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Nadines_Buecher

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2019

Tatsächlich sehr hilfreiche Übungen, um sich seiner selbst bewusst zu werden

Ikigai - Das 12-Wochen-Programm für Glück und Gesundheit
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Nicht nur der Titel, das japanische Ikigai, auch der stilisierte Koi-Teich, in den man blickt schaut man auf das orangerote Cover, mit Seerosen und gespiegelten Schatten, und dem nicht als Versprechen ...

Nicht nur der Titel, das japanische Ikigai, auch der stilisierte Koi-Teich, in den man blickt schaut man auf das orangerote Cover, mit Seerosen und gespiegelten Schatten, und dem nicht als Versprechen sondern als neutraler Hinweis formulierte Untertitel machen Lust auf die Lektüre. Schließlich aufgeschlagen setzt sich die Freude fort: Hübsche bunte Grafiken, die japanisch anmuten aber modern-flächig und deshalb nicht kitschig gestaltet sind, teils ganzseitig zur Einleitung oder Unterstützung eines Kapitels oder als Markierung wenn es um konkrete Übungen geht.
Die französische Autorin verrät relativ viel über sich selbst, ihren Weg zu ihrem Ikigai. Damit werden ihre Erläuterungen schön anschaulich und begreifbar, sogar anrührend. Bei aller Bescheidenheit und dem Willen, die Leserin und den Leser zum eigenen Ikigai zu führen, bleibt aber der Beigeschmack, dass die Dame (offenbar) "ganz oben" war, ein (vermeintlich) glamouröses Leben geführt hat bevor sie dessen überdrüssig wurde, bemerkte dass es ihr nicht guttut, und den Sinn ihres Lebens zu suchen begann. Nicht jeder bewegt sich auf dem roten Teppich oder hat die Möglichkeit zu einem Urlaub in den USA, um nachher Vergleiche ziehen zu können. Nun gut, das mag eine subjektive Empfindung sein und soll die Qualität des Ratgebers nicht schmälern, der doch eine ganze Reihe positiver Eigenschaften hat. Wir werden durch eine Lebenssituation, eine Anekdote oder einen japanischen Brauch an ein Thema herangeführt und bekommen dann in der Zeit zum Spielen die Möglichkeit, uns selbst zum eingeleiteten Thema auszuprobieren, unsere diesbezüglichen Geister zu verjagen.
Die Anleitungen sind präzise und genau, leicht nachvollziehbar und - tatsächlich - ebenso machbar. Ein großer Vorteil und damit ein großes Lob gegenüber hochgeschraubten und verkomplizierten Ratgebern! Ich kann mir sehr gut vorstellen, Schritt für Schritt der Anleitung der Autorin zu folgen und nach 12 Wochen eine vorsichtige Bilanz zu ziehen. Schließlich verweist sie darauf, dass nicht jede/r nach den 12 Wochen ihr bzw. sein Ikigai gefunden haben wird.
Kritik mag sein, dass das Buch keine neuen Erkenntnisse enthalte. Das ein oder andere mag man tatsächlich (bereits) wissen. Aber führt das dazu, tatsächlich etwas zu ändern? Im Großteil der Fälle eher nein. Dafür braucht es angeleitete Vorgehensweisen, eben solche wie die Beschriebenen. An einem Platz, zum jederzeit nachlesen, wie im vorliegenden Buch. Für mich hat es Wirkung. Ein Coaching der anderen, sehr angenehmen Art.

Veröffentlicht am 05.07.2019

Nur einer kann gewinnen

Something in the Water – Im Sog des Verbrechens
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Geld verdirbt den Charakter - dieses Sprichwort scheint auch auf das vermeintlich glückliche junge Paar Erin und Mark zuzutreffen. Sie Dokumentarfilmerin mit einer erfolgversprechenden Story am Haken, ...

Geld verdirbt den Charakter - dieses Sprichwort scheint auch auf das vermeintlich glückliche junge Paar Erin und Mark zuzutreffen. Sie Dokumentarfilmerin mit einer erfolgversprechenden Story am Haken, er Investmentbanker, Haus in London, nette Hochzeitsfeier, ein wenig Jetset, Kinderwunsch. Doch dann bricht Marks Arbeitslosigkeit über die beiden herein und Erin schmeckt durch die Interviews mit Inhaftierten unterschiedlichster Couleur in eine kriminelle Welt hinein. Ein Tauchfund auf der Hochzeitsreise in Bora Bora lässt die schwarzen Seelen der beiden erblühen - teils nachvollziehbar, teils einfach nur erschreckend. Da Erin uns ihre Geschichte erzählt, kennen wir lediglich ihre Perspektive und Reaktionen auf Marks Handlungen. Erzählstränge von ihm wären interessant gewesen. Oder sogar die gleich Story noch einmal aus seiner Sicht in einem zweiten Buch? Wäre eine Idee.
Die Charaktere sind pseudo-sympathisch. Wie erwähnt könnten sie als nettes junges Paar, das da in etwas hineingeschlittert ist, durchgehen, doch beide sind oberflächlich und mehr Schein als sein. Bei aller Nachvollziehbarkeit sind sie gierig, egoistisch und neureich bzw. sie leben über ihre Verhältnisse. Da hilft auch Erins früher Verlust der Mutter und der nicht vorhandene Kontakt zum Vater nicht. Genauso wenig wie die Tatsache, dass sich Mark aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Was jedoch den Lesespaß keinesfalls mindert. Schließlich sind jede Menge Psychospielchen enthalten.
Gerne hätte ich noch aufgelöst gewusst, woran Mark erkannt haben will, dass die Flugzeugpassagiere schlechte Menschen sind. Oder dient dies allein der Selbstberuhigung und der Beruhigung seiner Frau?
Ein starkes Buch. Das Cover-Bild wirkt so harmlos, doch der Titel spricht für sich.

Veröffentlicht am 23.04.2019

Von Entwurzelung, Integration und vom Weiterleben

Eine eigene Zukunft
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Ein Leben in der verheißungsvollen neuen Welt, in den USA - was dem zuvor ruhelosen spanischen Seefahrer als Neuanfang mit seiner Frau und seinen drei Töchtern, die bislang nicht viel von Ehemann und Vater ...

Ein Leben in der verheißungsvollen neuen Welt, in den USA - was dem zuvor ruhelosen spanischen Seefahrer als Neuanfang mit seiner Frau und seinen drei Töchtern, die bislang nicht viel von Ehemann und Vater hatten, vorschwebt, bedeutet für die vier Frauen Entwurzelung und der Tausch von Armut gegen Armut. Das Restaurant von El Capitan läuft nicht, von Integration kann keine Rede sein, da jede der Frauen ihrem alten Leben nachtrauert und so schnell als möglich nach Spanien zurück möchte. Mit dem Tod des Vaters werden die Vier einmal mehr erschüttert. Doch schließlich hat die mittlere Tochter, Mona, eine hoffnungsvolle Idee: Aus dem Restaurant soll ein Nachtclub werden. Finanziert durch das Sterbegeld, das eine rührige Nonne mit Anwaltszulassung hinter dem Unfall des Vaters vermutet. Luz, die talentierte Jüngste, soll als Sängerin auftreten. Victoria, die Älteste, mit der zaudernden Mutter die Küche leiten. Doch auch hier kommen Leben und Schicksal dazwischen: Die falschen Männer, die sich die spanischen Schönheiten anlachen, die Richtigen, die sie verschmähen. Doch trotz aller Widrigkeiten und eines erneut zusammenfallenden Kartenhauses gelingt den Töchtern, was die Mutter nicht recht schaffen will: Sich in New York eine eigene Zukunft zu aufzubauen.
Ein Auswanderer-Drama hoch fünf, das zeigt, dass sich die Schatzkiste der neuen Welt nicht jedem und schon gar nicht sofort offenbarte.
Es passiert zwar jede Menge im Roman, man wartet jedoch ständig auf einen Durchbruch, auf DEN Höhepunkt - doch der bleibt aus. Vielleicht aber sind die leisen Töne und Nuancen das, was die Erzählung ausmacht.

Veröffentlicht am 23.04.2019

Hedgefonds, Trump und Lebenskrisen

Willkommen in Lake Success
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Ein eindringlicher Roman, der seine Protagonisten sehr plastisch und dreidimensional mit ihren doch oftmals eingefahrenen, nur schwer ablegbaren Gewohnheiten, vermeintlichen Wünschen und echten Sehnsüchten, ...

Ein eindringlicher Roman, der seine Protagonisten sehr plastisch und dreidimensional mit ihren doch oftmals eingefahrenen, nur schwer ablegbaren Gewohnheiten, vermeintlichen Wünschen und echten Sehnsüchten, tiefliegenden und aufgesetzten Charaktereigenschaften zeigt. Angesetzt ist die Story im Goldfischteich-Milieu der New Yorker Hedgefonds-Millardäre, in dem sich eliteuniversitätsbeschulte Intellektuelle und Schwätzer tummeln, zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen nach Obama. Barry, schwankend erfolgreicher Hedgefonds-Manager jüdischer Herkunft Mitte 40, ist mit Seema, indischer Migrationshintergrund und Jurastudium, noch keine 30, verheiratet. Womit weitere Klischees bedient werden. Doch ein mehr als verpatztes Geschäft und die Krankheit des gemeinsamen Sohnes Shiva belastet das Paar. Barry setzt sich in den Kopf, "sein" Amerika im Greyhound-Bus kennenlernen und zu seiner Uni-Liebe zurückkehren zu müssen. Auf seiner Reise, während der sich die zurückgelassene Seema ebenfalls neu ausrichtet, anders als Barrys gesammelte Luxusuhren, die er mit sich herumschleppt und um die er sich rührender kümmert als um sein Kind, die offensichtlich den Geist aufgeben werden, trifft Barry auf "authentische" Menschen, auf die er sich unbedingt einlassen will, und die sich tatsächlich auch, zumindest eine Weile, auf ihn einlassen. Doch lernt der Geschichtenerzähler, wie er selbst seinen Beruf beschreibt, wirklich aus seinen Erlebnissen, entwickelt er sich zum besseren Menschen, Ehemann und Familienvater? An der ein oder anderen Stelle scheint man auch herauslesen zu dürfen, wie es zur Wahl Trumps hat kommen können.
Grandios in Worte gekleidet, zum lachen, weinen und wütend werden.
Das Cover kann gar nicht anders als einen Greyhound-Bus zu zeigen. Die Sprechblase als Durchsage eines Busfahrers mit Autor und Titel dargestellt vor einem melancholischen Himmel mit Motel-Werbeschild fällt ins Auge und lässt zum Buch greifen, so dass nur noch der Klappentext überzeugen muss, was er definitiv tut.

Veröffentlicht am 09.03.2019

Von Schauspielern und Rollentäuschern

Mord braucht keine Bühne
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Die inzwischen professionelle Detektivin Kate Shackelton ermittelt in ihrem zweiten Fall in Sachen Mord im Umfeld einer Laienspielgruppe. Das Setting im Großbritannien der Nachkriegszeit ermöglicht nicht ...

Die inzwischen professionelle Detektivin Kate Shackelton ermittelt in ihrem zweiten Fall in Sachen Mord im Umfeld einer Laienspielgruppe. Das Setting im Großbritannien der Nachkriegszeit ermöglicht nicht nur rückblickende Handlungsstränge aus der Zeit der britischen Kolonien, sondern auch Einblicke in eine beginnende Emanzipation nicht nur gut gestellter Witwen wie es Kate eine ist, sondern auch ruheloser und ich-bezogener Künstlerinnen wie Regisseurin Meriel und Nachwuchs-Schauspielerin Lucie.
Geschickt wird die Story um einen ausgeraubten Juwelier, der Kate beauftragt, mit dem Mord an einem eher unangenehmen Zeitgenossen und Automobilhändler verwoben. Die Darsteller des Laientheaters, von denen jeder ganz eigene Ziele verfolgt und daher Motive hinter jeder Rolle - ob aus dem Drehbuch oder der im wahren Leben eingenommenen bzw. angenommenen - lauern. Es macht Freude, mitzuraten wer wen aus welchem vorherigen Leben kannte, wer bewusst und aus welchen Gründen täuscht und tarnt, und wie die Schicksale der einzelnen Protagonisten auf tragische Weise miteinander verwoben sind.
Humorige Randbemerkungen zu Auto fahrenden Frauen im Zusammenhang mit dem Fahranfänger Sykes, dem gewitzten und oftmals noch sehr formalen Detektiv-Assistenten, düften gerne häufiger im Roman auftreten. Die Rückblenden in die Lebensläufe der Protagonisten sind geschickt eingestreut, verraten gerade so viel, dass der Spannungsbogen des Krimis gehalten wird.
Das Cover zeigt uns Detektivin Kate in zeitgemäßer Kleidung, wieder von hinten, wieder in der Rolle der Beobachterin. So entsteht ein Wiedererkennungswert zum ersten Band der Serie.
Gerne mehr von Autorin und Detektiv-Duo!