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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2020

Interessanter Blick hinter die Kulissen

Der Raum, in dem alles geschah
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Sprachlos, mit leichten Nackenschmerzen vom Kopfschütteln habe ich das Buch nach dem Lesen zur Seite gelegt. Was man bisher aus den Medien gehört und gelesen hat, ist nur ein Bruchteil von dem, was John ...

Sprachlos, mit leichten Nackenschmerzen vom Kopfschütteln habe ich das Buch nach dem Lesen zur Seite gelegt. Was man bisher aus den Medien gehört und gelesen hat, ist nur ein Bruchteil von dem, was John Bolton in diesem Buch erzählt.

John Bolton weiß, wie man das Spiel "Weißes Haus" spielt. Er kennt die ungeschriebenen Gesetze und Regeln, er kennt das politische Parkett und weiß, wie man Menschen auf seine Seite zieht. Er ist also, genauso wie Trump, ein Mann der Macht.

Das Buch ist aus seiner Sicht geschrieben, das muss man stets bedenken. Aber die Abgründe werden deswegen nicht flacher oder weniger. Die Details, die der Leser erfährt, können aufgrund der vielen Namen und ungewohnten Begrifflichkeiten vielleicht anfangs etwas verwirren, aber je länger man Bolton und Trump folgt, umso mehr und besser versteht man die amerikanische Politik und die Zusammenhänge des Weltgeschehens.

Bolton lässt tief in das Weiße Haus blicken und belegt, was viele Menschen schon ahnen oder sehen, dass der amtiertende Präsident der USA dem Land nicht gut tut.

Veröffentlicht am 26.08.2020

Abtauchen in New York

Manhattan Transfer
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Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich die Beschreibungen von New York, der Sehnsuchtsstadt vieler Menschen, sehr gut und auch sehr lebendig. Die Charaktere waren ...

Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich die Beschreibungen von New York, der Sehnsuchtsstadt vieler Menschen, sehr gut und auch sehr lebendig. Die Charaktere waren vielfältig und aus allen Schichten. Sie haben alle versucht ihren Traum vom Leben in NY zu finden und zu erhalten. Die Lebensläufe waren so unterschiedlich und interessant, dass man sich gern die Zeit genommen hat, ihnen zu folgen.

Auf der anderen Seite waren die vielen Ein- und Ausstiege. Immer wieder sprang der Autor zwischen den Charakteren hin und her. Ich empfand es als anstrengend, immer wieder aus der aktuellen Geschichte herausgerissen und in die neue andere Geschichte gestoßen zu werden. Es erschwerte das Verständnis für die gesamte Geschichte.

Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch und man sollte sich auf die Zeit einlassen, denn das Buch wurde 1925 geschrieben. Es gibt einiges, was man aus der heutigen Zeit nicht mehr kennt, was aber die Geschichte umso interessanter und spannender macht. Der Autor hat einen schönen Schreibstil, der sich gut lesen lässt und so kann man mit dem Buch durchaus auch ein paar schöne Lesestunden verbringen.

Veröffentlicht am 21.08.2020

Unterhaltsames, interessantes und anregendes Buch

Projekt Green Zero
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Das Buch von Dirk Gratzel hat mich sehr gereizt. Im positiven Sinne, denn ich wollte es unbedingt lesen und ich wurde (bis auf eine Stelle - die Kosmetik) auch nicht enttäuscht. Sein Schreibstil ist sehr ...

Das Buch von Dirk Gratzel hat mich sehr gereizt. Im positiven Sinne, denn ich wollte es unbedingt lesen und ich wurde (bis auf eine Stelle - die Kosmetik) auch nicht enttäuscht. Sein Schreibstil ist sehr gut und leicht zu lesen. Der Humor ist genau meins.

"Autos habe ich beim Kauf mit einer Akribie sondiert, getestet und beobachtet, ausgesucht, konzipiert, konfiguriert, kalkuliert und dann herbeigesehnt - hätte meine Frau sich mit der Partnerwahl so sorgfältig beschäftigt wie ich mich mit der Entscheidung für den nächsten Dienst-Pkw, ich wäre wohl heute noch unverheiratet." (S. 31)

Wer sein eigenes Handeln und Denken mit soviel Ironie und Humor reflektiert, kann kein staubtrockenes Sachbuch schreiben. Diese kleinen humorvollen Einschübe gab es immer wieder und oft war nicht nur Lachen, sondern auch Kopfnicken bei mir dabei. Viele Dinge konnte ich nachvollziehen, z.B. seine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn haben meine Lachmuskeln gut strapaziert, aber leider konnte ich sie gut nachvollziehen - warum wohl liebe DB?, einiges auch nicht, aber es war nie langweilig oder belehrend. Interessant fand ich die eingefügten Informationskästen mit wissenschaftlichen Daten, Fakten und Zahlen.

Ich habe seinen Willen zur radikalen Änderung wirklich bewundert, denn die Veränderungen waren schon enorm. Einige Anregungen kann man ohne Probleme in den eigenen Alltag mitnehmen und auch relativ leicht umsetzen. Ich glaube jedoch nicht, dass jeder seinen ökologischen Fußabdruck wiedergutmachen kann, denn, was mir auffiel waren, die vielen doch recht kostspieligen Erneuerungen, Korrekturen und Sanierungen am Haus, auch die selbstfinanzierte Studie, die er mit der TU Berlin gemacht hat (herrlich die Beschreibung der über Tage gehenden Inventur aller! Dinge im Haus), ist nicht für jede Brieftasche zu stemmen. Trotzdem ziehe ich den Hut vor dieser Familie, die den Mut hatte, diesem Schritt zu wagen und finde es gut, dass er die Erfahrungen teilt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 18.08.2020

Gebt den Insekten eine Chance!

Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam
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Wie oft bin ich an den Steingärten meiner Nachbarn vorbei gegangen und mein kleiner innerer Teufel hat mir zugerufen: "Wirf eine Saatbombe zwischen die Steine!" Ich empfinde es als sehr traurig und erschreckend ...

Wie oft bin ich an den Steingärten meiner Nachbarn vorbei gegangen und mein kleiner innerer Teufel hat mir zugerufen: "Wirf eine Saatbombe zwischen die Steine!" Ich empfinde es als sehr traurig und erschreckend zugleich, dass viele Menschen mittlerweile Steine und Platten schöner finden als Blumen und Sträucher. Einen Vorgarten oder Garten zu pflegen, wie ihn die Insekten lieben, ist nicht so zeitaufwändig wie es vielleicht befürchtet wird. Aber man stößt auf viel Gegenwind und Nachbarsdiskussionen. Leider.

Das Buch von Christiane Habermalz hat mich direkt angesprochen. Fast schon hätte ich in meine Mund-Nasen-Schutz-Maske zwei Löcher geschnitten und sie mir als Robin-Hood-Augenmaske aufgesetzt. Ich habe mich köstlich über die Autorin amüsiert und mich von ihr auch gern informieren lassen. So war ich überrascht, dass Dahlien, Petunien und Forysthie keine wirklichen Insektenfreunde sind.

"Der Deutschen liebste Blumen - Geranien, Fuchsien und Petunien - sind allesamt völlig wertlos für bestäubende Insekten. Ebenso Gartenhortensien, Stiefmütterchen, Primeln, Chrysanthemen, Flieder, Tulpen, Zuchtrosen - die Liste ließe sich endlos verlängern. [...] "Das heißt, aus der Sicht einer Biene sind das alles nur Fakeblumen?", fragte ich. "So kann man das ausdrücken. Für bestäubende Insekten ist es ein ständiger Betrug", antwortete er."

(S.24, Dialog zwischen Christiane Habermalz und Andreas Fleischmann, Wildbienenexperte und Biologe)

Mit jeder gelesenen Seite wurde mir bewusst, wie wenig ich zum Thema Bienen bzw. Insekten weiß. Dachte man doch, dass blühende Pflanzen immer ideal für Insekten sind. Die Autorin zeigt auf, welche Pflanzen gut und nahrhaft für Insekten sind und wie leicht man den Insekten kleine Inseln mit Nahrung schaffen kann (z.B. einfach mal die Küchenkräuter bis zur Blüte stehen lassen - draußen natürlich). Sie beschreibt, wie ihr kleiner Balkon zur Oase wird und wie ihr Bewusstsein für das Insektensterben durch ihre Recherche geschärft wurde. Denn wenn es keine Insekten mehr gibt, haben auch die Vögel kaum eine Chance zu überleben usw.

Was mir sehr gut gefallen hat, Christiane Habermalz belehrt nicht, diktiert nicht und schreibt nicht mit erhobenen Zeigefinger. Im Gegenteil sie beschreibt ihre Vorgehensweise mit einer guten Portion Humor, schreibt über ihr Scheitern und warum und sie schreibt über ihre Erfolge. Das Glücksgefühl, wenn man für andere Lebewesen eine Lebenschance schafft.

Nein, man rettet, weder mit dem Lesen des Buches noch mit dem Anlegen von kleinen Oasen, das Klima oder die Erde, aber man schafft Lebensräume und gibt der Natur etwas zurück, was sie verdient hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.08.2020

Dem Ende nah...

Muttertag
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Der neunte und derzeit auch letzte Fall für das Ermittlerduo Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist recht durchwachsen. Auch dieser Fall ist mit knapp 560 Seiten sehr umfangreich. Leider hat es die Autorin ...

Der neunte und derzeit auch letzte Fall für das Ermittlerduo Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist recht durchwachsen. Auch dieser Fall ist mit knapp 560 Seiten sehr umfangreich. Leider hat es die Autorin nicht geschafft, diese vielen Seiten auf einem Spannungsniveau zu halten. Während die ersten 100 Seiten noch gut zu lesen waren, wurden die folgenden Seiten immer zäher und langatmiger. Die vielen Charaktere, die miteinander verbunden waren, waren, aus meiner Sicht, zu viel und dadurch zu oberflächlich. Die Befragungen zogen sich über die Seiten, so dass man das Gefühl bekam, auf der Stelle zu treten. Dies kann durchaus der Realität entsprechen, aber für einen spannenden Krimi ist es nicht förderlich.

Die Nebengeschichte über die Vergangenheit von Kim, der Schwester von Pia Sander, war für mich tatsächlich eher überflüssig. Die Charaktere der Ermittler und des Teams konnten sich kaum weiterentwickeln und besonders Oliver von Bodenstein war diesmal recht farblos unterwegs.

Die Geschichte an sich war spannender und besser erzählt als die Vorgängerfälle, aber nach wie vor glaube ich, ist die Krimireihe um das Ermittlerduo auserzählt.