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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.12.2017

Ein historischer Roman?!

Ansichten eines Clowns
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Hans Schnier ist von Beruf Clown und tingelt mit seiner Freundin durch die Lande von Auftritt zu Auftritt. Doch Marie verlässt ihn, um einen anderen zu heiraten, da sie nicht unverheiratet "in Sünde" weiterleben ...

Hans Schnier ist von Beruf Clown und tingelt mit seiner Freundin durch die Lande von Auftritt zu Auftritt. Doch Marie verlässt ihn, um einen anderen zu heiraten, da sie nicht unverheiratet "in Sünde" weiterleben will. Und Hans stürzt ab, landet auf einer Bahnhofstreppe mit einer Guitarre in der Hand und einem Hut vor sich...

In Quiz wurde oft nach dem Titel gefragt, deshalb war ich neugierig, und ich dachte mir, ein bissel Kultur tut mir auch mal gut, also habe ich mich zu dem Buch entschieden. Aber ich bin schwer reingekommen. Ich hab auch nicht immer begriffen, wann und wo wir gerade sin. Letztendlich spielt die Handlung an einem einzigen Tag, aber es gibt sehr viele Rückblicke. Unser Held, der Clown, prangert alle in seinem Umfeld an, geht recht hart mit der Welt, insbesondere dem Katholizismus, ins Gericht. Heinrich Böll schreibt im Nachwort von 1985, dass der Roman bereits ein historischer Roman ist und ihn die jungen Erwachsenen schon nicht mehr nachvollziehen können, weil sich so viel gewandelt hat in der Gesellschaft und im Katholizismus. Mittlerweile wohl noch mehr.
Der Schreibstil ist große Klasse, aber mit dem Held wurde ich nicht warm, den fand ich eher abstoßend. Zwar einerseits bewundernswert konsequent, andererseits auch abstoßend und selbstgerecht. Ich muss gestehen, ich hatte Mühe, den Roman fertig zu lesen und war froh, als ich es geschafft hatte. Literarisch gesehen ist das Buch vielleicht ein Meisterwerk, aber zu meiner Unterhaltung hat es nicht beigetragen.

Veröffentlicht am 28.11.2017

Happy Ends für alle ?!?

Wir sehen uns beim Happy End
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Ella schreibt die Enden von traurigen Geschichten um, denn sie mag nur Happy Ends, schreckliche Dinge gibt es schließlich schon genug auf dieser Welt. Und während sie auf ihrem Blog die Fangemeinde so ...

Ella schreibt die Enden von traurigen Geschichten um, denn sie mag nur Happy Ends, schreckliche Dinge gibt es schließlich schon genug auf dieser Welt. Und während sie auf ihrem Blog die Fangemeinde so mit allerhand verschönerten Geschichten beglückt, strebt sie schnurstracke auf ihr eigenes, privates Happy End, der Hochzeit mit ihrem Traummann Philipp, zu. Aber da der Roman ja nicht schon am Anfang zu Ende sein kann, kommt es natürlich zunächst erst mal anders als sie denkt. Und so stolpert Oscar in ihr Leben bzw. genaugenommen sie ins Seins. Oscar geht es nicht gut und natürlich möchte Ella nun auch ihm ein Happy End schenken. Nur was, wenn er das gar nicht will?

Ich hatte von Charlotte Lucas schon "Dein perfektes Jahr" gelesen und sehr gemocht, so dass ich auch den Nachfolger unbedingt gleich bei Erscheinen kaufen musste. Das Cover war wieder sehr ansprechend und die Grundidee des Romans gefiel mir sehr gut, schließlich bin auch ich ein großer Fan von Happy Ends!
Allerdings ging mir die Hauptfigur Ella ziemlich rasch auf den Keks. Man kann es auch übertreiben mit den Happy-Ends und seinem Freund vorzuwerfen, aus Versehen einen Film mit schlechtem Ende ausgewählt zu haben und darüber ernsthaft beleidigt zu sein, naja. Auch mit dem, was man im Verlauf über ihre Vorgeschichte erfährt, betrachtet, kommt mir ihr Gehabe übertrieben vor. Und über ihr Handeln konnte ich über weite Teile der Lektüre nur den Kopf schütteln. Dennoch hat mir die Geschichte insgesamt sehr gefallen und ich konnte das Buch kaum weglegen, so dass ich es binnen 2 Tagen komplett gelesen hatte. Trotz ihrer teils nervigen und sehr übergriffigen Art, konnte ich gut mit Ella mitfiebern und bangte der Katastrophe entgegen, die zwangsläufig kommen musste, immer in der Hoffnung, wird schon alles gut werden am Schluss.
Vieles war und wirkte sehr vorhersehbar, dennoch war die Geschichte sehr originell und konnte mich immer wieder überraschen, also ein wahres Lesevergnügen! Ich kann das Buch absolut weiterempfehlen für ein verregnetes Wochenende auf der Couch, wenn man ein bisschen rosarot und Zuckerguss braucht.

Veröffentlicht am 22.11.2017

Wie im richtigen Leben

Theo
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Daniel Glattauer portraitiert hier seinen kleinen Neffen und begleitet ihn dabei von Geburt bis zur Pubertät. Dabei erzählt er von vielen allltäglichen Dingen, die auch dem eigenen Leben entnommen sein ...

Daniel Glattauer portraitiert hier seinen kleinen Neffen und begleitet ihn dabei von Geburt bis zur Pubertät. Dabei erzählt er von vielen allltäglichen Dingen, die auch dem eigenen Leben entnommen sein können.
Dabei verfügt Glattauer aber über eine Beobachtungsgabe und einen Wortwitz, die das ganze nicht alltäglich erscheinen lassen, ich musste sehr viel Lachen bei der Lektüre. Allerdings fängt er stark an und lässt dann nach, als Theo älter wird bekommt das Buch durchaus auch Längen.
Das Buch unterscheidet sich stark von den anderen Glattauers und wird nicht mein Lieblingsbuch von ihm, aber ich habe es gern gelesen. Und ich finde es eignet sich auch als gut als Geschenk für werdende oder gewordene Eltern.

Veröffentlicht am 22.11.2017

Ärztin aus Leidenschaft

Sturmjahre
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Samantha hat eine schwere Kindheit. Ihr religiös besessener Vater wirft ihr vor, die Mutter getötet zu haben, die bei ihrer Geburt starb, und so wächst sie ohne Liebe und Förderung auf. Es stellt sich ...

Samantha hat eine schwere Kindheit. Ihr religiös besessener Vater wirft ihr vor, die Mutter getötet zu haben, die bei ihrer Geburt starb, und so wächst sie ohne Liebe und Förderung auf. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass sie sich gut um kranke Tiere und Menschen kümmern kann. Bei einem Nachbarn macht sie erste Erfahrungen zu Heilkunde und, nach dem Tod des Vaters, lernt sie im Internat eine Ärztin kennen, die sie ermutigt sich in Amerika um ein Medizinstudium zu bemühen. Das ist zu Samanthas Zeit ein Unding, Frauen dürfen noch kaum studieren und schon gar nicht Medizin an einer Männeruniversität. Doch Samantha ist eine Kämpfernatur und überwindet alle Steine, die ihr in den Weg gelegt werden. Sie findet Förderer und findet die große Liebe, doch immer wieder wird sie von harten Schicksalsschlägen getroffen. Kann sie ihr Glück dennoch machen?

Barbara Wood erzählt die fiktive Geschichte einer starken Frau vor historischen Hintergründen der Entwicklungen in der Medizin und dem Kampf der Frauen, studieren zu dürfen. In fesselnder Weise beschreibt sie den Werdegang der faszinierenden Hauptfigur, Samantha Hargrave, die unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen ins Leben startet, aber dann nach und nach eine eindrucksvolle Entwicklung macht und harte Kämpfe ausficht, um zu erreichen, was sie möchte. Der Erzählstil ist flüssig und mitreißend, ich habe den Roman bereits mehrfach gelesen und lange war er mein Lieblingsbuch. Man kann als Leser gut mit Samantha mitleiden und -fiebern und ich empfinde einfach nur Bewunderung für sie, auch wenn sie manchmal fast etwas übermenschlich wirkt. Eine wahrhaft sympathische Person ist sie nicht, jedoch hat sie mich beeindruckt und inspiriert, vielleicht auch mit zu meiner Berufswahl beigetragen.

Auf jeden Fall kann ich "Sturmjahre" aus vollem Herzen empfehlen für alle, die gerne Bücher über starke Frauen vor interessantem zeitgeschichtlichen Hintergrund lesen- und Liebesgeschichten mögen...

Veröffentlicht am 21.11.2017

Der erste Satz ein Versprechen...

Das Schloss in den Wolken
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"Hätte es an jenem Morgen im Mai nicht geregnet, hätte Valancy Stirlings Leben einen völlig anderen Verlauf genommen". Dieser Satz war das einzige, was ich von dem Buch wusste, als ich es kaufte. Es war ...

"Hätte es an jenem Morgen im Mai nicht geregnet, hätte Valancy Stirlings Leben einen völlig anderen Verlauf genommen". Dieser Satz war das einzige, was ich von dem Buch wusste, als ich es kaufte. Es war eine Aktion der Buchhandlung, in der verschieden Romane blickdicht verpackt waren und nur der erste Satz der Geschichte auf den Einband geschrieben war. Die Aktion fand ich toll und machte mir selbst ein Überraschungsgeschenk. Unter einer Auswahl von circa 20 Büchern wählte ich dieses. Und als ich es zuhause auspackte, machte ich innerlich einen Freudentanz, als ich den Namen der Autorin las: Lucy Maud Montgomery. Als Jugendliche- und ich gestehe: bis heute- habe ich ihre Romanreihen über Anne auf Green Gables und Emily geliebt und wieder und wieder gelesen, war fasziniert von ihren Geschichten aus einer anderen Zeit, gespickt von magischen Momenten und liebevoll dargestellten Charakteren mit Ecken und Kanten, die mit Problemen des Alltags und ihrer Zeit kämpfen und dabei erfrischend lebensnah sind. Deshalb war ich jetzt sehr gespannt auf den "Erwachsenenroman" der Autorin.
"Das Schloss in den Wolken" ist die Geschichte von Valancy Stirling, die in den 1920er Jahren auf der kanadichen Prince Edwards Island bei ihrer Familie lebt, die ihr das Leben richtiggehend schwer macht und ihr ihren Status als "alte Jungfer" (mit Ende 20!!!) vorwirft. Durch ein Schnippchen des Schicksals, bricht Valancy mit den Konventionen und löst sich von ihrer Familie, um sich selbst und ihr Glück und damit auch ihr reales blaues Schloss zu finden, dass es bisher nur in ihrer Phantasie gab.
Sprache und Moral in dem Buch sind dem "Geburtsdatum" entsprechend etwas veraltet, aber das nimmt einem keinesfalls das Lesevergnügen, im Gegenteil, Lucy Maud Montgomery entführt uns in ein unberührt, idyllisches Kanada, das zu seiner Heldin passt, und einen verzaubert. Valancys Familie gleicht einem schrecklichen, starren Korsett, das einem fast körperliche Beschwerden bereitet und es ist eine Wohltat, Valancys Entwicklung zu verfolgen und zu sehen, wie sie sich aus ihrem Kokon befreit und zu einem wunderschönen Schmetterling wird.
Die Freude, die ich beim Auspacken des Überraschungsbuches empfand, hat bis zum Ende angehalten. 363 Seiten Lesefreude pur bekommen von mir eine volle Leseempfehlung!