Profilbild von Nancy0705

Nancy0705

Lesejury Profi
offline

Nancy0705 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nancy0705 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2022

Was ist Schuld?

Als die Welt zerbrach
0

Die über 90-jährige Gretel Fernsby führt ein eher ruhiges, unspektakuläres Leben in London.
Was jedoch kaum einer weiß, damals kurz nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihr Vater – ein NS-Lagerkommandant – hingerichtet ...

Die über 90-jährige Gretel Fernsby führt ein eher ruhiges, unspektakuläres Leben in London.
Was jedoch kaum einer weiß, damals kurz nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihr Vater – ein NS-Lagerkommandant – hingerichtet wurde, floh sie mit ihrer Mutter aus Deutschland.
Doch die schreckliche Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln und verfolgt Gretel noch bis heute.
Immer noch kann sie den Namen ihres Bruders nicht aussprechen und immer noch besteht die Angst vor einer Entdeckung und den damit möglicherweise einhergehenden Konsequenzen.

Nach 16 Jahren erscheint mit dem Buch „Als die Welt zerbrach“ von John Boyne der Fortsetzungsroman von der „Der Junge im gestreiften Pyjama“.

Die Idee, an die Ereignisse aus dem vorherigen Roman anzuknüpfen – was durch die Nacherzählungen aus dem ersten Teil, nach der doch recht langen Zeit, sehr gut gelingt – und die Handlung dabei bis in die Gegenwart zu bringen, ist großartig.
Es ist extrem spannend, Gretels Leben, nach diesem einschlägigen Schicksalsschlag und ihrer kritischen Vergangenheit, mitzuerleben und so auch ein Stück weit nachempfinden zu können, wie die Deutschen (vor allem Anhänger des NS-Regimes) die Nachkriegszeit erlebten.
Die Zeit wird nicht, wie oft, aus Sicht der ‚Opfer‘, sondern vielmehr aus Sicht der ‚Täter‘ oder zumindest der Mitwisser erzählt.

Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist genial.
Er verleiht der ganzen Story eine gewisse Dynamik und zeigt sehr einprägsam, wie die Vergangenheit, die Zukunft (und einen Menschen) für immer prägt und beeinflusst.

Mir gefällt die Darstellung der innerlichen Zerrissenheit der Protagonistin Gretel Fernsby.
Man spürt den enormen Einfluss ihrer Vergangenheit, die tiefverwurzelte, nationalsozialistische Indoktrination und wie das Erlebte an ihr nagt und sie nach all der Zeit immer noch beschäftigt und nicht loslässt.
Als Leser/in erlebt man mit ihr einen inneren Kampf um ihre eigene Schuld an den (antisemitischen) Gräueltaten.

Gretel ist eher zynisch, distanziert, und in gewissen Teilen herzlos, was wohl ihren traumatischen Erlebnissen in ihrer schwierigen Kindheit und Jugend zuzuschreiben ist.
Auch wenn mir Gretel dadurch die meiste Zeit nicht sehr sympathisch war, konnte ich ihre Einstellung und ihren Charakter ein Stück weit nachvollziehen.
Dennoch empfand ich sie und die anderen Charaktere als nicht sehr tiefgreifend und angenehm, wodurch es mir schwerfiel, mich gänzlich auf sie einzulassen und mich mit ihnen zu identifizieren.

Der Schreibstil von John Boyne ist großartig.
Teils recht komplex und verschlüsselt, trotzdem gut zu lesen und mitreißend.
Es wird eine großartige, emotionale und nachdenkliche Atmosphäre aufgebaut, die die Leser/innen einnimmt.
Der Autor schafft, ohne eigene Wertung, klar, neutral und sachlich, eine Nachdenklichkeit über die existentielle Frage der Schuld, für die jeder Leser/jede Leserin am Ende für sich selbst eine Antwort finden muss.

Die zentrale Schuldfrage wirkt in den Köpfen nach und beschäftigt nachhaltig während des Lesens (und darüber hinaus).
Wer ist wann schuldig? Wer bestimmt über Schuld? Wie schwer wiegt eine Schuld? Und wie lebt man damit?
Jedoch verläuft sich für mich dieses Thema am Ende und kommt auf keinen richtigen Nenner.

