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Nadines_Buecher

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2020

Vernissage einer Familiengeschichte

Die Galerie am Potsdamer Platz
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Die Geschichte einer Tochter aus ungewöhnlichen Lebensverhältnissen, die von ihrer Großmutter aus gutsituiertem Berliner Hause erfahren möchte, was ihrer Mutter einst das Herz brach. So macht sich Alice ...

Die Geschichte einer Tochter aus ungewöhnlichen Lebensverhältnissen, die von ihrer Großmutter aus gutsituiertem Berliner Hause erfahren möchte, was ihrer Mutter einst das Herz brach. So macht sich Alice nach dem frühen Tod ihrer Mutter auf zu deren Familie nach Berlin, wo sie von der ebenfalls von der Großmutter leidlich geduldeten Tante herzlich aufgenommen wird in die Galeristenfamilie Waldmann. Geprägt durch ihren Künstlervater, mit abgebrochenem Kunsthistorik-Studium und Spaß an der Fotografie lebt sich Alice auch mithilfe ihrer beiden Onkeln, die unterschiedlicher nicht sein könnten - der Professor und der Nachtclub-Besitzer, recht gut ein. Doch Großmutter Helena bleibt Eisblock und Sphinx in Personalunion. Ihre Enkelin kommt ihr nur so nah, als dass die alte Dame sie bei der Arbeit mit ihren Fotografien beobachtet. Natürlich dürfen eine komplizierte Liebe sowie die Versuchungen der wilden 20er Jahre im Sündenbabel Berlin nicht fehlen. Doch die gesamte Geschichte bleibt recht harmlos, oberflächlich und fasst zu blass. So richtig skandalös wird es diesbezüglich nicht. Vielleicht, um die eigentliche Pikanterie innerhalb der Familie nicht zu verwässern. Das wiederum wäre ein gelungener Kniff. Schöne Lektüre, schöne Geschichte.

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Veröffentlicht am 01.03.2020

Frauenrolle und Buchdruck im Mittelalter

Die Herrin der Lettern
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Eine Frau steht ihren Mann - und das im mittelalterlichen Tübingen als Leiterin einer Buchdruckerei. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Buchdruckermeister der Stadt, steht Magdalena mit ihren fünf Kindern ...

Eine Frau steht ihren Mann - und das im mittelalterlichen Tübingen als Leiterin einer Buchdruckerei. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Buchdruckermeister der Stadt, steht Magdalena mit ihren fünf Kindern vor der Herausforderung, sich in der Männerwelt der Stände, gegenüber dem sabotierenden Stiefsohn, rebellischer Gesellen, auf den eigenen Vorteil bedachter Handelspartner und sich andienender neuer Ehepartner mit Blick auf ein lukratives Geschäft sowie misstrauischen Mitbürgern auseinanderzusetzen. Dies vor dem Hintergrund mittelalterlicher Katastrophen wie Stadtbränden und der Pest, einem den politischen und religiösen Umbruch gerade konsolidierenden Baden-Württemberg, der Beschwerlichkeit und Gefahr von Reisen und von Lebensmittelknappheit in der geschilderten Epoche. Nichts wird ausgespart, so dass ein rundes Bild von Charakteren und Zeit entsteht, dass trotz der vielen Seiten des Buchs an keiner Stelle langweilig ist. Noch dazu lernt man einiges über den Buchdruck. Das Cover überzeugt und fasst zugleich den Inhalt der Lektüre sehr gut zusammen: Eine anpackende Dame mit hochgeschürzten Ärmeln, die Bücher trägt, hinter ihr Drucklettern und ein schön gesetzter Titel.

  • Cover
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Veröffentlicht am 01.03.2020

Lese- und Entdeckungsspaß

Einfach alles!
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14 Millionen Jahre Erdgeschichte auf 339 Seiten - dass eine solche Darstellung möglich ist, zeigt Historiker Christopher Lloyd erneut in einem Buch, diesmal aufbereitet für Kinder. So werden Geschichte ...

14 Millionen Jahre Erdgeschichte auf 339 Seiten - dass eine solche Darstellung möglich ist, zeigt Historiker Christopher Lloyd erneut in einem Buch, diesmal aufbereitet für Kinder. So werden Geschichte und Geschichten vom Urknall bis zur Klimaerwärmung, den Lebewesen auf der Erde, Hochkulturen, Erfindungen, Kriege und auch allerlei Grausames mit gut gewählten Bildern, Zeichnungen und Zitaten bunt und in angenehmer Sprache großartig dargestellt. Besonders schön, dass die Geschehnisse auf verschiedenen Erdteilen und ihre Konsequenzen miteinander in Beziehung gesetzt werden - etwas, was mir persönlich im Geschichtsunterricht immer fehlte. Studierte Historiker mögen die ein oder andere Unschärfe kritisieren, doch das Publikum ist hier eben ein anderes. Wenn das Buch Lust machen soll, etwas über die Erdgeschichte zu erfahren, dann ist dies fabelhaft gelungen. Schön die Ankündigung des Autors, dass ein weiteres Buch über die gezeigte Zeitspanne, "Einfach alles weitere", zu Musik, Literatur, weiteren berühmten und bekannten Persönlichkeiten usw. vorstellbar ist.

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Veröffentlicht am 01.03.2020

Psycho-Krimi: Annahmen und ihre Folgen

LITTLE LIES – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
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In der amerikanischen Provinz, einem durch die IT-Branche gerade wieder aufstrebenden Kleinstädtchen, wird eine Frau lebensgefährlich verletzt, die der Protagonistin und Ich-Erzählerin Leah Stevens ähnlich ...

In der amerikanischen Provinz, einem durch die IT-Branche gerade wieder aufstrebenden Kleinstädtchen, wird eine Frau lebensgefährlich verletzt, die der Protagonistin und Ich-Erzählerin Leah Stevens ähnlich sieht. Die geschasste Ex-Journalistin und Neu-Lehrerin ist sich sicher, dass der Schul-Coach sie gestalkt hat, folglich er die beiden Frauen verwechselt und somit für den Überfall verantwortlich ist. Während sich die Polizei mit dem Fall und damit auch mit Leah beschäftigt, läuft im Hintergrund ein typisches Szenario von ursprünglichen Städtern und Zugezogenen, die jeweils Partei ergreifen. Dies zeigt sich insbesondere auch an Leahs Schülerinnen und Schülern, ihren Reaktionen im Klassenraum. Nachdem kurz darauf Leahs Mitbewohnerin Emmy Grey verschwindet und Häppchenweise aus Leahs Journalisten-Vergangenheit und der Aktion, die sie beruflich zu Fall gebracht hat, erzählt wird, ist man sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob Emmy tatsächlich eine real existierende Person oder ein Hirngespinst Leahs, vielleicht ihr Alter Ego ist. Obwohl Polizist Kyle ein Verhältnis mit Leah beginnt, wird aufgrund fehlender Spuren in jeglicher Richtung immer zweifelhafter, ob sie tatsächlich glaubwürdig ist. Also forscht Leah, ganz jagende und getriebene Journalistin, in Emmys, ihrer persönlichen und in ihrer journalistischen Vergangenheit nach, um sich über sich selbst klar zu werden. Schließlich folgt Erkenntnis auf Erkenntnis, Wendepunkt auf Wendepunkt - und der Psycho-Krimi wird zum Pageturner, da man wissen möchte, was zur Katharsis mit Showdown in der amerikanischen Provinz führte, und warum alles so kommen musste, wie es kam. Wahrheit und Objektivität, deren leichte Beeinflussbarkeit, sind großes Thema der Story.

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Veröffentlicht am 05.01.2020

Genau so ist sie, die erste Liebe

Sweet Sorrow
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David Nicholls nimmt uns mit - emotional und inhaltlich. Wir erleben den Beginn der ersten Liebe von Charlie Lewis, gerade mit der Schule fertig, perspektivlos, in jeder Hinsicht Mittelmaß, mit schwierigen ...

David Nicholls nimmt uns mit - emotional und inhaltlich. Wir erleben den Beginn der ersten Liebe von Charlie Lewis, gerade mit der Schule fertig, perspektivlos, in jeder Hinsicht Mittelmaß, mit schwierigen Familienverhältnissen und von Testosteron und Gewalt geprägten Jungsfreundschaften. Zufällig - oder sollte man von Schicksal sprechen - begegnet er auf der täglichen Flucht vor seinem depressiven Vater und den deprimierenden Verhältnissen zuhause Fran Fisher. Sie hat sich einem Theater-Workshop angeschlossen, soll die Hauptrolle in der Shakespeare-Aufführung - was kann es anderes sein als Romeo und Julia - spielen. Ist sie das Gegenstück zu Charlie, weil sie eine Privatschule besucht hat, ein nettes und unterstützendes Elternhaus hat und ihr aufgrund guter Noten die Berufswelt offensteht? Da Charlie Fran nicht aus dem Kopf geht, schließt er sich tatsächlich der Theatergruppe an. Auch wenn er täglich mit dem "ich geh' nicht mehr hin" kämpft. Ähnlich muss man bei der Lektüre mit den detaillierten Beschreibungen der Tage und Übungen des Workshops und Shakespeares Stück kämpfen. Bis man zu den eingeschobenen, erlösenden Zwischenkapiteln kommt, die uns einen Blick in Charlies Zukunft werfen lassen.
Schließlich kommt man zu dem Schluss, dass alles gut ist so wie es ist. Und das ist schön. Ein hoch auf die erste Liebe und unterstützende, bedingungslose Freundschaften, die das Beste aus dem Ich herausholen und Leben verändern können.
Das Cover mit der Sommerwiese und Schmetterlingen unterstützt das, ebenso wie der aus auf den ersten Blick gegensätzlichen Worten bestehende Titel.

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