Profilbild von Roene96

Roene96

Lesejury-Mitglied
offline

Roene96 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Roene96 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.07.2018

Ein toller Young-Adult-Roman mit starken Charakteren!

Tell me three things
0

Für mich ist der Schreibstil von Autorin Julie Buxbaum ein großes Plus und der Grund, weshalb mir Tell Me Three Things so gut gefallen hat. Vieles muss - oder eher darf - gewiss der Übersetzerin Anja Malich ...

Für mich ist der Schreibstil von Autorin Julie Buxbaum ein großes Plus und der Grund, weshalb mir Tell Me Three Things so gut gefallen hat. Vieles muss - oder eher darf - gewiss der Übersetzerin Anja Malich angerechnet werden. Denn immer, wenn ein Buch in eine andere Sprache übertragen wird, geht irgendwo zwischen den Zeilen die originelle Stimme des Autors verloren. Es gibt Werke, denen bricht es das Genick. Für Tell Me Three Things war Frau Malich Gold wert! Sie hat es für mich geschafft, dem Roman einen John-Green-Vibe zu verpassen. Da ich den Autor vergöttere, flogen die Seiten beim Lesen nur so dahin. Damit möchte ich keinesfalls die Arbeit von Julie Buxbaum entwerten. Nur finde ich, gehört es zu einer Schreibstil-Analyse dazu, die Arbeit der Übersetzer*innen genauso zu beurteilen.

Tell Me Three Things ist kein neues Buch. Auch, wenn es der ONE Verlag in der vorliegenden Form Ende Juni veröffentlichte, feierte Julie Buxbaums Erstlingswerk bereits Ende 2016 seine Markteinführung. Damals unter dem einfallslosen Titel Absender Glück, welcher überhaupt nicht zur Geschichte passt, finde ich. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, sucht euch im Internet das alte Cover und vergleicht es mit TMTT. Da liegen ungelogen Welten dazwischen!

Kommen wir nun zur Handlung, dem wichtigsten Punkt einer Rezension. Es ist eine Geschichte über ein junges Mädchen, das in einer neuen Umgebung versucht, seinen Weg zu finden. Nicht mehr und nicht weniger passiert in diesem Buch eigentlich. Was es dann aber zu etwas Außergewöhnlichem macht, sind die kleinen und großen Steine, die Protagonistin Jessie auf ihrer Reise zu beseitigen hat. Besonders berührt hat mich Jessies Vergangenheit. Den Tod ihrer Mutter vor knapp zwei Jahren hat sie immer noch nicht richtig überwunden und muss ab sofort mit der Anwesenheit einer Stieffamilie klarkommen.

Das belastet nicht nur die Beziehung zu ihrem Vater. Gleichzeitig fällt es ihr schwer, sich Stiefmutter Rachel und Stiefbruder Theo zu öffnen.Vor allem mit letzterem gerät Jessie am Anfang des Öfteren aneinander. Doch die Wogen glätten sich und die beiden kommen ziemlich schnell miteinander aus. Was nicht zuletzt auch an den Eheproblemen von Rachel und Jessies Vater liegt! Das ist auch so ein Punkt, der mich überrascht hat. In wenigen Young-Adult-Romanen (mir fällt gerade ehrlich gesagt keiner ein) liegt der Fokus auf einmal so stark auf den Erwachsenen.

Eine willkommene Abwechslung. Die jugendlichen Figuren leben nicht mehr nur in ihrer eigenen Welt. Sie bekommen mit, was um sie herum außerdem geschieht. Das sorgt zusätzlich für Konfliktpotential und Spannung, hält die Handlung am Leben und den eventuellen Ausgang der Geschichte offen!

Es gibt, um ehrlich zu sein, wenig, was ich an Tell Me Three Things zu kritisieren habe. Als unnötig in die Länge gezogen empfand ich den Zusatz eines dritten love interests für Jessie. Neben Ethan und Liam kommt im Verlauf der Story noch Caleb dazu, ein Freund von Liam. Das hinterließ bei mir den Eindruck, als wollte Julie Buxbaum mit diesem Twist für ein bisschen mehr Spannung im Rätselraten um SNs Identität sorgen. Meiner Auffassung nach vergeblich.

Ich hätte mir vielleicht gewünscht, dass die Chats, wenigstens die zwischen Jessie und SN, in eigenen Kapiteln gestanden hätten, ähnlich, wie in Becky Albertallis Simon vs. the Homo Sapiens Agenda.

Zur Identität von SN möchte in dieser Rezension kein Wort verlieren, das sollte jeder Leser für sich alleine in Erfahrung bringen. Nur so viel: Die Autorin macht wirklich kein Staatsgeheimnis daraus. Nicht nur ich, sondern auch andere Rezensenten haben die Figur hinter Somebody Nobody bereits zu Beginn des Buches schnell erraten können. Diesen doch sehr wichtigen Handlungspunkt hätte Julie Buxbaum deutlich mehr ausreizen und ein größeres Rätsel daraus machen sollen.

Tell Me Three Things - Wenn das Glück in deinem Postfach liegt … ist vom Schreibstil her ein leichtes Buch, bietet dem Leser nichtsdestotrotz an einigen Stellen tiefgründigere Unterhaltung, als man es von einem Young-Adult-Roman möglicherweise erwarten würde. Vor allem Fans von John Green könnten sich bestimmt in dieser Geschichte verlieren und würden sich bestens aufgehoben fühlen.

  • Cover
  • Gefühl
  • Geschichte
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 01.11.2017

Ein ernstes Thema, das eher mittelmäßig umgesetzt wurde…

Im Traum kannst du nicht lügen
0

"Im Traum kannst du nicht lügen" ist der gefeierte Roman der schwedischen Autorin Marlin Persson Giolito aus dem Jahr 2016 und handelt von der 18-jährigen Schülerin Maja, die vor Gericht steht, weil sie ...

"Im Traum kannst du nicht lügen" ist der gefeierte Roman der schwedischen Autorin Marlin Persson Giolito aus dem Jahr 2016 und handelt von der 18-jährigen Schülerin Maja, die vor Gericht steht, weil sie zwei der wichtigsten Menschen in ihrem Leben während eines Schulamoklaufs erschossen haben soll. Dabei bleibt von Anfang an die tatsächliche Schuldfrage um Maja offen. Hat sie geschossen oder nicht? Und wenn ja, warum?

Der Roman ist ein klassisches Young-Adult-Buch, allerdings mit ernstem Hintergrund. War es bei "Tote Mädchen lügen nicht" - auch bekannt als "13 Reasons Why" - der Selbstmord einer Mitschülerin, steht hier das brisante Thema eines Amoklaufs im Klassenzimmer im Vordergrund. Die Autorin springt im Verlauf der Handlung immer wieder zwischen den Zeiten hin und her. So erfährt der Leser, wie es in einem scheinbar gut situierten Milieu überhaupt zu solch einer Schreckenstat kommen konnte. In der Gegenwart nehmen wir höchstpersönlich an der Gerichtsverhandlung um Maja teil und erhalten Einblick in die Seele eines verstörten jungen Mädchens - oder zumindest in den Teil ihrer Seele, in den Maja dem Leser Einblick gewährt … Gerade den Aspekt der Gerichtsverhandlung finde ich eigentlich am Spannendsten. Er bringt zwei Genres in Verbindung, die man sonst nicht so miteinander verwoben sieht und das sind das klassische Gerichtsdrama und die komplizierte Welt der Teenager. Umso mehr hätte ich mir gewünscht, dass sich die Autorin auf diesen speziellen, herausstehenden Teil der Handlung konzentriert und uns im Rahmen der Verhandlungen über die Hintergründe zur Tat aufklärt und nicht via Rückblenden, wie es offenkundig geschehen ist. Klar, durch diese Rückblenden werden dem Leser wichtige Teile der Handlung mitgeteilt, aber dadurch geht für mich persönlich der Spannungsbogen gelinde gesagt flöten. Verschwunden die Atmosphäre des Gerichts, willkommen in einer Welt, die man so oder so ähnlich aus dutzenden Teendramen - von Eiskalte Engel bis hin zu Gossip Girl - bereits kennt und die deshalb nicht wirklich Neues liefern. Und da beginnt für mich auch schon das zweite, noch größere Problem: Mir sind die Charaktere völlig unsympathisch. Vielleicht muss das so sein in einem Thriller, damit man auch ja keine positiven Gefühle gegenüber den Schuldigen empfindet. Aber gerade mich als Leser trifft es doch umso härter ins Mark, wenn jemand, den ich über hunderte von Seiten lieben gelernt habe, sich plötzlich als eiskalte Mörderin entpuppt. Und sonderlich abseits von Klischees hat sich die Autorin auch nicht bewegt. Alles an Figuren schon mehrmals - und teilweise viel besser - gelesen und gesehen.

So ist und bleibt die einzig spannende Frage, die das Buch wohl zum "Thriller" macht, ob und in welchem Umfang Maja schuldig ist. Doch das reicht für mich nicht. Die großen twists haben mir gefehlt, die großen O-M-G-Momente. Komplett vorhersehbar ist die Handlung zwar nicht - das Ende hat mich doch ein wenig überrascht, ob positiv oder negativ, das kann ich noch nicht genau sagen. Aber wer so ein gesellschaftlich brisantes Tabuthema aufgreift, der muss aus allen Zylindern feuern um ein wahrhaftig unvergessliches und gleichzeitig bedeutsames Werk zu schaffen. Leider ist das der Autorin für meinen Geschmack nicht sehr gelungen …

  • Cover
  • Spannung
  • Figuren
  • Erzählstil
  • Atmosphäre