Leider habe ich mir von der Handlung an sich mehr erhofft.
Die Richtung, in die der Handlungsstrang der Gegenwart verläuft, gefällt mir gar nicht.
Das Thema rundum die häusliche Gewalt ist mir teils zu offensichtlich, zu klischeehaft und im Vergleich zu der NS-Zeit mit der zusammenhängenden Schuldfrage einfach nicht ganz passend.
Das Ende ist meiner Meinung nach sehr abwegig und realitätsfern und trifft nicht den Kern, den der Autor wohl bezwecken wollte.
Gretel ist seit ihrer Flucht auf der Suche nach einer Antwort ihre Schuld betreffend.
Am Ende lädt sie sich eine neue Schuld auf. Doch wird damit die damalige Schuld ausgeglichen, geklärt oder aufgearbeitet? Für mich nicht ganz passend.

Der Handlungsstrang in der Vergangenheit ist dafür jedoch wirklich großartig – sehr authentisch und emotional.

Fazit

Sieht man einmal über die eher unsympathischen Charaktere, die ausbaufähige Handlung und das abwegige Ende hinweg, ist das Buch dennoch recht lesenswert, was nicht zuletzt an dem tiefgreifenden Schreibstil Boynes und der sehr interessanten, denkwürdigen Thematik, die nachhaltig beschäftigt, liegt. Gut geeignet, für ein paar nachdenkliche Lesestunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2022

Ein besinnlicher Roman, passend zur Weihnachtszeit

Ein Hund unterm Weihnachtsbaum
0

In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue ...

In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue Tierheim zu leiten und nun mit seiner Freundin zusammen wohnt, was natürlich einige Schwierigkeiten mit sich bringt.
Und dann auch noch die netten Nachbarn, die sich scheiden lassen.
Doch zwischen all diesen Problemen tobt die kleine quirlige Mischlingshündin Elle (Noelle), tanzt sich in die Herzen ihrer Mitmenschen und rettet damit die besinnliche Weihnachtszeit!

"Ein Hund unterm Weihnachtsbaum" war mein erstes Buch von Greg Kincaid und ich wusste nicht, dass es aus dieser Reihe bereits Bücher gibt.
Das hat allerdings die Geschichte nicht groß beeinträchtigt, es war lediglich etwas schwer hinein zu kommen.

Die Charaktere sind allesamt sehr liebenswert und schön konstruiert.
Besonders gut gefällt mir, wie Mary Ann sich als Weihnachtsfrau gegen die festgefahrenen Traditionen durchsetzt und behauptetet.
Auch finde ich es super, die Geschichte mit allen Hauptpersonen erleben zu dürfen und so vielseitig Einblicke in die Gefühls- & Gedankenwelt aller zu bekommen.
Auch wenn es dadurch am Anfang etwas schwer war, die Geschichte und die Personen zu erfassen und sich einzufinden.

Der Schreibstil war recht ruhig und angenehm, Passend zur besinnlichen Weihnachtszeit.
Zusammen mit der ebenfalls sehr lockeren, entspannten Story, hat das Buch eine absolute Wohlfühlatmosphäre kreiert.

Ein Kritikpunkt für mich sind die teils veralteten Ansichten. Heiraten - Zusammenziehen - Kind. Man ist schwanger, also MUSS man heiraten.
Da hab ich mich schon gefragt in welchem Jahrzehnt das Buch spielt, denn zur heutigen Zeit sind das wohl kaum noch moderne Ansichten.

Außerdem war ich das ganze Buch über verwirrt, wann denn nun Noelle, wie Im Klappentext angekündigt, auftritt.
Dass es sich bei "Noelle" um "Elle" handelt wurde erst zum Ende hin deutlich, was ich etwas schade fand.


FAZIT

Ein absolutes Wohlfühlbuch mit netten Charakteren und einer eher recht ruhigen Storyline, passend zur besinnlichen Weihnachtszeit und für eine gemütliche Auszeit vom stressigen Alltag!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2022

Ein Roman mit einer tollen Message

In all seinen Farben
0

Robin Coopers Traum ist geplatzt - die London Academy of Performing Arts (kurz LAPA) hat ihn abgelehnt.
Und auch bei anderen Schauspielschulen häufen sich die Absagen.
Tanzen, Singen und Performen ist ...

