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Sarah203

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Veröffentlicht am 18.10.2019

Ein wundervolles Märchen für Erwachsene

Wie ich einer Schlange die Ohren abschwatzte
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Kurzfassung

Als der kleine Karl als Waisenjunge von Mönchen im Heim der Barmherzigen Brüder aufgezogen wird, ahnt er noch nicht, welch seltsame Wendung sein Leben nehmen wird als plötzlich sein Vater ...

Kurzfassung

Als der kleine Karl als Waisenjunge von Mönchen im Heim der Barmherzigen Brüder aufgezogen wird, ahnt er noch nicht, welch seltsame Wendung sein Leben nehmen wird als plötzlich sein Vater auftaucht und ihn zu sich nimmt. Karls Leben ist fortan geprägt von mystischen Wäldern, fressenden Pflanzen, sprechenden Tieren, ränkeschmiedenden Fürsten, machthungrigen Bürgermeistern, märchenhaften Figuren und der Jagd nach seinem immer wiederkehrenden Traum: die seit 100 Jahren schlafende Prinzessin wachzuküssen. Doch was als Lebenstraum begann, entwickelt sich bald zu einem Kampf auf Leben und Tod, den Karl nur mit Hilfe seiner Freunde gewinnen kann.


Handlung

Karls Leben verläuft auf verschlungenen Wegen, denn auf seinen Reisen durch das Königreich erlebt er viele Abenteuer und kämpft meist unfreiwillig gegen jede Menge Gefahren. Er lebt in mystischen Wäldern, wird von einem stinkenden Mönch verfolgt, begegnet sprechenden Tieren, findet Freunde und verliert diese wieder, wird von einem freßsüchtigen Bürgermeister gefangen gehalten, entdeckt verborgene Inseln, kämpft in nahezu ausweglosen Schlachten und verwirklicht den Traum, den er schon seit seiner Kindheit hat: er küsst Dornröschen wach.


Charaktere

Auf seinen Reisen und Abenteuern begegnet Karl vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, Menschen wie Tieren. Manche werden zu Freunden, manche zu Feinden, und oftmals ist nicht von Anfang an ersichtlich, welche Rolle sie für sein Schicksal noch spielen werden. So verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse immer wieder, und bis zum letzten Kapitel bleibt bei einigen unklar, für welche Seite sie gekämpft und agiert haben.


Schreibstil

Dieses Märchen für Erwachsene ist wunderbar zu lesen. Die Erzählweise ist flüssig, mitreißend und voller Humor. Frerich Pohl schafft es von der ersten Seite an, ein märchenhaftes Umfeld zu erschaffen, das ohne die typischen Ķlischees auskommt. Lediglich zwei kleine Schwächen hat das Buch. Erstens ist die Schriftart der Kapitelüberschriften kaum zu entziffern, und zweitens sollte bei einer Neuauflage das Lektorat nochmals einige Zeit mit Redigieren verbringen, denn es sind doch einige Fehler in Grammatik und Zeichensetzung zu beanstanden. Beides tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch.


Fazit

Wer als Kind Märchen geliebt hat und als Erwachsener seine Fantasie gern auf Reisen schickt, dem sei Frerich Pohls "Wie ich einer Schlange die Ohren abschwatzte" wärmstens ans Herz gelegt. In einem lockeren und mitreißenden Erzählstil nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise ins Märchenland, in dem, weit abseits von klischeehafter Perfektion, das Leben geprägt ist von nur allzu weltlichen Problemen: Armut, Hunger, Machtstreben, Verlust, Kampf und Intrigen. Dem allen stellt sich der Hauptprotagonist Karl mit Humor, Beharrlichkeit, Konsequenz und dem Glauben an Familie, Freundschaft und Liebe. Auch wenn er mehr als ein Mal erkennen muss, dass die Dinge bei weitem nicht immer so sind wie sie scheinen, so verliert er doch nie die Hoffnung und den Mut.


Frerich Pohl schafft es auf ganz zauberhafte Weise, die Abgründe der menschlichen Natur und die Dramatik von zwischenmenschlichen Beziehungen in einem märchenhaften Rahmen zu schildern, ohne dabei in gängige Märchenklischees zu verfallen oder den moralischen Zeigefinger zu erheben. Mit Sprachwitz und Feingefühl gelingt es ihm, die Charaktere vielschichtig zu gestalten und im Kopf des Lesers bildgewaltige Landschaften entstehen zu lassen. Dass zum Schluss nicht alle Fragen geklärt werden, birgt die Chance auf eine Fortsetzung, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen werde!

Veröffentlicht am 21.02.2021

Eine spannende und überraschende Erfahrung, sich mit einem Mörder zu identifizieren

Des Todes liebste Beute
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Kurzfassung

Kristen Mayhew, erfolgreiche Staatsanwältin in Chicago, ist jung, hübsch und einsam, denn durch einen Missbrauch in ihrer Vergangenheit lässt sie nur wenige Menschen an sich heran. Die "Eiskönigin", ...

Kurzfassung

Kristen Mayhew, erfolgreiche Staatsanwältin in Chicago, ist jung, hübsch und einsam, denn durch einen Missbrauch in ihrer Vergangenheit lässt sie nur wenige Menschen an sich heran. Die "Eiskönigin", so ihr Spitzname, arbeitet unermüdlich und hartnäckig daran, vor allem Sexualstraftäter hinter Gitter zu bringen. Doch egal wie sehr sie kämpft, es gelingt ihr nicht immer, eine Verurteilung zu erwirken. Diese Ungerechtigkeit und eine persönliche Betroffenheit sind der Auslöser für einen Mann, zur Selbstjustiz zu schreiten. Niemand ist vor ihm sicher: ob nun zu Unrecht freigesprochene Vergewaltiger und Mörder oder gerissene Verteidiger und Richter, viele Namen stehen auf seiner Liste. Er nennt sich selbst, Kristens "ergebener Diener" und schickt ihr Briefe mit Fotos der Opfer und Hinweisen zu ihren Gräbern. Abe Reagan und Mia Mitchell von der Chicagoer Polizei werden mit diesem Fall betraut und machen sich gemeinsam mit Kristen Mayhew daran, den Rächer aufzuspüren. Dieser verfügt über sehr viel Insiderwissen, und bald wird klar, dass er Kristen nicht nur aus der Ferne bewundert, sondern zu ihrem Umfeld gehört. Doch wer ist es? Als die Presse die Story zunehmend ausschlachtet und eine Verbindung zwischen Kristen und dem Rächer andeutet, gerät Kristen selbst in Gefahr, denn ihr ergebener Diener hat neben zahlreichen weiteren Opfern auch den Sohn eines Mafiabosses getötet, und dieser schwört Rache.

Handlung

Selbstjustiz ist das zentrale Thema dieses Buches. Ein Mann tötet freigelassene Vergewaltiger und Mörder und lässt den ursprünglichen Opfern auf diese Weise etwas Gerechtigkeit zukommen. Er lässt die Täter so leiden, wie sie einst ihre Opfer leiden ließen, foltert sie und tötet sie zum Schluss. Keiner ist so Recht traurig über deren Tod, dennoch muss der "ergebene Diener" auf seinem Rachefeldzug aufgehalten werden. Es gibt Unmengen an Verdächtigen: ist er ein früheres Opfer? Oder ein Angehöriger? Ist er vielleicht sogar ein Cop oder Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft wie sein Insiderwissen vermuten lässt?

Charaktere

Karen Rose schafft es in meinen Augen sehr leicht, den Charakteren Leben einzuhauchen. Sie sind Menschen mit Ecken und Kanten, deren Eigenheiten einem als Leser manchmal den letzten Nerv rauben und deren Handlungen und Gedankengänge nicht immer vollkommen nachvollziehbar sind. Doch das macht sie für mich gerade um so menschlicher. Neu war für mich, dass ich mich mit dem Mörder, also dem Rächer, sehr gut identifizieren konnte. Er ist nicht böse, er ist getrieben durch Wut, Verzweiflung und dem Wunsch nach Gerechtigkeit, was wohl jeder von uns nachvollziehen kann. Je näher die Ermittler ihm kamen, um so mehr hoffte ich, dass er entkommen würde. Und somit war das Ende für mich geprägt von Tragik und grenzenlosem Mitgefühl.
Während ich in den beiden Vorgängerromanen der Chicago-Reihe von Karen Rose ("Eiskalt ist die Zärtlichkeit" und "Das Lächeln deines Mörders") mühelos eine Verbindung zu den jeweiligen Hauptfiguren aufbauen konnte, ist mir dies in "Des Todes liebste Beute" bei der Hauptprotagonistin Kristen leider nicht gelungen. Sie blieb für mich unnahbar und schwer greifbar, was dem Mitfiebern im Laufe des Lesens etwas im Weg stand.
Dennoch finde ich es besonders gelungen, dass einige der Nebenakteure dieses Buches in den Folgeromanen zu Hauptfiguren werden, so dass sie dem Leser immer mehr ans Herz wachsen können. Um die Entwicklung dieser Charaktere am besten nachzuvollziehen, empfiehlt es sich, die Bücher in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, jedoch ist dies kein Muss.

Schreibstil

Der Schreibstil von Karen Rose ist leicht zu lesen und hat keinerlei literarischen Tiefgang, doch das erwarte ich von einem (Lady)Thriller auch gar nicht. Ich möchte unterhalten werden, möchte das Prickeln der Spannung erleben und dies gelingt der Autorin mühelos.

Fazit

Auch in ihrem dritten Roman aus der Chicago-Reihe, "Des Todes liebste Beute", bleibt Karen Rose ihrem gewohnten Schema treu: zwei attraktive, intelligente und liebenswerte Menschen, jeweils beeinträchtigt durch einen schweren Schicksalsschlag, treffen zufällig aufeinander und fühlen sich magisch voneinander angezogen, während eine Verbrechensserie ihren Lauf nimmt und auch vor mindestens einer der Hauptfiguren keinen Halt macht. Errettet aus größter Gefahr, bekennen sich die beiden Personen zu ihren Gefühlen und schwören, sich nie wieder loszulassen. Wer diese Vorhersehbarkeit und die stets zugrundeliegenden Liebesgeschichten innerhalb eines Thrillers mag, der ist mit einem Ladythriller von Karen Rose gut bedient. Mir hat das Buch "Des Todes liebste Beute" von daher sehr gefallen, weil das eigentliche Verbrechen und die Ermittlungen deutlich mehr im Fokus stehen als in den beiden Vorgängerromanen. Auch empfand ich das Thema Selbstjustiz und die Identifikation mit dem Täter als eine spannende Erfahrung.

Insgesamt gesehen, vergebe ich vier von fünf möglichen Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2021

Sex and Crime

Das Lächeln deines Mörders
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Kurzfassung

In Pineville, North Carolina, geht die Angst um. Mitten in der Nacht verschwinden Mädchen aus ihren Betten, ohne dass Spuren eines gewaltsamen Eindringens in die Häuser der Familien festgestellt ...

Kurzfassung

In Pineville, North Carolina, geht die Angst um. Mitten in der Nacht verschwinden Mädchen aus ihren Betten, ohne dass Spuren eines gewaltsamen Eindringens in die Häuser der Familien festgestellt werden. Sie alle haben Einiges gemeinsam: sie sind 16 Jahre alt, Cheerleaderinnen, bildschön, mit langen dunklen Haaren. Eine nach der Anderen wird dank anonymer Hinweise gefunden, bestialisch zugerichtet und ermordet, die Köpfe geschoren und tätowiert. Der Polizei, allen voran Special Agent Steven Thatcher, läuft die Zeit davon, denn ein Mädchen nach dem anderen verschwindet, und der Mörder wird immer brutaler, ohne Spuren am Tatort zu hinterlassen.
Zeitgleich hat Thatcher als alleinerziehender Vater familiäre Probleme. Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, seit sein jüngster Sohn Nicky von einem Cop entführt wurde, seitdem ist dieser ängstlich, zurückhaltend und distanziert. Und auch sein ältester Sohn Brad ist seit einem Monat völlig verändert, der sonst so strebsame und offene junge Mann ist plötzlich streitlustig, voller Wut und Zorn. Seine schulischen Leistungen fallen rapide ab, und er steht im Begriff, seine Chance auf ein Collegestupendium zu verspielen. Brads Veränderung fällt auch seiner Lehrerin, Dr. Jenna Marshall, auf, und sie setzt sich mit Steven Thatcher in Verbindung. Das erste Aufeinandertreffen der beiden stellt ihr jeweiliges Leben total auf den Kopf, denn beide sind nach dem Verlust ihres geliebten Partners von den aufkeimenden Gefühlen füreinander völlig überrumpelt und haben Angst, erneut verletzt zu werden. Die Faszination und die gegenseitige Anziehung lassen beide nicht mehr los. Doch dann passieren mehrere Anschläge auf Jennas Leben, und Steven erkennt viel zu spät: der Mörder hat es nun auch auf Jenna abgesehen.

Handlung

Die Handlung in "Das Lächeln deines Mörders" verläuft wie schon im ersten Roman von Karen Rose nach dem bekannten Schema: unglaublich attraktive Frau verliebt sich nach einem schweren Schicksalsschlag in einen ebenfalls unglaublich attraktiven Mann, der ein mindestens ebenso großes Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen hat. Und während man als Leser den beiden dabei zusieht wie sich die "sie-kriegen-sich-sie-kriegen-sich-nicht"-Geschichte entwickelt, werden nebenbei noch die Taten eines Mörders abgehandelt, die zunehmend auch auf die Beziehung der Hauptprotagonisten Einfluss nehmen.

Charaktere

Karen Rose schafft es in meinen Augen sehr leicht, den Charakteren Leben einzuhauchen. Sie sind Menschen mit Ecken und Kanten, deren Eigenheiten einem als Leser manchmal den letzten Nerv rauben und deren Handlungen und Gedankengänge nicht immer vollkommen nachvollziehbar sind. Doch das macht sie für mich gerade umso menschlicher. Besonders gelungen finde ich, dass einige Nebenakteure des Vorgänger-Buches "Eiskalt ist die Zärtlichkeit" in diesem Folgeromanen zu Hauptfiguren werden, so dass sie dem Leser immer mehr ans Herz wachsen können. Um die Entwicklung dieser Charaktere am besten nachzuvollziehen, empfiehlt es sich, die Bücher in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, es ist jedoch kein Muss.

Schreibstil

Der Schreibstil von Karen Rose ist leicht zu lesen und hat keinerlei literarischen Tiefgang, doch das erwarte ich von einem (Lady)Thriller auch gar nicht. Ich möchte unterhalten werden, möchte das Prickeln der Spannung erleben und dies gelingt der Autorin mühelos. Einzig die Beschreibungen der erotischen Szenen sind für meinen Geschmack etwas zu konstruiert, zu aufgesetzt, und nehmen gemeinsam mit der Liebesgeschichte für einen Thriller zu viel Platz ein.

Fazit

Man muss die Verquickung von Mörderjagd und Liebesgeschichte schon mögen, um mit Karen Rose und ihrer Art zu schreiben, warm zu werden. Mir persönlich gefällt die Menschlichkeit der Charaktere mit all ihren Fehlern, Unzulänglichkeiten und Schwächen sehr gut. Jedoch hoffe ich, dass in den folgenden Büchern die Gewichtung wieder etwas mehr in Richtung Thriller denn in Richtung Liebesgeschichte wandern wird.

Insgesamt gesehen, vergebe ich vier von fünf möglichen Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2019

Ein fesselnder Roman über das Leben am Württembergischen Hof im 17. Jahrhundert

Die Farbe des Goldes
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Kurzfassung

Württemberg Anfang des 17. Jahrhunderts. Elisabeth, ein Bauernmädchen, fühlt sich gefangen in ihrem eintönigen Leben. Ein prügelnder Vater, eine lieblose Mutter und zwei Geschwister, die ...

Kurzfassung

Württemberg Anfang des 17. Jahrhunderts. Elisabeth, ein Bauernmädchen, fühlt sich gefangen in ihrem eintönigen Leben. Ein prügelnder Vater, eine lieblose Mutter und zwei Geschwister, die der 17 Jährigen das Leben zur Hölle machen. Getrieben von dem Wunsch, ihrer lieblosen Herkunft und der bitteren Armut zu entgehen, lässt sie sich auf die Liaison mit einem Mann aus gutem Hause ein, nicht wissend, dass es sich hierbei um den Sohn des Herzogs von Stuttgart handelt. Als Elisabeth schwanger wird, verspricht Georg ihr, sie mit sich zu nehmen und zu heiraten. Doch statt in ihrem neuen Leben, findet sie sich gefangen in einem Bordell wieder, wo sie ihr Kind auf die Welt bringt, eine Totgeburt wie man versucht, ihr weißzumachen. Elisabeth gibt den Kampf um ihr Kind nicht auf und begegnet auf ihrer Flucht aus dem Hurenhaus dem Alchemisten Johannes Keilholz. Gemeinsam führt ihr Weg sie nach Stuttgart an den Hof des Herzogs, wo ihr Leben erneut dramatische Wendungen nimmt.


Handlung

Das Leben der einfachen Landbevölkerung ist geprägt durch Entbehrungen, Hunger und Armut. Ihr täglicher Überlebenskampf lässt nur wenig Platz für Träume und Hoffnung, diesem Elend eines Tages entfliehen zu können. Der eigene Horizont erstreckt sich nur bis ins Nachbardorf, von dem Leben der Städter oder gar dem Leben am Hofe haben die meisten noch nie etwas gehört.

Währenddessen ist das höfische Leben geprägt durch rauschende Feste. Man lebt im Überfluss, Hunger kennt man nicht. Doch die Finanzierung des eigenen Lebensstandards ist teuer und so werden Ehen innerhalb der elitären Gesellschaft geschlossen, die das Auskommen sichern sollen. Auch der Herzog von Stuttgart ist auf die Mitgift seiner neuen Schwiegertochter angewiesen, denn sein Interesse gilt der Alchemie, einem teuren Unterfangen.

Die Alchemisten dieser Zeit jagen dem Stein der Weisen hinterher und geben ihr Bestes, endlich die Formel zu entdecken, mit der aus Eisenerz Silber und Gold hergestellt werden kann. Ruhm und Ehre wird den Wissenschaftlern zuteil, werden sie an den Hof berufen, winkt ihnen auch ein ordentliches Einkommen. Die Alchemisten stehen unter hohem Erfolgsdruck, nicht wenige von ihnen werden bei Misserfolg gehängt, und auch Scharlatane mischen sich immer mehr unter die Wissenschaftler.


Charaktere

Die Hauptpersonen in diesem historischen Roman sind Elisabeth, ein Bauernmädchen, Georg und Frédéric aus dem Adel und Johannes Keilholz, ein Arzt und Alchemist. Die Schicksale dieser Charaktere sind unwiderruflich miteinander verbunden, auch wenn dies am Anfang der Geschichte und aufgrund ihrer verschiedenen Gesellschaftsschichten völlig abwegig erscheint. Es fällt leicht, sich in die Personen hineinzufühlen, was auch durch den Wechsel der Erzählperspektive gefördert wird. Besonders reizvoll ist das Wachsen der Charaktere im Laufe des Buchs, so wird aus der naiven und leichtgläubigen Elisabeth im Verlauf trotz all ihrer schlimmen Erfahrungen oder vielleicht gerade dadurch eine selbstbewusste junge Frau.


Schreibstil

Deana Zinßmeister erzählt die Geschichte, die teilweise auf wahren Begebenheiten und realen Personen existiert, in mitreißenden Worten. Ihre Sprache ist modern und doch dem damaligen Wortschatz angepasst, die Beschreibungen bildhaft und die Handlung glaubhaft. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven fällt es leicht, den Intentionen und Emotionen der Handelnden zu folgen, und nicht selten bleiben Situationen zunächst ungeklärt, um dann erst Kapitel später wieder aufgenommen zu werden, was dazu führt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Auch bleiben manche Ereignisse bis zum Schluss rätselhaft und werden erst in den letzten Kapiteln aufgeklärt.


Fazit

"Die Farbe des Goldes" ist ein lesenswerter historischer Roman, der es einem leicht macht, in die Wirklichkeit des 17. Jahrhunderts rund um Stuttgart, Tübingen und Umgebung einzutauchen. Wenn gleich mir etwas das Lokalkolorit fehlte und ich manches Mal Elisabeths Hadern zu langatmig fand, sind mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen. Das Elend und die soziale Kälte auf dem Land waren für mich schwer zu ertragen. Auch das damalige Frauenbild, die Normalität von Missbrauch, Vergewaltigung und Brutalität sind aus heutiger Sicht erschreckend. Doch wird durch den Roman auch deutlich, dass das Leben am Hofe für den Adel ein ständiges Aushandeln und Taktieren war, und vieles halt doch nur "Die Farbe des Goldes" trug ohne wirklich reich zu machen. Für mich eine klare Kaufempfehlung!

Veröffentlicht am 30.03.2021

Ein tapferes und intelligentes Volk zwischen Tradition und Moderne

Das Volk der Raben
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Titel: Das Volk der Raben - Der Aufstieg
Autor: Klaus D. Kuhlmann

Klappentext:
Dies ist die Geschichte eines Volkes auf seinem Weg durch die Zeiten. Von den Ursprüngen vor fast 3000 Jahren bis heute. ...

Titel: Das Volk der Raben - Der Aufstieg
Autor: Klaus D. Kuhlmann

Klappentext:
Dies ist die Geschichte eines Volkes auf seinem Weg durch die Zeiten. Von den Ursprüngen vor fast 3000 Jahren bis heute. Sie kamen vom Unterlauf der Donau, bauten Städte und Häfen rund ums Mittelmeer und wurden allseits geachtete Handelspartner, aber auch gefürchtete Gegner und zuverlässige Freunde. Aber vor allem waren sie Raben, ein Volk mit eigener Religion und strengen Regeln. Ihre Überlieferungen weichen sehr stark von der heute allgemein als richtig anerkannten Geschichtsschreibung ab, weshalb sie weitestgehend unbekannt geblieben sind. Große und mächtige Reiche entstanden und zerfielen, Religionen entstanden und veränderten sich. Die Raben aber blieben ein gesundes Volk im Verborgenen.

Rezension:

Kurzfassung

Vor 3000 Jahren treffen zwei Männer namens Rabo und Welgo mitten in der Wüste auf einen alten, hilflosen und verängstigten Mann namens Elias. Sie bieten ihm ihre Hilfe an und erhalten von ihm dafür eine Prophezeiung: sie und ihre Nachkommen haben eine große Zukunft vor sich, wenn sie stets zusammenhalten und sich auf die eigene Kraft und Bedeutung besinnen. Nach Jahren des Reisens und des Handelns in aller Herren Länder, kehren die beiden Blutsbrüder sodann in ihre Heimat zurück und begründen aufgrund ihrer mitgebrachten Erfahrungen und der Prophezeiung des Elias eine neue Gesellschaftsordnung mit strengen Regeln und einem eigenen Glauben: das Volk der Raben.

Handlung

Im Buch "Das Volk der Raben - Der Aufstieg" beschreibt Klaus D. Kuhlmann die Reise des Rabenvolkes von seiner Gründung und Entstehung in der Frühzeit bis zu der Zeit der Kreuzigung Jesus. Er erzählt die Chronik eines Volkes, das nach festen Regeln und Traditionen lebt, großes handwerkliches Geschick beweist, Handel mit zahlreichen Völkern treibt und fortschrittliche zivilisatorische Ideen verfolgt, um den eigenen Bestand zu sichern. Ob nun durch Krankheiten, Glaubenskriege, Umweltkatastrophen, immer wieder ist das Volk der Raben gezwungen, sich neu zu erfinden, sich zu entwickeln, ja sogar neue Heimaten zu erobern, ohne dabei die eigenen Wurzeln zu vergessen. Im Laufe der Jahrhunderte zeigen sich zwei grundlegende Problemfelder, die die Entwicklung des Rabenvolkes wiederkehrend beeinflussen: zum einen die Gefahr von außen, durch sich verändernde globale Machtverhältnisse (unverschuldet) zwischen die Fronten zu geraten und dabei eventuell zugrunde zu gehen, und zum anderen die Gefahr von innen, durch den permanenten Zwiespalt zwischen dem Festhalten an Traditionen und der (notwendigen?) Anpassung an die Moderne, Teile der Gesellschaft bis hin zur eigenen (Volks)Identität zu verlieren.

Charaktere

Im Laufe der Chronik des Rabenvolkes begegnen dem Leser eine Vielzahl von Charakteren, deren Bedeutung für den Fortgang der Geschichte nicht immer sofort erkennbar ist. Es bleiben jeweils nur wenige Seiten, um die punktuell herausgegriffenen Ereignisse aus über 3000 Jahren zu schildern, was naturgemäß dazu führt, dass die Entwicklung der Charaktere kaum stattfinden kann. Kaum hat man sich in einem Zeitalter mit den geschichtlichen und religiösen Umständen vertraut gemacht und die bestimmenden Charaktere dieser Epoche kennengelernt, schon folgt ein Zeitsprung und die Protagonisten des letzten Kapitels sind nicht mehr als eine Randnotiz oder ein Verweis in den Annalen der Vergangenheit. Dieser Umstand macht es unheimlich schwer, sich in die Handlung der Geschichte einzufühlen oder sich gar mit dem Erleben der Handelnden zu identifizieren. Die Protagonisten sind, geschuldet dem schieren Umfang der zu erzählenden Jahre, nur sehr oberflächlich gestaltet, es bleibt einfach nicht genug Raum, ihnen Eigenheiten wie Ecken und Kanten zu verleihen. Genau das ist für mich einer der Schwachstellen dieses Buches: die Charaktere sind austauschbar und nehmen mich selten mit. Selbst für die Geschichte des Volkes der Raben so prägende Charaktere wie die Begründer des Volkes Rabo und Welgo oder auch der Prophet Elias haben für mich keinen Wiedererkennungswert. Ihr Erleben, ihre Wünsche, ihre Ängste, ihre Träume, ihre Gefühle, all das bleibt verborgen, und die jeweiligen Protagonisten damit eindimensional.

Schreibstil

Die Erzählweise in "Das Volk der Raben" ist sehr wechselhaft. Manche Kapitel haben mich durch eine lebhafte Gestaltung begeistert mitgerissen, andere hingegen wirkten auf mich sehr ermüdend. Vor allem wenn seitenweise globale Entwicklungen durch das Benutzen von indirekter Rede geschildert wurden, um die Erzählung auf dem Zeitstrahl der Geschichte voranzutreiben, fühlte ich mich als Leserin wenig abgeholt oder mitgenommen. So mancher Dialog wirkte seltsam hölzern, die Handlungsmotive einzelner Protagonisten wurden mir nicht präzise genug herausgearbeitet, Kausalketten nicht deutlich genug dargestellt.

Fazit

Beim Lesen dieses Buches merkt man sofort: Klaus D. Kuhlmann hat sich intensiv mit Themen wie Religionsgeschichte und der Geschichte der Zivilisation beschäftigt. Diese immens großen Themen in ein Buch zu packen, ist unbestritten eine Herausforderung. Und um ganz ehrlich zu sein: der Funke ist bei mir nicht immer übergesprungen. Ob es nun an meinem mangelnden Hintergrundwissen lag, oder ob der Autor wirklich ein zu großes Faktenwissen voraussetzt: ich musste mich phasenweise wirklich zwingen, das Buch weiterzulesen. Allzu oft verlor ich die Orientierung zwischen Saduzzäern, Babyloniern, Griechen, Römern und Phöniziern. Oft wusste ich nicht mehr, wer Feind oder Freund war oder wer gerade wen aus welchen Gründen hinterging. Oft fehlten mir die Entwicklung von Charakteren oder das Zeichnen von lebensnahen und farbenfrohen Bildern vor meinem geistigen Auge, die ein Mitfiebern oder Mitleiden mit dem Volk der Raben erst ermöglicht hätten. In den vielen Kapiteln jedoch, in denen es Klaus D. Kuhlmann gelingt, Emotionen zu wecken und Geschichte lebendig werden zu lassen, ist "Das Volk der Raben - Der Aufstieg" eine tolle Lektüre, die Lust macht, den zweiten Teil dieser Chronik zu lesen, um den Kampf dieses tapferen Volkes um das Fortbestehen seiner Traditionen und Werte beizuwohnen. Nicht zuletzt die schon jetzt im Buch auftauchenden Zeitsprünge in die Gegenwart lassen noch spannende Ereignisse erwarten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere