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Veröffentlicht am 08.04.2021

Roadtrip mit Hindernissen

Reise mit zwei Unbekannten
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Alex ist trotz bester Vorbereitung bei einem Mädchen abgeblitzt, er kann dies schlecht verarbeiten und bekommt prompt die Diagnose Depression von seinem Arzt. Zur Ablenkung plant einen Trip nach Brüssel. ...

Alex ist trotz bester Vorbereitung bei einem Mädchen abgeblitzt, er kann dies schlecht verarbeiten und bekommt prompt die Diagnose Depression von seinem Arzt. Zur Ablenkung plant einen Trip nach Brüssel. Aus Kostengründen bietet er einen Platz in seinem alten Twingo über die Mitfahrzentrale an. Der Mitfahrer Max stellt sich als die über 90-jährige Maxine heraus, die dem streng reglementierten Seniorenheim entfliehen will, um in Brüssel Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.
Die beiden so unterschiedlichen Reisenden beschnuppern sich argwöhnisch und schließen schließlich Freundschaft. Jeder möchte dem anderen behilflich sein: Alex möchte Max neuen Lebensmut schenken und sie von ihrem Vorhaben abbringen. Max möchte Alex aufrichten, selbstbewusster und offener machen, damit er das Leben genießen kann. Aus unerfindlichen Gründen glaubt die Polizei, Alex hätte Max entführt, um ihr in seinem Wahn etwas anzutun. Die Medien springen auf die Falschmeldung mit großem Spektakel an und heizen die Stimmung mit Berichten und Interviews der Heimleiterin, Alex Eltern und der Angebeteten weiter an.
Auf unauffälligen Nebenstraßen versuchen die Beiden unertappt voranzukommen, lassen sich dabei gerne spontan treiben und ablenken und werden so in absurde Situationen verstrickt, durch die sie immer wieder Erkenntnisse gewinnen oder die zu Gesprächen führen, die sie ihre Situation überdenken lassen.
Wichtige Themen, wie Sterbehilfe, Depression, die Situation für alte Menschen in der Gesellschaft und in Altenheimen, Erwartungshaltungen und Selbstbewusstsein werden hier thematisiert. Leider gehen sie allesamt nicht in die Tiefe. Die Depression des jungen Mannes wird durch Maxines Lebensweisheit in zwei Tagen völlig beseitigt. Ob hier die tollen Erlebnisse der zweitägigen Reise, eine Fehldiagnose oder eine Kombination dieser Umstände ursächlich war, wird nicht erläutert. Maxines Sterbewunsch wird ebenso kurz abgehandelt. Diese unausgewogene Kürze fällt insbesondere deswegen auf, weil viele andere unwesentliche Wortwitze und Umstände häufig sehr ausführlich von einem übergeordneten Erzähler erläutert werden und sich wiederholen. Dieses Palavern hat meinen Lesefluss oft gestört. Die Autorin hat hier leider Potential der sehr schönen Idee durch ihre belehrende Erzählart verschenkt. Irgendwie war es für mich nicht Halbes und nichts Ganzes: für einen ernsten Roman war es nicht tiefgründig genug, für einen humorvollen Roman nicht lustig genug.
Das Buch ließ sich durch die schrullige Art Maxines und einiger witziger Begebenheiten lesen, hat mich aber, nach der tollen Leseprobe mit den interessanten Themen, insgesamt betrachtet leider doch eher enttäuscht.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2021

toller Jugendkrimi

Forever, Ida - Und raus bist du
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Alex Pohl ist hier ein toller Jugendkrimi gelungen, der neben dem Kriminalfall viele aktuelle Themen aufgreift. Der Autor erzählt die Geschichte abwechselnd durch die unterschiedlichen Charaktere, nutzt ...

Alex Pohl ist hier ein toller Jugendkrimi gelungen, der neben dem Kriminalfall viele aktuelle Themen aufgreift. Der Autor erzählt die Geschichte abwechselnd durch die unterschiedlichen Charaktere, nutzt Verhörprotokolle, Whats App Verläufe, Tagebucheinträge, Mitschnitte von Therapeutensitzungen und geht dabei nicht immer chronologisch vor. Obwohl sich diese Aufzählung etwas chaotisch anhört, fügt sich der Text harmonisch zu einem packenden Plot. Diese vielen Perspektivwechsel sorgen für Neugier, Tempo und Spannung, der Stil wirkt dadurch sehr frisch und das Buch lässt sich flüssig fast am Stück lesen und weiß durch Wendungen zu überraschen aber auch zu berühren.

Neben dem Todesfall von Ahmed geht es auch um Neuanfänge, Mobbing, Ausgrenzung, Erpressung, Drogen, Probleme mit den Eltern, soziale Medien. Diese Themen werden nicht erschöpfend tief behandelt, aber sehr jugendgerecht angesprochen. Es gibt sie und Viele sind auf die eine oder andere Art betroffen, „im echten Leben“ wird auch nicht immer alles zufriedenstellend vollständig abgeschlossen, das Leben hinterlässt manchmal Wunden.
Mir hat dieser Jugendroman mit eingebautem Kriminalfall rund um die Schüler in Sonderberg sehr gut gefallen und ich hoffe, der Nachfolger kommt bald heraus.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
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Veröffentlicht am 08.04.2021

über Menschen in Zeiten von Corona

Über Menschen
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Berlin im Corona- Modus, dazu ein überspannter Freund mit Übermotivation fürs Klima: Werbetexterin Dora hält es in ihrer WG nicht mehr aus, eine Veränderung muss her. Sie zieht mit Hund in ein kleines ...

Berlin im Corona- Modus, dazu ein überspannter Freund mit Übermotivation fürs Klima: Werbetexterin Dora hält es in ihrer WG nicht mehr aus, eine Veränderung muss her. Sie zieht mit Hund in ein kleines brandenburgisches Dorf mitten ins große Nix. Wer hier kein Auto hat – so wie Dora – hat es schwer. Das alte Haus, 4000 qm vernachlässigter Garten und ein Dorf mit schrägen Bewohnern bescheren der mutigen Aussteigerin eine erlebnisreiche Zeit, bei der man sie als Leser gerne begleitet.
Neben den heiß diskutierten Themen, die Corona mit sich brachte (Lockdown, Homeschooling, Querdenker und Coronaleugner…) geht es hier auch um die vielen unterschiedlichen Charaktere, die Nachbarn in dem 285 Seelendorf (Dora eingerechnet). Dem Klischee wird Juli Zeh gerecht, als hier Nazis, Rassisten und AfD-Wähler auftauchen, aber sie zeigt auf, dass diese Eckdaten die Menschen nicht ausmachen, zwingt den Leser zu Reflexion. Man muss mit Dora neu denken und hinterfragen, was hinter welcher Fassade steckt, erschrickt vielleicht mit ihr über ein Vorurteil, dessen man sich gewahr wird. Eventuell wird daraufhin die eine oder andere klemmende Schublade im Hirnkastel geöffnet, gelüftet und neu sortiert, vielleicht bestärkt es Manchen aber auch in seiner Sicht auf die Einstellungen. Mal drüber nachdenken schadet ja nicht. ;)

Mir hat das Buch gefallen, es war unterhaltsam, teils humorvoll, regte aber auch zum Nachdenken an und porträtierte unsere aktuelle Zeit.

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Veröffentlicht am 05.04.2021

über die Welt von Alice

Die Erfindung von Alice im Wunderland
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Peter Hunt schreibt in diesem Buch über die beliebten Klassiker „Alice im Wunderland“ und „Hinter den Spiegeln“ sowie über den Erfinder dieser herrlich verrückten und phantasievollen Welt, den Autor Charles ...

Peter Hunt schreibt in diesem Buch über die beliebten Klassiker „Alice im Wunderland“ und „Hinter den Spiegeln“ sowie über den Erfinder dieser herrlich verrückten und phantasievollen Welt, den Autor Charles Lutwidge Dodgson alias Lewis Carroll. Er stellt hierzu den Autor, seine Zeit, seine Familie und Inspiration ausführlich vor und widmet sich ebenso umfassend der geschaffenen Welt und den Werken.
Das Werk ist ein Sachbuch voller Fakten, teils nüchtern geschrieben und somit nicht für jüngere Kinder gedacht, was man evtl. aus dem Cover fehlleiten könnte.
Das Buch ist mit wundervollen Fotos und Bildern aus den Erstausgaben bzw. dieser Zeit angereichert, die man beim Lesen gerne betrachtet. Die Hintergründe rund um den Klassiker waren interessant beschrieben, mir haben sie Lust gemacht die Klassiker wieder aus dem Schrank zu nehmen und nun nochmal mit dem neuen Hintergrundwissen durchzuschmöckern.

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Veröffentlicht am 05.04.2021

Liebe mit Unterbrechung

Fritz und Emma
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Marie Eichendorf ist mit ihrem Mann Jakob in das kleine Dorf Oberkirchbach gezogen, weil er dort eine Anstellung als Pfarrer bekommen hat. Das Einleben ist ihr noch nicht recht geglückt, sie gibt sich ...

Marie Eichendorf ist mit ihrem Mann Jakob in das kleine Dorf Oberkirchbach gezogen, weil er dort eine Anstellung als Pfarrer bekommen hat. Das Einleben ist ihr noch nicht recht geglückt, sie gibt sich aber viel Mühe dort anzukommen. In die bevorstehende 750-Jahrfeier bringt sie sich aktiv ein und lernt dabei viele Dorfbewohner näher kennen. Als es um geplante Ehrungen älterer Mitbürger geht, wird ihr von der tragischen Liebesgeschichte von Fritz und Emma berichtet. Diese haben sich nach Fritz ersehnter Rückkehr aus dem Krieg getrennt und leben nun seit 70 Jahren gemeinsam in dem Dorf und schweigen sich an.
Marie wird neugierig und möchte eine Versöhnung herbeiführen. Die Sturköpfe machen ihr das Vorhaben nicht leicht und Maries eigenes Leben hält auch einige Probleme parat. Nach und nach erfährt der Leser aus unterschiedlichen zeitlichen Perspektiven, was sich zugetragen hat. Das Leben hat 1947 sowie 2019 Enttäuschungen, Verluste, Liebe und Neustarts im Repertoire. Die Geschehen aus beiden Zeitsträngen werden abwechselnd vorgestellt und miteinander verwoben. Die Geschichte kommt nicht immer ganz ohne Klischee aus, aber aufgrund des Schreibstils hat das meinen Lesefluss nicht gebremst. Die Protagonisten und Nebencharaktere sind gut angelegt, es ist wie eine Reise in das kleine beschauliche Dorf in der Hinterpfalz. Ich habe mich dort gut unterhalten gefühlt.

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