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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2021

Verflogener Zauber

Shadowscent - Die Krone des Lichts
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Nachdem der erste Band voller Magie rund um Düfte und deren Potential steckte, war ich gespannt auf den zweiten Teil der Dilogie. Das Buch geht allerdings ohne jeglichen Rückblick auf die bisherige Handlung ...

Nachdem der erste Band voller Magie rund um Düfte und deren Potential steckte, war ich gespannt auf den zweiten Teil der Dilogie. Das Buch geht allerdings ohne jeglichen Rückblick auf die bisherige Handlung los, zudem beginnt es mit Luz als erste Erzählperspektive. Luz? Das war meine erste Hürde, da ich mit Rakel oder Ash gerechnet hatte, während ich Luz zunächst überhaupt nicht zuordnen konnte, ohne nochmal einen Blick in Band 1 zu werfen. Inhaltlich begleitet man Rakel und Prinz Nisai zunächst auf ihrem Weg zum Orden des Asmudtag, wo sie sich Einsicht in wohlgehütete Duftgeheimnisse erhoffen. Zeitgleich wird Ash wegen seiner Eigenschaft, auf eine gewisse Art unsterblich zu sein und einen tödlichen Schatten in seinem Inneren zu tragen, vom kaiserlichen Arzt Zostar für übelste Experimente missbraucht. Und Nisais Bruder droht mit Krieg, um die Macht an sich zu reißen.
Der zweite Band der Dilogie konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Mir fehlte die Magie, welche dem ersten Band innewohnte. Sprachlich ist der Roman zwar wieder stark an Düften orientiert, thematisch geht es aber viel um politische Ziele sowie Misshandlung, um daraus Nutzen zu ziehen. Die Handlung ist aufgesplittet, teilweise langatmig und die Personen blieben mir zu distanziert. Vor allem Luz als Erzählende war mir mit ihrer arrogant-überheblichen Art zu anstrengend, ihre Kapitel mochte ich gar nicht, zumal ich zu ihr so gar keine Verbindung hatte. Die hatte ich eher zu Rakel und Ash, aber auch das verlor sich in den Wirren des Romans diesmal leider viel zu schnell. Irgendwann war von einer Art Superwaffe die Rede - da es um Düfte geht konnte ich mir schnell zusammenreimen, dass die geeignete Abwehr dafür ebenfalls irgendwas Duftiges sein müsse. Statt dem vielen Krieg hier, Feind da hätte ich mir mehr Einblick in die Magie des Ordens gewünscht, aber der hüllte sich dem Leser gegenüber ebenso in Schweigen wie den Menschen in seiner Welt.
Mich hat der zweite Band leider nicht überzeugen können. Zwischen politischer Ränke und steter Herumreiserei blieben mir die Magie ebenso wie der Bezug zu den Hauptcharakteren zu sehr auf der Strecke. Zudem empfand ich die Handlung als recht unübersichtlich.

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Veröffentlicht am 21.02.2021

Spannendes Gestaltwandler-Abenteuer

Falcon Peak - Wächter der Lüfte
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Nach langer Zeit kehrt der 13-jährige Kendrick mit seinem Vater in seine alte Heimat zurück. Hier starb vor 10 Jahren seine Mutter, was ihm bis heute einen immer wiederkehrenen Albtraum beschert. In dem ...

Nach langer Zeit kehrt der 13-jährige Kendrick mit seinem Vater in seine alte Heimat zurück. Hier starb vor 10 Jahren seine Mutter, was ihm bis heute einen immer wiederkehrenen Albtraum beschert. In dem Internat in der Nähe des Falcon Peak, welches in der ehemaligen Familienburg seiner Mutter untergebracht ist, findet er schnell neue Freunde. Und stößt auf ein Geheimnis, welches Teil seiner Familiengeschichte ist
Wächter der Lüfte ist der Auftakt einer neuen Gestaltwandler-Reihe, in der Kendrick feststellt, dass er von seiner Mutter die geheime Fähigkeit geerbt hat, sich in einen Greifvogel zu verwandeln. Was es damit auf sich hat erfährt er nach und nach, als er ins örtliche Internat kommt. Kendrick ist dabei der typische, sympathische Junge, dessen schulische Leistungen nicht immer die besten sind und der auch mal einen trockenhumorigen Spruch auf den Lippen hat. Zudem gefiel mir, dass er von Anfang an kein Interesse daran hat, die Rivalität der im Internat untergebrachten Gruppen Black Wings und White Wings mitzumachen, sondern sich einfach mit Schülerinnen beider Flügel anfreundet und damit festgefahrene Strukturen ein wenig aushebelt. Leider gibt es auch einen nervigen Mitschüler, der meint, Kendrick provozieren zu müssen. Und natürlich das erste gefährliche Abenteuer in einer hoffentlichen Reihe weiterer Abenteuer, durch welches Kendrick ein wenig mehr über seine Mutter und seinen fürchterlichen Albtraum erfährt.
Ein sehr unterhaltsames Gestaltwandler-Abenteuer voller Geheimnisse, die es zu entdecken gilt. Freundschaft und Vertrauen stehen hierbei an vorderster Stelle und der Humor kommt bei Kendrick auch nicht zu kurz. Durch die vielen Abenteuer in der Natur wirkt die Handlung modern und zeitlos zugleich und was den Spannungsfaktor betrifft: Der ist hoch von der ersten bis zur letzten Seite. Einfach genial!

  • Cover
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Veröffentlicht am 15.02.2021

Eine Herausforderung für Leser mit Durchhaltevermögen

DAVE
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Gedankenspielereien um moderne Technologien und deren - vielleicht nicht immer positiv zu bewertenden - Anwendungsmöglichkeiten faszinieren mich. Da es sich bei DAVE um eine Künstliche Intelligenz (KI) ...

Gedankenspielereien um moderne Technologien und deren - vielleicht nicht immer positiv zu bewertenden - Anwendungsmöglichkeiten faszinieren mich. Da es sich bei DAVE um eine Künstliche Intelligenz (KI) handelt und die Autorin für ihre Wortakrobatik bekannt ist, war ich entsprechend gespannt auf den Roman.
Tatsächlich geht es hier um die Frage, ob eine KI mit eigenem Bewusstsein nicht nur möglich, sondern auch erstrebenswert ist. Wo liegen die Vorteile, wo die Gefahren? Würde sich ein Supercomputer mit eigenem Bewusstsein nicht eher gegen Missbrauch zur Wehr setzen als eine simple Rechenmaschine? Oder wäre zuviel Künstliche Intelligenz eine Gefahr für die Zukunft der Menschheit, gar irgendwann eine Bedrohung ihrer gesamten Existenz?
Dies sind einige der vielen Fragen, welchen Programmierer Syz im Roman begegnet. Als Bewohner eines riesigen, schwarzen Monolithen, abgeschottet von der Aussenwelt, ist es das Bestreben nicht nur von Syz, sondern der gesamten Bevölkerung dieses Mikrokosmos, die Superintelligenz DAVE zu perfektionieren. Diverse, nach und nach erkennbare Extrema in der Gesellschaft lassen diese Welt jedoch mit der Zeit immer fragwürdiger erscheinen.

"Ich persönlich habe immer schon daran geglaubt, dass ein Turing-Test nicht nur aussagt, wie überzeugend eine künstliche Intelligenz ist, sondern vor allem, wie dumm und leicht zu täuschen eine Gesellschaft." Zitat S. 235

Die Autorin spielt mit dem Leser. Auf eine Art, welche nicht von Beginn an erkennbar ist. Ebenso wie die KI DAVE entwickelt sich der Stil des Romans von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel. Ein stilistischer, wenn nicht gar schöpferischer Kniff, welcher im Nachhinein betrachtet zwar grandios erscheint, den Leser jedoch vor allem zu Beginn vor ziemliche Herausforderungen stellt. Ich empfand es durch die vielen Fachbegriffe über mehrere Fachgebiete hinweg als anstrengend, der Lesefluss wurd arg gestört. Das kann den Spaß an einem Roman dergestalt trüben, dass viele Leser ein Buch enttäuscht zur Seite legen. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, den Leser nicht zu sehr zu überfordern, um den Spaß am Lesen nicht so stark zu mindern.

Alles war Simulation, aber das störte mich nicht - denn was war Lüge an einer Simulation, wenn sie die Wahrheitsbedingungen selbst gleich mitsimulierte? Zitat S. 302

Von diesem unerfreulichen Start ins Geschehen mal abgesehen war ich insgesamt zu großen Teilen mit der Story zufrieden. Irgendwann setzte bei mir der Aha-Moment ein - von da an hatte ich das Gefühl, die abstruse, stellenweise surreal wirkende Handlung bzw. die Hintergründe immer mehr zu verstehen. Einige wenige Längen bremsten hier und da die Spannung zwar immer wieder mal etwas aus, im Großen und Ganzen gefiel mir dann aber doch die Idee des Romans.
Der Roman DAVE ist definitiv eine ungewohnte Herangehensweise an das Thema Künstliche Intelligenz, wenn auch nicht völlig neu. Erschwerend ist bei diesem Roman vor allem, dass die Autorin das Stilmittel des geschriebenen Wortes mit einsetzt, um die Entwicklung des Romans zu verdeutlichen. Das war mir stellenweise zuviel des Guten und schmälerte den Lesegenuss unnötig. Von daher ist es ein Buch für Leser mit Durchhaltevermögen, die sich von schwierig zu lesenden Textpassagen und surreal wirkenden Szenen nicht allzu schnell vergraulen lassen. (3,5/5 Sternen)

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Veröffentlicht am 15.02.2021

Wie wird man beliebt?

Mein geniales Leben
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In Stockholm gehörte Sigge zu den Aussenseitern der Schule - die anderen Jungen hatten es einfach auf ihn abgesehen und ihn solange miesgemacht, bis auch sein einziger Freund nichts mehr mit ihm zu tun ...

In Stockholm gehörte Sigge zu den Aussenseitern der Schule - die anderen Jungen hatten es einfach auf ihn abgesehen und ihn solange miesgemacht, bis auch sein einziger Freund nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Sowas prägt natürlich. Jetzt ist Sigge mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zur Oma nach Skärblacka gezogen. Alles auf Null, Neuanfang, hier kennt ihn noch niemand. Aber wie gewinnt man Freunde? Reichen ein cooler Haarschnitt und Markenklamotten, die sich Sigges Mutter leider nicht leisten kann? Oder sind doch andere Dinge entscheidend?
Auch wenn der 12-jährige Sigge sich als Freak sieht - in Wirklichkeit ist er ein kreativer und sympathischer Junge. Er weiß es nur noch nicht. Das jahrelange Mobbing der Mitschüler trägt da eine gewisse Schuld dran. Da Sommerferien sind, liest sich das Buch wie ein Countdown bis zum ersten Schultag in seiner neuen Schule. Bis dahin will er es schaffen, beliebt zu werden, sein großer Traum. Aber vielleicht muss man gar nicht beliebt sein, um glücklich zu sein? Sind gute Freunde nicht das Wichtigste? Aber wie findet man Freunde?
Das Buch liest sich erstaunlich amüsant und unterhaltsam, auch wenn Sigges bisherige Erfahrungen natürlich bedrückend sind. Eine wichtige Rolle spielt im Buch z. B. seine Oma, die ihr Hotel schließt, damit Sigge und seine Familie dort einziehen können. Die Oma ist selbstsicher, ein wenig ausgeflippt und kümmert sich nicht darum, was andere über sie denken könnten. Sie ist voll und ganz sie selbst. Etwas, was für Sigge nicht so einfach ist. Ausgefallen sind auch die weiteren Personen rund um Sigge, wobei ich beim Lesen immer mehr das Gefühl hatte, in einem Haufen von Freaks ist Sigge der Normalste von allen. Sehr lustig war zudem die Rolle des Gartenzwergs im Roman, der für einige Lacher beim Lesen sorgte und zeigte, wie einfallsreich Sigge doch in Wirklichkeit ist. Und die Quintessenz des Ganzen: Sei einfach du selbst und wenn die Menschen dich nicht mögen, sind es eben die falschen.
Ein Buch, welches mit ein wenig schwedischer Verrücktheit und Humor wichtige Jugendthemen wunderbar unterhaltsam behandelt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 08.02.2021

Aus dem Leben einer Muse

Inspired
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Niliana gehört zum Volk der goldäugigen Musen, welche im elitären Tressina City leben. Als Jay die 18-jährige entführt, um mithilfe ihrer Magie ein Verbrechen zu begehen, geschieht das Unglaubliche: Die ...

Niliana gehört zum Volk der goldäugigen Musen, welche im elitären Tressina City leben. Als Jay die 18-jährige entführt, um mithilfe ihrer Magie ein Verbrechen zu begehen, geschieht das Unglaubliche: Die Göttin der Musen verbindet beide über das unwiderrufliche Musenbündnis, welches normalerweise Ehepaare miteinander eingehen. Hierbei wird die volle Magie der Musen freigesetzt und befähigt ihre Partner zu besonderen Talenten wie Kunst, Musik oder Rhetorik, je nach magischer Kraft der Muse. Dass Niliana ausgerechnet an den 22-jährigen Ghettojungen Jay gebunden sein soll zerstört nicht nur ihre Zukunftspläne, sondern macht sie zudem äusserst wütend, da sie nie im Leben ein Bündnis eingehen, sondern frei bleiben wollte. Was hat die Göttin der Musen sich nur dabei gedacht?!
Inspired ist eine Urban Fantasy für Jugendliche und Erwachsene, in welchem mehrere Völker wie Musen, Menschen, Elfen und Trolle gemeinsam miteinander leben. Neben einer sich langsam entwickelnden Enemy-to-Lover-Story gibt es ein wenig Abenteuer ebenso wie ein paar gesellschaftskritische Gedankenansätze. Schwerpunkt ist natürlich die Entwicklung zwischen Niliana und Jay, welche zunächst auf einem Haufen von Vorurteilen und Fehlentscheidungen basiert. Nach und nach erfährt zunächst der Leser und nach einiger Zeit auch Niliana, was wirklich hinter Jays Plan steckt, Niliana zu entführen. Und auch Jay muss sein Bild über die Musen mit der Zeit korrigieren.
Gelungen fand ich die kritischen Ansätze, welche im Roman Erwähnung finden. Leider gingen diese für meinen Geschmack trotz ihrer Bedeutsamkeit zu sehr unter, da hätte ich mir ein wenig mehr Entwicklung diesbezüglich gewünscht. Neben ein paar überraschenden Wendungen haben mir zudem die höllischen Figuren sehr gefallen, auch wenn diese nur Nebencharaktere darstellen.
Inspired hat mich vor allem bezüglich der Kreativität rund um die Musenwelt überzeugen können. Der Roman ist abwechslungsreich und bietet die ein oder andere willkommene Überraschung. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und es macht Spaß, die Gedanken und Gefühle der Protagonisten zu verfolgen. Lediglich die Fortführung der angesprochenen kritischen Themen habe ich vermisst, da fehlte mir eine weiterführende Entwicklung. Alles in allem aber eine zu empfehlende Urban Fantasy Lovestory der etwas anderen Art.

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