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Veröffentlicht am 19.10.2021

Ein kaum beachtetes dunkles Kapitel in der amerikanischen Geschichte

They Called Us Enemy
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Diese Graphic Novel beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte, das leider immer noch viel zu wenig bekannt bez. aufgearbeitet wurde: die Internierung japanischstämmiger Amerikaner ...

Diese Graphic Novel beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte, das leider immer noch viel zu wenig bekannt bez. aufgearbeitet wurde: die Internierung japanischstämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges. Ich hatte mich mit diesem Thema in der Vergangenheit schon maFolge mir ;)

Diese und andere Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf meinem Blog Miss PageTurner grob auseinandergesetzt, aber dies ist meine erste literarische Adaption davon, daher war ich sehr gespannt auf die Umsetzung.

They Called Us Enemys
Am 19. Februar 1942, zwei Monate nach Pearl Harbor, unterzeichnete Präsident Roosevelt die Executive Order 9066. Diese erklärte große Teile der Pazifik-Anrainerstaaten wie z.B. Kalifornien zum Sperrgebiet. Alle Bewohner Kaliforniens, des westlichen Oregons und Washingtons sowie eines kleinen Streifens im Süden Arizonas und Alaskas mit japanischen Vorfahren wurden durch die War Relocation Authority in Internierungslager, genannt War Relocation Centers östlich der Pazifik-Region eingewiesen, wo sie bis zum Kriegsende bewacht von bewaffneten Soldaten in umzäunten Baracken leben mussten. 62 Prozent von ihnen waren offizielle Bürger/innen der Vereinigten Staaten, doch das nütze ihnen nichts. Schätzungsweise 110.000 Männer, Frauen und Kinder verbrachten die Kriegsjahre hinter Stacheldraht, einzig und allein aus dem Grund, dass sie dieselbe Ethnie hatten, wie der Feind.

Autor George Takei, bekannt als Aktivist für demokratische Werte und die Rechte von Homosexuellen und als Schauspieler in der Rolle des Hikaru Sulu aus Star Trek, schildert in dieser Graphic Novel autobiografisch, wie er als Kind diese Internierung erlebt hat. Zusammen mit seinen Eltern, seinem kleinen Bruder und seiner Schwester im Säuglingsalter wurde der vierjährige George zunächst nach Sanita Anita gebracht, wo die Familie in Pferdeställen untergebracht wurden. Eine Pferdebox pro Familie, egal wie viele Mitglieder. Später kamen sie ins Camp Rohwer und danach ins berüchtigte Tule Lake Lager.

Kindheit hinter Stacheldraht
In der Graphic Novel verarbeitet der Autor vor allem seine kindlichen Eindrücke aus dieser Zeit. Zwar streut er zum besseren Verständnis hin und wieder historischen Kontext ein, trotzdem bleibt es vor allem ein Bericht der Kindheitserinnerungen. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Vorteil liegt in der Zugänglichkeit des Geschilderten. Die Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Erniedrigungen werden deutlich und wühlen den/die Leser/in auf, dabei geht der Autor aber weder optisch, noch erzählerisch zu sehr ins Detail, sodass diese Graphic Novel auch für jüngere Leser/innen geeignet ist, wenngleich bei Kindern aufgrund von Verständnisfragen es lieber mit Erwachsenen zusammen gelesen werden sollte.

Sehr schön fand ich, dass zwar die Ungerechtigkeit des Ganzen allgegenwärtig ist, der Autor aber trotzdem auch schöne Kindheitserinnerungen mit uns teilt. Denn man muss im Hinterkopf behalten, Takei war vier, als er ins erste Lager kam und Kinderaugen sehen nun mal vieles anders. Was aus unserer erwachsenen Perspektive eine schreiende Ungerechtigkeit ist, war für den kleinen George oft ein Abenteuer. Die Dimension dahinter verstand er erst viel später, wie er in dem Comic als Erzähler aus dem Off selbst zugibt und sich so dem verfälschenden Charakter von Kindheitserinnerungen bewusst ist.
Doch gerade dadurch gibt es in diesem Comic auch einige recht lichte Momente in all der Trübnis, was in meinen Augen ein weiterer Grund ist, warum diese Graphic Novel sehr gut für Jugendliche bez. ältere Kinder geeignet ist und die für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 mehr als verdient hat.

Lang lebe Amerika
Nun sprach ich gerade eben ja auch von einem Nachteil dieser Erzählweise, wobei es eigentlich auch nichts wirklich Schlechtes ist, es kommt eben drauf an, mit welcher Erwartung man an diesen Comic geht. Als Einstieg in die Thematik ist er super, möchte man das Thema vertiefen, eignen sich vielleicht andere Bearbeitungen mehr, den Takei schildert zwar das Unrecht und geht zum Ende hin auch auf einige grundsätzliche Hinterfragungen ein, allzu sehr in die Tiefe geht er aber nicht, vor allem wenn es darum geht welche Traumata diese 4 Jahre Haft für viele bedeuteten. Das ist natürlich verständlich, da Takei ja selbst noch ein Kind war und der Comic seine Erfahrung schildert, aber es sei eben mal kurz genannt, damit jene, denen es vor allem um die Aufarbeitung des Themas geht, nicht grundlos enttäuscht sind.

Was mir zum Ende hin missfallen hat, war die immer stärker werdende amerikanisch-patriotische Note. Ich freue mich, dass George Takei seinen Frieden mit seiner Vergangenheit gefunden hat und nun wieder gerne in den USA lebt, trotzdem finde ich, dass die Art, wie hier die Aufarbeitung geschildert wird, nicht dem Unrecht das begangen wurde gerecht wird. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Als Nichtbetroffene maß ich mir nicht an, zu sagen, dass die Art wie Takei sein Erlebtes ausklingen lässt falsch wäre, es gefällt nur eben mir persönlich nicht und da Rezensionen nun mal subjektiv sind, ziehe ich dafür einen Punkt ab.

Loben hingegen möchte ich zum Ende hingegen, wie der Autor Bezug auf aktuelle Ereignisse nimmt und Parallelen zur heutigen Einwanderungspolitik der USA, die sich vor allem gegen Mexikaner/innen und Muslime richtet, zieht und dabei auch namentlich Trump erwähnt und dessen Einwanderungs-Stopp und Behandlung der Menschen an der mexikanischen Grenze heftig kritisiert.

Fazit:


Diese Graphic Novel eignet sich hervorragend für den Einstieg in die Thematik der Internierung japanischstämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges und ist auch sehr gut für ein jüngeres Publikum geeignet. Einen leicht faden Nachgeschmack hat lediglich der für mich zu starke Patriotismus am Ende.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Der ganz normale? Uniwahnsinn

Giant Days 01
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Dieser Comicband ist eine Bibliotheksentdeckung. Da ich selbst Studentin bin, hat es mich die Thematik Unialltag sofort angesprochen und ich habe es noch am selben Tag, an dem ich es auslieh gelesen.

Mitten ...

Dieser Comicband ist eine Bibliotheksentdeckung. Da ich selbst Studentin bin, hat es mich die Thematik Unialltag sofort angesprochen und ich habe es noch am selben Tag, an dem ich es auslieh gelesen.

Mitten rein ins Studentenleben
Dieser Comicband ist ein Sammelband aus den ersten drei Comicheften von Giant Days. Es geht auch ziemlich unmittelbar los. Im ersten Panel werden kurz die drei Protagonistinnen vorgestellt und schon auf der nächsten Seite gibt es kurze Rückblicke über gemeinsame Abenteuer. Das hat mich doch etwas irritiert, da es mir das Gefühl gab, ich würde bei Heft zwei starten und mir fehle etwas. Ich hätte es schöner gefunden, wenn man als Leser/in das Zusammentreffen der drei Studentinnen und ihr Freundinnen werden miterlebt hätte. Ich hatte das Gefühl mitten in das Geschehen geschubst zu werden, ohne Zeit zu bekommen, die einzelnen Charaktere kennenzulernen, was mir den Einstieg erschwerte. Man fühlt sich wie auf einer Party, auf der jeder jeden kennt, nur man selbst kennt niemand.

Der ganz normale Uni-Wahnsinn
Im Grunde ist das aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an diesem Comic gewesen. Ist man erstmal mit den Charakteren warm geworden und fängt an ihre Macken und Eigenheiten zu entdecken, hat man richtig viel Spaß mit Esther, Susan und Daisy. Der Humor ist dabei ganz große Klasse. Es ist eine gelungene Mischung aus Dialogkomik und Situationskomik und auch wenn natürlich so einiges überspitzt ist, fühlt es sich doch überraschend realitätsnah an und in so manchen Situationen kann sich wohl so gut wie jeder Student/in wiederfinden.

Was mir ebenso gut gefallen hat ist, dass neben allerhand “einfach witzigen” Situationen dazwischen auch immer wieder ernsterer bez. erwachsene Themen angesprochen werden. So spielen in diesem Band u.a. Sexismus, und Cybermobbing eine Rolle, ebenso werden queere Themen angesprochen. Die Autor/innen schaffen es eine sehr gute Balance zwischen Albernheit und sensiblen Themen zu finden.

Optisch ein Hingucker
Des Weiteren möchte ich den Zeichenstil loben. Auf der einen Seite ist er recht einfach, mit klaren Linien, aber das find eich gar nicht schlimm, im Gegenteil, häufig mag ich zu verschwommene, artistische Stile gar nicht. In der Mimik wiederum wird dann nicht mit Details gespart und die gelungene Darstellung der Gesichtsausdrücke macht einen großen Teil des Humors in diesem Comic aus.

Fazit:


Mir fehlt ein bisschen der einleitende Anfang, aber sobald man mit den Charakteren warm geworden ist, erwarten einen viele lustige Abenteuer aus dem Unialltag.

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Magisch, fantasievoll und berührend

Das Mädchen, das den Mond trank
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Normalerweise sind Kinderbücher nicht so mein Fall. Für mich selbst sind die meisten Bücher mit Empfehlungen unter 14 nicht fordernd genug und Kinder zum Vorlesen/gemeinsamen lesen habe ich nicht. Und ...

Normalerweise sind Kinderbücher nicht so mein Fall. Für mich selbst sind die meisten Bücher mit Empfehlungen unter 14 nicht fordernd genug und Kinder zum Vorlesen/gemeinsamen lesen habe ich nicht. Und doch reizte mich etwas an diesem Buch sofort, sodass ich es doch damit probieren wollte. Und diese Entscheidung bereue ich im Nachhinein nicht.

Magisch und Fantasievoll
Gleich das erste, was einem beim Lesen dieses Buches auffällt, ist der Stil. Schon der Klapptext lässt es erahnen: Er orientiert sich vom Ausdruck her an die typische Art Märchen zu erzählen. Im Gegensatz zu einem Märchen ist dieses Buch allerdings deutlich umfangreicher, man muss diesen Stil also schon mögen und ich kann mir vorstellen, dass dies nicht jedem zusagen wird. Ich selbst fand aber gerade das großartig. Der märchenhafte Stil erzeugte für mich eine einnehmende und magische Atmosphäre, die den Zauber der Geschichte bestens unterstützte.
Und das die Geschichte zauberhaft ist, kann man ohne weiteres sagen. Die Autorin beweist hier wirklich allerhand Kreativität und Individualität. Ihre Figuren sind nicht nur magisch, nein, sie sind auch sehr eigen und heben sich damit deutlich von anderen Büchern ab. Ob es nun das Sumpfmonster mit der Vorliebe für Lyrik oder der winzige Drache, der denkt er sei monströs groß ist, alle Figuren haben etwas sehr Spezielles und sind dabei aber auch absolut liebenswert.

Aber auch in der Handlung zeigt Kelly Barnhill, dass es ihr nicht an Ideen mangelt. Die Magie, die sie schildert, mag zwar nicht so komplex sein, wie in den großen Fantasy-Epen, aber das braucht es für ein Buch dieser Altersklasse auch nun wirklich nicht. Nichtsdestotrotz gelingt es der Autorin die Magie in diesem Buch in vielen Facetten zu zeigen, was zu einigen sehr unterhaltsamen Situationen geführt hat.

Eine Palette an Emotionen
Ein Punkt, der mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, ist die Palette an Emotionen. Wir haben friedliche und sehr lustige Momente, aber auch Szenen, die von Schwermut und Traurigkeit geprägt sind. Das finde ich gerade für ein Kinderbuch sehr schön, denn ich finde es wichtig Kindern zu zeigen, dass jede Emotion in Ordnung ist, dass es ok ist auch mal traurig oder wütend zu sein. Wer schon früh lernt, seine Gefühle anzunehmen, wird später ein viel ausgeglichenerer Mensch und Geschichten, wie diese, die eine Fülle an Gefühlen vermitteln helfen dabei.
Auch gesellschaftliche Themen, wie Machtmissbrauch, Unterdrückung und die Manipulation des Volkes seitens der Herrschenden, werden aufgegriffen, bleiben aber in einem leicht verständlichen und kindgerechten Rahmen.

Letztendlich war es nur ein kleiner Hänger in der Mitte des Buches, in dem das Tempo für meinen Geschmack zu sehr abnahm, der mich davon abhielt, die volle Punktzahl zu vergeben.


Fazit:


Eine wirklich magische, fantasievolle und märchenhafte Geschichte, die zu verzaubern weiß und gleichzeitig eine vielfältige Palette an Gefühlen verarbeitet. Nur ein kleiner langsame Hänger in der Mitte trübt das Lesevergnügen etwas, trotzdem kann ich das Buch uneingeschränkt Jung und Alt empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Nicht nur was für Touristen

Berliner Mythen
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Diesen Comic habe ich zufällig bei meinem Streifzug durch die Bibliothek entdeckt. Ich selbst bin in Berlin geboren und aufgewachsen, ebenso wie meine ganze Familie seit mehreren Generationen. Wir sind ...

Diesen Comic habe ich zufällig bei meinem Streifzug durch die Bibliothek entdeckt. Ich selbst bin in Berlin geboren und aufgewachsen, ebenso wie meine ganze Familie seit mehreren Generationen. Wir sind Berliner Urgestein, wie man so schön sagt. Daher hat mich dieser Comic sofort angesprochen und musste direkt mit.

Nicht nur was für Touristen

In dem Comicband bekommen wir als Leser*in 24 Mythen rund um Berlin präsentiert. Erzählt werden sie von dem Berliner Taxifahrer Ozan. Er fährt seine Gäste zu jedem gewünschtem Punkt in der Stadt und erzählt ihnen dabei allerhand Kurioses und Interessantes über die Zielorte. Diese Art des Erzählens hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn zu einem ist Ozan einfach nur sympathisch und witzig und zum anderen bekommt das ganze dadurch diese volkstümliche Note, die Mythen als Medium des Erzählens so eigen ist.

Und was der Ozan da so erzählt, ist wirklich spannend. Selbst für mich als waschechte Berlinerin waren viele Dinge neu. Man lernt die Stadt mit ganz neuen Augen kennen und entdeckt Orte, an die man sonst einfach nur vorbeigelaufen wäre. Schön ist dabei auch die Stadtkarte, die vorne und hinten im Band abgedruckt ist und auf der alle Schauplätze der einzelnen Mythen verzeichnet sind. Wer also nach der Lektüre neugierig geworden ist, kann direkt losmarschieren und die Orte selbst erkunden, wenn er oder sie mag.

Die Mythen sind sehr abwechslungsreich und bewegen sich von kurios witzig, zu tief bewegend und wieder zurück. Ikonen wie Marlene Dietrich oder David Bowie finden ebenso Erwähnung, wie der lange in Vergessenheit geratene Sinti Boxer Johann “Rukeli“ Trollmann. Auch ziemlich viel Geschichte ist dabei. So erfahren wir warum ein Berliner Junge mit dem Panzer zur Schule eskortiert wurde, was es mit den Rosinenbomber und “Onkel Wackel-Flügel” auf sich hat, oder wie sich die Amerikaner fast nach Ostberlin gebuddelt hätten. Diese Vielfalt ist für mich eine der großen Stärken dieses Comicbandes.

Aber auch optisch können die ca. 2-8 Seiten langen Comics sich sehen lassen. Reinhard Kleist hat einen klaren und doch ausdrucksstarken Stil. Seine Panele sind niemals zu voll oder überfüllt und doch schafft er es auf wenige Seiten tiefgründige Geschichten zu erzählen, die wahlweise einen zum Lachen, ins Grübeln oder zum Nachdenken bringen, einen in jedem Fall aber berühren und sehr menschlich wirken.
Ebenso gut gefallen hat es mir, dass es zu jedem Mythos noch ein kurzes Vorwort gibt, das den Mythos kurz vorstellt und auch in den historischen Kontext setzt. Denn wie es bei Mythen eben so ist, nicht alles ist wahr, doch es ist viel Wahres dann. Mitunter hätte man allerdings diese Einordnung lieber dem Comic hinten angestellt, als sie davor zu setzten, denn manchmal verraten sie schon die Pointe des Comics. Dafür gibt es einen halben Punkt Abzug.

Den anderen halben Punkt Abzug gibt es für die Tatsache, dass dieser Comicband wenig Neues enthält, wenn man die Comic bereits vorher im Zitty gelesen hat. Die einzelnen Mythen erschienen nämlich von 2013 bis 2015 im Berliner Stadtmagazin Zitty. Dieser Comicband ist die Sammlung davon und von den 24 Geschichten, ist lediglich die letzte rund um Trollmann neu, der Rest erschien bereits im Magazin. Das finde ich ein bisschen wenig. So wenigstens fünf unveröffentlichte Mythen hätten es in meinen Augen schon sein sollen, damit dieser Band auch für Fans der ersten Stunde einen richtigen Mehrwert hat. Berlin gibt dafür auf alle Fälle noch genug her.

Fazit:


Mit dem Taxi durch Berlins Stadtgeschichte. Ausdrucksstark gezeichnet und amüsant erzählt, erfährt in diesem Comicband nicht nur der Berlintourist allerhand Neues über die Hauptstadt. Auch waschechte Beliner können hier noch so einiges Kurioses, Spannendes, und Berührendes über die eigene Stadt erfahren. Den einen Punkt Abzug gibt es lediglich dafür, dass die Vorworte manchmal zu viel vom Comic verraten und es nur einen neuen Comic gibt, der nicht bereits im Zitty veröffentlicht wurde.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Anders, als erwartet, aber trotzdem überzeugend.

Der Zorn der Regenmacher
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Der Zorn der Regenmacher hat mich gleich angesprochen. Ich liebe übernatürlichen Horror und düstere Fantasybücher, daher wollte ich dieses Buch gleich nach Erscheinen lesen. Gesagt, getan.

Eine Stadt ...

Der Zorn der Regenmacher hat mich gleich angesprochen. Ich liebe übernatürlichen Horror und düstere Fantasybücher, daher wollte ich dieses Buch gleich nach Erscheinen lesen. Gesagt, getan.

Eine Stadt versinkt im ewigen Regen
Gerade eben bei der Coverbesprechung sprach ich bereits von der Stimmung in dem Buch, denn diese ist für mich, gerade in der ersten Hälfte des Buches ein großer Pluspunkt gewesen. Die Hafenstadt La Harb versinkt im ewigen Regen. Mal als Sturzflut, mal als Niesel, doch nie endend. Die Feuchtigkeit dringt in jede Ritze, alles ist grau nass und ungemütlich. Das beklemmende Gefühl des endlosen Getropfe bringt Timo Leipig ganz hervorragend rüber.

"Von den Schieferdächern klatschten Sturzbäche auf das Kopfsteinpflaster. An manchen Stellen glänzte der Regen zwischen den Steinen im Morgenlicht wie Quecksilber, an anderen bildete er Rinnsale, die sich in Pfützen sammelten, und auf diesen schwammen Möwen, mitten auf den Gassen, zwischen alten Fässern und stehen gelassenen Wagen."
( Der Zorn der Regenmacher von Timo Leibig, Penhaligon Verlag, S. 22)

Neben der Atmosphäre mochte ich auch das Worldbuilding ganz gerne. Besonders das Magiesystem, basierend auf Zeichen, die aufgemalt werden fand ich spannend. Insgesamt haben wir hier eine solide Fantasywelt mit typischen Elementen, die gerade genug erklär wird, wie es für die Handlung relevant wird. Normalerweise würde ich daher an dieser Stelle mangelnde Hintergrundinfo anprangern, tatsächlich hat es mich aber bei diesem Buch gar nicht gestört, was wohl daran lag, dass das Buch wirklich gut in sich geschlossen und rund ist. Die Handlung fokussiert sich auf wenige Orte und alles, was für über die wissen müssen, erfahren wir auch, mehr ist tatsächlich nicht nötig und zumindest bei mir blieben nach der letzten Seite keine dingenden Fragen übrig.

Mehr High Fantasy, als Horror
Trotz der regenschweren, drückenden Atmosphäre, so richtig mystisch/gruselig, wie ich es erwartet hatte, ist das Buch nicht. Es ist tatsächlich mehr High Fantasy als Horror/Mystik. Die bedrohlichen Wesen treten schnell auf und auch wenn ihre Motive lange unklar bleiben, stellte sich bei mir kein so richtiges “Gänsehaut-was-lauert-da-im Verborgenen-Gefühl” ein. Dafür wurden die Wesen einfach schon zu schnell zu genau beschrieben. Aber gut, das ist nicht zwingend was Schlechtes, nur etwas anderes, als ich erwartet hatte.
Der High Fantasy Charakter des Buches wird dann in der zweiten Hälfte mehr als deutlich. Auch wenn ich weite rein bisschen über den mangelnden Gruselfaktor enttäuscht war, gefiel mir die Art und Weise wie der Autor die sich verschlechternden Zuständen in der Stadt schilderte. Wie fast immer werden die Abgründe der Menschen sichtbar und vor allem wie Vorurteile und Misstrauen schnell dazu führen, dass eine ohnehin schon marginalisierte Gruppe im Krisenfall zum Sündenbock wird. Aus dem Schicksal der Magiebegabten im Buch kann man direkte Parallelen ziehen zu den in unserer Welt immer noch vorhandenen, jahrhundertealten antisemitischen Narrativen von Juden als Brunnenvergifter, Kindermörder etc. In beiden Fällen wird eine Gruppe lediglich aufgrund von Mythen, Aberglauben oder einfach nur Abneigung stigmatisiert und zum Sündenbock erklärt. Im Buch werden diese Mechanismen sehr deutlich, das war ein Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat.

Wenn ich jedoch wieder zurück um Unterhaltungswert des Buches komme, muss ich sagen, dass es im Mittelteil etwas hängt. Auch findet eine Liebesgeschichte ihren Weg in das Geschehen, die in meinen Augen völlig überflüssig war. Sie rückte zwar nicht allzu sehr in den Fokus und trug kaum etwas zur Handlung bei, aber genau aus deshalb hätte man sie auch komplett weglassen können. Ich persönlich hätte es so besser gefunden, weshalb ich auch aus diesem Grund und dem Hänger in der Mitte einen Punkt abziehe.

Fazit:


Bis auf einen kleinen Hänger in der Mitte und einer überflüssigen Liebesbeziehung am Rande, kann sich Der Zorn der Regenmacher sehen lassen und braucht sich als Einzelband nicht vor den etlichen Mehrteilern zu verstecken. Eine gut durchdachte, fokussierte Handlung viele Spannungsmomente und sympathische Charaktere bieten kurzweilige Unterhaltung, allerdings mehr für High Fantasy, als Horrorfans.

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