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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2016

Ein literarisches Mosaik, spannend und bewegend!

Mosaik der verlorenen Zeit
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Ein junger Mann, welcher von einem immer wiederkehrenden Traum zu verbrennen droht und Hilfe in seinen Wurzeln sucht.
Eine junge Frau, deren Herz nie glücklich zu werden scheint und ein Geheimnis birgt.
Ein ...

Ein junger Mann, welcher von einem immer wiederkehrenden Traum zu verbrennen droht und Hilfe in seinen Wurzeln sucht.
Eine junge Frau, deren Herz nie glücklich zu werden scheint und ein Geheimnis birgt.
Ein Mann, der aus Liebe zu ihr ein Buch über sie verfassen wird.
Ein Mädchen, deren Geburt mit dem Ende der Demokratie Guatemalas zusammenfällt.
Ein General, der buchstäblich den Tod in die Dörfer trägt.
Ein Guerilla, der seine Leute verraten wird.
Eine Schamanin, deren Schicksal ihr ins Gesicht geschrieben steht.
Dies sind nur einige der Mosaikteilchen, welche der Autor einem Kaleidoskop gleich um die Wirren des Bürgerkriegs Guatemalas drapiert hat und die sich beim Lesen des Romans langsam zu einem Gesamtbild fügen.
Gekonnt wechselt der Roman immer wieder zwischen Zeit und Raum und lässt den Leser rätseln, auf welche Art die einzelnen Handlungsstränge wohl in Verbindung stehen mögen. Weitere Stilmittel wie Zeitungsartikel und Briefe verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe und lassen vor allem die Schrecken des Bürgerkriegs stark erahnen.
Das "Mosaik der verlorenen Zeit" ist ein Buch, welches mich sehr bewegt hat. Jahrzehnte übergreifend, konnte ich die Anfänge des Schreckens förmlich miterleben, welcher die Bevölkerung Guatemalas überrollte. Der Autor hat es geschafft, die Atmosphäre des Landes auf eine Art wiederzugeben, die mich beim Lesen stark berührte. Auch die Mentalität der Menschen, egal, in welchem Land man sich beim Lesen grad befindet, ist jeweils sehr gut wiedergegeben. Ein literarisches Mosaik, wunderschön und spannend erzählt.

Veröffentlicht am 23.10.2016

Fantastische Kombination aus Krimi, Verschwörung und historischem Roman

Der Turm der Welt
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"Es geht etwas vor in dieser Stadt, copain. Noch weiß ich nicht, was es ist, aber es gefällt mir nicht." (S. 367)

Paris 1889: Die zehnte Weltausstellung, für welche eigens der umstrittene Eiffelturm errichtet ...

"Es geht etwas vor in dieser Stadt, copain. Noch weiß ich nicht, was es ist, aber es gefällt mir nicht." (S. 367)

Paris 1889: Die zehnte Weltausstellung, für welche eigens der umstrittene Eiffelturm errichtet wurde, nähert sich dem Ende. Alles, was Rang und Namen hat, wird sich zum großen Finale auf der Aussichtsplattform des derzeit größten Bauwerks der Welt einfinden, um die letzte, geheime Erfindung des verunglückten Erfinders Berneau bestaunen zu dürfen. Doch Gefahr überschattet das Ereignis: Zwei Ermittler des französischen Geheimdienstes werden ermordet auf dem Ausstellungsgelände aufgefunden. Droht der Veranstaltung ein brutaler Anschlag? Einzig die Legende aller Ermittler könnte jetzt noch helfen, doch der Agent verschwand vor 10 Jahren. Und auch die Schicksale einiger weiterer Menschen sind mit dem Finale der Ausstellung verknüpft, werden in den nächsten Tagen entscheidende Wendungen nehmen...

"Nichts war, wie es schien; überall verbarg sich ein Hintergedanke, eine Täuschung." (S.490)

"Der Turm der Welt" ist eine den Leser verzaubernde Reise in die Vergangenheit. Gekonnt spielt der Autor mit Worten und lässt dadurch bezaubernde Bilder in der Fantasie des Lesenden entstehen. So lässt er die Menschen der damaligen Zeit über neue Erfindungen und Eindrücke fremder Kolonien staunen, während zugleich Ermittler und Offiziere aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland in der Stadt unterwegs sind, Geheimnissen auf der Spur, welche für das Schicksal Einzelner sowie Europas entscheidend sein könnten. Im Laufe des Romans hatte ich mehrfach das Gefühl, ich wäre selbst vor Ort gewesen, hätte die Straßen und Gassen Paris' durchstreift, die Vorführungen der Weltausstellung miterlebt. Neben diesem unterhaltsamen Einblick in die damalige Zeit umreißt der Roman leichtverständlich die damalige Situation der europäischen Großmächte, der Machtverhältnisse und des internationalen Misstrauens, welche eine nicht unbedeutende Rolle spielen.
Nach seinem Roman "Welt in Flammen" ist es dem unter dem Pseudonym Benjamin Monferat veröffentlichenden Autor Stephan M. Rother erneut gelungen, einen fantastisch anmutenden Krimi geschickt in einem historischen Roman zu verpacken. Neben hervorragend ausgearbeiteten Charakteren punktet "Der Turm der Welt" vor allem auch mit einer faszinierenden Liebe zum Detail. So hat der Autor verraten, die im Roman vorkommenden Strecken eigens zu Fuß abgegangen zu sein, um zeitliche Abfolgen so realistisch wie möglich zu gestalten. Und auch die ein oder andere historische Persönlichkeit findet sich im Roman wieder. Nicht zu vergessen die Beschreibung der Weltausstellung, auf der nicht nur die Wild West Show mit Buffalo Bill regen Zustrom fand. Abgerundet wird das Buch mit einem Pariser Stadtplan der damaligen Zeit, in welchem die wichtigsten Schauplätze markiert sind.
Stephan M. Rother alias Benjamin Monferat hat es wieder einmal geschafft, die Buchstaben des Alphabets so gelungen in eine Reihenfolge zu bringen, dass ich die rund 700 Seiten am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte!

Veröffentlicht am 23.10.2016

Literarische Berieselung ohne allzu großen Anspruch

Das Joshua-Profil
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Der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Max Rhode wird demnächst ein schweres Verbrechen begehen - er weiß er nur noch nicht!
"Das Joshua-Profil" ist ein rasant gestalteter Thriller, dessen Spannung primär ...

Der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Max Rhode wird demnächst ein schweres Verbrechen begehen - er weiß er nur noch nicht!
"Das Joshua-Profil" ist ein rasant gestalteter Thriller, dessen Spannung primär durch häufige Wendungen aufrecht erhalten wird. So bleibt lange Zeit unklar, wer welche Ziele verfolgt und somit zu den Guten oder den vermeintlich Bösen gehört. Neben diesem teils etwas überzogenen Verwirrspiel erscheinen die Personen jedoch relativ blass und oberflächlich, die 10jährige Pflegetochter zu clever für ihr Alter.
Auch wenn zwei wichtige Themen im Roman verarbeitet wurden - Datenüberwachung sowie Kindesmissbrauch - habe ich dennoch eine notwendige Vielschichtigkeit im Roman vermisst und kann den Roman eher als literarische Berieselung empfehlen, den man ohne allzu großen Anspruch herunterlesen kann.

Veröffentlicht am 23.10.2016

Rasanter Krimi in japanischer Atmosphäre

Shinigami Games
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Direkt vor Inspector Yuka Satos Augen wird einer ihrer Kollegen hinterhältig ermordet - mitten am Tag, nahe des japanischen Kaiserpalastes in Tokio. Und dies war erst "Runde 1" des tödlichen Spiels, welches ...

Direkt vor Inspector Yuka Satos Augen wird einer ihrer Kollegen hinterhältig ermordet - mitten am Tag, nahe des japanischen Kaiserpalastes in Tokio. Und dies war erst "Runde 1" des tödlichen Spiels, welches der selbsternannte Shinigami, "Dämon des Todes", von nun an mit Yuka Sato spielen wird...
Im dritten Roman der vierteiligen Serie um Inspector Sato wird diese mit einem gefährlichen Gegner konfrontiert: Eine Woche lang muss sie täglich eine weitere Runde seines Spiels bewältigen, Menschen vor dem Tod bewahren, bis in der letzten Runde nicht nur ihres, sondern die Leben unzähliger weiterer Opfer auf dem Spiel stehen werden. Ein Fall, welcher auch unkonventionelle Methoden erfordert. Während der Ermittlungen taucht der Leser in die geschickt vom Autoren konstruierte japanische Atmosphäre ein, bekommt Einblicke in die japanische Kultur.
Das Buch ist entsprechend der Spielrunden des Shinigami in sieben Runden plus Endrunde unterteilt, welche ebenso wie die Unterkapitel mit passenden Titeln versehen sind. Ein Dramatis Personae (Personenregister) sowie ein Glossar über viele japanische Begriffe runden den Roman ab. Als kleines Extra findet sich am Ende des Buches noch ein Kurzkrimi über Yuka Sato, welcher ein Preqel zur Serie darstellt.
Der Roman lässt sich auch ohne Vorwissen der ersten beiden Fälle der Serie gut lesen. Leider habe ich einen für meinen Geschmack notwendigen Tiefgang die Ermittlerin betreffend vermisst, wodurch die ansonsten recht spannende Story vor allem in den ersten Runden teilweise etwas oberflächlich wirkte.

Veröffentlicht am 23.10.2016

Schonungslos und realistisch!

Triptychon
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Mit "Triptychon" ist Thomas Beckstedt ein Thriller gelungen, der Seinesgleichen sucht: Rasant, spannend und vor allem schonungslos wird das intrigante Spiel Wirtschaftsmächtiger geschildert, in dessen ...

Mit "Triptychon" ist Thomas Beckstedt ein Thriller gelungen, der Seinesgleichen sucht: Rasant, spannend und vor allem schonungslos wird das intrigante Spiel Wirtschaftsmächtiger geschildert, in dessen Strudel der ahnungslose Informatiker John Gallagher gerät. Ehe er sich versieht, befindet er sich auf der Flucht, eine Welle der Gewalt und es Todes hinter sich herziehend. Atemlos ist der Leser sowohl den Bösen als auch den vermeintlich Guten auf der Spur, verfolgt, wie John und seine Begleiterin versuchen, das große Geheimnis zu lüften, welches die Welle der Gewalt ausgelöst hat.
Der Thriller vereint eine gekonnte Mischung aus Spannung, Action und Gewalt. Doch vor allem hat mich dieses gnadenlos Realistische des Romans so fasziniert. Der Autor nimmt kein Blatt vor dem Mund, stellt Sex and Crime so dar, wie es wirklich ist, schreckt selbst vor Folterszenen nicht zurück. Doch trotz zeitweiliger Hölle auf Erden kommt die Menschlichkeit im Roman nicht zu kurz.
Als angenehme Bereicherung ist jedes Kapitel zu Beginn mit einem Zitat über Hieronymus Boschs Triptychon versehen, welches der Namensgeber des Thrillers ist und dessen Deutung John Gallaghers Schicksal auf eine gewisse Art mitbestimmt.
Ein Top-Thriller, spannend bis zum Schluss!