Robin Coopers Traum ist geplatzt - die London Academy of Performing Arts (kurz LAPA) hat ihn abgelehnt.
Und auch bei anderen Schauspielschulen häufen sich die Absagen.
Tanzen, Singen und Performen ist seine Leidenschaft, was soll er nun also tun?
Einen Plan B gibt es nicht.
Und dann ist da noch das Problem mit seinem geheimem Freund Conner, der sich nicht offen zu ihm bekennt.
Robin ist niedergeschlagen und deprimiert.
Doch dann, zu seinem 18. Geburtstag überreden seine Freunde ihn zu einer Drag Show zu gehen und sein Weg zur Findung seines wahren Ichs beginnt...

"In all seinen Farben" von George Lester ist ein wunderbare Geschichte über einen jungen Mann und seinen Weg zur Selbstfindung und einem glücklichen Leben.
Meiner Meinung nach ein besonderes und wichtiges Thema, welches immer noch viel zu kurz kommt, bedenkt man, dass es sonst in New Adult Romanen überwiegend um weibliche Protagonisten und ihre Liebe geht.

Der Roman gibt bemerkenswert authentische Einblicke in das Leben einer Drag Queen.
Man merkt hier eindeutig die Kompetenz und das Wissen des Autors sowie die extreme Leidenschaft die hinter dem Drag steht.
Auch fand ich es super hinter die Kulissen einer Drag Show zu schauen und die Personen sowie die harte Arbeit dahinter kennenzulernen.

Der Schreibstil ist locker, leicht und erfrischend jugendlich gehalten.
Die Story lässt sich dadurch angenehm und zügig lesen.
Ich bin sozusagen nur so durch die Seiten geflogen.
Ich finde die Ich - Perspektive, in der erzählt wird super, da man dadurch emotional extrem nah ist und Robin und seine Gefühle und Gedanken gut versteht.

Allerdings haben mir die Charaktere teilweise überhaupt nicht gefallen.
Ich fand sie großteils eher unsympathisch und nicht nachvollziehbar.

Natalie hab ich als extrem Ich-bezogen und zickig wahrgenommen.
Sie wünscht sich das Robin nicht mehr so deprimiert ist und wieder glücklich wird, aber kaum hat er einen neuen Traum, für den er hart arbeitet wird sie abweisend, vorwurfsvoll und verständnislos, nur weil er (wohlbemerkt 2 Wochen) mal keine Zeit für sie hat.
Das finde ich ziemlich schade und kein gutes Fundament einer Freundschaft.

Greg ist mir da doch deutlich angenehmer.
Auch wenn ich seine Reaktion, genau wie Natalies, teils, etwas überzogen fand.

Und zum Schluss Robin.
Er ist mir zwar ganz sympathisch, aber an vielen Stellen konnte ich sein Verhalten einfach nicht nachvollziehen.
Bis zum Ende wirkt er eher eingeschüchtert und wenig selbstbewusst.
Er schafft es nicht, für sich selbst einzustehen!
Er macht sich klein und fügt sich.
Anstatt sich zu verteidigen bleibt er lieber still oder entschuldigt sich.
Ein Charakterzug, der mir leider überhaupt nicht gefällt, auch wenn sich am Ende dann schließlich doch ein Wandel dahingehend zeigt und er scheinbar endlich etwas mehr Selbstbewusstsein bekommt.

Die stellenweise total übertriebenen Reaktionen haben mich teils eher an ein Highschool-Teenie Drama erinnert, als an ein Buch über 18-jährige, junge Erwachsene!

Diese Punkte, haben das Buch mit einer eigentlich tollen Story und einem wichtigen Thema für mich leider kompromittiert.

FAZIT

Alles in Allem zwar ein Buch mit einem vielversprechenden Thema rundum Selbstfindung und Selbstliebe, welches sein Potenzial aufgrund der für mich eher schwachen Charaktere und teils übertriebenen, nicht nachvollziehbaren Handlungen, nicht ausschöpfen konnte.
Da hab ich leider mehr erwartet.
Nichtsdestotrotz jedoch immer noch ein gutes Buch, wenn man auf Teeniedrama steht und über einige Schwächen hinwegsehen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2022

Roman mit Schwächen

Mädchenmeuterei
0

Für Charlotte Nowak und ihre Freundinnen steht fest, sie müssen ihrer Freundin Bea, die in Schwierigkeiten zu stecken scheint, helfen. Allerdings befindet diese sich gerade in Marokko!
Kein Problem für ...

Für Charlotte Nowak und ihre Freundinnen steht fest, sie müssen ihrer Freundin Bea, die in Schwierigkeiten zu stecken scheint, helfen. Allerdings befindet diese sich gerade in Marokko!
Kein Problem für die "Mädchenmeute", kurzerhand sind sie auch schon auf einem Containerschiff und fahren Richtung Afrika.
Doch schnell merken sie, dass auf den Schiff einiges nicht mit rechten Dingen zu geht und dass sie sich dem entgegenstellen müssen!

Bei "Mädchenmeuterei" von Kirsten Fuchs handelt es sich um die Fortsetzung ihres Romans "Mädchenmeute", was ich allerdings nicht wusste, wodurch es mir an einigen Stellen etwas schwer fiel manche Aussagen zu verstehen, da doch relativ viel Bezug auf den ersten Band genommen wurde und mir so die Zusammenhänge fehlten. Deswegen rate ich Jedem vorweg Teil eins zu lesen.

Der Roman zeichnet sich für mich vor allem durch den erstklassigen Schreistil aus, den ich so in der Art bisher nur selten gesehen habe.
Alltagssprachlich, unverblümt, kein perfekter grammatikalischer Satzbau, teils einfach nur lose Gedanken, ebenso wie normale Menschen denken & miteinander reden und dadurch absolut authentisch, realitätsnah und nahbar, sodass man sich teils gut identifizieren konnte.
Immer mit einer Brise Humor, der mich zum Schmunzeln bringen konnte und die Story aufgelockert hat. Super angenehm zu lesen.

Erzählt wurde ausschließlich aus der Perspektive von Charlotte Nowak, wodurch man vor allem ihr sehr nah war und ihre Gedanken, Gefühle und Handlungsweisen besonders gut verstand und nachvollziehen konnte.
Gerne hätte ich auch mal in die Köpfe der anderen Charaktere gesehen, um diese besser verstehen zu können.
So waren mir diese großteils eher unsympathisch und teils unverständlich.
Allerdings fand ich die Charakterentwicklungen super, so haben am Ende alle vier Hauptfiguren eine Wandlung durch gemacht, sind, entgegen dem was man erwartet hätte, über ihre eigenen Schatten gesprungen und aus sich herausgekommen.

Die Story an sich war gut, an manchen Stellen allerdings etwas zu langatmig.
Auch hat mir das Ende nicht all zu gut gefallen.
Teils wurden die Handlungsstränge scheinbar einfach reibungslos aufgelöst, da hat mir eindeutig mehr Konflikt gefehlt. Auch die Handlung um Bea schien mir etwas haltlos und irrelevant.
Auf der anderen Seite blieben viele Dinge offen, so wurde zum Beispiel die ganze Reise über ein Geheimnis um den Kapitän gesponnen, welches letztlich dem Leser verborgen blieb.
Ich als Leserin bin mit einem riesen Fragezeichen und vielen unbeantworteten Fragen zurückgeblieben.

Fazit

Alles in allem ein Buch, was zwar das Lesen wert war (nicht zuletzt durch den wirklich interessanten Schreibstil), mich allerdings nicht gänzlich abholen und von sich überzeugen konnte.
Schade, da ich definitiv mehr erwartet hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2022

Leider eine enttäuschende Fortsetzung!

Mode-Atelier Rosen
0

Kassel, 1832: Nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt nach Kassel in die Marktgasse, hat Elise alle Hände voll zu tun. Das Atelier erfreut sich wieder regen Betriebs – die Kundinnen gehen ein und aus – weswegen ...

Kassel, 1832: Nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt nach Kassel in die Marktgasse, hat Elise alle Hände voll zu tun. Das Atelier erfreut sich wieder regen Betriebs – die Kundinnen gehen ein und aus – weswegen Charlotte zur Entlastung und Unterstützung ein neues Lehrmädchen einstellen will.
Und dann ist da auch noch der angekündigte Besuch von Elises Vater, den sie sehnsüchtig erwartet. Schließlich hat sie insgeheim ein Ziel: die Eltern zu versöhnen.
Doch als plötzlich die geheimen und sehr privaten Lebenserinnerungen von Elises Vater verschwinden und ihre Mutter daraufhin erpresst wird – schließlich enthält jenes Manuskript einige pikante Details – gerät das Atelier erneut in Bedrängnis und es gilt den Täter – oder die Täterin – schleunigst zu finden.

„Mode-Atelier Rosen – Träume einer neuen Zeit“ ist der Fortsetzungsroman von Marie Lamballes Saga rund um das kleine Mode-Atelier in der Marktgasse in Kassel.

Leider zeichnet sich dieser Band durch seine Schwächen aus und kann nicht annähernd mit dem ersten Teil mithalten.

Vorneweg das Positive: Nach wie vor gefällt mir die treffende Darstellung der damaligen Zeit.
Marie Lamballe fängt mit ihrer Schilderung der Ereignisse, den Beschreibungen der zeitlichen Umstände und Gepflogenheit sowie nicht zuletzt mit dem Schreibstil voller zeitgenössischer Ausdrücke, Redewendungen und dem passenden Dialekt, den Zeitgeist der damaligen Zeit wunderbar ein.

Zudem mag ich auch wieder ihre malerische Art zu Schreiben.
Die Autorin beschreibt die Landschaften, Ereignisse und Charaktere sehr bildhaft und detailreich, wodurch man ein Teil der Geschichte wird.
Ich habe es geliebt, wieder nach Kassel zu reisen!

Der Rest des Buches ist leider nicht so positiv und hat mich wahrlich enttäuscht.

Die Charaktere sind teils sehr unsympathisch und konnten mich nicht überzeugen.

De LaTour und Moritz sind mir zu sehr geprägt von Arroganz und Überheblichkeit.
Elise finde ich in diesem Band zu naiv. Sie versucht zu sehr, es allen – v.a. ihrem Vater – recht zu machen, ohne ihre eigene Meinung zu vertreten und nach dieser zu handeln. Sehr schade, da ich sie und ihren eigenwilligen Charakter im ersten Band sehr mochte!

Außerdem fehlt es mir leider bei den meisten Charakteren an Tiefe und Authentizität.
Mir sind viele Handlungen und Gedanken einfach nicht nachvollziehbar.
Somit bleiben die meisten Personen irgendwie halt- und farblos.

Die Story ist sehr langatmig.
Die Handlung zieht sich viel zu sehr in die Länge und kommt doch auf kein Ergebnis.
Es passiert einfach nicht viel und die Spannung fehlt fast gänzlich.

Zudem werden einige ‚Nebenkonflikte‘ wie z.B. die Erwartung an Sybilla, einen männlichen Nachfolger zu gebären, einfach problemlos und ohne Reibungspunkte aus der Welt geschafft.

Das Ende ist unerwartet, ja, aber leider nur, weil es völlig aus der Luft gegriffen ist.
Es gibt kaum Anknüpfungspunkte, um das Ende nachvollziehbar zu machen, stattdessen wird eine völlig haltlose, unglaubwürdige Geschichte drumherum gesponnen.
Nach dem vielen Rätselraten – der einzige Punkt, der für mich die Spannung noch gehalten hat, war die Frage nach dem Täter bzw. der Täterin – ein sehr ernüchterndes Ende, das mich schlichtweg enttäuscht hat.

Noch dazu ist die Handlung zum Ende hin für mich noch nicht rund. Da gibt es einfach noch zu viele unbeantwortete Fragen und offene Handlungsstränge.

FAZIT

Eine sehr platte, fast schon langweilige, teils realitätsferne Handlung ohne großartige Spannungsmomente, mit einem sehr enttäuschenden, abwegigen Ende und leider eher unsympathischen, haltlosen Charakteren.

Ich habe mich bedauerlicherweise ein wenig durch die Geschichte ‚gekämpft‘.

Trotz der positiven Merkmale – vor allem Marie Lamballes Schreibstil, den ich eigentlich sehr mag – überwiegen für mich die negativen Aspekte.

Die offenen Handlungsstränge deuten auf einen weiteren Teil hin, allerdings weiß ich nicht, ob ich mich mit dieser Reihe noch versöhnen und einen weiteren Band lesen kann bzw. will!

Zu mein Bedauern leider keine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre