Profilbild von Schnuppe

Schnuppe

Lesejury Star
offline

Schnuppe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnuppe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2021

Geschichten vom Heimweg

Asphalthelden
0

Das Buch Asphalthelden beinhaltet 10 Kurzgeschichten über den Heimweg von der Schule. Diese Geschichten sind jeweils sehr berührend und aussagekräftig, hängen aber auch lose zusammen: Alle Kinder gehen ...

Das Buch Asphalthelden beinhaltet 10 Kurzgeschichten über den Heimweg von der Schule. Diese Geschichten sind jeweils sehr berührend und aussagekräftig, hängen aber auch lose zusammen: Alle Kinder gehen auf die dieselbe Schule, so kommen einige Begebenheiten und Ereignisse öfter aus verschiedenen Blickwinkeln am Rande vor.
Es ist dem Autor gelungen die Welt der jeweiligen Protagonisten sehr gut einzufangen, zu beschreiben und in den letzten Zeilen jeweils den Blickwinkel überraschend noch einmal zu verschieben, so dass sich völlig neue Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse ergeben.
Da gibt es eine Superkurzhaargang, die versucht ihr Geld für eine Anschaffung zu vermehren. Der Grund für die kurzen Haar ist eine Solidaritätsbekundung der besonderen Art und das Geld ist für einen zuvor ungeahnten Zweck. Ein Mädchen findet Halt in ihrer Trauer beim Skaten, das Board hat eine spezielle Bedeutung für sie. Ein Junge tritt für seinen Freund ein, als dieser als homosexuell gemobbt wird und zieht so großen Zorn auf sich. Wie man den Schulalltag übersteht, wenn die Eltern versuchen ihren Weg zu finden und man für den dementen Opa da sein möchte oder wie es ist, wenn man vor Sorge um die Mutter erstarrt, kann man hier in tollen Geschichten nachlesen.
Mir haben diese Geschichten sehr gut gefallen. Einzeln lassen sie sich toll lesen, haben jeweils eine tiefergehende Botschaft zu den unterschiedlichsten Themen und bieten gute Gesprächsanlässe. Sie ergeben aber in der Gesamtheit auch eine tolle Geschichte. Dem Autor ist hier ein kleines Schätzchen gelungen, dass ich mir als Schullektüre vorstellen kann. Hier steckt viel mehr drin als nur ein Schulweg. Toll gemacht.
Ein lesenswertes, empathisches Werk, das mich berührt hat und das ich gerne weiterempfehle.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

St. Prian probt den Weltuntergang

Der Wal und das Ende der Welt
0

Eines Morgens wird der Bankanalyst Joe Haak nackt an den Strand von St. Piran in Cornwall gespült. Ein Finnwal hat den Lebensmüden zurückgeschubst, der anschließend von den Dorfbewohnern aufgepäppelt wird. ...

Eines Morgens wird der Bankanalyst Joe Haak nackt an den Strand von St. Piran in Cornwall gespült. Ein Finnwal hat den Lebensmüden zurückgeschubst, der anschließend von den Dorfbewohnern aufgepäppelt wird. Bei einem Strandspaziergang findet Joe eben diesen Wal. Er mobilisiert die 300 Seelen des Dorfes und gemeinsam schaffen sie den gestrandeten Wal zurück ins Meer. Dieses Erlebnis schweißt die Gemeinschaft zusammen und Joe bleibt vorerst im Dorf. In eingestreuten Rückblenden wird Joes Vorgeschichte in Bruchstücken nach und nach erzählt, so dass man sich erschließen kann, warum er in St. Piran gestrandet ist, wieso er bleibt und weswegen er seine Ersparnisse in Lebensmitteln anlegt, mit denen er den ganzen Kirchturm vollstopft. Ab und an kommen auch Sequenzen aus der Zukunft, die offenlegen, dass man den Enkelkindern noch immer von den Ereignissen erzählt, dass Joe und der Wal sogar einen Festtag haben.
Die Geschichte hat teilweise einen philosophischen Anstrich, der jedoch mit einem lockeren Erzählstil kombiniert wurde, so dass man gut zuhören kann. Johann von Bülow hat das Ganze sehr gut eingelesen und den unterschiedlichen Protagonisten mit unterschiedlichen Stimmlagen Charakter eingehaucht.
Ein märchenhafter Stil kommt hin und wieder durch, dennoch wurden vielfältige Themen mit hineingenommen und gut verarbeitet.
Obwohl es um den Weltuntergang geht, ist es keine Dystopie, ein bisschen Wirtschaftskunde und Bankwesen wurden eingearbeitet, und wie die Hierarchien dort funktionieren klingt an. Über eine zweiwöchigen Quarantäne Joes mit einem Pastor werden biblische Themen und Anschauungen in das Geschehen eingeflochten. Liebe, Freundschaft, Hass, Manipulation und andere menschliche Regungen werden thematisiert, doch die Dorfbewohnen kommen in den schlimmsten Situationen gut miteinander aus und sind füreinander da. Dem Egoismus geschuldete Verfehlungen in Krisensituationen kommen nicht vor und die liebenswerte Naivität der Dorfbewohner zeigt sich immer wieder, wenn sei von Fremden bestohlen werden, Schutzmaßnahmen werden nicht ergriffen.
Die meisten Handlungen/Entwicklungen waren nicht unbedingt nachvollziehbar oder logisch, aber darum ging es dem Autor wohl auch nicht, eher um die Anlage einer Parabel über das Leben in Ausnahmesituationen, ein Apell, das Mitmenschlichkeit ein möglicher Weg ist, mit dem man gewinnen kann und dass man gemeinsam mehr erreicht als allein. Die Krankenschwester Aminata fasst dies sehr schön mit einem Sprichwort aus Senegal zusammen: „Alleinsein ist niemals gut, aber wenn du wirklich allein sein musst, dann sei mit einem Freund allein“. Soweit gefiel mir das originelle Buch sehr gut, leider hat ausgerechnet das Happy End den guten Eindruck kaputt gemacht. Das war einfach eine Nummer zu dick aufgetragen, Schade drum.
Dennoch vergebe ich hier gerne vier von fünf Sternen und bin mir sicher, dass ich in dieses Buch immer mal wieder reinhören werde, um St. Prion und seine liebenswerten, schrulligen Bewohner zu besuchen. Johann von Bülows Stimme transportiert die einzelnen Personen, aber auch die Zitate und Methapern sehr glaubhaft und lebendig, so dass man ihm gerne zuhört.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

Die Krähenmutter und ihre Babys

Krähenmutter
0

Krähenmutter ist ein Krimi aus der Laura Kern Reihe von Catherine Shepherd.
Das Kind eines Unternehmers wird am helllichten Tag dreist unter den Augen der einkaufenden Mutter entführt. Als keine Lösegeldforderung ...

Krähenmutter ist ein Krimi aus der Laura Kern Reihe von Catherine Shepherd.
Das Kind eines Unternehmers wird am helllichten Tag dreist unter den Augen der einkaufenden Mutter entführt. Als keine Lösegeldforderung erfolgt, wird das LKA -Team um Laura Kern hinzugezogen. Der Vater verhält sich merkwürdig und der Verdacht entsteht, dass er in den Fall involviert ist. Die Innenministerin mischt sich in die Vorgänge ein und Interna gelangen an die Presse. Die Ermittler geraten zunehmend unter Druck und dann wird ein weiteres Kind entführt. Ein Polizist, der das Team wegen Personalnot unterstützt, entwickelt Interesse an Laura und kommt ihr näher, über ihn wird ein zweiter Fall, der sogenannte Pärchen-Mörder, vorgestellt. Nur in diesen alten Fällen geht es um Tote, ansonsten ist der Krimi unblutig, da es um Entführungen geht. Schlussendlich beide Fälle gelöst, es bleiben keine offenen Enden.
Die Erzählperspektive wechselt kapitelweise, so dass man einen guten Einblick in verschiedene Personen erhält, manchmal wird man als Hörer so auf eine falsche Fährte gelockt oder ist den Ermittlern einen Schritt voraus. Einige Kapitel erzählt ein Kind, das noch bei der Entführerin lebt, dies gibt besondere Einblicke.
Insgesamt hat mich dies Hörbuch gut unterhalten, etwas gestört hat mich jedoch, dass Laura Kerns Vergangenheit so oft in ausführlicher Form thematisiert wurde, dies hätte gerne knapper ausfallen können, die Wiederholungen hätte ich hier nicht gebraucht.
Dana Geissler hat diese Geschichte sehr gut eingelesen, sie interpretiert die einzelnen Charaktere sehr gut und bringt die Geschichte glaubhaft und mit Leidenschaft an den Hörer, so dass man gerne dabei bleibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

Leni Landeis Abenteuer in Hamburg

Das Haus der Mädchen
0

Andreas Winkelmann hat mit "Das Haus der Mädchen" einen spannenden Thriller in Hamburg angelegt, der von Simon Jäger gut eingelesen wurde.
Leni kommt als Praktikantin für einen Verlag nach Hamburg. Sie ...

Andreas Winkelmann hat mit "Das Haus der Mädchen" einen spannenden Thriller in Hamburg angelegt, der von Simon Jäger gut eingelesen wurde.
Leni kommt als Praktikantin für einen Verlag nach Hamburg. Sie ist unsicher und hat wenig Geld zur Verfügung, daher ist sie froh, dass sie ein günstiges Zimmer über eine online-Vermittlung bekommt. Hier freundet sie sich mit Vivi an, die in Hamburg einen reichen Mann kennenlernen möchte. Als Vivi verschwindet, vermutet Leni ein Verbrechen und versucht sie zu finden. Dabei lernt sie einen Obdachlosen kennen, der einen Mord beobachtet hat. Die Beiden bemerken, dass die Fälle zusammenhängen. Der Kommissar, der wegen des Mordes ermittelt, findet in ihnen wertvolle Zeugen. Die Handlung ist sehr spannend, die kurzen, teils offen endenden Kapitel beschleunigen das Tempo, so dass man immer noch einen Track weiter hört, als man eigentlich wollte. Am Ende merkt man, dass der Kommissar auf eine Finte des Täters hereingefallen ist, dadurch wird das Ganze nochmals spannender. Die einzelnen Protagonisten sind gut gezeichnet und stimmige Charaktere. Tolle, kurzweilige Unterhaltung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

Edith wacht auf

Die Phantasie der Schildkröte
0

Ich bin wegen des wunderschönen Covers auf das Hörbuch aufmerksam geworden. Die Geschichte hat etwas von einem Märchen, sehr schön. Edith ist Mitte Vierzig und lebt alleine in einer Dachgeschosswohnung. ...

Ich bin wegen des wunderschönen Covers auf das Hörbuch aufmerksam geworden. Die Geschichte hat etwas von einem Märchen, sehr schön. Edith ist Mitte Vierzig und lebt alleine in einer Dachgeschosswohnung. Ihr Leben ist straff durchorganisiert, es gibt Kleidung für jeden Wochentag, Arbeit und Freizeit sind genau durchgetaktet, alles ordentlich, sauber auf keinen Fall irgendwie auffällig und möglichst ohne zwischenmenschliche Kontakte. Sie hat einen regelrechten Schutzwall aus Ihren Ritualen um sich errichtet. Ihre Mutter trifft sie zu bestimmten Tagen in einem chinesischen Restaurant, diese ist sehr garstig, man bekommt Verständnis für Edith´s autistische Züge und Abschottung. An einem Montag beginnt ein langsames aber beharrliches Umkrempeln der festgefügten Welt. Edith bleibt mit einem Kind im Fahrstuhl stecken. Sie muss mit dem Kind reden und kommt zu spät zur Arbeit. Aus dem Kontakt zu dem Mädchen Schneewittchen ergeben sich viele schöne Momente, die Edith zum Nach- und Umdenken bringen. Immer wieder schneit Schneewittchen herein und lockert einen neuen Stein aus Ediths Mauer, indem sie ihr Aufgaben stellt oder etwas mit ihr unternimmt. Dabei findet Edith neue Ansichten, Freunde und endlich auch ein eigenes Leben. Eine große Hilfe ist auch ihr Opa, den sie erst jetzt kennenlernt. Die Rolle ihrer Mutter aber auch die des Opas als junger Mann werden offenbar, deren Unvermögen und Fehler wurden munter auf das Kind projiziert, die Beiden gehen sehr unterschiedlich mit ihren Fehlern aus der Vergangenheit um. Ediths Erwachen kann man durch die von Luise Helm wunderbar gelesenen inneren Monologe bestens mitverfolgen, immer mit einer Spur Ironie und Humor. Auch die Sturheit, die inneren Zerrissenheit und die Unsicherheit vor dem Unbekannten werden absolut glaubhaft durch die tolle Lesart intoniert. So macht Zuhören wirklich Vergnügen. Das Hörbuch war bis zum Schluss gut anzuhören, dennoch hat mich das Ende etwas unzufrieden gemacht. Die Autorin hat hier einiges zu schnell abschließen wollen, so dass es etwas unrund wirkte. Dennoch ein empfehlenswertes Hörbuch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere