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Veröffentlicht am 25.05.2022

Ein etwas anderer Krimi

Die Schwebfliege
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Der Einstieg in "Die Schwebfliege - eine schmutzige Geschichte" von Anja Gust fiel mir etwas schwer, hatte ich doch aufgrund des Klappentextes etwas anderes erwartet.
Klappentext:
Falsche Gefühle, gestohlenes ...

Der Einstieg in "Die Schwebfliege - eine schmutzige Geschichte" von Anja Gust fiel mir etwas schwer, hatte ich doch aufgrund des Klappentextes etwas anderes erwartet.
Klappentext:
Falsche Gefühle, gestohlenes Geld und ein schockierendes Geständnis Hinnerk Thies‘ Leidenschaft gehört der Entomologie. Dass sein geruhsames Leben als Schwebfliegen-Nerd je aus den Fugen geraten könnte, ahnt er nicht – bis er eines Abends Opfer eines Trickbetrugs wird. Im Bemühen, die Fesseln dieses zwielichtigen Spiels abzuschütteln, gerät er immer tiefer in den Sumpf der Hamburger Halbwelt. Gleichermaßen abgestoßen wie angetan von deren schillernder Fassade, lernt er die Prostituierte Cindy kennen. Doch ist die ehemalige Biologiestudentin wirklich so ehrlich, wie sie sich gibt? Und welche Rolle spielt ihre Freundin Tatjana? Bald stellen Hinnerks Gefühle ihn vor die schwerste Entscheidung seines Lebens – für oder gegen sein Gewissen. »Die Schwebfliege« Ein spannender Blick auf eine Randgesellschaft, die das Tageslicht scheut.
Auch der Schreibstil der Autorin war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch sehr schnell habe ich mich eingelesen und dann entwickelte der Text eine ganz eigene Dynamik.
Anja Gust zeigt, dass es möglich ist, Umgangssprache als Stilmittel einzusetzen. Gerade ihre Dialoge sind dadurch lebendig und authentisch. Jede Figur hat ihre eigene, individuelle Sprache.
Durch den Stil bildet Anja Gust das Milieu der Geschichte wunderbar ab und es fällt leicht, in die Geschichte einzutauchen. Dies geschieht teilweise humorvoll, dann wieder ironisch oder auch ernst.
Die Figuren sind nicht unbedingt sympathisch, es sind Menschen mit Ecken und Kanten, sie machen Fehler und haben mich als Leserin trotzdem immer wieder angerührt.
Der Mittelteil zog sich für mich etwas in die Länge und der Schluss war mir dann doch wieder ein wenig zu versöhnlich.
Das Buch ist für mich kein Krimi im eigentlichen Sinne (Krimi steht als Untertitel auf dem Cover), sondern ein spannender sozialkritischer Roman (so der Untertitel im Buch), der viele gesellschaftliche und soziale Probleme anspricht.
Fazit: Ein etwas anderer Krimi, der sich schon aufgrund des außergewöhnlichen Stils vom Krimi-Einheitsbrei abhebt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 17.05.2022

Poetische Familiensaga mit interessantem Plott

Das Flüstern der Bäume
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Ich gebe zu, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich "Das Flüstern der Bäume" von Michael Christie begonnen habe, eher etwas wie "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde. Letztendlich hat mich das ...

Ich gebe zu, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich "Das Flüstern der Bäume" von Michael Christie begonnen habe, eher etwas wie "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde. Letztendlich hat mich das Buch überzeugt.
Klappentext:
Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder …
Anders als der titel vermuteten lässt, handelt es sich einfach nur um eine klassische Familiensaga, wobei klassisch ernst gemeint ist. Das Buch ähnelt eher den Geschichten zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit einem sehr poetischen, geruhsamen Stil, der sich manchmal in Einzelheiten verliert. Manchmal musste ich an John Steinbeck denken oder auch an Margaret Mitchell. Die dystopischen Anleihen mit Geschichten aus dem Jahr 2038 dagegen waren für mich überflüssig und eher störend. Der Weltbau wirkte hier unfertig und undurchdacht.
Sehr gut gefallen hat mir der Aufbau nach den Jahresringen des Baumes. Erst war ist etwas skeptisch, ob es möglich ist, eine Geschichte rückwärts und anschließend wieder vorwärts zu erzählen, doch der Aufbau war fesselnd und in sich schlüssig. Die verschiedenen Handlungsstränge (2038, 2008, 1974, 1934, 1908, 1974, 2008 und 2038) sind gut ineinander verflochten und die sich aus der Länge der Zeit ergebenden unterschiedlichen Protagonisten liebevoll und nachvollziehbar gezeichnet. Nur mit Jake, mit der Zeit 2038 hatte ich so meine Schwierigkeiten. Da das buch hiermit beginnt, hätte ich es fast wieder zur Seite gelegt. Zum glück habe ich weitergelesen.
Fazit: Eine poetische Familiensaga. Aber Vorsicht: Wer eine Dystopie erwartet, wird enttäuscht. Und auch die Bäume flüstern nur im Hintergrund.

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Veröffentlicht am 09.04.2022

Eher amerikanisch als britisch

Jigsaw Man - Der tote Priester
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"Jigsaw Man - Der tote Priester" der britischen Autorin Nadine Matheson ist eher ein amerikanischer Thriller als ein englischer Krimi. Es handelt sich um den 2.Band der Reihe. Den ersten Band habe ich ...

"Jigsaw Man - Der tote Priester" der britischen Autorin Nadine Matheson ist eher ein amerikanischer Thriller als ein englischer Krimi. Es handelt sich um den 2.Band der Reihe. Den ersten Band habe ich nicht gelesen, konnte der Handlung und den Personen jedoch gut folgen.
Klappentext:
Als DI Anjelica Henley zu einem neuen Tatort gerufen wird, schwant ihr nichts Gutes: In einer kleinen Londoner Kirche wurde ein Pastor brutal ermordet. Während Henleys Team den Tatort genauer untersucht, entdecken sie in einem Nebenraum einen angeketteten, halbtoten jungen Mann. Henleys Bauchgefühl sagt ihr, dass der junge Mann nicht vom Mörder eingesperrt worden ist. Aber wer war es dann? Und warum wurde der Pastor ermordet? Henley sucht fieberhaft nach Antworten, aber stattdessen stößt sie nur auf immer mehr Leichen, die auf die gleiche Art zu Tode gequält wurden wie der junge Mann aus der Kirche. Haben Henley und die Serial Crimes Unit es etwa mit einem religiösen Serienmörder zu tun?
Die Sprache des Thrillers ist teils drastisch, auf jeden Fall sehr anschaulich, was bei den Gewaltszenen für einen Gruselfaktor sorgt, ansonsten das Buch sehr gut lesbar macht.
Die Handlung ist - wie bei vielen Thrillern - vorhersehbar, nur das Ende konnte mich dann doch etwas überraschen. Es ist blutig, es gibt viel zu viele Opfer und die ermittelnden Polizist:innen leisten Übermenschliches. Doch das alles gehört zu einem amerikanischen Thriller nun mal dazu.
Gut gefallen haben mir die handelnden Polizist:innen und ihre Nebengeschichten. Diese sorgen für ein Atempause im actionreichen Geschehen und Matheson greift hier ganz nebenbei viele gesellschaftlich relevante Themen auf: Rassismus in Gesellschaft und Polizei, Umgang mit psychisch Erkrankten, Eheprobleme, Sekten, sexueller Missbrauch.
Das Ermittlungsteam war mir etwas zu groß, ebenso die Zahl der Verdächtigen. Dadurch wurde manchmal der Spannungsaufbau unterbrochen.
Fazit: Ein gelungener Thriller, der sich allerdings nicht aus der Masse abhebt.

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Veröffentlicht am 21.03.2022

Großer Familienroman mit unsympathischem Protagonisten

Flüchtiges Glück
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Wie in "Geteilte Träume" bringt uns Ulla Mothes wieder die deutsch-deutsche Geschichte und besonders die Geschichte der ehemaligen DDR nahe. Und das macht sie sehr gut.
Cover und Titel passen jedoch aus ...

