mut und Kampfgeist. Alice ist eine launische, aber sehr willensstarke Person und lässt sich trotz Krankheit nicht unterkriegen. Die Geschichte fesselt, sodass ich – wenn ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen hätte – das Buch in einem Rutsch gelesen hätte.
Also, lest dieses Buch: Es ist mehr als lesenswert. Und wenn ihr mir einen weiteren Gefallen tut, setzt euch mit dem Thema Organspende auseinander. D. h. nicht, ihr sollt alle Organspender werden, aber bitte, beschäftigt euch damit, damit ihr diese Frage für euch beantwortet könnt.

Veröffentlicht am 02.10.2019

Ein von Anfang an spannender Thriller

Das Haus der Mädchen
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Ein Krankenpfleger beobachtet zufällig eine Entführung und bezahlt dafür mit seinem Leben. Freddy - erst seit kurzem Obdachlos - beobachtet den Mord und ist seit dem auf der Flucht vor dem Mörder.
Fast ...

Ein Krankenpfleger beobachtet zufällig eine Entführung und bezahlt dafür mit seinem Leben. Freddy - erst seit kurzem Obdachlos - beobachtet den Mord und ist seit dem auf der Flucht vor dem Mörder.
Fast gleichzeitig strandet Leni in Hamburg um bei einem Verlag ein Praktikum zu absolvieren, freundet sich mit einer Mitbewohnerin in ihrer Unterkunft an und macht sich auf die Suche nach ihr als diese plötzlich spurlos verschwunden ist. Während Leni ihre Mitbewohner sucht und Freddy auf der Suche nach dem Mörder ist kreuzen sich ihre Wege und eine spannende Geschichte rund um die Ermittlungen von Komissar Jens Kerner bezüglich einiger Reihe verschwundener Mädchen nimmt ihren Lauf.

Ich muss gestehen, dies ist mein erstes Buch vom Autor Andreas Winkelmann, aber es wird definitiv nicht mein letztes sein.
Die Geschichte ist durch und durch spannend, ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand nehmen.
Der Schreibstil ist klar, verständlich, nachvollziehbar und beschreibend.
Die Erzählperspektive dieses Thrillers wechselt ständig zwischen den Protagonisten, baut damit Spannung auf, bleibt realitätsnah und schlägt immer wieder andere Richtungen ein.
Die Ermittlungen laufen schleppend, jeder Verdächtige rückt irgendwann in den Mittelpunkt und bis zu einer Wende der Erzählung, zum Glück weit am Ende der Geschichte, ist einem als Leser das Motiv der Morde als auch der Täter selbst unklar.

Ein gelungener deutscher Thriller, nicht typisch aber dafür spannend! Sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 02.10.2019

Nicht schlecht, aber nicht überzeugend.

Tote Mädchen lügen nicht
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Eigentlich lese ich selten noch Jugendliteratur. Das Thema muss mich schon sehr interessieren, oder aber eben - so wie hier - in aller Munde sein, sodass ich neugierig wurde.

Bevor der Hype um die Serie ...

Eigentlich lese ich selten noch Jugendliteratur. Das Thema muss mich schon sehr interessieren, oder aber eben - so wie hier - in aller Munde sein, sodass ich neugierig wurde.

Bevor der Hype um die Serie zu dem Buch aufkam, muss ich gestehen, von diesem Buch noch nichts gehört zu haben. Immer öfter wurde mir jedoch empfohlen die Serie zu gucken, wo doch nun schon die zweite Staffel erschienen ist. Aber so wie ich nun mal bin, musste erst mal das Buch her.

Was soll ich sagen? Die Geschichte ist für mich typisch amerikanisch. Wie man es eben aus Buch und TV kennt mit Partys, Cliquen, Status an der Schule.

Dennoch habe ich das Buch quasi in einem Rutsch durchgelesen, was nicht nur am vereinfachten und sehr flüssigem Schreibstil lag. Zum einen, wollte ich wissen, was Clay mit der Sache zu tun hat, zum Anderen - als ich dann wusste welche Rolle Clay spielt, oder eben welche Rolle nicht - wollte ich wissen, wer nunmehr noch zum Tod von Hannah beigetragen hat. Was letztendlich der Auslöser war und ob das "Warum" wirklich geklärt wurde.

Zunächst gefällt mir der Schreibstil sehr gut. So wird die Geschichte aus Clays Sicht erzählt, aber auch aus Hannas in Form von Kassetten. Man liest, was Hannah auf der Kassette sagt und sofort Clays Reaktion darauf. Dies finde ich spannend umgesetzt und hat mich die Geschichte weiterlesen lassen. Clays Reaktionen und Gefühle werden immer wieder schnell greifbar. Hannah bleibt mir leider total fremd. Ich kann vieles nicht nachvollziehen, manche Geschichten wirken auf mich auch völlig fremd und fiktiv, auch Hannas Reaktionen. Sie wirkt anfangs stark, selbstbewusst. Der wirkliche Auslöser für ihren Schritt in den Selbstmord bleibt für mich einfach nicht greifbar. Auch manche Punkte der Geschichte sind für mich nicht rund, lassen sich nicht nachvollziehen, sind quasi ein bisschen viel auf einmal um wirklich zu sein. Liegt vielleicht aber auch an mir, nicht unbedingt an der Geschichte selbst.

Fazit: Aus emotionaler Sicht ist die Geschichte schwere Kost. Man liest die depressiven Gedanken eines jungen Mädchens, von dem man weiß, dass es bereits gestorben ist. Auch Clays Reaktionen lassen einem dem Atem stocken, man leidet mit. Dennoch hapert es für mich an der Umsetzung der Geschichte. Das Thema finde ich jedoch nach wie vor wichtig und hoffe, dass viele Jugendliche und gern auch Erwachsene anfangen über ihr Handeln, ihr Mobbing o. ä. nachzudenken, denn alles hat Konsequenzen.