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Veröffentlicht am 03.07.2022

Sprache ist mehr als nur Worte

100 Karten über Sprache
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Nachdem mich bereits 55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn schwer begeistert hat, wollte ich unbedingt wissen, was der Katapult Verlag noch zu bieten hat und als Literaturbegeisterte und eine damit ...

Nachdem mich bereits 55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn schwer begeistert hat, wollte ich unbedingt wissen, was der Katapult Verlag noch zu bieten hat und als Literaturbegeisterte und eine damit fast schon unweigerlich einhergehende Faszination für Sprache war schnell klar, welches Buch des Verlages ich mir als nächstes vornehmen wollte. Gesagt, Getan.

Vom Sinn und Unsinn der menschlichen Sprache
Ein Atlas, der sich mit den lustigen, kuriosen und interessanten Blüten menschlicher Sprache befasst. Das kommt heraus, wenn der Cheflayouter des größten (und besten 😛) Magazins für spannende Karten und Grafiken (sorry Katapult, ich nenn euch jetzt mal so) ein Sprachwissenschaftler ist. Aber ich glaube, auch ohne den Einfluss von Tim Ehlers, wäre Katapult irgendwann auf diese Idee gekommen, denn sind wir doch ehrlich: Allein die deutsche Sprache hat genug Kuriositäten, um ganze Buchreihen zu füllen. Und tatsächlich gibt es auch schon etliche Bücher auf dem Markt, die allerhand Witziges und Informatives zu Sprache erzählen. Aber das ist eben der Knackpunkt: sie erzählen. Nicht so die Kartenexperten von Katapult. Sie zeigen es uns. Katapult wäre auch nicht Katapult, wenn das Buch nicht voller Karten und Grafiken stecken würde.

Die Karten sind dabei wieder sehr anschaulich und auf den ersten Blick leicht verständlich gestaltet. Wobei es tatsächlich nicht nur Karten, sondern auch einige Grafiken und Diagramme gibt. Thematisch haben natürlich alle etwas mit Sprache zu tun, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte. Ein Großteil des Buches enthält Karten/Grafiken, die ich einfach als interessant einordnen würde. Kurioses, Bemerkenswertes und Spannendes rund um das gesprochene und geschriebene Wort. Es sind diese Art von Dinge, über die man selten großartig nachgedacht hat, die aber jetzt so präsentiert zum Staunen einladen und mit denen man im Smalltalk auf Partys sicher prima punkten kann.
Dann gibt es noch die, naja etwas flachen Grafiken. Oft sind das Teekesselchen bez. ähnlich klingende Wörter wie “Lärche/Lerche” oder “Kiefer” einmal als Baum, einmal als Gebiss. So wirklich Lachen oder Schmunzeln konnte ich darüber nicht, dazu waren sie mir doch zu flach. Gleiches gilt für Karten mit “Indien” und “Outien”. Sorry, aber diese Flachwitze hätte man sich sparen können.
Sehr informativ und spannend hingegen fand ich jene Karten, die gesellschaftsrelevante und politische Themen aufgreifen. Sei es die Alphabetisierungsraten Jugendlicher in der Welt, der durchaus kritische Einfluss mancher Sprach- und Kulturinstitute oder die Statistik über die Häufigkeit mancher Wörter in Redebeiträgen des deutschen Bundestages. Hier wurden komplexe und brisante Themen anschaulich und leicht verständlich rübergebracht und regen zum Nachdenken an.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, sind die aktuellen Debatten über Sprache im Sinne von Gendern oder die Überbleibsel kolonialer Begriffe und Sprache. Das ist umso bedauerlicher, als dass im Vorwort zumindest ersteres auch erwähnt wurde. Dann jedoch keine einzige Grafik/Karte zu diesen Themen zu finden, fand ich sehr schade.
Ein weitere (kleiner) Kritikpunkt, sind für mich die Quellenangaben. Nur allzu oft steht dort “eigene Recherche”. Das ist mir ehrlich gesagt zu schwammig. Was soll ich mir darunter vorstellen? Entstammen die Infos aus dem persönlichen Wissen der Mitarbeiter oder haben sie irgendwo nachgeschaut? Und wenn ja, warum dann nicht das angeben? Oder sind damit Gespräche mit Experten gemeint? Aber auch da frage ich nicht, warum das nicht so angeben, sprich “Gespräch mit XXX”, oder falls die Person nicht genannt werden möchte “Gespräch mit Musterfach Experte”. Wie ihr seht, kann ich mit dieser Angabe “eigene Recherche” nicht viel anfangen und finde sie schlecht nachvollziehbar.

Fazit:


Zwar konnte mich dieser Sprachen Atlas nicht ganz zu überzeugen, wie das Grenzen-Buch aus dem Katapult Verlag, nichtsdestotrotz haben wir hier wieder ein sehr informatives und anschaulich gestaltetes Buch, in dem man gerne immer wieder blättert und Freunde und Bekannte dann mit (un)nützen Fakten zum Staunen bringen kann. Sicherlich nicht mein letztes Katapult Buch.

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Veröffentlicht am 25.06.2022

Erzählerisch top, visuell ein kleines Manko

Mythen der Antike: König Midas (Graphic Novel)
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Ein weiterer Comic der Mythen der Antike Reihe, der seinen Weg in mein Regal gefunden hat, ein weiteres Abenteuer in der griechischen Mythologie. Dieses Mal geht es weder um ein Gott, noch um einen Heroen, ...

Ein weiterer Comic der Mythen der Antike Reihe, der seinen Weg in mein Regal gefunden hat, ein weiteres Abenteuer in der griechischen Mythologie. Dieses Mal geht es weder um ein Gott, noch um einen Heroen, sondern um einen eher unrühmlichen König: Die Rede ist von König Midas.

König, Narr, Musikbanause
König Midas ist eine Figur, die den meisten beim Stichwort Mythologie wahrscheinlich nicht gerade als Erstes einfallen würde, wohl auch nicht als Zweites oder Drittes, von der man aber trotzdem irgendwie schon mal gehört hat, also zumindest von Midas und dem Gold. Dass es noch einen weiteren Mythos rund um Midas, einen Musikwettstreit und ein Paar Eselohren gibt, welches sogar der Ursprung der Redewendung “Binsenwahrheit” ist, ist weniger bekannt.
Die Graphic Novel erzählt beide Mythen und verknüpft sie geschickt durch Hermes und Apollo als Beobachter, wobei als Vorbereitung zum Musikwettstreit noch Hermes Kindheit und wie der die Leier erfand, geschildert wird. Auf diese Weise ergeben drei eigentlich relativ für sich allein stehende Mythen ein harmonisches Gesamtbild mit rotem Faden eine Erzählweise, die ich z. B. bei Dionysos vermisst habe und hier nur loben kann.

Etwas weniger gut fand ich die Visualisierung der Graphic Novel. Größtenteils leistet Stefano Garau, wie auch schon seine KünstlerkollegInnen zuvor gute Arbeit. Doch hin und wieder entgleisen den Figuren wortwörtlich die Gesichtszüge. Z.B. Midas, der bereits erkannt hat, dass seine Gabe ein Fluch ist und sich nun davor fürchtet, was passiert, wenn er seine Kinder, die auf ihn zurennen, berührt. Statt ängstlich oder panisch zu gucken, lächelt er seltsam und die Umarmung danach wirkt, als würde sie von ihm ausgehen. In einem anderen Panel ist Apollo überrascht, grinst dabei aber unverständlicherweise wie ein Honigkuchenpferd, oder ein andermal gibt es Zuschauer, die laut Sprechblasen gerade lachen, jedoch ernste Mienen aufsetzten. Solche kleinen Ausrutscher, wo Mimik/Gestik nicht zur Situation passen, finden sich immer wieder und sind für mich der Grund, einen Punkt an meiner Wertung abzuziehen.

Fazit:


Erzählerisch überzeugt der Band auf ganzer Linie. Durch geschickte Verknüpfungen werden hier mehrere Mythen anschaulich als eine runde Geschichte erzählt. Optisch muss ich jedoch einen Punkt abziehen, da an einigen Stellen die Mimik und Gestik der Figuren nicht zur entsprechenden Situation passen.

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Veröffentlicht am 30.05.2022

Zuckersüßer Feel Good Manga

A Man And His Cat 1
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Eigentlich bin ich eher der Hundemensch. Katzen haben für mich etwas Unberechenbares, weshalb ich mir selbst wohl eher keine Samtpfote ins Haus holen würde. Mit Sicherheitsabstand beobachte ich die Stubentiger ...

Eigentlich bin ich eher der Hundemensch. Katzen haben für mich etwas Unberechenbares, weshalb ich mir selbst wohl eher keine Samtpfote ins Haus holen würde. Mit Sicherheitsabstand beobachte ich die Stubentiger aber gerne und daher machte mich auch dieser Manga neugierig.

Feel Good Manga
Die Handlung dieses Mangas ist schnell erzählt: Kater Fukumaru wird von den meisten Menschen, die an seiner Box in der Tierhandlung vorbeigehen, nicht gerade als Schönheit betrachtet und so fristet die pummelige gefleckte Katze nun schon seit über einem Jahr ein klägliches Leben in der Tierhandlung. Da er inzwischen auch kein Kätzchen mehr, sondern ein ausgewachsenes Tier ist, helfen auch Preisreduzierungen nichts und Fukumaru hat schon keine Hoffnung mehr noch ein liebevolles zu Hause zu finden. Doch dann wählt ein älterer Herr Fukumaru als sein neues Haustier aus und für beide beginnt ein spannendes neues Leben im gemeinsamen Alltag.

Das ist tatsächlich die gesamte Handlung von A Man and his Cat. Wir haben hier ein Slice of Life Manga par excellence, denn in diesem Auftaktband geht es vordergründig darum, wie der ältere Herr Kanda und Kater Fukumaru sich zunächst näher kennenlernen und sich an den gemeinsamen Alltag gewöhnen müssen. Das mag vielleicht zunächst langweilig klingen, ist aber mit so viel Liebe und Herzlichkeit umgesetzt, dass dieser Manga zu einem richtigen Feel Good Manga wird. Mit diesem Manga kann man nach einem stressigen Tag abschalten und das Herz wärmen.

Grund für die cozy Vibes sind der Umgang unserer beiden Protagonisten miteinander. Eine völlig offene, ehrliche und bedingungslose Liebe zwischen Mensch und Tier. Dass beide an den Umgang mit den jeweils anderen noch nicht gewöhnt sind, sorgt überdies für einige lustige Momente. So zum Beispiel, wenn Fukumaru den Flügel, auf dem Herr Kanda voller Hingabe spielt, als Konkurrenten um dessen Aufmerksamkeit ansieht.
Die Kapitel sind sehr kurz gehalten. Sie zeigen kurze Momentaufnahmen aus dem Alltag von Herr Kanda und Fukumaru. Trotzdem erfahren wir gestreut als kleine Hinweise Stück für Stück mehr über Herr Kanda und warum er Fukumaru genauso dringend braucht, wie dieser ihn. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen wie toll ich es finde, einen älteren Protagonisten jenseits der 40 zu haben. Unter den ganzen High School Schülern oder den Mittzwanzigern/Anfangsdreißiger inmitten des Berufslebens fand ich das sehr erfrischend.

Optisch musste ich mich erst etwas an den Kontrast zwischen dem detailreich und realistisch gezeichneten Herr Kanda und dem schon fast chibihaften Fukumaru gewöhnen. Doch nach einer Weile nimmt man diese Ambivalenz gar nicht mehr so wahr und erfreut sich einfach nur der zuckersüßen Szenen.

Fazit:


In A Man and his Cat bekommt man das, was drauf steht: Den herzerwärmenden Alltag eines einsamen älteren Herr, der durch den pummeligen Kater Fukjumaru neue Lebensfreude empfindet. Ein Manga für Herz und Seele und das nicht nur für Tierfreunde.

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Veröffentlicht am 19.04.2022

Etwas mehr Vorwissen als sonst nötig

Mythen der Antike: Dionysos
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Ein weiteres grafisches Abenteuer in der Welt der griechischen Mythologie. Anstatt eines einzelnen konkreten Mythos widmet sich der neuste Band der Mythen der Antike Reihe einem einzelnen Gott, genauer ...

Ein weiteres grafisches Abenteuer in der Welt der griechischen Mythologie. Anstatt eines einzelnen konkreten Mythos widmet sich der neuste Band der Mythen der Antike Reihe einem einzelnen Gott, genauer gesagt dem Olympier Dionysos. Leserinnen der Reihe ist dieser u.a. schon aus dem Band rund um König Midas bekannt, doch nun soll der Gott des Weins und des Wahns allein im Fokus stehen.

Optisch Neues wagen
Was schon beim Aufschlagen der ersten Seite auffällt ist, dass nicht nur Dionysos als Gott unter den Olympiern hervorsticht, sondern auch seine Comicadaption in Vergleich zu den anderen. Denn mit Gianenrico Bonacorsi wird ein weiterer Künstler Mitglied der Mythen der Antike Familie und bringt seinen ganz eigenen Stil mit.
Obwohl auch die anderen Bände der Reihe von unterschiedlichen Künstler
innen illustriert wurden, haben sie doch einen sehr ähnlichen Stil. Bonacorsi bricht aus diesem nun etwas aus. Seine Illustrationen sind weicher, die Outlines nicht ganz so kräftig und die Farbübergänge sanfter, was einen interessanten Kontrast zu den deutlich blutigeren und freizügigeren Darstellungen erschafft. Mir ha dieser Stilwechsel gut gefallen, wobei man trotzdem immer noch sagen kann, dass es sich nicht allzu weit von der restlichen Reihe entfernt.

Chaotisch wie der Gott selbst
Als ich diesen Band in den Neuerscheinungen entdeckte, freute ich mich schon sehr drauf. Rund um die einzelnen Götter gibt es viele kleinere Mythen und Erzählungen, die für einen eigenständigen Band zu kurz wären und ich freute mich darauf, nun hier eine Sammlung solcher Mythen rund um Dionysos vorzufinden und prinzipiell habe ich das auch bekommen, in der Umsetzung sehe ich jedoch Verbesserungsbedarf.
Wie schon gerade gesagt haben wir hier im Grunde mehrere kurze Mythen zusammen, die zwar alle Dionysos als verbindendes Element beinhalten, aber eben doch eigenständige Erzählungen sind. In dieser Graphic Novel werden diese einzelnen Mythen nun aneinandergereiht,wie Perlen auf eine Schnur und wer sich in der Welt der griechischen Mythen auskennt, erkennt auch die Chronologie dahinter. Doch diese Reihe möchte sich ja explizit an ein großes Spektrum an Leser*innen wenden, speziell auch an jene, die dieses Vorwissen nicht haben. Und hier könnte es zu Verständnisproblemen kommen, die auch der Anhang nicht aus dem Weg räumen kann.
Statt die Mythen kommentarlos aneinanderzureihen, wäre es a dieser Stelle in meinen Augen besser gewesen, einen Erzähler einzusetzen, der die Mythen deutlicher verbindet, Verknüpfungen aufzeigt oder wo nötig auch Geschichten voneinander trennt. Das hätte ein “Off-Erzähler” sein können oder aber ein anderer Gott. Zeus hätte sich hier z. B. angeboten, da der Band sowieso schon mit ihm beginnt und endet.

Was ich ebenfalls schade fand war, dass Ariadne als Dionysos Frau völlig fehlt. Ich weiß nicht, ob die Begegnung und Hochzeit der Beiden in dem Theseus Band aufgegriffen wird, wenn nicht, finde ich es schon sehr schade, dass dieser Aspekt komplett ignoriert wurde. Auch andere kleinere Dionysos Mythen, wie etwas seine Begegnung mit den Piraten fehlen. Ich hätte mir gewünscht diese Teile des Dionysos Mythos ebenfalls hier vorzufinden, um so einen wirklichen mythologischen Überblick über den Weingott zu haben und nicht nur die Aspekte abzubilden, auf die der Autor später in seinem Anhang näher eingehen wollte.

Fazit:


Der neuste Band in der Mythen der Antike Reihe, rund um Weingott Dionysos bleibt zwar unterhaltsam, weist im Vergleich zu den anderen Bänden jedoch ein paar Schwächen auf. Gerade die chaotische Erzählweise dürfte den Lesegenuss ohne mythologisches Vorwissen erschweren. Fans der Reihe bez. der griechischen Mythologie werden bestimmt trotzdem gefallen an diesem Band finden, nur als Einstieg in diese Graphic Novel Reihe würde ich Dionysos nicht empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.04.2022

Mythen von Liebe und dem Tod

Mythen der Antike: Orpheus und Eurydike
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Weiter geht’s mit den Mythen der Antike Graphic Novels und zwar mit einem Titel, der mich sehr neugierig gemacht hatte, da Orpheus einer der Helden war, von denen ich etwas weniger wusste, als von den ...

Weiter geht’s mit den Mythen der Antike Graphic Novels und zwar mit einem Titel, der mich sehr neugierig gemacht hatte, da Orpheus einer der Helden war, von denen ich etwas weniger wusste, als von den anderen Heroen.

Im Reich des Hades
Wer voller Vorfreude auf Orpheus ganz schnell mit dem Lesen beginnt, wird mitunter im ersten Moment verwirrt sein, denn wir starten nicht mit dem besten Sänger der Menschen, sondern begeben uns zuerst auf die Spuren von Persephone, der Tochter von Zeus und Demeter (die NICHT die Göttin des Frühlings ist, wie fälschlicherweise oft behauptet wird!). Dieser Zusatz steht zwar als Untertitel auch vorne auf dem Buch, wird aber gerne übersehen.
Doch warum gerade Persephone und Orpheus in einem Band zusammenstecken? Auf den ersten Blick scheint nur die Unterwelt als verbindendes Element vorhanden zu sein und den meisten Lesern wird wohl auch bis zum Anhang nicht eindeutig klar sein, warum hier die beiden Mythen zusammen erzählt werden. Der Anhang bringt dann mehr Lichts ins Dunkel und führt mehr verbindende Elemente und Bezugspunkte auf, das ist zwar sehr erhellend, ich hätte es dennoch schöner gefunden, diese Verbindungen auch stärker in der Graphic Novel zu sehen. Anstatt krampfhaft an der vorgegebenen Seitenzahl festzuhalten, hätten den beiden Mythen mehr Raum zur Entfaltung gegeben werden sollen, damit die Zusammenhänge auch ohne Vorwissen klarer gewesen wären.
Ansonsten gibt es erzählerisch nichts zu Meckern und die Botschaft, dass niemand dem Tod entkommen kann, und auch die Liebe dieses fundamentalste aller Naturgesetze nicht aushebeln kann, wird deutlich.

Zeichnerisch treffe ich mit Diego Oddi einen alten Bekannten wieder, der mich schon bei Oedipus überzeugen konnte. Rein zeichnerisch habe ich auch dieses Mal nichts auszusetzen und erfreute mich an dem zugleich realistischen und doch farbenfrohen Stil. Was mir jedoch nicht so zusagte, war die Darstellung der Unterwelt. Hier hat man sich meiner Meinung nach zu sehr von der christlichen Vorstellung der Hölle beeinflussen lassen. Überall Flammen und “Höllenfeuer” und im Hintergrund schwirren doch tatsächlich dämonenartige Gestalten umher. Dafür fehlen essenzielle Teile griechischer Jenseitsvorstellungen, wie z.B. das von Minos, Rhadamanthys und Aiakos geführte Totengericht oder der Asphodeliengrund komplett. Den Vogel abgeschossen hat dann aber der Sitz von Hades und Persephone inmitten eines flammenden Schädels. Etwas weniger Dante und mehr Homer bitte.

Fazit:


In meinen Augen ist für diesen Band der Mythen der Antike etwas mehr mythologisches Vorwissen vorteilhaft, als bei den anderen, die ich bisher las. Der Anhang klärt zwar einiges auf, doch wäre eine stärkere Einbindung dieser Aspekte in die Erzählung wünschenswert gewesen. Optisch hat man sich für meinen Geschmack zu sehr an die christliche Hölle orientiert, ansonsten überzeugten Diego Ottis Zeichnungen jedoch wie gewohnt und diese Graphic Novel ist trotz genannter Kritikpunkte eindeutig empfehlenswert.

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