Wie in "Geteilte Träume" bringt uns Ulla Mothes wieder die deutsch-deutsche Geschichte und besonders die Geschichte der ehemaligen DDR nahe. Und das macht sie sehr gut.
Cover und Titel passen jedoch aus meiner Sicht überhaupt nicht zum Buch. Es geht nicht um flüchtiges Glück, sondern um die Frage, was Glück überhaupt bedeutet und was dafür notwendig ist. Arbeit? Vertrauen? Liebe? Familie?
Und es geht um die Frage, inwieweit Schuld in einer Familie weitervererbt wird, sich über Generationen fortsetzt und das Leben vergiftet.
Ein spannendes Thema, das mich sehr beschäftigt, aber bei Ulla Mothes wirkt es etwas konstruiert.
Das liegt an der Figur Navid, einem afghanischen Flüchtling, der Milla erst heiraten will, wenn das großes Familiengeheimnis gelüftet ist. Das ist nicht nur unsympathisch sondern wirkt auch konstruiert. Ein afghanischer Flüchtling, der Schweinefleisch ist, Alkohol trinkt, Sex in der Öffentlichkeit liebt - aber in Familienbanden von Schuld und sühne verfangen ist? Ein junger werdender Vater, der seine Freundin angeblich liebt, aber die Hochzeit an schmerzende Bedingungen knüpft? Die Figur ist mir nicht nur unsympathisch, sie wirkt auf mich auch völlig unglaubwürdig. Das irgendwann in der zweiten Hälfte endlich Navids Geschichte erzählt wird, die das Motiv für sein Verhalten erklären soll, kam für mich viel zu spät.
Auch die Symbolik des "Drachen steigen lassen" wird für mich überstrapaziert.
Die Schilderung des DDR-Alltags im Industriegebiet ist gelungen, die Figuren sind glaubwürdig.
Auch die Familiengeheimnisse erscheinen mal groß, mal klein, berühren aber. Und nicht alles ist so, wie es auf dem ersten Blick scheint und so bleibt das Buch bis zum Ende spannend.
Fazit: Ein spannendes Stück DDR-Geschichte, ein großer Familienroman, der allerdings selbst ein Stück Glaubwürdigkeit verspielt.

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Veröffentlicht am 27.02.2022

Gelungener Auftakt mit Potential nach oben

Trauma – Kein Entkommen
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Ich habe lange überlegt: Noch mehr Thriller und dann noch eine ganze Reihe. Lohn sich das? Schließlich habe ich mich entschlossen die Trauma-Reihe von Cristoph Wortberg zu beginnen. "Trauma - Kein Entkommen" ...

Ich habe lange überlegt: Noch mehr Thriller und dann noch eine ganze Reihe. Lohn sich das? Schließlich habe ich mich entschlossen die Trauma-Reihe von Cristoph Wortberg zu beginnen. "Trauma - Kein Entkommen" konnte mich überzeugen.
Klappentext:
Zwei Tote, der eine ertrunken in einem See, der andere erstickt in einem Kühlschrank. Die Parallelen zwischen den Fällen sind frappierend: Hier wie dort stirbt ein schwer traumatisierter Mann unter Umständen, die an jenes Erlebnis erinnern, das die Traumatisierung ausgelöst hat. Handelt es sich wirklich um Suizide, wie es die Obduktion nahelegt und der Psychoanalytiker Dr. Hanning bestätigt?
Katja Sand als Münchner Mordermittlerin konnte mich zum größten Teil überzeugen. Ich liebe Krimis und Thriller, in denen die Personen im Vordergrund stehen, in den es psychologisch ausgefeilt zugeht und nicht so blutig. An einigen Stellen hat Christoph Wortberg aus meiner Sicht jedoch etwas überzogen. Da bremst die private Geschichte von Katja die eigentliche Handlung aus und unterbricht den Spannungsbogen.
Dass die leitende Ermittlerin selbst unter einem Trauma leidet, ist grundsätzlich eine gute Idee und soll sicher für zusätzliche Spannung sorgen, die vielen Andeutungen haben mich jedoch manchmal genervt, da von Anfang an klar ist, dass die Lösung erst im dritten Band folgt.
Die Geschichte war spannend, gut erzählt und es wurden verschiedene Lösungsmöglichkeiten vorgestellt. Trotzdem war mir recht schnell klar, wer der Täter war und der "Show down" dann doch etwas übertrieben. Ist halt ein Thriller.
Fazit: Ein interessanter erster Band, der Lust auf mehr macht, aber da ist noch Potential nach oben.

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