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Veröffentlicht am 22.08.2021

Du denkst du fliegst ins Glück ...

Die Chroniken von Peter Pan - Albtraum im Nimmerland
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Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, auf das ich mich schon seit längerem gefreut habe. Nachdem ich schon den zweiten Alice Band nicht mehr so gut fand und die Kurzgeschichten daher komplett wegließ, ...

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, auf das ich mich schon seit längerem gefreut habe. Nachdem ich schon den zweiten Alice Band nicht mehr so gut fand und die Kurzgeschichten daher komplett wegließ, war es nun an der Zeit für etwas Neues. Daher war ich sehr gespannt auf dieses neue Setting.

Horror im Nimmerland
Ich muss ja zugeben, Peter Pan war mir als Figur schon immer suspekt und die Verfilmung von 1953 ist einer der wenigen Disney Filme, die ich nicht mag. Ich fand ihn einfach schon immer sehr egozentrisch und egoistisch, daher fiel mir das “Umdenken” zu Peter ist der Böse überhaupt nicht schwer. Aber selbst wenn ich ein glühender Peter Pan Fan gewesen wäre, Christina Henry hätte mir das mit ihrer Peter Pan Version schleunigst ausgetrieben.
Das Buch ist aus der Sicht von Jamie erzählt. Er war der allererste Junge, den Peter mit nach Nimmerland nahm und Peters engster Vertrauter. Das Buch beginnt ruhig. Wir lernen das Leben der verlorenen Jungs im Nimmerland und unter Peters Fuchtel kennen. Schnell wird klar, dass das, was den Jungen als Paradies versprochen wurde, nur Schein ist und hinter der Fassade Strapazen und oft er Tod wartet.

"Das ist alles nur wegen Peter passiert. Weil Peter ihnen Abenteuer versprochen hatte und Glück und sie auf seine Insel mitgenommen hatte, wo sie starben. Sie blieben nicht für immer jung, es sei denn, man würde einen zu frühen Tod als ewige Jugend betrachten."
(Die Chroniken von Peter Pan: Albtraum im Nimmerland von Christina Henry, Penhaligon Verlag, 2021, S. 189.)

Dabei setzt die Autorin in diesem Roman weniger auf Brutalität und Gemetzel, als bei den beiden Vorgängern, solche Szenen sind zwar da, aber viel viel weniger und in meinen Augen auch harmloser, als bei den Alice Bänden. Stattdessen ist es der psychische Horror, der hier hervortritt, Peter Pan herrscht und manipuliert seine Gefährten und seine Präsens schwebt die ganze Zeit wie ein dunkles Damoklesschwert über allem. Dadurch wird ein dauerhaftes Gefühl der Bedrohung erzeugt, dass ebenso Gänsehaut beschert, wie die blutigen Szenen.

Auch im weiteren Verlauf des Romans, bleibt das Tempo gemächlicher, das nimmt dem Buch aber absolut nichts von seiner Spannung. Denn dieser Roman lebt nicht von Action, sondern von Jamie und Peter und ihre Beziehung zueinander. Wie diese sich Stück für Stück ändert, schildert die Autorin wirklich außerordentlich gut. Zudem passt die ganze Vorgeschichte, die hier geschildert wird immer noch überraschend gut zum Original. Man kann sich wirklich vorstellen, dass dies die Vorgeschichte des Originals ist, es fügt sich harmonisch in den Kanon ein, was dem Ganzen noch mehr Intensität beim Lesen verleiht. Obwohl bereits durch den Klapptext und dem Prolog klar ist, worauf das Ganze hinausläuft, mindert das nicht den Lesespaß, denn als Leser*in kennt man zwar das Endergebnis, aber der Weg dahin hält noch so einige Überraschungen bereit, sodass man trotzdem voller Neugierde und Spannung liest.

Fazit:


Das neue Setting tut der (Nicht)Reihe mehr als gut. Die Geschichte von Peter Pan und Jamie konnte mich von Anfang bis Ende abholen und überzeugen. Es ist in diese Roman weniger das Gemetzel, als der psychische Horror, die Manipulationen, Überwachungen und Lügen durch Peter, die das Düstere mit sich bringen. Das und die wirklich sehr gut dargestellte Entwicklung des Protagonisten und dessen Beziehung zu Peter, machen diesen Roman zu einem echten Pageturner.

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Veröffentlicht am 16.07.2021

Spannend, divers, und hervorragend recherchiert.

Die Götter müssen sterben
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Dieses Buch fand seinen Weg als Überraschungspost zu mir aber ich hätte es mir auch so oder so zugelegt, denn es ist mir schon im Winter, als ich die Neuerscheinungen dieses Jahres durchging ins Auge gesprungen. ...

Dieses Buch fand seinen Weg als Überraschungspost zu mir aber ich hätte es mir auch so oder so zugelegt, denn es ist mir schon im Winter, als ich die Neuerscheinungen dieses Jahres durchging ins Auge gesprungen. Und an Bücher mit Bezug zum antiken Griechenland/der griechischen Mythologie kann ich sowieso nicht vorbeigehen. Daher begann ich dieses Buch voller Freude und mit hohen Erwartungen, doch konnten diese erfüllt werden?

Ein Fest für jeden “Antike-Nerd”
Ich habe das ja schon mal bei meiner Rezension zu Ich bin Circe erwähnt: Als ehemalige Klassische Archäologie Studentin bin ich bei Mythologie Adaptionen etwas pingelig. Ich gestehe jedem Autor/in künstlerische Freiheiten zu, aber ich mag es absolut nicht, wenn ich beim Lesen spüre, dass der Autor oder die Autorin sich nur Sachen aus der Mythologie herausgepickt hat, sich aber nicht wirklich mit ihnen und den Quellen beschäftigt hat.
Zum Glück musste ich mir darüber in Die Götter müssen sterben überhaupt keine Sorgen machen, denn dieses Buch strotzt nur so vor guter Recherche. Ich glaube Nora Bendzko hat neben Standardwerken wie die Ilias wohl gefühlt jede Überlieferung und Quelle zu den Amazonen gelesen, die es gibt. Das spürt man auf jeder einzelnen Seite und hat mich schwer begeistert. Selbstverständlich ist ihre Geschichte keine eins zu eins Adaption des Amazonenmythos oder der Ilias, aber die Autorin flechtet wirklich gekonnt allerhand Figuren und Ereignisse aus den Mythen ein. Auch wenn sie die Handlung deutlich von den Überlieferungen unterscheidet, fühlt es sich trotzdem wie eine natürliche Ergänzung an. Eine Erweiterung der Mythen, die nicht im Widerspruch zu ihnen steht, eine neue Perspektive im Kanon, eine Stimme für jene Gestalten, die sonst zu kurz kommen. Wirklich, ich habe hier absolut nichts zu meckern.

Es lebe die Diversität!
Diese Liebe zur Mythologie ist ein guter Grund Die Götter müssen sterben zu lesen, ein weiterer Grund ist auf jeden Fall die Diversität in diesem Buch. Zum einen ist ein Großteil der Charaktere PoC, was ja auch Sinn ergibt, wo die Amazonen von den Griechen in Anatolien, Libyen und am schwarzen Meer verortet wurden. Dann spielen diverse Formen von Sexualität und Geschlechteridentitäten eine Rolle. So werden in diesem Buch Homosexualität, Asexualität, Nichtbinäre Geschlechtsidentität oder auch Polyamorie behandelt. Die Amazonen sind in dieser Hinsicht eine sehr offene und tolerante Gesellschaft und die Autorin behandelt alle Identitäten udn Sexualitäten sehr respektvoll und umsichtig. Das wird besonders deutlich, wenn die Autorin von ihren Vielseligen spricht, Menschen, die beim Amazonenvolk leben und sich weder als Frau, noch als Mann identifizieren. Anstatt seltsame sie/er Doppelkonstellationen oder das herabwürdigende “es” zu benutzen, nutzt die Autorin einfach das Pronomen sier, also eine Mischung aus beidem. Beim ersten Lesen stolpert man noch ein bisschen darüber, aber die Autorin nutzt diese s Pronomen so konsequent und natürlich, dass es einem bald schon gar nicht mehr auffällt. So leicht kann es gehen! Und da sage noch jemand, gendern störe den Lesefluss.

Als wäre das noch nicht genug, baut Nora Bendzko aber noch weitere sensible Themen ein. So findet z. B. auch das Thema Depression Beachtung. Bei all dieser Fülle könnte man denken, dass es zu überladen oder gewollt wirken würde, oder nicht mehr in das antike Setting passt, aber dem ist nicht so. Die Autorin beweist hier großes Schreibtalent, indem es ihr gelingt diese Vielzahl an Themen elegant zu verknüpfen und mit ihrem Amazonenmythos zu verweben. An dieser Stelle möchte ich auch explizit das Nachwort loben. In diesem geht die Autorin nämlich nochmal genauer auf den Umgang mit diesen Themen ein, schreibt aber auch viel über ihre eigene Auseinandersetzung mit diesen und auch ihre Recherche. Selten habe ich ein so eindrückliches Nachwort gelesen, das hallt bei mir fast schon ebenso sehr nach, wie der ganze Roman.

Auch die Amazonen sind nicht perfekt
Bei all der Fortschrittlichkeit in Bezug auf der Auslebung der eignen Sexualität, idealisiert sind Bendzkos Amazonen trotzdem nicht. Sie bleiben ein Produkt der Antike und leben daher zu einem Teil auch weiter deren Norm. So finden sich Sklaverei, Gewalt, Ausgrenzung und starke Hierarchien auch in der Amazonengesellschaft. Ich habe schon kritische Stimmen zu diesem Punkt gelesen, aber mir hat es ehrlich gesagt gefallen. Eine vollkommen offene, in allen Punkten tolerante und fortschrittliche Gesellschaft, hätte ich innerhalb dieses Settings als zu idealisiert und unpassend empfunden, daher finde ich, dass die Autorin hier einen guten Mittelweg gefunden hat. Zudem werden genannte fragliche Praktiken ja auch nicht idealisiert oder verherrlicht, im Gegenteil es finden sich immer wieder Figuren, die die grausamen Rituale oder die Sklaverei bei den Amazonen kritisieren.
Wo wir beim Thema Brutalität wären. Da ich schon so einige Dark Fantasy Romane gelesen habe, bin ich da wohl nicht der Maßstab für. Tatsächlich empfand ich die Beschreibungen von Gewalt im Vergleich zu anderen Romanen des Genres noch ganz erträglich, aber wie gesagt, ich bin da echt kein Maßstab.

Als Letztes möchte ich ganz kurz noch etwas zur Handlung sagen, denn hier findet sich der einzige Punkt, den man von meiner Seite aus als Kritik werten könnte, denn nach einen überragenden Einstieg gestaltet sich die erste Hälfte etwas ruhiger, fast schon zu ruhig. Wir lernen die Amazonen und ihre Lebensweise kennen, dafür nimmt sich die Autorin viel Zeit, aber gerade als ich begann mein Interesse zu verlieren und mir mehr Tempo zu wünschen, bekommt die Handlung eine Wendung und das Tempo wird spürbar angezogen, weswegen ich nicht wirklich dafür einen Punkt abziehen möchte. Es sei trotzdem festgehalten, dass die zweite Hälfte noch etwas besser als die erste ist, und wer beim Lesen der ersten 200 Seiten spürt, wie Langeweile aufkommt, sollte durchhalten, es wird besser, viel besser.

Fazit:


War die erste Hälfte des Buches noch unterhaltsam, aber nicht überragend, konnte mich das Buch mit der zweiten Hälfte völlig überzeugen. Besonders die Diversität der Figuren, der Umgang mit sensiblen Themen und auch die enge Nähe zu den ursprünglichen Mythen haben mich begeistert. Aber auch wer nur einen richtig spannenden Dark Fantasy Roman lesen will, kann hier beherzt zugreifen, denn oft ist Die Götter müssen sterben auch “einfach nur” spannend, blutig und mitreißend.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Man sollte dieses Buch in der Bevölkerung verteilen

Ohne Rücksicht auf Verluste
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Vor 44 Jahren hat Günther Wallraff zum ersten Mal die Machenschaften und schockierenden Methoden der BILD Zeitung aufgedeckt. Doch hat sich seit 1977 bei der BILD etwas geändert? Dieser Frage gehen die ...

Vor 44 Jahren hat Günther Wallraff zum ersten Mal die Machenschaften und schockierenden Methoden der BILD Zeitung aufgedeckt. Doch hat sich seit 1977 bei der BILD etwas geändert? Dieser Frage gehen die Autoren Schönauer und Tschermak in diesem Buch nach. Die Beiden sind "BILD Experten", denn beide Autoren sind bez. waren Chefredakteur des BILDblog, einem Blog der aufmerksam die Berichterstattung des Boulevardblattes verfolgt, auf Fehler, Lügen und Ungenauigkeiten hinweist und korrigiert.

BILD dir deinen Hass
Nun stellt sich vielleicht bei einigen die Frage, warum braucht es überhaupt dieses Buch? Wer liest denn schon noch Zeitung, alles halb so wild, mag man vielleicht denken und es stimmt, die Auflage der BILD Zeitung geht stetig zurück (wie auch von allen anderen Printzeitungen). Doch BILD.de hingegen wächst immer weiter. Im Mai 2021 war BILD.de mit 477,3 Mio Seitenaufrufen im Monat die mit Abstand meistbesuchte Nachrichtenseite Deutschlands. Zum Vergleich: Der Zweitplatzierte n-tv.de kam gerade mal auf 273,79 Mio Seitenaufrufe (Quelle: Statista). BILD wird also doch gelesen.
Was will ich mit diesem langen Vorgerede eigentlich sagen? Ganz einfach: Dass wir das Buch von Matts Schönauer und Moritz Tschermak brauchen!

Ich selbst habe nie die BILD Zeitungen gelesen und schon von dem, was ich an Schlagzeilen am Kiosk an den Aufstellern sah, rollen sich mir die Zehnnägel hoch. Doch welche Ausmaße das krude System dahinter annimmt, das wurde mir erst nach dieser Lektüre klar. In dem Buch werden die Methoden der BILD offengelegt, das System dahinter entlarvt und der Umgang mit Opfern, Tätern bez. schlicht anderen Menschen kritisiert. Ich könnte jetzt eine lange Liste von den Themen aufzählen, bei denen BILD fragwürdige Methoden einsetzt, könnte Feindbilder aufzählen, die BILD erschafft und Grenzen, privat wie gesellschaftlich, die BILD überschritten hat, aber all dies findet sich weitaus anschaulicher im Buch, als ich es euch jetzt sagen könnte. Nur soviel sei gesagt: Die BILD hat ihre Rolle als vierte Gewalt schon längst verlassen, statt zu informieren, zu mahnen und kontrolliert und konstruktiv die Politik zu kritisieren, wie es die Funktion der vierten Gewalt ist, versucht sie immer wieder aktiv selbst die Politik und Gesellschaft in eine bestimmte Richtung zu drängen. Die Folge sind Polarisation und Spaltungen in unserer Gesellschaft.

Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat war, dass die Autoren sich nicht nur damit begnügen die zahlreichen Vergehen der Boulevardzeitung aufzudecken, nein sie stellen Lügen, Ungenauigkeiten und Weglassungen wichtiger Information auch direkt richtig. Das ist wichtig, damit man gefährliche Narrative nicht einfach nur reproduziert. Ich hätte mir noch gewünscht, dass die Schilderungen noch ein bisschen mehr in den Kontext von sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse gesetzt worden wären. Die Ansätze waren dafür da, oft ging es aber dann doch vordergründig um die Offenlegung des Systems BILD, aber gut, das ist eher persönliche Geschmacksache, weswegen ich das nicht direkt als Kritikpunkt werden würde. Zudem, dass muss ich auch sagen, ist das Buch, so wie es jetzt ist auch sehr zugänglich für ein breites Publikum. Man muss sich weder mit Journalismus, noch mit Politik und Gesellschaft intensiv auseinandergesetzt haben, um die Argumentationsketten in diesem Buch nachzuvollziehen. Dies wird umso mehr von dem Schreibstil der Autoren unterstützt. Das Buch liest sich leicht, der Ton ist zwar sachlich, aber auch locker und angenehm.

Als wirklich einzigen Kritikpunkt würde ich lediglich den allerletzten Satz ansehen, in dem nach dem großen Warum gefragt wird und suggeriert wird, dass einige Menschen die Welt einfach nur brennen sehen wollen würden. Das erscheint mir doch arg vereinfacht, da aber alles bis zu diesem letzten Satz sachlich, schlüssig und hervorragend recherchiert war, verbuche ich das mal als emotionalen Ausreißer.

Fazit:


Es ist die traurige Wahrheit, das dieses Buch absolut wichtig und nötig ist. Auch nach 44 Jahren seit Wallraff hat sich an den Methoden der Bild kaum etwas geändert, im Bereich Politik und Gesellschaft, das zeigt dieser erschütternder Bericht, sind sie sogar noch polarisierender geworden. Aus diesem Grund würde ich dieses Buch am liebsten jeden einzelnem BILD und BILD.de Leser in die Hand drücken. Denn wer dieses hervorragend recherchierten und mit stichhaltigen Beweisen argumentierende Buch gelesen hat, der kann sich eigentlich nicht mehr von der morbiden Berichterstattung dieses Boulevardblattes hinters Licht führen lassen.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Konnte mich ebenso überzeugen, wie Band eins

Narrenkrone
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Dornenthron konnte mich im letzten Jahr sehr begeistern. Umso mehr freute ich mich auf die Fortsetzung dieses Jahr und legte gleich los =)

Das Rennen um den Kaiserthron
Zum Ende von Dornenthron ist zwar ...

Dornenthron konnte mich im letzten Jahr sehr begeistern. Umso mehr freute ich mich auf die Fortsetzung dieses Jahr und legte gleich los =)

Das Rennen um den Kaiserthron
Zum Ende von Dornenthron ist zwar der rätselhafte Wächter der Hecke besiegt, doch die messerscharfen Dornen halten noch immer jeden Eindringling fern und die Prinzessin schläft noch immer in ihrem Zauberschlaf. Doch dann geschieht das Unfassbare:

“Der Wind fegte durch die Hecke und rüttelte an den jahrhundertealten Ästen. Zwölf vertrocknete Blätter riss er ab und mit sich fort. Er trug sie hoch in die Luft, warf sie hierhin und dorthin, und dann flaute er ganz plötzlich ab. Langsam taumelten die Blätter zu Boden”
(Narrenkrone, Boris Koch, Knaur Verlag, S. 65.)

Vertrocknete Blätter! Das gab es noch nie und mit einmal entbrennt ein wahnwitziger Wettkampf um den Thron. Boris Koch hat all seine Figuren in Stellung gebracht, diejenigen, die in band eins noch auf der Reise waren, treffen nun in Ycena ein und sie alle wollen nur eins: In den Palast. Dabei werden sie jedoch von unterschiedlichen Motiven und Emotionen angetrieben. Es war interessant mitzuverfolgen, wie sie alle dasselbe Ziel haben und doch völlig unterschiedlich an die Sache rangehen, je nachdem was ihre persönlichen Motive sind, dieser Aspekt hat mir gut gefallen. Auch wird die Handlung dadurch fokussierter, was denjenigen gefallen dürften, die den ersten Band noch zu verworren fanden.

Ein weiterer Punkt, der mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, war die Spannung. Ironischerweise ist genau das der Punkt, der von mehreren anderen Rezensenten kritisiert wird, ich persönlich empfand das Buch aber als sehr spannend. Das ergab sich daraus, dass durch diverse Ereignisse auf einmal ein deutlicher Zeitdruck beim Überwinden der Hecke entstand. Es artet regelrecht zu einem Wettrennen aus und ich fieberte daher sehr mit meinen Favoriten mit schneller zu sein, als alle anderen. Das wurde noch dadurch gefördert, dass in meinen Augen mehrere Figuren “das Rennen” hätten machen können. Ich konnte also beim Lesen noch nicht sicher absehen, wer es schaffen würde zuerst die Prinzessin zu küssen und räumte verschiedenen Charakteren eine Chance ein, was die Sache für mich noch spannender machte.

Das Ende konnte mich dann ebenso überzeugen. Es ist rund und mit einer Wendung, die ich einfach nur aberwitzig finde, ja geradezu satirisch. Arlac der Narr hätte es sich nicht besser ausdenken können. Überhaupt ist Arlac für mich eine der besten Figuren im Buch. Auf den ersten Blick ist er eine Randfigur und doch greifen seine Taten massiv in die Geschicke des ganzen Landes ein, ob gewollt oder nicht. Seine Gedanken und Späße zeugen von einer Intelligenz und Gewitztheit, mit der er dem Adel und den Menschen allgemein den Spiegel vorhält, weswegen ich diese Rezension mit einem Zitat von ihm beenden möchte, dass für mich wunderbar zu dieser Dilogie passt:

“Das ganze Land schien dem Scherz eines Narren entsprungen, wer wollte da nicht lachen und sich vor Freude auf die Schenkel klopfen?”
(Narrenkrone, Boris Koch, Knaur Verlag, S. 49.)

Fazit:


Der zweite Band dieser Dilogie konnte mich ebenso überzeugen, wie sein Vorgänger. Im direkten Vergleich ist die Handlung fokussierter und der Wettkampf um den Thron und gegen die Zeit bot für mich ein spannendes Leseerlebnis, sodass ich diese Reihe uneingeschränkt jedem Fantasyfan empfehle.

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Veröffentlicht am 20.05.2021

Wissen trifft auf Lesespaß

55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn
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Es ist jetzt schon ein paar Monate her, da wurde ich zufällig auf den tollen Instagram Account des Katapult Magazins aufmerksam und fand den sofort super. Viele Informationen ansprechend und leicht verständlich ...

Es ist jetzt schon ein paar Monate her, da wurde ich zufällig auf den tollen Instagram Account des Katapult Magazins aufmerksam und fand den sofort super. Viele Informationen ansprechend und leicht verständlich dargestellt und eine politische Gesinnung, die der meinen entspricht, da wurde auch schnell das Magazin abonniert, was mir seitdem ebenfalls sehr gefällt. Doch nun wollte ich es wissen: Kann Katapult auch Bücher? Mit dem neusten Buch rund um kuriose Grenzen wollte ich das herausfinden.

Wissen trifft auf Lesespaß
Grenzen und Grenzkonflikte, das klingt vielleicht erstmal etwas trocken. Wie eine langweilige Erdkundestunde in der im Dämmerlicht des alten Overheadprojektors Karten gezeigt werden. Wer jetzt das Schütteln bekommt, schnell weiterlesen, denn dieses Buch ist alles andere als langweilig! Autor Fabian Sommavilla stellt uns 55 Geschichten rund um Grenzen vor, wobei der Text dazu selten über mehr als zwei bis drei Seiten hinausgeht. Dabei schlägt der Autor einen lockeren, leicht verständlichen Ton an. Er schafft es hervorragend die Balance zwischen Informationsfülle und Witz zu halten, was allein schon deswegen das Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam macht.

Nun wäre ein Katapult Buch kein Katapult Buch, wen es nicht auch zahlreiche Karten und Grafiken gäbe. Jede Geschichte ist umfassend illustriert und wie immer können sich diese Grafiken sehen lassen, denn sie überzeugen mit ansprechender Gestaltung, gepaart mit Übersichtlichkeit. Zugegeben, manche sind auch einfach etwas albern-lustig, wie etwa, wenn die Umrisse von Staaten mit Essen verglichen wird. Andere Grenzverläufe sind einfach nur kurios wie die zweigeteilten Golfplätze oder die Z-Grenze zwischen Finnland und Schweden um einen falsch gebauten Leuchtturm herum. Als dritte Kategorie kann man noch die Geschichten nennen, die erstaunen und informieren. Dinge, über die man sich nie Gedanken gemacht hat, wie zum Beispiel, die Gebühren die bei einem Flug, einfach nur für das Überfliegen von Staaten anfallen und die nun beim Lesen einen Aha-Effekt auslösen. Diese breite Themenvielfalt macht einen großen Reiz des Buches aus.

Die Absurdität von Grenzen in „all ihrer Pracht”
Bei all dem Witz verliert das Buch aber nicht auch die ernsteren Themen aus den Augen. Denn auch wenn es im ersten Moment lustig anmutet, wenn zwei Länder sich um einen trostlosen Fels im Meer oder eine unbedeutende Insel streiten, oft stecken dahinter jahrelange Konflikte, Machtgier, die Ausbeutung von Ressourcen und nicht zuletzt die Schicksale der Menschen, die in dieser Grenzregion leben, denn während Staaten sich streiten, sind sie zumeist diejenigen das Leid haben und selten ist wie im Falle von San Juan Island als einziges Opfer lediglich ein Schwein zu beklagen. Trotz der Kürze der einzelnen Texte schafft es Fabian Sommavilla den Leser für diese Themen zu sensibilisieren und das finde ich ganz große Klasse. Auch die Aktualität kommt nicht zu kurz. So werden hier u.a. der Kaschmirkonflikt, der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea oder, traurigerweise brandaktuell, auch der Nahost Konflikt thematisiert.

Im Grund werden in diesem Buch zwei Dinge wirklich deutlich: Erstens: Grenzen sind absurd! Sie sind das Produkt menschlichen Willens Land zu besitzen, zu kontrollieren und fein säuberlich einzugrenzen. Sie sind menschengemacht und als solche voller Fehler, Widersprüche und Unsinn. Was von manchen Menschen als in Stein gemeißelte Linien deklariert wird, entpuppt sich hier schon nach ein paar Seiten als ein bröckliges Konstrukt, das bei weiten nicht als gegeben hingenommen werden sollte. Wer dieses Buch liest, dem wird automatisch ein neuer, misstrauischer Blick auf Karten mitgegeben und das Verständnis, dass schwarze Linien auf dem Papier, alles andere als sicher oder „schon immer dagewesen” sind.

Die zweite Erkenntnis ist eng mit der ersten verwandt und lautet patt gesagt: Kolonialismus war scheiße und ist es immer noch, da viele der heutigen Konflikte sich mehr oder weniger unmittelbar auf diesen zurückführen lassen. Seien es junge Nationen, die ihre Staatsgrenzen aus uneindeutig formulierten Kolonialverträge ableiteten und mit ihren Nachbarn in Streit um Gebiete geraten oder Tansania, dem ein ebensolcher Kolonialvertrag weiterhin verbietet an die größte Süßwasserquelle der Region, dem Malawisee, teilzuhaben.
Das willkürliche Ziehen von Grenzen seitens der Kolonialmächte hat bis heute tief reichende Einschnitte in die verschiedensten Regionen der Welt gebracht, das zeigt dieses Buch deutlich, was ein weiterer Punkt ist, den ich nur loben kann.

Fazit:


55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn ist ein Buch, dass ich ohne zu zögern jedem in die Hand drücken könnte. Es ist anschaulich, informativ und macht Spaß zu lesen. Gleichzeitig beleuchtet es die Hintergründe aktueller Grenzkonflikte und sensibilisiert, für wichtige Themen wie Kolonialismus, Klimakrise, oder unsinnige Machtdemonstrationen, ohne dabei einen belehrenden oder herablassenden Ton anzunehmen. Durch die tollen Katapult-Grafiken ist dieses Buch Futter für das Hirn, wie die Augen gleichermaßen. Kauft es, lest es, mehr habe ich nicht zu sagen.

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