Profilbild von PatchisBooks

PatchisBooks

Lesejury Profi
offline

PatchisBooks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PatchisBooks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2020

Spezielle, aber authentische Sprache und hochgradig emotionale Geschichte

Die Farbe von Milch
0

Die ganze Geschichte spielt sich im Jahre 1830 bzw. 1831 ab und offenbart die damaligen Lebensumstände mit erschreckender Genauigkeit. Mary wächst in einer Bauernfamilie auf, arbeitet trotz ihrer körperlichen ...

Die ganze Geschichte spielt sich im Jahre 1830 bzw. 1831 ab und offenbart die damaligen Lebensumstände mit erschreckender Genauigkeit. Mary wächst in einer Bauernfamilie auf, arbeitet trotz ihrer körperlichen Behinderung in Form eines deformierten Beins, von früh bis spät im Stall und dem Feld und erfährt nur wenig Liebe und Zuneigung. Stattdessen erzählt Nell Leyshon von Hunger, Leid und häuslicher Gewalt, von Glauben und einem Leben, das sich heutzutage keiner mehr vorstellen kann. Auch zeigt sie auf, dass ein Umbruch nicht immer gutes mit sich bringen muss und dass Hoffnung manchmal einfach erlischt.
Das Buch beginnt mit einem intensiven Einblick in Mary’s Alltag und ihr tristes, trostloses Leben. Mitzuerleben, wie dieses junge Mädchen von eingespannt wird und schon beim kleinsten Fehler bestraft wird, war eine wahre Tortur. Trotzdem empfand ich den Einstieg als äußerst gelungen, denn als Leser bekommt man so genügend Zeit, sich ein Bild von dem Begebenheiten und von Mary zu machen. Aber auch um sich an den Schreibstil, der wahrlich besonders ist, zu gewöhnen. Außerdem weckt dieser Start durchaus Neugierde, fesselt schon genug, um mehr über Mary und ihre Geschichte erfahren zu wollen. Eine gewisse, unterschwellige Spannung ist also von der ersten Sekunde an gegeben, sodass es einem schwer fällt, das Buch auch mal aus den Händen zu legen. Trotzdem lebt das Buch viel eher von den neuen Eindrücken des damaligen Lebens, die man gewinnt und der Sympathie, die man Mary gegenüber empfindet. Meiner Meinung nach erzählt das Mädchen in einem sehr ruhigen Tempo, nimmt sich Zeit und schildert genau, was sich zugetragen hat.
Im Laufe der Seiten fragte ich mich immer wieder, ob da denn überhaupt noch was nennenwertes passiert oder ob Mary einfach wahllos ein Jahr ihres Lebens offenbart. Es war einfach nicht klar, worauf alles hinauslaufen wird und als dann die große Wende kam, war ich umso überraschter, dass es doch so eine Heftigkeit an den Tag legte. Damit hatte ich, nicht zuletzt auch wegen den ansonsten eher monotonen Geschehnissen absolut nicht gerechnet und war wahrlich sprachlos. Ab diesem Moment kann und will man dann keine Sekunde mehr Pause machen, sondern endlich das Ende erfahren. Ich bin noch immer geflasht und weiß nicht recht, wie ich meine Empfindungen in Worte fassen soll. Eigentlich ist es bis kurz vor Ende weder großartig spannend noch besonders spektulär, doch diesen Anlauf hat die Geschichte schlicht und einfach gebraucht, damit das „Finale“ dann diese Wirkung entfalten und so einschlagen konnte, wie es das tat.

Dank des sehr außergewöhnlichen Schreibstils erlangt das Buch noch einmal eine neue Dimension an Lebendigkeit und Authensität. Nell Leyshon lässt nämlich Mary sprechen, und zwar so, als würde das Mädchen tatsächlich persönlich von Angesicht zu Angesicht erzählen. Zu Beginn war das etwas, was mich nicht nur verwirrte, sondern auch ein wenig aufhielt. Ich habe wirklich Zeit gebraucht, um mich an die Einfachheit und das Umgangssprachliche zu gewöhnen. Um mal ein Beispiel zu nennen: Mary ihr Zimmer liegt im zweiten Stock des Hauses – und tagein tagaus heißt es im Buch „ich ging die Treppe hoch und ging die Treppe nochmal hoch“. Oder sie berichtet unzählige Male, wie sie den Kamin anheizt. Allein ihre morgendliche Routine wird immer wieder genaustens und meist sogar wortgleich erzählt – aber das wirklich überraschende ist dabei, dass trotzdem keine Langeweile aufkam. Es glich einfach einem Tagebucheintrag. Es fühlte sich echt und greifbar an, authentisch und verlieh dem Buch eine besondere Note. Ich kannte so was nicht, kann aber vermelden, dass mir das unglaublich gut gefallen hat und ich nie gedach hätte, dass es einer Geschichte sogar noch in die Karten spielt. Desweiteren wird dabei auch auf Kommas, wörtliche Rede und sonstige Satzzeichen verzichtet. Am Anfang noch seltsam, doch wenn man sich mal vor Augen führt, dass Mädchen in dieser Zeit meist nicht in der Lage waren, überhaupt zu lesen, geschweige denn zu schreiben, ist es nur umso glaubhafter, dass Mary auf solch Banalitäten wie Anführungszeichen und Co. verzichtet.

Die Figuren wirkten tatsächlich wie aus den 1830er Jahren entsprungen. Nell Leyshon hat die Charakterzüge sehr schön eingefangen und widergegeben und so noch mehr Greifbarkeit und Realität in das Buch gebracht. Neben unserer Protagonistin Mary, zu der wir gleich kommen, gab es noch etliche andere Charaktere, die sich gut voneinander unterschieden und durch verschiedene Wesensmerkmale voneinander abhoben. So beispielsweise Mary’s Schwestern, die mir besonders gut gefielen, da sie alle zwar das gleiche Schicksal hatten, aber ganz unterschiedlich damit umgingen. Die eine gläubig, die andere zickig, die letzte rebellisch – und mitten drin die behinderte Mary. Obwohl man deutlich merkt, dass das Verhältnis zwischen den vier Mädchen angespannt war, schimmert doch an manchen Stellen die geschwisterliche Liebe und Loyalität durch, die untereinander herrscht.
Die Eltern von Mary hätten nicht perfekter für die Handlung und das Buch an sich sein können. Obwohl so manche Tat bei mir auf absolutes Unverständnis traf, leuchtet doch ein, dass es damals einfach normal war, wenn mal körperliche Züchtigungen und Strafen verteilt wurden. Das allein fand ich äußerst glaubhaft, und realistisch. Der Großvater tat mir in erster Linie leid, doch wenn man eben nichts mehr zum Lebensunterhalt beiträgt, war mal damals nichts mehr wert und das wurde von der Autorin in Form des Opas wirklich deutlich aufzeigt.
Ich könnte jetzt noch über alle anderen Figuren sprechen, doch im Endeffekt läuft es eh darauf hinaus, dass ich sage, sie waren alle essentiell für die Geschichte, sehr lebendig und authentisch – von Sympathie will ich aber definitiv abstand nehmen.
So verhielt es sich auch mit Mary. Man ist neugierig darauf, was das Mädchen erlebt hat, man ist gespannt, wie sie mit dem Erlebten umgeht – aber so eine richtige Bindung konnte ich nicht zu ihr herstellen. Ich verstand ihre Gedanken und Handlungen, empfand sie als nachvollziehbar und ihr unbedachtes Mundwerk sorgte für den ein oder anderen Schmunzler, aber die Distanz blieb. In erster Linie schiebe ich das für meinen Teil auf die Tatsache, dass wir in zwei komplett unterschiedlichen Welten leben und es mir dadurch wohl etwas schwer fiel, sie richtig gern zu haben. Ich hatte immerzu ein junges Mädchen, fleißig und emsig, wie aus einem alten Film oder einer alten Serie vor Augen; die Mary als Person. Allgemein erinnerte sie mich so manch eines Mal an Laura von „Unsere kleine Farm“, aber das ist ein anderes Thema.
Kurz und knapp: es hätte keine Figur gegeben, die besser für die Rolle der Mary gepasst hätte. Sie verlieh dem Buch Tiefgang und Spannung, man lernte sie ausreichend gut kennen und war ihr, allein durch den Stil, schon nah genug, um mitfühlen zu können. Auch an Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit mangelte es der 15-jährigen nicht.

FAZIT:
Mit „Die Farbe von Milch“ liefert Nell Leyshon ein Buch, das zurecht schon einige Male für Preise nominiert war. Die Geschichte kommt absolut authentisch daher, ist sprachlich betrachtet einmalig erzählt und überzeugt durch eine intensive, berührende und mitreißende Geschichte voller Leben. Die Lebensumstände der 1830er Jahre sind erschreckend und schockierend und die Autorin fängt diese Empfindungen sehr gut ein und gibt sie wider. Ich konnte in dem Buch komplett versinken und bin rückblickend enorm froh, dass ich vorher kaum etwas über den Inhalt wusste. Falls ihr mit dem Gedanken spielt, es ebenfalls zu lesen, empfehle ich euch, nicht mehr als den Klappentext, der oben steht, zu lesen – man würde sich, meiner Meinung nach, viel zu viel vorweg nehmen. Für mich hat es nicht ganz zum Highlight gereicht; dafür fehlte mir einfach das gewisse Etwas, aber wir schrammen knapp daran vorbei und deshalb gibt’s von mir eine absolute Lese-Empfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2020

Relativ klischeehafte Story aber top Worldbuilding!

Ashes and Souls - Schwingen aus Rauch und Gold
0

Ava Reed erzählt zum ersten Mal eine Geschichte in der dritten Person und aus Vergangenheit. In ihrem Nachwort bzw. der Danksagung spricht sie dieses Thema kurz an und erklärt, dass sie ein wenig Angst ...

Ava Reed erzählt zum ersten Mal eine Geschichte in der dritten Person und aus Vergangenheit. In ihrem Nachwort bzw. der Danksagung spricht sie dieses Thema kurz an und erklärt, dass sie ein wenig Angst vor dieser Perspektive hatte. Doch diese Zweifel waren in meinen Augen absolut unbegründet. Sie schreibt wieder sehr locker und flüssig, legt ein gewisses Tempo an den Tag und schafft es auch in dieser Form ein sehr klares, deutliches Bild der einzelnen Elemente zu erzeugen. Es war, als hätte sie nie anders geschrieben und die Erfahrung, die sie im Laufe der Jahre zweifelsohne gesammelt hat, sticht klar hervor. Abwechslungsreiche Wortwahl und eine passende Sprache hauchen diesem Werk eine gute Portion Leben ein und es fiel mir daher nicht schwer, mich zurecht und wohl und mitgerissen zu fühlen. Auch dank des leichten Stils und der verständlichen Ausdrucksweise rauschte ich nur so durch Prag und die verschiedenen Sphären und kam sehr gut zurecht. An dieser Stelle also nichts zu meckern gefunden – wie eigentlich immer, wenn es um den Stil dieser Autorin geht.

Auch in Sachen Charaktergestaltung überzeugte sie mich auf ganzer Linie. Zwar hat es ein paar Seiten gedauert, ehe ich einen richtigen Draht zu unserer Protagonistin Mila finden konnte, doch kaum war das geschafft, fieberte ich bedingungslos mit ihr mit. Mila ist keine alltägliche Persönlichkeit: sie ist vom Tod ihrer Mutter noch immer stark gezeichnet, versprüht eine gewisse Traurigkeit und wirkt manchmal in sich gekehrt und still. Auch ihre Gabe – oder ihr Fluch – trägt seinen Teil dazu bei, um die junge Frau von anderen Gleichaltrigen abzuheben. Ich schloss sie nach dem etwas holprigen Start sofort ganz tief ins Herz und war gespannt, was sie noch so zu bieten hat. Gleichzeitig schimmert aber auch immer wieder die ganz normale Jugendliche durch, mit frechen Sprüchen, kleinen Schwärmereien und mit der Naivität, der man in dem Alter einfach noch manchmal unterliegt. Mila ist vielschichtig und alles andere als langweilig. Ihre Entwicklung ist zwar nur unterschwellig erkennbar, aber definitiv gegeben. Außerdem ist sie charakterstark, eine Kämpferin, von Natur aus neugierig und auf ganzer Linie sympathisch. Sie passte perfekt zur Storyline, brauchte Lebendigkeit und Emotionen mit und verlieh dem Ganzen die nötige Greifbarkeit.
Mein Highlight waren aber definitiv die doch recht bedeutsamen Nebenfiguren. Tariel, Ezechiel, Micael und Asher sind nicht nur außergewöhnlich, sondern auch untereinander grundverschieden. Ava Reed hat mit den vieren die perfekte Mischung geschaffen und so jedem Leser jemanden geschenkt, den er am liebsten haben konnte. In meinem Fall waren das sogar, bis auf Tariel, alle. Ich habe Mic derart vergöttert mit seinem rebellischen Wesen, seiner frechen Art, seinen Sprüchen und allem, was ihn ausmachte. Der vernünftige aber so süße Zech war einfach wie ein bester Freund und Asher, mit seiner düsteren Aura rundete die Männer-Crew ab. Neben ihnen gab es dann noch weitere Personen, die wichtig fürs Geschehen waren und jeder; wirklich jeder brachte zumindest einen Teil Tiefgang mit und war so für mich problemlos greifbar. Mim und Pan – wer das Buch gelesen hat, wird wissen, wieso mein Herz so sehr an den beiden hängt.
Die große Vielfalt an unterschiedlichen Figuren und Charakterzügen sorgt auch für jede Menge Zündstoff für allerlei Interaktionen. Die einen mochten sich, die anderen misstrauten einander und wieder andere stritten ganz offen. Freundschaft, Feindschaft, Missmut und Liebe stehen hier im Vordergrund. Mir gefiel die Dynamik enorm gut! Kein Friede Freude Eierkuchen, sondern auch mal abgrundtiefe Hass-Botschaften schafften Abwechslung und Authensität. Auch die Undurchsichtigkeit mancher spielte der restlichen Geschichte in die Karten und sorgte für die ein oder andere Überraschung für mich.

Last but not least: die Idee bzw. die dazugehörige Umsetzung. Sind wir ehrlich: mit dem Auftakt der Ashes and Souls Dilogie hat Ava Reed das Rad nicht neu erfunden. Der Klappentext verrät nicht sehr viel, trotzdem weckt er Neugierde. Erster Pluspunkt: ganz klar das gewählte Setting. Prag ist der ideale Ort, um diese Geschichte zu beherbergen. Die düsterne Aura, die die Stadt umgibt, spiegelt sich auch innerhalb des Buches wider. Zweiter Pluspunkt: die Herangehensweise an den Hauptplot. Alleine wie Mila auf die Männer trifft und wie sich alles entwickelt. Dritter Pluspunkt: die Perspektivwechsel. Wir erfahren nicht nur, wie es Mila im Moment ergeht, sondern auch Tariel und Asher. So erhält der Leser auch einen Blick in die Beweggründe der Beiden und was in deren Leben passiert.
Leider komme ich aber nicht drum herum auch das negative aufzuzählen: in meinen Augen kann das Buch zwar wunderbar unterhalten, ist aber doch sehr klischeehaft, was die Abhandlung betrifft und daher umso vorhersehbarer. Es gab einige Momente, in denen Gedanken aufkommen wie „echt jetzt?“ oder „war ja klar“, und mich persönlich dazu animierten, die Augen zu verdrehen. Darunter leidet letztlich zwar nicht unbedingt das Lese-Vergnügen, dafür aber die Spannung. Während man im ersten Drittel noch sehr gut miträtseln und mitfiebern kann, lässt es spätestens ab der Hälfte dann konsequent nach. Lediglich den Mut der Autorin sollte man hier einml schnell honorieren! Was bitte ist da denn passiert? Und wieso? Da hat es Ava Reed kurzzeitig geschafft, mein Herz in zwei Teile zu zerbrechen, ehe alles wieder seinen gewohnten Gang ging. Der Twist, der recht spät kommt, ist für Fans des Genres sicher auch keine große Überraschung. Auch wenn es unterhaltsam und bildhaft und abwechslungsreich in Szene gesetzt wurde, ändert das nichts daran, dass ich mir die ein oder andere Innovation in Sachen Aufbau gewünscht hätte. Letztlich war es dann das Ende, das mich wieder etwas milder stimmte – oder sagen wir, der Cliffhanger. Der treibt die Neugier nämlich ins Unermessliche und schockierte mich auf ganzer Linie! Ich MUSS dringend wissen, wie es weitergeht.
Um alles nochmal zusammen zu fassen: Dieser erste Band konnte mich wunderbar unterhalten, mich ins ferne Prag entführen und wirklich mitreißen. Nur weil es gewisse Elemente in Sachen Aufbau und Umsetzung schon gab, heißt es nicht, dass es zwingend schlecht umgesetzt sein muss – denn das ist hier keineswegs der Fall.

FAZIT:
„Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ ist ein passabler, sehr unterhaltsamer Auftakt der mit sehr authentische und lebendige Figuren, einem sehr schönen Schreibstil und einem wundervollen Setting aufwartet. Auch wenn gewisse Klischees erfüllt wurden und die Vorhersehbarkeit dadurch anstieg, überzeugte Ava Reed stattdessen mit ihrer Umsetzung und der Art, wie die Figuren miteinander interagieren und kommunizieren. Ich jedenfalls hatte definitiv Spaß, konnte das ein oder andere Mal sogar überrascht werden und freue mich deshalb schon sehr auf den Abschluss der Dilogie.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2020

Zutiefst berührend und echt

Meine Sterne in deiner Nacht
0

Dieses Buch unterscheidet sich auf so vielerlei Ebenen von anderen Young Adult Romanen, dass es beinah falsch ist, ihn überhaupt als solchen zu bezeichnen. Viel eher gehört er in das Genre, in dem Colleen ...

Dieses Buch unterscheidet sich auf so vielerlei Ebenen von anderen Young Adult Romanen, dass es beinah falsch ist, ihn überhaupt als solchen zu bezeichnen. Viel eher gehört er in das Genre, in dem Colleen Hoover und Co. zu Hause sind. Tiefgreifende Romance mit einer eher schweren Thematik. Der Start in die Geschichte ist ideal gewählt um eine Bindung zu den Figuren aufbauen zu können, die Lebensumstände eines jeden einzelnen kennen zu lernen und sich innerhalb der Story zurecht zu finden. Kurz danach setzte jedoch eine unheimlich intensive Sog-Wirkung ein, die mich regelrecht von den Füßen riss und emotional auf ganzer Linie beherrschte. Dabei glänzt die Geschichte gar nicht mal durch actionreiche Spannung und Tempo, sondern viel eher Intensität und Echtheit. Alexandra Fischer hat einige sehr einnehmende und überraschende Wendungen eingebaut und ganz bewusst mit dem Gefühlen des Lesers gespielt. Allein der Roadtrip, der bei Gott nicht viel Platz innerhalb des Geschehens einnimmt, erzeugte eine derart intensive Atmosphäre, dass meine Emotionen wahrlich Achterbahn gefahren sind. Ob es nun das Lachen war, das aus Skye’s Mund dran, das Adrenalin durch ihre Adern rauschte und ihr Herz schneller schlagen lief oder die tiefgreifende Trauer, die sie vor lauter Schluchzern beben lässt – ich fühlte zu 100% mit und war streckenweise wirklich überrascht, wie stark mich das Buch im Griff hatte. Selbst außerhalb meiner Lesezeit wanderten die Gedanken immer wieder nach San Diego, weil meine Neugier darauf, wie es weitergehen wird, ungebrochen blieb. Und im Hintergrund lauerte zusätzlich stets die Frage, was Asher eigentlich verbarg.
Die Auflösung des Ganzen, war keine immense Überraschung; als Genre-Fan kann man es sich eventuell bereits denken. Doch die Autorin hat diese große Wende schon sehr früh herbei geführt und die Art, wie sie den Plottwist ausgearbeitet und insziniert hat, war großartig! Das Buch im Allgemeinen war schon ein vollkommener Genuss, doch diese Wendung zu erleben, riss mir als Leser den Boden unter den Füßen weg. Und die Frage, was denn nun noch auf so vielen übrigen Seiten passieren soll, stand ebenfalls im Raum und wurde nach und nach durch weitere Überraschungen beantwortet. Nie hätte ich gedacht, dass man mich in dem Genre noch umhauen kann, doch Alexandra Fischer hat es geschafft, in dem sie den großen Plot viel früher als erwartet aufgelöst hat, nur um dann weitere Herzschmerz-Momente einzubauen.
So – und nicht anders – überzeugt man sein Publikum. Genial gemacht und ein wahres Highlight.

Selbst bei der Charaktergestaltung, wurde so gut wie alles richtig gemacht! Wir treffen auf eine große Bandbreite an unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die aber alle eins gemeinsam haben: sie passen in die Geschichte wie die Faust aufs Auge. Die Interaktionen untereinander sind realistisch und glaubhaft, die Harmonie zwischen ihnen nicht immer gegeben, sodass auch mal Streitereien und Uneinigkeiten herrschen. Das ist es, was mich wohl letztlich am meisten überzeugte: die intensive Lebendigkeit eines jeden.
Ich gebe zu, ich habe bei weitem nicht alle gemocht. Da waren zum Beispiel Skye’s Freunde, die entweder, wie Nell, sehr egoistisch denken und handeln, oder aber wie Flint und Cara, die verhaltenstechnisch nie über die Reife eines Grundschülers hinaus kamen. Doch das wichtigste ist in meinen Augen Einsicht und Entwicklung, und da wiederum glänzten vor allem die Nebenfiguren sehr deutlich.
Skye, deren Leben seit dem tragischen Tod ihrer geliebten Eltern von Trauer beherrscht wird. Sie ist eine Protagonistin, die für den Leser sehr offensichtlich mit einer Maske durchs Leben geht. Wie sollte sie auch anders, wenn ihre Freunde von ihr erwarten, einfach weiterzumachen wie bisher, obwohl sich ihr Leben schlagartig um 180 Grad gedreht hat? Erst unser männlichern Protagonist Asher gibt sich ganz unterschwellig Mühe, die echte Skye kennen zu lernen. Die echte Skye, die jede Nacht weint und sich manchmal sogar vielleicht wünscht, selbst alles zu beenden. Nur langsam bröckelt die Fassade und gibt die Skye preis, die da wirklich hinter tausend Lächeln und guten Beziehungstipps verborgen ist. Und auch nur Asher ist es zu verdanken, dass sie langsam heilen kann.
Asher, wahrlich nicht der typische Bad Boy oder Gentleman ist, sondern ein junger Mann, der jede Menge Ballast zu tragen hat und Skye deshalb so gut versteht. Er verbirgt einiges, spricht nicht über sich oder seine Situation, doch im Laufe der Zeit lernen wir auch ihn besser kennen und ich für meinen Teil war schockiert, was Geld und Macht aus Menschen macht – was dieser junge Mann schon ertragen musste, ehe er dort ankam, wo er jetzt ist. Doch ganz egal, was auch passiert war, er genoss meine vollste Sympathie und eroberte sich schnell einen Platz in meinem Herzen. Auch weil er entgegen manch anderem einfach anders war und das auch offen zeigte. Wen interessierten denn Promis, wenn es so viel mehr im Leben zu entdecken gab? Asher, der einen alten Thunderbird fährt und alte Filme liebt – Asher, der den Rückhalt der Familie schmerzlich vermissen muss.
Für mich waren Asher und Skye die wohl wunderbarste Art aufzuzeigen, dass es mehr im Leben gibt als schwarz und weiß. Dass Vergeben und Vergessen zwei grundsätzlich verschiedene Dinge sind und dass der Himmel manchmal um so vieles schöner ist als die Erde.

Mit einem enorm angenehmen Schreibstil erzählt uns Alexandra Fischer also die berührende Geschichte von Skye und Co. Sie fischt nach genau den richtigen Worten, platziert sie perfekt und erzeugt mit bloßen Silben intensive und beeindruckende, aber vor allem, allesverzehrende Bilder, die einen in die Welt der Figuren eintauchen lassen. Bilder, die einen alles um einen herum vergessen lassen und für eine gewisse Zeit das wichtigste auf der Welt für den Leser sind. Besonders schön fand ich auch die Parallelen zu den Sternen, die immer wieder gezogen wurden. Es gab so viele schöne Momente, in denen Sternbilder und deren Geschichten dahinter die tragendste Rolle spielen und das wiederum zeugt auch von einer Menge Recherche-Arbeit, die sich hinter dem Buch verstecken muss.
Meiner Meinung nach hat die Autorin ein ganz besonderes Talent, Gefühle zu transportieren und Geschichten so zu erzählen, dass man sich als Leser als Teil des Ganzen fühlen darf. Ich war selten derart gefangen in einem Buch und die Tatsache, dass Ilayda und ich innerhalb von nur 4 Tagen durch waren, spricht ebenfalls Bände. Lockerleicht und trotzdem unbeschreiblich fesselnd.

FAZIT:
Auf den letzten Metern des Jahres begegnete ich also nochmal einen richtigen Highlight! Alexandra Fischer hat mit „Meine Sterne in deiner Nacht“ ein Buch veröffentlicht, das so viel mehr Aufmerksamkeit und Begeisterung verdient hat. Wundervolle, lebendige und authentische Charaktere, ein gefühlvoller, bildhafter Schreibstil und die wohl berührendste Geschichte des Jahres machen das Buch zu einem wahren Pageturner, den man als Fan des Genres definitiv gelesen haben muss. Für mich steht die Autorin auf einer Stufe mit den ganz Großen wie Colleen Hoover und Co. und ich freue mich auf jedes weitere Werk, das sie veröffentlicht. Danke liebe Alexandra für das Erlebnis!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2020

Schockierend und faszinierend zugleich.

Der Mensch ist böse
0

Julian Hannes beschäftigt sich wohl schon länger mit wahren Verbrechen; was nicht zuletzt sein zuvor erschienenes Buch „Die Welt ist böse“, das bereits im Juli 2018 auf den Markt kam, beweist. Ich habe ...

Julian Hannes beschäftigt sich wohl schon länger mit wahren Verbrechen; was nicht zuletzt sein zuvor erschienenes Buch „Die Welt ist böse“, das bereits im Juli 2018 auf den Markt kam, beweist. Ich habe bewusst gewartet, bis ich sein neustes Werk beendet hatte, ehe ich mir seinen Youtube-Kanal anschaute. Das war mir enorm wichtig, da ich mich nicht beeinflussen lassen wollte. Bereits seit über 5 Jahren postet der inzwischen 21-jährige Vollzeit-Youtuber regelmäßig Videos, größtenteils über reale Straftaten aus aller Welt. Dabei schreibt Jarow exakt so, wie er auch in seinen Videos erzählt: sachlich, neutral und absolut informativ und ausführlich. Dennoch gibt er auch mal seine Vermutungen preis und bringt sich selbst so nochmal deutlich mehr in das Buch ein.
Mit seinem atmosphärischen Schreibstil schaffte er es, mich in alle 13 Kriminalfälle hinein zu ziehen. Schon nach den ersten Wörtern eines jedes Kapitel ertappte ich mich dabei, wie ich mir selbst Sorgen machte, mich gruselte und an mancher Stelle sogar fürchtete. Trotzdem konnte und wollte ich das Buch nie aus der Hand legen, sondern immer mehr und mehr erfahren. Leicht verständlich erzählt Jarow von Serienmördern, Entführern, Opfern, Ermittlern und Angehörigen und vermittelt uns Lesern stets ein klares Bild vor dem geistigen Auge. Auch wenn ich noch nie so ein Buch gelesen habe, bin ich mir sicher, dass man das hätte nicht besser lösen können.

Ebenso verhielt es sich aber auch mit der Gliederung des Werkes. Jedes Kapitel ist ein einzelner Fall und beginnt mit einem kurzen Vorwort, ehe es zur eigentlichen Geschichte geht. Diese ist dann nochmal in einzelne Abschnitte unterteilt und mit eigenen Überschriften versehen. Ganz individuell passend zum aktuellen Fall ausgewählt und definitiv neugierig machend. Manche Verbrechen werden stärker beleuchtet und sind dementsprechend ausführlicher, andere sind etwas kürzer, aber mindestens genau so voll gepackt mit Informationen, Spannung und Ermittlungsarbeit. Besonders auf den jeweils letzte Abschnitt eines jeden Kapitels, der sich „Mein Fazit“ nennt, war ich immerzu am meisten gespannt. Dort berichtet Julian Hannes, was er über den Fall, die Lösung, die Ermittlungsarbeit und ganz allgemein über das Verbrechen denkt. Fast zum Schluss eines jeden Falls wird entweder noch der beteiligte Profiler Mark T. Hoffmann befragt, was er über die Tat bzw. den Täter und dessen Psyche denkt, oder aber es gibt kurze Ausschnitte, Fakten, Statistiken und Erklärungen zur Strafttat allgemein bzw. wie sehr sie zum Beispiel in Deutschland auftritt usw. Meines Erachtens nach die perfekte Gliederung und äußerst gut gelöst.

Um auch auf die Auswahl an Kriminalfälle zu sprechen zu kommen: Julian Hannes hat hier eine kunterbunte Mischung aus nationalen und internationalen, bekannten und weniger bekannten, gelösten und ungelösten, sehr alten aber auch sehr aktuellen Fällen zusammen gestellt und so jedes Interessengebiet bedient. Von Entführung über Stalking bishin zu Serienmorden ist alles vertreten. Dabei möchte ich aber nicht zu viel verraten, immerhin sollt ihr selbst auch noch ein gewisses Überraschungsmoment haben. Trotzdem muss ich noch einmal betonen, wie viel Recherche, Arbeit und Mühe hinter diesem Buch stecken muss. Penibel ausgearbeitet und dargestellt erfahren wir als Leser innerhalb weniger Seiten quasi alles, was es zum entsprechenden Fall zu wissen gibt und regt uns zudem mittels geschickt aufgebauten Abschnitten dazu an, selbst einige Vermutungen anzustellen. Gerade bei den Verbrechen, die nie aufgelöst wurden, steigert das die Neugier derart, dass ich, nach dem Beenden des Buches, keine Sekunde gezögert habe, weiter zu recherchieren und das World Wide Web auf links zu drehen, ob nicht doch vielleicht eine Aufklärung stattfand – aber nein! Jarow hat alles, was es über die jeweiligen Geschehnisse und Ermittlungen zu wissen gibt, in dieses Buch gepackt.

Ich bin übrigens im Laufe der letzten Tage auf mehreres aufmerksam geworden: zum Einen natürlich auf den Youtube-Kanal von Jarow. Dort gibt es quasi alles, was man im Buch findet, noch einmal als Video; teilweise sogar mit Originalszenen. Alle 13 Fälle werden bedient, doch darüber hinaus gibt es noch viel mehr andere Verbrechen, die behandelt werden. Einen Besuch ist sein Kanal also auf alle Fälle wert. Außerdem gibt es auf Spotify einen ganzen MysteryCast von Jarow, der sicher mehrere Tage Material bietet und ganz bestimmt unheimlich interessant ist! Dort spricht er vor allem mit einem Kumpel über die einzelne Fälle und diskutiert die Möglichkeiten und Lösungen des Ganzen. Als letztes gibt es noch den wichtigsten Punkt: Julian Hannes spendet viele seiner Einnahmen an Organisationen wie zum Beispiel dem weißen Ring e.V, oder dem Bund für vermisste Kinder.
Das Ganze finde ich äußerst bemerkenswert und mehr als lobenswert. Ich denke, mit seiner Reichweite kann er noch einmal ein ganz anderes Publikum erreichen und so gewisse Fälle, wie zum Beispiel den von Rebecca Reusch, an der Oberfläche hält und verhindert, dass er, oder gar das Opfer in Vergessenheit gerät. Und seinen Status als öffentliche Person für solch gute Zwecke zu verwenden, ohne sich daran bereichern zu wollen, verdient den größten Respekt. Deshalb, Hut ab.

FAZIT:
Julian Hannes alias Jarow hat mit „der Mensch ist böse“ ein enorm vielschichtiges, abwechslungsreiches Buch auf den Markt gebracht, das uns die menschlichen Abgründe in aller Deutlichkeit aufzeigt. Enorm gut recherchiert, genial ausgearbeitet und sehr sachlich aber hochgradig interessant und spannend geschrieben! Dank den Kapitel-Abschlüssen in Form von Jarow’s Fazit fließt auch einiges vom Autor persönlich in das Werk ein und bringt uns den 21-jährigen Youtuber doch ein wenig näher. Für mich ein enorm gutes Buch, das fesselt, schockiert und auf einer gewissenen Ebene sogar begeistert – nämlich deswegen, weil es so mitreißend ist. Großartig gemacht und ich werde mir mit 100%iger Sicherheit auch sein erstes Werk anschauen und jedes weitere Buch, das kommt, lesen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 07.01.2020

Leider zu wenig Buchladen und noch weniger Weihnachtsstimmung

Der kleine Weihnachtsbuchladen am Meer
0

Der Einstieg war, trotz fehlendem Vorwissen, total einfach. Ich war innerhalb kürzester Zeit in der Geschichte drin und kam gut zurecht. Allerdings hatte ich schon ein wenig das Gefühl, dass es mir und ...

Der Einstieg war, trotz fehlendem Vorwissen, total einfach. Ich war innerhalb kürzester Zeit in der Geschichte drin und kam gut zurecht. Allerdings hatte ich schon ein wenig das Gefühl, dass es mir und meinem Lesevergnügen zuträglich gewesen wäre, die ersten beiden Bände zu kennen. Trotzdem schafft es die Autorin, mit die fehlenden Infos unterschwellig mitzuteilen, weshalb es zu keinen Verständnisproblemen kommt. Mit ihrem angenehmen, lockerleichten Schreibstil konnte mich die Autorin problemlos nach Spiekeroog entführen und vermittelte mir mit ihren Worten stets ein klares Bild der Kulissen und Charakteren. Auch die Sprecherin, Julia von Tettenborn, hat dem Buch definitiv in die Karten gespielt. Ihre Stimme passt herrlich gut zu unserer Protagonistin und vermittelt so den Eindruck, als würde Frieke höchstpersönlich ihre Geschichte mit uns Lesern teilen. Ich mochte die Stimmfarbe, die Betonungen und die lebendige Atmosphäre, die sie versprühte. Außerdem konnte ich ihr sehr gut folgen, denn sie spricht klar und verzichtet auf großartige Spielereien mit ihrer Stimme.
Erzählt wird übrigens lediglich aus Frieke’s Sicht, in der dritten Person. Was weitere Lebendigkeit mit sich brachte und einfach gut mit dem Geschehen und der allgemeinen Atmosphäre harmonierte.

Die Hauptfiguren Frieke und Bengt spielen die wohl wichtigste Rolle in diesem Stück. Und bevor ich nun zu meinem Fazit zu den beiden komme, wollte ich erst einmal kurz über die Namensgebung herziehen. Den Namen „Frieke“ kennt man ja vielleicht noch aus Oma-Tagen, doch „Bengt“? Ich weiß nicht, ob ich zu sehr Südlicht bin, aber erstens habe ich ihn noch nie gehört, und zweitens finde ich ihn absolut scheußlich. Beide sind zwar außergewöhnlich, aber im Endeffekt einfach nicht schön anzuhören.
Frieke’s Charakterzügen passten sehr gut zur Handlung. Sie ist herrlich bodenständig und unscheinbar, führt ein wunderbar normales Leben und glänzt durch ihr „unaufgeregte“ Verhalten. Doch die Schwangerschaft geht nicht spurlos an ihr und ihren Launen vorbei. Immer wieder neigt sie dazu, zickig zu reagieren und sich zu sehr aufzuführen. Dadurch entstehen nicht nur Augenroll-Momente für den Leser, sondern auch jeder Menge unnötige Streitereien. Doch bis auf diese kurzzeitigen Tiefs mochte ich sie als Person doch sehr gerne. Sie verkörpert eigentlich alles, was man sich selbst von sich wünscht: sie ist glücklich, zufrieden, stets für ihre Freunde da und manchmal vielleicht ein bisschen zu übereifrig in gewissen Belangen. Ich gebe zu, ich habe mich manchmal ein wenig ihr Frieke wieder erkannt und ja, auch in den zickigen Momenten. Sie ist darüber hinaus mit einer gesunden Portion Misstrauen ausgestattet, was mir enorm zusagte! Endlich mal kein naives Dummchen, sondern eine erwachsene, realistische Frau, die mitten im Leben steht. Den letzten Pluspunkt sammelte sie dann mit ihrer unumstößlichen Liebe zu Büchern – die ich bedingungslos mit ihr teile.
Bengt gegenüber blieb ich lange Zeit total misstrauisch. So richtig sympathisch wollte er mir also nicht werden und mit seinen zum Teil unbedachten Aussagen und Entscheidungen erntete er vor allen Dingen Unmut bei mir. Ich verstand nicht, was Frieke an diesem Kerl fand. Er wirkte durchweg negativ, stellte alles in Frage und gönnte seiner Liebsten nicht einmal ein wenig Weihnachtsvorfreude. Die Idee, ihn als restlosen Okö-Freak hinzustellen, tat dann sein übriges, um bei mir gänzlich unten durch zu rutschen. Ich hatte eigentlich stets einen nörgelnden, graubärtigen Almöhi vor Augen, dem nichts recht ist und der immer irgendwas auszusetzen hat. Nein danke. Auch wenn er eine gewisse Entwicklung an den Tag legte und der Grundgedanke hinter seinem Verhalten ja ehrbar ist, erreichte das alles irgendwie genau die entgegengesetzte Wirkung.
Dafür mochte ich die Randfiguren, besonders Frieke’s Freundinnen, ungemein gerne! Jeder hatte seine Geschichte und offenbarte diese im Laufe der Handlung. Maike’s Vergangenheit spielt eine wesentliche Rolle innerhalb der eigentlichen Storyline und so erhalten wir besonders ihr gegenüber einen sehr tiefgreifenden, umfassenden Eindruck. Gefiel mir auf ganzer Linie und ich schloss einen jeden ziemlich tief ins Herz.

Die Grundidee hinter der Geschichte ist irgendwie ganz klassisch für diese Art von Roman. Liebespaar, Insel, Idylle, Drama. Auch den Titel fand ich etwas irreführend, denn besagter Weihnachtsbuchladen wird a) keine 10x in dem Buch erwähnt und b) ist er alles andere als weihnachtlich. Selbst die allgemeine Weihnachtsstimmung fällt extrem flach aus; es wird nicht großartig thematisiert, sondern ist viel eher Mittel zum Zweck, um die Handlung schlüssig zu machen. Lediglich immer wieder kurzzeitig auftretende Höhepunkte wie Plätzchen backen, Dekorier-Wahn o.Ä. zeigen überhaupt auf, dass es sich um die Vorweihnachtszeit handelt. Dabei wären die Möglichkeiten eigentlich gegeben gewesen, denn das Potential und die Hintergründe waren ideal dafür; wurden aber nicht ausgeschöpft. Die ganze Handlung schleppt sich eher, und auch wenn man sich durchaus wohl fühlt auf Spiekeroog und die Atmosphäre warm und freundlich und durchaus intensiv ausfällt; kann von Mitgerissensein keine Rede sein. Es war viel eher ein Treibenlassen, ein netter Zeitvertreib und ganz süß; aber mehr auch nicht. Spannung oder wenigstens emotional mitfiebern war für mich nicht drin. Nichts desto trotz hab ich das Geschehen doch irgendwie gern verfolgt; konnte dabei abschalten und den Alltag mal kurzzeitig vergessen. In meinen Augen hat sich hier einfach alles viel zu sehr um Frieke’s Schwangerschaft gedreht (immerhin kenne ich jetzt jeden noch so kleinen Vor,- und Nachteil einer Hausgeburt) und viel zu wenig um Weihnachten. Auch Maike’s Geschichte nahm enorm viel Raum ein, sodass Frieke und Bengt fast schon in den Hintergrund rückten.
Oben erwähntes Drama war auf der einen Ebene zu vorhersehbar, auf der anderen Ebene zu banal. Ein viel zu großer Terz um eine Nichtigkeit, deren Lösung man eh schon während den ersten Minuten durchschaut hat. Super schade! Die ein oder andere Überraschung wäre schön gewesen, trat aber leider bis zum Ende hin nicht auf. Die Auflösung im Allgemeinen war schön insziniert und glaubhaft in Szene gesetzt, herzerwärmend und heimelig, aber eben nicht die erhoffte Überraschung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere