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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2019

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Origin
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Dan Brown und ich, das wird nichts mehr. Ich habe vor vielen Jahren seine ersten beiden Robert-Langdon-Romane gelesen und war nicht besonders beeindruckt. Nach einer langen Pause habe ich mich nun wieder ...

Dan Brown und ich, das wird nichts mehr. Ich habe vor vielen Jahren seine ersten beiden Robert-Langdon-Romane gelesen und war nicht besonders beeindruckt. Nach einer langen Pause habe ich mich nun wieder an einen Dan-Brown-"Thriller" gewagt und was mich Anfang der 2000er Jahre gestört hat, stört mich auch jetzt noch:

Was ich Dan Brown zugute halten muss ist, dass er grundsätzlich tolle Ideen hat und so ist die Inhaltsangabe jedes einzelnen Buches spannend zu lesen und verspricht viel. Genau das ist entpuppt sich dann letztlich aber das Problem, denn eine gute Idee zu haben und diese gut umzusetzen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Brown versucht ständig, Spannung zu erzeugen, indem er dem Leser Informationen vorenthält. Diese Vorgehensweise kann man durchaus geschickt angehen. Dan Brown allerdings geht mit dem Holzhammer vor, soll heißen, dass Erzählstränge immer genau dann unterbrochen werden, wenn zum Beispiel ein Gespräch stattfindet, in dem das ach so wohlgehütete Geheimnis verraten wird. Das ist beim ersten Mal noch hinnehmbar, aber wenn das im Verlauf von fast 700 Seiten immer wieder so gehandhabt wird, ist es nur noch ein billiger Trick und für die Leser ermüdend.

Hinzu kommt im Fall von "Origin", dass bei aller Absurdität der Handlung schon sehr früh klar ist, wer hinter allem steckt. Die - aus Sicht von Brown wahrscheinlich subtil gemeinten - Hinweise sprechen eine so deutliche Sprache, dass man sich fragt, was die Geheimnistuerei des Autors soll. Das bisschen Spannung, das hätte aufkommen können, verpufft ohne jede Wirkung.

Nach dem ersten Drittel des Buches wollte ich nur noch zum Ende kommen. Alles ist so schrecklich bemüht, so furchtbar konstruiert, so hanebüchen, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, "Origin" zu lesen, zumal das Buch zu allem Überfluss schlicht zu lang geraten ist. Wenn man bedenkt, dass sehr wahrscheinlich ein Lektor unzählige Verbesserungen vorgenommen hat, stellt sich die Frage, was Brown ursprünglich abgeliefert hat. Das Ergebnis jedenfalls lässt nichts Gutes erahnen.

"Origin" ist voller verpasster Chancen und der Thrill bleibt aus. Schade, den mit Robert Langdon hat Brown eine grundsätzlich interessante und sympathische Figur geschaffen und die zugrunde liegende Idee hätte zu einem tollen Ergebnis führen können. Leider ist Brown kein guter Schriftsteller, so dass die Ideen im Sande verlaufen.

Ich werde wieder die Hände weglassen von Dan-Brown-Werken. Es gibt so viele gute Schriftsteller, so viele gute Bücher, so viele gute Thriller, dass mir die Brown-Bücher weiß Gott nicht fehlen werden.

Veröffentlicht am 20.01.2019

Tolles Debüt, sehr guter Kriminalfall

Hitze
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"Thriller" verkaufen sich offenbar so gut, dass selbst Romane wie Jane Harpers "Hitze" mit diesem Attribut versehen werden, auch wenn sie eher Kriminalromane - und in diesem Fall Kriminaldramen - sind. ...

"Thriller" verkaufen sich offenbar so gut, dass selbst Romane wie Jane Harpers "Hitze" mit diesem Attribut versehen werden, auch wenn sie eher Kriminalromane - und in diesem Fall Kriminaldramen - sind. Das ist schade, denn wer einen Thriller erwartet, wird von "Hitze" tendenziell eher enttäuscht sein. Dabei hat Jane Harpers Debüt das überhaupt nicht verdient, denn "Hitze" ist ein durch und durch gelungener (Kriminal-) Roman.

Hapers unaufgeregter, präziser Schreibstil passt hervorragend zu den Geschehnissen, die im fiktiven australischen Städtchen Kiewarra stattfinden: Aaron Falk reist nach 20 Jahren zurück in seine Heimatstadt, um an der Beerdigung seines ehemals besten Freunde Luke Hadler und dessen Familie beizuwohnen. Doch Lukes Eltern lässt der Tod ihres einzigen Kindes keine Ruhe und sie bitten Aaron, die Hintergründe der Familientragödie zu untersuchen. Schon bald vermengen sich Vergangenheit und Gegenwart.

"Hitze" in Kürze gerecht zu werden ist schwer, denn Harper hat ein wunderbar facettenreiches Buch geschrieben. Die Charaktere wirken durchweg realistisch, ebenso der Ort des Geschehens. Die Hitze, die Dürre ist ebenso spürbar wie die Kargheit, Tristheit und damit verbundene Härte des Lebens auf dem australischen Land. Das Leben ist dort alles andere romantisch. Geschickt verwebt Harper die dramatischen Erlebnisse aus Lukes und Aarons Kindheit/Jugend mit der Gegenwart und das Finale des Romans, die Aufklärung des Falls ist so dramatisch (und entwickelt echte Pageturner-Qualitäten) und gleichzeitig deprimierend, dass es auch dann noch nachwirkt, wenn das Buch längst beiseite gelegt wurde, auch wenn das Ende ein kleines bisschen konstruiert wirkt.

Ist die Konstruktion übertrieben? Verdirbt sie alles? Aus meiner Sicht nicht. Aus meiner Sicht ist am Ende alles durchaus nachvollziehbar, nur der Zufall ist zum Schluss doch etwas zu häufig freundlicher Helfer.

Alles in allem bin ich am Ende aber eine dankbare Leserin und froh, mir diesen Kriminalfall gegönnt zu haben. Vor allem bin ich gespannt, ob der zweite Roman von Jane Harper, der bereits erhältlich ist, ähnlich gut ist wie sein Vorgänger. Ich wünsche es mir sehr.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Atmosphärisch dichter Thriller

Tattoo
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„Tattoo“ hat mich positiv überrascht. Dieser Thriller war ein reiner Verzweiflungskauf. Ich stand im Buchladen und wollte unbedingt ein Buch kaufen, fand aber keins, das mich angelacht hätte. Und der Text ...

„Tattoo“ hat mich positiv überrascht. Dieser Thriller war ein reiner Verzweiflungskauf. Ich stand im Buchladen und wollte unbedingt ein Buch kaufen, fand aber keins, das mich angelacht hätte. Und der Text auf dem Backcover ist dermaßen bescheuert, dass ich „Tattoo“ eigentlich hätte liegen lassen müssen. Jetzt, nachdem ich den Thriller gelesen habe, bin ich froh, dass ich ihn mir doch gegriffen habe.

Denn – und das hätte ich anhand der Inhaltsangabe nicht gedacht – „Tattoo“ ist angenehm unaufgeregt geschrieben. Auf ausufernde Gewaltdarstellungen wurde weitestgehend verzichtet und der Fokus liegt – selten genug heutzutage – auf den Ermittlungen. Faktisch ist „Tattoo“ mehr eine Detektivgeschichte als ein Thriller, aber der Roman ist spannend genug, um die Bezeichnung Thriller zu rechtfertigen. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass im Verlauf der Geschichte nicht massenhaft weitere Menschen sterben müssen, sondern die Todesrate stabil bleibt. Und auch dass der Fokus nicht auf dem Dornenkiller (Augenrollen hier einsetzen) liegt, sondern auf den Ermittlern, hat mich sehr angesprochen. Vor allem aber ist „Tattoo“ atmosphärisch dicht, die ständige Bedrohung ist für den Leser die ganze Zeit spürbar.

Vor allem aber gefallen mir die Protagonisten, allen voran Ruth Lake, die eine Ruhe ausstrahlt, die sie mir durchweg sympathisch gemacht hat. Das machte es mir leicht, mich auf ihre Seite zu schlagen und mit ihr zu fiebern. Sie und ihr Kollege bzw. Vorgesetzter Greg Carver bilden ein tolles Duo, von dem ich gerne mehr lesen möchte. Kurz: Ich hoffe, dass „Tattoo“ den Auftakt einer Serie bildet.

Im Grunde genommen hat mich nur eine Sache gestört: nämlich dass der Killer im Finale auch dann noch seine Stimme verfremdet und eine Maske trägt, als er sicher ist, dass sein Opfer nicht entkommen kann. Da ist die Überraschung, wer der Täter ist, künstlich in die Länge gezogen worden.

Trotzdem: Alles in allem ist „Tattoo“ ein gelungener Thriller, der viele interessante Elemente bietet, die unterhaltsam und spannend sind.

Empfehlenswert.

Veröffentlicht am 06.01.2019

Gut für Einsteiger

Layla und das Biest, das sterben möchte 1
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Vorab: Ich habe noch nie einen Manga gelesen. Insofern wusste ich vorher nicht, was mich erwartet und ich kann auch nicht sagen, inwiefern meine Rezi aus Sicht eines "Experten" Sinn ergibt. Diese Rezi ...

Vorab: Ich habe noch nie einen Manga gelesen. Insofern wusste ich vorher nicht, was mich erwartet und ich kann auch nicht sagen, inwiefern meine Rezi aus Sicht eines "Experten" Sinn ergibt. Diese Rezi richtet sich also mehr oder weniger an Einsteiger wie mich und dürfte für Manga-Kenner wenig hilfreich sein. Aber nun will ich langsam zur Sache kommen:

"Layla und das Biest, das sterben möchte" hat mich positiv überrascht. Manga waren mir vorab nur dem Namen nach bekannt, gelesen hatte ich bisher keins. Insofern war die erste Überraschung für mich, dass es von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesen wird. Noch mehr überraschte mich, wie schnell ich mich an die für mich ungewohnte Leserichtung gewöhnen konnte - nach wenigen Seiten war ich voll drin.

Was mich anfangs auch erstaunte: dass nur der Umschlag und die einführenden Seiten vor dem ersten Kapitel detailreich und in Farbe präsentiert werden, der Rest dagegen sind sehr schlicht gehaltene schwarz-weiße Zeichnungen. Mir persönlich hat das gefallen, weil es wenig Ablenkung gibt und so ein hohes Lesetempo gewährleistet ist - was momentan genau das Richtige für mich ist.

In diesem Fall waren die Zeichnungen allerdings teilweise so grob, dass es mir schwer fiel zu erkennen, welcher Charakter da gerade gezeigt wird. Ich bin gespannt, ob der Zeichenstil im zweiten Teil etwas feiner ausfallen wird. Insgesamt aber gefällt mir die Präsentation.

Wichtiger ist mir, dass mir die Protagonisten im Verlauf der Erzählung ans Herz gewachsen sind. Die Geschichte selbst bietet relativ wenig Neues. Im Kern ist es die Geschichte "Die Schöne und das Biest" in modernem und japanischem Gewand. Es gibt allerlei Klischees, die bedient werden. Trotzdem war dieses Buch für mich ein Erlebnis, was aber sicher darauf zurückzuführen ist, dass es mein erster Manga war.

Teil 1 verstehe ich als Einleitung zur Serie. Die Charaktere wurden eingeführt, ihr Verhältnis festgelegt, die Schurken stehen fest. Nun bin ich gespannt, wie es in Teil 2 weitergehen wird, der im Februar 2019 erscheinen wird! Das Buch habe ich bereits vorbestellt.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Nicht ganz so gut wie die anderen Buch von Scheffler/Donaldson

Zogg
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Ich persönlich bin ein bisschen enttäuscht von dem Buch, aber mein Sohn liebt es und daher bekommt es vier Sterne. Die Zeichnungen sind gewohnt toll und auch die Geschichte ist grundsätzlich süß. Mir persönlich ...

Ich persönlich bin ein bisschen enttäuscht von dem Buch, aber mein Sohn liebt es und daher bekommt es vier Sterne. Die Zeichnungen sind gewohnt toll und auch die Geschichte ist grundsätzlich süß. Mir persönlich fehlt aber das Herzliche, das die Geschichten, die ich bisher von dem Duo kannte, ausmachten.

Trotzdem ist mein Sohn verliebt in dieses Buch. Seit wir es haben, muss ich es ihm immer wieder vorlesen. Vor allem mag er natürlich den Drachen. Das ist im Moment das, was ihn am meisten an der Geschichte interessiert. Und mich freut, dass er so viel Spaß an der Geschichte hat.

Zum Vorlesen vor dem Schlafengehen mag mein Sohn das Buch sehr, mir persönlich ist es angesichts der Tatsache, dass ich im Normalfall auch müde bin, wenn ich ihm vorlese, einen Tick zu lang.

Aber das alles ist meinerseits Jammern auf hohem Niveau. Natürlich ist den Machern wieder ein schönes Buch gelungen - ich persönlich finde es nur nicht so gut wie deren anderen Bücher.