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Veröffentlicht am 15.11.2016

Rasante Mixtur aus Abenteuer und Alchemie

Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten
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"Man hatte ihn gegen den Tresen gelehnt, Handgelenke und Knöchel mit Seilen gefesselt. Sein Hemd war aufgerissen, ebenso wie sein Bauch. Seine Augen waren geöffnet und er starrte mich an, aber er konnte ...

"Man hatte ihn gegen den Tresen gelehnt, Handgelenke und Knöchel mit Seilen gefesselt. Sein Hemd war aufgerissen, ebenso wie sein Bauch. Seine Augen waren geöffnet und er starrte mich an, aber er konnte mich nicht sehen. Er würde mich niemals wieder sehen." (S. 97)

Waisenkind Christopher Rowe arbeitet im Jahr 1665 als 14-jähriger Lehrling des Londoner Apothekers Benedict Blackthorn. Ähnlich wie Goethes Zauberlehrling hat der pfiffige Junge natürlich nichts als Flausen im Kopf, sobald sein Meister mal nicht zugegen ist. Seit kurzem hält jedoch eine mysteriöse Mordserie die Apothekerwelt in Atem - und ehe sich Christopher versieht, steckt er mitten drin in einer Welt aus Mord und Intrige und versucht, ein gefährliches Rätsel zu lösen.
Ist bereits das Cover des Buches ein Wahnsinns-Eyecatcher mit einer sich um einen Erlenmeyerkolben windenden Schlange, taucht der Leser schnell ein in eine spannend verfasste Mixtur aus Abenteuer und Alchemie. Neben Warzentinktur und Schießpulver versucht Christopher nicht nur geheimnisvolle Codes entschlüsseln, sondern muss schon bald um sein Leben fürchten bei dem Versuch, die mysteriösen Morde an den Apothekern Londons aufzuklären. Unterstützt wird er hierbei von seinem treuen Freund Tom Bailey, dem Sohn einer Bäckersfamilie.
Gespickt mit einigen Rückblicken in Christophers bisheriges Leben baut das Buch schnell eine geheimnisvolle Spannung auf. Dabei schafft der Apothekerlehrling es nicht nur, Codes in Codes erfolgreich zu entschlüsseln, sondern auch bereits Erlerntes geschickt anzuwenden. Ein rasantes Abenteuer nicht nur für Jugendliche und Pharmaziestudenten, welches ich kaum aus der Hand legen wollte!

Veröffentlicht am 11.11.2016

Jagd auf einen Serienmörder in einer Atmosphäre des Misstrauens

Der Angstmann
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Dies ist eine Rezension zum ungekürzten Hörbuch des DAV, gelesen von Heikko Deutschmann.
Dresden, Ende 1944: Flüchtlingsströme und Nahrungsmittelknappheit gehören zum Alltag der Bevölkerung, Bombenalarme ...

Dies ist eine Rezension zum ungekürzten Hörbuch des DAV, gelesen von Heikko Deutschmann.
Dresden, Ende 1944: Flüchtlingsströme und Nahrungsmittelknappheit gehören zum Alltag der Bevölkerung, Bombenalarme sowie der politische Druck der Nationalsozialisten verbreiten eine Atmosphäre des Misstrauens und der Angst. Da wird eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden. Kriminalinspektor Max Heller, wegen einer Kriegsverletzung aus dem 1. Weltkrieg vom Kriegsdienst verschont, wird der Fall übertragen. Für Hellers Vorgesetzten, einem überzeugten Nationalsozialisten, ist der Mörder in der Person des jüdischen Exmannes der Toten schnell ausfindig gemacht. Doch Hellers Zweifel stoßen auf taube Ohren - und als die nächste, schrecklich verstümmelte Frauenleiche gefunden wird, verstärkt sich ein Gerücht in der Bevölkerung: Der Angstmann geht um! Schleicht heulend wie ein Tier durch das Chaos des Kriegswinters und sucht sich seine Opfer. Ein jeder will ihn gehört haben, doch niemand hat ihn gesehen. Als im Februar 1945 ein Bombardement Dresden großflächig zerstört, glaubt man den Angstmann für tot. Doch schon bald geht das Morden weiter, und Heller versucht trotz russischer Besatzung, den Serienmörder zur Strecke zu bringen.
Schon die Aufmachung des Hörbuches ist gelungen: Beim Aufklappen blickt man auf die Dresdner Hofkirche. Das Hörbuch ist im praktischen mp3-Format, so dass zwischendurch keine CD gewechselt werden muss.
Inhaltlich ist es dem Autoren Frank Goldammer gelungen, eine bedrückende Atmosphäre des Misstrauens aufzubauen, welche der Story zusätzlichen Schrecken verleiht. Vor allem der verstörende Moment des Bombenangriffs auf die Stadt und das anschließende Herumirren zwischen Trümmern und Verletzten war so ergreifend, dass ich eine Hörpause benötigte, um diese Flut an Bildern, welche mich überrollte, verarbeiten zu können. Die Personen wirken, passend zur damaligen Zeit, in ihrem Handeln sehr authentisch. Die Hauptfigur Max Heller ist kein typischer Held sondern ein Mann, welcher in der Zeit des Massenmords einen einzelnen Serienmörder zur Strecke bringen will, ohne den Nazis oder den anschließenden Besatzern dabei auf die Füße zu treten. Die Auflösung des Falles hat mir sehr gefallen und zeugte von einer angenehmen Komplexität.
Heikko Deutschmann schafft mit seiner Lesung schnell die dem Roman zugrunde liegende Atmosphäre. Geschwindigkeit und Betonung sorgen für ein angenehmes Hörerlebnis, die Dialoge wirken wie gesprochen und nicht wie abgelesen. Einzig bei den Frauendialogen hat es für meinen Geschmack ein wenig mit der Authenzität gehapert. Ebenso hat mich gestört, dass Herr Deutschmann den Russen einen entsprechenden Dialekt verpasst hat, diesen aber zwischendurch ablegte statt konsequent durchzuziehen. So muss ich leider einen halben Stern abziehen und gebe dem Hörbuch 4,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 07.11.2016

Ein bezauberndes Werk über Mut, Magie und Freundschaft

Drachenreiter
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19 Jahre nach den spannenden Abenteuern des Drachenreiters Ben und dem Drachen Lung folgt nun endlich die langersehnte Fortsetzung: Die Drachen haben ein sicheres Zuhause in einem Tal des Himalajas gefunden, ...

19 Jahre nach den spannenden Abenteuern des Drachenreiters Ben und dem Drachen Lung folgt nun endlich die langersehnte Fortsetzung: Die Drachen haben ein sicheres Zuhause in einem Tal des Himalajas gefunden, während Familie Wiesengrund erfolgreich in Norwegen eine geheime Schutzstation für Fabelwesen errichtet hat. Doch durch ein tragisches Unglück schwebt der ungeschlüpfte Nachwuchs des letzten noch lebenden Pegasus in Lebensgefahr. Einzig die seltene Sonnenfeder eines Greifs kann die Jungen noch retten. Werden Drachenreiter Ben, sein Adoptivvater Barnabas Wiesengrund und ihre Freunde es schaffen, Hilfe von diesem grausamen Todfeind aller Drachen zu erhalten und die Pegasusfohlen retten können? Ein gefährliches Abenteuer beginnt...
Cornelia Funkes grandioser Roman entführt den Leser in eine bezaubernde Welt der Fabelwesen und Tiere. Beim Lesen merkt man, wieviel Liebe und Magie sie in die Welt des Drachenreiters hineinfließen ließ. Neben passenden Zitaten zu jedem Kapitel sind es zudem vor allem die vielen wunderschönen Illustrationen der Autorin, mit denen sie das Abenteuer um Drachen Lung und seine Freunde reich verziert hat.
Ein bezauberndes Werk über Mut, Magie und Freundschaft, faszinierend und bildgewaltig!

Veröffentlicht am 23.10.2016

Der Mythos lebt!

Carter & Lovecraft: Das Erbe
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Es begann mit dem Ende - und endet mit dem Anfang! Sein letzter Fall als Ermittler der Mordkommission geht einher mit dem Beginn einer Reihe mysteriöser Geschehnisse, Morde und Suizide, wodurch auch sein ...

Es begann mit dem Ende - und endet mit dem Anfang! Sein letzter Fall als Ermittler der Mordkommission geht einher mit dem Beginn einer Reihe mysteriöser Geschehnisse, Morde und Suizide, wodurch auch sein Teampartner sein Leben verlor. Mittlerweile als Privatschnüffler tätig, erbt Daniel Carter von einem Fremden eine Buchhandlung in Providence, Neuengland, samt der Angestellten Emily Lovecraft, letzte direkte Nachfahrin des Autors H. P. Lovecraft, dem Erfinder des Cthulhu-Mythos. Einem Mythos über die Großen Alten, gottähnliche Kreaturen aus einer Welt fernab des menschlichen Verstandes. Und kurz darauf müssen beide mit Erschrecken feststellen, dass H. P. Lovecrafts Erzählungen mehr Wahrheit beinhalten, als ihnen lieb ist... Der Mythos kehrt zurück!
Der Autor hat ein auf H. P. Lovecraft basierendes, eigenständiges Werk geschaffen, deren Protagonisten als Nachfahren der einstigen Kämpfer gegen die Großen Alten nun ihr Erbe antreten und unvorbereitet einen Kampf aufnehmen, dessen Niederlage verheerende Folgen haben könnte. Die Personen sind gut und realistisch getroffen, ebenso wartet J. L. Howard mit einigen gelungenen Ideen auf. Wer den Cthulhu-Mythos bereits kennt, ist vom Verständnis her beim Lesen etwas im Vorteil, da der Horrormythos sich grad erst wieder zu entfalten scheint. Jedoch bleiben am Ende viele, zum Spekulieren offene Fragen übrig, welche nur durch mindestens einen Folgeroman geklärt werden können.
Ein kurzer Blick durch den Briefkastenschlitz in die Welt des übernatürlichen Horrors, bevor der Autor - vielleicht? - die Tür und somit die Büchse der Pandora öffnet.

Veröffentlicht am 23.10.2016

Zuwenig Spannung für einen Thriller

Pretty Baby - Das unbekannte Mädchen
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"Pretty Baby" ist ein Roman, welcher nur langsam in Fahrt kommt. Heidi, selbst Mutter einer vorpubertären Tochter, entdeckt auf dem Arbeitsweg ein junges Mädchen, kaum älter als ihre Tochter, mit einem ...

"Pretty Baby" ist ein Roman, welcher nur langsam in Fahrt kommt. Heidi, selbst Mutter einer vorpubertären Tochter, entdeckt auf dem Arbeitsweg ein junges Mädchen, kaum älter als ihre Tochter, mit einem Baby im Arm. Scheinbar obdachlos, setzt sich Heidi in den Kopf, dem Mädchen zu helfen. Oder doch nur dem Baby? Heidis Mann, Chris, zeigt große Skepsis an dem verwahrlosten Mädchen und beginnt, in ihrer Vergangenheit zu forschen...
Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht Heidis, Chris' sowie des Mädchens Willow geschrieben, wobei Willow rückblickend das Geschehene erzählt. Eine richtige Spannung kommt hierbei nicht auf, vielmehr geschieht einiges auf der Psychoebene, dessen Erklärungen in der Vergangenheit liegen und nach und nach ans Licht gebracht werden. Leider konnte ich mir die Auflösung der Geschehnisse relativ schnell selbst zusammen reimen, so dass der Schluss für mich nur noch eine Bestätigung meiner Vermutungen war.
Ein netter, gut lesbarer Roman ohne allzu große Spannung für zwischendurch, mehr leider nicht.