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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2019

Ein Albtraum wird brutale Realität

Lazarus
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Man würde es ihm wünschen, das Glück. Joona Linna, Kommissar der Landeskriminalpolizei mit Einzelkämpferausbildung, ist mit einem Strauß roter Rosen auf dem Weg zu seinen Geliebten Valeria um ein romantisches ...

Man würde es ihm wünschen, das Glück. Joona Linna, Kommissar der Landeskriminalpolizei mit Einzelkämpferausbildung, ist mit einem Strauß roter Rosen auf dem Weg zu seinen Geliebten Valeria um ein romantisches Wochenende zu verbringen. Joona hat scheinbar eine echte Chance bekommen, um über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen. Doch der Leser weiß zu dem Zeitpunkt längst, dass nichts gut ist oder sein wird für den schwermütigen Kommissar.

Das Autorenduo Lars Kepler hat in seinem neuen Band aus der Joona-Linna-Reihe das Unmögliche mögliche gemacht. Nicht ohne Hintersinn heißt der Band „Lazarus“. Anfangs glaubt nur Joona an die Auferstehung des Serienmörders Jurek Walter. Letztendlich müssen alle Anderen schmerzhaft erkennen, dass Joona Recht hat. Jurek ist zurückgekommen um Joona zu jagen und ihm alle Menschen zu nehmen, die er liebt. Niemand kennt sich in dem kranken Hirn des brutalen Mörders so gut aus wie Linna. Dies verschafft ihm einen kleinen Vorsprung um seine Tochter zu schützen. Doch Jurek ist ihm bis zum bitteren Ende auf den Fersen.

Lazarus ist seit langem der brutalste Krimi, den ich gelesen habe. Aber auch seit Langem der spannendste. So wie Jurek Walter Joona vor sich hertreibt, wird auch der Leser angetrieben von dem bis zur letzten Seite aufreibenden Schwedenkrimi. Ich empfehle Lazarus allen, die Spannung lieben und nicht zartbesaitet sind.

Veröffentlicht am 14.04.2019

Starkes Buch!

Der Wal und das Ende der Welt
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Der Protagonist heißt zwar nicht Jona, sondern Joe und Joe wird auch nicht vom Wal verschluckt, aber doch erinnert das neue Buch von John Ironmonger „Der Wal und das Ende der Welt“ an die biblische Geschichte ...

Der Protagonist heißt zwar nicht Jona, sondern Joe und Joe wird auch nicht vom Wal verschluckt, aber doch erinnert das neue Buch von John Ironmonger „Der Wal und das Ende der Welt“ an die biblische Geschichte vom unfreiwilligen Propheten Jona, der die Bewohner der Stadt Ninive vor großem Unglück bewahren soll.
Den biblischen Ort Ninive hat Ironmonger, der als promovierter Zoologe und IT-Fachmann mit großem Sachverstand schreibt, an die Küste Cornwalls verlegt. Hier, im abgelegenen 300 Seelen-Dorf St. Piran, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Bis zu dem Tag, an dem der junge Londoner Bankenanalyst Joe Haak an Ihren Strand gespült wird. Mit Joe ändert sich alles, denn Joe trägt ein Geheimnis mit sich, dass ihm fortan als Handlungsmaxime gilt. Am Ende ist dies sein Antrieb, die Bewohner von St. Piran vor großem Unglück zu bewahren.

Für mich begann die Handlung etwas schwerfällig. Im Laufe der Geschichte kommt aber so etwas wie Spannung auf. Die liebenswert schrulligen Dorfbewohner, das Geheimnis um Joe und seine Vergangenheit und auch die Frage, was es mit dem Wal auf sich hat, entwickeln in gleicher Weise die Sogwirkung des Buches, wie auch die Handlung sich wie ein Blütenblatt entfaltet. Am Ende fügen sich alle Einzelteile zu einem Ganzen.

John Ironmongers Buch ist keine Dystopie, da es ja weder eine fiktives pessimistisches Zukunftsszenario entwirft, noch entlässt es den Leser am Ende der knapp 500 Seiten mit einem unguten Gefühl. Im Gegenteil: Das Ende kann mit Fug und Recht als Happy End bezeichnet werden. Als Film wäre es mir zwar etwas „too much“ wie der Held Joe Haak in die aufgehende Sonne segelt, aber Jon Ironmongers Buch wäre ohne dieses Ende nicht das, was es ist: Ein Roman, der Hoffnung macht und an das Gute im Menschen glauben lässt.

Veröffentlicht am 21.06.2020

Liebenswerte Menschen im Elsass

Wie uns die Liebe fand
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Bois de Val im Elsass ist der Ort, in dem die 92jährige Madame Nan lebt, liebt und auf ihr Leben zurückschaut. In dem beschaulichen Dörfchen hat sie ihre vier Töchter mehr oder weniger allein großgezogen, ...

Bois de Val im Elsass ist der Ort, in dem die 92jährige Madame Nan lebt, liebt und auf ihr Leben zurückschaut. In dem beschaulichen Dörfchen hat sie ihre vier Töchter mehr oder weniger allein großgezogen, da ihr geliebter Mann viel zu früh verstarb.

Nicht nur die persönliche Geschichte von Madame Nan, sondern auch die Geschichten der Bewohner des kleinen Örtchen hat Claire Stihlé in dem Buch „Wie uns die Liebe fand“ zu einem bunten Erzählteppich verwoben. Vieles, was in Val-de-Bois passiert ist lustig, aber auch Trauriges kann Madame Nan aus ihrem langen Leben berichten.

Die Lebensgeschichten sind nicht zuletzt dadurch geprägt, dass das Elsass immer wieder als Spielball politischer Interessen herhalten musste. Umso tröstlicher ist es, dass Nan letztendlich immer wieder auf das Menschliche zurückkommt. Und was ist menschlicher als die Liebe? In Bois-de-Val dürfen die Bewohner auf ganz besondere Weise den Sog der Liebe spüren. Dies haben sie Madame Nans ältester Tochter Marie zu verdanken, die eine außergewöhnliche Erfindung unter die Leute bringt. Viel mehr sei nicht verraten...

Die Charaktere in Wie uns die Liebe fand sind liebenswert dargestellt, und im Leben von Nan und ihren Töchtern wird es nie langweilig.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, obwohl mir das „kleine Liebeswunder“ anfangs etwas zu märchenhaft erschien. Am Ende des Buches sind dann noch elsässische Rezepte zu finden, wodurch das Lesevergnügen komplett wird.

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Veröffentlicht am 17.06.2019

Solider Roman vor historischer Kulisse

Die Zarin und der Philosoph
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Die Autorin Martina Sahler hat mit "Die Zarin und der Philosoph" ein weiteres Porträt ihrer Lieblingsstadt St. Petersburg vorgestellt. Wie schon in "Die Stadt des Zaren" verbindet sie mit großem Können ...

Die Autorin Martina Sahler hat mit "Die Zarin und der Philosoph" ein weiteres Porträt ihrer Lieblingsstadt St. Petersburg vorgestellt. Wie schon in "Die Stadt des Zaren" verbindet sie mit großem Können die Schicksale historisch verbürgter, sowie fiktiver Charaktere zu einer lesenswerten Geschichte aus der Zeit der Zarin Katharina II.
St. Petersburg 1762: Katharina, die später den Beinamen "die Große" erhalten wird, besteigt den Zarenthron nach dem ihr Mann Peter III. unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen ist. Die Monarchin, die sich für weltoffen hält, kämpft um die Anerkennung der europäischen Herrscher. Es ist die Zeit der Aufklärung. Auch Katharina will sich der neuen Zeit nicht verschließen und sammelt an ihrem Hof in St. Petersburg Künstler und Gelehrte um sich. Besonders zu dem französischen Philosophen Voltaire unterhält sie regen Briefkontakt. Als sich die Gelegenheit bietet den jungen deutschen Philosophen Stephan Mervier mit seiner Frau, einer Malerin, an den Hof zu holen, glaubt Katharina der Herrscherelite Europas einen Schritt näher gekommen zu sein. Was sie nicht ahnt: Mervier ist ein Spion des preussischen Königs und berichtet diesem in Briefen von den Verhältnissen am Hof der russischen Herrscherin.
Vor der Kulisse der Stadt an der Newa entwickelt Martina Sahler ein Ränkespiel, das den Geist des Umbruchs des ausgehenden 18. Jahrhundert in Europa hervorragend spiegelt. Fiktive und historische Protagonisten des Romans sind detailliert und präzise dargestellt. Die Geschichte lässt einen zwar nicht atem- und pausenlos zum Buch greifen, da es zwischenzeitlich ein wenig vor sich "hinplätschert". Und doch bleibt am Ende eine in sich stimmige Geschichte in guter Erinnerung. Meine Lieblingsfigur bleibt die Stadt St. Petersburg, die für mich durch die liebevollen Beschreibungen zu einem lebendigen Ort geworden ist.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Buch für die Lebenden

Was bleibt, wenn wir sterben
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Die deutsch-britische Journalistin Louise Brown berichtet in Ihrem Buch Was Bleibt, wenn wir sterben auf sehr persönliche Art und Weise über Ihre Erfahrungen und Reflexionen als Trauerrednerin.
Neben ...

Die deutsch-britische Journalistin Louise Brown berichtet in Ihrem Buch Was Bleibt, wenn wir sterben auf sehr persönliche Art und Weise über Ihre Erfahrungen und Reflexionen als Trauerrednerin.
Neben der Geburt ist der Tod wohl für alle Menschen das Ereignis, worüber niemand logischerweise aus eigener Sicht berichten kann. Dass uns allen irgendwann der Tod bevorsteht, ist unstrittig. Und der eigene Tod wird für alle Hinterbliebenen, ob nun Freunde oder Familienangehörige ein einschneidendes Erlebnis werden. Wie aber soll nun der Umgang mit dem Tod bzw. Versterben gelingen, und gibt es etwas, das uns darauf vorbereiten kann? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Brown, die durch den kurz aufeinander folgenden Tod beider Elternteile mit diesem Thema konfrontiert wurde. Sie hatte damals realisiert, dass sie zwar viel über die Welt wusste, aber über ein großes Thema des Lebens, denn der Tod gehört zum Leben, nichts wusste. Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer hat sie zum Beruf der Trauerrednerin gefunden, aus dem sie für Ihr Buch schöpfen konnte.
In den kurzen Kapiteln des Buches berichtet sie nicht nur von den vielen Begegnungen, die sie mit den hinterbliebenen Trauernden führen konnte, sondern auch davon, was eine gute Trauerbewältigung ausmachen kann.
Louise Brown hat ein sehr persönliches, bewegendes Buch geschrieben. Ich denke, es kann eine gute Vorbereitung auf den Umgang mit Trauer und Tod im eigenen Leben sein. Auf die Frage, was bleibt, wenn wir sterben, kann natürlich auch die Autorin keine abschliessenden Antworten geben. Aber immerhin auf sehr kluge und warmherzige Weise zum selber Denken anregen.
Ein Buch, welches aus meiner Sicht gut als Lektüre für die kommenden Herbstmonate geeignet ist und die Leser:innen sicherlich nicht enttäuschen wird.

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