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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2021

Solider Krimi mit kleinen Längen

Ausweglos
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Die Frage, wer ist Opfer und wer der Täter wird lange nicht geklärt. Ständig schwankt man zwischen den verschiedenen Personen und am Ende ist man doch überrascht und zugegebenermaßen auch etwas enttäuscht. ...

Die Frage, wer ist Opfer und wer der Täter wird lange nicht geklärt. Ständig schwankt man zwischen den verschiedenen Personen und am Ende ist man doch überrascht und zugegebenermaßen auch etwas enttäuscht.

Die Geschichte ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Sie wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass man immer wieder einen neuen Blickwinkel erhält und dadurch auch (gewollt) aus seinem eigenen Ermittlerkonzept gebracht wird.

Die Charaktere sind so genau beschrieben wurden, dass man sich schnell ein Bild im Kopf erstellen konnte. Ihre Handlungen waren jedoch manchmal leider nicht so richtig nachvollziehbar. Auch waren mir nicht alle Charaktere sympathisch, aber sie sorgten für die Spannung und die Unberechenbarkeit in der Handlung.

Die internen Querelen bei der Polizei bzw. zwischen den einzelnen Ermittlern hätte man etwas stärker und besser ausarbeiten und dafür andere sehr detaillierte Beschreibungen etwas kürzen können. Generell empfand ich den Krimi zu lang für seine Geschichte. Zwischendurch gab es bei mir kleine Ermüdungserscheinungen, da sich der Inhalt teilweise (aufgrund des Perspektivenwechsels) wiederholte.

Insgesamt war es ein solider Krimi, der sehr spannende Momente aufgrund kleiner Wendungen, aber auch eine interessante Grundgeschichte hatte. Für ein verregnetes Wochenende auf der Couch ist es eine gute Lektüre.

Veröffentlicht am 07.10.2021

Was würde passieren, wenn wir nichts mehr kaufen?

Der Tag, an dem wir aufhören zu shoppen
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"In einer Konsumgesellschaft gibt es durchweg zwei Arten von Sklaven: die Gefangenen der Sucht und die Gefangenen des Neids" (Ivan Illich, Philosoph und Theologe)

Was würde passieren, wenn wir nichts ...

"In einer Konsumgesellschaft gibt es durchweg zwei Arten von Sklaven: die Gefangenen der Sucht und die Gefangenen des Neids" (Ivan Illich, Philosoph und Theologe)

Was würde passieren, wenn wir nichts mehr kaufen? Was passiert mit den Unternehmen, den Mitarbeiter:innen und mit einem selbst? Geht das überhaupt? Nichts mehr zu konsumieren?

Der Frage geht der Autor anhand von verschiedenen Stufen (die ersten Tage-Zusammenbruch-Anpassung-Transformation) nach. Er nutzt Beispiele und Studien und versucht dem Lesenden aufzuzeigen, was passieren könnte. Die gewählten Beispiele und Studien waren durchaus interessant, aber leider war kaum etwas Neues dabei und zudem wurden die Daten und Fakten recht trocken wiedergegeben. Auch die Auswahl der Beispiele fand ich etwas schwierig. Er zieht kein Thema von A bis Z durch. Er hüpft von der Mode zur Energie zum Klimawandel. Zwar ist alles gut erklärt, aber ich hatte erwartet, dass er anhand eines Beispiels die vier Stufen erläutert.

Seine Ausführungen könnenn den Blick für das Wesentliche wieder etwas mehr schärfen und vorallem die Notwendigkeit des schnellen Handelns aufzeigen. Es zeigt sich durch die Studien und Artikel, die man am Ende des Buch noch einmal aufgelistet bekommt, dass jeder für sich entscheiden muss, ob man wirklich bereit ist, sich zu verändern und sich anzupassen.

"Können wir das Konsumdilemma lösen? Die Antwort: Ja, wir können. Indem wir eine auf endlose Expansion ausgerichtete Wirtschaft bremsen, kehren wir lediglich zum langfristigen Trend eines graduellen Wachstums zurück, [...]: Mit Einfallsreichtum können wir uns anpassen. Die persönlichere Frage - ob wir diesen Weg einschlagen wollen - ist schwerer zu beantworten." (J.B.MacKinnon, S. 440)

Veröffentlicht am 03.10.2021

Eine nicht ganz so beglückende Lektüre

Der Panzer des Hummers
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Diese Geschichte hat mich eine Leseachterbahn fahren lassen. Vom Jubel bis zum Buch zur Seite legen, war alles dabei. Zwei Anläufe habe ich benötigt, um in die Geschichte hinein zukommen. Der Start ist ...

Diese Geschichte hat mich eine Leseachterbahn fahren lassen. Vom Jubel bis zum Buch zur Seite legen, war alles dabei. Zwei Anläufe habe ich benötigt, um in die Geschichte hinein zukommen. Der Start ist so verwirrend und zäh, dass ich hier schon das erste Mal das Buch beiseite legen musste. Beim zweiten Anlauf habe ich die ersten Seiten übersprungen und direkt mit Teil 1 begonnen. Ab Seite 23 konnte ich mich auf die Geschichte einlassen. Ich merkte jedoch schnell, dass es sich hier um eine Geschichte handelt, die Ruhe und Zeit braucht. Man kann sie nur schwer in vielen kleinen Häppchen lesen, da man sonst den Faden verliert. Die Autorin hat viele (fast schon zu viele) Charaktere eingebaut. Vorausschauend werden deshalb wohl am Anfang der Geschichte die ganzen Charaktere und ihre Beziehungen erläutert, man wird es auch benötigen.

Es war für mich keine beglückende oder zärtliche Lektüre und somit auch kein zärtliches Buch. Für mich war und ist es eine Familiengeschichte, die das Leben von den drei Geschwistern, deren unterschiedliche Lebensläufe und ihre Probleme mit dem Leben, den Lieben und untereinander erzählt. Die Einschübe der Mutter Charlotte (aus einer anderen Welt) empfand ich immer als Bruchstelle in der Geschichte. Man wurde wieder aus dem Lesefluss herauskatapultiert. Das Auf und Ab in der Geschichte und die häufigen Wechsel der Charaktere waren teilweise recht anstrengend, obwohl interessant und sehr gut geschrieben. Der Schreibstil der Autorin war sehr gut und hat mich auch hin und wieder so sehr eingefangen, dass ich abtauchen konnte. Bis zur nächsten Bruchstelle.

Insgesamt war die Geschichte aus meiner Sicht zu überladen und mit den Einschüben aus der anderen Welt hat sie mich nicht überzeugen können. Jedoch muss man den wunderbaren Schreibstil der Autorin hervorheben, denn nur wegen diesem würde ich noch einmal ein Buch von ihr in die Hand nehmen.

Veröffentlicht am 11.09.2021

Die Geschichte konnte mich leider nicht mitreißen

Sternflüstern
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Irith zweifelt, hadert und trauert. Sie hat ihren Freund Lunis verloren und muss nun mit dem Verlust zurecht kommen. Die Autorin lässt Irith immer wieder zurückblicken - in die gute Zeit. Jedoch wunderte ...

Irith zweifelt, hadert und trauert. Sie hat ihren Freund Lunis verloren und muss nun mit dem Verlust zurecht kommen. Die Autorin lässt Irith immer wieder zurückblicken - in die gute Zeit. Jedoch wunderte es mich ein wenig, was an einem Mann, der sein Ego vor den Bedürfnissen anderer Menschen stellt, gut sein soll. Irith trauert einem Mann nach, der sie stehen lässt und irgendwann wiederkommt, der ihr Scherben schickt und rätselhafte Notizen. Er lässt kaum Nähe zu und fordert recht viel für das, was er selber gibt. Im Laufe der Geschichte lernt man noch zwei weitere Frauen kennen, die mit Lunis und später auch mit Irith verbunden sind.

Neben diesem Handlungsstrang spielt das Kunsthandwerk, Bilder aus Glasscherben und anderen Überbleibseln, eine große Rolle. Sehr ausführlich und in allen Farben werden diese Szenen beschrieben. Teilweise etwas ermüdend, da sie sich auch sehr oft wiederholen.

Ich hatte ein paar Seiten gebraucht, um in die Geschichte einzutauchen. Der Text war etwas sperrig und auch die Geschichte wirkte recht unstrukturiert. Ich konnte das hohe Lob an den Verstorbenen nicht immer nachvollziehen. Sein Verhalten wäre für mich so nicht tragbar gewesen. Im letzten Drittel des Buches hätte ich mich fast verabschiedet. Wie so oft wurde im letzten Drittel das Tempo angezogen, schnell die Nebenhandlungen "abgearbeitet", damit man das Happy End ansteuern kann. Das Ende war mir einfach zu überladen, zu kitschig, zu klischeehaft.

Veröffentlicht am 31.08.2021

Zwei Tatorte in einem Krimi

Nichts als Staub
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Der Krimi von Alexander Hartung las sich wie eine Mischung aus zwei verschiedenen sonntäglichen Tatorten. Die Geschichte startete recht langsam und brauchte eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Es ...

Der Krimi von Alexander Hartung las sich wie eine Mischung aus zwei verschiedenen sonntäglichen Tatorten. Die Geschichte startete recht langsam und brauchte eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Es geschieht ein Mord, der scheinbar leicht zu zuordnen ist und dann doch nicht so richtig passt. Die Ermittler ordnen und sichten noch die Fakten. Es geht eher ruhig und gemütlich zu - fast wie bei den Ermittlern von Ballauf und Schenk.

Eine junge Streifenpolizistin jedoch fragt nach und gerät dadurch selber in die Schusslinie und wird schwer verletzt. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Täter und sticht dabei in ein Wespennest.

Im letzten Drittel nimmt der Krimi ordentlich an Fahrt auf und erinnerte mich ein bisschen an einen Tschiller Tatort. Es wird gerannt, gejagt und geschossen. Die großen Geschosse werden aus- und der Bezug zur Realität eingepackt. Es kracht und knallt und zack ist der Fall gelöst.

Der Alina-Grimm-Thriller ist kein Thriller, eher ein Krimi. Der Autor hat einen schön zu lesenden Schreibstil und die vielen kleinen Kapitel machen es leicht durch das Buch zu gleiten. Allerdings hatte die Geschichte keine durchgehende Spannung, sondern war zwischendurch etwas langatmig. Unterhalten hat mich der Krimi trotzdem und ich würde auch noch einen zweiten Fall von Alina Grimm lesen, um zu sehen, ob sie sich weiterentwickelt.