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Veröffentlicht am 20.09.2020

Ein witziges und spannendes Buch

HAUSER - IMMER FESTE DRUFF!
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Die Story handelt von Hauser, einem leicht vertrottelt wirkenden Detektiv, der aber mit allen Wassern gewaschen ist. Außer wenn es um sein Äußeres- er läuft herum wie ein Papagei aus den 80igern - und ...

Die Story handelt von Hauser, einem leicht vertrottelt wirkenden Detektiv, der aber mit allen Wassern gewaschen ist. Außer wenn es um sein Äußeres- er läuft herum wie ein Papagei aus den 80igern - und das weibliche Geschlecht geht. Da wandelt er auf verlorenen Pfaden.
Hauser muss wahnsinnig viel improvisieren, um das Buch zu überleben. Denn er muss nicht nur einen Fall lösen, sondern etwa deren fünf. Aus reinem Überlebenswille verknüpft er alles miteinander, so dass er seinen Kopf am Ende gerade noch einmal aus der Schlinge ziehen kann. Er hat ja nicht irgendwelche Kontrahenten gegen sich aufgebracht, sondern alle relevanten Gangsterbosse der Frankfurter Unterwelt samt ihren schwer bewaffneten Gorillas. Jedenfalls überlebt Hauser überraschenderweise diese gefährliche Achterbahnfahrt mehr oder weniger unbeschadet. Mehr sei hier nicht verraten.
Das Buch ist wirklich witzig geschrieben, und die Geschichte wird gekonnt aufgerollt. Das ist nicht selbstverständlich bei dieser verworrenen Story. Trotz des ganzen Klamauks und den überzeichneten Figuren bleibt die Lektüre bis am Schluss spannend. Die 320 Seiten lesen sich durchwegs leicht und flüssig, und ich musste während der Lektüre oft schmunzeln. Es handelt sich ja auch um eine Krimikomödie. Wer dieses Genre mag, dem sei das Buch sehr empfohlen.

Fazit:
Ein gelungenes und witziges Buch, das auch eine gute Portion Spannung bereithält, gekonnt erzählt. Lesen!

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Veröffentlicht am 10.08.2020

Vier Frauenschicksale im bayrischen Nachkriegsdeutschland

Die Wunderfrauen
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Die locker erzählte, aber teilweise nicht minder tragische Geschichte über vier Frauenschicksale ist hauptsächlich Mitte der 1950er-Jahren in der bayrischen Kleinstadt Starnberg angesiedelt. Da sind Marie, ...

Die locker erzählte, aber teilweise nicht minder tragische Geschichte über vier Frauenschicksale ist hauptsächlich Mitte der 1950er-Jahren in der bayrischen Kleinstadt Starnberg angesiedelt. Da sind Marie, die Heimatvertriebene aus Schlesien; Luise, die einen Dorfladen gründet; Helga, die sich von Ihren reichen Eltern lossagt, um Krankenschwester zu werden und schließlich Annabel, die unglückliche Ehefrau eines reichen Arztes. Jede dieser Frauen ist bereits in jungen Jahren vom Schicksal hart geprüft worden. Langsam erschließt sich im sehr angenehm zu lesenden Roman die reichhaltigen Lebensgeschichten dieser Frauen. Trotz des Elends der Kriegszeiten und der Diktatur sind sie innerlich nicht gebrochen und bauen sich jede auf ihre Art ein neues Leben auf. Das ist sehr anschaulich und lebensnah beschrieben, so dass die Geschichte überzeugt und nicht aufgesetzt wirkt. Auch die Nebenfiguren sind durchwegs lebendig gezeichnet. Einzig an ein paar Stellen fand ich, dass gewisse für den Fortgang der Geschichte relevante Entwicklungen etwas zu konstruiert wirkten. Leider habe ich mir die beim Lesen nicht notiert und kann sie deshalb auch hier nicht zitieren.

Was anfangs so leicht daherkommt, hat bei genauerer Betrachtung mehr Tiefgang als man zuerst denkt. Der Roman spielt 1953/1954. der Krieg ist zwar schon einige Zeit vorbei, aber die Nazizeit ist immer noch in den Köpfen der Leute. Schlimme Erinnerungen für die Einen, verpasste Chancen für die Anderen. Eine nach wie vor innerlich durch Krieg, Nazitum, Elend und Armut tief zerrissene Gesellschaft im Aufbruch, in der sich die vier jungen Frauen behaupten müssen auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Vier Frauen, die einerseits durch ihre Herkunft und Jugend sehr unterschiedlich sind, aber etwas gemeinsam haben: Sie wollen Leben, sich selbst sein und ausbrechen aus der ihnen von der Vergangenheit und von kaputten Männern aufgedrängten Welt. Und die vier Frauen haben noch etwas gemeinsam: Trotz allem haben sie den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren. Für mich lebt das Buch von dieser innere positive Kraft der vier Protagonistinnen im Spannungsfeld zu all den schrecklichen Vorkommnissen in der Vergangenheit aller Personen, die im Roman vorkommen. Es ist nicht nur eine gut lesbare Sommerlektüre, sondern ein sehr guter Roman, der diese Zeit aus dem Blickwinkeln von Frauen schildert, ohne dabei groß philosophisch zu werden. Ich bin gespannt auf den zweiten Teil.

Vier Frauen, vier Schicksale, vier Erzählstränge, die plausibel über die etwas mehr als 450 Seiten miteinander verwoben werden. Ohne großen philosophischen Firlefanz ist der Autorin ein feministisches Buch gelungen, das diese Zeit und den Aufbruch in eine neue Zeit in Deutschland anschaulich aus Frauensicht schildert. So ein Buch habe ich bis jetzt noch nicht in den Händen gehalten und auch vermisst.

LESEN!

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Ein sprachliches Kunstwerk

Eurotrash
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Christian Kracht hat einen Roman über einen fiktiven Christian Kracht geschrieben, der erstaunlich viele Parallelen zur Biografie des echten Christian Kracht hat. Tönt etwas kompliziert, ist es aber nicht. ...

Christian Kracht hat einen Roman über einen fiktiven Christian Kracht geschrieben, der erstaunlich viele Parallelen zur Biografie des echten Christian Kracht hat. Tönt etwas kompliziert, ist es aber nicht. Der fiktive Kracht macht eine letzte Reise mit seiner Mutter. Mutter und Sohn also vereint in einer absurden Reise mit noch viel absurderen Gesprächen, die dann zu gedanklichen Assoziationen und Abschweifungen des Erzählers, also des fiktiven Christian Kracht, führen. Oder ist das nun der echte Christian Kracht, der Autor, der da ein paar gedankliche Turnübungen macht? Das wird man wohl nie wissen. Was ich aber jetzt schon weiß, ist, dass es sich hier um ein verdammt gutes Buch handelt.
Warum das Buch hervorragend ist: Weil es zu 99 Prozent in einer unglaublich guten und klaren Sprache geschrieben ist, die, egal was der Autor auch Verworrenes erzählt, zum Denken anregt. Die teilweise doch ziemlich sprunghaften Gedanken der beiden Hauptpersonen werden in Sätze gegossen, die der Vielschichtigkeit der Beiden gerecht wird und die den Zusammenhalt der verschiedenen angesprochenen, teilweise abscheulichen Geschichten ermöglicht. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, sondern das Buch einfach sehr zur Lektüre empfehlen.

Fazit: Sehr guter Text - unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 27.07.2021

Anstrengend, aber sehr gut

Die jüngste Tochter
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Inhaltlich geht es um die Selbstfindung von Fatima, einer lesbischen Muslimin, die in den Vororten von Paris in einem sehr religiösen und traditionellem, von Algerien geprägten Umfeld aufwächst. Aber die ...

Inhaltlich geht es um die Selbstfindung von Fatima, einer lesbischen Muslimin, die in den Vororten von Paris in einem sehr religiösen und traditionellem, von Algerien geprägten Umfeld aufwächst. Aber die Religion und die Traditionen sind entwurzelt. Fatimas Eltern haben Mühe, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden. Der Vater ist gewalttätig, die Mutter hat sich in die Küche zurückgezogen, wo sie herrscht und die Familie mit ausgeklügelten Menüs und Leckereien versorgt. Dass Fatima lesbisch ist, hat in diesem Umfeld absolut keinen Platz. Und daran zerbricht Fatima letztlich beinahe.

Der gebetsmühlenartig geschriebene Text ist teilweise mühsam zu lesen, spiegelt aber das sich selbst zermürbende Innenleben von Fatima sehr gelungen. Das Buch ist ohne Frage sehr gut, aber auch sehr anstrengend. Der Text gibt in Form und Inhalt die Probleme einer lesbischen Muslimin wieder, deren Eltern aus dem ländlichen Algerien eingewandert sind. Die Eltern kommen aus einem sehr traditionellen Umfeld, in dem die Rolle der Frau in einem klar vorgegeben und auch sehr restriktiven Rahmen abzulaufen hat. Fatima lebt in den Banlieus Paris, sie ist lesbisch und sie studiert geisteswissenschaftliche Fächer westlicher Prägung. In diesem Spannungsfeld von Familie, Religion und Clash der Kulturen muss sie einen eigenen Ausdruck finden, sich behaupten und zu sich selbst finden. Genau das wird in diesem Buch auf allen Ebenen sehr gekonnt inszeniert - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fazit: Sehr lesenswert , aber anstrengend geschrieben, da die Form dem Inhalt folgt.

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Veröffentlicht am 25.07.2021

Ein sehr gutes Hörbuch

Über Menschen
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Um was geht es? Dora, erfolgreiche Werbefrau um die dreißig in Berlin, hat sich in brandenburgischen Bracken mit ihrem Geld ein Haus gekauft. Vor Corona und ohne ihrem Freund davon etwas zu erzählen. Schon ...

Um was geht es? Dora, erfolgreiche Werbefrau um die dreißig in Berlin, hat sich in brandenburgischen Bracken mit ihrem Geld ein Haus gekauft. Vor Corona und ohne ihrem Freund davon etwas zu erzählen. Schon damals wusste sie, dass ihre Beziehung, ja und vielleicht auch sie selbst mit ihrem Leben im trendigen Teil von Berlin am Ende ist. Und dann kommt Corona, Homeoffice, Kurzarbeit und die Situation mit ihrem Freund eskaliert vollends. Dora flieht aufs Land in ihr neu erworbenes Haus, das ziemlich heruntergekommen ist. Naja, und nun muss sie sich in der neuen Welt zurechtzufinden, was ihr ziemlich schwer fehlt. Sie hat sich das Landleben aus der Perspektive einer Grosstädterin definitiv anders vorgestellt. Und dass auf dem Nachbargrundstück ein vorbestrafter Neonazi wohnt vereinfacht die Sache auch nicht wirklich.

Ich habe mir das Hörbuch heruntergeladen, das sehr angenehm von Anna Schudt vorgelesen wird, und es mir jeweils beim Kochen angehört. Und irgendwie fand ich es immer schade, wenn ich mit dem Kochen fertig war. Ich hätte oft gerne weiter gehört, was natürlich nicht ging, da ich Mahlzeiten mit echten Menschen den Vorzug gebe. Am liebsten hätte ich auch gehabt, dass das Buch noch viel länger gewesen wäre. Warum? Irgendwie hat mich die Art, wie die Autorin ihre Figuren beschreibt und agieren lässt in dieses fiktive brandenburgische Kaff während des Lockdowns selbst auswandern lassen. All diese Nebensächlichkeiten, Vorurteile und Details, die so sehr unser tägliches Leben prägen, haben mich Teil der Geschichte werden lassen. Für mich also das perfekte Buch zum Kochen.

„Über Menschen“ passt als Titel sehr gut zu diesem Text. Genau darum geht es. Über Menschen mit ihren Macken, Liebenswürdigkeiten, Abgründen, Sehnsüchten und was weiß ich noch. Sprachlich fand ich das Buch größtenteils sehr gelungen, nur selten wurden sprachlichen Clichés für meinen Geschmack etwas zu überstrapaziert. Aber das ist egal. Das Buch ist einfach super. Es hat nicht absonderlich viel Tiefe, ist aber auch keinesfalls oberflächlich. Da werden schon einige gesellschaftliche Themen klar und deutlich benannt und ein wenig andiskutiert.

Fazit: Klare Leseempfehlung, respektive Hörempfehlung. Es geht um Menschen, weniger um eine rasante Story. Hat mir sehr gut gefallen.

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